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Viele Wege führen nach Rom und die gewaltfreien sind schöner und besser für Mensch und Hund.

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Mantrailing als Therapiemöglichkeit? – 2. Teil Jagdersatz

Auf den 1. Teil habe ich sehr interessante Reaktionen gelesen, die überwiegend den Tenor hatten: so ist es bei meinem Hund auch. Wir sollten uns deshalb einfach mal überlegen, was ein ganz entscheidender Unterschied ist zwischen Nasenarbeit, die wir dem Hund anbieten, und der ganz realen Jagd, die er selber durchführt.

Das wirklich Besondere und Schöne am Trailen ist, dass wir als Team arbeiten. Rein theoretisch ginge das beim Jagen auch, aber Menschen sind einfach lahme Tröten, die beim Hetzen nicht in die Gänge kommen und beim Packen und Töten komplett versagen, so sie nicht gelernt haben ein Tier z.B. mit einem Messer zu killen. Mir persönlich wäre das sowieso mehr als unangenehm, als Vegetarierin mit starker Tendenz zum Veganismus kommt diese Art von Teamarbeit für mich überhaupt nicht in Frage. Also wird getrailt. So schön das für unsere Hunde ist, sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass so ziemlich alles, was hier passiert, von uns bestimmt wird: Versteckperson, Verleitpersonen, Tageszeit, Ort, Länge des Trails, wie oft wird getrailt, das Tempo, …… wieder einmal legen wir die Regeln fest und der Hund soll mitmachen und natürlich total begeistert sein. Dazu kommt bei allzuvielen Anbietern nach wie vor, dass sie genaue Vorstellungen haben, wie der Hund was wann zu tun hat, wie er was wann zeigen soll – anstatt einfach mal die Pelznase zu beobachten und zu eigenständigem Denken und Handeln zu animieren.

Denken Sie mal drüber nach, warum manche TrainerInnen so dermaßen oft auf die Idee kommen, ein Hund würde uns beim Trailen „verarschen“. Nein, tut er nicht. Denn Hunde haben den Teamworkgedanken nicht nur verinnerlicht, sie kommen gar nicht auf die Idee, einen Teampartner in die Irre zu führen, so wie wir das mit bestimmten Problemstellungen auf dem Trail sehr wohl versuchen. Ich vermute, die KollegInnen kommen auf so abstruse Ideen, weil sie nicht wollen, dass die Hunde selbständig arbeiten oder unter selbständigem Arbeiten verstehen, dass der Hund genau das gleiche darunter versteht wie sie. Naja.

Aber selbst wenn wir annehmen, dass das nicht der Fall ist, sondern der Hund wirklich sein Talent voll ausleben darf, dass er Hilfe bekommt, wenn er sie nötig hat, dass er Zeit bekommt, nicht gedrängt wird, sein Mensch ihn sehr gut versteht und seinem Partner garantiert mit Rat und Tat zur Seite steht, wenn es sinnvoll ist – es fehlt etwas ganz entscheidendes: das selbständige Entdecken und Aufspüren der Beute, das Anschleichen, das Losrennen und Hetzen und der Adrenalinstoß, der genau dann kommt, das Packen und Schütteln…… eben alles, was eine richtige Jagd ausmacht.

Wenn ich jetzt an die Reaktionen auf den 1. Teil denke, dann habe ich sehr oft gelesen: „so gerne mein Hund trailt, wenn ein Reh über den Trail rennen würde, würde er hinterher wollen“. Denn das ist ja eigentlich die Supergelegenheit schlechthin: die Beute bietet sich dem Hund förmlich an.

Es gibt jede Menge Hunde, deren Jagdbegeisterung ist deutlich eingeschränkter, und wenn man ihnen ein bestimmtes Training anbietet und von Anfang an daran arbeitet, dass eben nicht – vom Menschen – unkontrolliert gejagt wird, dann sind sie mit ihrem Leben trotzdem zufrieden und vermissen vermutlich nichts – zumindest bekommen wir es nicht mit. Das kann auch ein Ergebnis von Zucht sein und zwar nicht nur bei Rassehunden. Wir können davon ausgehen, dass weder ein Wach-, noch ein Hütehund, noch ein sonstiger Arbeitshund ein langes Leben hatte, wenn er nur noch hinter den Freunden des Waldes her war. Somit waren seine Chancen zur Weitergabe seiner Gene sehr eingeschränkt. Daneben hat der Mensch aber sehr effektiv arbeitende und hochbegeisterte Jagdhunde gezüchtet.

Und was wir nicht wirklich wissen: was steckt in unserem Mischling und was wurde vor einigen Generationen mal in unseren Rassehund eingekreuzt, der laut FCI und VDH einer nicht sehr jagdtriebigen Rasse angehört. Ich hatte knapp 15 Jahre Kromfohrländer, die lt. Aussage vieler Züchter nicht (!) jagen. Mein Rüde war der absolute Spezialist für die Ermordung von Ringelnattern und unsere Hündin eine sehr effektive Hasenjägerin. Wen wunderts, wenn er weiß, dass die Kromfohrländer vom Foxterrier und Griffon abstammen?

Ganz dramatische Vorstellungen haben manche Menschen, wenn es sich um gerettete Hunde aus dem Süden handelt. Viele glauben tatsächlich, wenn der Napf jetzt gefüllt ist, muß der Süße doch nicht mehr abhauen und Hasen jagen oder Mäuse ausbuddeln. Sie vergessen vollständig, dass das für viele Streuner, Straßen- und Hofhunde die beste Möglichkeit – neben dem Ausleeren von Mülleimern – ist, sich zu ernähren. Und das schmeckt nicht nur gut, das macht auch Spaß. Und  – ganz wichtig – warum sollte man eine einmal erlernte Fähigkeit verkümmern lassen? Hund weiß doch nicht, ob er das nicht irgendwann wieder braucht? Meine Hündin Indiana, die mit knapp 6 Monaten zu mir kam, hatte im zarten Alter von knapp 5 Monaten von ihrer Mutter in Griechenland schon die Grundlagen des Jagens, und damit der Selbstversorgung gelernt. Wenn ihre Mutter ihren Welpen das nicht beigebracht hätte, wie hätten sie dann den Winter überlebt? Da waren die netten Menschen auf dem Hof, auf dem sie geboren wurde, in der Stadt. Mülleimer zum Ausleeren gab es keine und auch keine Essensabfälle. Der Effekt: sie würde niemals einen alten Maulwurfshaufen aufbuddeln, sie weiß, dass man Katzen kriegen kann und Hasen findet sie auch ziemlich gut. Und ich kann Ihnen versichern: sie bekommt seit zweieinhalb Jahren jeden Tag satt zu essen.

Wir müssen also wohl oder übel damit leben, dass wir unseren Hunden mit Nasenarbeit und ganz besonders mit Trailen, das der Jagd ja noch am ähnlichsten ist, zwar einen gewissen Ersatz verschaffen können. Aber wir können uns nicht darauf verlassen, dass sie damit an den Freunden des Waldes kein Interesse mehr haben. Es sind Hunde, Lebewesen aus Fleisch und Blut, mit Gefühlen und Intelligenz, mit Bedürfnissen und eigenen Interessen, die unseren eben oft zuwider laufen. Unsere moderne Welt ist nicht sehr hundefreundlich, auch wenn es mehr Haushunde in Deutschland gibt als je zuvor. Hunde sollen gefälligst genau so sein, wie wir sie uns wünschen – als Belohnung für uns dafür, dass wir so nett zu ihnen sind. Aber so einfach ist die Welt eben nicht.

Im 3. Teil geht es weiter mit Mantrailing als Bestandteil von Verhaltenstherapie. Mal sehen, was da raus kommt.

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Mantrailing als Therapiemöglichkeit? – 1. Teil Jagdersatz

Immer wieder hört man, dass Mantrailing eine wunderbare Möglichkeit wäre, jagdbegeisterte Hunde mit diesem Ersatz auszulasten und vom Jagen abzubringen. Es mag sein, dass das manchmal klappt, gar nicht so selten den Jagdeifer etwas mildert, aber in vielen Fällen ändert es an der Begeisterung hinter Wildtieren herzuhetzen nichts, aber auch gar nichts. Warum ist das so?

Jagen ist, auch wenn Menschen das oft denken, nicht einfach eine sportliche Betätigung, die unausgelastete Hunde mal eben wählen, weil’s so nett ist. Jagen ist Nahrungsbeschaffung. Und zwar auch dann, wenn der Hund von seinem Menschen mit den feinsten Speisen ausreichend versorgt wird. Es fängt ganz harmlos an und da können wir dann noch drüber lachen, nämlich wenn unser süßer, tapsiger Welpe im Garten hinter einen Blättchen oder den Spatzen herhopst. Das ist ein sehr niedliches Spiel, aber wie bei jedem Spiel steckt etwas dahinter: die Vorbereitung auf das Leben. Es passiert eher selten, dass sich Welpen oder Junghunde für Gemüseanbau interessieren, und wenn dann nur in vom Menschen unerwünschten Ausnahmefällen – wenn sie nämlich über das frisch angelegte Beet herfallen und sich als Landschaftsgärtner versuchen. Das mit dem Gemüseanbau ist nämlich auch nicht nur ein beliebiges, menschliches Hobby. Es ist so beliebt und für uns auch relativ leicht erlernbar, weil es eine wichtige Grundlage unserer Ernährung darstellt. So wie die Jagd für Hunde.

Wenn also Klein-Bello dem davonkugelnden Ball hinterherspringt, dann macht ihm das nicht nur einfach Spaß, sondern er lernt so ganz nebenbei und spielerisch, wie er ein bewegliches Objekt erhaschen kann. Manchmal klappts, manchmal nicht, er übt und übt und irgendwann klappts richtig oft. Wenn er jetzt könnte, wie er wollte, dann würde er anfangen, sich mehr und mehr an lebenden Tieren zu versuchen, und zwar so lange, bis er in der Lage ist, sich und seine zukünftige Familie zu ernähren.

Gärtnern Sie gerne? Freuen Sie sich über jedes Radieschen, jeden Petersilienstengel, jedes Zucchini, jede Erdbeere aus Ihrem Garten? Interessiert es Sie nur am Rande, dass es eventuell für Ihren Geldbeutel sinnvoll wäre, wenn Sie Ihre Radieschen kaufen würden? Sind Sie fest davon überzeugt, dass die selbstgezogenen Kartoffeln viel besser schmecken als die gekauften? Dann geht es Ihnen wie Ihrem Hund, wenn er eine Maus oder einen Hasen erwischt hat. Selbst der beste, frische, in mundgerechte Portionen unterteilte Pansen oder die wunderbare Beinscheibe schmecken nicht halb so gut.

Jagen ist nämlich – wie gärtnern – eine selbstbelohnende Handlung und deshalb ist die Motivation, sich dieses Glück zu gönnen, so unglaublich groß. Fragen Sie mich: wenn ich genervt bin, weil ein Training nicht so geklappt hat, weil Feriengäste abgesagt haben, weil das Finanzamt mit dem Umsatzsteuer vor der Tür steht, dann gehe ich in meinen Gemüsegarten, zupfe fünf Minuten Unkraut, pflanze ein paar Kräuter um, ernte Bohnen und Zucchini, säe Radieschen und Maikugeln – und schon fühle ich mich deutlich besser.

Und das ist auch der Grund, warum viele Trainer und Hundehalter denken, wenn ich meinem Hund nur das entsprechende Ersatzangebot mache, dann sollte das doch klappen. Naja, vielleicht, vielleicht auch nicht. Das ist so, als bekäme ich einen Balkon mit 3 Blumenkästen anstelle meiner wunderbaren Gemüsebeete. Besser als nichts, aber sicher nicht so befriedigend. Was beim Jagen noch dazu kommt: leckeres Gemüse und Obst bekomme ich im Bioladen und das Zubereiten macht auch Spaß. Der Pansen im Napf ist in ca. 10 Sekunden im Hund verschwunden und die Freude an der Jagd fehlt zu 100%.

Bei manchen Hunden klappt es tatsächlich. Die sind vielleicht nicht so wild aufs Hetzen, aber sie nutzen gerne ihr Supertalent, haben Spaß an der Arbeit und große Freude am Ergebnis. Das kommt auch gar nicht so selten vor. Aber hüten Sie sich vor wilden Versprechungen gerade, wenn Sie einen Hund haben, mit dem Sie wildreiche Gebiete lieber meiden. Vielleicht, mit viel Glück, interessieren ihn die Freunde des Waldes nicht oder weniger, wenn er gerade auf dem Trail ist. Das kann durchaus sein. Aber so manch ein Trailwunder ist lieber einem Reh hinterhergehechtet, das dummerweise genau jetzt seinen Trail gekreuzt hat, und hat die Versteckperson ihrem Schicksal überlassen. Bei vielen funktioniert es, dass sie dann wenigstens für diesen Tag und vielleicht auch für die Tage nach dem Training zufrieden sind. Aber irgendwann springt eben wieder der Hase vor Fiffi auf – und ab geht die Post. Trailtraining hin oder her.

Natürlich sollten Sie trotzdem mit Ihrem Bello trailen, wenn ihm und Ihnen das Spaß macht. Denn auf Dauer bewirkt es einfach – neben dem Vergnügen an dieser wunderbaren Tätigkeit – dass Sie ihn sehr viel besser lesen lernen, Ihre Beziehung sehr viel intensiver und inniger und auch der Gehorsam besser wird. Das geht nicht von heute auf morgen, aber mit ein wenig Geduld von Ihrer Seite wird das klappen.

Und dann jagt der nicht mehr?

Naja, vielleicht!

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Dominanz oder Dominanz?

Ich freue mich ganz besonders, hier einen hochinteressanten Artikel von Elisabeth Lierschof veröffentlichen zu dürfen. Elisabeth’s Gedanken zum Thema „Dominanz“ sind sehr lesenswert.

Mit dem Begriff „Dominanz“ assoziieren die meisten Menschen spontan eher negative Eigenschaften, wie Macht, Unterdrückung und Ähnliches.

Fragt man aber mal genauer nach, ob es nicht auch positive Gedanken dazu gibt, erhält man Vorschläge wie: Präsenz, innere Klarheit, Bei-Sich-Sein, Verantwortung übernehmen, Schwächeren helfen, Ausstrahlung, Charisma.

Dass ein Hund nicht die dominante Rolle in Beziehungen spielen will, haben wir ja schon oft und ausführlich geklärt. Diese falsch verstandene Vorstellung von Dominanz dient einigen Menschen als Ausrede, Hunde nicht verstehen zu wollen und um Zwang, Gewalt und Unterdrückung zu rechtfertigen.

Dennoch können uns Hunde durch ihr Verhalten sehr stark dominieren, ohne dass sie die Absicht haben dies zu tun.

Sie können unsere Gefühle und Stimmungen dominieren, unter Umständen sogar die Atmosphäre des Zusammenlebens in unserer Familie.

Eben war ich noch gut gelaunt und bin entspannt spazieren gegangen, jetzt hänge ich überfordert, genervt, peinlich berührt an der Leine eines schreienden, zappelnden Hundes, weil der nicht an fremden Hunden vorbei gehen kann. Ich fühle mich schlecht.

Mein Hund hatte mich mit seiner Stimmung dominiert. Seine Unsicherheit, Angst, Abwehr oder Aggression hatten sich auf mich, auf meine Stimmung übertragen.

Ich war nicht „Herr“, besser gesagt „Dame“ der Lage.

Der Begriff DOMINANZ kommt von Domus – Haus,

oder auch Dominus/Domina – Herr/Dame des Hauses.

Die eigentliche Bedeutung ist,

Herr/Dame im eigenen Haus zu sein,

bei sich zu sein, selbst bestimmt zu leben.

Im Sozialen versteht man unter dem Begriff DOMINANZ unter anderem, dass jemand agiert, handelt, führt, oder eine bestimmte Energie besitzt, die sich Anderen mitteilt.

Man spricht ja auch davon, dass jemand eine besondere Ausstrahlung oder Charisma besitzt.

DOMINANZ kann auch dynamisch sein, denn wenn ich

BEI MIR, IN MEINEM EIGENEN HAUS

bin, dann kann ich anderen Raum lassen, sich und ihre Bedürfnisse auszuleben.

Ich besitze die Sicherheit, dass ich weiß, was mir gut tut, und was denen gut tut, die mir anvertraut sind. Ich bin souverän genug, dass ich in Ruhe zulassen kann, wie andere etwas ausprobieren, ich kann die Grenzen dessen was ich zulassen will, sehr weit stecken.

Es kann auch dazu führen, dass ich mich auf Ideen meines Hundes einlasse, obwohl ich evtl. ursprünglich etwas ganz anderes im Sinn hatte.

Für mich bedeutet DOMINANZ im positiven Sinne, Führung und Verantwortung zu übernehmen, und eben nicht automatisch Unterdrückung, Zwang, Unterordnung, Machtausübung.

Ich finde, wir sollten wieder dazu kommen, dazu zu stehen, im guten Sinne dominant zu sein.

Ich dominiere das Leben meines Hundes.

Ich bestimme seinen Lebensrhythmus und was ich als erwünschtes bzw. unerwünschtes Verhalten ansehe.

Ich bestimme, was, wann, wie oft und wie viel er frisst.

Ich entscheide, wann, wo, wie lange, und mit wem wir spazieren gehen,

ob er frei läuft oder angeleint ist, und welche Art der Hundebegegnung er haben soll.

Ich bestimme die Art und Weise der Erziehung und Ausbildung, und wofür er belohnt oder gelobt wird.

Je nach meinen eigenen Interessen und Neigungen entscheidet sich, welche Beschäftigung er haben soll, ob und welchen Sport wir zusammen treiben.

Ist das jetzt per se etwas Schlechtes?

Und wie ist es mit Grenzen setzen?

Mein Frino möchte gern an der Grundstücksgrenze die Verantwortung übernehmen, er will allen lauthals verkünden, dass er für das Aufpassen zuständig ist, er möchte auch kontrollieren, wer bei uns hereinkommt und auf welche Art der Besuch begrüßt wird. Ich finde allerdings, dass ich für diese Fragen zuständig bin. Also sage ich es ihm, klar und deutlich, verbal und/oder mit Hilfe meiner Körpersprache, selbstverständlich ohne einschüchternd oder bedrohlich zu wirken.

Er erscheint mir in solchen Situationen oft direkt erleichtert, als wenn er sagen wollte: „Okay, dann muss ich mich nicht mehr darum kümmern.“

Wenn ich Menschen mit ihren Windhunden sehe, beeindruckt mich immer ein gut eingeführtes „Stopp“ – Signal, wenn die Hunde zu sehr aufdrehen und Lebens- und Rennfreude umschlägt in pure Erregung. Sehr leicht beginnen sie dann sich gegenseitig zu mobben oder zu ritzen.

Auch hier erlebe ich bewundernd, wie die Hunde schlagartig in einen anderen Modus verfallen, und vollkommen ruhig werden können.

Hier übernimmt der Mensch Verantwortung und bestimmt die Situation, die chaotisch zu werden droht.

Hunde und Wölfe zeigen uns Menschen genau diese Aspekte von Dominanz. Bei ihnen bewundern wir die souveräne Art, anderen zu zeigen, wie man sich untereinander gut benimmt. Warum also sollten wir dies nun, wenn es um Menschen geht, als etwas Falsches betrachten und es ablehnen?

Bleibt noch die Frage, was kann ich denn tun, damit mein Hund sich so verhält, dass es uns Beiden gut tut?

Einerseits brauchen wir Wissen, Kompetenz, Erfahrung, Aneignung und Einüben von Techniken, die uns helfen, Hunde zu verstehen und mit ihnen zu trainieren (der gut gefüllte Werkzeugkasten).

Noch viel wichtiger finde ich jedoch die innere Haltung, mit der ich meinem Hund gegenübertrete. Sie sollte bestehen aus: Respekt vor dem anderen Lebewesen, Souveränität, Bei-MIR-Sein, Gelassenheit, Entspanntheit, Humor, Verantwortung, und sie sollte andererseits Willensenergie und Entschlossenheit beinhalten. Ich wünsche mir einen Hund, der soviel wie nur irgend möglich seinen eigenen Interessen und Bedürfnissen nachgehen kann, der einfach Hund sein darf.

Der geniale Satz von Clarissa von Reinhardt „trainieren Sie noch, oder haben Sie schon Spaß mit Ihrem Hund?“ trifft hier ganz genau meine Sehnsucht nach einem natürlichen, friedlichen Miteinander, das ohne viel Einwirkung auskommt.

Wie das Leben so spielt, sind mir gestern diese Worte zugefallen:

Als soziale Lebewesen brauchen wir für ein glückliches Leben Freundschaft, Vertrauen und Offenheit.

Vertrauen ist die Grundlage jeder Freundschaft, und wir werden es finden, wenn wir zu dem, was wir in unserer herkömmlichen Erziehung gelernt haben, auch Warmherzigkeit entwickeln.

Aus dieser Warmherzigkeit erwachsen uns Selbstvertrauen und innere Stärke, um in Vertrauen und Freundschaft mit anderen zusammenleben zu können.“

Dalai Lama

Elisabeth Lierschof, Vomp in Tirol, April 2013

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Der dominiert durch seine Angst seine Besitzer!

Manchmal ist man nur fassungslos! Da kommt doch von einem Tierarzt tatsächlich die Aussage bei einem vor Angst schreienden Winzling: Der dominiert mit seiner Angst seine Besitzer. Denn nachdem man sich einen Winzhund – Rasse egal – ins Haus geholt und ihn nach erfolgreicher Überkuschelung, zu viel und zu lange allein lassen und ähnlichen großartigen Aktionen zum schreienden Quälgeist gemacht hat, landet das süße Tierchen im örtlichen Tierheim. Der Kuschelfaktor ist nach gut einem Jahr ebenfalls aufgebraucht und wenn das blöde Vieh auch immer sofort zu schreien anfängt, wenn man ihn mal „liebevoll“ zwangsbekuschelt und hochnehmen will, dann eben weg mit ihm.

Der arme kleine Kerl hat gelernt: wenn ich nur schreie was die Stimmbänder hergeben, dann habe ich meine Ruhe. Ist auch logisch, denn niemand hält das Gekreische dieser schrillen Stimmen aus. Und dann kommt ein Tierarzt, sieht und weiß  – eigentlich – was los ist und läßt genau diesen Satz los – Dominanz durch Angst. Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen.

Wenn man schlicht den Begriff „Dominanz“ bei Wikipedia eingibt, erhält man ein paar nüchterne Definitionen, zum Beispiel diese hier: „Dominanz-Hierarchien sind bei vielen Tieren einschließlich der Primaten und auch beim Menschen zu finden. Individuum A schränkt die Rechte und Freiheiten von Individuum B ein und gesteht sich selber diese Rechte und Freiheiten zu, was von B akzeptiert wird. Dominanz ist immer beziehungsspezifisch und ist zeit- und situationsabhängig.“ Ob das mit den Hierachien jetzt so stimmt, lassen wir mal dahingestellt, aber der 2. Satz ist doch wirklich interessant. Ganz sicher stimmt es, dass menschliche Freiheiten eingeschränkt werden, wenn so eine armes Fusshüpchen durch Geschreische dafür sorgt, dass das Kuschelbedürfnis seines Halters nicht mehr erfüllt wird. Ob es das Recht des Menschen ist, einen Hund dazu zu zwingen, ist schon wieder eine andere Sache. Aber gesteht sich der Chihuahua oder der niedliche Bolonka dann ähnliche Recht und Freiheiten zu? Wird dann der Mensch zwangsbekuschelt und rumgetragen?

Dominanz, egal wie man sie definiert, hat immer etwas mit Überlegenheit zu tun, mit Macht und Machtansprüchen, die man auch sehr bewußt durchsetzt. Das muß nicht mit Gewalt erfolgen, das kann einfach eine Folge von natürlicher Autorität und souveränem Auftreten sein. Wenn z.B. ein Hund in einer Gruppe einen anderen attackieren möchte und ein dritter stellt sich locker dazwischen nach dem Motto: „so nicht, Kumpel“, dann ist das in diesem Moment eine sehr gute und dominante Aktion, bei der der dritte Hund vermutlich einfach über souveränes Auftreten verfügt.

Es ist immer so schön verführerisch, wenn man ein höchst diffuses Fachwort verwenden, das Gesagt als Fachwissen verkaufen und einem Hund ein Etikett umhängen kann. Damit vermeidet man erfolgreich, dass irgendjemand auch nur noch ansatzweise darüber nachdenkt, warum der kleine Kerl denn überhaupt so reagiert. Denn wenn man nachdenken würde, dann müßte man sich ja auch eine Lösung des Problems einfallen lassen. Die Lösung des im Tierschutz gelandeten Handtaschenhündchens – schreien, bis sich keiner mehr hertraut – ist ja nicht so unglaublich vermittlungsfreudig und sozialverträglich. Die Lösung könnte z.B. heißen: viel Geduld, viel Zeit, viel Liebe und Verständnis aufbringen, die Ohren zumachen, wenn der Kleine brüllt und die Ursache für das Geschrei abstellen, indem man z.B. übergriffige Menschen abwehrt. Die Lösung heißt ganz sicher, dass man dem Winzling beibringt, wo er Schutz suchen und den garantiert bekommen kann. Das ist natürlich ein kleines bisschen mehr Aufwand als eine simple Aussage zu treffen, die dann alle in Sicherheit wiegt: das ist eine ganz dominante Töle, da kann man nix machen.

Kleine Hunde haben schon genug Probleme. Jeder findet sie süß, niedlich und zum Knutschen, selbst wenn es sich um erwachsene, würdevolle Hunde mit großer Individualdistanz handelt. Man übersieht sie pausenlos, ständig müssen sie wegen unserer Unachtsamkeit Angst haben getreten zu werden, jeder wird ihnen gegenüber übergriffig vom Trainer über den Hundefriseur bis zum Tierarzt, von allen möglichen Menschen, die ständig mit Gekreische „aaach, ist der süüüß!“ über sie herfallen, ganz abgesehen. Sie werden nicht ernst genommen und oft nicht besser behandelt, wie jedes x-beliebige Plüschtier. Wie wäre es, wenn sich wenigstens Hundetrainer, Tierärzte und anderes Personal vom Fach ihrer annehmen würden und ihre Probleme als das sehen würden, was sie sind: vom Menschen erzeugte Reaktionen?

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Mantrailing – Praktische Anleitung (nicht nur) für Anfänger – 2. Leseprobe

Teamwork


Was stellen Sie sich vor, wenn Sie an ein gut funktionierendes Team denken? Vermutlich denken Sie an eine Gruppe von zwei oder mehr Beteiligten, bei denen jeder weiß, was er wann und wie zu tun hat. Im Grunde kennt jeder auch die Aufgabe aller anderen, manchmal kann einer etwas übernehmen, wenn der andere nicht weiter weiß oder überfordert ist. Jedenfalls hat man das Gefühl, dass alles ohne große Worte und Gesten
klappt und reibungslos abläuft.

Beim Trailen gibt es einige Dinge, die können Sie nicht für Ihren Hund und er nicht für Sie tun. Sie riechen im Vergleich zu ihm so gut wie nichts, er wird sich beispielsweise hart tun, Verkehrsregeln zu beachten. Das bedeutet, dass Mensch und Hund sich beim Trailen vor allem ergänzen und das sollte so unkompliziert wie nur möglich funktionieren. Ein gutes Team sieht beim Trailen aus, als ob Mensch und Hund miteinander tanzen. Wie bei einem guten Tanzpaar kann nicht der eine die Figuren des anderen ausführen, aber alle Bewegungen sind perfekt aufeinander abgestimmt, jeder Schritt passt und keiner behindert den anderen, im Gegenteil, sie ergänzen sich gegenseitig. Es ist eine Freude zuzusehen. So sollte es beim Trailen auch sein.

Um es vorweg zu nehmen: Ihr Hund kann das bereits, wenn Sie immer freundlich und rücksichtsvoll mit ihm umgegangen sind. Menschen sind da deutlich weniger begabt. Deshalb ist eine Ihrer wichtigsten Aufgaben, Aufmerksamkeit und Achtsamkeit zu üben.

Das bedeutet:
1. Sie müssen lernen, was Ihr Hund Ihnen sagen will
2. Sie dürfen ihn bei seiner Arbeit nie behindern oder ihm im Weg stehen
3. Irreführende Signale z.B. unnötige Sichtzeichen und Aktionen wie ihn weiter treiben mit Worten und Gesten, ihn blockieren oder behindern, müssen ab sofort unterbleiben.
4. Jeder Gedanke, Ihr Hund könnte Sie „verarschen“ ist absolut verboten. Sowie er etwas „falsch“ macht, müssen Sie überlegen, wie Sie ihn dazu gebracht haben.
5. Ohne Training außerhalb des Kurses kommen Sie nicht weiter, außer Sie akzeptieren, dass Sie wenig oder sogar überhaupt keine Fortschritte machen.
6. Ohne Training außerhalb des Kurses lernen Sie nicht wirklich, ihn richtig zu lesen. Wenn Sie also allein keine Trails legen möchten oder können, dann versuchen Sie das wenigstens im Alltag zu lernen.
7. Sie müssen sofort erkennen, wenn Ihr Hund Hilfe braucht, was er jetzt nötig hat und wie Sie ihm helfen können.

Schon viele Hunde, die zu Beginn begeistert und feurig dabei waren, sind irgendwann nur noch frustriert mitgelaufen, weil ihre Menschen sie nicht verstanden haben. Wenn Bello Sie zum dritten Mal gebeten hat, ihm nochmal den Geruchsartikel zu zeigen, weil er sich nicht mehr sicher ist, und Sie tun das nicht, wird er das zukünftig unterlassen. Die Ergebnisse werden entsprechend sein, denn ein verunsicherter Hund macht einfach mehr
Fehler…..

….weiter geht’s auf Seite 23

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Mantrailing – Praktische Anleitung (nicht nur) für Anfänger – Leseprobe

Einleitung


Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Ihr Kind geht mit anderen in den Wald um Verstecken zu spielen und leider versteckt es sich so gut, dass es nicht nur nicht gefunden wird, es findet auch nicht mehr zurück. Horror! Zuerst sind Sie vollkommen entsetzt und außer sich, dann fällt Ihnen die Frau ein, die ein paar Häuser weiter wohnt. Diese Frau geht regelmäßig zum Mantrailing in eine Hundeschule und erzählt immer ganz begeistert
davon. In Ihrer Not klingeln Sie bei ihr und bitten Sie, Ihnen zu helfen. Sie sagt, dass sie das eigentlich nicht darf, Sie sollten zur Polizei gehen, aber Sie lassen nicht locker. Also lässt sie sich erweichen, holt ihren Hund, sagt Ihnen, was sie von Ihnen braucht und Sie gehen mit ihr zu der Stelle, wo Ihr Kleiner das letzte Mal gesehen wurde. Und tatsächlich: nach ca. 15 Minuten findet der Hund Ihr sehr unglückliches Kind, das einfach vergessen
hatte, wo es lang gegangen ist.

Übertrieben? Ganz sicher nicht. Ein gut ausgebildeter Mantrailerhund, auch wenn er keine Prüfungen absolviert hat, ist sehr wohl in der Lage eine vermisste Person zu finden. Das und die Tatsache, dass es wenige Aufgaben für Hunde gibt, die Mensch und Hund gleichermaßen so sehr begeistern, ist der Grund, warum Mantrailing seit einigen Jahren groß in Mode ist. Dass genau sowas passiert, wie oben beschrieben, ist mehr als unwahrscheinlich – einfach deshalb, weil es vermutlich mehr Mantrailerhunde gibt, die
das könnten, als Menschen, die verloren gehen. Aber für viele Menschen ist die Vorstellung, dass ihr Hund so etwas hinkriegt, ausreichend, um mit ihm regelmäßig zum Training zu gehen.

Was ist Mantrailing eigentlich genau? Im Grunde ist es nicht sehr viel anders als das, was wir unter „Fährte“ verstehen, nur ein wenig differenzierter. Üblicherweise versteht man unter Fährte eine Geruchsspur, die von einem Menschen oder Tier stammt. Der Hund wird dort hin geführt, wo die Spur beginnt und er soll ohne weitere Hilfe diesen Geruch (Individualgeruch) aufnehmen und ihm folgen. Am Ende findet er eine Belohnung
oder bekommt sie von seinem Hundeführer. Dazu wird der Hund an einer langen Leine geführt, nur in seltenen Fällen geht der Hund frei.

……weiter gehts ’s auf Seite 7 im Buch

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Wissenschaft für Gewalt im Hundetraining?

In einem meiner letzten Blogartikel ging es um eine kurze Korrespondenz mit einem Vertreter „stringenterer Methoden“ in der Hundeerziehung, in der meine Auseinandersetzung mit der Schüsselszene von Michael Grewe kritisiert wurde. Dieser Herr hat in seiner Mail etwas geschrieben, das mich nicht in Ruhe läßt. So gut wie alle Hundetrainer berufen sich auf wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse, die ihr Training untermauern sollen – auch die Befürworter und Anwender von Gewalt und Folter wie Leinenruck, Strom oder eben Schüsseln, die Hunden um die Ohren gehauen werden, um sie durch sog. Interventionstraining von unerwünschtem Verhalten nachhaltig abzuhalten.

Hier nochmal ein Zitat aus dem Text:

„…. Aus lernpsychologischer Sicht, und so wird es auch an den tierärztlichen Hochschulen gelehrt, muss eine Intervention auf ein unerwünschtes Verhalten innerhalb von zwei Sekunden erfolgen, um ein Lernziel zu erreichen. Bei einem Angstbeißer  ist die ohnehin kurze Zeit noch kürzer, und der Hund darf nie den Hundeführer selbst als Disziplinierenden wahrnehmen, wenn das Verhältnis nicht unrettbar zerstört werden soll. Also darf der Besitzer nicht selbst zu solchen Maßnahmen greifen, dafür gibt es den Hundetrainer, es muss eine einmalige Aktion bleiben, und was völlig übersehen wurde ist, der Hund hatte einen Maulkorb auf, der den Schlag dämpfte – die Wirkung aber nicht! Sicher wird dieser Trainer kein Freund des Hundes sein, aber für das Leben des Hundes, der ja eingeschläfert werden sollte, und die  Besitzerin war diese Maßnahme heilsam…“

Wenn diese Art von Lernpsychologie an Tierärztlichen Hochschulen gelehrt wird, dann wundert mich nichts mehr. Dann ist eigentlich klar, warum Tierärzte nach wie vor Alphawurf und Schnauzengriff empfehlen und höchst merkwürdige Vorstellung von der Seele eines Hundes haben. Das sollte mich als mittlerweile doch recht gut etablierte Trainerin nicht erschrecken, da die Kunden mir in so gut wie allen Fällen mehr glauben als den Tierärzten, vor allem, weil meine Argumente und meine Arbeit überzeugend sind.

Das Problem, das ich hier habe, ist: das geht als Wissenschaft durch. Manch einer mag den folgenden Vergleich überzogen finden, aber ich finde, er passt. Während der zwölfjährigen Herrschaft des Nationalsozialismus fanden zahlreiche Versuche an Menschen statt, an Kindern, Behinderten, Schwachen, Kranken und rassisch „Minderwertigen“. Da wurden Sachen veranstaltet, da kommt einem das kalte Grausen. Ich weiß nicht, ob das eine typisch deutsche Eigenschaft ist, aber über diese Versuche und die in meisten Fällen folgenden Ermordungen wurde von Ärzten und „Pflege“personal gewissenhaft Buch geführt und alles auch genauestens ausgewertet. Für diese Leute war das, was sie betrieben, „Wissenschaft“.

Wo ist die Parallele?

Jemand, der gewalttätige Methoden an Hunden untersucht und lehrt, und dabei denkt, er würde tatsächlich lernpsycholgische Erkenntnisse nutzen, weiß einfach nicht wovon er spricht oder er hat von Erziehung komplett andere Vorstellung wie ich. Erziehung bedeutet für mich, einem mir anvertrautem Lebewesen zu zeigen, wie die Welt um uns herum so läuft und wie wir gut darin klar kommen. Ich bin sein Vorbild, d.h. auch und gerade in konflikträchtigen Situationen – für meinen Hund – bin ich es, die ihm zeigen muß (!), wie wir uns verhalten, um stressfrei da raus zu kommen. Dazu brauche ich einen entspannten Hund, der zu mir Vertrauen hat, der nachdenkt ehe er handelt und der genug Selbstvertrauen und Selbstbewußtsein mitbringt, um auch etwas schwierigere Momente ruhig und gelassen angehen zu können.

Interessanterweise stimmt das optimal damit zusammen, wie Lernen bei Hunden und nicht nur bei ihnen – wissenschaftlich bewiesen – funktioniert. Ein Hund – oder auch ein Mensch, eine Katze, ein Pferd – lernt am leichtesten, in einer entspannten, sicheren Umgebung, wenn ihm die Aufgabe ruhig und einfach erklärt wird und mit einem Erfolg endet. Winkt dazu noch eine begehrte Belohnung, wird es noch besser und leichter.

Und jetzt zu dem Angsthund, dem man sofort und unverzüglich etwas um die Ohren hauen muß. Immerhin ist schon mal klar, daß es ganz schlecht ist – auch wissenschaftlich bewiesen? -, wenn das der Hundehalter selber macht. Denn was verliert der Hund dann? Aha – sein Vertrauen. Aber wie sieht es mit dem Vertrauen aus, wenn wie in der Schüsselszene die Halterin daneben steht und ganz locker zusieht? Baut man hier Vertrauen auf oder demoliert man es nicht eher? Dann ist die Frage: kann ich Angst durch eine angstmachende Behandlung wegtrainieren? In der Humanpsychologie werden solche Methoden durchaus angewenden. Aber! Vorab besprechen Therapeut und Patient wie das abläuft, der Patient gibt seine Einwilligung, er weiß, worauf er sich einläßt und (!) es wird ein Codewort vereinbart, mit dem er sofort aus der Situation rauskommt. Der Therapeut muß unverzüglich abbrechen, wenn der Patient das möchte, sonst macht er sich strafbar.

Wenn jetzt ein Hund mit allem, was er hat, zeigt, daß es ihm zuviel wird, ist er doch in der gleichen Situation wie unser Patient. Richtig? Und warum, wenn schon diese ganzen Methoden und Erkenntnisse in Tierversuchen erforscht wurden, werden sie nicht auf Hunde angewendet? Nämlich: daß Reizüberflutung z.B. mit einer angsteinflössenden Situatione kontraproduktiv ist. Nämlich: daß Lernen am besten in entspannter Umgebung stattfindet und dann auch erfolgreich ist…… Aber warum soll ich das alles wiederholen, ist doch alles bekannt.

Nein, es geht um etwas ganz anderes. Egal wie der Trainer oder die Trainerin heißen: Leute, die solche Methoden anwenden, und Hundehalter, die solches Training gut finden, wollen keinen Hund, der mit einem soliden Selbstvertrauen ausgestattet ist. Sie wollen eine vierbeinige, bepelzte Marionette, deren Seelenleben und Gemütszustand ihnen einfach egal sind – sie haben keins zu haben. Sie haben zu funktionieren.

Wissenschaftler, die so etwas erforschen und in die Welt setzen als wertvolle, praxisnahe Erkenntnisse, sollte man nicht wirklich beachten. Denn leider ist es uns nicht möglich ihre sofortige Entlassung bei den entsprechenden Instituten zu veranlassen. Wir sollten nämlich eins nicht vergessen. Diese Institute führen entsprechende Erkenntnisse als Auftragsarbeiten durch oder als Doktorarbeit. Beispiel gefällig?

„Vergleich der Stressauswirkungen anhand von Speichelcortisonwerten und der Lerneffekte von drei Ausbildungsmethoden bei Polizeihunden“ 2009, Inka Böhm Tierärztliche Hochschule Hannover. Hier wird untersucht, was besser klappt: Stromreizgerät, Leinenruck oder aufkonditioniertes Abbruchsignal. Wer Lust hat, kann sich das hier gerne zu Gemüte führen: boehmi_ss09

Man sollte also die Aussage „wissenschaftlich bewiesen“ genau anschauen. Wer hat was wann warum bewiesen und wem nützt’s? Den Hunden oder fragwürdigen Ausbildern und rücksichtslosen Hundehalter? Und ins Bockshorn jagen sollte man sich von solchen Typen, auch wenn ein „Dr.“ vor dem Namen steht, schon gleich gar nicht.

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Wie bescheiden darf man bei TV-Trainern eigentlich sein?

Auf Sixx, dem Kanal mit zuverlässig seriösen Hundetrainern, gibt es ein neues Highlight: Brandon McMillan. Wer kurz reinschaut erfährt erstaunliches: in ganz kurzer Zeit zu tollen Erfolgen, alles immer nur nett und freundlich, das Hauptanliegen ist total selbstlos: eigentlich unvermittelbaren Hunden eine Zukunft in einem schönen Zuhause zu geben…. jaja, die Guten sterben einfach nicht aus. Noch dazu ist der Kerl im Gegensatz zu einem gewissen Cesar Millan recht erfreulich anzusehen – also mein Typ ist er nicht. Aber er ist recht knackig und ich kann mir vorstellen, dass manch ein Mädel erstmal nur auf seinen Hintern kuckt und weniger darauf, was er so mit den Hunden macht.

Jetzt ist es nicht so mein Ding solche Sendungen anzuschauen, in der Zeit gehe ich lieber mit meinen Hunden spazieren, wenn ich sonst nix zu tun habe. Aber wenn in allen möglichen Facebook-Gruppen und von allen möglichen HundetrainerInnen, so einer plötzlich in den Himmel gelobt wird – nein, nicht sein Popo, sondern auch sein Training – dann finde ich durchaus, daß ich mir die Zeit mal nehmen kann. Und dann schau ich rein und bin nur noch baff.

Tja, liebe HundefreundInnen und liebe KollegInnen, ich muß schon sagen, ihr seid ja sehr bescheiden. Nicht was das Äußere dieses Herrn betrifft, auch wenn ich von hübschen Männern andere Vorstellungen habe, sondern sein Training. Und damit: Ironie aus!

Selbst wenn man sich die Filmchen nicht reinzieht, dann sollte man sich z.B. folgende Ankündigung auf der Zunge zergehen lassen:
„Jeder braucht ein Zuhause – Tony und BJ möchten den sechs Monate alten Chihuahua Flash in ihres aufnehmen. Bevor er jedoch zu seiner neuen Familie ziehen kann, will sich Brandon das Kau-Problem des Hundes ansehen und ihn lehren, wie man neben einem Fahrrad herläuft.“
Leider war es nicht möglich, eine Vorschau oder den Film in der Mediathek zu sehen, deshalb kann ich nichts über das Kauproblem sagen, was immer das auch sein mag. Aber was bitte ist von einem Hundetrainer zu halten, der einem 6 (sechs!) Monate alten Chihuahua beibringen möchte, am Fahrrad zu laufen? Chihuahua! Maximal 3-4 Kilo, wenns ein großer ist! Noch längst nicht ausgewachsen! Offenbar aus dem Tierschutz und das zweitwichtigste Thema nach dem Kauproblem ist: lauf neben dem Fahrrad her!

Leute, ich fass es nicht! Muß ich mir wirklich noch eine visuelle Kostprobe gönnen, wenn ich so etwas gelesen habe? Wer außer mir hat diese Ankündigung noch gesehen? Oder geht das hier nach dem Motto: wer lesen kann, ist klar im Vorteil – aber die meisten kucken lieber? Auf den Hintern von dem Kerl?

Entschuldigung, ich habe vergessen: keine Ironie mehr. Aber nachdem ich mir auf Youtube angesehen habe, wie er der kleinen, schüchternen Leah „stay“ (=bleib) und noch alle möglichen anderen Kommandos in einer (!) Trainingseinheit beibringt, frage ich mich einfach nur noch, ob nur ich Augen im Kopf habe.

Eine kleine, zarte, verunsicherte Hündin soll ganz schnell „bleib“ lernen, ist ja auch eines der wichtigsten Signale, die ein Hund im Alltag so braucht. Als erstes sehen wir, wie man es defintitiv nicht machen soll: er gibt der Hündin ein Kommando „stay“ und geht weg. Überraschung! Sie kapiert es nicht. Das findet er komisch – also sowas, so ein Dummerchen. Dann wird die kleine Maus erstmal auf einem Tisch – wozu das denn? – dazu gebracht „sitz“ und „platz“ zu machen. Das geht zackzack, sie kapiert eigentlich nix, weil er ununterbrochen redet, laut, grob, es ist keine Unterscheidung möglich, ob er gerade dem Zuschauer was erklärt, ein Kommando gibt oder die Hündin lobt. Dann machen wir bißchen bei-Fuß-Training, da bedrängt er die Maus, indem er ihr extrem wenig Platz zum Ausweichen gibt  – wenn ich mich in die Kleine so hineinversetze, dann hat sie vermutlich permanent Angst während dieser „Übung“ zertreten zu werden. Schließlich zerrt er sie an der Leine zurück, weil er ganz eilig in die Kamera grinsen und wichtige Dinge von sich geben muß. Schließlich gibt es  – wieder auf dem Tisch – eine Lektion in „Nein“ als Abbruchsignal….. das ist sowas von grausig aufgebaut, daß es mich nur noch schüttelt. In Windeseile werden ihr Leckerchen vor die Nase gelegt, weggezogen mit „no!“ + Schnauzengriff, dann ins Mäulchen gestopft. Der Hund, der das versteht in allen Konsequenzen, ist meiner Meinung nach das 8. und 9. Weltwunder  in einer Person.

Und dann kommt der Höhepunkt: „stay“  – die ultimative Trainingsmethode. Hunde neigen dazu, in 8 Richtungen wegzulaufen. Sagt Brandon McMillan. Meine wissen davon nix, die haben sehr viel mehr Varianten, aber die leben ja auch nicht USA. Damit man das einschränkt, wird die kleine Leah, der der Stress schon aus allen Poren rauskommt, in eine Ecke gesetzt, Mr. McMillan stellt sich vor sie hin, dann hat sie nur noch zwei: natürlich bleibt sie sitzen nach allem, was sie vorher mit ihm erlebt hat. Er steht max. einen halben Meter vor ihr in einer Haltung, als müßte er einen Flugzeugträger kurz vor dem Crash aufhalten. Die Hündin hat ca. 10 Kilo. Leah ist mittlerweile so eingeschüchtert, daß sie einfach sitzen bleibt, ihr ist schon alles gleich.

Liebe HundefreundInnen, wer das nicht glaubt, was das für ein Irrsinn ist, der sollte einfach mal den Ton ausschalten, und drei Durchgänge machen: zuerst den Hund beobachten und dann den Supertrainer, dann den Ton einschalten und Augen zumachen und dann fragt euch bitte: was an diesem Typen gibt uns einen Hinweis darauf, daß er ein guter Trainer ist? Daß er irgendwas von Hunden versteht, das über „Hunde haben unter allen Umständen so zu sein, wie Menschen das wollen“ hinausgeht?

Hier ist der Link, hier könnt ihr den Test machen.

So und jetzt zu den großen Lobhudeleien. Einige haben in den Diskussionen mehr oder weniger schüchtern angemerkt, daß ein gutes Training vielleicht aus ein bißchen mehr besteht, als aus – reichlich merkwürdigem – Lob und Leckerchen. Darauf kamen so schlagende Argumente wie: „aber er tritt, zwickt und würgt die Hunde nicht, er lobt und streichelt sie und man merkt er hat sie gern.“ Und der Gipfel war: „naja, nach oben ist noch ein bißchen Luft.“

Aha, wie schön. Wenn mein Mann mich also nicht regelmäßig verprügelt – was ich ihm nicht raten würde  -, dann ist das ein Beweis seiner übergroßen Liebe? Und wenn er mein mageres Hundetrainerinneneinkommen weder verzockt noch versäuft, ist das ein klarer Hinweis auf unsere wunderbare, harmonische Ehe? Aber ansonsten, wenn er mich nur nicht verhaut und ohne Geld läßt, dann ist zwar noch nach oben ein bißchen Luft, aber sonst ist doch alles easy, oder?

Also jetzt endgültig: keine Ironie mehr.

Im Ernst: wie bescheiden darfs denn sein? Ich darf alle Beschwichtigungsignale übersehen, die ein überforderter Hund mir zeigt, ich darf vollkommen ignorieren, daß hier gerade ein Hund in erlernte Hilflosigkeit getrieben wird, ich darf darüber hinwegsehen, daß ein Hund am Halsband rumgezerrt wird, daß er in immer gleichbleibendem, lautem, grobem Ton zugetextet wird, daß mir beim Zuhören fast die Ohren abfallen –  nur weil dieser Typ – wieder einmal – Hunde rettet, die keiner haben will, weil er sie nicht tritt oder würgt, weil er sie auch mal streichelt? Oder ist das doch eher dem knackigen Hintern zuzuschreiben, daß hier auf einmal Wissen über Hunde nicht so wichtig ist?

Was glaubt ihr, warum kommt der ausgerechnet auf Sixx? Weil er so gewatlfrei ist? Oder weil er so viel kann? Oder weil er Hunde liebt und ihnen – siehe Chihuahua – ganz neue Möglichkeiten im Leben eröffnet? Oder vielleicht ganz einfach: weil zusätzlich zu dem Ekel Cesar Millan ein neues, sympathischeres Gesicht gebraucht wird, das Zuschauer anlockt? Seit wann interessiert es auch nur einen einzigen Programmgestalter, wie es den Hunden geht und wie qualifiziert ein Training ist?

So und jetzt noch ein paar Takte zum Thema: Ironie. Es gibt verschiedene Möglichkeiten über solche Themen zu schreiben. Ironie ist meine Möglichkeit, um zu verhindern, daß ich beim Schreiben laut zu schreien anfange, in die Tischplatte beiße und den Computer zum Fenster rausschmeiße. Denn es widert mich einfach an, wie leicht Menschen dazu zu bringen sind, etwas gut zu finden, was für die Hunde wieder mal eine Katastrophe ist, nur weil der Hauptdarsteller irgendwelchen fragwürdigen Schönheitsidealen entspricht. Ich freue mich schon auf die Kunden, die nach diesem hervorragenden, hochqualifizierten Vorbild ihrem Hund innerhalb eines einzigen Trainings 7 (sieben) Kommandos beibringen wollen, fest davon überzeugt sind, daß grobes Zutexten genau der richtige Ton ist und sich dann wundern, warum nix klappt und ihr Bello freidreht.

P.S. Genau: abrufen von einem Podest war auch noch dabei! Alles was ein Hund im Leben eben so braucht!!! Was mich nur irritiert: woher weiß Leah, daß sie kommen soll, wenn sie nicht auf dem Podest ist, sondern einfach so rumläuft?

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Müssen Wattebauschwerfer auf alles eingehen, um ihrem Ruf gerecht zu werden?

Lange habe ich darüber nachgedacht, ob ich das hier veröffentlichen möchte und habe mich aus verschiedenen Gründen dafür entschlossen.  Menschen, die ihre Hunde mit Gewalt erziehen, haben in der Regel nicht das allergeringste Problem damit, einem Hans Schlegel, Cesar Millan oder eben Michael Grewe jede Menge Geld ins Haus zu tragen. Dagegen wird von den sog. Wattebauschwerfern – in meinen Augen ein Kompliment –  erwartet, daß sie einfach so und aus purer Tierliebe und weil sie sehr oft weiblich und damit wohl sowieso beschränkt sind, grundsätzlich kostenlos wertvolle Tipps von sich zu geben und womöglich für lau zu trainieren. Hundetrainerin ist ja auch sehr schöner und erfüllender Beruf, gerade für eine Frau, so wie Krankenschwester oder Erzieherin. Wenn man schon als tolle Fachfrau anerkannt wird, dann hat man gefälligst auch die Hand zu zu machen und nicht aufzuhalten.

Diese Mail erreichte mich als erste und eigentlich bin ich seitdem am Überlegen, ob man Michael Grewe aufgrund dieses Textes nicht wegen Tierquälerei anzeigen kann, da er lt.  Schreiber Techniken (!) wie Teletackt gutheißt, sprich anwendet? Aber vielleicht ist das doch zu kompliziert.  Wer übrigens den ganzen Summs nicht lesen möchte, sollte trotzdem ganz unten lesen, warum ich mich letztendlich für die Veröffentlichung entschieden habe.

„Sehr geehrte Damen und Herren,
auch wenn der Thread schon „etwas“ älter ist, ich ihn aber erst heute entdeckt habe, würde ich gerne Kritisches anmerken: was mir bei den  vielen Einlassungen, auch Ihrer, auffällt, ist die Tatsache, dass mit den Postings noch Werbung betrieben wird für die eigene gewaltfreie Hundeschule. Sie nutzen die Situation, um auf sich aufmerksam zu
machen. Das ist in meinen Augen genau so verwerflich wie die Postings der shitstormer. Wieso HINTERFRAGT niemand der Hundetrainer/innen kollegial die Situation, oder schreibt statements nach vorheriger Befragung von M. G.? Somit kann nur angenommen werden, dass der eigentliche Hintergrund von einem Mitbewerber/Konkurrent initiiert  wurde, und alle in dieses Horn tutenden Trittbrettfahrer sind.
Ich kenne M. G. durch unseren Hund „Lucky“, ein Raufbold und Leinenzieher. Ich fand den (einmaligen) Umgang von M. G. mit Lucky auch nicht so überzeugend, und ich weiß, dass er auch Technik wie Teletack und Stachelhalsbänder zur Hundeerziehung gutheißt, manchmal, aber die Schüsselmethode als einmalige SOFORTINTERVENTION nicht zu seinem regulären Repertoire gehört, und auch allgemein für Hundebesitzer nicht gehören sollte! Aus lernpsychologischer Sicht, und so wird es auch an den tierärztlichen Hochschulen gelehrt, muss eine Intervention auf ein unerwünschtes Verhalten innerhalb von zwei Sekunden erfolgen, um ein Lernziel zu erreichen. Bei einem Angstbeißer  ist die ohnehin kurze Zeit noch kürzer, und der Hund darf nie den Hundeführer selbst als Disziplinierenden wahrnehmen, wenn das Verhältnis nicht unrettbar zerstört werden soll. Also darf der Besitzer nicht selbst zu solchen Maßnahmen greifen, dafür gibt es den Hundetrainer, es muss eine einmalige Aktion bleiben, und was völlig übersehen wurde ist, der Hund hatte einen Maulkorb auf, der den Schlag dämpfte – die Wirkung aber nicht! Sicher wird dieser Trainer kein Freund des Hundes sein, aber für das Leben des Hundes, der ja eingeschläfert werden sollte, und die  Besitzerin war diese Maßnahme heilsam. Diese, wie viele andere auch, Hintergründe werden nie erwähnt, und somit ist dieses aus dem Kontext herausgenommene Video wie so oft eine Falschdarstellung.

Aber wie würden Sie als erfahrene Hundetrainerin diesen Hund in adäquater Manier den Kosten und der Zeit ggü. umtrainieren?“

Weil ich zwar weiblich und Hundetrainerin, aber doch nicht ganz bescheuert bin, habe ich so geantwortet:

Sehr geehrter Herr XXX,

wie Sie richtig bemerkt haben, betreibe ich eine Hundeschule und arbeite dort gewaltfrei. Auch gewaltfrei arbeitende Hundetrainer müssen leben und brauchen dazu Geld. Dieses verdienen sie nicht wie Herr Grewe damit, daß sie Hunde mit purer Gewalt zu vermeintlichem Gehorsam zwingen, sondern mit vernünftigem Training. Falls Sie ein Problem damit haben, daß ich mit meiner Arbeit in meinem Blog „Werbung“ mache, dann ist das Ihr Problem.

Unseriös, unprofessionell und vollkommen kontraproduktiv was meinen Geldbeutel und meinen Kontostand angeht wäre es, wenn ich Ihnen per Mail kostenlose Ratschläge geben würde. Unseriös und unprofessionell deshalb, weil ich weder Sie noch Ihren Hund kenne. Das mit dem Geldbeutel sollte jedem vernünftigen Menschen klar sein.

Falls Sie Interesse haben, ein ernsthaftes Training bei mir zu absolvieren, bin ich gerne dazu bereit.

Mit freundlichen Grüßen

Ute Rott

…. und daraufhin folgende, ganz offenbar enttäuschte Antwort erhalten.

„Hallo Frau Rott,
die Patzigkeit Ihrer Antwort, die lediglich IHRE Affektsituation spiegelt zu dem Thema, Ihr geringes Eingehen auf den Inhalt meiner Frage zeigt mir, mit welcher tatsächlichen Voreingenommenheit „die Szene“ auch noch drei Jahre danach reagiert. Ich hatte nie vor, bei Ihnen ein Hunde Training zu buchen, sondern wollte lediglich eine fachlich kompetente Einschätzung einer Fachfrau. Ihre Antwort zeigt deutlich, wie Hootchy Coochy Konkurrenz auf eine stringentere Trainingsmethode reagiert. Das aufzuzeigen ist mir gelungen.
Viel Erfolg wünscht Ihnen XXX“

Natürlich habe ich den Namen entfernt, denn es geht nicht um die Person. Es geht mir um die KollegInnen, und da sind leider die Frauen in der Überzahl, die auf so einen Unfug eingehen und denken, sie müßten jetzt mit Fachkompetenz und guten Argumenten punkten.

Liebe Mädels, die Antwort wird immer irgendwie so ausfallen wie bei diesem Herrn, der eben nunmal „stringentere Trainingsmethoden“ besser findet als euer Unterhosenbüglergetue. Er zieht ja diese Methoden nicht mal im Ansatz in Zweifel, sondern untermauert diese ganze üble Tierquälerei auch noch mit angeblich fundierten „wissenschaftlichen“ Erkenntnissen und logisch muß ein Hund vor dem unvermeidlichen Einschläfern gerettet werden. Unter dem tut so einer es nicht. Und weil ich finde, ihr solltet eure Zeit nicht mit sowas vergeuden, habe ich jetzt ein bißchen Zeit investiert, damit ihr seht, es geht auch anders. Kümmert euch um die, die eure Zeit wert sind und die es euch auch danken  – nicht nur mit gutem Training mit ihren Hunden, sondern auch mit der für uns allen notwendigen finanziellen Zuwendung. Schämt euch nicht, für euch Werbung zu machen, weder ein Schlegel noch ein Millan noch ein Grewe noch sonst ein Gewalttäter – oder eine Gewalttäterin – haben damit ein Problem.

In diesem Sinn: gute Arbeit muß auch bezahlt werden.

Übrigens: Hootchy Cootchy Konkurrenz finde ich auch ein sehr nette Kompliment! 😉

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Herzlich willkommen! – Ein Hund kommt ins Haus – 2. Leseprobe

Zombies, Ufos und andere Schreckgespenster – aus Kapitel 3 „Was Sie sonst noch wissen sollten“

Gerade ein junger Hund entdeckt immer mal wieder etwas Neues, und nicht immer ist das Neue so, dass er begeistert ist. Denn die Welt ist voller Gefahren. Ein wichtiger Bestandteil Ihrer Erzieherrolle ist das Erkennen, wann und warum er sich fürchtet. Sie gehen z.B. jeden Tag an einem Grundstück vorbei, bei dem die Mülltonnen direkt hinterm Zaun stehen. Eines Tages sind sie aber schon auf der Straße für die Müllabfuhr. Sie denken
sich gar nichts dabei, denn Sie wissen, was das bedeutet. Ihre Pelznase hat aber den Kalender der Müllabfuhr nicht im Kopf. Für ihn steht da plötzlich ein Monster mitten im Weg, das bislang regungslos hinter dem Zaun stand. Dass jemand anders die Tonne rausgefahren hat und dass die ruhig stehen bleibt, bis sie geleert und wieder an ihren Platz gebracht wird, ist ihm unbekannt.
Alles, was sich verändert, besonders, wenn der Kleine damit überraschend konfrontiert wird, kann aber gefährlich sein. Also bleibt er mit allen Anzeichen der Unruhe und Verunsicherung stehen: Schwanz eingeklemmt, Ohren nach hinten, der Körper abgeduckt mit eindeutigen Fluchttendenzen. Wenn Sie ihn jetzt weiter ziehen oder gar auslachen, nach dem Motto: „hab dich nicht so, ist doch nur eine Mülltonne“ schaffen Sie eine hervorragende Grundlage dafür, dass er Ihnen im weiteren Leben nicht mehr zutraut, mit potentiellen Gefahren fertig zu werden. Ihre Aufgabe ist es ihm zu zeigen, dass die  Mülltonne nicht zum Zombie mutiert ist, sondern heute mal wo anders steht und deshalb nicht gefährlicher ist. Sie gehen also ruhig hin, lassen Sie die Leine ganz locker, legen so nebenbei Ihre Hand an die Tonne und drehen Sie ihr den Rücken zu. Dabei sagen Sie nichts. Wenn Sie als sein großes Vorbild die Tonne für so harmlos halten, dass Sie ihr den
Rücken zukehren können, kann er mal vorsichtig hin schleichen und selber nachsehen. Vielleicht möchte er die Tonne auch aus einiger Entfernung kontrollieren – seine Entscheidung. Beobachten Sie ihn ganz ruhig, sagen Sie nichts und gehen Sie mit ihm weiter, wenn er fertig ist.
Warum sollen Sie ihn nicht großartig loben und belohnen? Weil der Tonne sonst eine Bedeutung beigemessen wird, die ihr einfach nicht zukommt. Wir wollen Mülltonnen hier nicht schlechter machen als sie sind, aber an ihnen ab und zu vorbei zu spazieren ist eine ganz normale Sache, die man nicht weiter erwähnen muss. Wenn Sie ihn jetzt großartig dafür belohnen, dass er die Tonne angesehen hat, kann durchaus passieren, dass er Tonnen zukünftig als uneinschätzbare Gefahrenquellen einstuft, da Sie ja sonst nicht so einen Zirkus machen würden. Wenn Sie glauben, dass ich übertreibe, dann überdenken Sie einmal folgende Geschichte, die ich genauso in meiner Hundeschule erlebt habe. Ein Ehepaar mit einem ca. 3 Jahre alten Rüden machte bei mir Trainingsurlaub, weil sich der Hund vor allem und jedem fürchtete. Sie hatten eine unserer Wohnungen gemietet, die
über eine Außentreppe erreichbar sind und im 1. Stock liegen. Als der Rüde einfach so die Treppe hinaufging, verfiel sein Frauchen in einen wahren Begeisterungstaumel und lobte ihn in den höchsten Tönen. Das hatten sie auf Anraten einer Kollegin immer so gemacht, wenn er etwas neues ausprobieren wollte. Nur verstand dieser Hund das leider vollkommen falsch. Anstatt ihm einfach Zeit zu lassen und als ruhiger Beistand bei ihm zu bleiben, solange er neue Dinge erkundete, wurde er in viele, für ihn undurchschaubare
Situationen gebracht und für jeden Pups gelobt. Daraus schloss er, dass die Welt unglaublich gefährlich sei, da niemand ihm tatsächlich klar machen konnte, was jetzt gefährlich ist und was nicht. Nachdem seine Menschen einsichtig waren und wir ein gutes Training absolviert haben, hat sich das schnell gelegt und heute ist er ein sicherer und souveräner Hund geworden.
Manche Hunde verstehen sehr schnell, dass ihr Mensch ihnen zeigt, wo eine Gefahr lauert und wo nicht. Wenn Sie merken, dass Bello sich sofort nach Ihnen umsieht und zu Ihnen kommt, wenn ihm etwas unheimlich ist: herzlichen Glückwunsch! Sie haben ihm wunderbar klar machen können, dass Sie zuständig sind für Probleme. Behalten Sie das in allen Situationen bei, die für ihn irgendwie schwierig sind, zeigen Sie ihm, dass Sie die
Welt einschätzen können und ihn unbeschadet durch alle vermeintlichen Gefahren durch führen.
Machen Sie sich bitte klar, dass wir in Mitteleuropa in einer sehr friedlichen Welt leben. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie einem Terroranschlag zum Opfer fallen, ist ca. 20.000 (zwanzigtausend) Mal niedriger, als bei einem Autounfall ums Leben zu kommen. Dass Sie bei einem Autounfall Ihr Leben lassen, ist allerdings auch eher unwahrscheinlich. Denn selbst wenn die Medien uns glauben machen, dass hinter der nächsten Ecke die Räuber und Mörder drohen, sollte Ihnen klar sein, dass Sie in einer der friedlichsten Gegenden weltweit leben. Es gibt also keinen Grund wegen Mülltonnen oder ähnlichen Objekten einen Hund in Angst und Schrecken zu versetzen. Haben Sie Verständnis dafür, dass er sich vor Dingen grault, die er – noch – nicht kennt, aber dann führen Sie ihn ruhig und gelassen hin und alles ist gut.
Es gibt Phasen im Leben eines Hundes, in denen dieses Erschrecken vor unbekannten Gegenständen und Situationen zunimmt. Das sind die sog. „spooky periods“ oder Fremdelphasen, die ich bereits erwähnt habe. In diesen Zeiten, die 5 mal im Leben eines Hundes vorkommen und 1-3 Wochen dauern, sind die Hunde ängstlicher und unsicherer. Das erfüllt den Zweck, dass sie sich nicht in jede Situation hinein stürzen, sondern vorsichtiger werden. Dadurch lernen sie dann tatsächlich: was stellt eine Gefahr dar
und was nicht. Und vor allem: wie gehe ich damit um. Erinnern Sie sich? Erziehung heißt: wie geht Leben. Ich zeig‘s dir, damit wir gemeinsam gut durch die Welt kommen, z.B. auch an vorbei Zombies, Ufos und anderen Schreckgespenstern.

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