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Vegan contra Rohfütterung?

Es gibt mal wieder einen neuen Trend bei der Hundefütterung: vegane Ernährung. Wie immer, wenn etwas Neues als die Lösung für egal welches Thema angepriesen wird, sollte man genau hinsehen.

Damit das klar ist: ich selber ernähre mich zu ca. 98% vegan, 98 % deshalb, weil es Situationen gibt, in denen es einfach schwierig ist. Da greife ich dann zu den vegetarischen Alternativen. Ich würde es sehr gut finden, wenn immer mehr Menschen sich für eine vegane Ernährung entscheiden würden. Die Argumente sind bekannt: Massentierhaltung und Tierwohl gehen nicht zusammen, genauso wenig Massentierhaltung und Umwelt- und Klimaschutz. Menschen können sich sehr unkompliziert vegan ernähren, da bis auf ganz wenige Inhaltsstoffe so gut wie jedes fleischhaltige Lebensmittel durch ein pflanzliches ersetzt werden kann. Wenn man sich ein wenig damit befasst, kann man sogar weitgehend ohne Ergänzungen auskommen.

Geht das jetzt auch bei Hunden? Schließlich gibt es mittlerweile jede Menge Studien, die behaupten, dass vegane Ernährung eine sehr gute Alternative wäre. Auch Tierärzte raten dazu, denn roh gefütterte Hunde hätten mehr Probleme als vegan ernährte – angeblich.

Die Studien, die ich gesehen habe, lassen diesen Schluß nur leider nicht zu. Es wird nicht genauer ausgeführt, auf welcher Grundlage man gesundheitliche Probleme explizit der Ernährung zuordnen kann. Vielleicht haben manche ja ihre Ursache in Inzucht, grundsätzlich schlechter Haltung und falscher Aufzucht. Außerdem schneiden roh gefütterte Hunde – geringfügig aber doch besser ab als alle anderen. Ich konnte auch nicht herausfinden, wer diese Studien in Auftrag gegeben hat, und das macht mich dann schon immer misstrauisch. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass welches Forschungsinstitut auch immer einfach mal so aus Jux und Dollerei doch recht aufwendige und damit kostenintensive Studien durchführt, weil ihnen grad danach ist und ohne zu wissen, wer das bezahlt. Falls also jemand weiß, wer diese Studien in Auftrag gegeben hat, wäre ich sehr dankbar für die Information.

Es gibt einige Gründe, warum man einer veganen Ernährung von Hunden und Katzen kritisch gegenüber stehen sollte. Wir sehen uns das mal ein bisschen genauer an.

– Hunde und Katzen sind keine Allesfresser im Sinn von Schweinen, die buchstäblich alles fressen, was ihnen so in den Weg kommt. Genauso wenig wie Menschen Allesfresser sind. Katzen sind tatsächlich reine Beutetierfresser, die sehr gut mit einer Ernährung klarkommen, die aus Beutetieren, sprich Mäusen, Maulwürfen und Vögeln besteht. Hunde haben ihre Verdauung durch ihr Leben mit den Menschen ein wenig angepasst und sind deshalb in der Lage Kohlehydrate in geringem Mass zu verdauen. Mit einer Kost, die überwiegend aus Schlachtabfällen aller möglichen Tiere und einem geringen Gemüseanteil besteht, kommen sie hervorragend klar. Menschen dagegen sind in der Lage sich rein vegan zu ernähren und ihren Eiweißbedarf pflanzlich zu decken. Wer sich sehr gut auskennt, muß nicht mal Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen. Man kann das gut nachvollziehen, wenn man sich die Gebisse und den Verdauungstrakt der verschiedenen Tiere ansieht. Das auszuführen, sprengt den Rahmen dieses Artikels.

– Es gibt pflanzliche und tierische Proteine. Ob es tatsächlich möglich ist für Beutetierfresser, ihren Bedarf an Proteinen pfanzlich zu decken, darf bezweifelt werden. Tierärzte, die dem ganzen nicht so richtig trauen, raten zur vegetarischen Ernährung von Hunden und da wirds dann schon kompliziert. Denn auch Milchprodukte stammen von Tieren aus Massentierhaltung. Für mich ist das Joghurt oder der Quark aus angeblicher Biohaltung ethisch deutlich verwerflicher, denn hier nehme ich einem Tierkind die Nahrung weg, die für es vorgesehen ist – egal ob die Haltung bio ist oder nicht. Und was mit den meisten Kälbchen und Lämmern in ihrem kurzen Leben passiert, ist alles mögliche aber ganz sicher nicht ethisch einwandfrei.

– Ich bin davon überzeugt, dass man gute und wohlschmeckende vegane Mahlzeiten für Hunde zubereiten kann. Wenn ich meinen Hunden Räuchertofu, veganen Käse oder vegane Würstchen anbiete, finden sie das sehr lecker. Aber zu einer guten und ausgewogenen Ernährung gehört einfach mehr. Dazu gehört auch, dass man kaut, bzw. im Fall der Hunde sein Fleisch oder seinen Knochen zerkleinert und daran herumnagt. Das finden Hunde nicht nur toll, das ist auch wichtig zum Zähneputzen und um den Magen auf die Mahlzeit vorzubereiten. Wenn man sein Essen einfach so runterschluckt – und das tut man automatisch, wenn man breiiges oder suppiges Essen vorgesetzt bekommt, dann ist das weder für die Zähne noch für die Verdauung gut.

– Selbstverständlich gibt es veganes Trockenfutter. Na toll! Trockenfutter ist grundsätzlich denaturiert, die Verarbeitung ist angepasst an die Maschinen, mit denen es verarbeitet wird und es ist in der Regel so hoch erhitzt, dass alles, was vorher an guten Zutaten – vielleicht – drin war, ganz sicher tot ist. Zudem erzeugt Trockenfutter schlicht und ergreifend durch den zu geringen Wassergehalt gesundheitliche Probleme. Alles, was auf Erden so rumläuft, hat einen Wassergehalt von mindestens 70%, Trockenfutter dagegen einen Gehalt von 6-10%. Das auszugleichen, indem der Hund entsprechend mehr trinkt, ist defacto unmöglich. Nierenerkrankungen sind also vorprogrammiert. Zudem ist es schwer verdaulich, es hat eine Verdauungszeit von teilweise 12-14 Stunden, Rohfutter dagegen 6-8 Stunden. Es liegt viel zu lange im Magen und ist deshalb oft die Ursache für Magendrehungen.

Jetzt sehen wir uns mal die angeblichen Nachteile und Gefahren der Rohfütterung an.

– „Zudem hat bereits eine große Anzahl früherer Studien erwiesen, dass rohes Fleisch viel stärker von pathogenen (krankheitserregenden, Anm.) Bakterien und Parasiten befallen ist.“ Dies ist ein Zitat aus einer Zusammenfassung. Welche Parasiten und Bakterien hier gemeint sind und inwiefern sie für Hunde schädlich sind, kann vermutlich niemand nachvollziehen, der seine Hunde roh füttert. Es wurde meines Wissens nie nachgewiesen, dass Hunde dadurch krank werden. Hunde, die roh gefüttert werden, haben eine deutlich aggressivere Magensäure (3,5%) als Hunde, die Industriefutter bekommen. Ich könnte mir vorstellen, dass das auch Hunde betrifft, die vegan ernährt werden, denn für sie ist eine aggressive Magensäure nicht notwendig zur Verdauung. Diese Magensäure ist durchaus in der Lage, Bakterien und Parasiten, die nicht in den Hund hineingehören, abzutöten. Ein Problem kann es tatsächlich geben, wenn Menschen fahrlässig mit dem Hundefleisch umgehen. Allerdings weiß ich nicht so genau, was einen davon abhält, sich nach der Fütterung die Hände zu waschen. Abgesehen davon gilt das für jedes Fleisch, also auch Fleisch für menschlichen Verzehr.

– Dass Muskelfleisch nur in geringem Umfang an Hunde verfüttert werden sollte, sollte eigentlich jedem bekannt sein, der sich auch nur ein wenig mit gesunder Hundeernährung befasst. Und wer beschließt, seinen Hund mit Rohfleisch zu füttern, der sollte sich ganz dringend damit beschäftigen. Leider werden unsere sog. „Nutz“tiere so gezüchtet, dass der Eiweißgehalt sehr hoch ist, bis zu 35% – weil’s gut schmeckt. Da wir eine vollkommen irrsinnige Überproduktion an Fleisch haben, bleibt für die Hunde eben beim Schlachten nicht nur das übrig, was ihnen bekommt, sondern auch Muskelfleisch. Und weil Menschen eben denken, „was mir schmeckt, schmeckt auch meinem Hund“, füttern sie ihn mitHerz und Muskelfleisch und Beinscheiben, die aus viel zu harten Knochen und Muskelfleisch bestehen, anstatt mit Pansen, Blättermagen und echten Schlachtabfällen wie Fell, Haut, Sehnen, Fett, Adern und einem Anteil Fleisch. Das ist ein Problem, das man leicht lösen kann, indem man seinem Hund einfach kein oder nur selten Muskelfleisch gibt.

– Ebenso sollte jedem klar sein, dass es nicht reicht, seinem Hund einfach jeden Tag die gleiche Sorte Fleisch in den Napf zu kippen. Selbstverständlich muß man sich schon eine Art Plan machen, welche Sorten man wann füttert, wann Rind, wann Pferd, wann Lamm und wann Knochen. Es gehört einfach dazu, wenn man seinen Hund gesund ernähren will, dass man sich mit der Materie ein wenig befasst. Wenn man das nicht tut, sollte man sich über Mangelerscheinungen nicht wundern, Wer das nicht will, kann seinem Hund ja gerne Fertigfutter geben, in dem angeblich „alles drin ist, was der Hund so braucht“. Allerdings sollte man sich nicht wundern, wenn auch das in die Hosen geht.

2003 habe ich meine Hunde umgestellt auf Rohfütterung. Ich darf nicht daran denken, was ich damals für einen Unfug gemacht habe, aber man lernt ja dazu. Allerdings war das die Anfangszeit der Rohfütterung, bzw. des Barfens. Es war nicht so einfach, sich entsprechend zu informieren. Durch Bücher, Vorträge und die intensive Beschäftigung damit, was Hunde wirklich brauchen, werden meine Hunde heute sehr ausgewogen und gesund ernährt. Der älteste Hund, den ich auf Rohfütterung umgestellt habe, war mein alter Anton, der mit 13,5 Jahren bei uns einzog und von Tag zu Tag – auch durch die Ernährung – gesünder und vitaler wurde. Er wurde 16,5 Jahre alt.

Ca. 90% meiner KundInnen füttern auf meinen Rat hin ihre Hunde roh. Wenn die Tierärzte hören, dass jemand auf mein Anraten hin die Ernährung seines Hundes umgestellt hat, sagen sie oft Dinge wie: Bei Frau Rott sind sie da in guten Händen. Meine Hunde und die Hunde meiner KundInnen haben so gut wie keine Parasiten, sie sind selten krank und müssen äußert selten entwurmt werden. Es kann also nicht so falsch sein, was wir da machen.

Jetzt verstehe ich ethischen Argumente der Verfechter einer veganen Hundeernährung sehr gut. Und ich halte es für dringend erforderlich, dass wir Schluss machen mit der Massentierhaltung. Da aber ganz sicher auch in einer Zeit nach der Massentierhaltung Menschen Fleisch essen werden, kann ich mir gut vorstellen, dass dann eben das übrig bleibt, was für die Hunde vollkommen ausreicht: Schlachtabfälle. Die Lösung kann allerdings nicht sein, nach allem, was wir Hunden sowieso schon antun, ihnen ein Futter aufzudrängen, das für sie dauerhaft nicht gut sein kann. Das gilt für Hunde wie auch für Kühe und Schafe, denen man Tiermehl verfüttert hat und die dadurch krank geworden sind. Die Lösung, wenn jemand mit der Problematik „mein Hund frisst Fleisch“ nicht klar kommt, heißt ganz einfach: so jemand kann weder einen Hund noch eine Katze haben. Leider.

Und weil wir schon mal dabei sind, empfehle ich allen, die sich ein bisschen genauer informieren wollen, mein Buch „Wohl bekomm’s – Dein Hund ist, was er frisst“. € 14,90 + Versandkosten
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Wieviel Hunde braucht ein Hund?

Menschen und Hunde sind soziale Lebewesen, das bedeutet, dass sie kein gutes Leben führen können, wenn sie zu wenig Sozialkontakt, sprich zu wenig Hunde- oder Menschenkontakt haben. Aber was heißt das? Zu wenig, oder zu viel, oder genau richtig? Gibt es da Richtlinien, an die man sich ganz grundsätzlich halten kann.

Die Anwort ist ein eindeutiges: kommt drauf an. Nämlich auf deinen Hund.

Es gibt Menschen, die fühlen sich am wohlsten mitten im Gewühl, in einem Hochhaus mit 100 Wohnungen, auf gesellschaftlichen Events wie der Loveparade oder Konzerten mit tausenden von Besuchern. Andere finden das gruselig und gehen wenn überhaupt nur zu gesellschaftlichen Anlässen, wo wenige Menschen hinkommen, leben lieber irgendwo in der Einsamkeit, z.B. in angemessener Entfernung vom Dorf im uckermärkischen Wald so wie ich, Einkaufscenter sind ihnen ein Greuel und sie sind lieber für sich. Das bedeutet nicht, dass die einen sozialer als die anderen sind, sie haben schlicht andere Bedürfnisse, was Sozialkontakte betrifft.

Berta und Lucy
Ungleiche Freundinnen

Bei Hunden ist das durchaus vergleichbar, allerdings finden die meisten Hunde unseren menschlichen Drang zur Enge eher unangenehm. Das hängt natürlich auch damit zusammen, wie man seinen Hund damit vertraut macht. Denn wenn ein Hund nunmal in der Großstadt landet, und schon beim Verlassen der Wohnung auf 3-4 Hunde trifft, dann muß er lernen damit klar zu kommen.

Die Frage ist allerdings: muß er mit denen allen befreundet sein? Muß er ständig und überall Hunde treffen, mit denen er „spielen“ kann? Möchte er das überhaupt?

Es gibt Hunde, die sind deutlich interessierter an Hundekontakten als andere. Ganz pauschal kann man die Retreiver nennen, allen voran die Goldies. Das ist eigentlich nett, aber leider finden das andere Hunde nicht unbedingt lustig, wenn der supernette und sehr spielbegeisterte Labi oder Goldie mit den besten Absicht angerannt kommt, denn andere Hunde haben einfach andere Prioritäten und andere Bedürfnisse. Der andere Hund kann krank sein und ist deshalb schutzbedürftig, er kann schlechte Erfahrungen mit anderen Hunden gemacht haben, aber kann auch einfach einer sein, der grundsätzlich nicht so wild auf Hundekontakt ist und viel Distanz braucht. Und das ist sein gutes Recht.

Indiane
Indiana legt überhaupt keinen Wert auf Kontakt mit fremden Hunden. Wenn sie vorbeigehen – kein Problem.

So weit, so gut. Aber ist das nicht gemein, wenn mein Hund, der so gerne spielt, nicht genug Hundekontakt hat?

Da stellt sich mir die Frage, was ist wichtiger? Quantität – also viel Hundekontakt – oder Qualität – nämlich wenig, aber guter Hundekontakt? Ich behaupte, für alle Hunde ohne Ausnahme ist die Qualität definitiv wichtiger.

Welpen von freilebenden Hunden, also ca. 70% der auf der Welt lebenden Hundepopulation, wachsen eher isoliert auf. Ihre Mutter würde ihnen keinen Gefallen tun, wenn sie sie in fremde Reviere stolpern ließe. Sie lernen sehr früh von ihr, dass man im Zweifelsfall ausweicht und wenn, dann sehr vorsichtig Kontakt mit fremden Hunden aufnimmt. Freilebende Junghunde, die sich selbständig machen, suchen oft sehr lange, bis sie entweder ein freies Revier oder eine Gruppe, die sie aufnimmt, gefunden haben. Gespielt wird auch nicht mit wildfremden Hunden, denen hund unterwegs mal so eben über den Weg läuft, sondern mit den Gewistern oder mit den Freunden in der Gruppe.

Und für unsere Hunde soll es ein essentielles Bedürfnis sein, mit jedem Hund Kontakt aufzunehmen und womöglich auch zu spielen? Bringen wir da nicht irgendwas durcheinander?

Landra und Loni
Liebevolle Mütter spielen gerne mit ihren Kindern

Ist das überhaupt „Spiel“, was wir bei Begegnungen mit fremden Hunden und auf Hundewiesen sehen? Eher nicht. Denn Spiel ist nur in entspannter Umgebung mit vertrauten Partnern möglich. Denn wenn man seine Spielpartner nicht einschätzen kann, und wer kann das schon, wenn man sich gerade kennen gelernt hat, dann ist das, was Menschen oft als „Spiel“ interpretieren, wohl eher ein spielerisches, gegenseitiges Abschätzen. Wenns gut läuft. Wenns nicht gut läuft, geht so ein „Spiel“ schon mal gründlich in die Hose. Vielleicht findet der Ältere den Jungen sehr aufdringlich und bringt ihn nur dazu aufzuhören, indem er ihn heftig maßregelt. Das muß gar nicht böse gemeint sein, denn der Youngster versteht ihn einfach nicht.

Was ist die Alternative?

Ausgewählte, freundliche Kontakte mit wenigen, netten Hunden, die gerne ein bisschen Zeit miteinander verbringen und sich auch wirklich gut leiden können – das ist es, was Hunde tatsächlich brauchen. Das kann ganz schnell gehen, dass sie Freundschaft schließen, aber manchmal entwickelt sich das erst. Mein Maxl hat immer großes Interesse an unseren Gästehunden, kann aber nicht alle begrüßen, weil die das eben nicht unbedingt wollen. Einen durfte er letztes Jahr kennenlernen, den schwarzen Pudel Idefix. Und das war von beiden Seiten Liebe auf den ersten Blick. Das zeigt sich aber nicht in wildem Getobe, sondern eher in einer sehr innigen Gemeinschaft: zusammen an den gleichen Stellen schnüffeln, die Nähe des anderen suchen oder, wie in diesem Fall, bei gemeinsamen Autofahrten lieber zusammen im Kofferraum beim Maxl sitzen als bei Frauchen auf dem Schoß. So etwas gibt es nicht oft, aber das gibt es.

Maxls anderer Freund, auch ein schwarzer, mittelgroßer Hund namens Balu, war ihm im Junghundetraining anvertraut. Er hat ihm beigebracht, dass man nicht ständig rumrennen und großes Theater machen muß, dass es viel wichtiger ist, mit der Nase die Welt zu erkunden, dass an der Leine nicht getobt wird, zusammen die Gegend absuchen und einscannen ist viel spannender. Aus dieser „Erziehungs“gemeinschaft hat sich eine tiefe Freundschaft entwickelt, die jetzt schon fast 8 Jahre andauert.

Bei beiden Freundschaft ist das besondere, dass sie für oberflächliche Betrachter sehr unspektakulär wirken, denn die Hunde „machen ja nix“. Das stimmt sogar irgendwie, dann sie sind einfach zusammen, gehen gemeinsam spazieren, sitzen zusammen mit uns auf einer Bank und machen Pause, schnüffeln an interessanten Spuren und machen sich gegenseitig auf Sachen aufmerksam, die Hunde gut finden – und das ist Qualität. Und das brauchen Hunde – ALLE!

Maxl und Pogo
Maxl und Pogo waren sehr gute Freunde, sie haben sich immer gegenseitig besucht, wenn Pogo mit dem Wohnwagen da war.

Lasst die Hundewiesen und ihr unsägliches Gewusel links liegen und sucht euren Hunde Freunde. Euer Hund wird euch schon sagen, wenn er einen anderen nett findet oder eben nicht. Ein guter Freund ist viel wert im Hundeleben, es dürfen auch zwei oder drei sein. Schaut einfach, wie es eurem Hund nach Hundebegegnungen geht. Ist er aufgeregt und überdreht? Oder zufrieden und müde? Kriegt er sich gar nicht mehr ein, wenn er einen Hund sieht? Oder schaut er erstmal genau hin, ob der ihm auch zusagt? Das kann jeder Hund lernen, ihr müßt es ihm eben zeigen, wies geht.

Zugegebenermaßen ist das mit manchen Hunden nicht leicht hinzukriegen. Aber alle finden dauerhauft wenige Freundschaften besser als wahllose Tobegemeinschaften.

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Wer trifft hier die Entscheidungen – und warum?

Vor ein paar Tagen hatte ich lieben Besuch aus Berlin – eine Kundin, die einmal jährlich mit einer Freundin und ihren beiden Hunden bei mir Urlaub mit Training bucht. Die Kundin ist zur Zeit dabei, eine TrainerInnenausbildung zu machen und hatte einige Fragen an mich. Eine davon war: wer trifft eigentlich die täglichen Entscheidungen im Leben mit Hunden? Also: wo gehen wir spazieren, wo läuft der Hund (vor mir, hinter mir, neben mir) wen begrüßen wir, wen nicht, wer geht als erster aus der Tür…. solche Entscheidungen eben, die ganz automatisch anfallen.

Ihre Ausbilderinnen waren der Meinung, dass die meisten Entscheidungen der Mensch treffen muß. Wenn man abends feststellt, dass der Hund mehr entschieden hat, ist was schief gelaufen.

Soso.

Abgesehen davon, dass wir ca. 80-90 % aller relevanten Entscheidungen sowieso treffen, also welchen Hund holen wir wann zu uns, was gibt es wann zu essen und wieviel, mit wem sind wir befreundet, wo leben wir………, ihr kennt diese Liste alle und sie kann beliebig verlängert werden, frage ich mich ganz ehrlich, was sich jemand dabei denkt, TrainerInnen in die Welt zu schicken, die mit so einer Einstellung ausgestattet werden und nebenbei noch zu behaupten, es ginge um das Wohl der Menschen und ihrer Hunde.

Denn: wenn ich meinen Hund permanent daran hindere, mir mitzuteilen, wie er sich in der jeweiligen Situation entscheiden würde, dann hindere ich ihn daran, selbständig zu denken und eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen. Ich spreche ihm auch die Fähigkeit ab, dies in meinem und im Sinne unserer Familie zu tun. Und spätestens jetzt sollte man stutzig werden.

Denn: Hunde sind in der Lage, alleine zu überleben, Familien zu gründen und ihre Kinder ohne fremde Hilfe groß zu ziehen. Allein diese Tatsache ist ein deutlicher Hinweis drauf, dass sie intellektuell sehr wohl fähig sind, vernünftige und gut durchdachte Entscheidungen im Sinne ALLER zu treffen, mit denen sie zusammen leben.

Zur Untermauerung meiner Aussage hier zwei Beispiele:

Auf dem Beitragsbild seht ihr meinen lieben Fritzi, ein Kromfohrländerrüde, der fast 14 Jahre bei mir gelebt hat und 2013 gestorben ist. Seine Lieblingsaufgabe, die er sich selber gewählt hatte, war: auf unser Gehöft, auf die Loni, unsere Kromihündin, und auf uns aufpassen, dass nix passiert. Dazu hat jeden Tag mindestens 2x bis kurz vor seinem Tod alle Ein- und Ausgänge und alle Zäune kontrolliert, ob alles in Ordnung ist und niemand Unbefugter eingedrungen ist. Das ist eine nützliche Aufgabe, wenn man auf einem sehr großen Anwesen wie unserem lebt, das verschiedene Eingänge hat, die man nicht einsieht. Auf dem Foto liegt er unter den Linden vor der Haustüre und sieht aufmerksam in Richtung Gästegarten, vermutlich war da drüben gerade was los.
Es konnte jeder zu uns reinkommen – vorausgesetzt, mein Mann und ich haben das so entschieden. Einfach so reinmarschieren war für Unbekannte nicht so ein guter Plan. Die Gäste in den Ferienwohnungen oder auf den Stellplätzen konnten in aller Ruhe ihr „Unwesen“ treiben, solange sie nicht auf unsere Privatgelände kamen, war alles gut. Jeden Morgen lief er auf den Hundeplatz, hat in alle Himmelsrichtungen einmal kurz gebellt „Hallo, ich bin da und passe auf“ und hat anschließend seine Kontrollrunde gemacht, die ca. 20 Minuten gedauert hat, denn unser Anwesen ist groß und er war sehr gründlich.

Indiana und Maxl

2 Jahre nach seinem Tod zog Indiana bei uns ein, eine Herdenschutzhündin (oder Mix) aus Griechenland. Über ihre Wachhundqualitäten möchte ich jetzt nicht berichten, obwohl sie über die sehr wohl ganz im Sinne vom Fritzi verfügt. Vor ein paar Wochen hatte unser kleiner Maxl einen Anfall von Größenwahn und hat eine Boxerhündin attackiert, die er nicht leiden kann. Das ist ein nette und freundliche Hündin, der das nach dem 2. Zwicker in den Allerwertesten dann doch gereicht hat und so hat sie ihm zwei Löcher in den Popo gesetzt. Sehr nachvollziehbar. Seitdem ist der Maxl etwas vorsichtig, wenn wir an ihrem Anwesen vorbeigehen.
Vor ein paar Tagen waren wir auf dem Weg über die Wiese, der direkt auf dieses Anwesen zugeht. Mir war klar, dass wir vorher ausweichen müssen, da ich 1. nicht möchte, dass sich die Boxerhündin von uns angegriffen fühlt und 2. meinen Hunden die Aufregung ersparen wollte. Weil das Gras aber noch so hoch war, wollte ich kurz vorher abbiegen, damit der kleine Maxl nicht so lange durchs hohe Gras laufen muß. Ehe ich mit meinen komplizierten Überlegungen zu Ende war, ist Indiana abgebogen und der Maxl ist sofort hinter ihr her. Die Boxerhündin hat uns überhaupt nicht bemerkt und wir gingen ruhig und entspannt weiter.

Zwei Hunde, die Entscheidungen treffen, die ganz in unserem Sinn sind: ein sehr wachsamer Hund verhindert, dass jeder, dem es mal einfällt, hier einfach durchläuft, eine sozial hochkompetente Hündin wählt einen kleinen Umweg, der uns allen Aufregung erspart. Wo ist das Problem? Ich seh keins. Ganz im Gegenteil.

Wenn ich dem Fritzi verboten hätte, seine selbstgewählte Aufgabe auszuführen, wäre er einfach nur unglücklich und frustriert gewesen. Wenn ich darauf bestanden hätte, dass wir noch weitergehen anstatt Indiana hinterher zu laufen, hätte es vielleicht richtig Randale am Zaun gegeben. Wozu? Nur damit ich recht habe?

Selbstverständlich lasse ich meine Hunde nicht ins Messer laufen, indem sie alles machen dürfen, was ihnen gerade so einfällt. Das ist ja die Grundlage jeder Erziehung, dass man Hunden oder Kindern nahebringt, wie man mit dieser Welt am besten umgeht, damit man gut klar kommt. Wir laufen an der Straße und im Wald an der Leine, wir überqueren Straßen auch erst, wenn wir sicher sind, dass das gefahrlos möglich ist, wir gehen Bögen um andere Hunde und Menschen, wir gehen auf die Seite, wenn ein Auto kommt oder ein Fahrradfahrer oder Jogger vorbei möchte….. das kann man alles lernen. Und – Überraschung – man kann es seinem Hund freundlich und ohne Verbote erklären.

Letztendlich kommt es immer darauf an, was wir in unserem Alltag so brauchen, und das ist individuell unterschiedlich. Wenn ich mit den Hunden über den Hundeplatz rausgehe, dann kann ich sie einfach rauslaufen lassen, vor mir, denn da is nix! Kein Auto, keine Jogger, keine Hunde…. da muß ich nur einen prüfenden Blick in die Runde werfen, falls tatsächlich jemand über die Wiese kommt, warte ich, bis der weg ist, dann können die Hunde raus. Ganz anders sieht das aus, wenn ich zur Straße rausgehe, dann überblicke ich das nicht, also kontrolliere ich zuerst, ob die Hunde gefahrlos rauskönnen und (!) sie sind an der Leine. So einfach ist das.

Aus allem und jedem eine grundsätzliche Sache machen zu wollen, starre Regeln aufzustellen, die den Hunden jede Fähigkeit zu Eigenverantwortung und mir die alleinige Befehlsgewalt übertragen, ist einfach absurd und albern. Ich erziehe meine Hunde und die Hunde meiner KundInnen ganz bewußt zur Eigenverantwortlichkeit, zu Selbtstvertrauen und eigenständigem Denken. Denn was ist los, wenn der Hund mal auf sich gestellt ist und niemand ist da, der ihm sagt, was er tun soll? Dann wirds wirklich kritisch.

Ums nochmal klar und deutlich zu sagen: Strichlisten zu führen, ob ich tatsächlich alle Entscheidungen getroffen habe, und darauf zu bestehen, alle zu treffen, zeugt von Sklavenhaltermentalität. Meine Hunde sind meine Freunde, nicht meine Untergebenen, die strikt alle Befehle zu befolgen haben.

Lasst eure Hunde ruhig entscheiden, traut euch. Wer mal ausprobiert hat, was für schöne und interessante Ideen Hunde auf unseren gemeinsamen Spaziergängen haben, der wird das immer wieder tun. Und mehr Vertrauen in seinem Hund bekommt.

Guter Plan?

Der Maxl findet den Plan gut.

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Welpenspielstunden – was Menschen da so lernen

Wer mich kennt, weiß mittlerweile, dass ich keine Freundin von Welpenspielstunden bin. Die Hunde lernen dort in den allerseltensten Fällen vernünftige Sachen. Aber darum soll es heute nicht gehen. Mir gehts heute mal darum, was Menschen aus Welpenspielstunden mitnehmen.

Immer wieder stolpere ich im Internet über so süüüßßßße Videos, die mit Herzchen und Küsschen und huch und hach kommentiert werden, weil man – Zuckerschock!!! – Welpen in der Welpenspielstunden sieht. Ach Gottchen, ist das niiiieeedlich! Kaum zum aushalten. Während die kleinen Pelznasen übereinanderkugeln, sich gegenseitig jagen oder bellend rumrennen, halten alle Menschen munter ihre Handys, i-Phones, Smartphones drauf und damit alles für die Nachwelt erhalten bleibt. Weil wir sowas ja noch nie gesehen haben.

Dass in der Zwischenzeit der eigene kleine Drops versucht, bei seinem Menschen nachzufragen, ob der Irrsinn hier eigentlich noch lange dauert, ob man nicht bald mal den Abflug machen könnte, ob Frauchen oder Herrchen vielleicht mal dafür sorgen könnte, dass der kleine Rabauke da einen in Ruhe läßt…… alles nicht so wichtig, Hauptsache man kann dieses Zuckerschockvideo auf Facebook, Instagram oder sogar im eigenen Blog veröffentlichen.

Was interessierte HundetrainerInnen, also z.B. meine Wenigkeit, bei solchen Videos noch sehen, außer dass sie meisten Menschen ihre Dinger auf die Hunde halten: das zuständige Fachpersonal macht – nix. Die stehen bei irgendjemandem rum, unterhalten sich angeregt und sehen – nix.

Was lernen jetzt die willigen, menschlichen Hundeschulbesucher?

  1. Zuckerschockfilmchen machen ist total wichtig, weil wenn nicht, hätte das Fachpersonal einen doch darauf aufmerksam gemacht, dass..
  2. der eigene kleine Hund gerade in Nöten ist und dringend Unterstützung braucht, denn….
  3. die braucht er frühestens dann, wenn er sich tatsächlich zwischen Herrchens / Frauchens Beinen versteckt. Aber dann….
  4. kann man ja einfach einen Schritt auf die Seite machen und siehe da! Fiffi steht auf und mischt wieder mit.

Man kanns auch kürzer zusammenfassen: Menschen lernen gründlich, kurz und bündig: wir müssen uns um unsere Hunde nicht kümmern, die kriegen das schon alleine hin. Und diese moderne Variante von „das machen die unter sich aus“ halten wir schön fest für die Nachwelt.

Nein, Welpenspielstunden sind nicht gut, weder für Menschen noch für Hunde. Sehr viel besser sieht es auch nicht für Jungehundegruppen aus. Das ist nicht neu, aber leider immer noch brandaktuell. Und dann schlagen die Leute hier auf mit einem vollkommen durchgeknallten Hundekind, das jedes Bein rammelt, in alle Hände und Hosenbeine beisst, an der Leine zerrt, andere Hunde verbellt oder sich drauf stürzt wie ein Berserker….. die Liste kann beliebig erweitert werden. Menschen lernen dann einfach: Hunde machen das so und dann muß man sie sofort unnachgiebig maßregeln, was aber leider nix bringt. Außer man knüppelt das Kind so nieder, dass es sich nur noch an genehmigtem Antrag zu atmen traut. Wer will das wirklich?

Aus dem Zuckerschockkind wird dann irgendwann ein Pubertier und weil er schon so schön im Schwung ist, wird es jetzt richtig lustig. Aus den bisher eher harmlosen Attacken auf andere Hunde werden ernst gemeinte Abwehrmaßnahmen, Radfahrer, Autos und Jogger werden ebenfalls angegriffen, das Ding mit der Leine funktioniert immer noch nicht, obwohl man doch sooo viel gemacht hat…… Und irgendwann gibts dann grausige Zwangsmaßnahmen oder der Jungspund landet im Tierheim.

Weil die Menschen was gelernt haben? Dass Hunde nicht funktionieren, obwohl man doch in so einer tollen Hundeschule war, bei so einem superguten Verein, und die haben auch gesagt…………. Aber das will ich gar nicht wissen.

Deshalb, liebe Hundemenschen, die ihr gerade einen Zuckerschockwelpen bei euch aufgenommen habt: genießt doch einfach in aller Ruhe die Zeit mit ihm, die kommt nie wieder. Zeigt ihm in kleinen Schritten die Welt, ganz langsam und vorsichtig, so dass er sie in seinem Tempo erkunden und verstehen kann. Sucht ihm freundliche Hundekumpel, die ihm die Hundewelt nahebringen. Genießt sein Vertrauen und seine Liebe und seid immer für ihn da, wenn er euch braucht. IMMER! Nicht nur, wenn es gar nicht mehr zu übersehen ist.

Und vorallem: lasst eure Handys, Smartphones, was auch immer zuhause, wenn ihr mit eurem Kind zugange seid. Es braucht eure volle Aufmerksamkeit, 100%. Ihr werdet es nicht bereuen, auch wenn ihr keine Videos mehr auf Instagramm stellen könnt.

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Wenn der Tag richtig gut anfängt…..

Mein Tag beginnt recht früh, im Sommer stehe ich meistens zwischen halb sechs und sechs auf und bis ich mich zum Frühstück setze, ist es in der Regel frühestens halb neun. Da bin ich nicht so begeistert, wenn mitten ins Frühstück rein das Telefon klingelt.

Aber manchmal fängt der Tag einfach nur gut an. Eine neue Kundin ist dran, die sich für den ersten Termin bedanken möchte. Drei Stunden hatten wir uns ausführlich darüber unterhalten, wie wichtig es ist, entspannt und ruhig mit einem Hund umzugehen, freundlich und klar zu sein und nach Möglichkeit keinen Druck auszuüben. Darüber, dass es für Hunde schlecht nachvollziehbar ist, wenn wir immer nur die Fehler suchen und ihnen nicht zeigen, wie sie was machen oder an uns abgeben können, wie wir einfach dankbar sein können, dass sie bei uns sind und unser Leben bereichern und erfreuen.

Solche Gespräche führe ich oft, aber dass ich zwei Tage später begeistert die Rückmeldung bekomme, dass alles jetzt viel besser klappt, das passiert eher selten bis gar nicht.

Ich glaube, unsere KundInnen können sich gar nicht vorstellen, was es für meinereins bedeutet, Rückmeldungen zu bekommen wie:
– jetzt kommt sie viel schneller und freudiger, wenn ich sie rufe
– am Zaun klappt alles super, seit ich das so mache, wie du es mir erklärt hast
– ich kann sie auch aus dem Spiel an der Badestelle besser abrufen
……
Und das nach 2 Tagen. Wenn das kein unglaublicher Glücksfall ist für uns drei: für die Hündin, für ihr Frauchen und nicht zuletzt auch für mich. Denn so selbstverständlich ist das nicht. Einmal ist es nicht so einfach, das mal nebenbei umzusetzen, wenn man bislang alles anders und mit viel Druck gemacht hat. Viele, die zuerst sehr angetan sind, von dem, was ich ihnen vorschlage, stellen dann schnell fest, dass sie vor allem an ihren eigenen Vorstellungen arbeiten müssen, sie müssen ihre Erwartungen runterfahren, in winzigkleinen Schritten vorangehen und – was am schwersten ist – den Hund einfach so akzeptieren wie er ist.

Warum ist das so schwer? Können wir nicht akzeptieren, dass wir ein Lebewesen gebeten haben, mit uns zu leben, das eigene Vorstellungen vom Leben hat? Das nicht alles uns zum Trotz tut, sondern weil es hin und wieder andere Bedürfnisse hat als wir? Dass es zuviel verlangt ist, wenn ein Teil – nämlich der Hund – alles machen soll, was der andere Teil – nämlich der Mensch – möchte, während wir stolz darauf sind, wenn wir nur die minimalen Bedürfnisse erfüllen, aber alles was über Fressen, Trinken, Spaziergang usw. hinausgeht, ist uns zuviel?

Mit Hunden zu leben ist ganz einfach. Wenn man sich darüber freut, was für ein wunderbarer Freund eingezogen ist, wenn man ein bisschen aufpasst, was er gerne macht und was nicht so gerne, wenn wir unser Leben ein wenig auf seine Bedürfrnisse ausrichten – und damit meine ich nicht die Grundbedürfnisse, dann geht alles ganz locker.

Turid Rugaas, die wunderbare, alte Dame des gewaltfreien Hundetrainings, hat mal gesagt: Kümmert euch um die Beziehung zu euren Hunden, alles andere kommt von allein.

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Das überflüssige Drama mit dem Rückruf

Einen Hund abzurufen ist ganz einfach:
– ich spreche ihn freundlich an
– er kommt zu mir
– ich freue mich darüber, dass er kommt,
– wenn er bei mir ist, freue ich mich noch mehr
– und natürlich gibt als Dankeschön für diese tolle Aktion auch ein oder mehrere tolle Leckerchen.
– Und dauerhaft machen wir daraus ein schönes, vergnügliches Spiel.

So einfach. Kein Scherz. Das klappt mit jedem Hund, nur halt nicht immer.

Welpen kommen immer, ausser man gewöhnt es ihnen ab, indem man sie permanent nervt. Zum Beispiel, wenn sie immer erst sitzen müssen, oder gerade sitzen müssen, oder auf der falschen Seite sitzen, oder wenn das Abrufsignal x-beliebig ist – mal so – mal so, oder wenn man sie immer ruft, wenn sie gerade mit etwas total wichtigem befasst sind, weil „jetzt ist er gerade ablenkt, jetzt ruf ich ihn mal“…. Die Liste menschlicher Verfehlung ist sehr, sehr lang.

Schon mal drüber nachgedacht, dass Hunde sich gegenseitig auch rufen? Und dass der Gerufene kommt – oder eben auch nicht? Weil unter Hunden ist das nämlich freiwillig. Wenn der eine den anderen braucht zum Radfahrer am Zaun verbellen und der andere sich aber gerade mit Herrchen ein Leberwurstbrot teilt, dann bleibt er vermutlich lieber beim Leberwurstbrot. Und trotzdem ist alles ok. Da gibts keine Therapiemaßnahmen von wegen schlechter Bindung oder sonstigem Unfug.

Kalla freut sich einfach, dass sie zu mir kommen darf!

Wir Menschen hätten das gerne anders. Wir hätten gerne, dass er auch kommt, wenn ein Leberwurstbrot die Alternative ist. Das ist auch in Ordnung, aber dann müssen halt so eine theoretisch freiwillige Aktion zu einem gut aufgebautem und sicheren Signal machen. Wenn wir das natürlich als Selbstverständlichkeit betrachten, sofort auf Drama machen und einfach nicht ordentlich üben, dann wird das nix.

Denn Junghunde zum Beispiel haben total gute Ideen, wie sie mit unseren Ideen umgehen können. Für die sind das einfach Vorschläge, die man sich mal durch den Kopf gehen lassen und entscheiden kann, ob man dem Vorschlag nachkommt oder auch nicht. Und da ist der Radfahrer, der am unangeleinten Hund vorbeidüst und ihn regelrecht zum Mitrennen auffordert, halt einfach wichtiger als Frauchen, das sich die Seele mit den unterschiedlichsten Signalen aus dem Leib schreit. Ist doch logisch, oder?

Mit schlechter Bindung hat das nix zu tun, eher mit menschlicher Unfähigkeit und wenig Einfühlungsvermögen.

Ganz gruselig wird es, wenn Menschen, wenn Fiffi endlich da ist, folgendes machen:
– sofort nach dem Geschirr grapschen, festhalten und anleinen
– das Leckerchen mit der Bemerkung „na, das war ja jetzt keine Glanzleistung“ (oder was ähnlich orignelles) wieder einstecken
– oder – auch eine gute Idee – ihn gleich wieder wegschicken.

Zum Festhalten usw.: was glaubt ihr, wie oft ein Hund sowas mitmacht? Nicht lange. Im günstigen Fall kommt er noch in eure Nähe oder rennt wie der Blitz vorbei, oder er interessiert sich überhaupt nicht mehr.
Zum Leckerchen wegstecken: also wenn mir jemand was verspricht und das mehrfach mit absurden Argumenten nicht einhält, dann interessiert mich der auch nicht mehr. Und Hunden gehts vermutlich genauso.
Zum Wegschicken, das ich übrigens sehr oft sehe: warum sollte ein Hund überhaupt erst kommen, wenn ihr ihn dann gleich wieder wegschickt? Ich glaube, die Hunde finden das sehr verwirrend, ich übrigens auch, denn wenn ich meinen Hund nicht bei mir haben möchte, schicke ich ihn doch nicht weg. Oder?

Wir sollten uns also man schön selber an die Nase fassen, wenn das nicht klappt und einfach drüber nachdenken, wie wir das freundlich und friedlich ändern können.

Es gibt übrigens ein schönes Buch von mir zum Thema:

Kosten € 12,90 und kann man hier bestellen: https://philocanis.de/shop

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Das Stachelhalsband wurde verboten

Ein Meilenstein im Kampf um einen gewaltfreien Umgang mit Hunden wurde erreicht: lt. der Verordnung zur Änderung der Tierschutz-Hundeverordnung und der Tierschutztransportverordnung vom 25.06.2021 ist es ab sofort verboten: „(5) Es ist verboten, bei der Ausbildung, bei der Erziehung oder beim Training von Hunden Stachelhalsbänder oder andere für die Hunde schmerzhafte Mittel zu verwenden.“

Alle, die immer schon gegen die Verwendung dieses Folterinstrumentes gekämpft haben, sind erleichtert und begeistert, denn jetzt haben wir endlich etwas in der Hand, um gegen die GewalttäterInnen, die sich „HundetrainerInnen“ nennen, vorgehen zu können. Man muß vermutlich noch nicht mal zur Polizei gehen, es reicht ein Anruf beim Veterinäramt, um eine Kontrolle und evtl. eine Anzeige auszulösen.

Puh! Das war ein harter und langer Weg, aber das haben wir geschafft, wir alle, die wir nicht nachgelassen und nicht aufgegeben haben. Dafür möchte ich allen von ganzem Herzen danken, die seit Jahren dafür gearbeitet haben.

Was mich allerdings schwer erschüttert und erschreckt, ist die Vehemenz, mit der die FreundInnen dieses „Werkzeugs“ jammern und schreien und den Teufel an die Wand malen. Das Netz läuft über von Diskussionen, von Jammereien und Mimimi, wie schrecklich es wäre, dass man dieses wunderbare Teil nicht mehr verwenden dürfe. Was machen wir dann mit diesen extrem triebigen Hunden, die sich anders gar nicht beherrschen lassen?

Was gut ist an der Diskussion: es beteiligen sich unglaublich viele, die für einen gewaltfreien Umgang mit Hunden stehen. Und niemand nimmt sich mehr ein Blatt vor den Mund. Denn was man jetzt sieht ist, dass diese Menschen Argumenten nicht zugänglich sind. Das einzige, was sie wollen und können, ist: ein Tier so quälen, bis es aufgibt und macht, was sie von ihm wollen. Oder auch nicht aufgibt. Und dann? Einschläfern? Wegen Unerziehbarkeit?

Da wird man doch tatsächlich gefragt, wo denn der wissenschaftliche Beweis dafür wäre, dass wir WattebauschwerferInnen die besseren Methoden haben. Alter Falter! Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen! Wir müssen wissenschaftlich nachweisen, dass es besser ist, einem Hund zu erklären und zu zeigen, wie er eine gestellte Aufgabe lösen kann, die Aufgabe so zu stellen, dass der Hund sicher damit klar kommt, dass er Erfolg bei der Erarbeitung und damit Freude an der Zusammenarbeit mit mir hat? Das müssen wir nachweisen? Ja haben diese „TrainerInnen“ noch nie was von Lerntheorie gehört? Noch nie was darüber, wie Gehirne von Säugetieren funktionieren? Das Training, das auf Belohnung basiert und eben nicht auf Strafe und Gewalt ungleich effektiver ist?

Was erreiche ich denn mit Gewalt? Stress, Angst, erlernt Hilflosigkeit, Kontrollverlust… lauter nette Sachen, wegen denen sich Menschen, so sie davon betroffen sind, in Behandlung begeben. Aber für Hunde ist das prima, oder wie?

Liebe GewalttäterInnen, falls ihr bis hier hin beim Lesen kommt: die Gehirne von Säugetieren und die Entwicklung und Entstehung von Gefühlen sind bei uns allen gleich, von der Maus bis zur Giraffe, bei Katzen, Pferden, Menschen und eben auch Hunden. Und erforscht hat man – Überraschung – unter anderem an Hunden. Sowas aber auch! Da sollte man doch vielleicht mal in der Lage sein, solche Ergebnisse auch bei den Lebewesen anzuwenden, an denen sie erzeugt wurden. Guter Plan?
Denn euer beliebtes Argument „es gibt aber Hunde, die….“ punktet auch nicht. Warum wurden denn bestimmte Linien bei bestimmten Rassen so verrückt – oder „triebig“, wie ihr das nennt? Vielleicht liegt es an der Zucht? Denkt einfach mal nach.

Aber zurück zum Eigentlichen und Wichtigen: Auch wenn wir hier nur einen Teilerfolg erzielt haben und immer noch Diensthunde mit Gewaltmethoden „ausgebildet“ werden dürfen, man soll die Tragweite dieser Verordnung nicht unterschätzen. Ich bin davon überzeugt, dass viele, die sich bisher unsicher waren, was sie beim Anblick solcher Folterungen unternehmen sollen, jetzt aktiv werden und eben nicht mehr zuschauen oder sich frustiert abwenden. Wer Stachel und Stromreizgeräte nutzen möchte, muß das mehr und mehr im Geheimen tun. Gut so. Denn dann werden sich doch einige Uninformierte überlegen, warum diese Heimlichtuerei notwendig ist. Sie werden mehr Argumente gegen Gewalt und für einen anständigen gewaltfreien Umgang finden, weil wir mehr und lauter geworden sind und die besseren Argumente haben.

Und irgendwann sind alle diese Dinger weg: Kettenwürger, Stachelwürger, Stromhalsband…. weg, als hätte es sie nie gegeben. Und darauf arbeiten wir hin – aber jetzt lassen wir erstmal die Korken knallen!

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Hund trifft Hund

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Blogparade 2019 FAIR statt fies: https://www.knowwau.com/fair-statt-fies-die-blogparade/

Hunde treffen im Laufe ihres Lebens alles mögliche und alle möglichen: Autos, Radfahrer, Katzen, Waschbären, Kinder, Mütter mit Kinderwagen, Pferdewagen, Opas mit Rollator, Jogger….. die Liste ist endlos. In der Regel sind die meisten Begegnungen kein Thema – naja, wenn man mal von Radfahrern, Katzen, Joggern, Waschbären und ähnlichen Provokationen absieht. Hunde treffen sie auch, zum Beispiel in der Nachbarschaft, weil im Haus oder in der Wohnung nebenan ein Hund wohnt. Sie treffen Hunde beim täglichen Spaziergang, im Urlaub, beim Wochenendausflug, in der Hundeschule. Ganz normal also. Möchte man meinen.

Ist es da nicht erstaunlich, dass so viele Hunde mit allem möglichen klar kommen, vom Waschbär bis zum ICE, aber nicht mit Artgenossen? Manch ein Hund kriegt schon die Krise, wenn er einen anderen nur riecht. Oder er flippt völlig aus, weil er sich vor Wonne beim Anblick jedes anderen Hundes kaum zurückhalten kann. Oder er hat Angst vor anderen Hunden, selbst wenn sie noch so nett sind, oder, oder oder….

Merkwürdig. An was das wohl liegt? Vielleicht an uns, den Leinenhaltern?

Ich denke, das wird mit ein Grund sein. Denn die meisten Menschen haben sehr interessante Ansichten, wie man Hunde sozialisiert. Zum Beispiel in Welpenspielstunden.

Nach wie vor werden einfach irgendwelche Hunde in einer Gruppe zusammengefasst, die dann „spielen“ – so wie auf dem Foto: kleiner, verängstiger Hund, der sich an irgendwelche Beine drückt, ein paar muntere Welpis, die ihn untersuchen wollen und einige Menschen, die offenbar einfach nur zusehen und was machen?
Nichts.
Vielleicht wird er sogar noch „ermuntert“: „geh doch spielen, sind doch so nette Hunde.“ Wenn der Kleine dann später alle Hunde ankläfft, heißts: „Logisch, Pinscher. Die sind so.“

Oder sie lernen nur zu rennen und zu toben, nie gibt es ruhige Hundebegegnungen oder gemeinsame Spaziergänge, bei denen man schlicht miteinander die Gegend erkundet. Und da kommen dann diese anstrengenden Strahlemänner – und -frauen – raus, die sich mit breitem Grinsen im Gesicht auf jeden Artgenossen stürzen – ob der jetzt Lust auf Renn- und Rempelspiele hat oder nicht. Und die Menschen freuen sich, weil „meiner will ja nur spielen“ – was allerdings eine merkwürdige Aussage ist, wenn es sich um einen erwachsenen Hund handelt. Denn spätestens ab einem Alter von drei Jahren ist jeder Hund erwachsen und sollte wissen, wie höfliches Hundeverhalten aussieht. Und ganz besonders lustig ist es, wenn der spielwütige Hund 30 Kilo aufwärts hat.

Was hat das mit FAIR statt fies zu tun?

Erziehung heißt schlicht: Vorbild sein. Vorbild dafür, wie Mensch und Hund gemeinsam gut durchs Leben kommen. Da gilt auch für Hundebegegnungen. Das geht los beim Welpen, dem wir während der ersten Lebensmonate nach Möglichkeit nur freundliche Hundekontakte vermitteln. Erwachsene Hunde soll er treffen, die ihm zeigen, dass es noch was anderes im Leben gibt als wildes Toben, die erkennen, wenn ein junger Hund unsicher ist und ihn in Ruhe mitkommen lassen und ihm zeigen, was es alles interessantes in der Hundewelt zu entdecken gibt.

Dazu gehört auch, dass man seinen Hund, egal ob Welpe, Junghund oder erwachsener Hund, nicht zur Kontaktaufnahme drängt oder zwingt, wenn er nunmal keine Lust hat, jeden Artgenossen kennen zu lernen. Hätten Sie das gerne, wenn Ihr Partner Ihnen ständig irgendwelche Menschen aufdrängt, mit denen Sie nichts zu tun haben wollen? Sicher nicht – unsere Hunde eben auch nicht.

Wenn Hunde Hunde treffen, dann sind sie, wenn sie das lernen durften, ausgesprochen höflich und zurückhaltend. Sie warten ab, was der andere zeigt: beschwichtigt er stark und will er lieber ausweichen? Gut, dann weichen wir aus. Ist er zwar unsicher und zeigt leichte Beschwichtigungssignale, zeigt sich aber interessiert, dann nähern wir uns langsam im Bogen an. Selbst in Hundegruppen, die sich regelmäßig treffen sieht man das.

Dazu braucht man keine Kommandos, keinen Leinenruck, keine Abbruchsignale – das ist alles überflüssig und kontraproduktiv. Wie soll ein Hund verstehen, dass andere nett und harmlos sind, wenn wir ihn an der Leine wegzerren, mit Kommandos zuschütten und ihm alles mögliche untersagen? Wenn man sich und den Hunden Zeit läßt, unsichere Hunde Abstand halten können und stürmische freundlich zurückgehalten werden, dann können sie lernen, wie man Hundebegegnungen meistert.

Und: nein, das geht nicht von heute auf morgen. Nur weil Bello heute mal gut drauf war und ausnahmsweise mit anderen Hunden gespielt hat, muß er das morgen nicht wieder wollen. Morgen weicht er vielleicht lieber aus. Wenn Finchen verstanden hat, dass Mopsi nicht von ihr überrollt werden möchte, bedeutet das nicht unbedingt, dass sie das bei Ronja auch kapiert.

Wenn ich möchte, dass mein Hund höflich und rücksichtsvoll in Hundebegegnungen geht, dann muß ich bereits beim Welpen seine Bedürfnisse erkennen: ist er einer von der stürmischen Sorte, der nicht versteht, dass andere Zeit brauchen? Oder ist er eher einer von den schüchternen, die viel Abstand und Sicherheit brauchen, bis sie zu einem Artgenossen Vertrauen fassen? Das kann rassebedingt unterschiedlich sein, das kann mit Erfahrungen in den ersten Lebensmonaten zusammenhängen, und es hängt vor allem davon ab, wie wir auf ihn eingehen und ihn verstehen. Ein Hund aus einer guten Kinderstube mit einer liebevollen Mutter wird anders reagieren als einer, der beim Hinterhofvermehrer geboren wurde. Ein Riesenschnauzer wird Rempelrennspiel bestenfalls mit sehr vertrauten Freunden mögen, viele Labradore sehen in allen Hunden potentielle Kumpel für wilde Toberunden, kleine Hunde brauchen mehr Rücksicht und große sind manchmal schwerfälliger….

Bei jedem einzelnen müssen wir genau hinsehen, was er braucht und möchte: viele Kumpel oder wenige Freunde, einen oder mehrere Hundepartner in der Familie oder Freunde, die man ab und zu trifft, und ein Dasein als Einzelkind. Weicht er Zufallsbegegnungen lieber aus oder sagt er gerne mal „Hallo“? Es geht nicht darum was WIR wollen, es geht darum, was unser Freund möchte und was der Hund will, der uns begegnet. Und wenn meine Pelznase nunmal den Hund meiner besten Freundin nicht leiden kann, dann kann ich noch so sehr von gemeinsamen Unternehmungen träumen – daraus wird dann nix.

Bei Hundetrainerhunden denken ja nach wie vor viele Menschen, dass die perfekt „funktionieren“. Da dem nicht so ist, zum Schluss eine Anekdote aus dem Zusammenleben mit meiner Hündin Indiana, die zeigt, dass auch wir von der Fairness anderer Menschen und Hunde abhängig sind.

Indiana stammt aus Griechenland und da, wo sie aufgewachsen ist, braucht hund keine Konkurrenz: weder an den seltenen Wassernstellen noch beim mageren Futterangebot und vermutlich erst recht nicht bei den geschützten Ruheplätzen. Deshalb findet sie fremde Hunde erstmal ziemlich doof. Bei einem ihrer Lieblingsspaziergänge – eine Waldstrecke, auf der viele Hunde laufen – sind uns kurz nacheinander 2 Hunde begegnet. Der erste kam freundlich mit lockerer Rute und entspanntem Gesicht auf uns zu. Vermutlich wollte er die hübsche Dame näher kennenlernen. Wir sind ein Stück vom Weg abgegangen und sie war sehr angespannt. Der Mensch zu diesem Hund hat erkannt, dass wir kein Interesse haben, hat seinen Hund angeleint und die beiden gingen ruhig vorbei. 500 Meter weiter kamen uns zwei Männer mit einem ebenfalls freilaufenden Hund, einem Labrador entgegen. Alle drei wirkten auch sehr entspannt. Der Hund sah Indiana sofort an, dass sie nichts von ihm wollte, wich in einem kleinen Bogen aus, so dass die Männer auf unserer Seite waren – und das wars. Mein Mädchen hat innerhalb von 10 Minuten gelernt, dass Menschen und Hunde Rücksicht nehmen und Hundebegegnungen ganz locker ablaufen können.

So sollte das sein: darauf achten, was mein Hund braucht, aber auch, was die Hunde brauchen, die wir treffen. Dann gibts auch keine Probleme, wenn es heißt: Hund trifft Hund.

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Wird schon nicht so schlimm sein…. – Wenn Hunde Schmerzen haben

Fido hinkt seit ein paar Tagen und will nicht mehr so gerne spazieren gehen. Susi ist manchmal unfreundlich, wenn man sie an einer bestimmten Stelle berührt. Alfi knurrt einen sogar an, wenn man sich von der „falschen“ Seite nähert.

Kennen Sie das? Ihr Hund benimmt sich seit einiger Zeit ein bisschen merkwürdig. Zuerst fällt es einem nicht auf, dann denkt man sich, das war doch vor ein paar Wochen noch nicht. Also fragt man jemanden, den man für einen Experten hält. Das kann die Hundetrainerin sein oder eine Freundin, die schon länger Hunde hat, oder auch der Nachbar, der einem ständig alle möglichen Ratschläge bzgl. Hundeerziehung um die Ohren haut.

Ob Freundin oder Nachbar  oder Hundetrainerin ist eigentlich egal. Alle drei haben keine Röntgenaugen, keiner von den dreien kann einfach so mal sehen, was mit dem Hund los ist und alle drei haben unterschiedliche Herangehensweisen.

Die Freundin ist eine nette, aber auch eine, die alles nicht so ernst nimmt. Also sagt sie: beobachte das mal, vielleicht legt es sich wieder. Der Nachbar, der einer von der alten Schule ist und einfach alles weiß und das auch noch besser, ist fest davon überzeugt, dass Fido nur markiert, wenn er nicht spazieren gehen möchte, Susi und Alfi sind aber ganz sicher dominant und wollen Sie beherrschen. Also: setzen Sie sich durch! Wenn Sie spazieren gehen wollen, hat Fido mitzukommen, Susi muß sich da anfassen lassen und Alfi darf auf keinen Fall definieren, von welcher Seite Sie sich nähern dürfen.

Von der Hundetrainerin bekommen Sie – vielleicht  – eine vernünftige Antwort, je nachdem ob sie mehr oder eben auch weniger Verständnis und Einfühlungsvermögen hat. Vielleicht neigt sie mehr dem Nachbarn zu, vielleicht ist sie auch für abwarten, vielleicht gibt sie aber auch einen sehr guten Ratschlag, der da wäre: geh einfach mal zum Tierarzt und lass das klären.

Ihre Tierärztin untersucht Fido, Susi und Alfi und stellt erstaunliches fest: Fido hat sich einen Dorn eingetreten und das tut ziemlich weh. Der Dorn kommt raus, die Pfote wird versorgt und nach ein paar Tagen ist er wieder der Alte. Susi hat schon ein größeres Problem: unter ihrem dicken Fell hat sie sich eine Verletzung zugezogen, die Sie nicht bemerkt haben und die hat sich entzündet. Das tut weh und sie möchte nicht, dass sie da hinkommen. Bei Alfi ist es richtig schlimm: er sieht auf einem Auge so gut wie nichts mehr, weil er schon relativ alt ist. Also erschrickt er leicht, wenn jemand von der Seite kommt.

Und? Was hat das mit Dominanz und Weltbeherrschungsabsichten zu tun? Nichts? Genau. Aber auch einfach abwarten ist keine gute Idee, denn was soll besser werden bei einem Dorn, der in der Pfote steckt, bei einer entzündeten Wunde unter dem Fell oder gar bei beginnender Erblindung?

Schmerzen und körperliche Einschränkungen empfindet jeder anders, aber wenn die Erkennung und die Behandlung einer schmerzhaften Erkrankung von uns abhängt, und das ist eben so bei unseren Hunden, dann sollten wir nicht anfangen, nach irgendwelchen lockeren Lösungen zu suchen, sondern einfach mal einen Tierarzt aufsuchen um das zu klären.

Schmerzen beim Hund, die nicht behandelt werden, haben üble Auswirkungen. In allererster Linie kann daraus eine schwere Folgeerkrankung entstehen. Bei Fido könnte das bedeuten, dass ihm eine Zehe oder sogar die Pfote abgenommen werden muß, bei Susi kann das großflächig und schwer behandelbar werden. Aber auch Verhaltensprobleme können daraus werden, denn die Hunde vertrauen uns einfach nicht mehr, wenn sie merken, dass wir ihre körperlichen Befindlichkeiten nicht ernst nehmen. Bei allen drei Fällen kann passieren, dass der Hund uns nicht mehr an sich heranläßt, dass er abschnappt, wenn wir zu nahe kommen….. Oder dass er resiginiert und für sich abspeichert: wenn mir was fehlt, ist das meinem Menschen egal.

Das ist nicht so bei Ihnen? Ihr Hund ist Ihnen nicht egal? Und auch nicht, dass er Schmerzen hat? Das ist gut so. Aber warum fragen Sie dann Ihre Freundin oder Ihren Nachbarn? Wie gesagt: Hundeschule – kommt drauf an! Aber warum gehen Sie nicht einfach zum Tierarzt und lassen das klären? Das würden Sie bei sich selber oder bei Kindern doch auch machen.

Damit Sie verstehen, wie dramatisch das werden kann, möchte ich Ihnen von meiner ersten Hündin erzählen. Sie war ein Bernhardinermischling, ein freundliche und ruhige Seele. Wir hatten ein Ritual: wenn wir am Boden lagen und kuschelten, mußte ich sie immer ganz langsam und vorsichtig an den Vorderbeinen langziehen. Das fand sie gut. Irgendwann zuckte sie zusammen und wirkte erschrocken. Das wiederholte sich immer wieder mal. Wenn sie gestreichelt werden wollte, drückte sie sich immer an mein Bein und lachte mich an. Und da fing sie auf einmal an, mich anzuknurren, wenn ich sie auf der linken Seite streichelte. Ich war sauer, weil ich mir dachte: die spinnt doch. Mit Mitte 20 sieht man vieles leider sehr locker. Das begann, als sie ca. 8 1/2 Jahre alt war. Wir zogen in diesem Jahr um und sie war mehr bei meinem Mann als bei mir. Er erzählte mir, dass sie immer humpelte und offenbar Schmerzen hatte. Wenn ich dabei war, zeigte sie nichts, dann lief sie normal, nur dass sie weniger laufen wollte. Mitten im Umzug gingen wir zum Tierarzt, der dachte, sie hätte Arthrose, normal bei einem Bernhardiner in den Alter. Beim dritten Besuch wurde er misstrauisch und schickte uns zum Röntgen zu einem Spezialisten. Und der diagnostizierte Knochenkrebs: das linke Schultergelenk befand sich bereits in Auflösung. Drei Tage später mußte sie eingeschläfert werden.

Mir war das eine bittere Lehre: bring deinem Hund bei zu zeigen, wenn ihm was wehtut. Kümmere dich drum. Lass ihn nicht allein. Deshalb haben alle Hunde, die ihr folgten, gelernt, mir zu zeigen, wenn was irgendwo wehtut, mich alles untersuchen zu lassen und (!!!) wir gehen im Zweifelsfall lieber zu früh als zu spät zur Tierärztin unseres Vertrauens.

Schmerzen, die mal selber nicht spürt, sind deshalb nicht einfach harmlos. Hunde sind nunmal von unserer Fürsorge abhängig. Also: fragen Sie nicht die Freundin und den Nachbarn und wenn Sie gefragt werden und Sie haben Erfahrung mit Hunden, können Sie natürlich gerne Ihren Senf dazugeben. ABER: es muß immer der Satz folgen: ich würde mal zum Tierarzt gehen.

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Wenn Welpen beissen….

Welpen haben unglaublich spitze Zähne, die sind wie eine Mischung aus Nadeln und Dolchen, einfach nur gruselig. Und mit denen machen sie Löcher und Risse in menschliche Haut. Das tut weh, richtig weh. Warum machen sie das? Sie sehen so niedlich aus und wir lieben sie heißt, trotzdem hacken sie zu wie Piranhas.

Es gibt viele Gründe, warum Welpen zubeißen. Sehen wir uns ein paar an.

  1. Die Beisshemmung
    Die Beisshemmung muß ein Hund lernen, so wie Menschenkinder lernen müssen, dass sie ihre Hände sanft und freundlich einsetzen können. Die Beisshemmung wird zwischen der 7. und 10. Woche erlernt, bei einem guten Züchter lernen das die Welpen mit ihren Geschwistern, denen das wesentlich weniger weh tut, weil sie einen Pelz haben. Damit sie lernen, dass menschliche Haut empfindlicher ist, muß sich der Zücher bemühen und in der Regel klappt das ganz gut.
    Blöd ist nur, dass die meisten Hunde mit 8 Wochen in ihre neue Heimat abgegeben werden. Also müssen die neuen Hundeeltern das mit ihrem Hundekind üben.‘
  2. Hunger!!!
    Es kommen immer mehr Welpen in die Hundeschule, die max. 3 Mal täglich gefüttert werden, ein Industriefutter bekommen, das sie nicht mögen und die einfach den ganzen Tag Hunger haben. Also schnappen sie nach allem und jedem in der trügerischen Hoffnung, dass es was zum essen ist. Diese Welpen sind viel zu dünn, man fühlt die Rippen nicht nur, man sieht sie auch. Das darf bei Welpen nicht sein.
    Welpen muß man bis zu 6 Mal (sechs Mal) am Tag füttern und das Futter muß so sein, dass es dem Hund schmeckt, und er muß genug davon bekommen, so dass er nach der Mahlzeit satt ist. Industriefutter ist nie geeignet. Oder ziehen Sie Ihre Kinder mit Fertigpizza, Döner und BigMacs auf?
  3. Überforderung
    Ein Welpe schläft locker bis zu 20 Stunden täglich. Auch wenn er das kann, die Menschen aber in den übrigen 4 Stunden Action, Action, Action machen, also viel zu lange und zu oft mit ihm spazieren gehen oder ständig mit ihm spielen, Bälle und Stöcke werfen, mit Quietschis und Zotteln zerren, kommt er nicht mehr zur Ruhe. Er ist gestresst und das äußerst sich z.B. darin, dass er „schnappig“ wird.
  4. Kinder
    Kinder im Haushalt, die den Kleinen permanent rumschleppen, zwangsbekuscheln und zwangsbespielen, keine Rücksicht auf seine Bedürfnisse nehmen, ins Hundekörbchen kriechen und was dergleichen Scherze noch mehr sind, nerven den Welpen und er lernt nur allzuoft, dass Beissen die einzige Möglichkeit ist, dass er in Ruhe gelassen wird.
  5. Party
    Jeder will den Neuzugang kennenlernen und der Kleine ist komplett genervt von den vielen Menschen, die mit „Ach ist der süüüßßßß“ auf ihn losstürmen, hochheben, abknutschen….. Irgendwann reichts, niemand sieht seine Versuche wegzukommen und er hackt zu.
  6. Allein bleiben
    Viele Menschen vergessen vollkommen, dass Babys und Kleinkinder nicht gerne alleine bleiben. Wenn Menschen klar im Kopf sind, dann machen sie das mit ihren Kindern auch nicht. Welpen müssen oft sehr schnell allein die Nacht verbringen und / oder tagsüber irgendwas zwischen 4 und 10 Stunden alleine bleiben. Und: nein, es zählen nicht die Stunden, in denen Sie ins Bett gehen oder ihre Arbeit beginnen und beenden, sondern die Zeit des Alleinbleibens beginnt exakt in dem Moment, in dem Sie Ihr Hundekind in die Küche, Zwinger, Flur – wo auch immer – einsperren und nicht mehr anwesend sind.
    Auch wenn das Hundekind nicht schreit und weint: es ist allein und fürchtet sich. Das ist sehr stressig und führt ganz schnell dazu, dass es vor lauter Aufregung – Gott sei Dank bist du wieder da!! – bei der Begrüßung zubeißt.

Ein Welpe braucht:
Ruhe – Ruhe – Ruhe
geduldige Menschen, die die Bedürfnisse des Hundekindes kennen  und darauf Rücksicht nehmen
Menschen, die begreifen, dass Erziehung permanent stattfindet, nicht nur, wenn man „sitz, platz, Fuß“ übt  und dass der Erziehungsberechtigte vor allem ein gutes Vorbild zu sein.
Schutz vor allem, was den kleinen Hund erschreckt oder verunsichert
langsames Heranführen an Neues

……

und noch viel mehr – vor allem Liebe, Zuneigung und Verständnis.

Ist Ihr Welpe auch als Piranha unterwegs? Dann überlegen Sie einfach, was in der Liste oben passt. Die Liste ist übrigens nicht vollständig, aber die Ursache sind immer wir Menschen.

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