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Viele Wege führen nach Rom und die gewaltfreien sind schöner und besser für Mensch und Hund.

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Wohl bekomm’s – Dein Hund ist, was er frisst! – 2. Leseprobe

Hier könnt ihr mal in das Kapitel “Krankheiten durch Industriefutter” reinlesen:

Es ist ein leider weitverbreiteter Irrtum zu glauben, dass man alle gesundheitlichen Probleme durch Ernährung in den Griff bekommt. Wenn ein Hund Stoffwechselprobleme aufgrund von Inzucht hat, dann verschwinden diese nicht wie durch ein Wunder, wenn man ihn roh füttert. Aber man kann sehr viel lindern. Wenn man allerdings ausschließlich Industriefutter füttert, sollte man sich nicht wundern, wenn sich jede angeborene Problematik verstärkt, bzw. neue Krankheiten dazukommen, die absolut vermeidbar wären.

Noch nie gab es so viele Zivilisationskrankheiten bei Hunden wie heute, dazu zählen:
– Allergien
– Diabetes
– Bauchspeicheldrüsenerkrankungen
– Erkrankungen des Bewegungsapparates, wie z.B. Spondilose, Arthrose
– Herzprobleme
– Über-, Untergewicht
– Verdauungsprobleme
– Schilddrüsendysfunktionen
– Ohr- und Analdrüsenentzündungen
– Nieren- und Leberschäden
– Gebärmuttervereiterungen
– Zahnstein
– verfrühte Alterung
– Tumorerkrankungen
– Verhaltensauffälligkeiten in verschiedenen Formen, wie z.B. Hyperaktivität
– Magendrehung

Häufig hört man, dass man sich früher nicht so um die Hunde gekümmert hätte, also hätte man auch gar nicht gemerkt, wenn ein Hund krank gewesen sei. Außerdem hätte man angenommen, dass Hunde manche Krankheiten gar nicht bekommen können. Das ist sicher richtig, aber nicht jeder Hundehalter in früheren Zeiten hat so gehandelt. In meiner Familie gab es immer Hunde und auf die wurde sehr gut geachtet. Sie wurden gut gefüttert
und sauber gehalten, man ging regelmäßig mit ihnen zum Tierarzt, sie bekamen viel Zuwendung und sie hatten genügend Auslauf und Bewegung. Ich glaube nicht, dass meine Familie die große Ausnahme, sondern dass das durchaus normal war.

Krankheiten entstehen nicht nur durch falsches Futter, sondern auch durch schlechte Haltung, groben Umgang und Inzucht. Schlechte Haltung, wie z.B. Zwinger- oder Kettenhaltung, und grober Umgang erzeugen Stress und Stress schädigt das Immunsystem. Also können sich leichter Krankheiten einnisten. Damit wollen wir uns hier nicht befassen, da ich davon ausgehe, dass Menschen, die in meine Hundeschule kommen und meine Bücher lesen, einen freundlichen Umgang mit ihrem Hund pflegen.

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Wohl bekomm’s – Dein Hund ist, was er frisst! – Leseprobe

Hier könnt mal reinlesen in das Kapitel: “Alles drin, was der Hund so braucht?”

Eines der Hauptargumente, warum Trockenfutter, bzw. Industriefutter verfüttert werden soll, ist: da ist alles drin, was der Hund braucht. Bei den Kohlehydraten haben wir schon gesehen, dass dieses Argument mehr als zweifelhaft ist. Wenn dem so ist, dann sollte man sich zuallererst die Frage stellen, wie Hunde die lange Zeit ihrer Anwesenheit auf Erden überleben konnten ohne Trockenfutter, dafür mit frisch erbeuteten Mäusen, Hasen und Rehen, ausgeleerten Mülleimern, abgesuchten Müllplätzen und Essensresten vom Tisch ihrer Besitzer. Nein, ich bin nicht der Meinung, dass Sie Ihrem Bello zukünftig den Mülleimer zur Selbstversorgung hinstellen sollen. Aber wenn es wahr ist, dass nur in Industriefutter alles enthalten ist, was Hunde brauchen, dann dürften anders ernährte Hunde ja nicht lange überleben. Wäre zumindest logisch. Wir wollen diese Aussage einmal genauer untersuchen und dann werden wir sehen, was dran ist.

Wenn wir als Beispiel das vorher angeführte Dosenfutter nehmen, stellen wir fest, dass mindestens vier Fleischsorten enthalten sind: Wild, Lamm, Rind und Kaninchen. Da sollte sofort auffallen, dass es diese Zusammensetzung in der Natur nicht gibt. Die verschiedenen Eiweißsorten sind auch unterschiedlich gut verdaulich und sollten deshalb nicht vermischt werden. Denn wenn die Verdauungszeiten nicht zusammenpassen, gibt es wieder – wie oben schon erwähnt – Probleme im Darm. Dann haben wir noch jeweils 4% Möhren und Erbsen. Möhren sind für Hunde de facto unverdaulich, sie müssen wie andere Bestandteile bearbeitet, z.B. erhitzt werden, was bei Dosenfutter ja auch passiert. Nur wissen wir, dass bei Erhitzung Vitamine und Enzyme beschädigt, bzw. vernichtet werden.

Erbsen gehören zu den Hülsenfrüchten, die zum einen sehr viel Stärke, also Kohlehydrate und pflanzliches Eiweiß enthalten, zum anderen gehören sie zu den Gemüsesorten, die man an Hunde überhaupt nicht verfüttern sollte, da sie eigentlich giftig sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie besser verträglich sind, nachdem sie bearbeitet wurden, ist gegeben, aber warum sollte man etwas aufwendig bearbeiten, um es verdaulich zu machen? Gibt es keine Alternativen? Doch, gäbe es. Aber wenn wir verschiedene Industriefutter ansehen, dann fällt auf, dass Erbsen, Möhren und Lauch sehr häufig verarbeitet werden. Lauch gehört übrigens zu den Alliumgemüsen, ebenso wie Zwiebeln, diese sind für Hunde giftig. Warum also sind diese Gemüsesorten im Futter? Sehr einfach: weil sie billig sind.

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Ach, sind die süß! – Welpenspielen Teil 3

Welpen FJ 07 008Ute Rott
Forsthaus Metzelthin

In den ersten beiden Beiträgen haben wir uns ausführlich damit befasst, was wir mit Welpen tunlichst vermeiden sollen: wilde Spiele, Reizüberflutung, wenn möglich schlechte Erfahrungen….. Alles schön und gut, aber das beantwortet ja nicht die berechtigten Fragen: was soll ich denn mit einem Welpen machen? Wie erziehe ich ihn ? Und was kann er spielen, mit wem und wie lange? Diese Fragen werde ich im folgenden beanworten. In späteren Beiträgen werde ich auf das Thema “Welpen und andere Hunde” und andere Themen, die Welpen betreffen, eingehen.

Menschen neigen zum Übertreiben, das kann man vermutlich ganz pauschal so behaupten. Es ist noch nicht so lange her, da war man der Meinung, es reicht vollkommen erst nach einem halben Jahr mit der Erziehung zu beginnen – vielleicht sollte ich schreiben: mit der “sogenannten” Erziehung, denn das Wort “abrichten”, das hauptsächlich verwendet wurde, traf’s besser. Und natürlich – das überrascht heute keinen mehr – war es unendlich schwer, einem Hund, der bis dahin machen durfte, was er wollte, plötzlich Kadavergehorsam beizubringen – also wurde mit sehr viel Gewalt gearbeitet. Das tun heute noch viele Menschen, auch mit Welpen, aber mit denen wollen wir uns hier nicht befassen.

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Wir wollen unsere Hunde gut erziehen, sie sollen freundliche und zuverlässige Begleiter werden, ein schönes und lohnendes Ziel. Aber der Weg dahin ist manchmal steinig, es gibt viele Wege, die dorthinführen, viele Abzweigungen, viele Variationen und nicht alle sind empfehlenswert. Gerade die weit verbreitete Meinung, man könne mit Welpen gar nicht früh genug anfangen, man könne ihnen gar nicht genug bieten, sie gar nicht genug fordern – denn sonst wird ihnen langweilig!!! -, ist eigentlich eine zwar nette gemeinte, in ihren Auswirkungen aber katastrophale Herangehensweise. Ich will Ihnen hier mal ein paar Vorschläge machen, die ganz einfach durchzuführen sind und garantiert keine negativen Folgen haben.

Zuerst sollten Sie sich darüber im Klaren sein, daß Ihr Hund ein Individuum ist und nicht unbedingt das möchte, was Sie sich von ihm erhoffen. Es kann durchaus sein, daß er kein Interesse an Agility hat, auch wenn Sie noch so begeistert rumquietschen, sowie er ein Hindernis auch nur ansieht. Sie sollten sich also nicht festlegen, sondern zuerst Bello lange und ausführlich beobachten, damit Sie herausfinden, was er denn jetzt wirklich toll findet. Und das kann dauern. Keine Angst: auch wenn Sie sich für wirklich vernünftige Nasenarbeit entschieden haben und nicht für krankmachende Sportarten: es spielt keine Rolle, wann Sie mit “ernsthaftem” Training anfangen, wichtig ist, daß Ihre Pelznase lernt, daß Lernen und die Zusammerarbeit mit Ihnen superschön ist und richtig Spaß macht, daß man dabei neue und interessante Sachen lernt, die richtig gut sind. Darauf kommts an, auf sonst nichts.

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Während Sie also Ihren Liebling geduldig beobachten, was er gerne macht, haben Sie viel Zeit, sich nette Sachen mit ihm auszudenken, z.B. “wir erkunden eine neue Umgebung”. Mit ganz kleinen Welpen macht man ganz wenig. Falls Sie ihn zur warmen Jahreszeit bekommen, setzen Sie sich mit ihm auf eine Wiese, wahlweise in einem Park, bei Ihnen hinterm Haus oder bei Freunden im Garten. Dort sollte nicht viel los sein, damit er in aller Ruhe die unbekannte Gegend  absuchen und erkunden kann. Sie sitzen daneben, es darf gerne eine Parkbank sein, passen auf und sind für ihn da. Sie werden erleben, daß er immer wieder ganz eilig zu Ihnen gerannt kommt, vielleicht hat er etwas furchtbar spannendes entdeckt, einen Ameisenhaufen oder eine Plastiktüte, und das muß er Ihnen erzählen. Freuen Sie sich, wenn er kommt, nehmen Sie Anteil an seinen Abenteuern, Sie können ihm auch mal ein Leckerchen geben. Aber der Knackpunkt ist, daß Sie sein zuverlässiger Anlaufpunkt sind, zu dem er sich immer retten und bei dem er auch mal Pause machen kann. Wenn er so eine Pause braucht, dann lassen Sie ihn bitte ihn Ruhe. In der Regel rollen sich die Kleinen einfach an unseren Füßen zusammen und wollen schlafen. Bitte, bitte, bitte: nicht streicheln, nicht anfassen, nicht ansprechen. Sondern: in Ruhe lassen. Denn sowie Sie ihn irgendwie aus seiner wohlverdienten Pause herausreißen, sind Sie auf dem besten Weg, einen durchgeknallen Dauerbeschäftigungsfreak heranzuziehen. Sie dürfen ihn mit 1.000 Herzchen überm Kopf und mit vor lauter Liebe schwerem Atem beobachten und jede Menge Glückshormone ausstoßend betrachten. Aber bitte gönnen Sie ihm seine Pause. Knuddeln kommt später.

Natürlich müssen Sie darauf achten, daß er beschützt wird. Da gibt es Menschen, die stürzen aus ungeahnten Entfernungen auf so ein Hundekind zu, quietschend und schreiend: “aaaach, ist der süüüüß!!!” würden ihn – wenn Sie nicht dazwischen gehen  – sofort hochnehmen, drücken, streichelen und küssen – ob er das mag, bezweifle ich lebhaft. Also: verhindern Sie das nachdrücklich und umgehend. Stellen Sie sich dazwischen und blocken Sie diese Menschen ab. Es spielt keine Rolle, ob die das verstehen. Es geht darum, daß Ihr Kleiner das nicht mag und auch nicht mögen muß. Das müssen Sie niemandem erklären. Es ist IHR Hund, er ist nicht dazu da, andere Menschen zu beglücken.

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Und wie lange dauert so eine Erkundung? Auf keinen Fall sollten Sie das stundenlang ausdehnen, aber Ihr Herzblatt wird Ihnen das schon zeigen. Er kommt sicher relativ bald zu Ihnen und macht ein Päuschen. Zehn Minuten, eine Viertelstunde, mehr muß das am Anfang nicht sein. Je größer er wird, umso länger können Sie die Erkundungsausflüge ausdehnen. Es ist kein Problem, wenn Sie ihn daran gewöhnen, daß immer mal die Leine dranhängt, die Sie in der Hand halten. Schließlich wird das in seinem zukünftigen Leben auch so sein, daß er nicht immer frei laufen darf. Wählen Sie die Leine lang genug, drei Meter sollten es mindestens sein, und selbstverständlich trägt er ein Brustgeschirr.

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Wenn Sie solche Erkundungstouren 2-3 mal in der Woche hinbekommen, dann machen Sie Ihren Hund nicht nur glücklich, sondern auch schlau. Denn er lernt die Welt auf seine ureigene Weise kennen: über die Nase. Er kann diese Eindrücke in Ruhe verarbeiten, muß auch schon kleine Probleme lösen: wie komme ich an das Stöckchen hinten in der Ecke? Wie klettere ich über Hindernisse?…. und gleichzeitig lernt er, daß Sie zuverlässig da sind, wenn er Sie braucht. Sie dürfen auch gerne kreativ in der Gestaltung dieser Touren sein, denn irgendwann kennt er den Park oder den Nachbarsgarten, dann erkunden Sie eben mal ein leeres – sicheres – Gebäude im Gewerbegebiet oder eine stillgelegtes Bahngleis – oder was auch immer Ihnen einfällt.

Sie gehen mit ihm ja auch spazieren, aber bitte nur kurz und bitte ganz, ganz langsam. Hier ist die Devise “der Weg ist das Ziel”. Und jetzt kommt etwas enorm wichtiges, das irgendwie die letzten Jahre vollkommen in Vergessenheit geraten ist: Welpen sind keine Marathonläufer. Überrascht? Nein? Sehr gut! Welpen haben ganz weiche Knochen, ganz zarte Sehnen, ganz schwache Muskeln, die dürfen nicht überbeansprucht werden. Da gibt es eine einfache Regel: gehen Sie nie länger als 5 Minuten pro Lebensmonat. Dann sind Sie, bis er ausgewachsen ist, bei 60 Minuten, ganz allmählich und ohne Probleme. Warum sollen Sie langsam gehen? Damit er 1. Zeit hat, alles anzuschauen und mit der Nase zu erkunden, was am Straßenrand so interessant ist und 2. damit Sie nicht anfangen, an ihm rumzuzerren. Denn Welpen bleiben oft stehen, schnüffeln rum, müssen irgendwas Spannendes beobachten, z.B. die Kinder, die auf der anderen Straßenseite vorbeigehen oder den Menschen auf dem Grundstück, der Kompost durchwirft oder das Müllauto, das die Tonnen leert….. egal. Auch wenn es für Sie noch so alltäglich ist, für ihn ist das niegelnagelneu und er muß es mit allen Sinnen erfassen – Augen, Nase, Ohren. Und dazu braucht er Zeit. Wenn Sie zu schnell gehen, merken Sie gar nicht, was er beobachten möchte und zerren ihn weiter. Dadurch lernt er aber: ziehen an der Leine ist normal, also ziehe ich auch. Zudem lernt er, daß er nie genug Zeit hat, also zerrt er zu allem hin, was ihn interessiert, damit er wenigstens ein bißchen was erfassen kann. Sie arbeiten also schon mal im Sinne einer guten Leinenführigkeit, wenn Sie sich seinem Tempo anpassen.

2016-04-20 18.03.41Nach so einem Sapziergang ist er genauso wie nach einer Erkundung im Garten Ihrer Freunde platt. Lassen Sie ihn, er soll sich ausruhen und zwar so lange, wie er das möchte. Alles, was er auf solchen Touren erlebt hat, muß er verarbeiten. Wenn Sie anschließend mit ihm zu Tante Anna zum Kaffee fahren oder mit ihm spielen oder Kindergeburtstag feiern, also aufregende Dinge machen, kann er das nicht. Das gilt besonders dann, wenn der Spaziergang oder die Erkundung sehr spannend waren.

Aber spielen muß doch auch sein? Ja, sollte sein, aber piano. Alles, was die Knochen und Gelenke belastet, lassen Sie bitte bleiben, das haben wir schon besprochen. Wenn er von allein hinter einem Schmetterling herhopst oder einen Ball durch die Gegend schubst, ist das in Ordnung, aber animieren Sie ihn nicht, hinter Bällen und anderen beweglichen Gegenständen hirnlos herzudüsen. Ein sehr nettes Spiel mit Welpen kann sein, daß Sie ganz vorsicht mit ihm um einen Zottel kämpfen, lassen Sie ihn gewinnen, dann hat er mehr Spaß dran. Setzen Sie sich zu ihm auf den Boden, führen Sie den Zottel über Ihre Beine, hinter Ihrem Körper entlang, unter den aufgestellten Beinen durch, so daß er über Sie drüberklettern und drunter durch kriechen muß. Idealerweise kriegen Sie das so hin, daß er sich überlegen muß, wie er am besten und sichersten den Zottel zu fassen bekommt. Regen Sie ihn zum Denken an – auch beim Spielen. Das macht mehr Spaß als hirnloses Rumzotteln. Nach wenigen Minuten werden Ihre Bewegungen immer langsamer, Sie legen sich auf den Boden und bewegen den Zottel ganz ruhig vor Ihren Bauch – mit Bello im Schlepptau. Er wird ein bißchen geknuddelt, kaut ganz friedlich an seinem Zottel rum und kommt zur Ruhe. Verbinden Sie das Kuscheln mit einer netten Übung: anfassen lassen. Wenn Sie das gut hinkriegen, rollt Ihnen jeder Tierarzt einen roten Teppich aus, es ist unglaublich schön, wenn Sie und Bello das genießen und er lernt auf angenehme Weise, daß es wunderbar ist, wenn Sie ihn untersuchen. Falls er dabei die Augen zumacht und einschläft, haben Sie alles richtig gemacht.

MINOLTA DIGITAL CAMERAWarum sollen Sie das so machen? Ganz einfach. Meistens puschen die Menschen ihre Hunde beim Spielen so lange hoch, bis Bello völlig blöd im Kopf ist und zuschnappt, und das tut auch weh, wenns nicht böse gemeint ist. Dann sagt der Mensch ganz zornig: “aus”, und Bello soll sofort aufhören zu spielen. Die Belohnung ist dann oft: weiterspielen. Das geht so lange gut, bis der Mensch eine blutige Schramme hat. Falls Sie das so wie ich doof finden, probieren Sie lieber meine Methode aus: nur kurz spielen, zum denken anregen und ganz ruhig mit einer Kuscheleinheit aufhören. Dann versteht er, daß er sich zur Ruhe begeben kann, wenn er nicht mehr spielen möchte, und zur Belohnung auch noch mit Ihnen kuscheln darf.

Und jetzt zum Grundgehorsam, den man ja auch spielerisch aufbauen soll. Ja, das soll man. Aber was bedeutet eigentlich “spielerisch”?

Mäxchen - mein perfekter Wackeldackel

Das macht man so, daß man sich nur auf das konzentriert, was ein Hund im Leben tatsächlich braucht. “Platz”, “bei Fuß” und “bleib” beispielsweise, brauchen Hunde nicht wirklich. Es ist ganz nützlich, wenn ein Hund sowas kann, aber es gibt viele sehr gut erzogene Hunde, die das nicht können oder auch nicht machen sollen. Einem Hund, der Hüftdysplasie hat “platz” beizubringen, ist Tierquälerei, da ich den Hund zwinge sich hinzulegen, obwohl er dadurch vielleicht Schmerzen hat. Also lasse ich es bleiben. Das gleiche gilt in diesem Fall für “sitz”.

Wichtig sind: mitkommen und herankommen, Leinenführigkeit, kurz warten z.B. am Straßenrand oder wenn eine Tür aufgeht, Beute abgeben, ausweichen, Besuch zivilisiert empfangen, Hunden und Menschen höflich begegnen…. also Dinge, die uns im Zusammenleben weiterhelfen. Alle diese Sachen übe ich so einfach, daß Ihre Pelznase gar nicht anders kann, als alles richtig zu machen. Ich erkläre das am Beispiel “Mitkommen und Herankommen”. Die meisten Menschen rufen ihren Hund in bestimmten Situationen: wenn er zu weit weg ist, eine falsche Richtung einschlägt oder Gefahr droht. Und allzu häufig wollen sie gar nicht, daß er zu ihnen kommt, sie möchten eigentlich nur, daß er in diese Richtung nicht weiterläuft oder nicht so weit weg geht. Das ist ziemlich verwirrend für die Hunde, deshalb klappt es meistens nicht. Auch wenn Sie ihn immer dann rufen, wenn er Ihnen zu weit weg ist, wird er sich an diese Entfernung gewöhnen. Und was, wenn er mal näher bei Ihnen steht, anstelle 50 Meter nur 10 weg ist? Dann versteht er nicht was Sie möchten.

Also: definieren Sie ein Kommando für “egal, wo du gerade bist: komm zu mir her und bleibe einen Moment bei mir” und eins für “geh mit mir in eine bestimmte Richtung weiter”, z.B. nicht in das offene Hoftor sondern mit mir weiter die Straße entlang. Das erste heißt bei mir “schau mal her”, das zweite “weiter”. Sie glauben gar nicht, wie einfach es für Bello auf einmal wird, Ihren Anweisungen zu folgen, wenn Sie hier klar und konsequent sind und auch noch mit den richtigen Handzeichen arbeiten.

Dann sollten Sie sich ein wenig am Straps reissen und nicht ständig abprüfen wollen, ob er genau jetzt in dieser total schwierigen Situation, wo er doch gerade so schön abgelenkt ist, auch wirklich die Kommandos befolgt. Sie können das gerne machen, wenn Sie dringenden Frustrationsbedarf haben und erpicht darauf sind, einen total verwirrten und desinteressierten Hund zu bekommen. Stellen Sie sich einfach vor: jedes Mal, wenn Sie sich endlich hinsetzen und ein spannendes Buch weiterlesen möchten, kommt Ihr Partner und hat was völlig unaufschiebbares, das genau jetzt erledigt werden muß. Wie lange werden Sie freundlich bleiben? Also: das mit der Ablenkung kommt von allein, die müssen wir nicht suchen.

Ablenkungen ergeben sich aus dem Leben. Ein Freund besucht Sie, den Bello total gern mag. Der Freund geht irgendwann wieder und Bello kuckt ihm traurig durchs Gartentor nach. Irgendwann ist der Freund nicht mehr zu sehen und das ist ein sehr guter Moment, abrufen vom Gartenzaun zu üben. Beim nächsten Mal rufen Sie ein bißchen früher, oder Sie gehen zum Tor und nehmen ihn über direkt mit……. Und jedes Mal freuen Sie sich ein Loch in den Bauch, weil er alles dermaßen gut macht und selbstverständlich gibt es auch immer ein gutes Leckerchen.

Mäxchen - frühkastriert und sehr fidel

Mäxchen – frühkastriert und sehr fidel

Wenn Sie jetzt gut und gründlich arbeiten, dann sind Sie bereit für die Zeit, in der Ihr Herzchen sich so sicher fühlt, daß er mal auf eigene Faust die Welt erkunden möchte. Das bedeutet: er wird nicht mehr jeder Ihrer Aufforderungen Folge leisten. Beispielsweise wird er lieber irgendwelchen Kumpels hinterherrennen als mit Ihnen nach Hause zu gehen. Denn Sie mit Ihrem Leckerchen sind später sicher immer noch da – das haben Sie ihm ja hoffentlich beigebracht. Wenn er soweit ist, freuen Sie sich – Sie haben einen selbstbewußten, erkundungsfreudigen Hund. Herzlichen Glückwunsch. Und dann denken Sie sich Maßnahmen aus, daß er trotzdem kommt und mit Ihnen nach Hause geht. Beispielsweise wird er einfach rechtzeitig und freundlich angeleint. Oder er ist überhaupt mal mehr an der Leine und mit Kumpeln spielen gibt es eben nur im eingezäunten Gelände. Das Entscheidende ist aber: Sie haben ihm das Abrufen so gut beigebracht, daß er zwar nicht mehr ganz so zuverlässig aber doch regelmäßig kommt. Und da sind Sie jetzt noch begeisterter und das Leckerchen ist noch toller.

Ich möchte Sie kurz mal daran erinnern, daß Sie und ich auch mal eine Zeit hatten, da wären unsere Eltern mit uns fast verzweifelt. Wenn es eine Möglichkeit gegeben hätte, uns in einer Bewahranstalt unterzubringen, auf der junge Menschen mit Schild “Wegen Umbau geschlossen” zeitweise abgestellt werden können, hätten sie das getan. Dahin kommen Sie mit Ihrem Süßen auch noch, versprochen. Und wenn es soweit ist, dann denken Sie bitte daran, daß diese Zeit alle Menschen und Hunde durchmachen und daß es sich lohnt, in der Welpenzeit vorzuarbeiten und in der sog. Pubertät dranzubleiben. Denn auch das geht vorüber. Und jetzt die gute Nachricht: es geht schneller wie bei Menschen.

Es gäbe noch viel mehr zu schreiben, was man mit Welpen machen soll, kann oder lieber bleiben läßt – nur leider wird die Auflistung endlos. Aber ich hoffe, der Kernpunkt meines Anliegens ist klar geworden. Es geht nicht darum, ein sehr hilfloses Lebewesen, das vollkommen von Ihnen abhängig ist, so zu bearbeiten, daß es blind und taub allen Ihren Anweisungen folgt. Sie haben auch keine Freizeitgestaltungsmaschine mit Pelz und vier Beinen zu sich geholt, mit der Sie machen, was Ihnen Spaß macht.

Sie haben einen kleinen Hund, ein Lebewesen mit Herz, Hirn und Verstand,

Jan 10 054ein Lebewesen, das ein Anrecht darauf hat, von Ihnen so geführt zu werden, daß es ein gutes und in so vielen Bereichen wie nur möglich selbstbestimmtes Leben führen kann,

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ein Lebewesen, daß sein ganzes Leben mit Ihnen verbringen soll, ein Leben, das sehr viel kürzer ist als Ihres,

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ein Lebewesen, das nur dieses eine Leben hat – also geben Sie sich Mühe, sein Leben gut zu gestalten. Ich verspreche Ihnen, jeder Hund ist jede Mühe wert.

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Ach, sind die süß! – Welpenspielen Teil 2

Ute Rott
Forsthaus Metzelthin

Wenn Welpenspielstunden nicht gut für Welpen sind, was soll man denn dann mit ihnen machen? Irgendwie müssen sie doch andere Hunde kennenlernen, Grundgehorsam unter Ablenkung üben, Umgang mit Stress und Frustration lernen. Wie machen wir das ohne Welpenspielstunden? Das sind berechtigte Fragen. Aber zuerst möchte ich nochmal auf die Spielstunden eingehen, die von qualifizierten Trainern abgehalten werden und trotzdem leider nicht unbedingt das erwünschte Ergebnis bringen.

Ein Problem sehe ich tatsächlich darin, daß einmal pro Woche eine einzige Stunde investiert wird, in der solche Massen von Eindrücken auf den Welpen einprasseln, daß er damit gar nicht klar kommen kann und vermutlich mindestens die Zeit bis zum nächsten Treffen braucht, um das alles halbwegs zu verarbeiten. Ein Irrglaube, der nämlich auch bei sehr wohlmeinenden und vorsichtigen Trainern nach wie vor herrscht, ist: ich passe doch auf und greife doch ein, wenn was passiert, z.B. trenne ich die Hunde rechtzeitig oder nehme sie in verschiedene Gruppen. Das ist sicher richtig, daß viele sich da große Mühe geben und wahrhaft schwere und gute Arbeit leisten, die Frage ist nur,  kann ich die Probleme tatsächlich vermeiden?

Fangen wir mit den Eindrücken an. Im Idealfall lebt der Welpe in einem sehr ruhigen und ausgeglichenen Umfeld, es wird gut auf sein Wohlbefinden und auf das richtige Lerntempo geachtet, also nicht zu viel und nicht zu wenig, immer schön langsam, damit er nicht geistig überfordert wird. Ebenso wird darauf geachtet, daß er sich körperlich nicht übernimmt. Jetzt kommt er also zum Welpentreff und schon geht unweigerlich die Post ab, ob man will oder nicht. Denn bei den anderen sieht das u.U. ganz anders aus. Ich erinnere mich an eine sehr nette und harmonische Gruppe, die alle Grundgehorsam im Einzelunterricht bei mir hatten und einmal in der Woche zum Spielen kamen, auch als die Hunde schon fast aus dem Welpenalter heraus waren. Das war ein gutes Arbeiten, da die Teilnehmer sich an meine Anweisungen hielten, wir machten viele Pausen, hörten auch mal früher auf, die Hunde verstanden sich gut, es gab nur wenige, nette Übungen ohne (!) Gehorsamstraining. Richtig gut. Bis der Terrier kam. Bis zu diesem Tag war dieser Terrier mit anderen Hunden recht freundlich umgegangen, also sollte er auch mal in diese Gruppe kommen. Ja, wie soll ich das erklären, ohne die Terrier in Verruf zu bringen: in ca. 2 Minuten hatte er alle anderen Hunde so weit, daß sie nur noch flohen. Ein kompletter Reinfall. Wie der Deutsche Jagdterrier eben so ist, fand er von jetzt auf gleich andere Hunde zum K….. und hat sie durch die Gegend gescheucht.

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Wenn man jetzt weiß, daß man aus negativen Erlebnissen sehr viel schneller lernt, als aus positiven, dann kann man sich vorstellen, daß vielleicht der eine oder andere Hund sich diese kleine, schwarze, keifende Bestie gut gemerkt hat und in Zukunft nicht gut auf diese Art von Hunden zu sprechen war. Warum lernt man so etwas so schnell? Weil es gerade für Welpen und Junghunde von enormer Bedeutung ist zu erkennen, was Gefahr bedeutet und was nicht. Das gilt auch für kleine Menschen. Die Tochter meiner Freundin brauchte viele Monate, bis sie verstand, daß nicht alle Hunde so unfreundlich waren wie der eine, der sie im Alter von vier Jahren unfreundlich angebellt und umgeworfen hatte. Bei Welpen ist das nicht anders. Ein einziges Erlebnis mit einem Hund kann ausreichen, daß der Welpe entweder diese Art Hunde nicht mehr mag oder generell mit Hunden vorsichtig wird. Das muß auch nicht immer so dramatisch wie mit dem Terrier sein. Dazu reicht bei einem sensiblen Hund eine stürmische Begrüßung durch eine freundliche Meute.

Mai 2013 361Aber das kann mir im Alltag doch auch passieren, denken Sie jetzt vielleicht. Und da haben Sie natürlich recht. Trotzdem gibt es einen entscheidenden Unterschied, den ich leider immer wieder erlebe. Wer in eine Gruppenstunde gleich welcher Art kommt, gibt fast automatisch einen größeren oder kleineren Teil seiner Verantwortung an die Trainerin ab. Das ist vollkommen normal: man wartet auf Anweisungen, will nicht vorgreifen, um nichts falsch zu machen und denkt sich: die wird schon wissen, was sie tut. Nur leider: TrainerInnen sind auch nur Menschen und haben weder ihre Augen noch ihre Aufmerksamkeit garantiert immer dort, wo es gerade notwendig ist. Leider, aber das ist so. Jeder Trainer und jede Trainerin hat 100%ig in seinem Erfahrungsschatz das eine oder andere Erlebnis, auf das wir gerne alle verzichten würden. Da gab es wie aus heiterem Himmel heraus plötzliches Mobben, da hat ein Hund den anderen gezwickt, obwohl die Kursleiterin genau aufgepasst und nur einen Moment weggeschaut hat, da ist die ganze Meute abgedüst hinter einem Hasen her, weil der Kursleiter eine Achtelsekunde zu spät gesagt hat: anleinen. Wir sind alle nur Menschen und wer sagt: “mir passiert das nicht”, dem sollte man nicht trauen.

August - Sept. (93)

Wenn Sie alleine mit Ihrem Hund unterwegs sind und Sie gehen vernünftig und verantwortungsbewußt durch die Welt, dann achten Sie darauf, mit wem Ihr Welpe Kontakt hat, dann wissen Sie, daß Sie jetzt zuständig sind und sonst niemand. Das bedeutet aber auch, daß Sie dazwischen gehen, lange bevor Sie das in einer geführten Gruppe tun würden. Woher ich das weiß? Ganz einfach. Wenn ich manchmal meine Kunden frage, warum sie in dieser und jener Situation gewartet haben, bis ich was unternehme, ist die Antwort: “Ich dachte, wenn du da bist, machst du das schon, sonst hätte ich mich schon dazwischengestellt.” Selbst die beste und aufmerksamste Trainerin der Welt ist also kein Garant dafür, daß alles immer gut läuft, denn auch TrainerInnen sind einfach Menschen, die Fehler machen können.

Und was machen wir jetzt, damit unser Süßer in seinem zukünftigen Leben mit anderen Hunden und mit aufregenden Ereignissen klar kommt? Wie lernt er, unter Ablenkung zu mir zu kommen, sich anleinen zu lassen? Wie lernt er, an Menschen und Hunden ruhig vorbei zu gehen? Und was, wenn er nicht alle Rassen kennenlernt, die es so gibt?

Ja, das ist auch so eine Albernheit, die viele Menschen im Kopf haben: der Welpe muß alles lernen – spielerisch natürlich -, was er im späteren Leben braucht. Soll ich Ihnen was sagen? Nein, muß er nicht. Er kann überhaupt nicht alle Varianten von Hunden in seiner Welpenzeit kennenlernen, wie soll das gehen? Selbst in Großstädten wie Berlin dürfte es ziemlich illusorisch sein, auch nur 10% aller möglichen Hunderassen – und ihrer Mischlinge – als Welpe auch nur einmal zu sehen. Vor allem: wenn er weiß, wie die als Welpen sind, woher weiß er dann, wie sie  sich erwachsen verhalten?

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Ganz einfach: er muß als Welpe vor allem eins lernen: wenns schwierig wird, frag ich meinen Menschen, was da los ist. Denn woher wissen Sie, was er tatsächlich in seinem Leben braucht und was ihm alles über den Weg laufen wird? Wenn Sie ihm zeigen, daß es Hunde gibt, die anders aussehen und sich anders benehmen als er und alles, was er an Hunden in der Umgebung so kennt, dann reicht das vollkommen, dazu müssen Sie ihm nicht alle 450 anerkannten Rassen präsentieren. Wenn er  verstanden hat, es gibt große und kleine, alte und junge, männliche und weibliche, zottige und glatthaarige Hunde, dann ist schon enorm viel passiert. Und diese Begegnungen haben Sie nicht unbedingt in einer Hundeschulegruppe sondern im Park, im Auslaufgebiet, in Ihrem Wohnviertel: einfach dort auf der Welt, wo Sie sich mit ihm bewegen.

Und das sind nicht zuviel Eindrücke? Wenn Sie es vernünftig gestalten nicht. Dann sind Sie eben nicht 60 Minuten zugange, sondern nur 5. Dann gehen Sie vielleicht nicht mal spazieren, sondern sitzen zu den ruhigeren Zeiten, wenn nicht so viele Menschen mit Hunden unterwegs sind, auf einer Parkbank und beobachten mit ihm die Hunde, die vorbeikommen. Und die, die nett zu Welpen sind, mit denen darf er auch Kontakt aufnehmen und  – ja, Überraschung!  – auch mal spielen.

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Spielerisches Lernen bedeutet: ohne Druck, ohne Ernstbezug, mit Freude am Lernen, langsam, mit Pausen, mit Partnern, die Rücksicht auf die Verletzlichkeit so eines kleines Hundes nehmen. Spielerisch bedeutet nicht: rennen und toben bis zur Erschöpfung. Es bedeutet: wir haben viel Spaß und Freude an dem, was wir tun, wir probieren uns aus, wir testen, was wir können, wir rennen auch mal, aber eben gemütlich. Als Indiana zu uns kam, hat sie den Maxl immer zu Rennspielen aufgefordert. Der Süße hat ihr den Gefallen getan und ist mal mit ihr übers Gelände gelaufen – immer so langsam, daß sie gut nachkommen konnte und nur kurz. Anton, unser langjähriger Welpenonkel, hat den Kleinen immer gezeigt, was es auf dem Hundeplatz oder auf einer kleinen Spazierrunde zu erkunden gibt: in den Reifen, am Straßenrand, an den Büschen und Bäumen – und es war einfach rührend zu sehen, wie die Kinder hinter dem großen Anton hergelaufen sind und ihm alles nachgemacht haben. Wir mußten nie Angst haben, daß er sie überfordert.

2015-01-17 12.04.18Und das haben Sie in einer Gruppe Gleichaltriger eben in der Regel nicht. Da wird keine Rücksicht genommen, wenn einer meint, der andere muß jetzt aber, dann kann eben passieren, daß er nervt ohne Ende. Einem Maxl oder Anton ist das egal, die drehen sich ab oder gehen weg. Auch unsere alte Loni war da super. Wie bei Kromis üblich hat sie – moderat – unfreundlich gemotzt und dann war Ruhe im Karton. Junge Hunde nerven eben mal – erwachsene reagieren vernünftig, gleichaltrige sind unter Umständen selber total genervt und wenn ihnen niemand hilft, reagieren sie unangemessen und merken sich, daß andere Hunde nur blöd sind.

Jetzt hat aber nicht jeder eine Hundeschule mit einem Maxl oder Anton, der übrigens auch schon in Rente ist. Also müsssen Sie nette Hunde in Ihrer Umgebung suchen. Und wenn dort keine netten Hunde sind, dann bringen Sie Ihrem Kleinen lieber bei, anderen Hunden auszuweichen, als irgendwelche Tests zu machen, die dann schief gehen und Probleme fürs ganze Leben erzeugen.

Freunde

 Merken Sie es? Es läuft alles darauf hinaus, daß Sie gefordert sind. Daß Sie Ihrem Kleinen die Welt zeigen, die guten und die weniger guten Seiten, die Gefahren, die er vermeiden muß und wie er das machen kann, die schönen Sachen, mit denen wir uns gerne und ausführlich befassen: das ist Ihr Job, egal ob Sie in einer Hundeschule sind oder nicht. Und wie das geht, wie Sie ihm spielerisch Grundgehorsam, den Umgang mit Hunden und Menschen beibringen, wie Sie mit Ablenkung arbeiten und wie Sie gut mit ihm spielen können, was er an Hundefreunden braucht und wie Sie das hinkriegen, das schauen wir uns im nächsten Teil an.

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Ach, sind die süß! – Welpenspielen Teil 1

Ute Rott
Forsthaus Metzelthin

Gibt es etwas niedlicheres als so ein Knäuel spielender Welpen? Sicher nicht. Es ist einfach zu süß, wie sie rumpurzeln und tapsig hinter einander herhopsen, sich überfallen und dabei furchterregend knurren, einfach nur entzückend.

In vielen Hundeschulen werden nach wie vor Welpenspielstunden abgehalten. Manchmal in Kombination mit Grundgehorsamstraining, manchmal einfach als reine Spielstunden, mal mehr mal weniger qualifiziert – aber eins ist ihnen allen gemeinsam: sie sind überflüssig und  meistens – leider – für die Hunde schädlich. Warum “leider”? Weil ich selber für mein Leben gern Welpenspielstunden organisiert und durchgeführt habe, aber seit mindestens fünf Jahren lasse ich das sein und bin sehr froh darum. Warum?

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Daß Welpen gerne spielen und spielen ein wichtiger Bestandteil der Welpenzeit ist, ist unbestritten. Im Spiel erlernen und üben sie viele Dinige, die sie später im Leben brauchen: jagen, Sozialverhalten, Beisshemmung, Sexualverhalten, sie schulen ihre Intelligenz, trainieren ihre Muskeln, Reaktionsfähigkeit und individuelle Talente, und das alles spielerisch und ohne Ernstbezug. Denn – und das ist eine wichtige Voraussetzung – spielen können sie nur dann, wenn sie ausgeruht und satt in einer sicheren Umgebung sind. Ein ganz einfaches Beispiel aus der Natur verdeutlicht das: jeder von uns hat im Fernsehen schon mal spielende Wolfs- oder Fuchswelpen vor dem Bau gesehen. Sowie nur das geringste Anzeichen einer Gefahr auftaucht, bringen sich alle Kinder wie der Blitz im Bau in Sicherheit. Und das dauert bis sie wieder auftauchen, der mutigste kommt zuerst, dann folgen langsam die anderen, und erst, wenn sie sich wieder sicher fühlen, gehts weiter.

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Wo ist jetzt der Unterschied zu Welpenspielstunden in der Hundeschule? Ein ganz entscheidender ist schon mal die unumstößliche Tatsache, daß es sich bei den Welpen vor dem Wolfsbau um Geschwister handelt – in der Welpenspielstunde sind sie meistens noch nicht mal gleich alt und in der Regel auch von unterschiedlichen Rassen. Ja, das ist doch aber gerade der große Vorteil, oder? Sie sollen doch alle Rassen kennenlernen? Ganz unbefangen beim Spielen ist es doch am einfachsten. Könnte man meinen. Aber Tatsache ist, daß Hunde rassetypisch sich unterschiedlich entwickeln. Kleine Hunde werden schneller erwachsen als große, das weiß man. Aber auch Rassen entwickeln sich unterschiedlich. Während ein Goldie mit einem Jahr noch ein ziemlicher Blödel ist, ist eine Deutscher Schäferhund schon so gut wie ausgereift. Kromfohrländer, die eher zu den kleineren Hunden gehören, sind erst ab zwei Jahren “ernst zu nehmen”, Jackies schon sehr viel früher. Im Gegensatz zu den Geschwistern vor dem Fuchs- oder Wolfsbau müssen sich die Hundewelpen also erstmal kennenlernen, die anderen abchecken, was das für welche sind – und das nur einmal pro Woche. Bis zum nächsten Treffen hat sich jeder vierbeinige Teilnehmer extrem verändert, geht das Abchecken also wieder los.

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Dann gibt es rassetypische Verhaltensweisen, die für andere Hunde nicht immer lustig sind. Da haben wir den fröhlich durch die Gegend rempelnden Labrador, der das nicht böse meint, so isser halt. Boxer haben damit überhaupt kein Problem, die rempeln halt zurück und finden das auch lustig. Windhunde dagegen finden das gar nicht komisch und können sehr ungehalten reagieren. Oder der Border Collie, der schon als Welpe alle beschleicht und fixiert – mag sein, daß sein Herrchen das großartig findet, die Hunde fühlen sich eher bedroht und reagieren vielleicht auch so – mit Abwehr. Gut geschulte Kursleiter können sicher vieles in richtige Bahnen lenken und den Teilnehmern gute Tipps geben. Aber wenn man weiß, daß Welpenspielstunden für viele Hundeschulen eine sehr effektive Werbemaßnahme sind, dann kann man sich vorstellen, daß die Trainer sich hüten werden, allzu kritisch zu argumentieren. Denn wenn man dem stolzen Border Collie-Herrchen sagt, er muß das Anschleichen und Fixierien unterbrechen können, sonst gibts irgendwann Ärger, könnte ja sein, daß der seinen Bello nimmt und auf Nimmerwiedersehen verschwindet.

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Aber selbst wenn das alles gut geht und die Kursleiter richtig gute Tipps geben und die Teilnehmer alles gut aufnehmen, kann eine Gefahr so gut wie nie gebannt werden: die Überforderung der Welpen. Welpen haben wie Kleinkinder eine sehr begrenzte Aufnahmekapazität und sie brauchen viel Zeit und Ruhe, um etwas lernen und verarbeiten zu können. Und das haben sie bei Welpenspielstunden meistens nicht. Der Kurs dauert in der Regel 60 Minuten, das ist schon mal viel zu lange  – aber die übliche Zeit, da Menschen nun mal wegen weniger nicht die Mühe auf sich nehmen wollen, zur Hundeschule zu fahren. Dann prasseln auf den Kleinen jedes Mal jede Menge Eindrücke ein, die er so schnell gar nicht auf die Reihe bekommt: das Wetter ist anders, es sind neue Menschen und Hunde da oder weniger als beim letzten Mal, auf dem Platz hat sich was verändert, der Tagesablauf war sehr hektisch, der kleine Hund hat Hunger oder kurz vorher gefressen, er bekommt neue Zähne und fühlt sich nicht wohl….. Das ist wie bei Kindern, da kann jeder Tag und jede Woche ganz anders ablaufen, obwohl für die Erwachsenen eigentlich alles gleich bleibt.

Auch körperlich sind die Kleinen in so einer Welpenspielstunde komplett überfordert. Viele Leute tragen ihren sechs Monate alten Labrador noch die Treppen rauf und runter und heben sich dabei kreuzlahm. Aber wenn der Kleine 60 Minuten mit anderern rumrennt, über den Haufen gerannt wird, in den Zaun brettert, Notbremsungen und verwegene Sprünge macht, dann ist das auf einmal lustig und total gesund für Muskeln und Gelenke? Ganz übel wird es, wenn körperlich überlegene und womöglich ältere Rüpel in der Gruppe sind, die die anderen reihenweise umrennen, bzw. mobben, nicht gebremst werden und der Kurs nach dem Motto abgehalten wird: das machen die unter sich aus. Das führt tatsächlich zu schlimmen körperlichen Schäden, die meistens erst später auftreten und deshalb oft nicht als Folgeschäden einer Welpenspielstunde erkannt werden. Verhaltensprobleme sind dann sowieso vorprogrammiert, denn bekanntermaßen sind die besten Mobber die ehemaligen Mobbingopfer. Einer meiner Kundenhunde hat im Alter von 14 Monaten angefangen, Welpen zu überfallen, bei größeren Hunden ist er dafür extrem unterwürfig.

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Ein Hauptproblem ist, daß alles zum Spiel erklärt wird, was Hunde untereinander so machen: rennen, sich anrempeln oder anspringen, pföteln, sich auf den Rücken werfen…. egal, sieht doch niedlich aus, also spielen sie. Kein Mensch käme auf die Idee, alles, was Kinder tun, als Spiel zu bezeichnen. Aber sowie das Kind vier Pfoten und ein Fell hat, vorne bellt und hinten wedelt, spielt es 24 Stunden am Tag und sein ganzes Leben lang? Ganz sicher nicht.

So ein kleiner Hund lernt ununterbrochen und das sollte er möglichst entspannt und sicher können. Das Leben eines Hundes in Deutschland ist bei allem guten Willen, den Hundehalter an den Tag legen, enorm stressig und für die Hunde alles andere als einfach. Wichtig ist für Welpen ein entspanntes Heranführen an alles, was neu ist und was ihnen im Laufe ihrer Kindheit und Jugend eben so begegnet. Aber das wollen wir uns nächstes Mal ein bißchen gemauer ansehen.

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Geh spielen! – Sind Hunde Dauerspielfreaks?

von Ute Rott
Forsthaus Metzelthin

Indiana hat einen Freund: Lupo. Lupo ist ein sehr imposanter, junger Viszlarüde, 2 Jahre alt und unkastriert. Lupo wohnt bei meiner Freundin Anke. Wenn Lupo zu uns zum gemeinsamen Training mit Indiana kommt, freut sie sich immer sehr, aber es ist ein kleiner Wehmutstropfen für sie dabei: nach einer kurzen Begrüßung am Zaun muß er sofort und dringend den ganzen Hundeplatz kontrollieren. Schließlich muß er wissen, wer in der Zwischenzeit alles da war. Dann hat er Zeit für Indiana. Sie rennen eine kleine Runde, buddeln auch mal – unerlaubterweise – gemeinsam in den Maulwurfshäufen rum, schüffeln zusammen und dann gehen wir spazieren. Da ist beiden enorm wichtig, daß sie in Kontakt bleiben, daß nicht einer dem anderen davonläuft, sie machen sich auf interessante Schnüffelstellen aufmerksam und  – am allerwichtigsten!!! – sie sind auf der Jagd nach Rehen, Hasen, Eichhörnchen, egal, was eben so des Wegs kommt, besonders im Wald.  An bestimmten Stellen darf Lupo frei laufen, weil er gut abrufbar ist und allein keinen Unfug macht, Indiana bleibt an der Leine, damit das auch so bleibt. Wir trainieren z.B. Leinenführigkeit, Impulskontrolle, manchmal machen wir auch ein paar Suchspiele, was eben so ansteht. Dann rennen sie noch eine Runde auf dem Hundeplatz zusammen, und schließlich fährt Lupo wieder nach Hause und beide sind sehr zufrieden. “Gespielt” haben sie in diesen 1-2 Stunden max. 10 Minuten.

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Kürzlich kam Lupos Herrchen auf die Idee, einen Kollegen einzuladen, der ebenfalls einen Viszlarüden hat, auch ungefähr 2 Jahre alt und unkastriert. Lupo ist jetzt ein freundlicher Hund, der selbst Rüden gegenüber sehr tolerant ist. Wenn Gäste in Ankes Ferienwohnung Hunde dabei haben, findet er das zwar nicht toll, wenn die in seinem Garten rumrennen – außer es sind schnuckelige Mädchen, aber er akzeptiert das. Er ist einfach nett. Aber jetzt kam da dieser andere Kerl auf seinen Hof, der sofort den dicken Max markierte. Das war nicht mehr lustig. Zu Lupos Glück hat Anke ziemlich viel Ahnung von Hundeverhalten, nicht nur weil sie bei mir in der Hundeschule ist, sondern weil sie ihren Hund gut kennt und andere Hunde genau beobachtet und sich vernünftige Gedanken macht. Sie verwechselt nicht so ohne weiteres, ob Hunde sich tatsächlich verstehen und auch mal spielen, oder ob sie sich eher unfreundlich gegenüberstehen.

Während alle anderen gemütlich bei Sonnenschein auf der Terrasse saßen und Kaffee tranken, ging sie lieber mit den beiden Rüden durch den großen Garten und behielt sie genau im Blick, denn so hatte sie ihren netten Lupo noch nie gesehen. Die beiden hatten dauerhaft eine Bürste, etwas, das ich bei Lupo gar nicht kenne. Sie wirkten eher steif und als sie schließlich mal eine Runde liefen, war das defintiv kein Spiel sondern eine unfreundliche Jagd. Sie stoppte das und verlangte, daß beide Hunde wenigstens etwas getrennt würden, zumindest ein paar Meter an der Leine. Die anderen fanden das merkwürdig, wo die beiden doch gerade anfingen, so schön zu spielen. Lupo fand die Idee gut. Er legte sich sofort hin und machte ein Nickerchen. Der andere Rüde war unruhig, fiepte, hampelte rum. Es wurden noch 2, 3 Versuche gestartet, aber irgendwie wurde das nix: Bürste, steifes Herumschleichen, sich jagen…. komisches Spiel.

Man sprach so über die Erziehung der Hunde, der andere Viszla hatte eine Welpenspielgruppe absolviert, das wars. Ich will jetzt nicht behaupten, daß Lupo besser erzogen ist, weil er immer noch zu mir kommt und wir alles gut festigen können. Aber die Tatsache, daß er keine Welpenspielstunden besucht hat, daß er also weder mobben noch gemobbt werden erlebt hat, daß er im Einzelunterricht die Grundkommandos und in einer Gruppe vernünftigen Umgang mit anderen Hunden – auch unkastrierten Rüden – gelernt hat, das ist schon die bessere Voraussetzung für die Bewältigung einer derart stressigen und spannungsgeladenen Situation als eine Welpengruppe, in der alle mehr oder weniger unkontrolliert übereinander herfallen.

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Es ging alles gut aus, die Hunde haben sich “nur” angebrummt und angedroht, mehr war nicht, aber wenn Anke nicht so gut aufgepasst und dieses merkwürdige “Spiel” nicht als das verstanden hätte, was es war, nämlich ein unfreundliches Austesten des jeweils anderes, wäre es vermutlich zumindest zu einigen Kratzern kommen – auch bei im Prinzip freundlichen  Viszlas. Denn wer fände das gut, wenn er ungefragt Besuch in seinem Bereich bekommt, der eine klare Konkurrenz darstellt, der sich uneingeladen auf dem eigenen Gelände breit macht, der überall rumpinkelt und auch noch den dicken Max markiert und einen androht? Will man mit dem “spielen”? Im besten Fall kann man mit so jemandem mal auf neutralem (!) Gelände Kontakt aufnehmen und dann entscheiden, ob man mit ihm näher bekannt werden möchte oder eben nicht. Und jetzt rede ich nicht von Hunden, auch wenn es 1:1 auf Hunde übertragbar ist.

Wann hört das eigentlich auf, daß Menschen denken, Hunde würden Tag und Nacht nur ans Spielen denken? Wann verstehen Menschen endlich, daß auch Hunde erwachsen werden und wie erwachsene Menschen dann deutlich weniger spielen, dafür mehr freundschaftlichen Kontakt zu sympathischen Artgenossen brauchen, mehr Gemeinsamkeit und gemeinsames Erleben und deutlich weniger wildes Rumgerenne. Ja, es gibt Unterschiede, manche Hunde bleiben länger alberne Spielfreaks, bei anderen geht das schneller vorüber. Manche spielen gerne und freundlich mit jungen Hunden, mit erwachsenen eher nicht. Manche spielen nur mit ihren Freunden oder mit ihren eigenen Kindern….. Erinnert Sie das an Sie selber? Überraschung! Hunde und Menschen sind sich auch in diesem Bereich sehr ähnlich. Und ganz sicher wollen sich weder Hunde noch Menschen Spielkumpane aufdrängen lassen.

Lupo war nach diesem Besuch übrigens fix und fertig. Kein Wunder. Über einige Stunden mußte er ertragen, daß ein fremder Kerl sich bei ihm breit macht, er mußte ihn bewachen, damit er nicht versucht, sich seinen Hof unter den Nagel zu reißen, er mußte aufpassen, ob der nicht plötzlich einen Angriff auf ihn startet….. ganz sicher kein Grund sich über Besuch zu freuen und mit ihm zu spielen.

Liebe Hundemenschen, wenn eure Hunde andere Hunde so gerne mögen, daß sie den Besuch dieser Hunde auf dem eigenen Geländer toll finden – wunderbar. Freut euch, herzlichen Glückwunsch. Aber die meisten Hunde und ganz besonders erwachsene Hunde  sind da nicht unbedingt scharf drauf. Unser Maxl findet Hundebesuch toll, Anton reduziert das auf Mädchen und Indiana sagt: RAUS! Also gibt es hier keinen Hundebesuch mehr. Denn wir legen den Menschenbesuch fest und die Hunde den Hundebesuch. Und wenn mein Mann eine Freundin von mir nicht leiden kann, treffe ich mich mit ihr woanders, und so halten wir es mit den Hunden auch. Sie treffen ihre Freunde auf neutralem Gelände, und wir sichern ab, daß das auch Freunde sind und sie sie gerne treffen. Was sie dann mit ihrem Kumpels machen, spielen, schnüffeln, buddeln…. bleibt ihnen überlassen.

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Einfach Hund sein dürfen – Das Hundeleben natürlich gestalten

von Ute Rott
Forsthaus Metzelthin

Thomas Riepe hat ein neues Buch geschrieben: “Einfach Hund sein dürfen – Das Hundeleben natürlich gestalten”. Jetzt gibt es schon jede Menge Bücher und Artikel, in denen behauptet wird, nur so, wie der Autor das darstellt, sei “artgerechte” Hundehaltung richtig und möglich. Bei vielen dieser Veröffentlichungen denke ich mir, daß es dem Autor vor allem darauf ankommt, die Wünsche der Hundebesitzer zu erfüllen, weniger die der Hunde. Wer Thomas Riepe kennt, und er hat mittlerweile eine zahlreiche Fangemeinde, weiß, daß er gerne alle seine Thesen und Behauptungen gut untermauert und vor allem: er denkt für die Hunde und macht es den Hundehaltern nicht immer leicht. Oder doch?

Riepe, Einfach Hund

In seinem neuen Buch beschreibt er ausführlich und nachvollziebar, welche Art von Hunden er beobachtet hat, wie diese Hunde leben und welche Schlüsse wir daraus für unsere Hunde ziehen können. Das Buch ist sehr übersichtlich in 4 Teile unterteilt:
1. Das Hundeleben natürlich gestalten warum?
2. Wolf, Dinge? Co: Vorbilder für das natürliche Gestalten
3. Angeboren und angepasst
4. Das Hundeleben natürlich gestalten: So klappt’s im Alltag.

Sehr ausführlich geht er darauf ein, daß ein Leben, wie es unsere Hunde in Mitteleuropa führen, durchaus nicht das übliche für die meisten Hunde dieser Welt ist. Er unterscheidet folgende Populationen: Pariahunde, wildlebende Caniden, Schensi- und Strassenhunde, Bauernhunde und Haushunde. Gestützt auf seine Beobachtungen, die weltweit bei den unterschiedlichen Populationen gemacht hat, erklärt er, wie sie leben, wie sie ihren Tag gestalten und wie sie sich von anderen Hunden unterscheiden. Ein wichtiger Unterschied aller Caniden zu unseren Haushunden ist, daß alle anderen ihr Leben selbstbestimmt führen, unseren Hunden dagegen von der Wiege bis zur Bahre jeder Atemzug vorgeschrieben wird. Und das ist alles andere als angenehm und erzeugt jede Menge Probleme, egal ob es um Territorialverhalten, Ruhebedürfnis, Nahrungsbeschaffung,  Familienplanung oder anderes geht. Uns ist – eigentlich – bewußt, daß die meisten der Probleme, die wir mit Hunden und Hunde mit uns haben, hausgemacht sind, aber hier wird uns sehr klar der Spiegel vorgehalten, was wir unseren Hunden alles aufbürden.

Am deutlichsten erkennt man das an zwei Punkten: schlecht befriedigtes Ruhebedürfnis und Arbeitslosigkeit von Haushunden. Hunde ruhen bis zu 20 Stunden am Tag. Das ist selbstverständlich von verschiedenen Faktoren abhängig, denn ein sehr junger Welpe schläft mehr als ein aktiver Jundhund und ein Greis wird auch mehr Zeit mit Schlafen verbringen als ein gesunder erwachsener Hund. Wenn wir allerdings nachrechnen, wie viele Stunden unsere Hunde täglich für sich haben, Zeiten, in denen sie einfach tun und lassen können, was sie wollen, z.B. dösen, dann stellen wir fest, daß die wenigsten Hunde auch nur auf 16,17 Stunden kommen. Dieses Ruhebedürfnis ist allerdings genetisch fixiert und es führt natürlich zu Problemen, wenn es nicht befriedigt werden kann.

Mit der Arbeitslosigkeit unserer Hunde ist es ähnlich. Als soziale Lebewesen, die in familiären Gemeinschaften leben, wissen Hunde, daß jedes Mitglied eine Aufgabe erfüllen muß, damit es allen gut geht. Aber selbst das, was Hunde hervorragend ohne große Schulung und Übung können: riechen und aufpassen, dürfen sie in den allerwenigsten Fällen ausleben. Viele Menschen sind sogar stolz darauf, daß ihr Hund ein reines Luxusgeschöpft ist, daß sie ihren Hunden damit keinen Gefallen tun, ist ihnen nicht klar.

Es gibt noch viele Punkte, die genau erläutert werden, z.B. wie ein ausgeglichener Hormonhaushalt zu einem guten Leben führt, daß Hunde eben nicht permanent spielen w0llen, wie man einen hundegerechten Spaziergang durchführt, daß nicht jeder Hund einen Hundepartner im Haushalt braucht, aber sehr wohl einen verständnisvollen Menschen.  Ebenso macht er vernünftige Vorschläge, wie man seinem Hund eine Aufgabe zuteilt, die er gut bewältigen kann und ihn dadurch zufriedener macht – und nein, er meint damit nicht, daß Bello pausenlos mit Hundesport durch Parcours und über Hundeplätze gejagt wird, sondern daß er z.B. gemütlich einen Teil des Hauses oder der Wohnung bewacht.

Es wird so manchem nicht leicht fallen einzusehen, daß Hunde ein erfülltes Leben haben, wenn sie dabei sein, genug schlafen und eine kleine Aufgabe erfüllen dürfen. Und es wird wohl noch viel Überzeugungsarbeit kosten, bis die Mehrheit der Hundehalter und Hundetrainer (!) verstanden hat, daß der Beschäftigungswahn der Hundemenschen, egal wie nett man das aufbaut, nicht im Sinne der Hunde ist. Dieses Buch leistet einen wichtigen Beitrag dazu.

Am besten gefallen hat mir übrigens der Ausdruck “Hundestalker”, so bezeichnet sich Thomas Riepe selber, da er so oft wie nur möglich Hunde – und andere Caniden -  beobachtet und dabei immer interessante Dinge sieht und lernt.

Das Buch ist ein ideales Geschenk für Menschen, die ihren ersten Hund haben oder über eine Adoption nachdenken, und durch die Vielzahl von Meinung, wie ein Hund zu leben hat, verunsichert sind. Sehr wichtig finde ich es für alle, deren Hund ein Programm wie ein Siemens-Vorstandsvositzender hat, und die vor lauter Hundebespaßung schon gar nicht mehr zu einem eigenen Leben kommen. Menschen, die Hunde aus dem Auslandstierschutz haben und mit vielen Verhaltensweisen nicht gut klar kommen oder verunsichert sind, kann hier klar werden, daß sie einen ganz normalen Hund mit ganz normalen Vorstellungen von einem guten Hundeleben haben, das sich noch dazu mit unserem Leben gut vereinbaren läßt. Aber selbstverständlich kann jeder Freude an diesem Buch haben, der sich gerne mit Hunden befasst. Ein besonderes Schmankerl sind die wirklich liebevollen Zeichnungen von Susanne Dinkel.

Natürlich könnte ich jetzt noch viel ausführlicher auf den Inhalt eingehen, aber warum sollte ich alles nachplappern, was Thomas Riepe schon so hervorragend geschrieben habt. Kauft euch das Buch und lest es, es lohnt sich und kostet nur € 14,90.

Einfach Hund sein dürfen – Das Hundeleben natürlich gestaltenThomas Riepe, Ulmer Verlag 9-783-8001-33789
D € 14,90
A € 15,40

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Pass auf! – Warum Hunde eine richtige Aufgaben haben sollten

Ute RottForsthaus Metzelthin

Hunde müssen beschäftigt werden – hört man ständig und immer wieder, egal wie oft man argumentiert, daß die meisten Beschäftigungen, die Menschen sich für Hunde so ausdenken, vorsichtig ausgedrückt, nicht immer passen. Weil aber Hunde wie Menschen dafür gemacht sind, in Gemeinschaften zu leben und deshalb wissen, daß in einer gut funktionierenden Gemeinschaft jeder eine Aufgabe erfüllt, sollte es doch möglich sein, für jeden Hund eine Aufgabe zu finden, die er gerne und gut machen kann. Für manch ein Couchpotato reicht es vollkommen aus, wenn er einfach dabei sein darf, wenn möglich immer und überall. Aber andere hätten es eben gerne etwas anspruchsvoller.

Wir hatten vor knapp 20 Jahren einen Strobel (Atdeutscher Hütehund), dessen Hauptaufgabe es war, meinen Mann bei der Arbeit zu begleiten. Mein Mann hatte damals zusammen mit einem Freund einen Kurierdienst. Er versuchte immer, seinen Tag so zu gestalten, daß unser Joschi seine regelmäßigen Spaziergänge bekam, aber an manchen Tagen war es eben nicht mehr, als 3-4 mal über einen Autobahnparkplatz. Joschi war wie alle Hütehunde ein sehr lauffreudiger Hund, deshalb hatte er anfangs an solchen Tagen ein ganz schlechtes Gewissen – grundlos. Denn diese Viertelstunde über einen fremden Parkplatz war hochinteressant und mit vielen neuen Eindrücken verbunden. Solange das kein Dauerzustand war, war alles im grünen Bereich. Mit 14 Jahren erkrankte Joschi am Vestibulären Syndrom, wir dachten damals, es sei ein Schlaganfall und hatten große Angst, daß er sterben würde. Nach wenigen Tagen ging es ihm aber deutlich besser, und zwar ab dem Moment, als er meinen Mann wieder begleiten durft. Er wurde gebraucht als Kurierfahrerbegleiter und das reichte aus, um seinen Lebenswillen anzufachen.

Sein Nachfolger, mein unvergessener Fritzi, war einer der besten Wachhunde, die man sich vorstellen kann. Wir hatten von Anfang an darauf geachtet, daß wir jede seiner Meldung, jedes kleinste Wuffen ernst nahmen. In kürzester Zeit konnte er auffällige Geräusche von unauffälligen unterscheiden, er wußte, wie und wann er uns Bescheid sagen mußte, und das tat er leise und ganz nebenbei, einfach mit einem kurzen “Wuff”. Hier in Metzelthin war seine selbstgewählte Aufgabe, das Anwesen zu bewachen. Die Folge war, daß wir bis heute so gut wie keine Waschbären auf dem Hof haben, was sich sehr positiv auf die Zwetschgen- und Gemüseernte auswirkt. Zwei- bis dreimal am Tag drehte  er eine knapp 20minütige Runde übers ganze Gelände und war von nichts davon abzubringen. Bis eine Woche vor seinem Tag nahm er das ernst und erfüllte seine Pflicht gewissenhaft.

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Seine Gefährtin, die kleine Loni, stand ihm bei als er älter wurde und nicht mehr so gut hörte. Sie passte für ihn auf und weckte ihn, wenn es notwendig war. Beide waren hervorragende, lebende Klingeln. Denn ich höre nicht immer, wenn jemand am Tor steht und die Glocke wieder mal nicht geht. Loni brachte auch unserem Maxl viel bei, was man im täglichen Leben in Metzelthin so braucht. Auch wenn wir manches nicht so gut fanden, z.B. Hasen jagen, für ihn war sie eine wichtige Stütze, um hier anzukommen.

Indiana und Maxl arbeiten zunehmend Hand in Hand. Sie kann deutlich besser einschätzen, wann etwas bemerkenswert ist, er hört mit seinen Ohrtüten alles im Umkreis von einem Kilometer, sagt ihr Bescheid, und sie entscheidet dann, ob es wichtig ist oder nicht. Mit dieser Lösung ist uns allen geholfen, weil Maxl nicht mehr so viel bellt.

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Es gibt Hunde, die tragen einfach gerne irgendwas durch die Gegend. Was spricht dagegen, so einen Hund angemessene Gegenstände von A nach B transportieren zu lassen? Eine Kundin von mir hat ihren beiden Sheltiemädchen beigebracht, das Klammerkörbchen von der Wohnung in den Speicher zu tragen, wenn sie zum Wäscheaufhängen geht. Ein anderer Kunde ließ seinen Labrador die Zeitung vom Briefkasten ins Haus tragen. Ein anderer Kundenhund geht mit Frauchen zur Arbeit ins Seniorenheim und beglückt dort die alten Leute, z.B. verbringt er einen Teil seiner Zeit bei einer alten Frau in ihrem Zimmer, mit der er auch spazieren geht. Alle sind glücklich: Frauchen weiß, ihr Kleiner ist gut aufgehoben, die alte Frau kommt raus und hat eine Aufgabe und der Süße hat eine Aufgabe.

Ein Jagdhund, der zuverlässig Wild anzeigt, hat schon aus so manchem einfachen Naturliebhaber einen begnadeten Tierfotografen gemacht. Einer meiner Kunden hat seinem Beagle beigebracht, daß es sich sehr lohnt, die Rehe und Hasen Herrchen zu melden und eben nicht hinterher zu laufen. Die Folge: die beiden gehen ohne Leine durch den Wald und Herrchen macht fantastische Fotos, um die ihn alle beneiden.

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Wer mit seinem Hund sowas wie Feinreviersuche oder Verlorensuche macht, kann seinen Hund doch auch was suchen lassen, was wirklich verloren gegangen ist. Zum Glück ist das nicht so oft notwendig. Aber mein alter Fritzi hat immer wieder mal unseren Parkplatz abgesucht, wenn jemand seinen Schlüssel verloren hatte. Entweder er hat ihn gefunden oder zuverlässig angezeigt, daß er hier nicht ist.

Was ist der Unterschied zu “spielerischen” Beschäftigungen? Ganz einfach: der Hund wird ernst genommen mit all seinen Fähigkeiten. Anstatt ihn anzupflaumen “Halt die Klappe” – was sowieso nichts hilft -, kommt die Botschaft “kannst du bitte mal nachsehen? Hier ist was komisch.” bei mir an und ich kann den Hund dafür loben – und ihn nebenbei dazu bringen, nicht immer gleich loszuschreien, sondern mir ganz leise Meldung zu machen. Anstatt mir weiß Gott was auszudenken, was ihm gefallen könnte, beobachte ich meinen Hund genau, stelle fest, was er wirklich gerne tut und lerne ihn dadurch besser kennen und verstehen. Und das kann nur förderlich für die Beziehung sein.

Hunde sind uns extrem ähnlich. Unter anderem finden sie es auch nicht lustig, wenn sie nicht ernst genommen werden. Es gibt so viele Dinge, die sie viel besser können als wir, denn ihre Sinnesleistungen übertreffen unsere um ein Vielfaches. Warum sollen wir das nicht in ihrem und unseren Sinn nützen? Ein Hund, der eine echte Aufgabe ausführt – und Hunde machen das immer gut -, der ist zufrieden und weiß, daß er für die Gemeinschaft notwendig ist nach dem Motto: ohne mich gehts auch, aber mit mir gehts besser.

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Deshalb rate ich allen meinen Kunden, ihren Hund zu beobachten und einfach abzuwarten, was er denn gerne macht. Natürlich geht das nicht von jetzt auf gleich, ein bißchen Zeit muß man sich schon lassen. Aber wo ist das Problem? Anstatt an sinnlosen Dingen rumzudoktern, die dem Hund keinen Spaß machen und den Menschen damit auf Dauer nur frustieren, kann man sich doch daran versuchen, mit dem Hund gemeinsam etwas aufzubauen, was beiden nützt.

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Hunde in der Werbung

von Ute Rott
Forsthaus Metzelthin

Für wen wird Werbung gemacht? Für den, der das Produkt braucht? Oder der es kaufen soll? Falsch: für den, der es verkaufen möchte. Dem ist es nämlich egal, ob wir das Teil brauchen oder nicht, Hauptsache, er kann’s loswerden. Und dazu ist Werbetreibenden kein Schwachsinn schwachsinnig genug. Ich frag mich oft, was denn der Waschbrettbauch von so einem Typen frisch aus der Muckibude z.B. mit Parfum für Frauen zu tun hat. Und wer glaubt allen Ernstes, daß sein Öl an der Tankstelle von einer blonden Bikinischönheit eingefüllt wird? Kürzlich hab ich mal eine Werbung gesehen, da hat so ein halbnacktes Mäuschen für “Frischfleisch” für Hunde (!) auf einem Lieferwagen geworben. Abgesehen davon, daß ich die Verknüpfung schon für daneben halte, war die Idee vielleicht nicht übertrieben gut, denn Hundefutter wird in der Regel von Frauen gekauft, weniger von Männern. Aber klar ist: Werbetreibenden ist nichts zu doof, und das geht manchmal ganz schön böse daneben.

Sehen wir uns mal diese tolle Autowerbung an, die es modifiziert auch im Fernsehen gibt. Ach, ist das nicht schön? Da laufen diese netten, hübschen Hunde, vier Stück an der Zahl, so fröhlich mit Frauchens supertollem, neuen Auto mit. Da macht der Spaziergang doch gleich noch mehr Spaß, oder?

Hunde in der Werbung FordMal abgesehen davon, daß es für Hunde nicht witzig ist, hinter oder neben einem Auto durch die Gegend gehetzt zu werden. Und nein: Hunde wollen nicht rennen, rennen, rennen und schon gar nicht wollen sie einem Auto hinterherhetzen, mit dem ihre Menschen davon fahren. Wir wollen uns zwei Punkte ansehen, die den hervorragenden Werbefachleuten von Ford anscheinend nicht bekannt sind.

1. Was macht die Autofahrerin, wenn sich ein Hund abseilt? Ist ihr klar, daß dann alle vier weg sind? Wenn eine der Pelznasen am Wegesrand eine Schafherde entdeckt, die man mal munter durchrütteln kann? Oder einen Hasen? Oder einen Radfahrer? Oder einen Spaziergänger mit Hund? Wie hält sie die Hunde auf? Kriegt sie das überhaupt mit? Was passiert, wenn ein Auto von vorn kommt? Viel Spaß, kann ich da nur sagen, da brauchen alle Beteiligten jede Menge Glück, um heil davon zu kommen.
2. Laut StVO § 28 ist es in Deutschland verboten Tiere am Fahrzeug zu führen. Soweit mir bekannt ist, sind Hunde auch Tiere. Gilt die StVO für Werbetreibende nicht – oder ist sie ihnen nicht bekannt? Müssen sich die nicht an Gesetze und Straßenverkehrsordnungen halten? Was passiert, wenn man Werbefilme zeigt, in denen über rote Ampeln gefahren wird? Halt! Das geht nicht. Wie wir alle wissen, ist das Fahren über rote Ampeln eine der schlimmsten Straftaten, die der deutsche Bürger begehen kann. Das wissen sicher auf die Agenturen.

Ironie: aus!

Spazieren gehen mit Hunden bedeutet, daß man sich Zeit nimmt für sie und zwar nur für die Hunde. Wenn man sein neues Auto ausprobieren möchte, und Bello kommt – im Auto – mit, ist alles gut. Aber damit zu werben, daß es total lustig ist, Hunde neben einem Auto herfahren zu lassen, das ist schon ganz schön daneben. Wen spricht das an? Wer ist die Zielgruppe? Abenteuerlustige Menschen, die Spaßautos haben möchten und sich nicht die Bohne dafür interessieren, wies ihren Hunden bei solchen Aktionen geht. Eigentlich ein Grund, keinen Ford zu kaufen, wenn die es notwendig haben, so eine Mistwerbung zu machen.

Und noch was: ich zeige jeden an – StVO § 28 -, den ich bei solchen Aktionen erwische und das rate ich auch meinen Kunden. In der Metzelthiner Umgebung hat’s insofern schon gewirkt, daß sich zumindest auf den öffentlichen Straßen keiner mehr traut, seinen Hund hinterm Auto laufen zu lassen. Könnte ja sein, ich komme des Wegs.

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Dann knallen wir sie eben ab – Parallelen im Umgang mit Flüchtlingen und Hunden

von Ute Rott
Forsthaus Metzelthin

Lange habe ich überlegt, ob ich das hier als Satire schreiben soll, aber irgendwie ist das Thema dann doch zu schrecklich, als daß ich mich drüber lustig machen könnte. Wir sind alle mehr oder weniger von den Flüchtlingen betroffen, die nach wie vor zu uns kommen. Und es sieht ganz so aus, als würde sich trotz vielfältiger Maßnahmen auf absehbare Zeit nichts daran ändern. Das ist auch logisch, denn so lange die westliche Welt, also besonders Europa und die USA den Rest der Welt als ihr Eigentum betrachten, das sie ausbeuten, mit Krieg überziehen und dirigieren können, wie es ihnen beliebt, geraten Menschen auf der ganzen Welt in Not und sie dann eben versuchen daraus zu entkommen. Ich finde das logisch, dann ich würde ganz genau so handeln. Aber unsere hochbezahlten Politiker und viele “besorgte” Bürger sehen das anders.

Wie komme ich aber auf den Titel “Parallelen im Umgang mit Flüchtlingen und Hunden”? Was haben diese Menschen denn mit Hunden zu tun? Ich finde, mehr als man auf den ersten Blick meinen könnte.

Wer aus einem von Krieg und Gewalt verwüsteten Land flieht wie z.B. Syrien oder Afghanistan, oder aus einem Land, das durch Landgrabbing, Ausbeutung und Umweltverschmutzung so wie weite Teile des afrikanischen Kontinents unbewohnbar gemacht wurde, der geht ja weg, weil er irgendwo anders auf der Welt Arbeit sucht, damit er überleben und vielleicht auch ein bißchen die Daheimgebliebenen unterstützen kann. Wer Schutz und Arbeit in der Fremde sucht, dem ist vermutlich klar, daß er sich ordentlich nach der Decke strecken muß, damit er auch aufgenommen und gut behandelt wird. Mir erscheint das nachvollziehbar und ich vermute, zumindest Thomas de Maizière, unser Innenminister, sieht das auch so. Warum sonst sollte er in Afghanistan versuchen, die Leute von der Flucht abzuhalten mit dem Argument: in Deutschland gibt es nicht für alle Flüchtlinge Arbeit und Wohnungen. Trotzdem wird permanent von arbeits- und integrationsunwilligen Asylbewerbern gesprochen, so als kämen nur die Kriminellen und Arbeitsscheuen hierher. Ganz wichtig ist, daß die sofort alle wieder abgeschoben werden, egal wohin, Hauptsache weg. Ganz sicher werden da auch Kriminelle und Arbeitsscheue darunter sein. Aber allein 2015 über eine Million? Doch unwahrscheinlich oder?

Hat nix mit Hunden zu tun oder? Ich sag euch mal, warum ich denke, doch.

Wenn Leute sich einen Hund holen, dann ist der noch gar nicht da, und schon wird ruminterpretiert: was er für einen Charakter haben wird, wie groß er wird, ob er mal kastriert werden muß oder nicht, ob er / sie ein guter Zuchtrüde / eine gute Zuchthündin wird, was er mal für Beschäftigungen braucht….. und ganz wichtig: welche Grenzen man ihm setzen muß. Weil, wenn wir ihm keine Grenzen setzen, dann frißt er uns bekanntermaßen die Haare vom Kopf und die Wurst aus dem Kühlschrank und erobert die Herrschaft erst über uns und dann über den Rest der Welt.

Wie die Flüchtlinge. Erst tun sie ganz arm, dann nehmen sie uns unsere Arbeitsplätze weg, dann unsere Wohnungen und dann unserer Frauen…. nein, mir nicht, ich habe ja einen Mann. Aber es sind ja auch Frauen dabei, die nehmen mir dann meinen Mann weg. Wenn wir da nicht aufpassen! Die haben doch eine ganz andere Kultur! Unsere westlichen Werte! Da kommen die doch gar nicht damit klar: Demokratie, Gleichheit, Freiheit! Die kennen doch nur, daß der Muezzin oder der Iman, oder wie die heißen, ihnen die Ohren vollsabbern und dann rennen die los mit dem Sprengstoffgürtel um den Bauch und sprengen uns in die Luft. Hab ich ein Glück, daß sie mich in meiner Waldeseinsamkeit noch nicht entdeckt haben.

Ironie: aus!

Ein großes Übel unserer Welt ist, daß wir zwar überhaupt kein Problem damit haben, andere mit unseren “Werten” zu überrollen und ihnen unsere Lebensart aufzudrängen, aber wehe die anderen melden an, daß sie andere Bedürfnisse haben. Hunde z.B. wollen immer nur alles, was wir auch wollen. Ach wirklich? Wenn sie nicht einsehen, daß unsere Ideen die besseren sind, dann therapieren wir eben so lange an ihnen rum, bis sie aufgeben und sich alles gefallen lassen.Schließlich soll so ein Hund froh sein, daß es ihm bei uns so gut geht, oder?

Und Asylbewerber sollen sich mal schön ganz hinten anstellen und abwarten, bis wir ihnen die Krumen vom reichgedeckten Tisch runterwerfen – wohlgemerkt, der Tisch ist so reich gedeckt, weil wir den Rest der Welt ausbeuten und denen, die wir jetzt wie den letzten Dreck behandeln, ihre Lebensgrundlage erfolgreich streitig gemachen haben. Ist ja auch wieder sehr praktisch, dieser Krieg in Syrien – heute war das Benzin schon wieder billiger.

Hunde wollen uns manipulieren und beherrschen, wenn wir nicht aufpassen, und Asylanten – naja, mußt ja nur nach Köln kucken!

Wir leben alle in einer Welt und alle haben die gleichen Rechte – egal ob Menschen oder Tiere – egal ob schwarz oder weiß – egal welches Geschlecht, welches Alter….. Schneller als wir denken, werden sich die Petrys und Storchs durchsetzen, wenn wir nicht aufpassen – nur weil wir Angst haben, der Wahrheit ins Auge zu sehen und die Konsequenzen daraus zu ziehen. Weder bringt es was, wenn wir Hunde mit Druck und Zwang erziehen, noch helfen wir uns selber, wenn wir mit Menschen anderer Länder umgehen, als wären sie unsere Leibeigenen -  oder einfach hinnehmen, daß andere sie wie Leibeigene und Sklaven behandeln.

Wer dafür ist, daß für Hunde im Ausland etwas getan wird und wer Hunde aus dem Auslandstierschutz adoptiert, der muß auch dafür sein, daß hilfesuchende, schwer traumatisierte Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten bei uns Schutz und Hilfe finden und nicht schußbereite Gewehre an der Grenze. Wer sich aufregt, daß Leute Hunde aus dem Ausland adoptieren und sie nach wenigen Wochen wieder abschieben, weil sie eben keine Kuschelbärchen sind, der muß sich auch über den Umgang mit Asylbewerbern und diese gruselige Bereitwilligkeit, sie schnellstmöglich wieder ins Elend zu treiben, aufregen. Wo ist der Unterschied? Sind die, die auf vier Beinen laufen schützenswerter als die mit den zwei Beinen?

In den letzten Tagen habe ich viele Posts auf Facebook gelesen, die ankündigen, daß jeder der sich mit diesen schrecklichen, schrillen Tönen -  nicht nur – von der AfD gemein macht, sofort und unwiderruflich von der Freundesliste gestrichen wird. Das finde ich sehr erfreulich, denn tatsächlich sind viele, die vorher doch immer mal wieder da eine gewisse Tendenz haben durchblicken lassen, offenbar ins Nachdenken gekommen und halten sich zumindest ein wenig zurück. Sehr viel erfreulicher wäre allerdings, wenn sich endlich die Erkenntnis durchsetzen würde, daß alle Lebewesen auf dieser Welt Hilfe und Verständnis bekommen müssen, wenn sie sie brauchen – nicht nur Streunerhunde aus Rumänien, sondern auch schwarze Menschen aus Afrika oder Muslims aus Afghanistan oder Syrien. Das würde nämlich bedeuten, daß wir diese sog. “westlichen Werte” mal etwas ernster nehmen.

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