…. das war keine Katze…

…. das war eine Frau mit Kinderwagen.

Ich bin mit einer Kundin unterwegs, habe ihren Hund an der Leine, um der Kundin zu zeigen, wie wir mit ihrem netten und sehr sozialen Rüden für ihn schwierige Situationen meistern. Dabei geht es vor allem darum, dass wir ihm in aller Ruhe und mit viel Zeit und Geduld erklären, wie wir die Situation einschätzen. Er ist ein sehr aufmerksamer und kluger Hund, seit einem knappen halben Jahr in Deutschland, ca. 3 Jahre alt. Wir wollen ihn der Einfachheit halber Bello nennen.

Es geht alles sehr gut, wir überqueren eine viel befahrene Straße, passieren einen bellenden Hund hinterm Zaun in für Bello guter Entfernung, bewältigen die Versuchung, die ein Loch im Zaun darstellt, durch das er sehr gerne auf Erkundung gehen würde, alles ist im grünen Bereich. Von vorne kommt eine junge Frau mit Kinderwagen. Mütter mit kleinen Kindern, besonders mit Babys im Kinderwagen sind ein eigenes Thema. Die legen in der Regel keinen gesteigerten Wert auf Hundenasen im Kinderwagen und das haben wir zu respektieren. Da Bello sehr freundlich und neugierig ist, bitte ich ihn auf die abgewandte Seite zu gehen, das macht er vorbildlich mit. Die junge Frau trägt ein Kopftuch, sie ist vermutlich Muslima. Da macht die Situation noch etwas brisanter, da ich annehmen muss, dass sie aufgrund ihres Glaubens Hunde nicht so toll findet, also haben wir gleich zwei Gründe besonders rücksichtsvoll zu sein. Ich bin überzeugt, dass Bello mich versteht, denn er geht sehr lieb und aufmerksam neben mir vorbei, ich sage ihm, dass er großartig ist und bedanke mich sehr mit vielen guten Worten und vielen Leckerchen für seine Kooperation.

Als wir vorbei sind, bleibt Bello stehen, dreht sich um und sieht der Frau und dem Kinderwagen hinterher. Meine Kundin wird sofort total nervös und versucht ihn mit „Bello, wir gehen hier weiter“ aus der Situation zu holen. Ziemlich irritiert frage ich sie, was das soll.

Die Antwort irritiert mich noch mehr als die Aktion selber: „ja, aber wenn da eine Katze läuft, dann muss ich ihn doch abrufen können.“

Erstmal tief Luft holen, bis zehn zählen, dann antworten. Bello kuckt in der Zwischenzeit sehr ruhig und gelassen immer noch nach der Frau, die sich ebenfalls ruhig und entspannt entfernt.

„Das war keine Katze, das war eine Frau mit Kinderwagen.“
„Ja, aber wenn da eine Katze…“
„Das war keine Katze, das war eine Frau mit Kinderwagen.“
„Ja, aber….“
„Das war keine Katze, das war eine Frau mit Kinderwagen. Es gibt überhaupt keinen Grund, warum er da nicht hinschauen darf.“

Im weiteren Gespräch klären wir, dass vorbeihuschende Katzen, die ihn ganz sicher zum Hinterherrennen animieren, etwas ganz anderes sind als Frauen, die schlicht ihren Kinderwagen unbelästigt an uns vorbeischieben möchten, und die er so interessant findet, dass er einfach ein bisschen hinterher kucken möchte. Das eine hat mit dem anderen soviel zu tun, wie Autoverkehr mit Gartenanlagen.

Aber das Thema ist für mich nicht durch nach diesem Termin, im Gegenteil. Denn das ist eine Situation, die ich sehr oft erlebe. Und ich bin mir sicher, dass viele meiner KollegInnen das ebenfalls oft in ihren Trainingsstunden haben: es wird einfach in jeder Situation die passende Interpretation gesucht und dann eine vermeintlich gute Lösung drübergestülpt. Es ist aber ein gewaltiger Unterschied, ob ein Hund hinter was auch immer herrennen oder es einfach ruhig beobachten möchte. Vielleicht kann ich ihn ja dazu überreden, sofort mit mir mitzukommen, weil die Frau mit dem Kinderwagen doch nicht so interessant ist. Vielleicht mache ich sie durch den Druck, den ich automatisch ausübe, aber auch unglaublich wichtig und spannend. Dann könnte es durchaus sein, dass er bei der nächsten ähnlichen Begegnung eben nicht mehr locker vorbeigeht, sondern dringend untersuchen muss, was denn so Besonderes mit diesem Kinderwagen ist, wenn ich solche Probleme damit habe. Denn wenn ich keine Probleme damit hätte, könnte er sich das Ding doch wirklich in Ruhe aus der Ferne betrachten. Oder?

Und dann ist es mehr als fraglich, dass ich ihn, selbst wenn Frauen mit Kinderwagen grundsätzlich so uninteressant sind, dass er sich immer davon abrufen läßt, sich auch von einer Katze, die mal eben fünf Meter vor ihm aus dem Gebüsch hopst, ebenfalls abrufen kann. Frauen mit Kinderwagen – oder ähnliche Objekte – gehören nicht ins Beuteschema unserer Hunde, Katzen schon. Hunde wissen das, Menschen offenbar nicht.

Ich vermute, es gibt zwei Hauptgründe, warum Menschen so reagieren und Frauen mit Kinderwagen mit Katzen gleichsetzen.

Der eine Grund ist: mein Hund muss sich immer und überall von allem sofort abrufen lassen und unverzüglich mit mir weitergehen, wenn ich das möchte.
Klare Anwort: nein, muss er nicht. Ganz im Gegenteil. Hunde lernen am besten, dass eine Situation unkompliziert und ganz normaler Alltag ist, wenn wir sie ruhig heranführen, ihnen Ausweichmöglichkeiten anbieten, z.B. auf die Seite gehen und abwarten oder an meiner Seite ruhig vorbeigehen, und wenn wir ihnen die Möglichkeit geben, in ihrem eigenen Tempo zu überprüfen, ob meine Sicht der Dinge (Frauen mit Kinderwagen sind uninteressant) auch stimmt. Und dazu muss ein Hund einfach mal hinterherkucken dürfen.

Der zweite Grund ist: viele Trainingsansätze laufen darauf hinaus, dass man ständig und überall Signale einüben muss, indem man die Ablenkung langsam steigert, so dass sich Bello irgendwann nicht nur von Frauen mit Kinderwagen sondern auch vor davoneilenden Katzen abrufen läßt.
Dazu kann ich nur sagen: träumt weiter. Gerade Hunde aus dem Auslandstierschutz sehen häufig Katzen als willkommende Abwechslung auf dem Speiseplan. Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich habe bei meiner Indiana einige Jahre gebraucht, bis sie davon überzeugen konnte, beim Anblick von Katzen, die mindestens 20 Meter weg sind, ruhig zu bleiben. Wenn eine Katze unmittelbar vor uns auftauchen sollte, hoffe ich schlicht und ergreifend, dass ich die Leine fest genug in der Hand habe und richtig reagiere. Und Indiana ist mittlerweile 8 Jahre alt und seit 7,5 Jahren bei uns.

Wir sind nicht ständig immer und überall im Abruftraining für einen 100%ig sicheren Rückruf, den es so überhaupt nicht gibt, ausser ich mache meinen Hund zu einer willenlosen Marionette. Wenn wir Katzen treffen, freue ich mir ein Loch in den Bauch, weil mir die Hunde diese tolle Katze gezeigt haben und bedanke mich mit vielen, vielen Keksen für die großartige Nachricht. Frauen mit Kinderwagen gehen meinen Hunden dagegen am Allerwertesten vorbei. Sie sind uns nicht mal einen Kommentar wert.

Vielleicht gibt es auch noch einen dritten Grund, warum Menschen so widersinnig reagieren: sie wollen die Kontrolle behalten, immer und unter allen Umständen. Und spätestens jetzt wirds richtig schwierig. Denn unsere Hunde werden ja irgendwann erwachsen oder sie kommen schon erwachsen zu uns. Erwachsen sein bedeutet aber unter anderem, dass man selber die Kontrolle über sein Leben hat und nicht ständig und überall gegängelt und rumkommandiert wird. Das bedeutet auch, dass ein Hund eigene Entscheidungen trifft, die vielleicht nicht immer ganz in unserem Sinn sind. So wie meine Indiana Katzen eben killen und fressen würde, wenn ich nicht aufpassen würde. Allein die Tatsache, dass sie nicht mehr auf jede Katze in egel welcher Entfernung mit Mordgelüste reagiert, finde ich ein unglaubliches Zeichen von Kooperationsbereitschaft und Verständnis ihrerseits. Mit absurdem Abruftraining wären wir niemals dahin gekommen.

Wenn man also einen Hund hat, der mit meiner Lebenssituation noch nicht vertraut ist, dann ist der wichtigste Punkt bei allem, was wir unternehmen, dass ich ihm in aller Ruhe zeige, wie ich mit für ihn neuen, unbekannten und vielleicht auch schwierigen Situationen umgehe, und ihm genügend Gelegenheit gebe, sich davon zu überzeugen, dass das jetzt einfach eine normale Alltagssituation ist.

Denn das war jetzt ein Frau mit Kinderwagen, das war keine Katze.

Veröffentlicht unter Allgemein, Gewaltfreies Hundetraining, Mit Hunden unterwegs | Verschlagwortet mit , , , | Kommentare deaktiviert für …. das war keine Katze…

„Perfekt unerzogen“ von Ulli Reichmann

Es gibt Bücher, die sind wegweisend – auch wenn nicht jeder das vielleicht so sieht. Eines war „Calming Signals“ von Turid Rugaas. Seit dieses Buch seinen Weg in die Hundeszene gefunden hat, hat sich enorm viel verändert im Umgang mit Hunden. Hunde wirklich zu verstehen und ihre Sprache lesen zu können, wurde mit diesem Buch einfacher.

Genau so wird es mit dem neuen Buch von Ulli Reichmann sein. Sie hat bereits mit ihren revolutionären Ideen über das Leben mit jagdbegeisterten Hunden nicht nur das „Anti“jagdtraining auf den Kopf gestellt. Auch mit ihren völlig neuen Ideen, wie man mit Hunden im Alltag leben oder wie man Welpen aufziehen sollte, kamen Grundfesten der vermeintlich einzig richtigen Vorstellungen von Hunde“erziehung“ ins Wanken – und von diesen Vorstellungen gibt es wahrlich viele.

Müssen Hunde erzogen werden? Und was ist darunter zu verstehen? Kommen wir mit Hunden nur klar, wenn sie die Grundkommandos „hier, sitz, platz, Fuß, bleib“ auch im Schlaf beherrschen, so dass sie jederzeit zuverlässig abrufbar sind, und zwar egal ob gerade die Welt untergeht, auf dem Autobahnmittelstreifen oder im Kindergarten? Und warum kommen wir überhaupt auf die Idee, Hunde kommandieren zu müssen?

So wie ich hatten viele HundetrainerInnen schon Hunde oder lebten mit ihnen in ihren Familien, bevor sie diesen Beruf ergriffen. Und die wenigsten dieser Hunde beherrschten auch nur einziges dieser angeblich überlebenswichtigen Kommandos. Ganz im Gegenteil. Mit den armen Opfern der Hundevereine hatte man einfach nur Mitleid. So einen Hund, der nur demütig neben oder hinter einem herschleicht, wollte niemand haben. Und wenn so ein Hund auf einen kam, empfand man jede selbständige Tat des Hundes wie schnüffeln oder Streicheleinheiten einfordern als großen Erfolg, dazu brauchte man keinen Hundeflüsterer.

Und heute? Die Köpfe vieler HundetrainerInnen und HundehalterInnen rauchen nur so vor Anstrengung, um Hunden genau das beizubringen: achte nur auf deinen Menschen, orientiere dich an nichts anderem. Wie lange darf ein Hund wo schnüffeln? Darf er überhaupt mal an einer Wildspur schnuppern? Geschweige denn ein Reh beobachten? Ab wann ist er zu selbständig? Stimmt seine Bindung zu mir…….

Fragen über Fragen plagen uns, NachbarInnen, FreundInnen, KollegInnen, jeder der auch nur mal die ersten 3 Minuten eine dieser begnadeten Hundeflüstersendungen gesehen hat, weiß genauestens Bescheid und überschüttet HundehalterInnen mit hochqualifizieren Ratschlägen. Ja, das sind wahrlich üble Schläge, die auf Hund und Mensch da oft hereinprasseln.

Und jetzt kommt dieses Buch daher mit diesem provokativen Titel: Perfekt unerzogen!

Ja, geht’s noch? Einen Hund nicht (!!!) erziehen? Und das soll dann auch noch perfekt sein?

Das werden sich bestimmt viele fragen, aber die Antwort ist ganz einfach: ja, genau das ist der Weg, den wir einschlagen sollen. Denn auch wenn wir noch so lieb und freundlich unseren Hunden alles mögliche beibringen, mit viel Lob und Leckerchen und liebvoll aufgebauten Markern und Signalen….. wir stülpen Hunden trotzdem immer unsere Vorstellungen vom perfekten Hund über und beachten nicht wirklich, was der Hund möchte und wer er eigentlich ist. Denn wir haben uns so sehr daran gewöhnt, dass wir über alles und jedes in unserem Leben die Kontrolle behalten müssen, eben auch über unseren Hund, dass wir uns noch so oft Sätze wie: „Hunde sind eigenständige Lebenwesen und Persönlichkeiten“ oder „Hunde sind keine Waschmaschinen“ vorsagen können, wenn Kollege XY oder Nachbarin YZ meint, wir hätten unseren Hund nicht im Griff, verfallen wir sofort in den Trainingswahn.

Wer sich damit nicht wohlfühlt und sich Gedanken darüber macht, wie man aus dieser Falle heraus und in ein gutes Leben mit seinem Hund hineinkommt, sollte unbedingt Ulli Reichmanns neues Buch lesen. Es ist ganz sicher keine Gebrauchsanleitung, wie man „ullimäßig“ seinen Hund optimal erzieht, denn – wir erinnern uns – Hunde sind wirklich keine Waschmaschinen. Sie sind Individuen und großartige Persönlichkeiten mit eigenen Vorstellungen von einem guten Leben. Und ihr könnt das wirklich glauben: das sind Vorstellungen, die von unseren gar nicht so weit entfernt sind, ganz im Gegenteil.

ISBN: 978-3-936188-82-0
Preis: € 20,00
Veröffentlicht unter Buchbesprechungen, Bücher, die ich empfehle | Verschlagwortet mit , , , | Kommentare deaktiviert für „Perfekt unerzogen“ von Ulli Reichmann

Sensible Zeiten im Leben eines Hundes – die Fremdelphasen

Eltern kennen das: das Baby, das sich über jeden gefreut hat, der in seinen Kinderwagen reinschaut, bekommt von jetzt auf gleich hysterische Kreischanfälle, wenn die Oma kommt, die das letzte Mal vor zwei Wochen da war. Im Leben aller Kinder gibt es diese Phase, sie heißt Fremdelphase. Bei Kindern geht man davon aus, dass es nur eine dieser Phasen gibt, nämlich im Alter von 6 bis 8 Monaten. Ich vermute allerdings, dass es bei Kindern mehr davon gibt – genau wie bei Hunden.

Bei Hunden können wir von mindestens 4, eher 5 Fremdelphasen ausgehen und jeder Hundebesitzer wurde schon mal damit konfrontiert, hat sich gewundert, was mit seiner Pelznase los ist und sofort wieder vergessen, als es vorbei war. Leider. Und leider wissen nach wie vor viel zu wenige Menschen, die mit Hunden zu tun haben, was es damit auf sich hat: TrainerInnen, ZüchterInnen, TierschützerInnen und natürlich HundehalterInnen.

Die erste Fremdelphase ist zuverlässig zwischen der 9. und 10. Woche, sie dauert ca. eine Woche.
Die zweite Fremdelphase beginnt ungefähr mit 4,5 Monaten und dauert zwei bis drei Wochen.
Die dritte Fremdelphase beginnt ungefähr mit 9 Monaten und dauert ebenfalls zwei bis drei Wochen. Da sie oft zusammenfällt mit dem Beginn der Pubertät, wird sie in der Regel übersehen oder falsch eingeordnet.
Die vierte Fremdelphase beginnt etwa mit 1,5 Jahren und dauert ebenfalls zwei bis drei Wochen.
Die fünfte und letzte Fremdelphase beginnt ca. mit 2 – 2,5 Jahren und dauert auch zwei bis drei Wochen.

Wann die 2.-5. Fremdelphasen auftreten, ist individuell und rassetypisch unterschiedlich, ebenso die Dauer. Die angegeben Zahlen sind also nur Richtwerte.

Was hat es damit auf sich und wie sollten die betroffenen HundehalterInnen damit umgehen?

Die meisten Welpen kennen bis zu Beginn der ersten Fremdelphase keine Furcht vor gar nix. Sie gehen neugierig auf alles zu, interessieren sich für alles und finden alles prima. Wenn sie das im Leben beibehalten würden, würden sie nicht besonders lange leben, da sie nicht lernen würden, Situationen richtig einzuschätzen, also auch mal festzustellen, dass man sich hier und jetzt vom Acker macht, oder sich besser vorsichtig annähert. Das ist lebensverlängernd. Man könnte es also auf den kurzen Nenner bringen:
In den Fremdelphasen, ganz besonders in den beiden ersten, lernt der kleine Hund potentielle Gefahren vorsichtig abzuklären, denn es ist besser eine Mahlzeit zu versäumen als eine zu werden.

Wenn so ein kleines Hundekind in der ersten Fremdelphase noch bei seiner Mutter ist, kann in der Regel nicht viel schief gehen. Die Mutter weiß automatisch, was zu tun ist: sie gibt ihrem Kindern Rückhalt und Sicherheit, beschützt sie vor Ungemach und ist einfach da. Das reicht. Leider ist das zumindest bei Rassehunden, aber auch bei anderen Hunden von „Züchtern“ oder Vermehrern“ nicht mehr die Regel. Die Welpen werden mit den abenteuerlichsten Argumenten abgegeben. Hier nur ein Beispiel, das ich besonders absurd finde: dann entwickelt sich eine bessere Bindung. Ach so, naja. Dann haben meine beiden Hunden, die ich im Alter von 6 Monaten, bzw. 2,5 Jahren übernommen habe, also mit Sicherheit eine grottenschlechte Bindung. Wer’s glaubt, wird selig, wer’s nicht glaubt, kommt auch in den Himmel.

Was machen Menschen, wenn ein Welpi bei ihnen einzieht? Oft genug wird der kleine Hund von der ersten Minute an gnadenlos überfordert. Allein der Verlust der Familie ist ein starkes Trauma für ihn. Dazu kommt vielleicht noch eine stundenlange Fahrt im Auto, die Ankunft im neuen Zuhause, ungewohntes Futter, neue Menschen, neue Gerüche, neue Geräusche…… und als ob das nicht reichen würde, tanzen spätestens am nächsten Tag die Nachbarn und besten FreundInnen an, um ihren Senf dazuzugeben und den kleinen Kerl zu begutachten. Dazu wird er dann herumgereicht, zwangsbekuschelt, es wird getestet, ob er auch schon „schön sitz!“ machen kann – lauter überflüssiger Unsinn. Denn was dieser Hund jetzt braucht, ist Ruhe, Ruhe, Ruhe und viel Geduld und Verständnis von seiten seiner neuen Menschen.

Damit man auch ja nichts versäumt, wurde schon vorab in der Hundeschule ein Termin vereinbart. Wenn die KollegInnen Ahnung haben, was zwar Gott sei Dank immer häufiger der Fall, aber leider nicht die Regel ist, machen sie diesen Termin erst wenn der kleine Hund 10 Wochen alt ist. Nur besteht dann oft die Gefahr, dass man in eine Hundeschule geht, die keine Ahnung hat und den Hund schon am nächsten Tag sehen will. Also lasse auch ich mich oft genug auf einen Termin ein, von dem ich weiß, dass er für den kleinen Hund nichts bringt, aber vielleicht kann ich das Schlimmste verhindern. Nicht so einfach, das alles.

Erste Fremdelphase: der kleine Hund hat unglaublich viel erlebt und gelernt in den letzten 9 Wochen und das soll jetzt verarbeitet werden und sacken. Da soll nichts Neues drauf gepackt werden und schon gar nicht was Aufregendes, das der Hund jetzt nicht mal ansatzweise verarbeiten kann. Und das genau ist ein wichtiger Grund, warum man nie, nie, nie einen Welpen wo auch immer holen soll, der schon mit 8 Wochen abgegeben wird – ausser dem Hund droht Lebensgefahr. Und wie oft kommt das vor, bitte?

Wenn die erste Fremdelphase gut läuft, also auch die Menschen, die den Hund leider zu früh bekommen haben, verstehen, dass er Ruhe und Sicherheit braucht, viel Geduld haben und ihn nicht überfordern, oder er war tatsächlich mindestens zehn Wochen – gerne zwei oder drei mehr – bei seiner Mama, dann wird die zweite Fremdelphase nicht mehr so dramatisch. Jetzt kommen z.B. Sachen vor wie: beim morgendlichen Gassi ist – wie jeden zweiten Donnerstag – Müllabfuhr und die Tonnen stehen auf der Straße. Bis jetzt war das kein Thema – heute schon. Der Zwerg bleibt wie angewurzelt stehen und starrt die Tonne an wie einen Zombie. Das dümmste, was man jetzt tun kann ist: den Hund einfach weiterzerren. Das zweitdümmste: den Hund auslachen. Eine nahezu ideale Form von Dummheit ist die Kombination von beidem.

Wenn ein Hund offenbar erschrocken stehenbleibt und irgendwo hinschaut, bleibt man einfach auch stehen und stellt fest, was ihm denn in irgendeiner Form Angst macht: aha, die Mülltonne. Dann geht man ruhig hin, stellt sich mit dem Rücken zur Tonne und wartet. Bis der kleine Hund entweder die Tonne inspiziert oder lieber in einem großen Bogen vorbeigeht. Dazu braucht man natürlich eine genügend lange Leine am Hund, damit er keinen Unfug macht und auf die Straße rennt. Wenn’s gar nicht anders geht und er einfach nicht vorbei möchte, dreht man eben um. Da bricht einem kein Zacken aus der Krone. Ich habe ihm gezeigt, dass ich mich vor der Mülltonne nicht fürchte, denn wenn ich mich mit dem Rücken davor stelle, gehe ich davon aus, dass dieses Teil friedlich ist. Wenn er dem Frieden nicht traut, dann weichen wir eben aus oder gehen zurück.

Sowas nennt man „vertrauensbildende Maßnahme“. Denn ein Hund, dessen Ängste und Nöte wahr- und ernstgenommen werden, der kann viel leichter Vertrauen zu seinem Menschen haben, als ein Hund, dessen Mensch so etwas gar nicht sieht, sich darüber lustig macht und den Hund zu etwas zwingt, was er definitiv nicht möchte.

Leider gibt es viele Hunde aus dem Auslandstierschutz, die genau in diesem Alter zu uns kommen. Das werden wir nicht ändern können, da hier einfach versucht wird, den Hunden so schnell wie möglich ein gutes Zuhause zu besorgen. Allein schon der Transport ist aber extrem traumatisierend für die Hunde, da sie häufig mit vielen anderen Hunden eingezwängt in enge Boxen über viele Stunden, teilweise Tage im Transporter sitzen. Da wird gekackt, gepieselt, gekotzt, geheult….. das möchte niemand von uns erleben. Aber auch wenn das nicht so ist, dann ist der Wechsel in eine völlig neue Umgebung mit völlig neuen Sinneseindrücken verbunden mit einer langen Fahrt mit womöglich fremden Menschen auch nicht gerade lustig.

Es wäre also wirklich schön, wenn Tierschutzorgas sich mit der Thematik befassen könnten – neben allem anderen, das sie leisten müssen – und die neuen BesitzerInnen aufklären würden, dass dieser Hund jetzt besonders viel Ruhe, Verständnis und Geduld braucht, weil zu allem anderen eben die 2. Fremdelphase dazu kommt. Ich weiß, dass das viel verlangt ist. Aber die Hoffnung stirbt bekanntermaßen zuletzt. Dadurch, dass die meisten Orgas mittlerweile sowieso schon sehr viel gute Tipps mit auf den Weg geben, kann viel aufgefangen werden. Aber je besser die neuen Menschen über den seelischen Zustand ihres kleinen, neuen Freundes wissen, um so besser ist es für alle Beteiligten.

Die 3. Fremdelphase fällt häufig mit dem Beginn der Pubertät zusammen. Deshalb ist es nicht immer einfach, auseinander zu halten, was was bewirkt und auslöst. Aber das ist auch nicht wichtig. Auch Pubertiere brauchen vor allem viel Geduld und Verständnis. Verstärkend kommt auch hier dazu, dass bislang gewohnte und normale Dinge wie das Befolgen der Alltagssignale in vielen Situationen noch schwerer fallen, weil sich der Hund unbedingt mit einer Situation auseinander setzen muss, die ihm dubios erscheint. Das hat nichts mit der Eroberung der Weltherrschaft, schlechter Bindung und Missachtung seines Menschen zu tun, der kann halt grad nicht anders, weil seine Hormone in Aufruhr sind und weil er sehr verunsichert ist.

In dieser Zeit, also während der Pubertät ganz besonders in Kombination mit der 3. Fremdelphase, haben die Hunde ein Schild umhängen, das steht in Großbuchstaben drauf:

„WEGEN UMBAU GESCHLOSSEN!!!!!“

Vielleicht mal nebenbei: bei menschlichen Pubertieren ist das nicht anders, auch bei uns, den weisen und abgeklärten Erwachsenen war das mal so. Und das Verständnis, das wir damals gerne gehabt hätten und vielleicht auch bekommen haben, dass können wir doch gerne auch unseren Hunden geben.

Die letzten beiden Fremdelphasen fallen meistens gar nicht mehr so auf. Sie zeigen sich ebenfalls durch plötzlich auftretende Unsicherheit in Situationen, die der Hund eigentlich schon gut gemeistert hat. Manchmal kann passieren, dass die Hunde gestresster sind und deshalb mehr an der Leine ziehen oder schlechter abrufbar sind. Aber wenn man in den vorherigen Fremdelphasen und vor allem in der dritten (Kombination mit der Pubertät!!!) ruhig und geduldig geblieben ist, dann sollte das eigentlich nicht allzu dramatisch werden. Vor allem weiß der Hund dann eben, an wen er sich wenden kann, wenn er sich überfordert fühlt.

Es gibt gleich mehrere gute Nachrichten:
Es geht viel, viel schneller als mit Kinder und Jugendlichen. Wer „Fremdelphasen bei Kindern“ goggelt, erfährt, dass bei manchen Kindern diese Phase bis in die Schulzeit hineinreichen kann. Da können wir mit den Hunden wahrlich nicht meckern. Die einzelnen Phasen dauern maximal drei Wochen und dazwischen haben wir viel Zeit zur Erholung. Und dann sind das wunderbare Gelegenheiten, seinem Hund klar zu machen, dass man seine Bedürfnisse sieht und erkennt und auch auf seine Befindlichkeiten eingeht. Gemeinsam finden wir eine Lösung, die für uns gut ist. Wenn das nicht eine wunderbare Grundlage für eine vertrauensvolle Beziehung ist!

Veröffentlicht unter Allgemein, Welpen | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Wie lange braucht ein Hund aus dem Tierschutz, bis er angekommen ist?

Eine liebe Bekannte, Verena Werthmüller, hat den folgenden Beitrag auf Facebook gepostet. Das ist ein so senibles und wichtiges Thema, dass ich sie um die Erlaubnis gebeten habe, den Text hier zu veröffentlichen. Bitte lest das, verbreitet den Text und nehmt ihn euch zu Herzen.

Weil ich jetzt das xte Mal lese „der Hund muss weg, weil es mit den Katzen, den anderen Hunden etc. nicht funktioniert“, muss ich das jetzt mal loswerden:

Nein, vier oder sechs Wochen sind nicht genug Zeit, um sich an eine veränderte Situation zu gewöhnen! Kein Hund ist nach 4 Wochen angekommen, da fangen sie gerade mal an, ihr Köfferchen auszupacken! Ein Hund, der vorher nie mit Katzen zusammen gelebt hat, braucht vielleicht länger als 6 Wochen, um sich daran zu gewöhnen (plus vernünftiges Training!). Und nach einer Kastration braucht eine Hundegruppe vermutlich auch mehr als ein oder zwei Monate, um sich an veränderte Gerüche, Verhalten etc. zu gewöhnen. Da brechen Unsicherheiten auf und unsere Aufgabe als Frauchen oder Herrchen ist es, genau dann Halt und Sicherheit zu geben und zwar allen Seiten. Aber ich beobachte zunehmend, dass man dadrauf keinen Bock hat. Da werden ein paar Trainer als Autoritäten bestellt, die dann den Kopf wiegen und sagen, das ist schwierig und besser für alle, man gibt den Hund, der nicht funktioniert, weiter. Natürlich zum Wohl aller, besonders des Hundes. Ist das tatsächlich so, oder ist man nur zu bequem, mit einer Situation umzugehen? Das beste aller Zuhause, das man für den Tierschutzhund gefunden hat – aber er kommt einfach nicht mit den Katzen klar (nach 4 Wochen!). Da muss er leider gehen. Aha. Ein wirklich gutes Zuhause – aber nur für den perfekt angepassten Hund.

Wer von uns ist eigentlich nach einem Umzug in ein anderes Land, mit neuer Sprache und neuer Familie nach 4 Wochen angekommen? Wer von uns ist nach 8 Wochen nach einer Entfernung der Eierstöcke wie früher? Wer von uns, der plötzlich mit einer Spezies auf dem Sofa kuscheln soll, die er vor vier Wochen noch als essbar betrachtete, ist dazu in der Lage?

Und von unseren Hunden verlangen wir das? Oder geht es um den leichten Ausweg, weil man sich heutzutage in den Tinder-Zeit nicht mehr die Zeit nimmt, Dinge auch mal auszuhalten und den Hunden zuzugestehen, dass sie irritiert sind und ihre Zeit brauchen, um sich an Dinge zu gewöhnen? Man auch mal Dinge trainieren muss, mit Trenngittern und Hausleine und vielleicht sogar Maulkorb arbeiten und den Tieren Zeit geben muss, sich langsam an eine veränderte Situation zu gewöhnen? Weil sie die heile Welt stören? Und das kann halt auch mal ein halbes Jahr dauern! Meine Hunde sind nun vier oder fünf Jahre bei mir – und sie kommen immer noch an! Leslie wird frecher, Trudy entspannter und Reina kooperiert immer mehr.

Mein Ex und ich haben in 2 Jahren 10 Hunde aus dem Tierschutz adoptiert. Und ja, das war Wahnsinn und wir würden das heute nicht wieder so tun. Aber wir haben gehadert und mit unseren Hunden zusammen gekämpft – und wir sind nach und nach zusammen gewachsen.

Es war eine chaotische Zeit, in der uns sämtliche Körbchen und die Couch explodiert sind, alle Bücher „gelesen“ und sämtliche Möbel angenagt. Die Tomaten vom Esstisch geklaut und überall auf der Couch verteilt. Bis heute kann ich keinen Teppich und keinen Teppichboden haben, weil einer der Hunde nicht komplett stubenrein ist.

Ich verlange von niemandem, dass er sowas mitmacht und natürlich muss man eine Situation, die für alle Seiten belastend ist, irgendwann auch beenden. Aber man muss sich zuerst auch gegenseitig die Zeit geben, zusammen zu wachsen. Und das erwarte ich von jedem, der sich einen Hund ins Haus holt. Weil der Hund sich das nämlich nicht ausgesucht hat, wir aber schon. Und wir sind ihm verdammt nochmal zumindest schuldig, ihm die Zeit zu geben, die er braucht zum Ankommen oder um sich auf Veränderungen einzustellen.

Verena Werthmüller

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentare deaktiviert für Wie lange braucht ein Hund aus dem Tierschutz, bis er angekommen ist?

Wie man mit Zecken und anderen Lästlingen leben kann, ohne verrückt zu werden

Wer mich kennt, weiß, dass ich keine Freundin der alljährlichen Hysterie bin, die grundsätzlich ab April, spätestens ab Mai im Internet wegen der grausligen Zecken losgeht. Ab September gehts dann genau hysterisch gegen die Flöhe. Nein, ich liebe diese Viecher auch nicht und ich brauche sie auch nicht. Aber der Hype, der da immer gemacht wird, ist wirklich gnadenlos übertrieben.

Mein Mann und ich lehnen für unsere Hunde alle chemischen Mittel ab, da sie in irgendeiner Weise nicht nur den Zecken und Flöhen, sondern auch den Hunden, uns und der ganzen Umwelt schaden. Wenn auf der Packung schon Dinge stehen wie: „Kinder bitte vom Hund fernhalten“, „nicht ins Wasser lassen, weil…“, dann finde ich, dass ich kein Recht habe, so etwas zu verwenden, nur um mir die lästige Absucherei nach Zecken und die – eventuelle – Gefahr einer Erkrankung zu ersparen. Das muß jeder für sich entscheiden, wir entscheiden uns für alternative Methoden. Bei alternativen Methoden muss man sich darüber im Klaren sein, dass sie auf jedes einzelne Individuum abgestimmt werden müssen, da nicht unbedingt eins für alle passt. Auch werden hier nicht alle Zecken – oder Flöhe oder was auch immer ihr verhindern wollt – sofort und unwiderruflich gekillt, sowie sie nur an euren Hund denken, sondern das Immunsystem eures Hundes soll in die Lage versetzt werden, sich selber gegen Zecken zu wehren und allen Lästlingen soll das Leben auf eurem Hund so ungemütlich und unattraktiv wie nur möglich gemacht werden. Das bedeutet natürlich, dass auch mal eine andockt oder ein Floh euren Hund sehr lecker findet. Euren Flocki solltet ihr also durchaus nach wie vor absuchen und die Tiere, die es sich auf ihm gemütlich gemacht haben, entfernen.

Ganz besonders möchte ich vor diesen 3-Monatstabletten warnen, an denen jedes Jahr hunderte von Hunden sterben, bzw. an unerfreuliche Nebenwirkungen leiden. Die Aussage, die man immer wieder liest „Mein Hund verträgt das aber sehr gut“ bezieht sich schlicht darauf, dass der Hund das bislang überlebt hat. Wie seine Nieren, seine Leber und andere Entgiftungsorgane damit klarkommen und wie sich das dann anderweitig äußert, wird dabei nicht bedacht. Wenn ihr euren Hunden ein Spotonprodukt draufgemacht habt und feststellt, dass der Hund sich juckt und es einfach nicht verträgt, stellt ihr ihn eine halbe Stunde in die Dusche, und das Zeug ist so gut wie weg. Die Tablette ist drin und ob er sie verträgt oder nicht, merkt ihr erst, wenn er sie geschluckt hat. Und dann? Also: Finger weg.

Wir lösen das Problem so:

Mein Mann und ich finden diese ganze Panikmache übertrieben. Ja, es stimmt, dass Zecken unerfreuliche Krankheiten übertragen, aber nicht jeder, der mit irgendwas infiziert wird, wird krank oder stirbt, und nicht jede Zecke überträgt gleich Pest und Cholera. Das gleiche gilt für Flöhe. Nur weil mal einer auf meinem Hund rumhopst, bedeutet das nicht, dass ein ganzer Clan unser Haus besiedelt hat.

Unsere Hunde werden regelmäßig mehrfach täglich abgesucht, einfach beim Durchknuddeln. Die neuralgischen Stellen sind im Kopfbereich besonders an den Ohren, am Hals, an den Achseln und in der Leiste. Was wir finden, wird rausgemacht, entweder mit einer spitzen Pinzette oder mit einer Zeckenkarte. Wenn meine Fingernägel lang genug sind, auch mit den Fingernägeln. Wichtig ist, dass das schnell geht und die Zecke nicht unnötig lange gequescht wird. Dann wird die Zecke mit Papier zerdrückt und weggeworfen. Flöhe erkennt ihr daran, dass sich die Hunde sehr hektisch im hinteren Rückenbereich beissen, viel kratzen und so kleine, schwarze Kügelchen in der Bürste nach dem täglichen Bürsten hängenbleiben: das ist der Flohkot. Manchmal finde ich den Floh, das überlebt der dann nicht. Manchmal nicht, dann kann man man ihn – also den Hund – mit einer Mischung aus Wasser und Essig abwaschen. Das mögen Flöhe überhaupt nicht und wenn ihr rechtzeitig reagiert habt und ausserdem alle Liegestellen absaugt, ausschüttelt, evtl. in die Waschmaschine oder den Trockner steckt oder wenns kalt genug ist, in die frostige Nacht rauslegt, dann ist das Thema in der Regel schnell durch. Wenn ihr ganz sicher sein wollt, dann zieht ihr eben eine Woche jeden Tag eine etwas intensivere Säuberung eurer Wohnung durch.

Und NEIN: Zecken überleben weder das Zerdrücken noch das Ersäufen, sie müssen nicht unbedingt verbrannt werden, denn sie sind nicht unsterblich und wenn sie tot sind und sich nicht mehr rühren, dann sind sie tot. Da sind wirklich gruselige Schauergeschichten im Umlauf, bitte nicht alles glauben.

Unsere Hunde tragen EM-Halsbänder, das sind hübsche Halsbändchen, in die EM-Kügelchen (Effektive Mikroorganismen) eingeflochten sind. Diese Halsbänder werden 1x im Monat gewässert, in der Sonne getrocknet und dann wieder angezogen. Manche schwören auf Bernstein, das ist mir zu teuer, weil diese Halsbänder nicht sehr stabil sind und leicht kaputt gehen. Wenn man wissen möchte, was funktioniert, muß man das ausprobieren. Es klappt nicht alles bei allen.

1x täglich bekommen meine Hunde kleine Kekse ins Futter, die sie sehr lecker finden. Dazu schmelzt ihr 100 g Kokosfett, lasst das etwas abkühlen, und püriert es mit 1 zerdrückten Knoblauchzehe und 30-40 g Hefeflocken. Das streicht ihr auf einer flachen Platte aus, stellt sie in den Kühlschrank und wenn das Zeug fest ist, schneidet das in fingernagelgroße Stücke. Die bewahrt ihr im Kühlschrank auf und gebt eurem Hund jeden Tag was davon. Ihr könnt eure Hunde auch mit Kokosöl einreiben. Nachdem meine Hunde das so lecker finden, dass sie es dann abschlabern, lasse ich das bleiben.

Dann kann man seinem Hund sparsam (tropfenweise!) Schwarzkümmelöl ins Futter geben. Bei Hunden, die mit der Leber zu tun haben, wäre ich da vorsichtig, da Schwarzkümmelöl auf die Leber geht. Zecken mögen das Zeug gar nicht, eine Möglichkeit wäre also auch, eine Mischung mit Schwarzkümmel herzustellen, mit der man den Hund dann einreibt.

Dann reibe ich sie vor dem Spaziergang mit eine Mischung aus 1/4 Liter Essig, 1/4 Liter Wasser (1:1) und 1/4 eines Fläschchens „Zeckex“ von cdvet ein. Das hält auch die Mücken ganz gut ab, leider nicht die Pferdelausfliegen, und Zecken mögen das anscheindend auch nicht.

Es gibt so Duftmittel aus Teebaumöl, Neem und Geranium. Manche dieser natürlichen Sachen sind auch (!!!) giftig und sie riechen sehr stark, was für empfindliche Hundenasen sicher nicht toll ist. Deshalb nehme ich das nicht, bzw. vermische ich es mit Essig und Wasser, dann ist für die Hundenasen nicht mehr so schlimm.

Wer mit Homöopathie arbeitet, kann seinen Hunden Zeckennosoden geben. Ich gebe die ca. alle 6 Wochen.

Ein sehr guter Schutz ist Rohfütterung. Hunde, die roh gefüttert werden, haben nachweislich deutlich weniger Parasiten und kommen mit dem Befall auch besser klar. Der Grund ist ganz einfach: das Immunsystem von roh gefütterten Hunden ist einfach besser in Form, weil es sich nicht ständig mit Industrienahrung und den darin enthaltenen, schädlichen Stoffen auseinandersetzen muss. Die Darmflora ist gesünder und offenbar riechen roh gefütterte Hunde für Zecken auch nicht interessant.

In Gegenden, in denen es viele Wiederkäuer gibt, also Kühe, Hirsche, Rehe…. minimiert sich die Gefahr, dass Krankheiten durch Zecken übertragen werden. Sowie die Zecke an so einem Tier andockt, reinigt sie sich von Erregern, da sie ja nur auf die roten Blutkörperchen aus sind und irgendwann den Rest mit den Erregern wieder an das Wirtstier abgeben. Denen macht das nichts und für uns bedeutet das, dass viele Zecken in solchen Gegenden frei von Erregern sind.

Ich habe mit den Zecken einen Deal: was ich außerhalb von unserem Grundstück auf den Hunden finde, wird weggeschnipst, was innerhalb sich auf den Hunden rumtreibt, wird ermordet. Solange sie sich dran halten, kommen wir gut klar, die Zecken und ich.

Und nochmal, damit das nicht vergessen wird: Bei allen alternativen Mitteln müßt ihr bedenken, dass sie individuell sind, d.h. dass nicht jeder Hund auf alles gleich reagiert, wenn der eine mit Bernsteinketten oder EM-Halsbändern super klar kommt und kaum noch oder gar keine Zecken mehr hat, heißt das nicht, dass der andere auch damit klar kommt.

Und zum Schluß: Parasiten – oder was wir so nennen – sind nicht auf der Welt um uns zu ärgern und die Pharmaindustrie reich zu machen. Sie haben defintiv ihren Platz in der Welt, auch wenn uns das nicht gefällt. Wenn sich jetzt mehr und mehr Parasiten breit machen, weil durch die Klimaerwärmung, die Trockenheit und andere durch den Menschen verursachte Gründe ihre Verbreitung begünstigen, dann sollten wir nicht mit mehr Gift darauf reagieren, sondern uns Alternativen überlegen und es einfach auch mal aushalten, wenn sich eine Zecke oder ein Floh an unserm Liebling gütlich tut.

Kommt gut durch den Sommer und macht euch nicht verrückt!

Viele Grüße aus dem Forsthaus

Ute Rott

Veröffentlicht unter Allgemein, Ernährung | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Wie man mit Zecken und anderen Lästlingen leben kann, ohne verrückt zu werden

Supernasen – Leben mit jagdbegeisterten Hunden – Leseprobe aus: „Mehr oder weniger gute Ideen, um Hunde vom Jagen abzuhalten“

Ausbremsen – Hier gehst du nicht hinein!

Eine lustige Idee – besonders für Zuschauer – dürfte der Vorschlag sein, breitbeinig vor das Gebüsch oder den Waldrand, hinter dem die Wildtiere lauern, zu springen und dem Hund, der vorhat sich abzuseilen, den Weg zu versperren. Lustig deshalb, weil man bei solchen Aktionen ganz schön schnell sein und über nahezu akrobatische Fähigkeiten verfügen sollte.

Stellen Sie es sich einfach bildlich vor: Ihre Susi hat gerochen, dass ca. 100 Meter hinter dem Busch ein Reh steht. Sie wird schneller und ist mindestens 20-30 Meter vor Ihnen. Irgendwann merken Sie, dass im wahrsten Sinne des Wortes was im Busch ist. In rasender Eile sausen Sie zu dem besagten Busch – falls Sie erkannt haben, welcher das ist – , schmeißen sich zwischen Susi und den Busch und stehen da wie ein Panzer: Da gehst du nicht rein! Ich vermute mal, Susi wird Sie und Ihre Bemühungen gar nicht bemerken, da sie schon längst hinter dem Reh her und über alle Berge ist. Eventuelle Passanten dagegen könnten richtig viel Spaß mit Ihnen und Ihrer skurrilen Vorstellung haben.

An der Leine wird das eine ganz merkwürdige Sache, denn da wird’s ziemlich kompliziert. Zum einen müssen Sie Susi daran hindern, ins Gebüsch zu schlüpfen ehe Sie dort sind. Also müssen Sie die Leine kurz nehmen und Susi irgendwie hinter sich bringen. Dann hüpfen Sie schnell vor und machen wieder den Panzer. Wenn Sie Pech haben, dann gibt’s ordentliche Verwicklungen und Sie landen auf der Nase. Keine schöne Vorstellung – außer für das interessierte Publikum.

Und bevor Sie fragen: nein, das habe ich nicht ausgetestet. Eine Praktikantin hat mir das mal in einem Buch gezeigt, das sie total toll fand, weil so schöne Fotos drin waren. Und das entsprechende Foto war richtig gut. Da stand die Hundetrainerin mit ausgebreiteten Armen vor dem Gebüsch und ihre Hunde standen sichtlich beeindruckt vor ihr auf dem Weg. Die Qualität des Fotos macht es allerdings nicht wahrscheinlicher, dass Sie eine so offensichtlich gestellte Situation vernünftig einüben und sicher ausführen können. Dass Sie auf der Nase landen und Susi trotzdem hinter dem Reh her düst, werden Sie so leider nicht verhindern.

…..

Training am Wildgatter

Eines der Hauptprobleme bei Wildsichtungen ist, dass die meisten Tiere fliehen, sowie sie uns und unsere Hunde bemerken. Das spornt unsere Pelznasen natürlich enorm an, da sie, wie wir weiter vorne gelesen haben, nicht gelernt haben, mit solchen Situationen klar zu kommen und sie richtig einzuschätzen. Ich empfehle deshalb allen meinen Kunden, das mit ihren Hunden zu üben, so lange sie noch jung sind und der Drang, hinterher zu rennen, noch nicht so ausgeprägt ist. Auch orientieren sich Welpen zu 100% an uns und machen nach, was wir vormachen. Wenn wir also stehenbleiben, den Hund für ruhiges Hinsehen loben und großzügig mit Keksen umgehen, und dann auch noch ruhig umdrehen und weggehen, wieder mit viel Lob und Guttis, dann haben Sie gute Karten, dass Ihr Hund versteht, was er bei flüchtendem Wild tun soll. Da es aber selbst in der wildreichen Uckermark nicht immer einfach ist, Wild zu treffen, und zwar so, dass man mit seinem Hund auch noch üben kann, bieten sich als Ersatz Wildgatter an.

Der große Vorteil von Wildgattern ist, dass die Damhirsche, die dort meistens anzutreffen sind, sich sehr ruhig verhalten. Sie wissen, dass ihnen von den Hunden und Menschen, die da stehen und sie anschauen, keine Gefahr droht. Ob ihr Geruch identisch ist mit dem von freilebenden Damhirschen, kann ich nicht beurteilen. Aber ich gehe davon aus, dass der Hund zunächst mal lernt, mit diesem Geruch ein ruhiges, evtl. eher langweiliges „Ich-schau-mir-das-in-Ruhe-an“-Gefühl zu verknüpfen. Wenn sich die Hirsche bewegen, evtl. sogar mal ein paar schnellere Schritte machen, kann man auch das mit „Wir gehen lieber weg“ verbinden, bzw. mit großem Lob und vielen Leckereien bestätigen, dass ruhiges Hinsehen und entspanntes Weggehen einfach nur großartig sind. Sehr viel mehr ist aber nicht drin. Wenn sich nie die Gelegenheit ergibt, etwas Vergleichbares in freier Natur zu üben, dann können wir uns nicht sicher sein, ob es im Ernstfall tatsächlich klappt, dass unsere Pelznase bei uns bleibt und nicht hinterher düst.

….. weiter geht’s auf Seite 63

Bis 01.Juli 2022 kann das Buch zum Subskriptionspreis von € 16,90 anstelle € 19,90 (+ Versandkosten) bestellt werden bei:
https://philocanis.de/shop
oder ute.rott@yahoo.com

Veröffentlicht unter Gewaltfreies Hundetraining, Leseproben, Nasenarbeit, PhiloCanis Verlag | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Supernasen – Leben mit jagdbegeisterten Hunden – Leseprobe aus: „Mehr oder weniger gute Ideen, um Hunde vom Jagen abzuhalten“

Supernasen – Leben mit jagdbegeisterten Hunden – Leseprobe aus: „Was bedeutet das: mein Hund jagt?“

…….

Wildcaniden hetzen erst los, wenn sie sich sicher sind, dass dieser Jagdversuch nicht beim Versuch bleibt, sondern vom Erfolg gekrönt wird. Als Jungtiere werden ihre Misserfolge – vielleicht – von ihren Eltern und anderen Rudelmitglieder abgefangen, aber Sie können davon überzeugt sein, dass junge Wildcaniden alles daransetzen, gute Jäger zu werden. Sie lernen rechtzeitig, wann es sinnlos ist, los zu sprinten und wann es Erfolg verspricht. Und genau das lernen die meisten unserer Hunde nicht. Das ist mit der Grund, warum man Videos von Wölfen im Internet findet, die ganz geruhsam an Rehen vorbeilaufen, durch weidende Kuhherden schlendern oder in angemessener Entfernung – wegen des Herdenschutzhundes – Schafherden passieren. Hunde leinen wir in der Regel in solchen Fällen an, weil sie nicht oder nicht ausreichend gelernt haben, damit umzugehen und die Situation richtig einzuschätzen.

Dazu kommt, dass wir mit diesen absurden und überflüssigen Wurfspielen Balljunkies erzeugen. Das Wort „Junkie“ nehmen Sie bitte wörtlich, denn die Hunde werden süchtig nach dem Adrenalinkick. Auch der ganze Körper wird geschädigt. Hunde sind Zehengänger, wenn sie losrennen oder eine Vollbremsung machen, geht die Hauptlast auf die Zehen. Sehen Sie sich bitte eine Darstellung eines Hundeskeletts an und überlegen Sie, was passiert, wenn ein Hund aus vollem Lauf abbremst, um einen Ball zu erwischen oder einen irren Sprung in die Luft mit anschließender Landung macht, um ein Frisbee zu fangen. Das geht immer durch den ganzen Körper und wenn Bello 4 bis 5 Jahre alt ist, wundern wir uns, warum er dauernd humpelt und Schmerzen hat. Dann rennen wir zum Tierarzt und zum Physiotherapeuten, aber die können dann auch nichts mehr ändern.

Jagen bedeutet also für Wildcaniden etwas komplett anderes als für unsere Couchpotatoes:
1. Wildcaniden lernen von Anfang an mit Misserfolgen umzugehen – wir verschaffen unseren Hunden bei Wurfspielen ein 100%iges Erfolgserlebnis.
2. Bei Wildcaniden endet der Jagdausflug entweder damit, dass man sich etwas anderes suchen muss oder dass man sich satt essen kann. Das können sie sehr schnell einschätzen und vermeiden damit unnötige Vergeudung ihrer Kräfte. Bei Hunden wird in der Regel das Spiel solange fortgesetzt, bis der Hund vollkommen am Ende ist oder bis der Mensch nicht mehr kann oder will, der Hund dagegen möchte überhaupt nicht aufhören. Unterbrechung solcher „Spiele“ durch den Hund sind in der Regel unerwünscht, er lernt es also nicht.
3. Nach einer erfolgreichen Jagd und dem ausgiebigen Mahl schlafen Wildcaniden ca. 6-8 Stunden. Das ist ziemlich genau die Zeit, die der Körper braucht, um die Mahlzeit zu verdauen und die für die Jagd notwendigen Stresshormone abzubauen. Ob nach einem wilden „Frisbeetraining“ für Hunde tatsächlich eine Pause möglich ist, kann bezweifelt werden, da viele dieser Hunde gar nicht mehr wissen, wie sie zu Ruhe kommen können. Darum quillt das Internet ja auch über mit Fragen: Wie bringe ich meinen Hund zur Ruhe?
4. Außer bei Kleintieren wie Mäusen jagen Wildcaniden gerne und erfolgreich im Rudel. Hunde brauchen für ihre „Jagdspiele“ nicht mal mehr einen Partner, denn es gibt jede Menge Apparate, die das Werfen übernehmen. Bei ihnen fehlt damit auch die soziale Komponente der gemeinsamen Jagd.

Für Wildcaniden bedeutet Jagen somit generell:
– eine lustvolle Tätigkeit, die mit einem guten Essen endet
– mit Mitgliedern der Familie gemeinsam eine wichtige Sache für alle zu erledigen
– die Fähigkeit zu erlernen, mit Misserfolgen fertig zu werden
– viele Varianten der Jagd auszuprobieren
– die eigenen Fähigkeiten und Talente nutzbringend für alle einzusetzen und damit Anerkennung zu bekommen
– das Wissen, dass sie sich und ihre Kinder im Notfall auch alleine durchbringen
– Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Für Hunde bedeutet Jagen in den meisten Fällen:
– das permanente Verbot, etwas zu tun, was eigentlich lebensnotwendig ist
– Ersatzbeschäftigungen, die nur ansatzweise den gleichen Erfolg bieten wie die richtige Jagd
– Ersatzbeschäftigungen, die krank machen
– die Unfähigkeit mit Misserfolgen fertig zu werden
– nur wenige Varianten der Jagd zu kennen, nämlich die, die der Mensch zulässt
– alles nur nach Aufforderung und Anweisung auszuführen
– keine Möglichkeit, die eigenen Fähigkeiten zu entdecken und zu entwickeln…..

Ganz schön frustrierend, finden Sie nicht?

….weiter geht’s auf Seite 27

Bis 01.Juli 2022 kann das Buch zum Subskriptionspreis von € 16,90 anstelle € 19,90 (+ Versandkosten) bestellt werden bei:

https://philocanis.de/shop
oder ute.rott@yahoo.com

Veröffentlicht unter Leseproben, Nasenarbeit, PhiloCanis Verlag | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Supernasen – Leben mit jagdbegeisterten Hunden – Leseprobe aus: „Was bedeutet das: mein Hund jagt?“

Supernasen – Leben mit jagdbegeisterten Hunden – Leseprobe aus „Jagen – nur ein Hundevergnügen?“

Wenn Menschen über das Jagdverhalten ihrer Hunde reden, dann hört sich das meistens nicht sehr nett an. Vorwürfe über Vorwürfe hageln auf den Hund herab. Denn er ist überhaupt nicht kooperativ, blendet unverschämterweise die Anwesenheit seines Menschen komplett aus, interessiert sich nicht im geringsten für den Mittelpunkt seiner Hundewelt….. Das Einzige, was den Vierbeiner dann noch interessiert, ist das Mauseloch, der Maulwurfshaufen, die Rehe, wahlweise Hasen auf der Wiese und was es an tierischen Versuchungen in der Welt sonst noch so gibt, und das geht überhaupt nicht. Denn das ist der klare Beweis dafür, dass er keine oder eine ganz schlechte Bindung an seinen Menschen hat.

Nachdem bei uns zwei Hunde leben, die sich ganz außerordentlich für das tierische Leben im Wald interessieren, der unser Haus umgibt, weiß ich sehr wohl, dass es nicht immer ganz einfach ist, mit solchen Hunden entspannt spazieren zu gehen. Aber ist das wirklich die Schuld der Hunde? Und hat das wirklich mit Desinteresse an uns oder einer schlechten Bindung zu tun?

Sehen wir uns doch mal an, welchen Freizeitbeschäftigungen Menschen frönen. Treiben Sie gerne Sport? Fußball oder Tennis? Oder segeln Sie gerne und nehmen auch mal an einer Regatta teil, egal ob aktiv oder als Zuschauer? Sammeln Sie irgendwas? Überraschungseier, Kaffeekannen oder Bierdeckel? Vielleicht lieben Sie auch Brettspiele wie Mensch-ärgere-dich-nicht oder Monopoly? Wenn Sie irgendeine der genannten Tätigkeiten tatsächlich gerne ausüben, geben Sie mir dann Recht, wenn ich sage, dass Sie gerne jagen? Denn was sind Fußball oder Tennis anderes als Jagdspiele? Auch eine Segelregatta oder ein anderer Wettbewerb – könnte man da nicht sagen, hier geht’s um die Jagd nach Erfolgen und Pokalen? Oder Sammlerleidenschaft. Jagen Sammler nicht von einem Flohmarkt, einem Trödlerladen, einer Auktion zur anderen immer auf der Suche nach dem neuesten Objekt der Begierde? Bei den Brettspielen wollen Sie auch vor allen anderen die höchste Punktzahl haben – jagen Sie da etwa nach Punkten?

Haben Sie sich schon mal Gedanken darüber gemacht, wie sich manche Auto- oder Radfahrer im Straßenverkehr benehmen? Ich könnte Ihnen Geschichten aus meiner Zeit im Außendienst erzählen, wie ich mir Rennen mit anderen Autofahrern auf der Autobahn geliefert habe, da würden Ihnen die Haare zu Berge stehen. War das was anderes als eine Jagd?

Wenn mein Mann begeistert verfolgt, ob Bayern München auch dieses Jahr wieder Deutscher Meister wird, heißt das dann, dass er mich nicht liebt? Oder dass seine Bindung an mich sehr schlecht ist? Finden Sie das lustig? Ich auch. Denn ich weiß ganz genau, dass das nicht stimmt. Genauso wenig wie bei Hunden.

Und was ist mit den „richtigen“ Jägern, mit denen, die tatsächlich mit Gewehr und allerhand mehr oder weniger sinnvoller Ausrüstung die Wälder und Wiesen unsicher machen? Die wirklich und wahrhaftig Tiere erschießen, entweder um sie zu essen oder als „Ungeziefer“ zu beseitigen oder um mit ihnen als Trophäe zu protzen. Diese Jäger und Jägerinnen geben richtig viel Geld aus, damit sie das dürfen und sie werden von vielen Menschen sehr bewundert und beneidet. Ihre Tätigkeit wird nach wie vor von den meisten Menschen als nützlich und notwendig erachtet.

Aber wenn Ihr Hund ein Mäuschen ausgräbt, dann begeht er ein Verbrechen?

….. weiter gehts auf Seite 10

Bis 01.Juli 2022 kann das Buch zum Subskriptionspreis von € 16,90 anstelle € 19,90 (+ Versandkosten) bestellt werden bei:

https://philocanis.de/shop
oder ute.rott@yahoo.com

Veröffentlicht unter Leseproben, Nasenarbeit, PhiloCanis Verlag | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentare deaktiviert für Supernasen – Leben mit jagdbegeisterten Hunden – Leseprobe aus „Jagen – nur ein Hundevergnügen?“

Vegan contra Rohfütterung?

Es gibt mal wieder einen neuen Trend bei der Hundefütterung: vegane Ernährung. Wie immer, wenn etwas Neues als die Lösung für egal welches Thema angepriesen wird, sollte man genau hinsehen.

Damit das klar ist: ich selber ernähre mich zu ca. 98% vegan, 98 % deshalb, weil es Situationen gibt, in denen es einfach schwierig ist. Da greife ich dann zu den vegetarischen Alternativen. Ich würde es sehr gut finden, wenn immer mehr Menschen sich für eine vegane Ernährung entscheiden würden. Die Argumente sind bekannt: Massentierhaltung und Tierwohl gehen nicht zusammen, genauso wenig Massentierhaltung und Umwelt- und Klimaschutz. Menschen können sich sehr unkompliziert vegan ernähren, da bis auf ganz wenige Inhaltsstoffe so gut wie jedes fleischhaltige Lebensmittel durch ein pflanzliches ersetzt werden kann. Wenn man sich ein wenig damit befasst, kann man sogar weitgehend ohne Ergänzungen auskommen.

Geht das jetzt auch bei Hunden? Schließlich gibt es mittlerweile jede Menge Studien, die behaupten, dass vegane Ernährung eine sehr gute Alternative wäre. Auch Tierärzte raten dazu, denn roh gefütterte Hunde hätten mehr Probleme als vegan ernährte – angeblich.

Die Studien, die ich gesehen habe, lassen diesen Schluß nur leider nicht zu. Es wird nicht genauer ausgeführt, auf welcher Grundlage man gesundheitliche Probleme explizit der Ernährung zuordnen kann. Vielleicht haben manche ja ihre Ursache in Inzucht, grundsätzlich schlechter Haltung und falscher Aufzucht. Außerdem schneiden roh gefütterte Hunde – geringfügig aber doch besser ab als alle anderen. Ich konnte auch nicht herausfinden, wer diese Studien in Auftrag gegeben hat, und das macht mich dann schon immer misstrauisch. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass welches Forschungsinstitut auch immer einfach mal so aus Jux und Dollerei doch recht aufwendige und damit kostenintensive Studien durchführt, weil ihnen grad danach ist und ohne zu wissen, wer das bezahlt. Falls also jemand weiß, wer diese Studien in Auftrag gegeben hat, wäre ich sehr dankbar für die Information.

Es gibt einige Gründe, warum man einer veganen Ernährung von Hunden und Katzen kritisch gegenüber stehen sollte. Wir sehen uns das mal ein bisschen genauer an.

– Hunde und Katzen sind keine Allesfresser im Sinn von Schweinen, die buchstäblich alles fressen, was ihnen so in den Weg kommt. Genauso wenig wie Menschen Allesfresser sind. Katzen sind tatsächlich reine Beutetierfresser, die sehr gut mit einer Ernährung klarkommen, die aus Beutetieren, sprich Mäusen, Maulwürfen und Vögeln besteht. Hunde haben ihre Verdauung durch ihr Leben mit den Menschen ein wenig angepasst und sind deshalb in der Lage Kohlehydrate in geringem Mass zu verdauen. Mit einer Kost, die überwiegend aus Schlachtabfällen aller möglichen Tiere und einem geringen Gemüseanteil besteht, kommen sie hervorragend klar. Menschen dagegen sind in der Lage sich rein vegan zu ernähren und ihren Eiweißbedarf pflanzlich zu decken. Wer sich sehr gut auskennt, muß nicht mal Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen. Man kann das gut nachvollziehen, wenn man sich die Gebisse und den Verdauungstrakt der verschiedenen Tiere ansieht. Das auszuführen, sprengt den Rahmen dieses Artikels.

– Es gibt pflanzliche und tierische Proteine. Ob es tatsächlich möglich ist für Beutetierfresser, ihren Bedarf an Proteinen pfanzlich zu decken, darf bezweifelt werden. Tierärzte, die dem ganzen nicht so richtig trauen, raten zur vegetarischen Ernährung von Hunden und da wirds dann schon kompliziert. Denn auch Milchprodukte stammen von Tieren aus Massentierhaltung. Für mich ist das Joghurt oder der Quark aus angeblicher Biohaltung ethisch deutlich verwerflicher, denn hier nehme ich einem Tierkind die Nahrung weg, die für es vorgesehen ist – egal ob die Haltung bio ist oder nicht. Und was mit den meisten Kälbchen und Lämmern in ihrem kurzen Leben passiert, ist alles mögliche aber ganz sicher nicht ethisch einwandfrei.

– Ich bin davon überzeugt, dass man gute und wohlschmeckende vegane Mahlzeiten für Hunde zubereiten kann. Wenn ich meinen Hunden Räuchertofu, veganen Käse oder vegane Würstchen anbiete, finden sie das sehr lecker. Aber zu einer guten und ausgewogenen Ernährung gehört einfach mehr. Dazu gehört auch, dass man kaut, bzw. im Fall der Hunde sein Fleisch oder seinen Knochen zerkleinert und daran herumnagt. Das finden Hunde nicht nur toll, das ist auch wichtig zum Zähneputzen und um den Magen auf die Mahlzeit vorzubereiten. Wenn man sein Essen einfach so runterschluckt – und das tut man automatisch, wenn man breiiges oder suppiges Essen vorgesetzt bekommt, dann ist das weder für die Zähne noch für die Verdauung gut.

– Selbstverständlich gibt es veganes Trockenfutter. Na toll! Trockenfutter ist grundsätzlich denaturiert, die Verarbeitung ist angepasst an die Maschinen, mit denen es verarbeitet wird und es ist in der Regel so hoch erhitzt, dass alles, was vorher an guten Zutaten – vielleicht – drin war, ganz sicher tot ist. Zudem erzeugt Trockenfutter schlicht und ergreifend durch den zu geringen Wassergehalt gesundheitliche Probleme. Alles, was auf Erden so rumläuft, hat einen Wassergehalt von mindestens 70%, Trockenfutter dagegen einen Gehalt von 6-10%. Das auszugleichen, indem der Hund entsprechend mehr trinkt, ist defacto unmöglich. Nierenerkrankungen sind also vorprogrammiert. Zudem ist es schwer verdaulich, es hat eine Verdauungszeit von teilweise 12-14 Stunden, Rohfutter dagegen 6-8 Stunden. Es liegt viel zu lange im Magen und ist deshalb oft die Ursache für Magendrehungen.

Jetzt sehen wir uns mal die angeblichen Nachteile und Gefahren der Rohfütterung an.

– „Zudem hat bereits eine große Anzahl früherer Studien erwiesen, dass rohes Fleisch viel stärker von pathogenen (krankheitserregenden, Anm.) Bakterien und Parasiten befallen ist.“ Dies ist ein Zitat aus einer Zusammenfassung. Welche Parasiten und Bakterien hier gemeint sind und inwiefern sie für Hunde schädlich sind, kann vermutlich niemand nachvollziehen, der seine Hunde roh füttert. Es wurde meines Wissens nie nachgewiesen, dass Hunde dadurch krank werden. Hunde, die roh gefüttert werden, haben eine deutlich aggressivere Magensäure (3,5%) als Hunde, die Industriefutter bekommen. Ich könnte mir vorstellen, dass das auch Hunde betrifft, die vegan ernährt werden, denn für sie ist eine aggressive Magensäure nicht notwendig zur Verdauung. Diese Magensäure ist durchaus in der Lage, Bakterien und Parasiten, die nicht in den Hund hineingehören, abzutöten. Ein Problem kann es tatsächlich geben, wenn Menschen fahrlässig mit dem Hundefleisch umgehen. Allerdings weiß ich nicht so genau, was einen davon abhält, sich nach der Fütterung die Hände zu waschen. Abgesehen davon gilt das für jedes Fleisch, also auch Fleisch für menschlichen Verzehr.

– Dass Muskelfleisch nur in geringem Umfang an Hunde verfüttert werden sollte, sollte eigentlich jedem bekannt sein, der sich auch nur ein wenig mit gesunder Hundeernährung befasst. Und wer beschließt, seinen Hund mit Rohfleisch zu füttern, der sollte sich ganz dringend damit beschäftigen. Leider werden unsere sog. „Nutz“tiere so gezüchtet, dass der Eiweißgehalt sehr hoch ist, bis zu 35% – weil’s gut schmeckt. Da wir eine vollkommen irrsinnige Überproduktion an Fleisch haben, bleibt für die Hunde eben beim Schlachten nicht nur das übrig, was ihnen bekommt, sondern auch Muskelfleisch. Und weil Menschen eben denken, „was mir schmeckt, schmeckt auch meinem Hund“, füttern sie ihn mitHerz und Muskelfleisch und Beinscheiben, die aus viel zu harten Knochen und Muskelfleisch bestehen, anstatt mit Pansen, Blättermagen und echten Schlachtabfällen wie Fell, Haut, Sehnen, Fett, Adern und einem Anteil Fleisch. Das ist ein Problem, das man leicht lösen kann, indem man seinem Hund einfach kein oder nur selten Muskelfleisch gibt.

– Ebenso sollte jedem klar sein, dass es nicht reicht, seinem Hund einfach jeden Tag die gleiche Sorte Fleisch in den Napf zu kippen. Selbstverständlich muß man sich schon eine Art Plan machen, welche Sorten man wann füttert, wann Rind, wann Pferd, wann Lamm und wann Knochen. Es gehört einfach dazu, wenn man seinen Hund gesund ernähren will, dass man sich mit der Materie ein wenig befasst. Wenn man das nicht tut, sollte man sich über Mangelerscheinungen nicht wundern, Wer das nicht will, kann seinem Hund ja gerne Fertigfutter geben, in dem angeblich „alles drin ist, was der Hund so braucht“. Allerdings sollte man sich nicht wundern, wenn auch das in die Hosen geht.

2003 habe ich meine Hunde umgestellt auf Rohfütterung. Ich darf nicht daran denken, was ich damals für einen Unfug gemacht habe, aber man lernt ja dazu. Allerdings war das die Anfangszeit der Rohfütterung, bzw. des Barfens. Es war nicht so einfach, sich entsprechend zu informieren. Durch Bücher, Vorträge und die intensive Beschäftigung damit, was Hunde wirklich brauchen, werden meine Hunde heute sehr ausgewogen und gesund ernährt. Der älteste Hund, den ich auf Rohfütterung umgestellt habe, war mein alter Anton, der mit 13,5 Jahren bei uns einzog und von Tag zu Tag – auch durch die Ernährung – gesünder und vitaler wurde. Er wurde 16,5 Jahre alt.

Ca. 90% meiner KundInnen füttern auf meinen Rat hin ihre Hunde roh. Wenn die Tierärzte hören, dass jemand auf mein Anraten hin die Ernährung seines Hundes umgestellt hat, sagen sie oft Dinge wie: Bei Frau Rott sind sie da in guten Händen. Meine Hunde und die Hunde meiner KundInnen haben so gut wie keine Parasiten, sie sind selten krank und müssen äußert selten entwurmt werden. Es kann also nicht so falsch sein, was wir da machen.

Jetzt verstehe ich ethischen Argumente der Verfechter einer veganen Hundeernährung sehr gut. Und ich halte es für dringend erforderlich, dass wir Schluss machen mit der Massentierhaltung. Da aber ganz sicher auch in einer Zeit nach der Massentierhaltung Menschen Fleisch essen werden, kann ich mir gut vorstellen, dass dann eben das übrig bleibt, was für die Hunde vollkommen ausreicht: Schlachtabfälle. Die Lösung kann allerdings nicht sein, nach allem, was wir Hunden sowieso schon antun, ihnen ein Futter aufzudrängen, das für sie dauerhaft nicht gut sein kann. Das gilt für Hunde wie auch für Kühe und Schafe, denen man Tiermehl verfüttert hat und die dadurch krank geworden sind. Die Lösung, wenn jemand mit der Problematik „mein Hund frisst Fleisch“ nicht klar kommt, heißt ganz einfach: so jemand kann weder einen Hund noch eine Katze haben. Leider.

Und weil wir schon mal dabei sind, empfehle ich allen, die sich ein bisschen genauer informieren wollen, mein Buch „Wohl bekomm’s – Dein Hund ist, was er frisst“. € 14,90 + Versandkosten
kann hier bestellt werden: https://philocanis.de/shop

Veröffentlicht unter Ernährung | Verschlagwortet mit , , , | Kommentare deaktiviert für Vegan contra Rohfütterung?

Wieviel Hunde braucht ein Hund?

Menschen und Hunde sind soziale Lebewesen, das bedeutet, dass sie kein gutes Leben führen können, wenn sie zu wenig Sozialkontakt, sprich zu wenig Hunde- oder Menschenkontakt haben. Aber was heißt das? Zu wenig, oder zu viel, oder genau richtig? Gibt es da Richtlinien, an die man sich ganz grundsätzlich halten kann.

Die Anwort ist ein eindeutiges: kommt drauf an. Nämlich auf deinen Hund.

Es gibt Menschen, die fühlen sich am wohlsten mitten im Gewühl, in einem Hochhaus mit 100 Wohnungen, auf gesellschaftlichen Events wie der Loveparade oder Konzerten mit tausenden von Besuchern. Andere finden das gruselig und gehen wenn überhaupt nur zu gesellschaftlichen Anlässen, wo wenige Menschen hinkommen, leben lieber irgendwo in der Einsamkeit, z.B. in angemessener Entfernung vom Dorf im uckermärkischen Wald so wie ich, Einkaufscenter sind ihnen ein Greuel und sie sind lieber für sich. Das bedeutet nicht, dass die einen sozialer als die anderen sind, sie haben schlicht andere Bedürfnisse, was Sozialkontakte betrifft.

Berta und Lucy
Ungleiche Freundinnen

Bei Hunden ist das durchaus vergleichbar, allerdings finden die meisten Hunde unseren menschlichen Drang zur Enge eher unangenehm. Das hängt natürlich auch damit zusammen, wie man seinen Hund damit vertraut macht. Denn wenn ein Hund nunmal in der Großstadt landet, und schon beim Verlassen der Wohnung auf 3-4 Hunde trifft, dann muß er lernen damit klar zu kommen.

Die Frage ist allerdings: muß er mit denen allen befreundet sein? Muß er ständig und überall Hunde treffen, mit denen er „spielen“ kann? Möchte er das überhaupt?

Es gibt Hunde, die sind deutlich interessierter an Hundekontakten als andere. Ganz pauschal kann man die Retreiver nennen, allen voran die Goldies. Das ist eigentlich nett, aber leider finden das andere Hunde nicht unbedingt lustig, wenn der supernette und sehr spielbegeisterte Labi oder Goldie mit den besten Absicht angerannt kommt, denn andere Hunde haben einfach andere Prioritäten und andere Bedürfnisse. Der andere Hund kann krank sein und ist deshalb schutzbedürftig, er kann schlechte Erfahrungen mit anderen Hunden gemacht haben, aber kann auch einfach einer sein, der grundsätzlich nicht so wild auf Hundekontakt ist und viel Distanz braucht. Und das ist sein gutes Recht.

Indiane
Indiana legt überhaupt keinen Wert auf Kontakt mit fremden Hunden. Wenn sie vorbeigehen – kein Problem.

So weit, so gut. Aber ist das nicht gemein, wenn mein Hund, der so gerne spielt, nicht genug Hundekontakt hat?

Da stellt sich mir die Frage, was ist wichtiger? Quantität – also viel Hundekontakt – oder Qualität – nämlich wenig, aber guter Hundekontakt? Ich behaupte, für alle Hunde ohne Ausnahme ist die Qualität definitiv wichtiger.

Welpen von freilebenden Hunden, also ca. 70% der auf der Welt lebenden Hundepopulation, wachsen eher isoliert auf. Ihre Mutter würde ihnen keinen Gefallen tun, wenn sie sie in fremde Reviere stolpern ließe. Sie lernen sehr früh von ihr, dass man im Zweifelsfall ausweicht und wenn, dann sehr vorsichtig Kontakt mit fremden Hunden aufnimmt. Freilebende Junghunde, die sich selbständig machen, suchen oft sehr lange, bis sie entweder ein freies Revier oder eine Gruppe, die sie aufnimmt, gefunden haben. Gespielt wird auch nicht mit wildfremden Hunden, denen hund unterwegs mal so eben über den Weg läuft, sondern mit den Gewistern oder mit den Freunden in der Gruppe.

Und für unsere Hunde soll es ein essentielles Bedürfnis sein, mit jedem Hund Kontakt aufzunehmen und womöglich auch zu spielen? Bringen wir da nicht irgendwas durcheinander?

Landra und Loni
Liebevolle Mütter spielen gerne mit ihren Kindern

Ist das überhaupt „Spiel“, was wir bei Begegnungen mit fremden Hunden und auf Hundewiesen sehen? Eher nicht. Denn Spiel ist nur in entspannter Umgebung mit vertrauten Partnern möglich. Denn wenn man seine Spielpartner nicht einschätzen kann, und wer kann das schon, wenn man sich gerade kennen gelernt hat, dann ist das, was Menschen oft als „Spiel“ interpretieren, wohl eher ein spielerisches, gegenseitiges Abschätzen. Wenns gut läuft. Wenns nicht gut läuft, geht so ein „Spiel“ schon mal gründlich in die Hose. Vielleicht findet der Ältere den Jungen sehr aufdringlich und bringt ihn nur dazu aufzuhören, indem er ihn heftig maßregelt. Das muß gar nicht böse gemeint sein, denn der Youngster versteht ihn einfach nicht.

Was ist die Alternative?

Ausgewählte, freundliche Kontakte mit wenigen, netten Hunden, die gerne ein bisschen Zeit miteinander verbringen und sich auch wirklich gut leiden können – das ist es, was Hunde tatsächlich brauchen. Das kann ganz schnell gehen, dass sie Freundschaft schließen, aber manchmal entwickelt sich das erst. Mein Maxl hat immer großes Interesse an unseren Gästehunden, kann aber nicht alle begrüßen, weil die das eben nicht unbedingt wollen. Einen durfte er letztes Jahr kennenlernen, den schwarzen Pudel Idefix. Und das war von beiden Seiten Liebe auf den ersten Blick. Das zeigt sich aber nicht in wildem Getobe, sondern eher in einer sehr innigen Gemeinschaft: zusammen an den gleichen Stellen schnüffeln, die Nähe des anderen suchen oder, wie in diesem Fall, bei gemeinsamen Autofahrten lieber zusammen im Kofferraum beim Maxl sitzen als bei Frauchen auf dem Schoß. So etwas gibt es nicht oft, aber das gibt es.

Maxls anderer Freund, auch ein schwarzer, mittelgroßer Hund namens Balu, war ihm im Junghundetraining anvertraut. Er hat ihm beigebracht, dass man nicht ständig rumrennen und großes Theater machen muß, dass es viel wichtiger ist, mit der Nase die Welt zu erkunden, dass an der Leine nicht getobt wird, zusammen die Gegend absuchen und einscannen ist viel spannender. Aus dieser „Erziehungs“gemeinschaft hat sich eine tiefe Freundschaft entwickelt, die jetzt schon fast 8 Jahre andauert.

Bei beiden Freundschaft ist das besondere, dass sie für oberflächliche Betrachter sehr unspektakulär wirken, denn die Hunde „machen ja nix“. Das stimmt sogar irgendwie, dann sie sind einfach zusammen, gehen gemeinsam spazieren, sitzen zusammen mit uns auf einer Bank und machen Pause, schnüffeln an interessanten Spuren und machen sich gegenseitig auf Sachen aufmerksam, die Hunde gut finden – und das ist Qualität. Und das brauchen Hunde – ALLE!

Maxl und Pogo
Maxl und Pogo waren sehr gute Freunde, sie haben sich immer gegenseitig besucht, wenn Pogo mit dem Wohnwagen da war.

Lasst die Hundewiesen und ihr unsägliches Gewusel links liegen und sucht euren Hunde Freunde. Euer Hund wird euch schon sagen, wenn er einen anderen nett findet oder eben nicht. Ein guter Freund ist viel wert im Hundeleben, es dürfen auch zwei oder drei sein. Schaut einfach, wie es eurem Hund nach Hundebegegnungen geht. Ist er aufgeregt und überdreht? Oder zufrieden und müde? Kriegt er sich gar nicht mehr ein, wenn er einen Hund sieht? Oder schaut er erstmal genau hin, ob der ihm auch zusagt? Das kann jeder Hund lernen, ihr müßt es ihm eben zeigen, wies geht.

Zugegebenermaßen ist das mit manchen Hunden nicht leicht hinzukriegen. Aber alle finden dauerhauft wenige Freundschaften besser als wahllose Tobegemeinschaften.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentare deaktiviert für Wieviel Hunde braucht ein Hund?