Deckentraining – warum ich sowas nicht mache

Hund muß auf seine Decke – jetzt – sofort – ohne Widerrede – ab in die Kiste!

Oder doch ein bisschen netter, mit Clicker und Leckerchen, mit einem freundlichen Entspannungssignal, damit er sich wohlfühlt.

Auf alle Fälle muß er, ohne Deckentraining ist ein Hund nicht wirklich gut erzogen.

Wirklich?

Und jetzt kehr ich mal die Oma raus und hau richtig auf den Putz. Meinen ersten Hund bekam ich vor fast 40 Jahren, um genau zu sein: im Januar 1980 landete ein Häufchen Elend mit knapp 7 Wochen bei mir, nachdem meine Kumpels das kleine Mädchen völlig unüberlegt aus dem Jugendskilager mitgebracht hatten. Das Winzding wuchs sich als Bernhardinermix zu stolzen 50 Kilo Lebendgewicht aus – das war zeitweise mehr, als ich damals hatte. Dann kam mein Mann mit seiner Dackelhündin in unser Leben, waren wir also zu viert. Wir wohnten in einem kleinen Häuschen von ca. 40 qm und die Hunde lagen da, wo sie wollten: auf der Couch, da lag auf jeder Seite eine Hundedecke, oder unter der Eckbank oder unter dem Küchentisch…. manchmal auch im Weg. Wir sind mit beiden Hunden zum Essen gegangen, zu Freunden, in Biergärten, wenn es notwendig war, hatten wir für jedes Mädchen eine Decke dabei, für meine Große meine alte Jacke, die legten wir auf den Boden und die Hunde lagen drauf oder daneben, wie sie wollten.

Deckentraining für unterwegs? War nicht notwendig, denn wenn du einem Hund einen Gegenstand hinlegst, der gut und vertraut riecht, z.B. nach dir, dann legt er sich in unvertrauter Umgebung sicher daneben oder drauf. Alte Hundehalterweisheit, die ich von meinem Großvater mitbekommen habe, mein Mann von seinem Vater und überhaupt hörten wir das von allen möglichen erfahrenen Hundemenschen. Ja und sind die dann nicht einfach aufgestanden und haben Unfug gemacht? Doch, aufgestanden sind sie sehr wohl, wenn sie was genauer ansehen wollten – aber da war die Leine dran. Oder wenn sie sich anders hinlegen wollten, oder wenn sie nach dem „letzten Bissen“ gefragt haben…. wir waren oft in Gaststätten, da haben die Leute erst gemerkt, dass wir zwei Hunde dabei hatten, wenn wir gingen. Und einer davon war ein halbes Kalb.

Deckentraining zuhause? War auch nicht notwendig, denn die Hunde hatten Plätze, die ihnen gehörten und da durfte sonst niemand sitzen, dafür haben wir gesorgt. Wenn sie blöd rumlagen, dann sind sie schon irgendwann weggegangen, wenn ihnen das Drübersteigen zu blöd wurde oder wir haben sie aufgefordert, sich doch bitte mal zu entfernen.

Bei allen ihren Nachfolgern haben wir das so gehalten, seit nunmehr 38 Jahren ich höchstselbst und mein Mann ein paar Jahre länger. Und? Probleme? Nein, keine.

Jetzt leben zur Zeit drei Hunde bei uns. In allen Zimmern gibt es für alle drei Hunde die Möglichkeit, sich einen netten, gemütlichen Platz auszusuchen, den ihnen niemand streitig machen darf. Der alte Anton brauchts ebenerdig, Indiana hat gerne den Überblick und der Maxl liebt Höhlen, Eckbänke und Couchen. Problem? Immer noch nicht. Besucher setzen sich nur einmal auf die hübsche Couch in der Küche, weil die total hart und unbequem ist, Indiana liebt sie trotzdem. Auf Maxls Fell im Wohnzimmer setzt sich auch keiner, sonst hat man einen bepelzten Hintern und ganz sicher einen Dackel auf dem Schoß. Und Antons Kissen auf dem Boden – warum sollte ihm das jemand streitig machen?

Stell dir mal folgendes vor: du landest aus irgendeinem Grund in China, da leben nette Menschen, die dich mit viel Liebe an alle chinesischen Besonderheiten gewöhnen. Sie haben nur eine ganz doofe Marotte. Es gibt Momente, die auch sehr lange dauern können, da bilden sich diese netten Chinesen ein, dass du unbedingt auf einem bestimmten Stuhl sitzen mußt. Es kann auch eine Couch, ein Bett oder ein Sessel sein. Das ist ein sehr bequemes Möbel, du sitzt eigentlich gern drauf, aber nicht immer und jetzt gerade eigentlich nicht. Du würdest viel lieber am Fenster sitzen oder bei den Chinesen am Esstisch oder oder oder…. aber nein, du mußt dort bleiben. Es sind sehr liebevolle Menschen, die dir auch immer was leckeres geben, wenn du dort bleibst, aber du darfst nicht aufstehen, wenn du es aufgegessen hast. Nette Vorstellung? Sicher nicht.

Liebe HundefreundInnen, Hunde verstehen sehr gut und kommen prima damit klar, dass bestimmte Plätze zu bestimmten Zeiten irgend jemandem gehören und dass man Menschen und andere Hunde einfach auch mal in Ruhe läßt, z.B. wenn sie essen oder lesen (Menschen) oder einfach ihre Ruhe haben wollen. Man kann ihnen sehr gut ohne großen Aufwand beibringen – wie kleinen Kindern -, dass Besucher nicht ausschließlich zu ihrer Bespaßung da sind, dass man keine Zeit für sie hat, wenn man gerade kocht, am PC sitzt, sich unterhält… Ebenso verstehen sie ohne große Probleme, dass hund in der Gaststätte einfach mal so unter dem Tisch oder in einer geschützten Ecke liegen kann, das ist sogar schön, weil hund da viel zu sehen kriegt. Und wenn hund das nicht mag, dann kann mensch ihn doch zuhause lassen.

Wo also ist das Problem?

Ich glaube, dass solche Trainings gemacht werden, damit man ganz, ganz sicher sein kann, dass man mit seinem Hund in der Öffentlichkeit nicht unangenehm auffällt und jeder ganz sicher sieht, dass man seinen Vierbeiner unter Kontrolle hat. In dem Dorf, in dem ich früher gewohnt habe, saß in einer Gaststätte immer ein alter Jäger mit einem alten und einem jungen Jagdhund. Nein, das war kein Ekel, der ging sehr nett und liebevoll mit seinen Hunden um und ich habe viel von ihm gelernt. Seine Hunde lagen immer bei ihm und sind nie unangenehm aufgefallen. Mein Großonkel ging jeden Vormittag mit seiner Kommondorhündin zum Frühschoppen, die lag neben ihm und niemand hatte ein Problem damit. Beide hätten gekuckt wie ein Auto, wenn ich ihnen was von „Deckentraining“ erzählt hätte.

Also: fragt mal alte Leute, die schon lange Hunde haben, wie die das denn so machen. Ich verspreche euch: für euch und für die Hunde sind die meisten dieser Ideen sehr viel angenehmer als Deckentraining.

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Ein Kommentar zu Deckentraining – warum ich sowas nicht mache

  1. Christina sagt:

    Hallo, ich sehe das genauso. Ich bin jetzt 50 Jahre alt und nie ohne Hund gewesen. Jeder hatte seinen Korb oder sein Hundebett, aber durfte sich auch immer da hin legen, wo er wollte. So halte ich es auch mit meinen beiden, inzwischen beide 14. Nur wenn sie mal stören, schick ich sie weg, was selten vorkommt. Ich kann beide überall hin mitnehmen – ins Restaurant, zu Veranstaltungen und Vorträgen, sogar in den Stadtrat. Wir sind halt ein Team, nicht immer einer Meinung, aber miteinander vertraut. Dafür brauche ich kein Deckentraining, sondern nur eine enge Bindung zu meinen Hunden. Nur Kirchenchor geht nicht. Meine Mischlingshündin singt mit, während mein Dackel tiefenentspannt unterm Stuhl schläft. Klar ist Hundeerziehung wichtig, aber sie darf nicht in Dressur ausarten. Hunde müssen Hunde bleiben dürfen.

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