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Viele Wege führen nach Rom und die gewaltfreien sind schöner und besser für Mensch und Hund.

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Mantrailing als Therapiemöglichkeit? – 4. Teil …und wie ist das mit Menschen?

Es gibt sicher einige, die denken beim Lesen der Überschrift: jetzt ist sie völlig übergeschnappt! Und sie hätten recht, wenn ich behaupten würde, ich könnte Menschen therapieren. Kann ich nicht und darf ich nicht, weil ich keine entsprechende Ausbildung habe.

ABER: die Hunde erledigen das viel besser als es jeder menschliche Therapeut könnte – und das ist einfach genial.

Meinen Workshops und Seminaren geht immer ein Theorieteil voraus, in dem ich nicht nur erkläre, was Trailen bedeutet, sondern auch wozu jeder Hund in der Lage ist – auch die Hunde der Menschen, die gerade vor mir sitzen und gespannt zuhören. Ca. 100% der Teilnehmer, die mich noch nicht kennen, sagen im Anschluss irgendwas in der Art: „Mein Hund macht das sicher nicht, weil….“ und dann kommen die irrsinnigsten Argumente. Auf diese Argumente gehe ich nie ein. Warum auch? Die besten Argumente bringen sie am nächsten Morgen mit – ihre Vierbeiner.

Nach dem ersten Trail habe ich schon die wildesten Dinge erlebt. Da sind Menschen in Tränen ausgebrochen, sind vor ihrer Pelznase in die Kniee gegangen und haben unter Schluchzen den Hund umarmt und geküsst und Dinge gesagt wie: „Mein Schätzchen, verzeih mir! Ich habe immer gedacht, du bist sooo ein Blödelchen! Und dann kannst du sowas tolles! Du bist großartig!“ Wir reden gerade nicht von endlos langen, schweren Trails bei Sturm und Regen, sondern von einem 100-Meter-Anfänger-Trail.

Wenn jemand denkt, ich übertreibe – weit gefehlt. Es gibt in dieser Hinsicht, nichts was es nicht gibt. Gott sei Dank. Denn von dieser Minute an denken die Menschen anders über ihren Hund. Er kann etwas, was sie nicht können, und das ist etwas, was in menschlichen Augen sehr, sehr wertvoll ist: hilflose, verlorengegange Menschen suchen. Da kommen sie dann auf so Ideen, als Anfangskommando zu sagen: such Menschen. Ich finde das sehr dramatisch, aber andererseits ist es auch eine Bestätigung, wie hoch sie das schätzen, was ihr Hund gerade macht.

Was lernen die Menschen beim Trailen noch?

Sie lernen, wie man ein richtiges Team mit lauter Gleichberechtigten wird. Ein Team, bei dem jeder seine klar zugewiesenen Aufgaben hat, das nur dann erfolgreich ist, wenn alle richtig zusammenarbeiten und alle richtig motiviert sind. Da gibt es keine Zurechtweisungen, nur freundliche Unterstützung, dickes Lob auch von Menschen, die mit Loben Schwierigkeiten haben, für die gezeigte Leistung des Hundes, Freude über das Ergebnis…. und im Endeffekt eine vollkommen neue Beziehung mit gerechteren Voraussetzungen, mit einer ganz anderen Hochachtung und großem Respekt vor den Hunden und ihren Fähigkeiten.

Nie im Leben könnte ich das leisten, wenn ich versuchen würde, das meinen Kunden zu erklären, im normalen Training zu verdeutlichen, an Beispielen aufzuzeigen. Zu einer derart guten und kompetenten Überzeugungsarbeit sind einfach nur die Hunde selber fähig.

Und mit dieser Ansich bin ich nicht allein. Denn die meisten Hundeschulen, die Mantrailing anbieten, arbeiten mehr oder weniger mit diesem Argument: eine Verbesserung der Mensch-Hund-Beziehung ist durch Trailen möglich. Eine Voraussetzung muß allerdings gegeben sein: der Mensch muß seine menschliche Arroganz überwinden – oder vielleicht komplett auf den Müll schmeißen – und sich voll und ganz darauf einlassen, dass ein Hund etwas besser kann als er. Wer das hinbekommt, erlebt tatsächlich eine ganz neue Art von Freundschaft und Beziehung, eine neue Form der Partnerschaft und Liebe.

Also: versuchts einfach und traut euch. Macht mit euren Hund eine „Mantrailer-Therapie“. Ohne Nebenwirkungen – nur Vorteile.

Und hier könnt ihr noch mehr über Mantrailing lesen:

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Mantrailing als Therapiemöglichkeit? – 3. Teil Verhaltenstherapie für Hunde

Wenn Hunde gerne jagen, dann denken viele Menschen, dass man sie mit einem Ersatz, also z.B. Mantrailing davon abhalten, bzw. ihnen eine gewisse Ersatzbefriedigung verschaffen kann. Wie wir im 1. und 2. Teil gesehen haben, kann das klappen oder auch nicht. Jetzt gibt es aber immer wieder TrainerInnen, die behaupten, dass man auch Verhaltensprobleme mit Trailen bearbeiten könne und das wollen wir uns im 3. Teil genauer ansehen. Nach meiner Erfahrung ist eine Verbesserung von problematischem Verhalten in Grenzen möglich, wenn man bestimmte Punkte beachtet.

1. Für wen ist das Verhalten ein Problem? Für den Hund? Für den Menschen? Für die Umwelt?
2. Warum macht der Hund das, was wir als „Problemverhalten“ bezeichnen?
3. Wer hat es ihm beigebracht?

Diese 3 Punkte sehen wir uns etwas genauer an.

  1. Wenn das Problem „Jagen“ heißt, dann ist es für den Hund eigentlich keins. Denn für Hunde ist es normales Verhalten, das zu ihrem genetisch fixierten Repertoire gehört. Für Menschen ist es dann ein Problem, wenn ihnen nicht klar ist, dass das so ist und wenn sie in einer Gegend leben, in der ihr Hund damit Anstoss erregt. Würde ich beispielsweise meine beiden Lieblinge im Wald so agieren lassen, wie sie das gerne möchten, hätte ich massiv Ärger mit dem Revierjäger, außerdem ist in Brandenburg im Wald Leinenpflicht. Im schlimmsten Fall könnte er sie erschießen oder sie würden einen Unfall bei der Verfolgung eines Wildtieres über die Straße verursachen. Es kann also ein Rundumproblem werden, da ist nicht mehr in unsere moderne Welt passt, nur verstehen die Hunde das leider nicht.Bei einer meiner Kundinnen hieß das Problem: die Hündin springt jeden Menschen vor lauter Begeisterung an. Warum sie das gemacht hat, schauen wir uns in den Punkten 2 / 3 an. Bei einem Hund, der einem 2-Meter-Mann ins Gesicht springt, ist das nicht witzig, besonders wenn es sich um einen Minibully handelt. Neben verschiedenen anderen Trainings hat sich das Trailen hier als sehr nützlich erwiesen. Meine Art der Anzeige – außer der Hund bietet freiwillig etwas anderes an – ist: wenn du sicher bist, dass das die richtige Person ist, dann stups oder schau den kurz an und geh zu deinem Menschen. Das klappt deshalb sehr gut, weil sich der Mensch riesig freut, sowie der Hund die Versteckperson gefunden hat und die Hunde sich darauf hin automatisch umdrehen. In diesem Fall war es wichtig, dass wir sofort angefangen haben zu jubeln und vor Begeisterung am Rad zu drehen, damit die Hündin gar nicht erst anfängt zu springen. Sehr interessant wurde es, als Verleitpersonen eingeführt wurden. Bis auf wenige Ausnahmen wurden diese nur kontrolliert und nicht (!) angesprungen.
    Wichtig war dabei, dass auch sonst Menschenbegegnungen geübt wurden. Am besten hat sie das nicht von uns gelernt, sondern von ihrem Freund, einem Großen Weißen Schäferhund, der null Bock auf Menschen hat und einfach vorbei geht. Sie hat sich an ihm orientiert und gemerkt: aha, so gehts auch. Wenn wir nicht auch im Alltag daran gearbeitet hätten, hätte passieren können, dass sie die Situation nicht auf den Alltag überträgt.
    In einem anderen Fall war es nicht so einfach. Eine Hündin hatte große Angst vor Menschen, die einfach vor ihr auftauchen. Ich lernte sie bei einem Workshop bei einer Kollegin kennen. Ihre Halterin war eine sehr nette, aber leider sehr inaktive Frau. Sie dachte, es könnte ausreichen, wenn wir oft genug die Hündin loben und belohnen, wenn sie die Versteckperson findet. Aber so einfach ist es nicht. Im Vorfeld und als begleitendes Training hätte sie sehr viel aktiver ihrer Hündin zeigen müssen, dass Menschen harmlos sind. Sie hat leider nicht verstanden, dass das ein echtes Problem für ihre Maus ist und für sie selber eins werden kann.
  2. Warum machen Hunde Sachen, die wir als problematisch empfinden, z.B. unbekannte Menschen anspringen oder verbellen? Warum zicken sie mit anderen Hunden rum oder attackieren sie sogar? Warum ziehen sie an der Leine? Warum fallen ihnen mehr und mehr Dinge ein, die uns nerven und stören?
    Einer der Hauptgründe ist, dass wir als Menschen in einer auch für uns sehr stressigen Welt leben, für die Hunde ist der Stress aber häufig kaum zu bewältigen. Damit meine ich, dass wir in einer für Hunde oft unerträglich lauten und stinkenden Umgebung leben. Sie sind oft stundenlang allein eingesperrt – nein, nicht in Zwingern, sondern in ganz normalen Wohnungen, bis ihre Menschen wieder von der Arbeit kommen. Sie sind oft Mittel zum Zweck sind, z.B. um Sport – oder Ausstellungspokale zu gewinnen, ohne Ende werden Forderungen an sie gestellt….. da kann man schon mal vor Verzweiflung Problemverhalten entwickeln.
    Bei der Minibullyhündin im Punkt 1 war es so: ihr Frauchen hatte vorher eine sehr unverträgliche Hündin, die weder mit Menschen noch Hunden klar kam. Das wollte sie bei diesem Hund ändern und ließ sie als Welpen an jeden (!) Menschen und Hund, zu dem sie wollte. Die Maus konnte also gar keine Impulskontrolle lernen, sie war fest davon überzeugt, dass sie jeden begrüßen muß und auch darf. Die Idee dahinter war natürlich nett, aber leider ging das völlig in die Hosen.
  3. Damit sind wir beim letzten Punkt: wir selber sind schuld daran und wir bringen ihnen das bei, was uns anschließend nervt.
    Eigentlich weiß jeder Hundehalter heute sehr wohl, dass Hunde sehr viel Ruhephasen brauchen. Was machen viele Menschen? Sie zählen einfach zusammen: so und so viele Stunden hat der Hund ja die Möglichkeit sich zur Ruhe zu begeben, alles gut. Schaut man genauer hin, stellt man fest, dass den ganzen Tag irgendwie Programm läuft, so dass der Hund ganz sicher nicht zur Ruhe kommt. Sehr beliebt ist die Variante, alle 2-3 Stunden für eine halbe Stunde mit ihm das Haus / die Wohnung zu verlassen. Dadurch kommt Bello zwar theoretisch auf 16 – 18 Stunden Ruhephasen. Defacto ist es aber so, dass er von einer zur nächsten Aktivität überhaupt nicht runterkommt.
    Das Thema „Dauerbespaßung“ hatten wir hier im Blog schon und es wurde auch schon von sehr vielen Bloggern angesprochen.
    Was allerdings immer noch übersehen wird, ist die vom Menschen aufgebaute Unselbständigkeit der Hunde, die permanent mit Kommandos und Anweisungen überschüttet werden. Dabei spielt es gar nicht mal sooo eine große Rolle, ob das alles freundlich und gewaltfrei oder mit Druck und Strafe aufgebaut wurde. Der Punkt ist: alles, was der Hund macht, läuft über Kommando. Und auch ein noch so nett geclickertes Signal, das dem Hund keine oder zu wenig Möglichkeit gibt, selbständig zu agieren, macht Hunde auf Dauer irre. Wer alles und jedes unter Signal stellt, der sollte sich nicht wundern, wenn sein Bello irgendwann anfängt, merkwürdiges Verhalten zu zeigen.
    Um nochmal auf die Minibullyhündin zu kommen: ganz klar hatte ihr Frauchen ihr das beigebracht. Und dann wurde es zu einem echten Problem. Denn als zunehmend die Menschen nicht mehr begrüßt werden wollten, entwickelte sie dieses extreme Anspringen. Terrier haben eingebaute Sprungfedern in den Beinen – könnte man jedenfalls meinen – und sie springen sehr gerne. Dazu kommt, dass dieses Verhalten zur sog. Aktiven Unterwerfung gehört, es ist ein sehr „kindisches“ Benehmen, das dem Gegenüber zeigen soll: ich bin ganz nett und harmlos. Leider kam in diesem Fall die Botschaft nie an und die Hündin galt vielen Leuten als unerzogen, was sie definitiv nicht war.

Solche Dinge bekommt man teilweise in den Griff, wenn der Mensch einsieht, dass das Problem nicht beim Hund sondern bei ihm selber liegt. Unselbständige Hunde lernen bei gutem aufgebautem Trailen selbständig zu arbeiten und dafür auch noch belohnt zu werden. Manche Situationen kann man zusätzlich zum Alltagstraining so in den Trail einbauen, dass der Hund ein anderes Verhalten lernen kann, bzw. sein erlerntes Alternativverhalten austesten kann. ABER: Trailen allein ist keine Therapie, sondern kann eine Therapie nur begleiten und im besten Fall günstig beeinflussen.

Im letzten Teil werden wir uns damit befassen, wie Mantrailing als Therapie für Menschen eingesetzt werden. Ihr dürft gespannt sein.

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Mantrailing als Therapiemöglichkeit? – 2. Teil Jagdersatz

Auf den 1. Teil habe ich sehr interessante Reaktionen gelesen, die überwiegend den Tenor hatten: so ist es bei meinem Hund auch. Wir sollten uns deshalb einfach mal überlegen, was ein ganz entscheidender Unterschied ist zwischen Nasenarbeit, die wir dem Hund anbieten, und der ganz realen Jagd, die er selber durchführt.

Das wirklich Besondere und Schöne am Trailen ist, dass wir als Team arbeiten. Rein theoretisch ginge das beim Jagen auch, aber Menschen sind einfach lahme Tröten, die beim Hetzen nicht in die Gänge kommen und beim Packen und Töten komplett versagen, so sie nicht gelernt haben ein Tier z.B. mit einem Messer zu killen. Mir persönlich wäre das sowieso mehr als unangenehm, als Vegetarierin mit starker Tendenz zum Veganismus kommt diese Art von Teamarbeit für mich überhaupt nicht in Frage. Also wird getrailt. So schön das für unsere Hunde ist, sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass so ziemlich alles, was hier passiert, von uns bestimmt wird: Versteckperson, Verleitpersonen, Tageszeit, Ort, Länge des Trails, wie oft wird getrailt, das Tempo, …… wieder einmal legen wir die Regeln fest und der Hund soll mitmachen und natürlich total begeistert sein. Dazu kommt bei allzuvielen Anbietern nach wie vor, dass sie genaue Vorstellungen haben, wie der Hund was wann zu tun hat, wie er was wann zeigen soll – anstatt einfach mal die Pelznase zu beobachten und zu eigenständigem Denken und Handeln zu animieren.

Denken Sie mal drüber nach, warum manche TrainerInnen so dermaßen oft auf die Idee kommen, ein Hund würde uns beim Trailen „verarschen“. Nein, tut er nicht. Denn Hunde haben den Teamworkgedanken nicht nur verinnerlicht, sie kommen gar nicht auf die Idee, einen Teampartner in die Irre zu führen, so wie wir das mit bestimmten Problemstellungen auf dem Trail sehr wohl versuchen. Ich vermute, die KollegInnen kommen auf so abstruse Ideen, weil sie nicht wollen, dass die Hunde selbständig arbeiten oder unter selbständigem Arbeiten verstehen, dass der Hund genau das gleiche darunter versteht wie sie. Naja.

Aber selbst wenn wir annehmen, dass das nicht der Fall ist, sondern der Hund wirklich sein Talent voll ausleben darf, dass er Hilfe bekommt, wenn er sie nötig hat, dass er Zeit bekommt, nicht gedrängt wird, sein Mensch ihn sehr gut versteht und seinem Partner garantiert mit Rat und Tat zur Seite steht, wenn es sinnvoll ist – es fehlt etwas ganz entscheidendes: das selbständige Entdecken und Aufspüren der Beute, das Anschleichen, das Losrennen und Hetzen und der Adrenalinstoß, der genau dann kommt, das Packen und Schütteln…… eben alles, was eine richtige Jagd ausmacht.

Wenn ich jetzt an die Reaktionen auf den 1. Teil denke, dann habe ich sehr oft gelesen: „so gerne mein Hund trailt, wenn ein Reh über den Trail rennen würde, würde er hinterher wollen“. Denn das ist ja eigentlich die Supergelegenheit schlechthin: die Beute bietet sich dem Hund förmlich an.

Es gibt jede Menge Hunde, deren Jagdbegeisterung ist deutlich eingeschränkter, und wenn man ihnen ein bestimmtes Training anbietet und von Anfang an daran arbeitet, dass eben nicht – vom Menschen – unkontrolliert gejagt wird, dann sind sie mit ihrem Leben trotzdem zufrieden und vermissen vermutlich nichts – zumindest bekommen wir es nicht mit. Das kann auch ein Ergebnis von Zucht sein und zwar nicht nur bei Rassehunden. Wir können davon ausgehen, dass weder ein Wach-, noch ein Hütehund, noch ein sonstiger Arbeitshund ein langes Leben hatte, wenn er nur noch hinter den Freunden des Waldes her war. Somit waren seine Chancen zur Weitergabe seiner Gene sehr eingeschränkt. Daneben hat der Mensch aber sehr effektiv arbeitende und hochbegeisterte Jagdhunde gezüchtet.

Und was wir nicht wirklich wissen: was steckt in unserem Mischling und was wurde vor einigen Generationen mal in unseren Rassehund eingekreuzt, der laut FCI und VDH einer nicht sehr jagdtriebigen Rasse angehört. Ich hatte knapp 15 Jahre Kromfohrländer, die lt. Aussage vieler Züchter nicht (!) jagen. Mein Rüde war der absolute Spezialist für die Ermordung von Ringelnattern und unsere Hündin eine sehr effektive Hasenjägerin. Wen wunderts, wenn er weiß, dass die Kromfohrländer vom Foxterrier und Griffon abstammen?

Ganz dramatische Vorstellungen haben manche Menschen, wenn es sich um gerettete Hunde aus dem Süden handelt. Viele glauben tatsächlich, wenn der Napf jetzt gefüllt ist, muß der Süße doch nicht mehr abhauen und Hasen jagen oder Mäuse ausbuddeln. Sie vergessen vollständig, dass das für viele Streuner, Straßen- und Hofhunde die beste Möglichkeit – neben dem Ausleeren von Mülleimern – ist, sich zu ernähren. Und das schmeckt nicht nur gut, das macht auch Spaß. Und  – ganz wichtig – warum sollte man eine einmal erlernte Fähigkeit verkümmern lassen? Hund weiß doch nicht, ob er das nicht irgendwann wieder braucht? Meine Hündin Indiana, die mit knapp 6 Monaten zu mir kam, hatte im zarten Alter von knapp 5 Monaten von ihrer Mutter in Griechenland schon die Grundlagen des Jagens, und damit der Selbstversorgung gelernt. Wenn ihre Mutter ihren Welpen das nicht beigebracht hätte, wie hätten sie dann den Winter überlebt? Da waren die netten Menschen auf dem Hof, auf dem sie geboren wurde, in der Stadt. Mülleimer zum Ausleeren gab es keine und auch keine Essensabfälle. Der Effekt: sie würde niemals einen alten Maulwurfshaufen aufbuddeln, sie weiß, dass man Katzen kriegen kann und Hasen findet sie auch ziemlich gut. Und ich kann Ihnen versichern: sie bekommt seit zweieinhalb Jahren jeden Tag satt zu essen.

Wir müssen also wohl oder übel damit leben, dass wir unseren Hunden mit Nasenarbeit und ganz besonders mit Trailen, das der Jagd ja noch am ähnlichsten ist, zwar einen gewissen Ersatz verschaffen können. Aber wir können uns nicht darauf verlassen, dass sie damit an den Freunden des Waldes kein Interesse mehr haben. Es sind Hunde, Lebewesen aus Fleisch und Blut, mit Gefühlen und Intelligenz, mit Bedürfnissen und eigenen Interessen, die unseren eben oft zuwider laufen. Unsere moderne Welt ist nicht sehr hundefreundlich, auch wenn es mehr Haushunde in Deutschland gibt als je zuvor. Hunde sollen gefälligst genau so sein, wie wir sie uns wünschen – als Belohnung für uns dafür, dass wir so nett zu ihnen sind. Aber so einfach ist die Welt eben nicht.

Im 3. Teil geht es weiter mit Mantrailing als Bestandteil von Verhaltenstherapie. Mal sehen, was da raus kommt.

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Mantrailing als Therapiemöglichkeit? – 1. Teil Jagdersatz

Immer wieder hört man, dass Mantrailing eine wunderbare Möglichkeit wäre, jagdbegeisterte Hunde mit diesem Ersatz auszulasten und vom Jagen abzubringen. Es mag sein, dass das manchmal klappt, gar nicht so selten den Jagdeifer etwas mildert, aber in vielen Fällen ändert es an der Begeisterung hinter Wildtieren herzuhetzen nichts, aber auch gar nichts. Warum ist das so?

Jagen ist, auch wenn Menschen das oft denken, nicht einfach eine sportliche Betätigung, die unausgelastete Hunde mal eben wählen, weil’s so nett ist. Jagen ist Nahrungsbeschaffung. Und zwar auch dann, wenn der Hund von seinem Menschen mit den feinsten Speisen ausreichend versorgt wird. Es fängt ganz harmlos an und da können wir dann noch drüber lachen, nämlich wenn unser süßer, tapsiger Welpe im Garten hinter einen Blättchen oder den Spatzen herhopst. Das ist ein sehr niedliches Spiel, aber wie bei jedem Spiel steckt etwas dahinter: die Vorbereitung auf das Leben. Es passiert eher selten, dass sich Welpen oder Junghunde für Gemüseanbau interessieren, und wenn dann nur in vom Menschen unerwünschten Ausnahmefällen – wenn sie nämlich über das frisch angelegte Beet herfallen und sich als Landschaftsgärtner versuchen. Das mit dem Gemüseanbau ist nämlich auch nicht nur ein beliebiges, menschliches Hobby. Es ist so beliebt und für uns auch relativ leicht erlernbar, weil es eine wichtige Grundlage unserer Ernährung darstellt. So wie die Jagd für Hunde.

Wenn also Klein-Bello dem davonkugelnden Ball hinterherspringt, dann macht ihm das nicht nur einfach Spaß, sondern er lernt so ganz nebenbei und spielerisch, wie er ein bewegliches Objekt erhaschen kann. Manchmal klappts, manchmal nicht, er übt und übt und irgendwann klappts richtig oft. Wenn er jetzt könnte, wie er wollte, dann würde er anfangen, sich mehr und mehr an lebenden Tieren zu versuchen, und zwar so lange, bis er in der Lage ist, sich und seine zukünftige Familie zu ernähren.

Gärtnern Sie gerne? Freuen Sie sich über jedes Radieschen, jeden Petersilienstengel, jedes Zucchini, jede Erdbeere aus Ihrem Garten? Interessiert es Sie nur am Rande, dass es eventuell für Ihren Geldbeutel sinnvoll wäre, wenn Sie Ihre Radieschen kaufen würden? Sind Sie fest davon überzeugt, dass die selbstgezogenen Kartoffeln viel besser schmecken als die gekauften? Dann geht es Ihnen wie Ihrem Hund, wenn er eine Maus oder einen Hasen erwischt hat. Selbst der beste, frische, in mundgerechte Portionen unterteilte Pansen oder die wunderbare Beinscheibe schmecken nicht halb so gut.

Jagen ist nämlich – wie gärtnern – eine selbstbelohnende Handlung und deshalb ist die Motivation, sich dieses Glück zu gönnen, so unglaublich groß. Fragen Sie mich: wenn ich genervt bin, weil ein Training nicht so geklappt hat, weil Feriengäste abgesagt haben, weil das Finanzamt mit dem Umsatzsteuer vor der Tür steht, dann gehe ich in meinen Gemüsegarten, zupfe fünf Minuten Unkraut, pflanze ein paar Kräuter um, ernte Bohnen und Zucchini, säe Radieschen und Maikugeln – und schon fühle ich mich deutlich besser.

Und das ist auch der Grund, warum viele Trainer und Hundehalter denken, wenn ich meinem Hund nur das entsprechende Ersatzangebot mache, dann sollte das doch klappen. Naja, vielleicht, vielleicht auch nicht. Das ist so, als bekäme ich einen Balkon mit 3 Blumenkästen anstelle meiner wunderbaren Gemüsebeete. Besser als nichts, aber sicher nicht so befriedigend. Was beim Jagen noch dazu kommt: leckeres Gemüse und Obst bekomme ich im Bioladen und das Zubereiten macht auch Spaß. Der Pansen im Napf ist in ca. 10 Sekunden im Hund verschwunden und die Freude an der Jagd fehlt zu 100%.

Bei manchen Hunden klappt es tatsächlich. Die sind vielleicht nicht so wild aufs Hetzen, aber sie nutzen gerne ihr Supertalent, haben Spaß an der Arbeit und große Freude am Ergebnis. Das kommt auch gar nicht so selten vor. Aber hüten Sie sich vor wilden Versprechungen gerade, wenn Sie einen Hund haben, mit dem Sie wildreiche Gebiete lieber meiden. Vielleicht, mit viel Glück, interessieren ihn die Freunde des Waldes nicht oder weniger, wenn er gerade auf dem Trail ist. Das kann durchaus sein. Aber so manch ein Trailwunder ist lieber einem Reh hinterhergehechtet, das dummerweise genau jetzt seinen Trail gekreuzt hat, und hat die Versteckperson ihrem Schicksal überlassen. Bei vielen funktioniert es, dass sie dann wenigstens für diesen Tag und vielleicht auch für die Tage nach dem Training zufrieden sind. Aber irgendwann springt eben wieder der Hase vor Fiffi auf – und ab geht die Post. Trailtraining hin oder her.

Natürlich sollten Sie trotzdem mit Ihrem Bello trailen, wenn ihm und Ihnen das Spaß macht. Denn auf Dauer bewirkt es einfach – neben dem Vergnügen an dieser wunderbaren Tätigkeit – dass Sie ihn sehr viel besser lesen lernen, Ihre Beziehung sehr viel intensiver und inniger und auch der Gehorsam besser wird. Das geht nicht von heute auf morgen, aber mit ein wenig Geduld von Ihrer Seite wird das klappen.

Und dann jagt der nicht mehr?

Naja, vielleicht!

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Dominanz oder Dominanz?

Ich freue mich ganz besonders, hier einen hochinteressanten Artikel von Elisabeth Lierschof veröffentlichen zu dürfen. Elisabeth’s Gedanken zum Thema „Dominanz“ sind sehr lesenswert.

Mit dem Begriff „Dominanz“ assoziieren die meisten Menschen spontan eher negative Eigenschaften, wie Macht, Unterdrückung und Ähnliches.

Fragt man aber mal genauer nach, ob es nicht auch positive Gedanken dazu gibt, erhält man Vorschläge wie: Präsenz, innere Klarheit, Bei-Sich-Sein, Verantwortung übernehmen, Schwächeren helfen, Ausstrahlung, Charisma.

Dass ein Hund nicht die dominante Rolle in Beziehungen spielen will, haben wir ja schon oft und ausführlich geklärt. Diese falsch verstandene Vorstellung von Dominanz dient einigen Menschen als Ausrede, Hunde nicht verstehen zu wollen und um Zwang, Gewalt und Unterdrückung zu rechtfertigen.

Dennoch können uns Hunde durch ihr Verhalten sehr stark dominieren, ohne dass sie die Absicht haben dies zu tun.

Sie können unsere Gefühle und Stimmungen dominieren, unter Umständen sogar die Atmosphäre des Zusammenlebens in unserer Familie.

Eben war ich noch gut gelaunt und bin entspannt spazieren gegangen, jetzt hänge ich überfordert, genervt, peinlich berührt an der Leine eines schreienden, zappelnden Hundes, weil der nicht an fremden Hunden vorbei gehen kann. Ich fühle mich schlecht.

Mein Hund hatte mich mit seiner Stimmung dominiert. Seine Unsicherheit, Angst, Abwehr oder Aggression hatten sich auf mich, auf meine Stimmung übertragen.

Ich war nicht „Herr“, besser gesagt „Dame“ der Lage.

Der Begriff DOMINANZ kommt von Domus – Haus,

oder auch Dominus/Domina – Herr/Dame des Hauses.

Die eigentliche Bedeutung ist,

Herr/Dame im eigenen Haus zu sein,

bei sich zu sein, selbst bestimmt zu leben.

Im Sozialen versteht man unter dem Begriff DOMINANZ unter anderem, dass jemand agiert, handelt, führt, oder eine bestimmte Energie besitzt, die sich Anderen mitteilt.

Man spricht ja auch davon, dass jemand eine besondere Ausstrahlung oder Charisma besitzt.

DOMINANZ kann auch dynamisch sein, denn wenn ich

BEI MIR, IN MEINEM EIGENEN HAUS

bin, dann kann ich anderen Raum lassen, sich und ihre Bedürfnisse auszuleben.

Ich besitze die Sicherheit, dass ich weiß, was mir gut tut, und was denen gut tut, die mir anvertraut sind. Ich bin souverän genug, dass ich in Ruhe zulassen kann, wie andere etwas ausprobieren, ich kann die Grenzen dessen was ich zulassen will, sehr weit stecken.

Es kann auch dazu führen, dass ich mich auf Ideen meines Hundes einlasse, obwohl ich evtl. ursprünglich etwas ganz anderes im Sinn hatte.

Für mich bedeutet DOMINANZ im positiven Sinne, Führung und Verantwortung zu übernehmen, und eben nicht automatisch Unterdrückung, Zwang, Unterordnung, Machtausübung.

Ich finde, wir sollten wieder dazu kommen, dazu zu stehen, im guten Sinne dominant zu sein.

Ich dominiere das Leben meines Hundes.

Ich bestimme seinen Lebensrhythmus und was ich als erwünschtes bzw. unerwünschtes Verhalten ansehe.

Ich bestimme, was, wann, wie oft und wie viel er frisst.

Ich entscheide, wann, wo, wie lange, und mit wem wir spazieren gehen,

ob er frei läuft oder angeleint ist, und welche Art der Hundebegegnung er haben soll.

Ich bestimme die Art und Weise der Erziehung und Ausbildung, und wofür er belohnt oder gelobt wird.

Je nach meinen eigenen Interessen und Neigungen entscheidet sich, welche Beschäftigung er haben soll, ob und welchen Sport wir zusammen treiben.

Ist das jetzt per se etwas Schlechtes?

Und wie ist es mit Grenzen setzen?

Mein Frino möchte gern an der Grundstücksgrenze die Verantwortung übernehmen, er will allen lauthals verkünden, dass er für das Aufpassen zuständig ist, er möchte auch kontrollieren, wer bei uns hereinkommt und auf welche Art der Besuch begrüßt wird. Ich finde allerdings, dass ich für diese Fragen zuständig bin. Also sage ich es ihm, klar und deutlich, verbal und/oder mit Hilfe meiner Körpersprache, selbstverständlich ohne einschüchternd oder bedrohlich zu wirken.

Er erscheint mir in solchen Situationen oft direkt erleichtert, als wenn er sagen wollte: „Okay, dann muss ich mich nicht mehr darum kümmern.“

Wenn ich Menschen mit ihren Windhunden sehe, beeindruckt mich immer ein gut eingeführtes „Stopp“ – Signal, wenn die Hunde zu sehr aufdrehen und Lebens- und Rennfreude umschlägt in pure Erregung. Sehr leicht beginnen sie dann sich gegenseitig zu mobben oder zu ritzen.

Auch hier erlebe ich bewundernd, wie die Hunde schlagartig in einen anderen Modus verfallen, und vollkommen ruhig werden können.

Hier übernimmt der Mensch Verantwortung und bestimmt die Situation, die chaotisch zu werden droht.

Hunde und Wölfe zeigen uns Menschen genau diese Aspekte von Dominanz. Bei ihnen bewundern wir die souveräne Art, anderen zu zeigen, wie man sich untereinander gut benimmt. Warum also sollten wir dies nun, wenn es um Menschen geht, als etwas Falsches betrachten und es ablehnen?

Bleibt noch die Frage, was kann ich denn tun, damit mein Hund sich so verhält, dass es uns Beiden gut tut?

Einerseits brauchen wir Wissen, Kompetenz, Erfahrung, Aneignung und Einüben von Techniken, die uns helfen, Hunde zu verstehen und mit ihnen zu trainieren (der gut gefüllte Werkzeugkasten).

Noch viel wichtiger finde ich jedoch die innere Haltung, mit der ich meinem Hund gegenübertrete. Sie sollte bestehen aus: Respekt vor dem anderen Lebewesen, Souveränität, Bei-MIR-Sein, Gelassenheit, Entspanntheit, Humor, Verantwortung, und sie sollte andererseits Willensenergie und Entschlossenheit beinhalten. Ich wünsche mir einen Hund, der soviel wie nur irgend möglich seinen eigenen Interessen und Bedürfnissen nachgehen kann, der einfach Hund sein darf.

Der geniale Satz von Clarissa von Reinhardt „trainieren Sie noch, oder haben Sie schon Spaß mit Ihrem Hund?“ trifft hier ganz genau meine Sehnsucht nach einem natürlichen, friedlichen Miteinander, das ohne viel Einwirkung auskommt.

Wie das Leben so spielt, sind mir gestern diese Worte zugefallen:

Als soziale Lebewesen brauchen wir für ein glückliches Leben Freundschaft, Vertrauen und Offenheit.

Vertrauen ist die Grundlage jeder Freundschaft, und wir werden es finden, wenn wir zu dem, was wir in unserer herkömmlichen Erziehung gelernt haben, auch Warmherzigkeit entwickeln.

Aus dieser Warmherzigkeit erwachsen uns Selbstvertrauen und innere Stärke, um in Vertrauen und Freundschaft mit anderen zusammenleben zu können.“

Dalai Lama

Elisabeth Lierschof, Vomp in Tirol, April 2013

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Der dominiert durch seine Angst seine Besitzer!

Manchmal ist man nur fassungslos! Da kommt doch von einem Tierarzt tatsächlich die Aussage bei einem vor Angst schreienden Winzling: Der dominiert mit seiner Angst seine Besitzer. Denn nachdem man sich einen Winzhund – Rasse egal – ins Haus geholt und ihn nach erfolgreicher Überkuschelung, zu viel und zu lange allein lassen und ähnlichen großartigen Aktionen zum schreienden Quälgeist gemacht hat, landet das süße Tierchen im örtlichen Tierheim. Der Kuschelfaktor ist nach gut einem Jahr ebenfalls aufgebraucht und wenn das blöde Vieh auch immer sofort zu schreien anfängt, wenn man ihn mal „liebevoll“ zwangsbekuschelt und hochnehmen will, dann eben weg mit ihm.

Der arme kleine Kerl hat gelernt: wenn ich nur schreie was die Stimmbänder hergeben, dann habe ich meine Ruhe. Ist auch logisch, denn niemand hält das Gekreische dieser schrillen Stimmen aus. Und dann kommt ein Tierarzt, sieht und weiß  – eigentlich – was los ist und läßt genau diesen Satz los – Dominanz durch Angst. Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen.

Wenn man schlicht den Begriff „Dominanz“ bei Wikipedia eingibt, erhält man ein paar nüchterne Definitionen, zum Beispiel diese hier: „Dominanz-Hierarchien sind bei vielen Tieren einschließlich der Primaten und auch beim Menschen zu finden. Individuum A schränkt die Rechte und Freiheiten von Individuum B ein und gesteht sich selber diese Rechte und Freiheiten zu, was von B akzeptiert wird. Dominanz ist immer beziehungsspezifisch und ist zeit- und situationsabhängig.“ Ob das mit den Hierachien jetzt so stimmt, lassen wir mal dahingestellt, aber der 2. Satz ist doch wirklich interessant. Ganz sicher stimmt es, dass menschliche Freiheiten eingeschränkt werden, wenn so eine armes Fusshüpchen durch Geschreische dafür sorgt, dass das Kuschelbedürfnis seines Halters nicht mehr erfüllt wird. Ob es das Recht des Menschen ist, einen Hund dazu zu zwingen, ist schon wieder eine andere Sache. Aber gesteht sich der Chihuahua oder der niedliche Bolonka dann ähnliche Recht und Freiheiten zu? Wird dann der Mensch zwangsbekuschelt und rumgetragen?

Dominanz, egal wie man sie definiert, hat immer etwas mit Überlegenheit zu tun, mit Macht und Machtansprüchen, die man auch sehr bewußt durchsetzt. Das muß nicht mit Gewalt erfolgen, das kann einfach eine Folge von natürlicher Autorität und souveränem Auftreten sein. Wenn z.B. ein Hund in einer Gruppe einen anderen attackieren möchte und ein dritter stellt sich locker dazwischen nach dem Motto: „so nicht, Kumpel“, dann ist das in diesem Moment eine sehr gute und dominante Aktion, bei der der dritte Hund vermutlich einfach über souveränes Auftreten verfügt.

Es ist immer so schön verführerisch, wenn man ein höchst diffuses Fachwort verwenden, das Gesagt als Fachwissen verkaufen und einem Hund ein Etikett umhängen kann. Damit vermeidet man erfolgreich, dass irgendjemand auch nur noch ansatzweise darüber nachdenkt, warum der kleine Kerl denn überhaupt so reagiert. Denn wenn man nachdenken würde, dann müßte man sich ja auch eine Lösung des Problems einfallen lassen. Die Lösung des im Tierschutz gelandeten Handtaschenhündchens – schreien, bis sich keiner mehr hertraut – ist ja nicht so unglaublich vermittlungsfreudig und sozialverträglich. Die Lösung könnte z.B. heißen: viel Geduld, viel Zeit, viel Liebe und Verständnis aufbringen, die Ohren zumachen, wenn der Kleine brüllt und die Ursache für das Geschrei abstellen, indem man z.B. übergriffige Menschen abwehrt. Die Lösung heißt ganz sicher, dass man dem Winzling beibringt, wo er Schutz suchen und den garantiert bekommen kann. Das ist natürlich ein kleines bisschen mehr Aufwand als eine simple Aussage zu treffen, die dann alle in Sicherheit wiegt: das ist eine ganz dominante Töle, da kann man nix machen.

Kleine Hunde haben schon genug Probleme. Jeder findet sie süß, niedlich und zum Knutschen, selbst wenn es sich um erwachsene, würdevolle Hunde mit großer Individualdistanz handelt. Man übersieht sie pausenlos, ständig müssen sie wegen unserer Unachtsamkeit Angst haben getreten zu werden, jeder wird ihnen gegenüber übergriffig vom Trainer über den Hundefriseur bis zum Tierarzt, von allen möglichen Menschen, die ständig mit Gekreische „aaach, ist der süüüß!“ über sie herfallen, ganz abgesehen. Sie werden nicht ernst genommen und oft nicht besser behandelt, wie jedes x-beliebige Plüschtier. Wie wäre es, wenn sich wenigstens Hundetrainer, Tierärzte und anderes Personal vom Fach ihrer annehmen würden und ihre Probleme als das sehen würden, was sie sind: vom Menschen erzeugte Reaktionen?

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Mantrailing – Praktische Anleitung (nicht nur) für Anfänger – 2. Leseprobe

Teamwork


Was stellen Sie sich vor, wenn Sie an ein gut funktionierendes Team denken? Vermutlich denken Sie an eine Gruppe von zwei oder mehr Beteiligten, bei denen jeder weiß, was er wann und wie zu tun hat. Im Grunde kennt jeder auch die Aufgabe aller anderen, manchmal kann einer etwas übernehmen, wenn der andere nicht weiter weiß oder überfordert ist. Jedenfalls hat man das Gefühl, dass alles ohne große Worte und Gesten
klappt und reibungslos abläuft.

Beim Trailen gibt es einige Dinge, die können Sie nicht für Ihren Hund und er nicht für Sie tun. Sie riechen im Vergleich zu ihm so gut wie nichts, er wird sich beispielsweise hart tun, Verkehrsregeln zu beachten. Das bedeutet, dass Mensch und Hund sich beim Trailen vor allem ergänzen und das sollte so unkompliziert wie nur möglich funktionieren. Ein gutes Team sieht beim Trailen aus, als ob Mensch und Hund miteinander tanzen. Wie bei einem guten Tanzpaar kann nicht der eine die Figuren des anderen ausführen, aber alle Bewegungen sind perfekt aufeinander abgestimmt, jeder Schritt passt und keiner behindert den anderen, im Gegenteil, sie ergänzen sich gegenseitig. Es ist eine Freude zuzusehen. So sollte es beim Trailen auch sein.

Um es vorweg zu nehmen: Ihr Hund kann das bereits, wenn Sie immer freundlich und rücksichtsvoll mit ihm umgegangen sind. Menschen sind da deutlich weniger begabt. Deshalb ist eine Ihrer wichtigsten Aufgaben, Aufmerksamkeit und Achtsamkeit zu üben.

Das bedeutet:
1. Sie müssen lernen, was Ihr Hund Ihnen sagen will
2. Sie dürfen ihn bei seiner Arbeit nie behindern oder ihm im Weg stehen
3. Irreführende Signale z.B. unnötige Sichtzeichen und Aktionen wie ihn weiter treiben mit Worten und Gesten, ihn blockieren oder behindern, müssen ab sofort unterbleiben.
4. Jeder Gedanke, Ihr Hund könnte Sie „verarschen“ ist absolut verboten. Sowie er etwas „falsch“ macht, müssen Sie überlegen, wie Sie ihn dazu gebracht haben.
5. Ohne Training außerhalb des Kurses kommen Sie nicht weiter, außer Sie akzeptieren, dass Sie wenig oder sogar überhaupt keine Fortschritte machen.
6. Ohne Training außerhalb des Kurses lernen Sie nicht wirklich, ihn richtig zu lesen. Wenn Sie also allein keine Trails legen möchten oder können, dann versuchen Sie das wenigstens im Alltag zu lernen.
7. Sie müssen sofort erkennen, wenn Ihr Hund Hilfe braucht, was er jetzt nötig hat und wie Sie ihm helfen können.

Schon viele Hunde, die zu Beginn begeistert und feurig dabei waren, sind irgendwann nur noch frustriert mitgelaufen, weil ihre Menschen sie nicht verstanden haben. Wenn Bello Sie zum dritten Mal gebeten hat, ihm nochmal den Geruchsartikel zu zeigen, weil er sich nicht mehr sicher ist, und Sie tun das nicht, wird er das zukünftig unterlassen. Die Ergebnisse werden entsprechend sein, denn ein verunsicherter Hund macht einfach mehr
Fehler…..

….weiter geht’s auf Seite 23

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Mantrailing – Praktische Anleitung (nicht nur) für Anfänger – Leseprobe

Einleitung


Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Ihr Kind geht mit anderen in den Wald um Verstecken zu spielen und leider versteckt es sich so gut, dass es nicht nur nicht gefunden wird, es findet auch nicht mehr zurück. Horror! Zuerst sind Sie vollkommen entsetzt und außer sich, dann fällt Ihnen die Frau ein, die ein paar Häuser weiter wohnt. Diese Frau geht regelmäßig zum Mantrailing in eine Hundeschule und erzählt immer ganz begeistert
davon. In Ihrer Not klingeln Sie bei ihr und bitten Sie, Ihnen zu helfen. Sie sagt, dass sie das eigentlich nicht darf, Sie sollten zur Polizei gehen, aber Sie lassen nicht locker. Also lässt sie sich erweichen, holt ihren Hund, sagt Ihnen, was sie von Ihnen braucht und Sie gehen mit ihr zu der Stelle, wo Ihr Kleiner das letzte Mal gesehen wurde. Und tatsächlich: nach ca. 15 Minuten findet der Hund Ihr sehr unglückliches Kind, das einfach vergessen
hatte, wo es lang gegangen ist.

Übertrieben? Ganz sicher nicht. Ein gut ausgebildeter Mantrailerhund, auch wenn er keine Prüfungen absolviert hat, ist sehr wohl in der Lage eine vermisste Person zu finden. Das und die Tatsache, dass es wenige Aufgaben für Hunde gibt, die Mensch und Hund gleichermaßen so sehr begeistern, ist der Grund, warum Mantrailing seit einigen Jahren groß in Mode ist. Dass genau sowas passiert, wie oben beschrieben, ist mehr als unwahrscheinlich – einfach deshalb, weil es vermutlich mehr Mantrailerhunde gibt, die
das könnten, als Menschen, die verloren gehen. Aber für viele Menschen ist die Vorstellung, dass ihr Hund so etwas hinkriegt, ausreichend, um mit ihm regelmäßig zum Training zu gehen.

Was ist Mantrailing eigentlich genau? Im Grunde ist es nicht sehr viel anders als das, was wir unter „Fährte“ verstehen, nur ein wenig differenzierter. Üblicherweise versteht man unter Fährte eine Geruchsspur, die von einem Menschen oder Tier stammt. Der Hund wird dort hin geführt, wo die Spur beginnt und er soll ohne weitere Hilfe diesen Geruch (Individualgeruch) aufnehmen und ihm folgen. Am Ende findet er eine Belohnung
oder bekommt sie von seinem Hundeführer. Dazu wird der Hund an einer langen Leine geführt, nur in seltenen Fällen geht der Hund frei.

……weiter gehts ’s auf Seite 7 im Buch

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Wissenschaft für Gewalt im Hundetraining?

In einem meiner letzten Blogartikel ging es um eine kurze Korrespondenz mit einem Vertreter „stringenterer Methoden“ in der Hundeerziehung, in der meine Auseinandersetzung mit der Schüsselszene von Michael Grewe kritisiert wurde. Dieser Herr hat in seiner Mail etwas geschrieben, das mich nicht in Ruhe läßt. So gut wie alle Hundetrainer berufen sich auf wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse, die ihr Training untermauern sollen – auch die Befürworter und Anwender von Gewalt und Folter wie Leinenruck, Strom oder eben Schüsseln, die Hunden um die Ohren gehauen werden, um sie durch sog. Interventionstraining von unerwünschtem Verhalten nachhaltig abzuhalten.

Hier nochmal ein Zitat aus dem Text:

„…. Aus lernpsychologischer Sicht, und so wird es auch an den tierärztlichen Hochschulen gelehrt, muss eine Intervention auf ein unerwünschtes Verhalten innerhalb von zwei Sekunden erfolgen, um ein Lernziel zu erreichen. Bei einem Angstbeißer  ist die ohnehin kurze Zeit noch kürzer, und der Hund darf nie den Hundeführer selbst als Disziplinierenden wahrnehmen, wenn das Verhältnis nicht unrettbar zerstört werden soll. Also darf der Besitzer nicht selbst zu solchen Maßnahmen greifen, dafür gibt es den Hundetrainer, es muss eine einmalige Aktion bleiben, und was völlig übersehen wurde ist, der Hund hatte einen Maulkorb auf, der den Schlag dämpfte – die Wirkung aber nicht! Sicher wird dieser Trainer kein Freund des Hundes sein, aber für das Leben des Hundes, der ja eingeschläfert werden sollte, und die  Besitzerin war diese Maßnahme heilsam…“

Wenn diese Art von Lernpsychologie an Tierärztlichen Hochschulen gelehrt wird, dann wundert mich nichts mehr. Dann ist eigentlich klar, warum Tierärzte nach wie vor Alphawurf und Schnauzengriff empfehlen und höchst merkwürdige Vorstellung von der Seele eines Hundes haben. Das sollte mich als mittlerweile doch recht gut etablierte Trainerin nicht erschrecken, da die Kunden mir in so gut wie allen Fällen mehr glauben als den Tierärzten, vor allem, weil meine Argumente und meine Arbeit überzeugend sind.

Das Problem, das ich hier habe, ist: das geht als Wissenschaft durch. Manch einer mag den folgenden Vergleich überzogen finden, aber ich finde, er passt. Während der zwölfjährigen Herrschaft des Nationalsozialismus fanden zahlreiche Versuche an Menschen statt, an Kindern, Behinderten, Schwachen, Kranken und rassisch „Minderwertigen“. Da wurden Sachen veranstaltet, da kommt einem das kalte Grausen. Ich weiß nicht, ob das eine typisch deutsche Eigenschaft ist, aber über diese Versuche und die in meisten Fällen folgenden Ermordungen wurde von Ärzten und „Pflege“personal gewissenhaft Buch geführt und alles auch genauestens ausgewertet. Für diese Leute war das, was sie betrieben, „Wissenschaft“.

Wo ist die Parallele?

Jemand, der gewalttätige Methoden an Hunden untersucht und lehrt, und dabei denkt, er würde tatsächlich lernpsycholgische Erkenntnisse nutzen, weiß einfach nicht wovon er spricht oder er hat von Erziehung komplett andere Vorstellung wie ich. Erziehung bedeutet für mich, einem mir anvertrautem Lebewesen zu zeigen, wie die Welt um uns herum so läuft und wie wir gut darin klar kommen. Ich bin sein Vorbild, d.h. auch und gerade in konflikträchtigen Situationen – für meinen Hund – bin ich es, die ihm zeigen muß (!), wie wir uns verhalten, um stressfrei da raus zu kommen. Dazu brauche ich einen entspannten Hund, der zu mir Vertrauen hat, der nachdenkt ehe er handelt und der genug Selbstvertrauen und Selbstbewußtsein mitbringt, um auch etwas schwierigere Momente ruhig und gelassen angehen zu können.

Interessanterweise stimmt das optimal damit zusammen, wie Lernen bei Hunden und nicht nur bei ihnen – wissenschaftlich bewiesen – funktioniert. Ein Hund – oder auch ein Mensch, eine Katze, ein Pferd – lernt am leichtesten, in einer entspannten, sicheren Umgebung, wenn ihm die Aufgabe ruhig und einfach erklärt wird und mit einem Erfolg endet. Winkt dazu noch eine begehrte Belohnung, wird es noch besser und leichter.

Und jetzt zu dem Angsthund, dem man sofort und unverzüglich etwas um die Ohren hauen muß. Immerhin ist schon mal klar, daß es ganz schlecht ist – auch wissenschaftlich bewiesen? -, wenn das der Hundehalter selber macht. Denn was verliert der Hund dann? Aha – sein Vertrauen. Aber wie sieht es mit dem Vertrauen aus, wenn wie in der Schüsselszene die Halterin daneben steht und ganz locker zusieht? Baut man hier Vertrauen auf oder demoliert man es nicht eher? Dann ist die Frage: kann ich Angst durch eine angstmachende Behandlung wegtrainieren? In der Humanpsychologie werden solche Methoden durchaus angewenden. Aber! Vorab besprechen Therapeut und Patient wie das abläuft, der Patient gibt seine Einwilligung, er weiß, worauf er sich einläßt und (!) es wird ein Codewort vereinbart, mit dem er sofort aus der Situation rauskommt. Der Therapeut muß unverzüglich abbrechen, wenn der Patient das möchte, sonst macht er sich strafbar.

Wenn jetzt ein Hund mit allem, was er hat, zeigt, daß es ihm zuviel wird, ist er doch in der gleichen Situation wie unser Patient. Richtig? Und warum, wenn schon diese ganzen Methoden und Erkenntnisse in Tierversuchen erforscht wurden, werden sie nicht auf Hunde angewendet? Nämlich: daß Reizüberflutung z.B. mit einer angsteinflössenden Situatione kontraproduktiv ist. Nämlich: daß Lernen am besten in entspannter Umgebung stattfindet und dann auch erfolgreich ist…… Aber warum soll ich das alles wiederholen, ist doch alles bekannt.

Nein, es geht um etwas ganz anderes. Egal wie der Trainer oder die Trainerin heißen: Leute, die solche Methoden anwenden, und Hundehalter, die solches Training gut finden, wollen keinen Hund, der mit einem soliden Selbstvertrauen ausgestattet ist. Sie wollen eine vierbeinige, bepelzte Marionette, deren Seelenleben und Gemütszustand ihnen einfach egal sind – sie haben keins zu haben. Sie haben zu funktionieren.

Wissenschaftler, die so etwas erforschen und in die Welt setzen als wertvolle, praxisnahe Erkenntnisse, sollte man nicht wirklich beachten. Denn leider ist es uns nicht möglich ihre sofortige Entlassung bei den entsprechenden Instituten zu veranlassen. Wir sollten nämlich eins nicht vergessen. Diese Institute führen entsprechende Erkenntnisse als Auftragsarbeiten durch oder als Doktorarbeit. Beispiel gefällig?

„Vergleich der Stressauswirkungen anhand von Speichelcortisonwerten und der Lerneffekte von drei Ausbildungsmethoden bei Polizeihunden“ 2009, Inka Böhm Tierärztliche Hochschule Hannover. Hier wird untersucht, was besser klappt: Stromreizgerät, Leinenruck oder aufkonditioniertes Abbruchsignal. Wer Lust hat, kann sich das hier gerne zu Gemüte führen: boehmi_ss09

Man sollte also die Aussage „wissenschaftlich bewiesen“ genau anschauen. Wer hat was wann warum bewiesen und wem nützt’s? Den Hunden oder fragwürdigen Ausbildern und rücksichtslosen Hundehalter? Und ins Bockshorn jagen sollte man sich von solchen Typen, auch wenn ein „Dr.“ vor dem Namen steht, schon gleich gar nicht.

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Wie bescheiden darf man bei TV-Trainern eigentlich sein?

Auf Sixx, dem Kanal mit zuverlässig seriösen Hundetrainern, gibt es ein neues Highlight: Brandon McMillan. Wer kurz reinschaut erfährt erstaunliches: in ganz kurzer Zeit zu tollen Erfolgen, alles immer nur nett und freundlich, das Hauptanliegen ist total selbstlos: eigentlich unvermittelbaren Hunden eine Zukunft in einem schönen Zuhause zu geben…. jaja, die Guten sterben einfach nicht aus. Noch dazu ist der Kerl im Gegensatz zu einem gewissen Cesar Millan recht erfreulich anzusehen – also mein Typ ist er nicht. Aber er ist recht knackig und ich kann mir vorstellen, dass manch ein Mädel erstmal nur auf seinen Hintern kuckt und weniger darauf, was er so mit den Hunden macht.

Jetzt ist es nicht so mein Ding solche Sendungen anzuschauen, in der Zeit gehe ich lieber mit meinen Hunden spazieren, wenn ich sonst nix zu tun habe. Aber wenn in allen möglichen Facebook-Gruppen und von allen möglichen HundetrainerInnen, so einer plötzlich in den Himmel gelobt wird – nein, nicht sein Popo, sondern auch sein Training – dann finde ich durchaus, daß ich mir die Zeit mal nehmen kann. Und dann schau ich rein und bin nur noch baff.

Tja, liebe HundefreundInnen und liebe KollegInnen, ich muß schon sagen, ihr seid ja sehr bescheiden. Nicht was das Äußere dieses Herrn betrifft, auch wenn ich von hübschen Männern andere Vorstellungen habe, sondern sein Training. Und damit: Ironie aus!

Selbst wenn man sich die Filmchen nicht reinzieht, dann sollte man sich z.B. folgende Ankündigung auf der Zunge zergehen lassen:
„Jeder braucht ein Zuhause – Tony und BJ möchten den sechs Monate alten Chihuahua Flash in ihres aufnehmen. Bevor er jedoch zu seiner neuen Familie ziehen kann, will sich Brandon das Kau-Problem des Hundes ansehen und ihn lehren, wie man neben einem Fahrrad herläuft.“
Leider war es nicht möglich, eine Vorschau oder den Film in der Mediathek zu sehen, deshalb kann ich nichts über das Kauproblem sagen, was immer das auch sein mag. Aber was bitte ist von einem Hundetrainer zu halten, der einem 6 (sechs!) Monate alten Chihuahua beibringen möchte, am Fahrrad zu laufen? Chihuahua! Maximal 3-4 Kilo, wenns ein großer ist! Noch längst nicht ausgewachsen! Offenbar aus dem Tierschutz und das zweitwichtigste Thema nach dem Kauproblem ist: lauf neben dem Fahrrad her!

Leute, ich fass es nicht! Muß ich mir wirklich noch eine visuelle Kostprobe gönnen, wenn ich so etwas gelesen habe? Wer außer mir hat diese Ankündigung noch gesehen? Oder geht das hier nach dem Motto: wer lesen kann, ist klar im Vorteil – aber die meisten kucken lieber? Auf den Hintern von dem Kerl?

Entschuldigung, ich habe vergessen: keine Ironie mehr. Aber nachdem ich mir auf Youtube angesehen habe, wie er der kleinen, schüchternen Leah „stay“ (=bleib) und noch alle möglichen anderen Kommandos in einer (!) Trainingseinheit beibringt, frage ich mich einfach nur noch, ob nur ich Augen im Kopf habe.

Eine kleine, zarte, verunsicherte Hündin soll ganz schnell „bleib“ lernen, ist ja auch eines der wichtigsten Signale, die ein Hund im Alltag so braucht. Als erstes sehen wir, wie man es defintitiv nicht machen soll: er gibt der Hündin ein Kommando „stay“ und geht weg. Überraschung! Sie kapiert es nicht. Das findet er komisch – also sowas, so ein Dummerchen. Dann wird die kleine Maus erstmal auf einem Tisch – wozu das denn? – dazu gebracht „sitz“ und „platz“ zu machen. Das geht zackzack, sie kapiert eigentlich nix, weil er ununterbrochen redet, laut, grob, es ist keine Unterscheidung möglich, ob er gerade dem Zuschauer was erklärt, ein Kommando gibt oder die Hündin lobt. Dann machen wir bißchen bei-Fuß-Training, da bedrängt er die Maus, indem er ihr extrem wenig Platz zum Ausweichen gibt  – wenn ich mich in die Kleine so hineinversetze, dann hat sie vermutlich permanent Angst während dieser „Übung“ zertreten zu werden. Schließlich zerrt er sie an der Leine zurück, weil er ganz eilig in die Kamera grinsen und wichtige Dinge von sich geben muß. Schließlich gibt es  – wieder auf dem Tisch – eine Lektion in „Nein“ als Abbruchsignal….. das ist sowas von grausig aufgebaut, daß es mich nur noch schüttelt. In Windeseile werden ihr Leckerchen vor die Nase gelegt, weggezogen mit „no!“ + Schnauzengriff, dann ins Mäulchen gestopft. Der Hund, der das versteht in allen Konsequenzen, ist meiner Meinung nach das 8. und 9. Weltwunder  in einer Person.

Und dann kommt der Höhepunkt: „stay“  – die ultimative Trainingsmethode. Hunde neigen dazu, in 8 Richtungen wegzulaufen. Sagt Brandon McMillan. Meine wissen davon nix, die haben sehr viel mehr Varianten, aber die leben ja auch nicht USA. Damit man das einschränkt, wird die kleine Leah, der der Stress schon aus allen Poren rauskommt, in eine Ecke gesetzt, Mr. McMillan stellt sich vor sie hin, dann hat sie nur noch zwei: natürlich bleibt sie sitzen nach allem, was sie vorher mit ihm erlebt hat. Er steht max. einen halben Meter vor ihr in einer Haltung, als müßte er einen Flugzeugträger kurz vor dem Crash aufhalten. Die Hündin hat ca. 10 Kilo. Leah ist mittlerweile so eingeschüchtert, daß sie einfach sitzen bleibt, ihr ist schon alles gleich.

Liebe HundefreundInnen, wer das nicht glaubt, was das für ein Irrsinn ist, der sollte einfach mal den Ton ausschalten, und drei Durchgänge machen: zuerst den Hund beobachten und dann den Supertrainer, dann den Ton einschalten und Augen zumachen und dann fragt euch bitte: was an diesem Typen gibt uns einen Hinweis darauf, daß er ein guter Trainer ist? Daß er irgendwas von Hunden versteht, das über „Hunde haben unter allen Umständen so zu sein, wie Menschen das wollen“ hinausgeht?

Hier ist der Link, hier könnt ihr den Test machen.

So und jetzt zu den großen Lobhudeleien. Einige haben in den Diskussionen mehr oder weniger schüchtern angemerkt, daß ein gutes Training vielleicht aus ein bißchen mehr besteht, als aus – reichlich merkwürdigem – Lob und Leckerchen. Darauf kamen so schlagende Argumente wie: „aber er tritt, zwickt und würgt die Hunde nicht, er lobt und streichelt sie und man merkt er hat sie gern.“ Und der Gipfel war: „naja, nach oben ist noch ein bißchen Luft.“

Aha, wie schön. Wenn mein Mann mich also nicht regelmäßig verprügelt – was ich ihm nicht raten würde  -, dann ist das ein Beweis seiner übergroßen Liebe? Und wenn er mein mageres Hundetrainerinneneinkommen weder verzockt noch versäuft, ist das ein klarer Hinweis auf unsere wunderbare, harmonische Ehe? Aber ansonsten, wenn er mich nur nicht verhaut und ohne Geld läßt, dann ist zwar noch nach oben ein bißchen Luft, aber sonst ist doch alles easy, oder?

Also jetzt endgültig: keine Ironie mehr.

Im Ernst: wie bescheiden darfs denn sein? Ich darf alle Beschwichtigungsignale übersehen, die ein überforderter Hund mir zeigt, ich darf vollkommen ignorieren, daß hier gerade ein Hund in erlernte Hilflosigkeit getrieben wird, ich darf darüber hinwegsehen, daß ein Hund am Halsband rumgezerrt wird, daß er in immer gleichbleibendem, lautem, grobem Ton zugetextet wird, daß mir beim Zuhören fast die Ohren abfallen –  nur weil dieser Typ – wieder einmal – Hunde rettet, die keiner haben will, weil er sie nicht tritt oder würgt, weil er sie auch mal streichelt? Oder ist das doch eher dem knackigen Hintern zuzuschreiben, daß hier auf einmal Wissen über Hunde nicht so wichtig ist?

Was glaubt ihr, warum kommt der ausgerechnet auf Sixx? Weil er so gewatlfrei ist? Oder weil er so viel kann? Oder weil er Hunde liebt und ihnen – siehe Chihuahua – ganz neue Möglichkeiten im Leben eröffnet? Oder vielleicht ganz einfach: weil zusätzlich zu dem Ekel Cesar Millan ein neues, sympathischeres Gesicht gebraucht wird, das Zuschauer anlockt? Seit wann interessiert es auch nur einen einzigen Programmgestalter, wie es den Hunden geht und wie qualifiziert ein Training ist?

So und jetzt noch ein paar Takte zum Thema: Ironie. Es gibt verschiedene Möglichkeiten über solche Themen zu schreiben. Ironie ist meine Möglichkeit, um zu verhindern, daß ich beim Schreiben laut zu schreien anfange, in die Tischplatte beiße und den Computer zum Fenster rausschmeiße. Denn es widert mich einfach an, wie leicht Menschen dazu zu bringen sind, etwas gut zu finden, was für die Hunde wieder mal eine Katastrophe ist, nur weil der Hauptdarsteller irgendwelchen fragwürdigen Schönheitsidealen entspricht. Ich freue mich schon auf die Kunden, die nach diesem hervorragenden, hochqualifizierten Vorbild ihrem Hund innerhalb eines einzigen Trainings 7 (sieben) Kommandos beibringen wollen, fest davon überzeugt sind, daß grobes Zutexten genau der richtige Ton ist und sich dann wundern, warum nix klappt und ihr Bello freidreht.

P.S. Genau: abrufen von einem Podest war auch noch dabei! Alles was ein Hund im Leben eben so braucht!!! Was mich nur irritiert: woher weiß Leah, daß sie kommen soll, wenn sie nicht auf dem Podest ist, sondern einfach so rumläuft?

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