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Im Forsthaus Metzelthin kann man auch tauschen!

Ich hoffe sehr, dass noch ganz viele Hundeschulen mitmachen.

Viele Wege führen nach Rom und die gewaltfreien sind schöner und besser für Mensch und Hund.

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Spaziergang in der Dämmerung

Seid ihr mit eurem Hund schon mal bei Dunkelwerden im Wald gewesen? Im Dezember ist mir das mal aus Versehen passiert. Jetzt ist es nicht so, dass ich ein Problem damit hätte und meine Hunde haben auch keins, es kam nur anders als geplant. Eigentlich wollte ich mit Indiana eine Route für die nächste Hundewanderung im Februar oder auch für die 3-Tages-Wanderung Ende April auskundschaften – aber wir sind erst gegen halb vier am Nachmittag los. Und für die Auskundschaftung war es dann einfach zu spät weil zu dunkel.

Also sind wir eine Strecke durch den Wald gelaufen, die wir gut kennen, wo wir vielleicht die eine oder andere vierbeinige Begegnung haben könnten. Daraus wurde aber auch nichts, weil es den Wildtieren wohl zu nass und zu kalt war.

Es war so still, dass ich in unseren Pausen einfach nichts gehört habe außer das Blut in den Ohren, unseren Atem und ab und zu ein paar Regentropfen auf dem Boden. Indiana blieb oft stehen und hat sehr aufmerksam in den Wald gehorcht, sich umgedreht in die andere Richtung gelauscht. Teilweise standen wir fünf bis zehn Minuten da und haben nur aufgepasst. Ein paar Male hörten wir in einiger Entfernung Schüsse. Wir waren beide sehr aufmerksam, könnte ja sein, irgendwo bricht ein angeschossenes Tier durch.

Wenn man so durch den stillen Wald läuft, stehenbleibt und lauscht, dann fangen die Gedanken an zu wandern. Es gab nur noch Indiana und mich und eine stille, friedliche Umgebung. Bei den Schüssen mußte ich verdrängen, dass jetzt vielleicht ein Tier stirbt. Mußte auch verdrängen, dass die Jäger das in dieser Jahreszeit dürfen – obwohl es für die Wildtiere im Winter schwer ist. Aber unsere Hunde müssen angeleint sein. Das habe ich jedes Mal wegdrücken müssen. Ich kann ja sowieso nichts dran ändern.

Auch andere, schöne Gedanken sind hochgekommen. Viel mehr Menschen wollen mit ihren Hunden freundlich zusammen leben, legen großen Wert auf ein gutes und friedliches Miteinander. Mehr und mehr TrainerInnen lehnen gewalttätige Methoden ab, bestehen auf Brustgeschirren, propagieren freundlichen Umgang mit Hunden und leben das auch vor. Nach und nach wird die Wichtigkeit von absolut zu befolgenden Kommandos zugunsten der Hunde in den Hintergrund gedrängt. Immer öfter lese und höre ich, dass die Menschen gar nicht mehr wollen, dass ihr Hund wie ein Roboter reagiert – im Gegenteil, immer mehr sind bereit die tägliche Spazierroute dem Hund zu überlassen, genau zu beobachten, was er möchte und was nicht….. Und das ist einfach schön.

Ganz sicher möchte ich nicht alles schön reden. Aber so gegen Ende des Jahres zieht man eben doch gerne mal Resümee und das mache ich auch gerne. Und wenn ich überdenke, welche Kunden und Gäste ich in diesem Jahr hatte und wie ich bei den allermeisten eine wachsende Bereitschaft gefunden habe, mal unkonventionelle, alternative Vorschläge zu überdenken und zu versuchen, wie viele Kunden und Gäste zu mir gekommen sind, die ganz explizit eine Hundeschule gesucht haben, in der gewaltfrei gearbeitet wird, dann finde ich, wir alle, wir Warmduscher und Wattebällchenwerfer, wir Gutmenschen und Weicheier, wir können uns ruhig mal auf die Schulter klopfen und uns klarmachen, dass wir schon einiges erreicht haben.

Solche Gedanken kamen mir, als ich mit meiner Hübschen im Wald interessanten Geräuschen hinterher lauschte, wir allmählich ein Teil der Dämmerung wurden und ich mich bemühte, so leise und sanft aufzutreten wie Indiana, um die Stille nicht zu stören. Denn wenn man im Wald unterwegs ist, kommt man zur Ruhe. Wenn wir auf unsere Hunde achten, fangen wir an, im Hier und Jetzt zu leben, das was um uns rum ist zu beachten und zu beobachten, zu respektieren, dass es außer uns viele, viele Lebewesen gibt, die das gleiche Recht wie wir haben, ein gutes Leben zu führen. Und: dass es immer mehr werden, die auch so denken.

In diesem Sinne habe ich das Jahr 2017 mit einem guten Gefühl für die Zukunft, für mich und meine kleine Familie, für meine zwei- und vierbeinigen Freunde, für diese Welt und alle die in ihr wohnen, beschlossen und hoffe sehr, dass das Jahr 2018, in dem wir schon wieder mittendrin stecken, eine ähnliche Tendenz aufzeigt – und ich glaube, ich habe allen Grund zu Hoffnung.

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Meiner ergibt sich nie, das ist doch ein Problem? Oder?

Aussagen in dieser Art hört man immer wieder: Hund „weigert“ sich, sich auf den Rücken zu legen, um dem anderen Hund seine Unterlegenheit anzuzeigen. Das Verhältnis ist nicht ausgewogen, beim Spielen liegt der eine immer, der andere nie auf dem Rücken, der rennt lieber weg. Es ist doch nicht normal, wenn sich ein Hund nie ergibt….

Ja, was daran ist eigentlich nicht normal? Stellt euch einfach mal vor, ihr bringt euer Kind in die Kita und als ihr es abends abholt, nimmt euch die Erzieherin mit von Sorge zerfurchter Stirn auf die Seite und sagt: „So ganz normal ist Ihr Kleiner aber nicht. Er hat sich heute nicht ein einziges Mal ergeben. Normalerweise müßte er sich immer mal wieder auf den Boden hocken, den Kopf zwischen die Beine nehmen und seine Unterlegenheit bekunden. Das hat er nicht einmal gemacht. Wenn er sich wenigstens mal in die Ecke gestellt hätte! Aber nicht mal das!“ Wenn ihr daraufhin dieser pädagogischen Fachperson die Hand schüttelt und sagt: „Danke fürs Gespräch, war nett Sie kennengelernt zu haben.“ euer Kind einpackt und auf Nimmerwiedersehen verschwindet, dann habt ihr mein vollstes Verständnis. Jeder halbwegs im Kopf klare Mensch würde sich fragen, wozu das gut sein soll.

Aber ein Hund muß das können? Der muß sich vor anderen kleinmachen und demütig sein und um Gutwetter bitten, oder wie? Einfach so?

Es gibt zwei Hauptarten der Unterwerfung: die aktive und die passive. Aktiv bedeutet: der Unterlegene, z.B. ein unsicherer Junghund, der sich bei einem souveränen Althund für etwas entschuldigen oder ihn milde stimmen möchte, benimmt sich wie ein Welpe. Er legt die Ohren an, kriegt ein Welpigrinsegesicht, knickt in den Knieen ein, schwarenzelt um den Alten rum, schleckt ihm das Maul und ist überhaupt sehr aufdringlich und anhänglich. Passiv bedeutet: die Hütte brennt und der Jungspund muß sehr deutlich zeigen, dass er die Waffen streicht. Also schleicht er zum Großen hin, macht sich ganz klein, legt sich vor ihm demütig und vorsichtig auf den Rücken und zeigt die Bauch- und Halsunterseite.

Und der Große? Der schaut weg. Der nimmt die Entschuldigung an, ob aktiv oder passiv ist egal und verhält sich ganz ruhig. Er vermeidet jeden Blickkontakt, um eine Eskalation der Situation zu vermeiden und zieht sich sobald es geht zurück, damit der Kleine sich wieder beruhigt, bzw. aufstehen kann. Nur bei einem sehr aufmüpfigen Jundspund, der mal eine klare Lektion braucht, wird sich erstmal die Zeit nehmen ihn abzuschnüffeln. Aber auch das dauert nicht lange, dann geht er weg, damit der aufstehen kann.

Und das soll euer Hund einfach so zwischendurch mal machen? Merkwürdige Vorstellung, finde ich. Aber das Dumme ist, dass es leider immer noch einige KollegInnen gibt, die behaupten, das sei notwendig für eine gutes Sozialverhalten. Dabei gibt es viele Varianten, einen Konflikt zu lösen. So zu tun, als sei man grundsätzlich so eine Art Fussabtreter, zeugt vermutlich einerseits von wenig sozialer Flexibilität. Der Hund hat anscheinend nur das gelernt und es kann leicht mal passieren, dass er an den Falschen gerät, dem es Spaß macht, ihm dauernd eine drauf zu geben. Andererseits ist das auch ein starker Hinweis auf mangelndes Selbstvertrauen und erlernte Hilflosigkeit. Ich wüßte auch nicht, was daran besonders sozial ist, wenn der Stärkere im Spiel vom Schwächeren verlangt, dass er sich mittendrin einfach so hinschmeißt. Das erinnert dann doch stark an Sadomaso-Spielchen. Wenn Menschen daran ihren Spaß haben und im Einverständnis handeln, ist das ok. Aber das von Hunden zu fordern?

Und was ist von einem vermeintlich souveränen Hund zu halten, der das von anderen einfordert? Bei mir wird das in Gruppen garantiert nicht geduldet, dass ein Hund anfängt, die anderen zu tyrannisieren. Wenn ein neuer, junger Hund in die Gruppe kommt, der natürlich masslos aufgeregt ist und deshalb vor lauter Lass-mich-auch-mit nix wie Blödsinn macht, die anderen anrempelt oder einfach nur nervt mit seinem Gehampel, dann kann es zu so einer Situation schon mal kommen. ABER: die älteren Hunden dürfen ihn z.B. ruhig mal in der Rückenlage abschnüffeln, doch dann muß der wieder aufstehen dürfen. Es gibt definitiv keinen Grund zu jubeln, wenn ein Hund in der Gruppenstunde permanent auf dem Rücken liegt und die anderen ihren Spaß damit haben.

Mobbingopfer werden die besten Mobber und zu erwarten, dass ein Hund permanent anderen Hunden gegenüber demütig ist, ist der beste Garant dafür, dass es auch dem sanftmütigsten Hund irgendwann reicht. In einer meiner Gruppen ist eine sehr nette Labradorhündin, die ihre Welpen- und Junghundzeit in einer anderen Hundeschule erlebt hat. Diese Trainerin war der Meinung, dass ihr Rüde sofort erkennt, welcher Welpe eine „harte Hand“ braucht. Unser Labimädchen wurde von ihm so eingeschätzt und hat wohl während der Trainingsstunden mehr Zeit auf dem Rücken als auf den Füßen verbracht. Dazu kam, dass sie sehr früh einen Kreuzbrandriss und damit Schmerzen beim Toben und Spielen hatte. Jedenfalls wunderte mich sehr, dass sie im Freilauf auch über längere Zeit immer eine Bürste machte. Sowie die Leine dran war, konnte sie sich entspannen. Ihre Halter erzählten, dass sie manchmal „ohne jeden Anlass“ andere Hunde attackierte, sie konnten nicht erklären warum. In meiner Gruppe ging es lange Zeit gut, bis sie von zwei Rüden genervt war. Sie war läufig gewesen, die Rüden fanden sie immer noch sehr interessant. Das Generve war sicher nicht angenehm, aber auch nicht extrem. Jedenfalls ging sie plötzlich ohne jede Vorwarnung auf einen der beiden los. Es endete mit einem blutenden Ohr und damit, dass die beiden natürlich nicht mehr in einer Gruppe sein können, weil der Rüde verständlicherweise jetzt Angst vor ihr hat. Dabei waren die beiden mal richtig befreundet.

Nach langen Gesprächen und Überlegungen kamen wir wieder auf die Gruppentrainings in der anderen Hundeschule zu sprechen und ich bin überzeugt, dass hier die Ursache liegt: die Halter hatten nie gelernt, dass man seinem Hund helfen darf, wenn sie der Meinung sind, irgendwas reicht jetzt. Das Verhalten des Trainerhundes, der vermutlich einfach genervt von dem Welpen- und Junghundgewusel war und keinen Bock auf die Blagen anderer hatte, fanden sie zwar beide überzogen, aber sie dachten eben, das muß so sein. Und was hat die Hündin gelernt? Wenn’s reicht, dann werd ich zum Monster und danach habe ich meine Ruhe.

Wenn gerade junge Hündinnen von Rüden genervt werden, muß man ihnen helfen und es ist erlaubt, dass die Hündin bei mir Sicherheit sucht und ich den lästigen Verehrer in die Schranken weise, wenn sein Halter das nicht tut. Sie darf auch mal eine Ansage machen, wenn er nicht von ihrem Hinterteil wegzubringen ist, und die Ansage darf so sein, dass die Botschaft ankommt. Ebenso darf ein Jungund, den ein vermeintlich souveräner Althund ständig umlegt, durchaus mal sagen, dass es reicht, wenn schon seine Halter nicht auf die Idee kommen, ihm zu helfen.

Oder, um es auf einen ganz kurzen Nenner zu bringen: was du willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.

Hunde müssen sich nicht einfach so ergeben, nur weil ein anderer Hund oder irgend ein „Experte“ denken, das wäre angebracht. Wenn ein Konflikt entstehen könnte, z.B. beim Spielen, ist es eine wunderbare Lösung, zur Deeskalation zu buddeln, ein Rennspiel einzuleiten oder einfach rumalbern…. egal, der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Sich auf den Rücken zu legen, ist eine Lösung, die nur dann passend ist, wenn wirklich Feuer am Dach ist UND der andere Hund gut und souverän damit umgehen kann. Es ist keine Beschäftigungstherapie, um das Selbstvertrauen des einen klein zu halten und dem anderen die Möglichkeit zum Mobben zu geben.

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Warum fairer Umgang mit Hunden den Umgang mit Menschen fairer macht

Jahr: 2000
Ort: ein Hundeplatz in Oberbayern
Teilnehmer: meine Wenigkeit und ca. 8 Menschen mit ihren Hunden
Ich soll diese Menschen und ihre Hunde auf die VDH-Begleithundeprüfung vorbereiten. So wie ich es gelernt habe, marschieren die Menschen mit ihren Hunden stramm militärisch hintereinander her, die Hunde laufen links, exakt links bitte schön und jedes Abweichen muß sofort per Leinenruck korrigiert werden. Wenn die Hunde ihre Menschen ansehen, wird dies mit einem Leckerchen und Lob belohnt, wenn sie „Blödsinn“ machen, z.B. pinkeln wollen (strengstens verboten), dann gibts einen Leinenruck am Kettenwürger. Sowie die Menschen stehen bleiben, müssen die Hunde sofort sitzen und zwar exakt am linken Bein und gerade, wenn nicht, muß das sofort korrigiert werden.
Eigentlich finde ich das furchtbar, aber ich weiß nicht so recht, wie ich es anders machen soll. Ich bin unfreundlich zu den Menschen, sie gehen mir auf die Nerven, weil sie nichts verstehen. Sie rucken zu viel oder zu wenig, zu früh oder zu spät, sie sind selber abgelenkt und führen meine Anweisungen nicht prompt genug aus. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass das lauter Idioten sind und so behandle ich sie auch.
Sie sind alle weg und ich hole Fritzi, meinen jungen Kromirüden aus dem Auto, in dem er seit 2 Stunden wartet. Sofort geht es auf den Hundeplatz: sitz, platz, fuß, bleib, sitz, platz, fuß, bleib. Wehe, er macht irgendwas nicht so, wie ich es mir vorstelle – der ganze Frust vom Training vorher entlädt sich auf den kleinen Hund.

Szenenwechsel:
gleiches Jahr
Teilnehmer: meine Wenigkeit, der Fritzi, beliebige Spaziergänger mit ihren Hunden
Ort: irgendwo in Oberbayern
Wir gehen spazieren, der Fritzi und ich. Unterwegs üben wir viel: sitz und platz aus der Bewegung, herankommem mit Vorsitzen, bei-Fuß-gehen, eine Bleib-Übung an der Straße…. in ein paar Wochen gehe ich auf ein Turnier, da muß das sitzen.
Mein Hals ist die ganze Zeit ausgefahren wie ein Teleskop, damit ich ja nicht übersehe, wenn mir Menschen mit Hunden entgegen kommen. Der Fritzi pariert aufs Wort, aber die anderen sind echt alles Idioten. Sie nehmen ihre Hunde nicht an die Leine, sie kapieren nicht, dass man den Hund links führen muß, sie lassen die Leinen zu locker…. wer hat diesen Vollpfosten eigentlich erlaubt, sich einen Hund zuzulegen? Wenn mein Gegenüber irgendwas falsch macht und sein Hund kommt dem Fritzi zu nahe, rastet der komplett aus. Natürlich denkt der Depp, dass er alles richtig gemacht hat und es gibt einen Riesenstreit.
Verdammt! Auch dieser Spaziergang ging in die Hosen!

Szenenwechsel:
Jahr: 2018 im Frühjahr
Teilnehmer: mein Mann, meine Wenigkeit 18 Jahre älter, unsere Hunde Indiana und Maxl, unser Teilzeithund Anton, ein Passant mit Hund, ein Autofahrer, ein Dackelchen und sein Herrchen am Gartenzaun
Ort: Metzelthin in der Uckermark


Zwei Wochen war es richtig gruselig kalt, heute machen wir den ersten, warmen, sonnigen Frühlingsspaziergang. Wir fahren zu der großen Weide, wo ich Indiana und Maxl über weite Strecken frei laufen lassen kann. Mein Mann und der alte Anton kommen ein Stückchen mit und drehen dann um. Sie gehen zum Auto zurück, fahren ins Dorf um etwas zu erledigen und warten dann am vereinbarten Treffpunkt.


Wir drei gehen eine große Runde und finden eine ganze Menge interessante Sachen: einen neuen Dachsbau, die Wühlstellen der Wildschweine, das Gestrüpp am See, ein bißchen planlos laufen wir über die Wiese und gehen dahin, wo die Hunde es wichtig finden.

Dann überqueren wir die Straße zwischen Klosterwalde und Metzelthin und erkunden ein neues Stück Wiese, wo wir noch nie waren – superspannend. In einem großen Bogen gehen wir zur Straße zurück und laufen Richtung Dorf zum Treffpunkt. Soll ich die Hunde lieber kurz nehmen? Ach was, ich werd schon hören, wenn ein Auto kommt.
Die Hunde schnüffeln mal links, mal rechts, das ist ewig her, dass wir hier gelaufen sind. Indiana hebt den Kopf und schaut aufmerksam die Straße runter: ein Auto kommt. Wir gehen auf die Seite und lassen das Auto vorbei. Freundlich lacht der Fahrer meine Süßen an und ich bin sehr stolz auf die beiden.
Von vorne kommt ein Mann mit einem kleinen Hund. Ich hole meine beiden zu mir, wir weichen ein wenig in den Wald aus. Der kleine Hund fürchtet sich, logisch er ist klein und allein und meine zu zweit. Aber wir halten schön Abstand und meine Lieblinge sind ruhig und friedlich. Der Mann bleibt stehen und wir unterhalten uns ein bisschen über den schönen, warmen Tag und den kommenden Frühling und wie schön es ist, dass man wieder so entspannt laufen kann….
Am Treffpunkt ist mein Mann noch nicht da, also gehen wir an den Zaun vom nächsten Anwesen, weil da ein kleines Dackelmädchen wohnt, die sich immer so freut, wenn meine zwei „Hallo“ sagen. Ihr Herrchen kommt auch an den Zaun. Ein paar Minuten unterhalten wir uns, dann kommt mein Mann, wir steigen ein und fahren heim.
Das war ein richtig schöner, entspannter Spaziergang.

Ganz schöner Unterschied, findet ihr das auch?

Seit fast 40 Jahren habe ich Hunde und immer kam ich mit Menschen und Hunden gut klar, bis ich auf Anregung einer Bekannten vor knapp 20 Jahren in einen Hundeverein ging. Das Opfer dieses Vereins war vor allem mein Fritzi, der nach „erfolgreichem“ Training angstaggressiv war. „sitz, platz, fuß, bleib“ beherrschte er im Schlaf, das wars aber dann auch. Wehe, wir trafen einen Hund! Beschwichtigungssignale? So ein Quatsch, das gibts gar nicht. Stress? Hunde haben keinen Stress.

Und ich? Ich war auch ein Opfer, wenn auch eines, das gehörig Schuld auf sich geladen hat. Und weil diese Schuld nicht gut auszuhalten war, suchte ich andere, die noch viel mehr schuld waren als ich. Mein Anteil (was mache ich da eigentlich mit meinem Hund und den Menschen und Hunden in meinen Gruppen – das will ich doch gar nicht!) war schon schlimm genug, aber mein kleiner Hund wurde immer unglücklicher und ich mit ihm. Parallel dazu wurde natürlich auch mein Verhältnis zu meinen Mitmenschen immer schlimmer – nicht weil die alle so bescheuert waren, sondern weil ich diesem Unsinn aufgesessen war, dass man Dominanz zeigen muß, sonst übernimmt der Hund die Kontrolle, dass ich alles vorhersehen muß, sonst gerät die Situation außer Kontrolle, dass ich meinen Hund im Griff haben muß, sonst übernimmt er die Kontrolle… Kontrolle, Kontrolle, Kontrolle. Man wird regelrecht zum Kontrollfreak und traut sich nichts mehr zu – vielleicht verliert man ja sonst die Kontrolle!

Könnt ihr euch vorstellen, wie die Athmosphäre in diesem tollen Verein war? Schließlich waren alle immerzu darauf bedacht, niemals die Kontrolle über ihre Hunde zu verlieren. Nur über die Hunde?

Wer glaubt, dass so ein Herangehen „nur“ auf den Umgang mit Hunden beschränkt bleibt? Ich glaube das nicht nur nicht mehr, sondern ich weiß, dass das auf alles abfärbt: auf die Beziehung zum Hund genauso wie zum Partner, zu den Menschen in der näheren und weiteren Umgebung und zu allen Menschen mit und ohne Hund, denen man begegnet. Warum? Weil man eben nicht alles unter Kontrolle haben kann und weil es einfach irrsinnig ist, allen und jedem ständig üble Absichten zu unterstellen. Es ist kein Verbrechen, wenn man seinen Hund egal auf welcher Seite laufen läßt, und erst recht gibt es keine Vorschrift, dass man seinen Hund immer nur auf einer Seite führen muß, aber ausweichen und eine friedliche Lösung finden, das ist eine gute Idee, die das Leben für alle einfacher macht.

Wer eben mal übersehen hat, seinen Hund rechtzeitig abzurufen und anzuleinen, ist noch lange kein Idiot, er hat vielleicht nur gerade gepennt. Passiert das nicht jedem von uns mal? Wo ist das Problem? Wenn die eigenen Hunde andere Hunde nett finden, können sie doch auch einfach mal „Hallo“ sagen. Und wenn sie sich nicht nett finden, dann werden sie sich schon nicht gleich ermorden. Ist das ein Grund, sein Gegenüber anzuschnauzen? Ihn – oder sie – für einen kompletten Volltrottel zu halten? Ganz sicher nicht.

Irgendwann ist bei mir der Groschen gefallen, das war 2001, und ich habe angefangen, mit meinem Fritzi ganz anders umzugehen. Das Halsband wurde entfernt und er bekam ein Brustgeschirr. Die Meterleine wurde an den Haken gehängt und wir haben uns eine Drei-Meter-Leine besorgt. Das Buch „Calming Signals“ von Turid Rugaas wurde über Monate unser wichtigster Ratgeber und die Ergebnisse auf Turnieren wurden immer unwichtiger, bis ich diesen Unfug ganz sein ließ. 2003 habe ich mit meiner Trainerausbildung bei animal learn begonnen und das war der letzte Anstoß, den ich brauchte. Wer mit seinem Hund freundlich umgeht und vorausschauend spazierengeht, braucht keine Schuldigen für die eigenen Versäumnisse zu suchen, der hat Freude an seinen Hunden, sieht auch mal was lockerer und ist entspannter. Der häufigste Satz, den ich von meinen Kunden höre, ist: Du bist vielleicht entspannt, regt dich denn gar nix auf?  Nein, so schnell nicht – im Gegensatz zu früher.

Oder? Doch, es gibt Dinge, die regen mich immer mehr auf. Leinenruck zum Beispiel, oder grober Umgang mit Hunden, Unfreundlichkeit, Intoleranz, Arroganz…. alles Eigenschaften, die meine armen Teilnehmer im Jahr 2000 auf dem oberbayerischen Hundeplatz mir vermutlich auch zugesprochen haben. Aber das ist Gott sei Dank Vergangenheit.

Wenn ich mit oder ohne Hunde jemanden treffen, mit ihm Kontakt aufnehme, dann bin ich in der Lage, freundlich und unvoreingenommen auf diesen Menschen zuzugehen und einfach mal zu schauen: was bist du denn für einer? Da gibts welche, die stehen mir nicht so zur Nase, mit manchen wll ich überhaupt nichts zu tun haben, andere finde ich ganz nett und mit einigen freunde ich mich an. Meine Kunden mag ich bis auf sehr seltene Ausnahmen gern, und ich habe gelernt darauf zu achten, was sie richtig machen. Das was sie „falsch“ machen, fällt dann hinten runter und ist irgendwann nicht mehr wichtig. Das war gar nicht so schwer, weil bei den Hunden mache ich es ja genauso. Das Training macht Spaß, ich freue mich auf jedes Training und die Menschen und Hunde merken das.

Klappt das zu 100%? Nein, natürlich nicht. Ich bin ein Mensch und kein Roboter. Manchmal bin ich nicht gut drauf, aber daran sind weder meine Hunde noch meine Kunden schuld, sondern irgend etwas anderes, manchmal auch ich selber. Und wenn ich dann merke, dass meine Hunde komisch werden, beschwichtigen, mich dauernd beobachten, unentspannt wirken, dann denke ich nach – über mich, was ich gemacht habe, ob ich was anders machen soll. Und siehe da – es funktioniert. Wir klären solche Verstimmungen mittlerweile ganz schnell und müssen nicht irgendwelche nichtsahnenden Passanten oder Kursteilnehmer zu Idioten erklären. Guter Plan, oder?

Für viele Menschen und Hunde ist aber nach wie vor die Realität, dass das Zusammenleben einfach nur ein Kampf ist, ein sehr einseitiger Kampf, den wir Menschen anzetteln und die Hunde müssen mitmachen, ob sie wollen oder nicht. Angeheizt werden diese sinnlosen und überflüssigen Kämpfe von Leuten wie Cesar Millan und anderen „Experten“, die Hundehalter in Atem halten mit ihren gewalttätigen Ideen. Heraus kommen dabei nur unglückliche Menschen und unglückliche Hunde. Denn ein gutes Zusammenleben erreicht man weder durch Dominanzgehabe noch durch Kicks in die Nieren noch durch Würgen des Hundehalses….

Zufriedenheit, Freundschaft, Vertrauen und Liebe können nur dort gedeihen, wo man entspannt, freundlich und liebevoll miteinander umgeht. Wenn Sie also die ganzen schönen Artikel in der Blogparade gelesen haben und jemanden kennen, der Cesar Millan gut findet und sogar eine seiner Shows besucht, dann sollten Sie ihm mal diesen Link
https://www.gewaltfreies-hundetraining.ch/tauschaktion/
zukommen lassen. Vielleicht kommt er ja tatsächlich auf die Idee, sein Ticket für eine vollkommen überflüssige Cesar-Millan-Show gegen eine Beratung in einer gewaltfreien Hundeschule zu tauschen. Möglich wär’s.

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Was ist Bindung?

Gute Frage, oder? Was ist Bindung?
Und die nächste gute Frage lautet: wie kriege ich das hin, dass mein Hund eine gute Bindung zu mir aufbaut?
Und: Machen Sie auch Bindungsarbeit?
Das sind so Fragen, die bekomme ich bei Erstgesprächen sehr oft zu hören.

Wenn wir diese Fragen jemandem stellen, der auf Dominanz und Hierarchie und Dinge wie „ich bin der Boss“ steht, dann sind die Antworten klar: wenn der Hund mich als seinen Lebensmittelpunkt betrachtet, wenn er nur auf mich achtet, wenn er prompt und zuverlässig gehorcht, dann hat er eine gute Bindung. So weit, so absurd. Sollte das stimmen, hätte in den vergangen 38 Jahren kein einziger meiner Hunde eine gute Bindung zu mir gehabt.

Wo bin eigentlich ich Mensch in diesen Fragen? Was ist mit meiner Bindung zu meinem Hund? Wie baue ich eine gute Bindung zu ihm auf? Welche Bindungsarbeit muß ich denn leisten? Und: warum stellen meine Kunden diese Fragen nie?

Weil Theorie gerade bei diesem Thema sehr verschwommen ist, möchte ich das mal mit einer Episode aus einem Erstgespräch erklären, was es mit „Bindung“ auf sich hat. Eine Freundin von mir bat mich, mit ihrer Tochter, dem Schwiegersohn und dem neuen Hund ein Beratungsgespräch zu führen. Es ist der erste Hund der beiden, ein ca. 2 Jahre alter Labradorrüde, Scheidungswaise. Wir verbrachten fast zwei Stunden zusammen bei einem sehr positiven Gespräch. Sie fragten viel, ich antwortete so gründlich und ausführlich wie nur möglich. Die ganze Zeit hatte ich den Eindruck: hier ist mal der richtige Hund bei den richtigen Menschen gelandet. Klar gibt es noch das eine oder andere, das sich noch richten muß, aber das wird schon klappen.

Bindung spielte natürlich auch eine Rolle. Mir fiel auf, dass ein Unbeteiligter vermutlich nie auf die Idee gekommen wäre, dass der Hund erst seit ein paar Wochen bei den beiden war. Er ließ sich ganz unkompliziert abrufen, war immer in der Nähe, war sehr aufmerksam ohne gestresst zu wirken, alles in allem eine sehr erfreuliche, runde Sache. Und jetzt kommts: Bindung – wie baue ich die auf?

Die Tochter erzählte mir mit strahlenden Augen von ihrem Morgenspaziergang. Meine Freundin wohnt in einem kleinen uckermärkischen Dorf am Ortsrand und von ihrem Haus kann man wunderbare Spaziergänge über die zur Zeit kahlen Felder unternehmen. Die Wege und Felder sind durchsetzt mit großen und tiefen Pfützen – ein Paradies für Labradore.  Das beste an diesem Morgenspaziergang waren natürlich diese Pfützen, in die der Süße sich mit wahrer Wonne hineinstürzte, durch die er tobte und darin plantschte. Und sein Frauchen – eine stinknormale Berliner Rechtsanwältin ohne jede Hundeerfahrung – stand am Rand, wurde von Kopf bis Fuß mit Dreck bespritzt und freute sich ein Loch in den Bauch. Die helle Begeisterung stand ihr immer noch ins Gesicht geschrieben.

Ich sehe schon die Fragezeichen über manchen Köpfen: was hat denn das mit Bindung zu tun?

Eine ganze Menge würde ich sagen. Da ist ein Hund abgegeben worden und mit großer Sorgfalt, weil man ihn ja liebt und nicht gerne hergibt, sucht man ihm einen guten Platz und findet ihn auch. Für den Hund ist das trotzdem eine schwere traumatische Erfahrung, und zwar um so mehr, wenn er sich vorher wirklich geliebt gefühlt hat. Unser kleiner Freund wurde mit offenen Armen und warmen Herzen empfangen. Die beiden beobachten ihn ganz genau, was er möchte, wie man es ihm ermöglicht, wann und wo er sich wohlfühlt….. sie tun alles, um ihm das neue Zuhause und seine neuen Menschen so angenehm wie nur gerade möglich zu machen. SIE fühlen sich verantwortlich dafür, dass er sich wohlfühlt, sie erwarten NICHT, dass er sich sofort zu 100% anpasst. Und dazu gehört, dass man sich mit seinem Freund freut, wenn er sich freut. Auch wenn man voller Dreck und Speck vom Spaziergang zurückkommt.

Das, liebe HundefreundInnen, das hat sehr viel mit Bindung zu tun. Mit dem bedingungslosen Annehmen eines Hundes, der sein Zuhause verloren hat, der neue Orientierung, viel Liebe und Verständnis braucht – und das bekommt er auch. Und dafür sind WIR zuständig, wir Menschen.

Mir geht das Herz auf, wenn ich solche Dinge erlebe. Wenn ich sehe, dass Menschen nicht einfach mit Begriffen um sich werfen, wenn  sie alles ihnen Mögliche tun, um einem Hund das Ankommen zu erleichtern, wenn sie mit ihm leben und an seinem Leben teilhaben, aktiv und mit Freude. Und dann muß man sich keine Gedanken mehr über Bindung und die schwere Arbeit zu einer guten Bindung zu machen. Dann hat man den Samen in gute und nahrhafte Erde gelegt und es kann eine schöne Pflanze daraus werden.

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…ganz unten in der Hierarchie….

Ein langjähriger Kunde hat mir voller Entsetzen erzählt, dass sich seine Tochter und ihr Freund einen Hund gekauft haben – einen Welpen einer sehr seltenen und anspruchsvollen Rasse. Die beiden haben überhaupt keine Erfahrung mit Hunden und haben sich in das Aussehen dieser Rasse verliebt. Die Tatsache, dass nicht „jedermann“ so einen Hund hat, spielt vielleicht auch eine gewisse Rolle. Was meinen Kunden aber meisten aufregt, ist die Tatsache, dass der kleine Kerl zwar erst zwei Wochen bei den beiden wohnt, aber schon ein Programm absolvieren muß, dass es nur so raucht: Hundeschule, Gehorsamsübungen, täglicher Besuch zum Gewöhnen an Menschen, Spaziergänge, Tierarzt….. Dass der kleine Hund schon ein Problem hat, er fürchtet sich nämlich vor Männern, das interessiert anscheinend nicht so sehr. Was dafür viel, viel wichtiger ist: er soll von Anfang an lernen, dass er ganz hinten in der Hierarchie steht.

Wenn ich sowas höre, komme ich ins Grübeln. Hierarchie, ein tolles Wort, bei dem sofort Bilder in meinem Kopf auftauchen. Ich sehe eine große Gemeinschaft vor mir, bei der jeder eine gewisse Funktion erfüllen soll und in der klar sein muß, wer was wann zu sagen hat. Beispielsweise sollte der, der den besten Überblick über die Finanzen hat, auch wissen, was wann für die Gemeinschaft gekauft werden kann oder eben nicht. Oder der, der handwerklich am geschicktesten ist, sollte einen Überblick über notwendige Reperaturen am Haus haben. Vielleicht gibt es auch jemanden, der sozial sehr kompetent ist und deshalb Streitigkeiten schlichtet und auch mal Entscheidungen treffen kann, die alle angehen. Und jeder ist in seinem Bereich ganz oben in der Hierarchie, weil die anderen auf ihn hören. Freiwillig.

Was diesem kleinen Hund passiert, ist folgendes. Er wird von seiner Mama weggeholt, obwohl er die eigentlich noch dringend braucht, er war nämlich noch nicht mal 10 Wochen alt. Naiv und freundlich wie Hunde nun mal sind, vertraut er darauf, dass die zwei Menschen, bei denen er jetzt einzieht, seine Mama ersetzen und ihm freundlich, behutsam und in kleinen Schritten die Welt zeigen und erklären. Hat er ja auch recht. Und jetzt fangen die an, machen von der ersten Minuten an Action ohne Ende und achten haargenau darauf, dass der Kleine sich nicht irgendwas anmaßt, was ihm nicht zusteht. Keine Ahnung was das sein könnte, vielleicht hätte er lieber anderes Futter oder mehr Ruhe oder weniger Besuch oder oder oder…. Welpen maßen sich nichts an, die haben Bedürfnisse, die befriedigt werden müssen. Eins davon ist, dass sie von uns als Elternersatz erwarten, dass wir ihnen die Welt zeigen.

Anscheinend klappt ja schon mal nicht, dass man ihm freundliche Männer nahebringt, die einfach nur nett sind und ihm klar machen, dass er sich nicht zu fürchten braucht. Dafür ist jeder Besucher angewiesen, ihm Leckerchen anzubieten – was auch immer das bringen soll. Dann zeigt der Winzling bereits zwei Wochen nach seinem Einzug schwere Stresssymptome – die werden nicht erkannt, also wird auch sein Bedürfnis nach Ruhe nicht befriedigt. Natürlich gibts auch das beste Trockenfutter der Welt, das der Züchter empfohlen hat – also wird er auch nicht vernünftig ernährt.

Aber wehe, wehe, er versucht sich in der Hierarchie nach oben zu kämpfen! Das geht gar nicht.

In welcher Hierarchie eigentlich? Es sollte ja nicht so schwer sein, 2 Menschen und 1 Hund unter einen Hut zu bringen. Muß man da irgendwelche „Hierarchien“ ganz oben auf die Prioritätenliste setzen? Und warum „kämpfen“? Geht der jetzt mit Zähnen und Klauen bei jeder Gelegenheit auf alles los, was nicht bei drei auf dem Baum ist? Ein Welpe von ca. 11 Wochen?

Bei uns lebt ein alter Hund, unser Teilzeithund Anton. Seit knapp drei Jahren ist er immer bei uns, wenn sein Halter keine Zeit hat, das ist an ungefähr 25 von 30 Tagen im Monat der Fall. Mindestens. Für seinen Halter war es auch immer enorm wichtig, dass er der Herr und Anton der Hund ist – was anscheinend schon alles aussagt. Hund ist auf alle Fälle und irgendwie einfach weniger wert. Jetzt ist Anton alt und zur Zeit sehr krank – und es droht die Gefahr, dass Anton uns für immer verläßt. Es hat sich in den letzten drei Jahren viel geändert im Verhältnis der beiden sehr zugunsten von Anton. Und was jetzt passiert, wenn die Gefahr des Abschieds so bedrohlich wird, das kann man sich kaum ausmalen.

Sein Halter ist verzweifelt, unglücklich, wird vom schlechten Gewissen und Selbstvorwürfen geplagt, er ruft jeden Tag an, wenn er nicht selber vorbei kommt, bei ihm sitzt und ihn streichelt….. da ist nicht mehr viel übrig von: du bist der Hund und ich der Herr.

Liebe Freunde von Hierarchie und Dominanz und anderen merkwürdigen Vorstellungen, denkt gut nach, vor ihr eurem Hund beibringt, dass er das allerletzte ist. Ihr holt euch ein Hundekind ins Haus, das keine Ahnung hat, warum ausgechnet auf es eure Wahl gefallen ist. Von seiner Exklusivität hat es keinen blassen Schimmer, auch nicht von euren Ideen von Hierarchie. Dieses Hundekind will versorgt werden, es möchte mit und durch euch die Welt in langsamem Tempo erobern, so dass er lernt euch zu vertrauen und mit euch eine lebenslange Partnerschaft einzugehen. Partner kennen keine Hierarchien, für sie ist das wichtigste die liebevolle Beziehung, die vertrauensvolle Hingabe, die Freundschaft und Liebe, die sie für einander empfinden. Wenn euer exotischer Hund erst unter der Erde liegt, ist es für eure Reue zu spät.

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Alle Jahre wieder – Welpen unterm Weihnachtsbaum

Wer Hunde liebt, versteht nur zu gut, dass gerade Kinder sich zu Weihnachten einen Hund wünschen. Wenn es das ganze Jahr über nicht klappt, dann doch bitte, bitte jetzt. Leider geben diesem Wunsch jedes Jahr viel zu viele Eltern nach und das Ergebnis ist in viel zu vielen Fällen jedes Jahr das gleiche: der Hund geht zurück zum Züchter oder ins Tierheim, im schlimmsten Fall wird er sogar ausgesetzt.

Es ist ja nicht schlimm sich einen Hund zu wünschen und es ist auch nicht schlimm, diesen Wunsch zu Weihnachten zu äußern, aber der Zeitpunkt ist einfach vollkommen ungeeignet. Warum?

Die Vorweihnachtszeit ist mittlerweile alles andere als ruhig und beschaulich. Und das wird jedes Jahr schlimmer. Wer es irgendwie möglich machen kann, meidet in dieser Zeit Einkaufszentren oder Fußgängerzonen. In den Städten sind die öffentlichen Verkehrsmittel komplett überfüllt, was durch mit Paketen beladene Weihnachtseinkäufer auch nicht gerade zu guten, zwischenmenschlichen Beziehungen beiträgt. In der Arbeit wollen alle noch ganz dringend alles mögliche erledigen, als ginge spätestens am 24.12. jedes Jahr die Welt unter. Alle sind heilfroh, wenn sie diese „stille Zeit“ endlich überstanden haben, und dann kommen die Feiertage und der anstehende Besuchsmarathon.

Gerade für Familien mit Kindern kann das zu einem ziemlichen Horror ausarten. Denn wehe, die eine Oma oder der andere Onkel fühlen sich zurückgesetzt. Alles ist genau durchgetaktet, wer wann wohin fährt, wie lange man sich dort aufhält, damit es ja keinen Zoff in der Familie gibt, der dann das ganze Jahr wie ein unterirdischer Brand schwelt.

Und genau jetzt soll ein kleiner Welpe einziehen? Ein Hundekind, das in den ersten Wochen nach der Trennung von seiner Mama ganz besonders viele Zuwendung und Aufmerksamkeit braucht? Man kann sich sehr gut vorstellen, dass für das Hundekind der ganze Trubel und Durcheinander der totale Horror ist. Keiner hat für ihn wirklich Zeit, für die Kinder ist ein kleiner Hund oft genug einfach ein weiteres Spielzeug, die Eltern sind sowieso überfordert und genervt und Onkel und Oma haben erst recht keinen Nerv.

Falls tatsächlich nach den Feiertagen Ruhe einkehrt und man sich dem Hundekind mit der nötigen Sorgfalt widmen kann, wartet schon die nächste Katastrophe auf den Kleinen: Silvester. Die Kinder sind vielleicht gewohnt, jedes Jahr rumzuballern, also passiert das auch dieses Jahr. Weil einfach niemand daran denkt, dass Hunde das Silvestergeknalle gar nicht lustig finden, denkt man sich auch dieses Jahr nichts dabei. Schon Tage vorher muß er bedrohliches Raketenzischen und Böllergekrache erdulden, womöglich gibt es unerfreuliche Situationen beim Spaziergang, so dass der Kleine sich nicht mehr raustraut und seine Geschäfte drin erledigt…. Anstatt zur Ruhe zu kommen, wird jetzt der Stress durch und für das Hundekind noch schlimmer.

Dabei kann man dieses Problem ganz einfach lösen. Als erstes erklärt man seinen Kindern, warum und weshalb der Zeitpunkt für einen neuen Hund ungünstig ist. ABER: aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Auch das sagt man ihnen klar und deutlich. Und dann gibt es zu Weihnachten eine Art symbolisches Hundegeschenk: ein Rassehundebuch, zum Aussuchen der Rasse, einen Gutschein für eine Beratung in einer Hundeschule, einen Plüschhund mit Brustgeschirr und Leine. Im Januar kann man sich dann auch mal aufmachen und die Tierheime vor Ort aufsuchen. Man kann bei Züchtern auch nachfragen, ob Weihnachtswelpen zurückgegeben wurden, man kann in den örtlichen Hundeschulen nachfragen, die sehr oft von Hunden wissen, die ein neues und gutes Zuhause suchen. Da sieht die Sache dann gleich ganz anders aus.

Also: Hände weg von Weihnachtswelpen. Denkt immer dran: ihr holt ein denkendes, fühlendes Lebewesen ins Haus, das vom ersten Tag an ganz konkrete Bedürfnisse hat, die erfüllt werden müssen. Je besser man auf das neue Familienmitglied vorbereitet ist, umso sicherer ist es, dass alles gut geht. Wer einen Hund aus dem Tierschutz holt, tut sogar noch ein gutes Werk. Und wer seine Kinder gut vorbereitet, legt einen hervorragenden Grundstein, für eine gute Beziehung zwischen Kind und Hund.

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Mensch, mach langsam! – Wenn Hunde an der Leine ziehen, weil Menschen keine Zeit haben. – 3. Leseprobe

aus: 12. An lockerer Leine

Und wie geht das jetzt, dass ein Hund an lockerer Leine läuft? Das wollen wir uns im Folgenden ein bisschen genauer ansehen.

Für Welpen gelten eigene Regeln, deshalb wurde das auch in einem eigenen Kapitel besprochen. Allerdings können Sie die meisten der folgenden Trainingsvorschläge auch bei Welpen anwenden. Wichtig ist bei allem, dass Bello weder körperlich noch seelisch bedrängt, nicht gedemütigt oder in seiner Würde verletzt wird. Wir sind verantwortlich dafür, dass er alles entspannt lernen kann, dass wir ihm genau und gründlich ohne jede Einwirkung von Druck und Gewalt erklären, was wir von ihm wollen und nichts Unzumutbares von ihm fordern. Und das ist gar nicht so schwierig.

Einige Techniken wurden schon angesprochen, sollen hier aber wiederholt werden. Alles, was Ihnen hier empfohlen wird, können Sie einfach ausprobieren. Es gibt verschiedene Gründe, warum etwas bei Ihnen super klappt, aber bei Ihrem Nachbarn nicht den geringsten Erfolg zeigt. Wenn Sie festgestellt haben, dass Sie die Technik richtig ausführen, aber der Erfolg trotzdem ausbleibt, dann versuchen Sie eben etwas anderes. Eine erfahrene Trainerin kann Ihnen helfen, da ein neutraler Beobachter viel schneller sieht, warum etwas klappt oder eben nicht.

In allen Fällen empfiehlt es sich, den Hund für richtiges Verhalten zu loben, Ausnahmen gibt es nur bei Hunden, die auf ein Lob sofort zu Ihnen kommen und nachfragen, was sie jetzt tun sollen. Bauen Sie für diesen Hund ein Bestätigungsgeräusch (click, jepp…) auf, damit Sie ihm sagen können, dass er es richtig macht. Auf jeden Fall soll das Lob ruhig und freundlich sein und den Hund nicht im Weitergehen stören.

Leinenlänge

Für Gänge in der Stadt empfehle ich Ihnen eine 3-Meter-Leine, für andere eine 5-Meter-Leine. Zu Beginn kann es auch sinnvoll sein, eine sehr viel längere Leine zu verwenden, die Sie ganz allmählich kürzen. Sie werden im Folgenden lesen, warum das sinnvoll und notwendig ist.

Brustgeschirr

Ideal sind T- oder Kreuzgeschirre, die weit genug von den Achseln entfernt sind, damit die Gurte nicht scheuern. Das Material sollte weich und anschmiegsam und die Gurte breit genug sein. Das Geschirr passt gut, wenn im Sitzen der Ring, der Hals- und Brustgurt verbindet sich auf Höhe der Kuhle befindet, die das Brustbein um den Hals abschließt. Achten Sie beim Anziehen bitte darauf, dass Sie den Halsgurt vorsichtig über den Kopf ziehen, viele Hunde mögen das Gefühl am Kopf nicht so gerne und lehnen das Geschirr dann ab. Es sollte gut sitzen und nicht hin und her schlackern, die Gurte müssen alle gut vernäht sein. Die Leine wird am hinteren Ring befestigt, nicht am Ring, der Hals- und Rückengurt verbindet.

Nicht geeignet sind alle Geschirre, deren Gurt um den Hals und über die Schultern führt, wie z.B. bei Norwegergeschirren. Die Gurte drücken evtl. auf die Schultern und behindern die Hunde beim Laufen. Ebenso sind Geschirre mit Satteln nicht gut für Hunde. Der Sattel liegt im Nierenbereich auf und oft genug wird es unter dem Sattel auch sehr warm und damit unangenehm für den Hund. Von unerträglichen Sprüchen wie „Ich zicke gerne rum“ und ähnlichen Dummheiten, die Menschen lustig finden, sollte man

sowieso absehen. Niemand möchte einfach so eine Abqualifizierung auf den Rücken bekommen, auf die er nicht den geringsten Einfluss hat.

Langsam gehen

In den allermeisten Fällen laufen die Menschen zu schnell. Aus welchem Grund auch immer denken Menschen, sie müssen durch die Welt stürmen, sowie sie eine Hundeleine in der Hand haben. Wenn Sie auch zu dieser Spezies der Rennspazierer gehören, dann schalten Sie ab sofort so viele Gänge zurück, dass aus einem Spazierrennen ein Spaziergang wird. Ihr Hund hat vermutlich gelernt, dass er ganz schnell mit strammer Leine überall hindrängeln muss, wo er dringend, dringend schnüffeln oder pinkeln muss. Das werden Sie ihm nicht von heute auf morgen abgewöhnen. Lassen Sie sich deshalb nicht irritieren, gehen Sie langsam und wenden Sie alle – freundlichen – Tricks an, um ihn von ihrer neuen Gangart zu überzeugen.

In der Regel finden die Hunde diese Idee großartig…..

…weiter geht’s im Buch auf Seite 107

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Mensch, mach langsam! – Wenn Hunde an der Leine ziehen, weil Menschen keine Zeit haben. – 2. Leseprobe

aus: 2. Die Zeit, sie eilt im Sauseschritt

und wir, wir sausen alle mit!

….Probleme, z.B. mit der Leinenführigkeit, bekommen wir erst, wenn die Bedürfnisse Ihrer Pelznase zu kurz kommen. Das durchdenken wir jetzt mal am Beispiel eines Welpen vom Züchter, der in seine neue Familie kommt.

Es kommt immer wieder vor, dass Welpenkäufer den Züchter und damit den Welpen danach aussuchen, ob der Welpe zu einer bestimmten Zeit abgegeben wird, nämlich dann, wenn sie ihren Urlaub planen. Alles wird genau und fürsorglich eingeteilt: wer ist wann wie lange den ganzen Tag zu Hause, damit der Kleine die ersten Wochen und Monate ganz sicher nicht allein ist, bzw. langsam an längeres Alleinsein gewöhnt werden kann. Bei Züchter A, der eine sehr freundliche und kinderliebe Hündin hat, da im Haushalt nette und tierliebe Kinder leben, kann man keinen Welpen holen, da der Wurf unpassend kommt. Bei Züchter B ist die Hündin den Kindern gegenüber eher etwas scheu. Es gibt hier auch keine Kinder, aber man geht davon aus, dass die eigenen Kinder ja lieb sind mit dem Hund, eine gute Hundeschule am Ort ist und man das schon hinkriegen wird. Denn die Zeit der Welpenabgabe passt perfekt. Das bedeutet jetzt nicht automatisch, dass es Probleme mit dem Hund und den Kindern geben muss, aber die Startbedingungen sind einfach nicht so günstig.

Gehen wir jetzt mal davon aus, dass mit den Kindern alles gut klappt. Die erste Woche verbringt die Familie mit dem Neuzugang zu Hause. Der Kleine wird nicht überfordert, da man vorab in der Hundeschule angerufen, sich angemeldet und wichtige Details für die ersten Tage geklärt hat. Alles verläuft ruhig und ordentlich und er kann sich gut eingewöhnen. Nach einer Woche ist dann der erste Besuch in der Hundeschule angesagt. Die ganze Familie ist schon total aufgeregt, die Kinder freuen sich und auch die Eltern sind gespannt, was sie erwartet. Das Laufen an der Leine hat man schon ein bisschen im Garten geübt, und zwar mit dem Halsband und der Meterleine, die man vom Züchter mitbekommen hat.

Dies ist jetzt der erste Tag, der für den Kleinen ganz anders abläuft wie bisher. Es ist Samstag, also wird ein wenig länger geschlafen und gemeinsam ausgiebig gefrühstückt. Bisher hat der Kleine einfach die Morgenhektik verpennt, jetzt ist auf einmal alles neu. Das findet er sehr aufregend. Nach dem Frühstück packt die ganze Familie zusammen, was sie so brauchen, die Nervosität steigt, da man ein bisschen spät dran ist. Man will auf gar keinen Fall zu spät kommen. Der Kleine findet das so aufregend, dass er vergisst sein Pipi anzumelden, was er schon mehrfach gemeistert hat, und pinkelt auf den Teppich. Jetzt wird die Aufregung noch größer, da man das Malheur erst beseitigen muss und dadurch wieder Zeit verliert.

Aber schließlich kriegt man alles in den Griff. Kinder und Hund sind im Auto verstaut und es geht los. Unser Freund hat mit dem Autofahren eigentlich kein Problem, aber heute ist er nervös, jammert rum und fühlt

sich nicht wohl. Nachdem man gelesen hat, dass man so etwas einfach ignorieren soll, kümmert sich keiner um ihn. Die Fahrt dauert ja auch nur wenige Minuten. Schließlich ist man angekommen. Man hat sich im

Vorfeld für eine Hundeschule entschieden, die für Welpen Einzelstunden anbietet, damit man individueller betreut wird. Die Trainerin ist schon auf dem Hundeplatz, als man auf den Parkplatz fährt und die Nervosität im Auto nimmt zu. Eilig steigen alle aus, der kleine Hund wird angeleint und dann hat man es noch eiliger, zur Trainerin zu kommen, die schon am Tor wartet. Wenn sie weiß, was sie tut, lässt sie es nicht so weit kommen, sondern geht Hund und Menschen entgegen, und zwar ruhig und gelassen, und sorgt dafür, dass der Kleine abgeleint wird. Warum?

Weil sonst dieser kleine Hund von seinen netten, eifrigen Menschen am Halsband mit einer viel zu kurzen Leine in den Hundeplatz hineingezerrt wird und die ersten Grundlagen für einen an der Leine ziehenden Hund gelegt werden. Und warum tun sie das? Damit sie keine Sekunde der kostbaren Stunde versäumen und weil es unhöflich ist, jemanden warten zu lassen, und weil sie wenige Minuten zu spät dran sind. Lauter Gründe, die nichts mit Hundeerziehung, aber sehr viel mit unserem Umgang mit Zeit zu tun haben. Ein paar Minuten, und das ist jetzt kein Witz, sondern bitterer Ernst, entscheiden also unter Umständen darüber, ob Ihr Hund einmal leinenführig wird oder nicht. Denn diese wenigen Minuten, wenn die Trainerin nicht dafür sorgt, dass Sie richtig instruiert werden, wiederholen sich jeden Tag. Mehrfach…..

…weiter geht’s im Buch auf Seite 17

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Mensch, mach langsam! – Wenn Hunde an der Leine ziehen, wenn Menschen keine Zeit haben – 1. Leseprobe

aus: 1. Und wer ist schuld?

Mit einem Hund spazieren zu gehen, der nicht gut erzogen ist, kann zum Martyrium werden, für Mensch und Hund. So wie wir mit Hunden aber zusammen leben, muss jeder Hund lernen, ordentlich an der Leine zu gehen, zu kommen, wenn er gerufen wird, mal ein Weilchen irgendwo zu warten und insgesamt sich anständig zu benehmen. Nur: warum gibt es so viele Hunde, die das alles oder zumindest einen Teil davon nicht mal ansatzweise beherrschen? Warum sieht man so viele Hunde, die an der Leine zerren, anscheinend Tomaten auf den Ohren haben, sobald sie frei laufen, sich kaum einen Moment beherrschen oder ein wenig warten können, und viele, viele Dinge machen, die einem angenehmen

Zusammenleben total entgegenlaufen?

Wir Menschen haben leider die Tendenz, immer einen „Schuldigen“ zu suchen, wenn etwas nicht so klappt, wie wir es gerne möchten. An einem misslungenen Urlaub ist das Hotel schuld, das nicht hält, was der Prospekt verspricht. Unzufrieden mit der Arbeit sind wir, weil die Kollegen uns nerven. Der Nachmittag im Garten ist deshalb nicht schön, weil der Nachbar sich mit seiner Frau zu laut unterhält……

Genau so halten wir es auch, wenn das Training unseres Hundes nicht klappt: Der Kunde gibt die Schuld der Hundeschule, weil die Methode nicht funktioniert. Die Hundeschule gibt die Schuld dem Kunden, weil der

die Tipps nicht richtig umsetzt. Und beide geben die Schuld dem Hund, weil er dominant, erziehungsresistent oder stur und auf gar keinen Fall kooperativ ist.

Und was denkt der Hund?

Das wissen wir nicht so genau. Aber ich bezweifle ernsthaft, dass Ihr Hund oder die Hunde Ihrer Kunden denken: Frauchen ist schuld, dass ich so an der Leine ziehen muss. Sie ist so dominant und stur, ganz schrecklich. Wenn sie ein bisschen besser kooperieren würde, müsste ich nicht an der Leine ziehen. Er denkt auch nicht: ist mir doch egal, wie lange Herrchen da steht und ruft, der hört schon wieder auf, und Herrchen ist auch so dermaßen erziehungsresistent, das sollte er doch schon gemerkt haben, wann

ich nicht kommen möchte. Wenn Sie mir in diesem Punkt, dass Hunde ganz sicher so nicht denken, recht geben, dann sind wir schon einen großen Schritt weiter. Aber jetzt lassen wir die Suche nach dem Schuldigen mal beiseite. Überlegen wir lieber, warum so viele Menschen mit ihren Hunden Probleme mit dem Gehorsam und mit dem Zusammenleben haben, obwohl sie in die Hundeschule gehen. Denn auch wenn es viele unterschiedliche Methoden gibt, einen Hund zu erziehen, arbeitet die Mehrheit der Hundeschulen heute mit eher freundlichen Methoden, und viele HundetrainerInnen bilden sich laufend fort, um den Anforderungen ihrer Kunden gerecht zu werden. Warum also ist etwas so Essentielles wie

Leinenführigkeit nach wie vor für viele Mensch-Hund-Teams ein Problem?

…weiter geht’s im Buch auf Seite 10

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Brustgeschirr oder Halsband? Was für eine Frage!

Die Bilder mit Hunden, die Halsband tragen, häufen sich in den Sozialen Netzwerken wieder. Es gibt Gruppen, die ganz klar für gewaltfreien und respektvollen Umgang mit Hunden eintreten – und trotzdem sieht man jede Menge Hunde, die am Halsband, teilweise sogar an Kettenhalsbändern ohne Stopp geführt werden. Da mieten sich Hundeschuleguppen in meinen Ferienwohnungen ein mit Hundetrainerin, ein Teil der Hunde wird am Halsband geführt – an der Schleppleine.

Irgendwie weiß man bald nicht mehr, was man zu dem Thema sagen soll, ich versuche es trotzdem.

Wenn wir jetzt mal Sachen wie respektvollen Umgang mit Hunden vollkommen beiseite lassen, uns in aller Ruhe den Körperbau eines Hundes ansehen und das Thema einfach von der physikalischen Seite angehen, dann stellen wir sehr schnell fest, dass jede noch so kleine Bewegung am Halsband sich auf das Skelett überträgt. Das kann man sehr einfach nachvollziehen, indem man sich ein Skelett ansieht, leichten Druck mit Halsband ausübt und schon hat man eine Bewegung durch die ganze Wirbelsäule bis in die Hinterbeine und die Rute hinein.

Jetzt kommt natürlich sofort das Argument: da sind ja Muskeln und das Fell dazwischen. Stimmt! Dem muß man zustimmen. Nur: wenn Druck auf den Hals mittels Halsband –  auch leichter Druck – ausgeübt wird, halten die Muskeln dagegen, um den Körper zu schützen. Dazu kommt, dass genau an der Stelle, an der der Druck unmittelbar und punktuell angreift, keine Muskeln sind, Muskeln befinden sich im Halsbereich im Nacken, der Druck geht also auf den Kehlkopf, die Sehnen, Nerverstränge und Blutbahnen, die vom Körper in den Kopf und wieder zurück führen. Der Hund spannt die Sehnen an, um seinen Hals zu schützen. Das ist jetzt auch nicht wirklich besser, denn auch diese Anspannung überträgt sich auf die Muskeln, Sehnen, Nerven- und Blutbahnen und auf das Skelett. Das hat nichts mit Tierschutz zu tun, das ist reine Physik und minimale Anatomiekenntnisse und das kann man am Modell nachstellen.

Was den Hund vom physikalischen Modell eindeutig unterscheidet ist, dass er nicht einfach starr rumsteht, sondern sich bewegt. Das bedeutet, dass dieser Druck einfach so entstehen kann, ohne dass der Mensch daran herumzieht oder weil der Mensch seine Hände nicht ruhig halten kann. Schlicht und ergreifend die Tatsache, dass sich der Hund einen Millimeter mehr als Leinenlänge weiterbewegt, bewirkt sofort Druck – und zwar an unvorhersehbaren Stellen, also ergeben sich auch hier unvorhersehbar Versteifungen und Anspannungen um den Hals zu schützen.

Wenn immer und immer wieder auf den Hals Druck ausgeübt wird und der Hund wieder und wieder gezwungen ist, seinen Körper mittels Gegendruck  = Anspannung und Versteifung zu schützen, dann kann es nicht ausbleiben, dass sich diese Versteifungen manifestieren. Es kommt zu Problemen am Kehlkopf, an der Halswirbelsäule (= HWS-Syndrom), es kommt zu Problemen an der kompletten Wirbelsäule bis in die Hinterbeine, bis zu arthritischen Veränderung. Das bedeutet, dass der Hund vollkommen unerklärlich Schmerzen hat und evtl. aufwendig vom Tierarzt behandelt werden muß.

Merke: wir waren immer noch erst bei leichtem, unbeabsichtigtem Druck, dem der Hund entgegenwirken muß. Was aber passiert, wenn absichtlich rumgezupft sprich „eingewirkt“ wird oder eine Schleppleine am Halsband hängt und der Hund reindonnert, weil eben nunmal eine Katze, ein Reh, ein ichweißnichtwas vorbei kam, das sollte mittlerweile wirklich bekannt sein. Schlimme Zerrungen sind noch die harmlosere Variante. Auch wieder angewandte Physik bei der Schleppleine am Halsband: der Hund kann sich das Genick brechen.

Ein Wahnsinnsargument, das ich leider immer mal wieder höre: normalerweise führe ich ihn ja am Brustgeschirr, aber zuhause hat er nix an und ich muß ihn doch greifen können, wenn was ist! Sagt das einer meiner Kunden, atme ich immer tief durch, zähle bis zehn und antworte dann.

Wenn ich einen Hund am Halsband „greife“, ziehe ich ihm den Hals mit Kopf hoch und bringe ihn in Imponierstellung. Vom Druck auf den Hals sehen wir jetzt mal ab. Körperhaltungen haben immer auch etwas mit den Gefühlen zu tun, die im Moment dominieren. Wer mit hängenden Schultern rumläuft, hegt ziemlich sicher keine optimistische Gedanken. Selbst wenn uns jemand die Schulter hochzieht nach dem Motto: stell dich mal ordentlich hin! – sind wir immer noch nicht besser drauf, aber das Verhältnis: Gefühl <-> Körpersprache ist gestört. Das geht einem Hund, dem mit mehr oder weniger Gewalt der Kopf hochgzeogen wird, nicht anders. Zudem kann es massive Probleme mit anderen Hunden dadurch geben. Stellen Sie sich vor, Ihr Bello steht ruhig am Zaun und beobachtet einen anderen Hund, der vorbei ruhig geht. Eigentlich genau das, was wir wollen. Jetzt gehen Sie hin, „greifen“ Ihren Bello prophylaktisch am Halsband und schon geht der Hype los. Warum? Weil Sie Bellos Gefühle durcheinander gebracht haben und der andere Hund von jetzt auf gleich keinem ruhigen, neutralen sondern einem Artgenossen in Imponierstellung gegenübersteht. War also doch keine so gute Idee?

Es gibt auch das großartige Argument: er trägt das Halsband ja nur als Schmuck. Also meien Hunde schmücken sich auch: mit Wildschwein- oder Fuchskacke, mit Gras und Blättern, mit Modder und Dreckwasser – Halsbänder haben sie noch nie angefordert.

Natürlich ist das nicht schlimm, wenn man seinem Hund ein Halsband als Schmuck umlegt, weil es einem einfach so wahnsinnig gut gefällt. Aber man sollte sich gut überlegen, gerade und vor allem, wenn man selber für gewaltfreien Umgang mit Hunden plädiert: wer mich mit meinen Hunden sieht, die ein Halsband tragen, denkt automatisch: na, wenn die das macht, kann es nicht so schlimm sein. Und schwupps – haben Hunde wieder Halsbänder um, die nicht (!) ausschließlich zum Schmuck dienen. Weil wenn eins dranhängt, kann man es doch nutzen, also die Leine einhängen oder den Hund auch mal greifen.

Ein ganz tolles Argument ist auch: Ein breites, weiches Halsband, mit dem ich verantwortungsbewußt umgehe, ist aber viiieeel besser als ein schlecht sitzendes Brustgeschirr. Dem kann nur entgegensetzen: dann kauf ihm doch ein gut sitzendes, die gibt es nämlich auch. Dann mußt auch nicht ständig auf deine unruhigen Hände aufpassen, die deinem Bello – ob du das willst oder nicht – unabsichtlich Impulse auf das Halsband geben. Auch beim Brustgeschirr sollte man nicht rumzuppeln, aber gerade die unbewußten Bewegungen übertragen sich eben nicht so unangenehm und sind auch nicht gesundheitsgefährdend.

Selbstverständlich hat ein normales, breites, weiches Halsband nichts aber auch gar nichts mit Stachel- oder Kettenwürgern zu tun. Es ist weit entfernt von allen diesen Dingern, die den Hunden ernsthaft weh tun. Und ja, es gibt Ausnahmen, bei denen Halsbänder sinnvoll sind: breite, weiche Halsbänder, die sich mit Stopp zuziehen ohne zu würgen, und die man Hunden aus dem Tierschutz zusätzlich zum Sicherheitsgeschirr anzieht, damit man sie ganz sicher an der zweiten Leine hat, wenn sie sich doch mal aus dem Geschirr winden.  Das hat aber mit unseren normalen Haushunden nichts zu tun. Wer für Gewaltfreies Hundetraining ist, hat auch eine gewisse Vorbildwirkung auf andere und entsprechend sollte man sich verhalten.

Es wird nicht mein letztes Statement zu diesem unendlichen Thema sein und ganz verstehe ich nicht, was daran so unverständlich ist, dass viele Leute, von denen ich weiß, dass sie freundlich und verantwortungsvoll mit ihren Hunden umgehen, diese trotzdem am Halsband führen. Vielleicht kann ich sie ja mit diesem Artikel hier überzeugen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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