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Ich hoffe sehr, dass noch ganz viele Hundeschulen mitmachen.

Viele Wege führen nach Rom und die gewaltfreien sind schöner und besser für Mensch und Hund.

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Wer trifft hier die Entscheidungen – und warum?

Vor ein paar Tagen hatte ich lieben Besuch aus Berlin – eine Kundin, die einmal jährlich mit einer Freundin und ihren beiden Hunden bei mir Urlaub mit Training bucht. Die Kundin ist zur Zeit dabei, eine TrainerInnenausbildung zu machen und hatte einige Fragen an mich. Eine davon war: wer trifft eigentlich die täglichen Entscheidungen im Leben mit Hunden? Also: wo gehen wir spazieren, wo läuft der Hund (vor mir, hinter mir, neben mir) wen begrüßen wir, wen nicht, wer geht als erster aus der Tür…. solche Entscheidungen eben, die ganz automatisch anfallen.

Ihre Ausbilderinnen waren der Meinung, dass die meisten Entscheidungen der Mensch treffen muß. Wenn man abends feststellt, dass der Hund mehr entschieden hat, ist was schief gelaufen.

Soso.

Abgesehen davon, dass wir ca. 80-90 % aller relevanten Entscheidungen sowieso treffen, also welchen Hund holen wir wann zu uns, was gibt es wann zu essen und wieviel, mit wem sind wir befreundet, wo leben wir………, ihr kennt diese Liste alle und sie kann beliebig verlängert werden, frage ich mich ganz ehrlich, was sich jemand dabei denkt, TrainerInnen in die Welt zu schicken, die mit so einer Einstellung ausgestattet werden und nebenbei noch zu behaupten, es ginge um das Wohl der Menschen und ihrer Hunde.

Denn: wenn ich meinen Hund permanent daran hindere, mir mitzuteilen, wie er sich in der jeweiligen Situation entscheiden würde, dann hindere ich ihn daran, selbständig zu denken und eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen. Ich spreche ihm auch die Fähigkeit ab, dies in meinem und im Sinne unserer Familie zu tun. Und spätestens jetzt sollte man stutzig werden.

Denn: Hunde sind in der Lage, alleine zu überleben, Familien zu gründen und ihre Kinder ohne fremde Hilfe groß zu ziehen. Allein diese Tatsache ist ein deutlicher Hinweis drauf, dass sie intellektuell sehr wohl fähig sind, vernünftige und gut durchdachte Entscheidungen im Sinne ALLER zu treffen, mit denen sie zusammen leben.

Zur Untermauerung meiner Aussage hier zwei Beispiele:

Auf dem Beitragsbild seht ihr meinen lieben Fritzi, ein Kromfohrländerrüde, der fast 14 Jahre bei mir gelebt hat und 2013 gestorben ist. Seine Lieblingsaufgabe, die er sich selber gewählt hatte, war: auf unser Gehöft, auf die Loni, unsere Kromihündin, und auf uns aufpassen, dass nix passiert. Dazu hat jeden Tag mindestens 2x bis kurz vor seinem Tod alle Ein- und Ausgänge und alle Zäune kontrolliert, ob alles in Ordnung ist und niemand Unbefugter eingedrungen ist. Das ist eine nützliche Aufgabe, wenn man auf einem sehr großen Anwesen wie unserem lebt, das verschiedene Eingänge hat, die man nicht einsieht. Auf dem Foto liegt er unter den Linden vor der Haustüre und sieht aufmerksam in Richtung Gästegarten, vermutlich war da drüben gerade was los.
Es konnte jeder zu uns reinkommen – vorausgesetzt, mein Mann und ich haben das so entschieden. Einfach so reinmarschieren war für Unbekannte nicht so ein guter Plan. Die Gäste in den Ferienwohnungen oder auf den Stellplätzen konnten in aller Ruhe ihr „Unwesen“ treiben, solange sie nicht auf unsere Privatgelände kamen, war alles gut. Jeden Morgen lief er auf den Hundeplatz, hat in alle Himmelsrichtungen einmal kurz gebellt „Hallo, ich bin da und passe auf“ und hat anschließend seine Kontrollrunde gemacht, die ca. 20 Minuten gedauert hat, denn unser Anwesen ist groß und er war sehr gründlich.

Indiana und Maxl

2 Jahre nach seinem Tod zog Indiana bei uns ein, eine Herdenschutzhündin (oder Mix) aus Griechenland. Über ihre Wachhundqualitäten möchte ich jetzt nicht berichten, obwohl sie über die sehr wohl ganz im Sinne vom Fritzi verfügt. Vor ein paar Wochen hatte unser kleiner Maxl einen Anfall von Größenwahn und hat eine Boxerhündin attackiert, die er nicht leiden kann. Das ist ein nette und freundliche Hündin, der das nach dem 2. Zwicker in den Allerwertesten dann doch gereicht hat und so hat sie ihm zwei Löcher in den Popo gesetzt. Sehr nachvollziehbar. Seitdem ist der Maxl etwas vorsichtig, wenn wir an ihrem Anwesen vorbeigehen.
Vor ein paar Tagen waren wir auf dem Weg über die Wiese, der direkt auf dieses Anwesen zugeht. Mir war klar, dass wir vorher ausweichen müssen, da ich 1. nicht möchte, dass sich die Boxerhündin von uns angegriffen fühlt und 2. meinen Hunden die Aufregung ersparen wollte. Weil das Gras aber noch so hoch war, wollte ich kurz vorher abbiegen, damit der kleine Maxl nicht so lange durchs hohe Gras laufen muß. Ehe ich mit meinen komplizierten Überlegungen zu Ende war, ist Indiana abgebogen und der Maxl ist sofort hinter ihr her. Die Boxerhündin hat uns überhaupt nicht bemerkt und wir gingen ruhig und entspannt weiter.

Zwei Hunde, die Entscheidungen treffen, die ganz in unserem Sinn sind: ein sehr wachsamer Hund verhindert, dass jeder, dem es mal einfällt, hier einfach durchläuft, eine sozial hochkompetente Hündin wählt einen kleinen Umweg, der uns allen Aufregung erspart. Wo ist das Problem? Ich seh keins. Ganz im Gegenteil.

Wenn ich dem Fritzi verboten hätte, seine selbstgewählte Aufgabe auszuführen, wäre er einfach nur unglücklich und frustriert gewesen. Wenn ich darauf bestanden hätte, dass wir noch weitergehen anstatt Indiana hinterher zu laufen, hätte es vielleicht richtig Randale am Zaun gegeben. Wozu? Nur damit ich recht habe?

Selbstverständlich lasse ich meine Hunde nicht ins Messer laufen, indem sie alles machen dürfen, was ihnen gerade so einfällt. Das ist ja die Grundlage jeder Erziehung, dass man Hunden oder Kindern nahebringt, wie man mit dieser Welt am besten umgeht, damit man gut klar kommt. Wir laufen an der Straße und im Wald an der Leine, wir überqueren Straßen auch erst, wenn wir sicher sind, dass das gefahrlos möglich ist, wir gehen Bögen um andere Hunde und Menschen, wir gehen auf die Seite, wenn ein Auto kommt oder ein Fahrradfahrer oder Jogger vorbei möchte….. das kann man alles lernen. Und – Überraschung – man kann es seinem Hund freundlich und ohne Verbote erklären.

Letztendlich kommt es immer darauf an, was wir in unserem Alltag so brauchen, und das ist individuell unterschiedlich. Wenn ich mit den Hunden über den Hundeplatz rausgehe, dann kann ich sie einfach rauslaufen lassen, vor mir, denn da is nix! Kein Auto, keine Jogger, keine Hunde…. da muß ich nur einen prüfenden Blick in die Runde werfen, falls tatsächlich jemand über die Wiese kommt, warte ich, bis der weg ist, dann können die Hunde raus. Ganz anders sieht das aus, wenn ich zur Straße rausgehe, dann überblicke ich das nicht, also kontrolliere ich zuerst, ob die Hunde gefahrlos rauskönnen und (!) sie sind an der Leine. So einfach ist das.

Aus allem und jedem eine grundsätzliche Sache machen zu wollen, starre Regeln aufzustellen, die den Hunden jede Fähigkeit zu Eigenverantwortung und mir die alleinige Befehlsgewalt übertragen, ist einfach absurd und albern. Ich erziehe meine Hunde und die Hunde meiner KundInnen ganz bewußt zur Eigenverantwortlichkeit, zu Selbtstvertrauen und eigenständigem Denken. Denn was ist los, wenn der Hund mal auf sich gestellt ist und niemand ist da, der ihm sagt, was er tun soll? Dann wirds wirklich kritisch.

Ums nochmal klar und deutlich zu sagen: Strichlisten zu führen, ob ich tatsächlich alle Entscheidungen getroffen habe, und darauf zu bestehen, alle zu treffen, zeugt von Sklavenhaltermentalität. Meine Hunde sind meine Freunde, nicht meine Untergebenen, die strikt alle Befehle zu befolgen haben.

Lasst eure Hunde ruhig entscheiden, traut euch. Wer mal ausprobiert hat, was für schöne und interessante Ideen Hunde auf unseren gemeinsamen Spaziergängen haben, der wird das immer wieder tun. Und mehr Vertrauen in seinem Hund bekommt.

Guter Plan?

Der Maxl findet den Plan gut.

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Welpenspielstunden – was Menschen da so lernen

Wer mich kennt, weiß mittlerweile, dass ich keine Freundin von Welpenspielstunden bin. Die Hunde lernen dort in den allerseltensten Fällen vernünftige Sachen. Aber darum soll es heute nicht gehen. Mir gehts heute mal darum, was Menschen aus Welpenspielstunden mitnehmen.

Immer wieder stolpere ich im Internet über so süüüßßßße Videos, die mit Herzchen und Küsschen und huch und hach kommentiert werden, weil man – Zuckerschock!!! – Welpen in der Welpenspielstunden sieht. Ach Gottchen, ist das niiiieeedlich! Kaum zum aushalten. Während die kleinen Pelznasen übereinanderkugeln, sich gegenseitig jagen oder bellend rumrennen, halten alle Menschen munter ihre Handys, i-Phones, Smartphones drauf und damit alles für die Nachwelt erhalten bleibt. Weil wir sowas ja noch nie gesehen haben.

Dass in der Zwischenzeit der eigene kleine Drops versucht, bei seinem Menschen nachzufragen, ob der Irrsinn hier eigentlich noch lange dauert, ob man nicht bald mal den Abflug machen könnte, ob Frauchen oder Herrchen vielleicht mal dafür sorgen könnte, dass der kleine Rabauke da einen in Ruhe läßt…… alles nicht so wichtig, Hauptsache man kann dieses Zuckerschockvideo auf Facebook, Instagram oder sogar im eigenen Blog veröffentlichen.

Was interessierte HundetrainerInnen, also z.B. meine Wenigkeit, bei solchen Videos noch sehen, außer dass sie meisten Menschen ihre Dinger auf die Hunde halten: das zuständige Fachpersonal macht – nix. Die stehen bei irgendjemandem rum, unterhalten sich angeregt und sehen – nix.

Was lernen jetzt die willigen, menschlichen Hundeschulbesucher?

  1. Zuckerschockfilmchen machen ist total wichtig, weil wenn nicht, hätte das Fachpersonal einen doch darauf aufmerksam gemacht, dass..
  2. der eigene kleine Hund gerade in Nöten ist und dringend Unterstützung braucht, denn….
  3. die braucht er frühestens dann, wenn er sich tatsächlich zwischen Herrchens / Frauchens Beinen versteckt. Aber dann….
  4. kann man ja einfach einen Schritt auf die Seite machen und siehe da! Fiffi steht auf und mischt wieder mit.

Man kanns auch kürzer zusammenfassen: Menschen lernen gründlich, kurz und bündig: wir müssen uns um unsere Hunde nicht kümmern, die kriegen das schon alleine hin. Und diese moderne Variante von „das machen die unter sich aus“ halten wir schön fest für die Nachwelt.

Nein, Welpenspielstunden sind nicht gut, weder für Menschen noch für Hunde. Sehr viel besser sieht es auch nicht für Jungehundegruppen aus. Das ist nicht neu, aber leider immer noch brandaktuell. Und dann schlagen die Leute hier auf mit einem vollkommen durchgeknallten Hundekind, das jedes Bein rammelt, in alle Hände und Hosenbeine beisst, an der Leine zerrt, andere Hunde verbellt oder sich drauf stürzt wie ein Berserker….. die Liste kann beliebig erweitert werden. Menschen lernen dann einfach: Hunde machen das so und dann muß man sie sofort unnachgiebig maßregeln, was aber leider nix bringt. Außer man knüppelt das Kind so nieder, dass es sich nur noch an genehmigtem Antrag zu atmen traut. Wer will das wirklich?

Aus dem Zuckerschockkind wird dann irgendwann ein Pubertier und weil er schon so schön im Schwung ist, wird es jetzt richtig lustig. Aus den bisher eher harmlosen Attacken auf andere Hunde werden ernst gemeinte Abwehrmaßnahmen, Radfahrer, Autos und Jogger werden ebenfalls angegriffen, das Ding mit der Leine funktioniert immer noch nicht, obwohl man doch sooo viel gemacht hat…… Und irgendwann gibts dann grausige Zwangsmaßnahmen oder der Jungspund landet im Tierheim.

Weil die Menschen was gelernt haben? Dass Hunde nicht funktionieren, obwohl man doch in so einer tollen Hundeschule war, bei so einem superguten Verein, und die haben auch gesagt…………. Aber das will ich gar nicht wissen.

Deshalb, liebe Hundemenschen, die ihr gerade einen Zuckerschockwelpen bei euch aufgenommen habt: genießt doch einfach in aller Ruhe die Zeit mit ihm, die kommt nie wieder. Zeigt ihm in kleinen Schritten die Welt, ganz langsam und vorsichtig, so dass er sie in seinem Tempo erkunden und verstehen kann. Sucht ihm freundliche Hundekumpel, die ihm die Hundewelt nahebringen. Genießt sein Vertrauen und seine Liebe und seid immer für ihn da, wenn er euch braucht. IMMER! Nicht nur, wenn es gar nicht mehr zu übersehen ist.

Und vorallem: lasst eure Handys, Smartphones, was auch immer zuhause, wenn ihr mit eurem Kind zugange seid. Es braucht eure volle Aufmerksamkeit, 100%. Ihr werdet es nicht bereuen, auch wenn ihr keine Videos mehr auf Instagramm stellen könnt.

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Wenn der Tag richtig gut anfängt…..

Mein Tag beginnt recht früh, im Sommer stehe ich meistens zwischen halb sechs und sechs auf und bis ich mich zum Frühstück setze, ist es in der Regel frühestens halb neun. Da bin ich nicht so begeistert, wenn mitten ins Frühstück rein das Telefon klingelt.

Aber manchmal fängt der Tag einfach nur gut an. Eine neue Kundin ist dran, die sich für den ersten Termin bedanken möchte. Drei Stunden hatten wir uns ausführlich darüber unterhalten, wie wichtig es ist, entspannt und ruhig mit einem Hund umzugehen, freundlich und klar zu sein und nach Möglichkeit keinen Druck auszuüben. Darüber, dass es für Hunde schlecht nachvollziehbar ist, wenn wir immer nur die Fehler suchen und ihnen nicht zeigen, wie sie was machen oder an uns abgeben können, wie wir einfach dankbar sein können, dass sie bei uns sind und unser Leben bereichern und erfreuen.

Solche Gespräche führe ich oft, aber dass ich zwei Tage später begeistert die Rückmeldung bekomme, dass alles jetzt viel besser klappt, das passiert eher selten bis gar nicht.

Ich glaube, unsere KundInnen können sich gar nicht vorstellen, was es für meinereins bedeutet, Rückmeldungen zu bekommen wie:
– jetzt kommt sie viel schneller und freudiger, wenn ich sie rufe
– am Zaun klappt alles super, seit ich das so mache, wie du es mir erklärt hast
– ich kann sie auch aus dem Spiel an der Badestelle besser abrufen
……
Und das nach 2 Tagen. Wenn das kein unglaublicher Glücksfall ist für uns drei: für die Hündin, für ihr Frauchen und nicht zuletzt auch für mich. Denn so selbstverständlich ist das nicht. Einmal ist es nicht so einfach, das mal nebenbei umzusetzen, wenn man bislang alles anders und mit viel Druck gemacht hat. Viele, die zuerst sehr angetan sind, von dem, was ich ihnen vorschlage, stellen dann schnell fest, dass sie vor allem an ihren eigenen Vorstellungen arbeiten müssen, sie müssen ihre Erwartungen runterfahren, in winzigkleinen Schritten vorangehen und – was am schwersten ist – den Hund einfach so akzeptieren wie er ist.

Warum ist das so schwer? Können wir nicht akzeptieren, dass wir ein Lebewesen gebeten haben, mit uns zu leben, das eigene Vorstellungen vom Leben hat? Das nicht alles uns zum Trotz tut, sondern weil es hin und wieder andere Bedürfnisse hat als wir? Dass es zuviel verlangt ist, wenn ein Teil – nämlich der Hund – alles machen soll, was der andere Teil – nämlich der Mensch – möchte, während wir stolz darauf sind, wenn wir nur die minimalen Bedürfnisse erfüllen, aber alles was über Fressen, Trinken, Spaziergang usw. hinausgeht, ist uns zuviel?

Mit Hunden zu leben ist ganz einfach. Wenn man sich darüber freut, was für ein wunderbarer Freund eingezogen ist, wenn man ein bisschen aufpasst, was er gerne macht und was nicht so gerne, wenn wir unser Leben ein wenig auf seine Bedürfrnisse ausrichten – und damit meine ich nicht die Grundbedürfnisse, dann geht alles ganz locker.

Turid Rugaas, die wunderbare, alte Dame des gewaltfreien Hundetrainings, hat mal gesagt: Kümmert euch um die Beziehung zu euren Hunden, alles andere kommt von allein.

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Das überflüssige Drama mit dem Rückruf

Einen Hund abzurufen ist ganz einfach:
– ich spreche ihn freundlich an
– er kommt zu mir
– ich freue mich darüber, dass er kommt,
– wenn er bei mir ist, freue ich mich noch mehr
– und natürlich gibt als Dankeschön für diese tolle Aktion auch ein oder mehrere tolle Leckerchen.
– Und dauerhaft machen wir daraus ein schönes, vergnügliches Spiel.

So einfach. Kein Scherz. Das klappt mit jedem Hund, nur halt nicht immer.

Welpen kommen immer, ausser man gewöhnt es ihnen ab, indem man sie permanent nervt. Zum Beispiel, wenn sie immer erst sitzen müssen, oder gerade sitzen müssen, oder auf der falschen Seite sitzen, oder wenn das Abrufsignal x-beliebig ist – mal so – mal so, oder wenn man sie immer ruft, wenn sie gerade mit etwas total wichtigem befasst sind, weil „jetzt ist er gerade ablenkt, jetzt ruf ich ihn mal“…. Die Liste menschlicher Verfehlung ist sehr, sehr lang.

Schon mal drüber nachgedacht, dass Hunde sich gegenseitig auch rufen? Und dass der Gerufene kommt – oder eben auch nicht? Weil unter Hunden ist das nämlich freiwillig. Wenn der eine den anderen braucht zum Radfahrer am Zaun verbellen und der andere sich aber gerade mit Herrchen ein Leberwurstbrot teilt, dann bleibt er vermutlich lieber beim Leberwurstbrot. Und trotzdem ist alles ok. Da gibts keine Therapiemaßnahmen von wegen schlechter Bindung oder sonstigem Unfug.

Kalla freut sich einfach, dass sie zu mir kommen darf!

Wir Menschen hätten das gerne anders. Wir hätten gerne, dass er auch kommt, wenn ein Leberwurstbrot die Alternative ist. Das ist auch in Ordnung, aber dann müssen halt so eine theoretisch freiwillige Aktion zu einem gut aufgebautem und sicheren Signal machen. Wenn wir das natürlich als Selbstverständlichkeit betrachten, sofort auf Drama machen und einfach nicht ordentlich üben, dann wird das nix.

Denn Junghunde zum Beispiel haben total gute Ideen, wie sie mit unseren Ideen umgehen können. Für die sind das einfach Vorschläge, die man sich mal durch den Kopf gehen lassen und entscheiden kann, ob man dem Vorschlag nachkommt oder auch nicht. Und da ist der Radfahrer, der am unangeleinten Hund vorbeidüst und ihn regelrecht zum Mitrennen auffordert, halt einfach wichtiger als Frauchen, das sich die Seele mit den unterschiedlichsten Signalen aus dem Leib schreit. Ist doch logisch, oder?

Mit schlechter Bindung hat das nix zu tun, eher mit menschlicher Unfähigkeit und wenig Einfühlungsvermögen.

Ganz gruselig wird es, wenn Menschen, wenn Fiffi endlich da ist, folgendes machen:
– sofort nach dem Geschirr grapschen, festhalten und anleinen
– das Leckerchen mit der Bemerkung „na, das war ja jetzt keine Glanzleistung“ (oder was ähnlich orignelles) wieder einstecken
– oder – auch eine gute Idee – ihn gleich wieder wegschicken.

Zum Festhalten usw.: was glaubt ihr, wie oft ein Hund sowas mitmacht? Nicht lange. Im günstigen Fall kommt er noch in eure Nähe oder rennt wie der Blitz vorbei, oder er interessiert sich überhaupt nicht mehr.
Zum Leckerchen wegstecken: also wenn mir jemand was verspricht und das mehrfach mit absurden Argumenten nicht einhält, dann interessiert mich der auch nicht mehr. Und Hunden gehts vermutlich genauso.
Zum Wegschicken, das ich übrigens sehr oft sehe: warum sollte ein Hund überhaupt erst kommen, wenn ihr ihn dann gleich wieder wegschickt? Ich glaube, die Hunde finden das sehr verwirrend, ich übrigens auch, denn wenn ich meinen Hund nicht bei mir haben möchte, schicke ich ihn doch nicht weg. Oder?

Wir sollten uns also man schön selber an die Nase fassen, wenn das nicht klappt und einfach drüber nachdenken, wie wir das freundlich und friedlich ändern können.

Es gibt übrigens ein schönes Buch von mir zum Thema:

Kosten € 12,90 und kann man hier bestellen: https://philocanis.de/shop

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Das Stachelhalsband wurde verboten

Ein Meilenstein im Kampf um einen gewaltfreien Umgang mit Hunden wurde erreicht: lt. der Verordnung zur Änderung der Tierschutz-Hundeverordnung und der Tierschutztransportverordnung vom 25.06.2021 ist es ab sofort verboten: „(5) Es ist verboten, bei der Ausbildung, bei der Erziehung oder beim Training von Hunden Stachelhalsbänder oder andere für die Hunde schmerzhafte Mittel zu verwenden.“

Alle, die immer schon gegen die Verwendung dieses Folterinstrumentes gekämpft haben, sind erleichtert und begeistert, denn jetzt haben wir endlich etwas in der Hand, um gegen die GewalttäterInnen, die sich „HundetrainerInnen“ nennen, vorgehen zu können. Man muß vermutlich noch nicht mal zur Polizei gehen, es reicht ein Anruf beim Veterinäramt, um eine Kontrolle und evtl. eine Anzeige auszulösen.

Puh! Das war ein harter und langer Weg, aber das haben wir geschafft, wir alle, die wir nicht nachgelassen und nicht aufgegeben haben. Dafür möchte ich allen von ganzem Herzen danken, die seit Jahren dafür gearbeitet haben.

Was mich allerdings schwer erschüttert und erschreckt, ist die Vehemenz, mit der die FreundInnen dieses „Werkzeugs“ jammern und schreien und den Teufel an die Wand malen. Das Netz läuft über von Diskussionen, von Jammereien und Mimimi, wie schrecklich es wäre, dass man dieses wunderbare Teil nicht mehr verwenden dürfe. Was machen wir dann mit diesen extrem triebigen Hunden, die sich anders gar nicht beherrschen lassen?

Was gut ist an der Diskussion: es beteiligen sich unglaublich viele, die für einen gewaltfreien Umgang mit Hunden stehen. Und niemand nimmt sich mehr ein Blatt vor den Mund. Denn was man jetzt sieht ist, dass diese Menschen Argumenten nicht zugänglich sind. Das einzige, was sie wollen und können, ist: ein Tier so quälen, bis es aufgibt und macht, was sie von ihm wollen. Oder auch nicht aufgibt. Und dann? Einschläfern? Wegen Unerziehbarkeit?

Da wird man doch tatsächlich gefragt, wo denn der wissenschaftliche Beweis dafür wäre, dass wir WattebauschwerferInnen die besseren Methoden haben. Alter Falter! Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen! Wir müssen wissenschaftlich nachweisen, dass es besser ist, einem Hund zu erklären und zu zeigen, wie er eine gestellte Aufgabe lösen kann, die Aufgabe so zu stellen, dass der Hund sicher damit klar kommt, dass er Erfolg bei der Erarbeitung und damit Freude an der Zusammenarbeit mit mir hat? Das müssen wir nachweisen? Ja haben diese „TrainerInnen“ noch nie was von Lerntheorie gehört? Noch nie was darüber, wie Gehirne von Säugetieren funktionieren? Das Training, das auf Belohnung basiert und eben nicht auf Strafe und Gewalt ungleich effektiver ist?

Was erreiche ich denn mit Gewalt? Stress, Angst, erlernt Hilflosigkeit, Kontrollverlust… lauter nette Sachen, wegen denen sich Menschen, so sie davon betroffen sind, in Behandlung begeben. Aber für Hunde ist das prima, oder wie?

Liebe GewalttäterInnen, falls ihr bis hier hin beim Lesen kommt: die Gehirne von Säugetieren und die Entwicklung und Entstehung von Gefühlen sind bei uns allen gleich, von der Maus bis zur Giraffe, bei Katzen, Pferden, Menschen und eben auch Hunden. Und erforscht hat man – Überraschung – unter anderem an Hunden. Sowas aber auch! Da sollte man doch vielleicht mal in der Lage sein, solche Ergebnisse auch bei den Lebewesen anzuwenden, an denen sie erzeugt wurden. Guter Plan?
Denn euer beliebtes Argument „es gibt aber Hunde, die….“ punktet auch nicht. Warum wurden denn bestimmte Linien bei bestimmten Rassen so verrückt – oder „triebig“, wie ihr das nennt? Vielleicht liegt es an der Zucht? Denkt einfach mal nach.

Aber zurück zum Eigentlichen und Wichtigen: Auch wenn wir hier nur einen Teilerfolg erzielt haben und immer noch Diensthunde mit Gewaltmethoden „ausgebildet“ werden dürfen, man soll die Tragweite dieser Verordnung nicht unterschätzen. Ich bin davon überzeugt, dass viele, die sich bisher unsicher waren, was sie beim Anblick solcher Folterungen unternehmen sollen, jetzt aktiv werden und eben nicht mehr zuschauen oder sich frustiert abwenden. Wer Stachel und Stromreizgeräte nutzen möchte, muß das mehr und mehr im Geheimen tun. Gut so. Denn dann werden sich doch einige Uninformierte überlegen, warum diese Heimlichtuerei notwendig ist. Sie werden mehr Argumente gegen Gewalt und für einen anständigen gewaltfreien Umgang finden, weil wir mehr und lauter geworden sind und die besseren Argumente haben.

Und irgendwann sind alle diese Dinger weg: Kettenwürger, Stachelwürger, Stromhalsband…. weg, als hätte es sie nie gegeben. Und darauf arbeiten wir hin – aber jetzt lassen wir erstmal die Korken knallen!

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Hund trifft Hund

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Blogparade 2019 FAIR statt fies: https://www.knowwau.com/fair-statt-fies-die-blogparade/

Hunde treffen im Laufe ihres Lebens alles mögliche und alle möglichen: Autos, Radfahrer, Katzen, Waschbären, Kinder, Mütter mit Kinderwagen, Pferdewagen, Opas mit Rollator, Jogger….. die Liste ist endlos. In der Regel sind die meisten Begegnungen kein Thema – naja, wenn man mal von Radfahrern, Katzen, Joggern, Waschbären und ähnlichen Provokationen absieht. Hunde treffen sie auch, zum Beispiel in der Nachbarschaft, weil im Haus oder in der Wohnung nebenan ein Hund wohnt. Sie treffen Hunde beim täglichen Spaziergang, im Urlaub, beim Wochenendausflug, in der Hundeschule. Ganz normal also. Möchte man meinen.

Ist es da nicht erstaunlich, dass so viele Hunde mit allem möglichen klar kommen, vom Waschbär bis zum ICE, aber nicht mit Artgenossen? Manch ein Hund kriegt schon die Krise, wenn er einen anderen nur riecht. Oder er flippt völlig aus, weil er sich vor Wonne beim Anblick jedes anderen Hundes kaum zurückhalten kann. Oder er hat Angst vor anderen Hunden, selbst wenn sie noch so nett sind, oder, oder oder….

Merkwürdig. An was das wohl liegt? Vielleicht an uns, den Leinenhaltern?

Ich denke, das wird mit ein Grund sein. Denn die meisten Menschen haben sehr interessante Ansichten, wie man Hunde sozialisiert. Zum Beispiel in Welpenspielstunden.

Nach wie vor werden einfach irgendwelche Hunde in einer Gruppe zusammengefasst, die dann „spielen“ – so wie auf dem Foto: kleiner, verängstiger Hund, der sich an irgendwelche Beine drückt, ein paar muntere Welpis, die ihn untersuchen wollen und einige Menschen, die offenbar einfach nur zusehen und was machen?
Nichts.
Vielleicht wird er sogar noch „ermuntert“: „geh doch spielen, sind doch so nette Hunde.“ Wenn der Kleine dann später alle Hunde ankläfft, heißts: „Logisch, Pinscher. Die sind so.“

Oder sie lernen nur zu rennen und zu toben, nie gibt es ruhige Hundebegegnungen oder gemeinsame Spaziergänge, bei denen man schlicht miteinander die Gegend erkundet. Und da kommen dann diese anstrengenden Strahlemänner – und -frauen – raus, die sich mit breitem Grinsen im Gesicht auf jeden Artgenossen stürzen – ob der jetzt Lust auf Renn- und Rempelspiele hat oder nicht. Und die Menschen freuen sich, weil „meiner will ja nur spielen“ – was allerdings eine merkwürdige Aussage ist, wenn es sich um einen erwachsenen Hund handelt. Denn spätestens ab einem Alter von drei Jahren ist jeder Hund erwachsen und sollte wissen, wie höfliches Hundeverhalten aussieht. Und ganz besonders lustig ist es, wenn der spielwütige Hund 30 Kilo aufwärts hat.

Was hat das mit FAIR statt fies zu tun?

Erziehung heißt schlicht: Vorbild sein. Vorbild dafür, wie Mensch und Hund gemeinsam gut durchs Leben kommen. Da gilt auch für Hundebegegnungen. Das geht los beim Welpen, dem wir während der ersten Lebensmonate nach Möglichkeit nur freundliche Hundekontakte vermitteln. Erwachsene Hunde soll er treffen, die ihm zeigen, dass es noch was anderes im Leben gibt als wildes Toben, die erkennen, wenn ein junger Hund unsicher ist und ihn in Ruhe mitkommen lassen und ihm zeigen, was es alles interessantes in der Hundewelt zu entdecken gibt.

Dazu gehört auch, dass man seinen Hund, egal ob Welpe, Junghund oder erwachsener Hund, nicht zur Kontaktaufnahme drängt oder zwingt, wenn er nunmal keine Lust hat, jeden Artgenossen kennen zu lernen. Hätten Sie das gerne, wenn Ihr Partner Ihnen ständig irgendwelche Menschen aufdrängt, mit denen Sie nichts zu tun haben wollen? Sicher nicht – unsere Hunde eben auch nicht.

Wenn Hunde Hunde treffen, dann sind sie, wenn sie das lernen durften, ausgesprochen höflich und zurückhaltend. Sie warten ab, was der andere zeigt: beschwichtigt er stark und will er lieber ausweichen? Gut, dann weichen wir aus. Ist er zwar unsicher und zeigt leichte Beschwichtigungssignale, zeigt sich aber interessiert, dann nähern wir uns langsam im Bogen an. Selbst in Hundegruppen, die sich regelmäßig treffen sieht man das.

Dazu braucht man keine Kommandos, keinen Leinenruck, keine Abbruchsignale – das ist alles überflüssig und kontraproduktiv. Wie soll ein Hund verstehen, dass andere nett und harmlos sind, wenn wir ihn an der Leine wegzerren, mit Kommandos zuschütten und ihm alles mögliche untersagen? Wenn man sich und den Hunden Zeit läßt, unsichere Hunde Abstand halten können und stürmische freundlich zurückgehalten werden, dann können sie lernen, wie man Hundebegegnungen meistert.

Und: nein, das geht nicht von heute auf morgen. Nur weil Bello heute mal gut drauf war und ausnahmsweise mit anderen Hunden gespielt hat, muß er das morgen nicht wieder wollen. Morgen weicht er vielleicht lieber aus. Wenn Finchen verstanden hat, dass Mopsi nicht von ihr überrollt werden möchte, bedeutet das nicht unbedingt, dass sie das bei Ronja auch kapiert.

Wenn ich möchte, dass mein Hund höflich und rücksichtsvoll in Hundebegegnungen geht, dann muß ich bereits beim Welpen seine Bedürfnisse erkennen: ist er einer von der stürmischen Sorte, der nicht versteht, dass andere Zeit brauchen? Oder ist er eher einer von den schüchternen, die viel Abstand und Sicherheit brauchen, bis sie zu einem Artgenossen Vertrauen fassen? Das kann rassebedingt unterschiedlich sein, das kann mit Erfahrungen in den ersten Lebensmonaten zusammenhängen, und es hängt vor allem davon ab, wie wir auf ihn eingehen und ihn verstehen. Ein Hund aus einer guten Kinderstube mit einer liebevollen Mutter wird anders reagieren als einer, der beim Hinterhofvermehrer geboren wurde. Ein Riesenschnauzer wird Rempelrennspiel bestenfalls mit sehr vertrauten Freunden mögen, viele Labradore sehen in allen Hunden potentielle Kumpel für wilde Toberunden, kleine Hunde brauchen mehr Rücksicht und große sind manchmal schwerfälliger….

Bei jedem einzelnen müssen wir genau hinsehen, was er braucht und möchte: viele Kumpel oder wenige Freunde, einen oder mehrere Hundepartner in der Familie oder Freunde, die man ab und zu trifft, und ein Dasein als Einzelkind. Weicht er Zufallsbegegnungen lieber aus oder sagt er gerne mal „Hallo“? Es geht nicht darum was WIR wollen, es geht darum, was unser Freund möchte und was der Hund will, der uns begegnet. Und wenn meine Pelznase nunmal den Hund meiner besten Freundin nicht leiden kann, dann kann ich noch so sehr von gemeinsamen Unternehmungen träumen – daraus wird dann nix.

Bei Hundetrainerhunden denken ja nach wie vor viele Menschen, dass die perfekt „funktionieren“. Da dem nicht so ist, zum Schluss eine Anekdote aus dem Zusammenleben mit meiner Hündin Indiana, die zeigt, dass auch wir von der Fairness anderer Menschen und Hunde abhängig sind.

Indiana stammt aus Griechenland und da, wo sie aufgewachsen ist, braucht hund keine Konkurrenz: weder an den seltenen Wassernstellen noch beim mageren Futterangebot und vermutlich erst recht nicht bei den geschützten Ruheplätzen. Deshalb findet sie fremde Hunde erstmal ziemlich doof. Bei einem ihrer Lieblingsspaziergänge – eine Waldstrecke, auf der viele Hunde laufen – sind uns kurz nacheinander 2 Hunde begegnet. Der erste kam freundlich mit lockerer Rute und entspanntem Gesicht auf uns zu. Vermutlich wollte er die hübsche Dame näher kennenlernen. Wir sind ein Stück vom Weg abgegangen und sie war sehr angespannt. Der Mensch zu diesem Hund hat erkannt, dass wir kein Interesse haben, hat seinen Hund angeleint und die beiden gingen ruhig vorbei. 500 Meter weiter kamen uns zwei Männer mit einem ebenfalls freilaufenden Hund, einem Labrador entgegen. Alle drei wirkten auch sehr entspannt. Der Hund sah Indiana sofort an, dass sie nichts von ihm wollte, wich in einem kleinen Bogen aus, so dass die Männer auf unserer Seite waren – und das wars. Mein Mädchen hat innerhalb von 10 Minuten gelernt, dass Menschen und Hunde Rücksicht nehmen und Hundebegegnungen ganz locker ablaufen können.

So sollte das sein: darauf achten, was mein Hund braucht, aber auch, was die Hunde brauchen, die wir treffen. Dann gibts auch keine Probleme, wenn es heißt: Hund trifft Hund.

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Wird schon nicht so schlimm sein…. – Wenn Hunde Schmerzen haben

Fido hinkt seit ein paar Tagen und will nicht mehr so gerne spazieren gehen. Susi ist manchmal unfreundlich, wenn man sie an einer bestimmten Stelle berührt. Alfi knurrt einen sogar an, wenn man sich von der „falschen“ Seite nähert.

Kennen Sie das? Ihr Hund benimmt sich seit einiger Zeit ein bisschen merkwürdig. Zuerst fällt es einem nicht auf, dann denkt man sich, das war doch vor ein paar Wochen noch nicht. Also fragt man jemanden, den man für einen Experten hält. Das kann die Hundetrainerin sein oder eine Freundin, die schon länger Hunde hat, oder auch der Nachbar, der einem ständig alle möglichen Ratschläge bzgl. Hundeerziehung um die Ohren haut.

Ob Freundin oder Nachbar  oder Hundetrainerin ist eigentlich egal. Alle drei haben keine Röntgenaugen, keiner von den dreien kann einfach so mal sehen, was mit dem Hund los ist und alle drei haben unterschiedliche Herangehensweisen.

Die Freundin ist eine nette, aber auch eine, die alles nicht so ernst nimmt. Also sagt sie: beobachte das mal, vielleicht legt es sich wieder. Der Nachbar, der einer von der alten Schule ist und einfach alles weiß und das auch noch besser, ist fest davon überzeugt, dass Fido nur markiert, wenn er nicht spazieren gehen möchte, Susi und Alfi sind aber ganz sicher dominant und wollen Sie beherrschen. Also: setzen Sie sich durch! Wenn Sie spazieren gehen wollen, hat Fido mitzukommen, Susi muß sich da anfassen lassen und Alfi darf auf keinen Fall definieren, von welcher Seite Sie sich nähern dürfen.

Von der Hundetrainerin bekommen Sie – vielleicht  – eine vernünftige Antwort, je nachdem ob sie mehr oder eben auch weniger Verständnis und Einfühlungsvermögen hat. Vielleicht neigt sie mehr dem Nachbarn zu, vielleicht ist sie auch für abwarten, vielleicht gibt sie aber auch einen sehr guten Ratschlag, der da wäre: geh einfach mal zum Tierarzt und lass das klären.

Ihre Tierärztin untersucht Fido, Susi und Alfi und stellt erstaunliches fest: Fido hat sich einen Dorn eingetreten und das tut ziemlich weh. Der Dorn kommt raus, die Pfote wird versorgt und nach ein paar Tagen ist er wieder der Alte. Susi hat schon ein größeres Problem: unter ihrem dicken Fell hat sie sich eine Verletzung zugezogen, die Sie nicht bemerkt haben und die hat sich entzündet. Das tut weh und sie möchte nicht, dass sie da hinkommen. Bei Alfi ist es richtig schlimm: er sieht auf einem Auge so gut wie nichts mehr, weil er schon relativ alt ist. Also erschrickt er leicht, wenn jemand von der Seite kommt.

Und? Was hat das mit Dominanz und Weltbeherrschungsabsichten zu tun? Nichts? Genau. Aber auch einfach abwarten ist keine gute Idee, denn was soll besser werden bei einem Dorn, der in der Pfote steckt, bei einer entzündeten Wunde unter dem Fell oder gar bei beginnender Erblindung?

Schmerzen und körperliche Einschränkungen empfindet jeder anders, aber wenn die Erkennung und die Behandlung einer schmerzhaften Erkrankung von uns abhängt, und das ist eben so bei unseren Hunden, dann sollten wir nicht anfangen, nach irgendwelchen lockeren Lösungen zu suchen, sondern einfach mal einen Tierarzt aufsuchen um das zu klären.

Schmerzen beim Hund, die nicht behandelt werden, haben üble Auswirkungen. In allererster Linie kann daraus eine schwere Folgeerkrankung entstehen. Bei Fido könnte das bedeuten, dass ihm eine Zehe oder sogar die Pfote abgenommen werden muß, bei Susi kann das großflächig und schwer behandelbar werden. Aber auch Verhaltensprobleme können daraus werden, denn die Hunde vertrauen uns einfach nicht mehr, wenn sie merken, dass wir ihre körperlichen Befindlichkeiten nicht ernst nehmen. Bei allen drei Fällen kann passieren, dass der Hund uns nicht mehr an sich heranläßt, dass er abschnappt, wenn wir zu nahe kommen….. Oder dass er resiginiert und für sich abspeichert: wenn mir was fehlt, ist das meinem Menschen egal.

Das ist nicht so bei Ihnen? Ihr Hund ist Ihnen nicht egal? Und auch nicht, dass er Schmerzen hat? Das ist gut so. Aber warum fragen Sie dann Ihre Freundin oder Ihren Nachbarn? Wie gesagt: Hundeschule – kommt drauf an! Aber warum gehen Sie nicht einfach zum Tierarzt und lassen das klären? Das würden Sie bei sich selber oder bei Kindern doch auch machen.

Damit Sie verstehen, wie dramatisch das werden kann, möchte ich Ihnen von meiner ersten Hündin erzählen. Sie war ein Bernhardinermischling, ein freundliche und ruhige Seele. Wir hatten ein Ritual: wenn wir am Boden lagen und kuschelten, mußte ich sie immer ganz langsam und vorsichtig an den Vorderbeinen langziehen. Das fand sie gut. Irgendwann zuckte sie zusammen und wirkte erschrocken. Das wiederholte sich immer wieder mal. Wenn sie gestreichelt werden wollte, drückte sie sich immer an mein Bein und lachte mich an. Und da fing sie auf einmal an, mich anzuknurren, wenn ich sie auf der linken Seite streichelte. Ich war sauer, weil ich mir dachte: die spinnt doch. Mit Mitte 20 sieht man vieles leider sehr locker. Das begann, als sie ca. 8 1/2 Jahre alt war. Wir zogen in diesem Jahr um und sie war mehr bei meinem Mann als bei mir. Er erzählte mir, dass sie immer humpelte und offenbar Schmerzen hatte. Wenn ich dabei war, zeigte sie nichts, dann lief sie normal, nur dass sie weniger laufen wollte. Mitten im Umzug gingen wir zum Tierarzt, der dachte, sie hätte Arthrose, normal bei einem Bernhardiner in den Alter. Beim dritten Besuch wurde er misstrauisch und schickte uns zum Röntgen zu einem Spezialisten. Und der diagnostizierte Knochenkrebs: das linke Schultergelenk befand sich bereits in Auflösung. Drei Tage später mußte sie eingeschläfert werden.

Mir war das eine bittere Lehre: bring deinem Hund bei zu zeigen, wenn ihm was wehtut. Kümmere dich drum. Lass ihn nicht allein. Deshalb haben alle Hunde, die ihr folgten, gelernt, mir zu zeigen, wenn was irgendwo wehtut, mich alles untersuchen zu lassen und (!!!) wir gehen im Zweifelsfall lieber zu früh als zu spät zur Tierärztin unseres Vertrauens.

Schmerzen, die mal selber nicht spürt, sind deshalb nicht einfach harmlos. Hunde sind nunmal von unserer Fürsorge abhängig. Also: fragen Sie nicht die Freundin und den Nachbarn und wenn Sie gefragt werden und Sie haben Erfahrung mit Hunden, können Sie natürlich gerne Ihren Senf dazugeben. ABER: es muß immer der Satz folgen: ich würde mal zum Tierarzt gehen.

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Wenn Welpen beissen….

Welpen haben unglaublich spitze Zähne, die sind wie eine Mischung aus Nadeln und Dolchen, einfach nur gruselig. Und mit denen machen sie Löcher und Risse in menschliche Haut. Das tut weh, richtig weh. Warum machen sie das? Sie sehen so niedlich aus und wir lieben sie heißt, trotzdem hacken sie zu wie Piranhas.

Es gibt viele Gründe, warum Welpen zubeißen. Sehen wir uns ein paar an.

  1. Die Beisshemmung
    Die Beisshemmung muß ein Hund lernen, so wie Menschenkinder lernen müssen, dass sie ihre Hände sanft und freundlich einsetzen können. Die Beisshemmung wird zwischen der 7. und 10. Woche erlernt, bei einem guten Züchter lernen das die Welpen mit ihren Geschwistern, denen das wesentlich weniger weh tut, weil sie einen Pelz haben. Damit sie lernen, dass menschliche Haut empfindlicher ist, muß sich der Zücher bemühen und in der Regel klappt das ganz gut.
    Blöd ist nur, dass die meisten Hunde mit 8 Wochen in ihre neue Heimat abgegeben werden. Also müssen die neuen Hundeeltern das mit ihrem Hundekind üben.‘
  2. Hunger!!!
    Es kommen immer mehr Welpen in die Hundeschule, die max. 3 Mal täglich gefüttert werden, ein Industriefutter bekommen, das sie nicht mögen und die einfach den ganzen Tag Hunger haben. Also schnappen sie nach allem und jedem in der trügerischen Hoffnung, dass es was zum essen ist. Diese Welpen sind viel zu dünn, man fühlt die Rippen nicht nur, man sieht sie auch. Das darf bei Welpen nicht sein.
    Welpen muß man bis zu 6 Mal (sechs Mal) am Tag füttern und das Futter muß so sein, dass es dem Hund schmeckt, und er muß genug davon bekommen, so dass er nach der Mahlzeit satt ist. Industriefutter ist nie geeignet. Oder ziehen Sie Ihre Kinder mit Fertigpizza, Döner und BigMacs auf?
  3. Überforderung
    Ein Welpe schläft locker bis zu 20 Stunden täglich. Auch wenn er das kann, die Menschen aber in den übrigen 4 Stunden Action, Action, Action machen, also viel zu lange und zu oft mit ihm spazieren gehen oder ständig mit ihm spielen, Bälle und Stöcke werfen, mit Quietschis und Zotteln zerren, kommt er nicht mehr zur Ruhe. Er ist gestresst und das äußerst sich z.B. darin, dass er „schnappig“ wird.
  4. Kinder
    Kinder im Haushalt, die den Kleinen permanent rumschleppen, zwangsbekuscheln und zwangsbespielen, keine Rücksicht auf seine Bedürfnisse nehmen, ins Hundekörbchen kriechen und was dergleichen Scherze noch mehr sind, nerven den Welpen und er lernt nur allzuoft, dass Beissen die einzige Möglichkeit ist, dass er in Ruhe gelassen wird.
  5. Party
    Jeder will den Neuzugang kennenlernen und der Kleine ist komplett genervt von den vielen Menschen, die mit „Ach ist der süüüßßßß“ auf ihn losstürmen, hochheben, abknutschen….. Irgendwann reichts, niemand sieht seine Versuche wegzukommen und er hackt zu.
  6. Allein bleiben
    Viele Menschen vergessen vollkommen, dass Babys und Kleinkinder nicht gerne alleine bleiben. Wenn Menschen klar im Kopf sind, dann machen sie das mit ihren Kindern auch nicht. Welpen müssen oft sehr schnell allein die Nacht verbringen und / oder tagsüber irgendwas zwischen 4 und 10 Stunden alleine bleiben. Und: nein, es zählen nicht die Stunden, in denen Sie ins Bett gehen oder ihre Arbeit beginnen und beenden, sondern die Zeit des Alleinbleibens beginnt exakt in dem Moment, in dem Sie Ihr Hundekind in die Küche, Zwinger, Flur – wo auch immer – einsperren und nicht mehr anwesend sind.
    Auch wenn das Hundekind nicht schreit und weint: es ist allein und fürchtet sich. Das ist sehr stressig und führt ganz schnell dazu, dass es vor lauter Aufregung – Gott sei Dank bist du wieder da!! – bei der Begrüßung zubeißt.

Ein Welpe braucht:
Ruhe – Ruhe – Ruhe
geduldige Menschen, die die Bedürfnisse des Hundekindes kennen  und darauf Rücksicht nehmen
Menschen, die begreifen, dass Erziehung permanent stattfindet, nicht nur, wenn man „sitz, platz, Fuß“ übt  und dass der Erziehungsberechtigte vor allem ein gutes Vorbild zu sein.
Schutz vor allem, was den kleinen Hund erschreckt oder verunsichert
langsames Heranführen an Neues

……

und noch viel mehr – vor allem Liebe, Zuneigung und Verständnis.

Ist Ihr Welpe auch als Piranha unterwegs? Dann überlegen Sie einfach, was in der Liste oben passt. Die Liste ist übrigens nicht vollständig, aber die Ursache sind immer wir Menschen.

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Warum Welpen ihre Hundefamilie brauchen

Mittlerweile ist es gang und gäbe, dass Welpen mit 8 Wochen abgegeben werden. Warum ist das keine so gute Idee?

1. Welpen erlernen die Beisshemmung zwischen der 7. und 10. Woche. Wenn sie das an ihresgleichen, also mit ihren Geschwistern einüben, erledigt sich das relativ schnell und problemlos.
2. In der 9. Woche kommen Welpen in die erste Fremdelphase. Hunde haben mindestens vier, wahrscheinlich fünf Fremdelphasen. Die erste ist mit 9 Wochen und dauert ca. eine Woche. Fremdelphase bedeutet: nach einer Zeit der erhöhten Erkundungsbereitschaft wird eine Pause eingelegt, in der der Welpe das Erlernte verarbeitet und mehr zur Vorsicht neigt – nach dem Motto: es ist besser eine Mahlzeit zu versäumen, als selber eine zu werden.
3. Ältere Welpen von 11 oder 12 Wochen sind so gut wie stubenrein. Gerade für Ersthundebesitzer ist das ein wichtiger Punkt, da sie noch nicht die Erfahrung haben, dass wirklich jeder Welpe stubenrein wird, auch wenn man keinen Wirbel macht und ein paar einfache Regeln einhält.
4. Bis zur 12. Woche lernen Hunde wichtige Regeln des hundlichen Sozialverhaltens und die Hundesprache. Werden sie zu früh von ihrer Mutter und ihren Geschwistern getrennt, ist es fast unmöglich, dieses Manko gut zu machen – außer man hat einen freundlichen, erwachsenen Hund im selben Haushalt, der bereit ist, das Hundekind zu adoptieren und zu erziehen.

Argumente für eine Abgabe mit 8 Wochen gibt es auch. Da sehen wir uns jetzt mal zwei genauer an:
1. Der Hund kann so schneller eine bessere Bindung aufbauen.
Das würde bedeuten, dass ein Hund, der bei uns später einzieht, z.B. ein älterer Hund aus dem Tierschutz keine Bindung mehr aufbauen kann, also auch nicht mehr in die Familie integriert werden kann. Das kann niemand ernsthaft behaupten, da es Millionen Beispiele gibt, die das widerlegen.
2. Es ist vom Gesetzgeber erlaubt, wenn es für die Welpen schädlich wäre, wäre es auch nicht erlaubt.
– Es ist vom Gesetzgeber auch erlaubt, seinen Hund am Halsband zu führen, obwohl das nachweislich ungesund ist
– es ist erlaubt, ihn mit Industriefutter zu füttern, obwohl das gesundheitliche Probleme nach sich zieht
– es ist erlaubt, einen Hund an einer Laufkette zu halten, so lange er genügend Auslauf hat, was aber selten kontrolliert wird.
Es ist sehr viel erlaubt in der Tierhaltung, das für die Tiere selber alles andere als gut ist. Wir wissen auch nicht, wer das warum so festgelegt hat. Aber es bedeutet nicht unbedingt, dass man sich daran halten muß. Denn es ist nicht verboten, einen Hund erst mit 11, 12 Wochen abzugeben.

3. Der Welpenkäufer sehnt sich so sehr nach seinem neuen Freund, dass er es kaum erwarten kann. Das ist nachvollziehbar, aber: wenn alles gut geht, wird ein Hund 10 – 15 Jahre alt. Er lebt also eine lange, lange Zeit bei uns. Kommt es da wirklich auf ein paar wenige Wochen, nämlich 3-4  an, die wir länger warten müssen? Ein einsichtiger Züchter wird immer erlauben, dass wir unser Hundekind besuchen dürfen und uns auch mit Fotos beglücken, die Wartezeit versüßen.

Die Argumentation für eine frühe Abgabe steht also auf wackligen Füßen. Was spricht für eine spätere Abgabe, z.B. mit 11 oder 12 Wochen?

Viele Menschen – auch Züchter –  haben keine Ahnung, dass Hunde Fremdelphasen haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass gerade Ersthundebesitzer mit einem Welpen in der ersten Fremdelphase total überfordert sind, ihm zu viel Neues zumuten und seine Vorsicht vollkommen falsch interpretieren, ist sehr groß. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass in dieser wichtigen Phase, in der Welpe einfach Ruhe und Sicherheit braucht, Unsicherheit und Fehlverhalten vorprogrammiert werden und damit hat man dann lebenslang zu kämpfen. Die Hundemutter macht in der Regel alles richtig, sie weiß, dass sie einfach ein bisschen auf ihre Kinder achten muß, und ist da, wenn sie Zuwendung und Sicherheit brauchen.

Gerade das Thema „Stubenreinheit“ ist für viele Welpenbesitzer ein großes Thema. Wer hat schon wirklich Lust, ständig nachts aufzustehen, damit der Kleine nicht reinmacht? Und wer findet es lustig, pausenlos darauf zu achten, dass nicht wieder ein Malheur passiert? Es ist nicht förderlich für die Beziehung, wenn jemand großen Wert auf Sauberkeit legt – und das ist erlaubt! – und so ein kleiner Hund hinterläßt einfach immer wieder mal ein Pfützchen oder Häufchen in der Wohnung. Man glaubt nicht, wie oft das ein Grund zur Abgabe sein kann. Und es hat keinen Sinn auf solche Menschen zu schimpfen, wenn sich das Problem mit einer späteren Abgabe, bei der das Problem enorm reduziert wird, lösen läßt. Natürlich kann das auch noch bei einem 12-Wochen alten Welpen sein, dass er nachts raus muß oder ein kleines Malheur passiert. Aber zum einem ist so gut wieder jeder Welpe spätestens mit 14, 15 Wochen stubenrein. Zum andern achten Züchter, die ihre Welpen sehr sorgfältig aufziehen, von Anfang an darauf, dass die Hunde an  bestimmten Plätze in der Wurfkiste ein „Hundeklo“ haben Das vereinfacht vieles und je älter der Welpe ist, um so besser hat er das auch verinnerlicht.

Bis zum Alter von 11, 12 Wochen brauchen Hunde ihre Mama noch sehr. Sie werden nach der 1. Fremdelphase zunehmend selbständiger, sind also bereit für was Neues, z.B. auch für einen Wechsel in ein neues Heim. Bis zur nächsten Fremdelphase mit ca. 16 – 18 Wochen ist noch ein bisschen Zeit und das Hundekind ist wieder mutig und neugierig. Hunde, die mit 8 oder 9 Wochen in ihr neues Heim und womöglich auch gleich in die Hundeschule kommen, können eigentlich noch gar nichts lernen. Sie sind so beschäftigt mit dem Erfassen von diesem ganzen Wust, der auf sie einstürzt, dass sie überhaupt keinen Kopf für den Rückruf, Leinenführigkeit oder was auch immer haben. Mit Hundebegegnungen sind sie komplett überfordert, weil auch die Menschen oft nicht wissen, wie sie sich verhalten müssen. Mit 11 oder 12 Wochen sind sie schon deutlich selbstsicherer und mutiger, aber auch etwas risikobewußter, da sie ja die erste Fremdelphase schon erfolgreich hinter sich gebracht haben.

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Welpen, die zu früh abgegeben wurden, benehmen sich oft wie Piranhas: sie hacken in alles und jeden ihre messerspitzen Zähnchen – HundetrainerInnen können viele Narben an Armen und Beinen aufweisen und Welpenbesitzer auch. Sie wollen auch so gut wie nichts unternehmen: nicht spazierengehen, nicht spielen, nicht neue Menschen kennen lernen – weil alles zu viel ist. Der Grund: gnadenlose Überforderung. Und weil viele Menschen die zarten Signale des überforderten Hundekindes nicht erkennen, machen sie mit ihren Aktivitäten so lange weiter, bis dem Welpen nichts anderes übrig bleibt, als zuzubeißen. Was viele daraus folgern: ich habe einen aggressiven Hund erwischt – wie soll das erst werden, wenn er erwachsen wird. Die Lösung: reduziert euer Programm um ca. 90% und – Überraschung! -, die Beisserei hört auf.

Auch wer zu früh mit Grundgehorsamstraining beginnt, hat ganz schnell ein Problem. Denn der kleine Hund ist noch viel zu viel beschäftigt mit allem anderen. Ein freundliches Abrufen, das mit viel Lob und Leckerchen belohnt wird, kurze Erkundungen der näheren Umgebung im Welpentempo mit Brustgeschirr und genügend langer Leine – das reicht für den Anfang vollkommen.

Der erste Besuch der Hundeschule zu einem Kennenlerngespräch kann nach einer Eingewöhungswoche vereinbart werden, der Beginn der Trainings sollte nicht vor der 12. Woche sein. Einzeltraining ist Gruppentraining immer vorzuziehen.

Macht euch nicht verrückt, genießt die Zeit, in der eure Pelznase so niedlich und putzig ist. Genießt es, wenn er an euch gekuschelt mit großen Augen etwas Neues beobachtet, mit vorgerecktem Hals und zur Flucht bereitem Popo was Unbekanntes erkundet und sich mit euch zur Sicherheit im Rücken immer mehr traut und immer mehr entspannt, erkundet und entdeckt die Welt mit ihm – es gibt wenig Zeiten im Leben mit einem Hund, in dem man inniger und enger zusammen lebt. Lasst euch keinen Unfug über mangelde Bindung einreden, nur weil euer Kleiner auch mal ohne euch klar kommt – und lasst ihm viel Zeit, damit seine Kinderzeit eine glückliche ist.

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Deckentraining – warum ich sowas nicht mache

Hund muß auf seine Decke – jetzt – sofort – ohne Widerrede – ab in die Kiste!

Oder doch ein bisschen netter, mit Clicker und Leckerchen, mit einem freundlichen Entspannungssignal, damit er sich wohlfühlt.

Auf alle Fälle muß er, ohne Deckentraining ist ein Hund nicht wirklich gut erzogen.

Wirklich?

Und jetzt kehr ich mal die Oma raus und hau richtig auf den Putz. Meinen ersten Hund bekam ich vor fast 40 Jahren, um genau zu sein: im Januar 1980 landete ein Häufchen Elend mit knapp 7 Wochen bei mir, nachdem meine Kumpels das kleine Mädchen völlig unüberlegt aus dem Jugendskilager mitgebracht hatten. Das Winzding wuchs sich als Bernhardinermix zu stolzen 50 Kilo Lebendgewicht aus – das war zeitweise mehr, als ich damals hatte. Dann kam mein Mann mit seiner Dackelhündin in unser Leben, waren wir also zu viert. Wir wohnten in einem kleinen Häuschen von ca. 40 qm und die Hunde lagen da, wo sie wollten: auf der Couch, da lag auf jeder Seite eine Hundedecke, oder unter der Eckbank oder unter dem Küchentisch…. manchmal auch im Weg. Wir sind mit beiden Hunden zum Essen gegangen, zu Freunden, in Biergärten, wenn es notwendig war, hatten wir für jedes Mädchen eine Decke dabei, für meine Große meine alte Jacke, die legten wir auf den Boden und die Hunde lagen drauf oder daneben, wie sie wollten.

Deckentraining für unterwegs? War nicht notwendig, denn wenn du einem Hund einen Gegenstand hinlegst, der gut und vertraut riecht, z.B. nach dir, dann legt er sich in unvertrauter Umgebung sicher daneben oder drauf. Alte Hundehalterweisheit, die ich von meinem Großvater mitbekommen habe, mein Mann von seinem Vater und überhaupt hörten wir das von allen möglichen erfahrenen Hundemenschen. Ja und sind die dann nicht einfach aufgestanden und haben Unfug gemacht? Doch, aufgestanden sind sie sehr wohl, wenn sie was genauer ansehen wollten – aber da war die Leine dran. Oder wenn sie sich anders hinlegen wollten, oder wenn sie nach dem „letzten Bissen“ gefragt haben…. wir waren oft in Gaststätten, da haben die Leute erst gemerkt, dass wir zwei Hunde dabei hatten, wenn wir gingen. Und einer davon war ein halbes Kalb.

Deckentraining zuhause? War auch nicht notwendig, denn die Hunde hatten Plätze, die ihnen gehörten und da durfte sonst niemand sitzen, dafür haben wir gesorgt. Wenn sie blöd rumlagen, dann sind sie schon irgendwann weggegangen, wenn ihnen das Drübersteigen zu blöd wurde oder wir haben sie aufgefordert, sich doch bitte mal zu entfernen.

Bei allen ihren Nachfolgern haben wir das so gehalten, seit nunmehr 38 Jahren ich höchstselbst und mein Mann ein paar Jahre länger. Und? Probleme? Nein, keine.

Jetzt leben zur Zeit drei Hunde bei uns. In allen Zimmern gibt es für alle drei Hunde die Möglichkeit, sich einen netten, gemütlichen Platz auszusuchen, den ihnen niemand streitig machen darf. Der alte Anton brauchts ebenerdig, Indiana hat gerne den Überblick und der Maxl liebt Höhlen, Eckbänke und Couchen. Problem? Immer noch nicht. Besucher setzen sich nur einmal auf die hübsche Couch in der Küche, weil die total hart und unbequem ist, Indiana liebt sie trotzdem. Auf Maxls Fell im Wohnzimmer setzt sich auch keiner, sonst hat man einen bepelzten Hintern und ganz sicher einen Dackel auf dem Schoß. Und Antons Kissen auf dem Boden – warum sollte ihm das jemand streitig machen?

Stell dir mal folgendes vor: du landest aus irgendeinem Grund in China, da leben nette Menschen, die dich mit viel Liebe an alle chinesischen Besonderheiten gewöhnen. Sie haben nur eine ganz doofe Marotte. Es gibt Momente, die auch sehr lange dauern können, da bilden sich diese netten Chinesen ein, dass du unbedingt auf einem bestimmten Stuhl sitzen mußt. Es kann auch eine Couch, ein Bett oder ein Sessel sein. Das ist ein sehr bequemes Möbel, du sitzt eigentlich gern drauf, aber nicht immer und jetzt gerade eigentlich nicht. Du würdest viel lieber am Fenster sitzen oder bei den Chinesen am Esstisch oder oder oder…. aber nein, du mußt dort bleiben. Es sind sehr liebevolle Menschen, die dir auch immer was leckeres geben, wenn du dort bleibst, aber du darfst nicht aufstehen, wenn du es aufgegessen hast. Nette Vorstellung? Sicher nicht.

Liebe HundefreundInnen, Hunde verstehen sehr gut und kommen prima damit klar, dass bestimmte Plätze zu bestimmten Zeiten irgend jemandem gehören und dass man Menschen und andere Hunde einfach auch mal in Ruhe läßt, z.B. wenn sie essen oder lesen (Menschen) oder einfach ihre Ruhe haben wollen. Man kann ihnen sehr gut ohne großen Aufwand beibringen – wie kleinen Kindern -, dass Besucher nicht ausschließlich zu ihrer Bespaßung da sind, dass man keine Zeit für sie hat, wenn man gerade kocht, am PC sitzt, sich unterhält… Ebenso verstehen sie ohne große Probleme, dass hund in der Gaststätte einfach mal so unter dem Tisch oder in einer geschützten Ecke liegen kann, das ist sogar schön, weil hund da viel zu sehen kriegt. Und wenn hund das nicht mag, dann kann mensch ihn doch zuhause lassen.

Wo also ist das Problem?

Ich glaube, dass solche Trainings gemacht werden, damit man ganz, ganz sicher sein kann, dass man mit seinem Hund in der Öffentlichkeit nicht unangenehm auffällt und jeder ganz sicher sieht, dass man seinen Vierbeiner unter Kontrolle hat. In dem Dorf, in dem ich früher gewohnt habe, saß in einer Gaststätte immer ein alter Jäger mit einem alten und einem jungen Jagdhund. Nein, das war kein Ekel, der ging sehr nett und liebevoll mit seinen Hunden um und ich habe viel von ihm gelernt. Seine Hunde lagen immer bei ihm und sind nie unangenehm aufgefallen. Mein Großonkel ging jeden Vormittag mit seiner Kommondorhündin zum Frühschoppen, die lag neben ihm und niemand hatte ein Problem damit. Beide hätten gekuckt wie ein Auto, wenn ich ihnen was von „Deckentraining“ erzählt hätte.

Also: fragt mal alte Leute, die schon lange Hunde haben, wie die das denn so machen. Ich verspreche euch: für euch und für die Hunde sind die meisten dieser Ideen sehr viel angenehmer als Deckentraining.

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