Offener Brief an Sophie Strodtbeck: „In Zweifel für den Hund – Mensch-Hund-Beziehung Lebenslänglich?“ Artikel von Sophie Strodtbeck WUFF 05/2014

Artikel von Sophie Strodtbeck WUFF 05/2014

Sehr geehrte Frau Strodtbeck,

in Ihrem Artikel „In Zweifel für den Hund – Mensch-Hund-Beziehung Lebenslänglich?“ in der Ausgabe 05/2014 der Zeitschrift WUFF erklären Sie sehr nachvollziehbar, daß es durchaus Situationen im Leben eines Menschen gibt, in denen er sich für die Abgabe eines Hundes entscheiden muß. Diese Entscheidung fällt einem natürlich extrem schwer, so man seinen Hund liebt und an ihm hängt, trotzdem kann sie durchaus im Sinne des Hundes sein. Soweit stimme ich mit Ihnen vollkommen überein.

Wäre da nicht diese Aussage im letzten Absatz des Artikels, die alles andere, was Sie vorab zu dem Thema schreiben, nicht nur entwertet, sondern auch darüber hinaus denen, die Hunde mal so eben abschieben, wunderbare Argumente in die Hand gibt. Die Kernstelle lautet: “ Hunde sind Opportunisten. Solange auch anderswo das Entertainmentprogramm stimmt, der Napf gefüllt ist und sich ein Mensch um die Bedürfnisse kümmert, leben sich die meisten Hunde sehr schnell ein ……….. Die größeren Probleme hat in der Regel der Mensch.“ Ach, wirklich?

Wenn das so ist, dann ist das ja wirklich praktisch. Dann müssen wir uns ja keine Sorgen mehr machen, wenn so ein Fall eintritt. Ja, wir alle können in diese Situation kommen und nicht immer ist es möglich, so vorzusorgen, daß für den Hund alles so optimal wie nur möglich weiterläuft. Aber diese Aussage bestätigt vor allem: entweder haben Sie keine Ahnung, wovon Sie sprechen – und wozu Sie sich ausführlich in einer Hundezeitschrift als „Expertin“ äußern – oder es ist Ihnen vollkommen egal. Denn wenn das wahr ist, was Sie behaupten, dann erklären Sie doch einmal, warum man folgende Maßnahmen beachten muß, so man einen Hund aus 2. Hand übernimmt: die ersten Wochen sollte man den Hund nicht von der Leine lassen, man sollte gut darauf achten, daß er genügend Zeit bekommt, sich in Ruhe an sein neues Zuhause und (!) die neuen Menschen zu gewöhnen, bei vielen Hunden trifft man sogar die Vorsichtsmaßnahme, daß sie permanent die ersten Wochen eine Leine am Brustgeschirr / Halsband befestigt haben, damit man sie gar nicht erst anfassen muß. Warum hört man dann so häufig von Hunden, die nicht fressen wollen, vor allem Angst haben, obwohl sie bislang definitiv nicht ängstlich waren? Warum fangen gerade solche Hunde sehr häufig an, ihre neue Bezugsperson extrem zu bewachen? Weil das Entertainmentprogramm nicht stimmt? Oder vielleicht eher, weil sie Angst davor haben, daß sich die Sache wiederholt? Warum ist es nicht ratsam, die „alten“ Besitzer auf Besuch kommen zu lassen? Schon mal was davon gehört, daß das für die Hunde ein großes Problem werden kann? Wenn das alles so easy ist, warum leiden dann gerade Hunde aus 2. Hand so häufig an Trennungsangst? Weil der Napf nicht voll genug ist?

Meine Freundin bekam vor einigen Jahren eine kleine Hündin von einer alten Dame, die ihren Liebling aus gesundheitlichen Gründen abgab. Ich kann Ihnen versichern, daß sich die äußeren Umstände dieser Hündin extrem verbesserten. Aus einer 2-Zimmer-Wohnung im 3. Stock in der Großstadt kam sie auf ein ca. 2 Hektar (20.000 Quadratmeter) großes Grundstück mit Wald und Wiese, mit Buddelgelegenheiten und einer Tür, die den ganzen Tag nach draußen offenstand. Aus 3 kleinen Runden um den Block wurden zwei: eine kleine Morgenrunde und eine ausführliche von mindestens einer Stunde. Aus Fertigfutter aus dem Sack wurde Frischfleisch. Aus hundlichen Zufallsbekanntschaften an der Leine wurden freundliche Hundegefährten im Haus….. Trotzdem war diese kleine Maus über Monate hinweg sehr unglücklich. Über drei Monate lang kam sie jeden Abend ins Bett und wickelte sich mit affenartiger Geschwindigkeit in die Bettdecke ein, egal wie warm es draußen war, so daß meine Freundin dachte, sie müßte da eigentlich mal ersticken. So niedlich das ausgesehen haben mag: es war eine reine Verzweiflungstat, die kleine Hündin wollte nichts mehr hören und sehen. Noch wochenlang sah sie immer wieder an der Stelle nach, wo ihr Frauchen verschwunden war, in ihrer Verzweiflung begann sie Holz zu fressen, wenn Frauchen wieder nicht kam, um sie abzuholen. Vielleicht verdeutlicht folgende Rechnung, was hier vor sich ging: das panische Einwickeln in die Decke dauerte 3 Monate. Geht man davon aus, daß ein Hund ca. 12, ein Mensch aber 84 Jahre alt wird, bedeutet das hochgerechnet auf die Lebenserwartungeines Menschen, daß ein Mensch 1 Jahr und 9 Monate extrem trauern müßte. Was meinen Sie, Frau Strodtbeck? Ist das realistisch, daß Menschen so lange und so intensiv um einen geliebten Partner trauern? Jeder von uns hat schon mal so einen Verlust erlebt, aber ich kenne niemanden – mich eingeschlossen -, der zu einer so extremen Trauer in der Lage war.

Solche Geschichten kann ich Ihnen im Dutzend erzählen, denn ich arbeite seit über zehn Jahren als Trainerin und erlebe solche Dinge immer und immer wieder. Was bitte schön sollen denn Hunde Ihrer Ansicht nach machen, damit Blinde wie Sie erkennen können, daß sie leiden? Einen Antrag auf Psychotherapie stellen? Oder tun sie das nur nicht, weil sie ja Opportunisten sind? Was soll so ein Hund denn machen, er wird ja gar nicht gefragt, ob er mit der Entscheidung einverstanden ist. Oder kennen Sie ein Beispiel, wo ein Hund gefragt und dann nach seinen Vorstellungen entschieden wurde? Was bedeutet das denn, daß Hunde „Opportunisten“ sind? Daß ihnen sowieso alles egal ist, Hauptsache der Napf ist voll? Strecken Sie sich nicht nach der Decke, wenn Umstände eintreten, die Sie definitiv nicht beeinflussen können? Ja, tun Sie das? Dann sind Sie eine Opportunistin und das ist nicht gerade ein Kompliment für Sie. Schon mal von der Seite betrachtet?

Für den Fall, daß Sie mir nicht glauben, daß es so einfach auch wieder nicht ist, sollten Sie sich mal mit neuen, neurophysiologischen Erkenntnissen befassen, die schlicht und ergreifend beweisen, daß Hunde – und nicht nur sie – die gleichen Gefühle wie Menschen haben. Sonst wäre es auch kaum möglich, mit Hunden in so inniger Gemeinschaft zusammen zu leben, wie wir das tun. Dann könnten wir nicht erwarten, daß Hunde eine Bindung aufbauen, daß sie uns lieben und uns treu sind, daß sie mit uns fühlen, wenn es uns schlecht geht, und mit uns glücklich sind in guten Zeiten. Einen entscheidenden Unterschied zwischen Hunden und Menschen gibt es allerdings: Hunde denken nicht, sie seien die Krone der Schöpfung und hätten die Rechte an Gefühlen gepachtet, die sie anderen nicht zugestehen.

Ihre Aussage kommt mir vor, wie das, was man von strafenden Eltern gerne hört: mir tut das viel mehr wert wie dir, und wenn ich dich jetzt schlagen muß, ist das für mich viel schlimmer. Nee, iss klar, die Schmerzen, die ich nicht spüre, können nicht vorhanden sein. Total logisch. Und mit Gefühlen ist das ganz genauso.

Wenn Sie, Frau Strodtbeck, Ihre derzeit unerfreuliche Situation öffentlich in der WUFF bewältigen müssen, ist das Ihre Sache. Man muß das nicht lesen, wenn man das nicht möchte. Aber wenn Sie das tun, entbindet Sie das nicht von der Verantwortung, daran zu denken, welche Folgen Ihre Aussagen haben können. Was meinen Sie, wieviele Menschen Ihren Artikel dazu benützen werden, um Hunde abzuschieben? Schließlich sagen Sie ja ganz klar, daß das den Hunden in der Regel gar nicht so viel ausmacht. Wie war das doch gleich mit den Allergien gegen Hundehaare, die erstaunlicherweise immer dann auftauchen, wenn es Probleme mit den pubertierenden Hunden gibt? Ebenso kann jetzt jemand auch rechtfertigen, daß er seinen Hund in Zwingerhaltung abgibt, es muß eben nur gewährleistet sein, was Sie in Ihrem Artikel so schön ausgeführt haben, oder?

Ich habe lange hin und her überlegt, ob ich diesen Brief schreiben soll. Aber da ich aktuell wieder viel mit Hunden zu tun habe, die abgeben wurden, wollte ich diese Aussage nicht einfach unwidersprochen hinnehmen.

Mit freundlichen Grüßen
Ute Rott

Hundetrainerin / Verhaltenstherapeutin
Mitglied im Fachkreis Gewaltfreies Hundetraining
Hundeschule Forsthaus Metzelthin
Metzelthin 22
17268 Templin
www.forsthaus-metzelthin.de

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

29 Kommentare zu Offener Brief an Sophie Strodtbeck: „In Zweifel für den Hund – Mensch-Hund-Beziehung Lebenslänglich?“ Artikel von Sophie Strodtbeck WUFF 05/2014

  1. Andreas Mayer sagt:

    Einfach nur ein großes DANKE, Ute.

    Liebe Grüße aus Wien, Andy

  2. Sophie sagt:

    Vielleicht sollte man fairerweise den ganzen Artikel verlinken und nicht nur einen Satz daraus zitieren?
    Jetzt kann sich jeder seine Meinung bilden….
    http://www.wuff.de/cms/Im-Zweifel-fuer-den-Hu.2433.0.html
    PS: Fallzahlen von n=1 Zeichnen wahre Experten aus.

  3. Elke Franz sagt:

    Ohne Beleidigungen wär das ein ganz ausgezeichneter Artikel geworden.

    • Ute Rott sagt:

      Mir ist nicht ganz klar, wo in dem Artikel Beleidigungen stehen.

      • Anna sagt:

        “ Was meinen Sie, Frau Strodtbeck? Ist das realistisch, daß Menschen so lange und so intensiv um einen geliebten Partner trauern?“
        „Wenn Sie, Frau Strodtbeck, Ihre derzeit unerfreuliche Situation öffentlich in der WUFF bewältigen müssen, ist das Ihre Sache.“

        Angesichts der Situation von Frau Strodtbeck empfinde ich diese Aussagen in Ihrem Text sehr wohl als äußerst taktlos und auch irrelevant in Bezug auf das eigentliche Thema.
        Ihre Kritik an Frau Strodtbecks Artikel wäre weitaus professioneller und ernstzunehmender ohne diese Seitenhiebe.

    • Sabine sagt:

      Und mir ist nicht klar – ganz ab von der persönlichen Breitseite – wo der Artikel ausgezeichnet wäre.

    • Heike Nestle sagt:

      Man muss ja nicht so draufhauen…….
      Schade,dass Du dein Fachwissen durch die Beleidigungen so verschleuderst.
      Bin Elkes Meinung!!!

  4. Tanja M. sagt:

    Wo der Artikel beleidigend war… keine Ahnung.
    Ich finde es sogar wichtig, dass das jemand so deutlich angesprochen hat. Frau Strodtbeck ist selbst nicht zimperlich in der Formulierung („Profilierungsneurose“) – natürlich muss man sich nicht in Grund und Boden schämen, wenn man zum Wohl des Tieres eine Abgabe vornehmen MUSS, aber es gibt sie, sogar viele, die den Hund einfach wie ein langweilig gewordenes Spielzeug wieder abgeben und zwar ohne mit der Wimper zu zucken oder gar noch jene, die noch ein nettes Entgelt dafür haben möchten.

    Ganz eindringlich war die Frage eines Menschen, der seinen Hund abgeben wollte:
    „Was kostet das bei Ihnen?“

  5. Sabine sagt:

    Viel Lärm um nix. Kann es sein, dass Sie sich wichtiger nehmen als Sie sind? Wenn man den GANZEN Artikel liest und nicht nur die eine Textpassage, dann würde man nie auf diese ganzen Zusammenhänge kommen, welche Sie da rausziehen.

  6. Faelis sagt:

    Frau Strodtbeck verwendet in ihrem Artikel die Bezichnung „meist“. Diese Bezeichnung zeigt doch klar das es sich bei ihrer Ausführung nicht um ein sich immer so darstellendes Szenario handelt. Und das es durchaus auch eine andere Seite gibt.

    Ihr Brief ist unglaublich emotional, mir persönlich viel zu emotional, geschrieben. Sie unterstellen Frau Strodtbeck Gefühllosigkeit, ein sehr beschränktes Weltbild und schlußendlich verkaufen Sie sie, durch den Hinweis auf Forschung, auch noch für dumm.
    Gekrönt von fragwürdigen Vergleichen und Seitenhieben auf Frau Strodtbecks rivatleben entsteht ein übermäßig langer Text mit einer ebenso übermäßigen Inhaltsleere.

    Ich verstehe was Sie ausdrücken wollen, nur hätte man das auch weniger respektlos machen können.
    So hinterlässt Ihr offener Brief eher den Eindruck Sie hätten die Nadel im Heuhaufen als Grund gesucht, um sich mal ordentlich frei zu pöbeln.

    Schade. Denn die Botschaft war ansatzweise richtig.

  7. Caro sagt:

    Es gibt sicher Hunde, die sehr an ihren Besitzern hängen und längere Zeit unter einer Trennung leiden – gar keine Frage. Erfahrungen von Tierkliniken und Hundepensionen zeigen allerdings, dass dies ein eher kleinerer Teil ist. Während die meisten Besitzer (mich eingeschlossen) am liebsten dreimal täglich (wenn möglich öfter) anrufen würden um sich nach ihrem Liebling zu erkundigen und diesen deprimiert, Futter verweigern in einer Ecke liegend wähnen, sieht die Realität weit weniger „traurig“ aus (in Hundepensionen sogar oft das Gegenteil fröhlich tobend) – und das obwohl diese beiden Situation sogar sicher weniger optimal sind als ein neues liebendes Zuhause. Nahezu alle Besitzer berichten, dass ihr Hund bei der nächsten Reise ZUM Eingang der Pension hinzieht oder sehen sogar beim nächsten Besuch der Klinik ungläubig dass er das Personal freudig begrüßt. Sicher muss man etwas differenzieren ob es sich bei dem Hund um einen 15-jährigen blinden, tauben Angsthund oder einen selbstbewussten jungen Optimisten handelt … aus meiner Erfahrung heraus stecken aber fast alle Hunde Trennungen besser weg als ihre Besitzer das jemals vermuten würden.

  8. nucki nuc sagt:

    mmmhhh, in dem Artikel in der WUFF stand aber auch bezüglich des Opportunisten Hund, Zitat: „Das gilt für die meisten Hunde, auch wenn es sicher auch Ausnahmen gibt.“
    Ich arbeite schon lange im Tierschutz und erlebe dort ebenso, dass Hunde nach einer Abgabe auch regelrecht aufblühen! Natürlich gibt es genauso Hunde, die sehr darunter leiden.
    Man kann hier keine pauschale so-oder-so-Aussage treffen.

  9. Von mir kein großes und kein kleines Danke an Sie, Frau Rott. Vielmehr sehe ich in Ihrem Brief eine weitere für die Hundeszene typische Aktion, wo ein Satz aufgegriffen und ein Riesen-Trara daraus gemacht wird.

    Ja, wer Frau Strodtbeck kennt oder sie zumindest mal kennengelernt hat, der wird einen solchen Brief gar nicht erst schreiben. Denn es liegt ihr sicherlich fern, leichtfertig mit dem Thema „Trennung aus Sicht des Hundes“ umzugehen. Ich bin mir sicher, sie wollte lediglich klar machen, dass Hunde – genauso wie wir Menschen – sich mit veränderten Lebensumständen arrangieren können und in den allermeisten Fällen ein Besitzerwechsel nach einiger Zeit nicht nur akzeptiert wird, sondern solche Hunde auch wieder glücklich sein können.

    Aber, wie immer in der Hundeszene, muss man jedes Wort auf die Goldwaage legen und alles weiträuming erläutern. Sonst kommt halt jemand auf die Idee, einen offenen Brief zu schreiben, sobald irgendein Angriffspunkt entdeckt worden ist.

    Und dann gleich so eine Geschichte daraus zu machen? Für mich überhaupt nicht nachvollziehbar.

    Nette Grüße
    Peter Stanberg

    • Hallo,
      „Hundeszene typische Aktion, wo ein Satz aufgegriffen und ein Riesen-Trara daraus gemacht wird.“
      Ja und Frau Strodtbeck hat nun mal zusätzlich das Bedürfnis Ihr privates Leben öffentlich zu machen, was für mich leider zu Lasten Ihres Fachwissens geht.
      Birgit Minow

    • Beate Ohldorf sagt:

      Ganz genauso sehe ich das auch lieber Peter. Ständig diese Anfeindungen, ständig muss irgendjemand über irgendwen herziehen. Es gibt offene Briefe, Petitionen, Stellungnahmen,… Die Hundetrainerszene ist so voll von Wichtigtuern, Schlaumeiern, Besserwissern und missgünstigen Wundertrainern, es ist unglaublich. Hier wird getreten und gedisst wo es nur geht.

  10. Melanie Metz sagt:

    Wieder einmal ein „offener Brief“ – zu Zeiten der „Wassernapf-Affäre“ mit und um Michael Grewe gerne hergenommen um Trainerkollegen zu bashen und jedem der will, aber noch vielmehr denen, die nicht wollen die eigene Meinung zu präsentieren und aufzunötigen.
    Lese ich heute irgendwo „offener Brief“ verspüre ich bereits Unbehagen (ich denke das ist es, was man Konditionierung nennt) suggeriert mir die Begrifflichkeit doch, dass nun irgendwas kommt, was eigentlich keiner wissen will, aber dem Schreiber ein Bedürfnis war, das es loszuwerden galt.

    So auch hier – zumindest wird die Personengruppe, für welche der Inhalt eigentlich gedacht ist, weder diesen offenen Brief lesen, noch sich auch nur annähernd mit dem Sinn beschäftigen…

    Statt dessen wird hier versucht zu implizieren, dass jeder der seinen Hund abgibt ein gewissenloses Lebewesen ohne jegliche Gefühlsregung ist… um dies zu unterstreichen werden Beispiele aus dem Trainer-Alltag angeführt, unterlegt mit „Beweisen“ (beispielsweise Hunde, die ein größeres Grundstück und bessere Versorgung genossen haben), die eines Trainers eigentlich nicht würdig sind – denn ehrlicherweise muss man doch sagen, dass bei Hunden Habituation eine große Rolle spielt und selbst ein Hund, der überwiegend in Außen- und Einzelhaltung, mit wenig Zuwendung von Seiten des Menschen lebt, Adaption an diese Form der Haltung zeigt und diese „Gewohnheiten“ erst einmal ablegen muss… hier also auf die Tränendrüse zu drücken würde ich unprofesionell nennen.

    Darüber hinaus wären hier auch alle Menschen angesprochen (und müssten sich auf eine seltsame Art „schämen“), die Hunde zum Zwecke der vorübergehenden Pflege bei sich unterbringen und diese dann weiter vermitteln (man nennt diese Unholde im allgemeinen Sprachgebrauch auch gerne „Tierschützer“ oder „Pflegestellen“), denn die Hunde wissen ja schließlich nicht, dass es nur ein „Zwischenstop“ ist – außer natürlich das wird im Hund-Mensch-Stuhlkreis vorher ausführlich besprochen oder wir bemühen einen Tierkommunikator, der behutsam mit dem aufzunehmenden 4Beiner spricht und ihm die Sachlage mit allen Vor- und Nachteilen erklärt und dann sein Einverständnis einholt.

    Dann hätten wir da auch noch die bösen Züchter, die Hunde zum Zwecke des Weiterverkaufs „vermehren“ – die armen Welpen werden nicht nur aus ihrer hündischen Familie gerissen, sondern auch noch von der menschlichen Bezugsperson getrennt.

    Die pflegebedürftigen Omis und Opis sollten auch besser zu Hause wohnen, anstelle in eine betreute Wohnanlage zu gehen und – weil sie sich nicht mehr um ihre eigenen Belange kümmern können – dort im Müll ersticken, sich den Oberschenkelhals beim Treppensteigen brechen und „zu Hause sterben“ (schließlich wünschen sich Senioren das doch häufig) – Hauptsache der Hund erlebt keine traumatische Trennung von der Bezugsperson…

    Ich konnte noch weitere – zugegeben auch sehr sarkastische – Beispiele aufführen, denke aber, dass für jeden klar denkenden Menschen ersichtlich ist, dass Trennungen im Alltag eines Lebewesens eine Rolle spielen und viele Trennungen sogar ontogenetisch vorgesehen sind und nicht zum Untergang eines lebenden Organismus führen. Was zu traumatischen Trennungsvorgängen bei Hunden führt, sind vielmehr Menschen, die ihren Hund derart abhängig von sich selbst machen, dass dieses Tier noch nicht einmal im gewohnten Lebensumfeld alleine sein kann. Darüber sollte sich die Autorin vielleicht einmal Gedanken machen und dann einen „offenen Brief“ zum Thema „emotionaler Kettenhund“ schreiben.

  11. Mike sagt:

    Tut mir Leid – auch ich sehe in dem offenen Brief nur ein für die Hundebranche typisches „Wer ist hier der größere Experte“?-Scharmützel… Der Satz „Das gilt für die meisten Hunde, auch wenn es sicher auch Ausnahmen gibt. „, der der Aussage von Frau Strodtbeck wieder ein anderes Gewicht verleiht, wurde in dem offenen Brief ignoriert. Ansonsten hätte er nämlich den Fluss der Empörung gestört.

    Menschen, die Hunde abgeben möchten, werden dies ohnehin tun. Sie brauchen dafür keine Argumentationsgrundlage aus dem WUFF-Magazin. Keiner von uns sollte sich anmaßen, darüber pauschal zu urteilen, denn die Gründe, einen Hund abzugeben, sind vielfältig. Mal sind sie komplett daneben, mal sind sie sogar aus Hundesicht richtig.

  12. Birgit Pfister sagt:

    Ich finde dass der Frau Strodtbeck gute und klare Worte zum Thema Abgabe von Hunden findet. Allerdings stösst auch mir ihr letzter Absatz etwas auf. Es scheint ein etwas verzweifelter Versuch zu sein, das eigene Handeln durch die sehr platte Aussage „Hunde sind Opportunisten “ etc. zu verteidigen bzw. vor sich selbst zu entschuldigen. Die Autorin ist sicher eine verantwortungsvolle Hundehalterin und hat ihren Hund „Schmitti“ auch nicht leichtfertig abgegeben..aber es gibt genug Hundeabgeber, die nicht so veranlagt sind und die eben durch diese Aussage von ihr eine prima Absolution an die Hand gekriegt haben. Schade.

  13. Sehr unschön, dieser offene Brief… warum diese Unsachlichkeit und Beleidigungen? (Blind sein, leichtfertig, keine Ahnung, vergleich mit schlagenden Eltern usw.).

    Aber zum Thema: Ich bin jetzt seit über 25 Jahren Hundetrainerin und kann die Fälle, in denen Hunde aus 2., 3. oder 4. Hand zu mir ins Training kamen oder – aus den unterschiedlichsten Gründen abgegeben werden mussten, gar nicht mehr zählen.

    Auch wenn wir Menschen das nicht gerne hören: Die weitaus meisten Hunde gewöhnen sich nach kurzer Zeit problemlos an neue Menschen – Ausnahmen gibt es natürlich unbestritten.

    Und meint hier wirklich jemand ernsthaft, dass ein Mensch, der seinen womöglich problematischen, ängstlichen oder wasauchimmer Hund leichtfertig abschiebt – weil er nicht mehr passt, zu anstrengend ist oder nicht mehr zur Einrichtung harmoniert – sich von diesem Blog oder von Sophies Artikel beeinflussen läßt? Ich glaube nicht….Solche Leute brauchen weder eine Rechtfertigung noch eine Erlaubnis, die handeln nur aus ihrem Egoismus heraus. Gottlob sind sie selten…

    Die Menschen, die ihren Hund tatsächlich abgeben müssen, habe ich immer als sehr unglücklich, ratsuchend und nachdenkend erlebt. Für diese war es immer eine Erleichterung zu hören, dass es für den Hund kein Weltuntergang ist.

  14. bianca sagt:

    hm ich kenne es aus dem sport, dass sich die hunde eigentlich schnell einleben und weder unter trnnungsangst oder dergleichen leiden…auch habe ich noch keinen hundesportler mit nem doppelt gesicherten hund incl panikgeschirr gesehen…
    auch wenn man sich nen welpen vom züchter holt leben sich die hunde doch innerhalb weniger tage komplett ein…
    ich denke man interpretiert hier zu viel rein, wenn man nen hund, der neu in der familie is ohne falsches mitleid ganz normal behandelt, dann is doch eigentlich alles gut…

  15. Susanne Demmer sagt:

    Ich habe den Artikel jetzt gelesen und finde die Meinung der Fr. Rott nicht nur geschmack- sondern auch pietätlos.
    Sie reißt Sätze aus ihrem Zusammenhang und macht sich genau über den Fall Gedanken, den Fr.Strodtbeck ausschließt: „Ich meine damit natürlich nicht die Menschen, die einen Hund kurzsichtigerweise anschaffen, ohne sich der mit dem Hund übernommenen Verantwortung bewusst zu sein und für die ein Hund nichts anderes ist als beispielsweise ein Einrichtungsgegenstand oder ein Accessoire.“

  16. Stefanie Grytu sagt:

    Schade dass aus einem sehr guten Artikel ein Satz für Sie so ausschlaggebend ist. Sicher haben Sie recht, dass es einige Hunde gibt die große Probleme mit Trennungen haben, aber auch ich kann aus meiner Erfahrung als Hundetrainerin und -Betreuerin und nach einigen eigenen Second-Hand Hunden sagen dass die meisten Hunde wirklich keine Probleme haben. Ebenso kann ich sagen, dass ich in 8 Jahren Hundetrainertätigkeit noch nie Kunden hatte die ihre Hunde leichtfertig abgeben haben. Alle die es tun mussten, taten es aus schwerwiegenden Gründen, die ich niemanden wünsche! Bei denen, mit denen wir Lösungen fanden dass der Hund bleiben konnte, blieben die Hunde. Ich denke Ihre Sorge dass Hunde einfach abgegeben werden, weil es den Hunden ja eh egal ist, ist bei den allermeisten Hundehaltern unbegründet… Und die die es tun, die würden es auch tun wenn es den Hunden große Probleme machen würde…
    Desweiteren denke ich wäre es sinnvoll sich mit Frau Strodtbeck auseinander zusetzten, dann könnten Sie ihre Aussagen besser einordnen und würden nicht diese Unterstellungen und Beleidigungen verwenden müssen.

  17. Sabine A. sagt:

    Es fällt mir schwer zu glauben, dass ein Mensch, der die Absicht hat seinen Hund abzugeben, zum Kiosk geht, um sich von der Wuff die Absolution erteilen zu lassen, denn der tut es auch ohne Absolution! Gründe einen Hund abzugeben, können vielfältig sein – und es kann auch zum Wohle des Hundes und des Menschen sein.
    Beispielsweise bei Aggressionen gegen Familienangehörige oder wenn ein Mensch durch Krankheit einfach nicht mehr in der Lage ist, den Hund zu versorgen. Ich mutmasse, dass es verantwortungsbewussten Menschen immer schwer fällt – egal aus welchen Gründen – einen Hund abzugeben. Natürlich gibt es auch Menschen, denen das neue „Spielzeug“ einfach langweilig geworden ist und wollen es wieder los werden…
    Fakt allerdings ist es, dass Hunde tatsächlich Opportunisten sind. Meine jahrelange Arbeit mit Hunden, besonders in der Hundebetreuung zeigt das deutlich.
    Menschen müssen plötzlich ins Krankenhaus, der Hund braucht eine Bleibe und wird mit den Worten „Er ist aber ein Problemfall, denn er kann nicht alleine bleiben, sie dürfen nie ausser Sichtweite gehen oder er hat schrecklich Angst vorm Autofahren oder am Halsband geht er keinen Meter oder oder oder…“
    Warum nur adaptiert er sich innerhalb kürzester Zeit an die Situation, die er vorfindet? Wenn Frauchen dann nach 4 Wochen Reha wiederkommt, kommt es manchmal sogar vor, dass der vorher als Klettenhaft beschriebene Hund, nicht mal Notiz von Frauchen nimmt.
    Hunde leben also im Hier und Jetzt und passen sich der Umwelt an und wenn die neue Situation gut ist, steht Ihrem Glück nichts im Wege. Oder?
    Im Übrigen legen Hunde Worte NIE auf die Goldwaage und auch sonst sind sie nicht nachtragend und zeigen uns jeden Tag unseren Spiegel. Doch die meisten Menschen können ihn nicht sehen… 😉

  18. Björn Krämer sagt:

    Natürlich gibt es Hunde, die in fast symbiothischer Beziehung von ihren Besitzern abhängig sind…aber das ist weder der zu erwartende Normalzustand noch war so etwas jemals züchterisch gewollt. Auch wenn der Gedanke vielen Hundehaltern in ihrer rosaroten Plüschwelt die Tränen in die Augen treibt…Hunde sind absolute Opportunisten, extrem bindungsflexibel und die meisten würden ihren Besitzer fürt ne Bockwurst verkaufen!
    Wenn dem nicht so wäre könnte ich meinen Job nicht machen.
    Ich bin dogwalker.
    Wenn ich zu nem Probetermin irgendwo hinkomme kennen mich die Hunde im Regelfall nicht…die grinse ich ein bisschen an, werfe zwei, drei Leckerchen und dann mache ich nen Probespaziergang mit denen…alleine, ohne Besitzer!
    90% aller Hunde drehen sich an der Haustür nicht mal um…dabei kennen sie mich nicht und wissen auch nicht, dass ich sie wieder zurückbringe!
    Die Argumente des hier veröffentlichten Briefes mögen in Einzelfällen zutreffen, wie der Haushund die letzten 10 000 Jahre überstanden hat wenn das der zu erwartende Normalfall wäre ist mir allerdings schleierhaft.
    Über Quellen, Untersuchungen, Literaturangaben würde ich mich sehr freuen!
    Mit freundlichen Grüßen,
    Björn Krämer

  19. Sabine Fisch sagt:

    also wirklich! natürlich gibt es hunde, die sich schwer tun. aber beispielsweise gerade beagles sind extreme opportunisten. wenn ich ihn mal zu freunden geben muss, weil ich weg muss, guckt mich der gar nicht mehr an, wenn er abgeholt wird. er wedelt, er freut sich – ich denke immer, er malt sich folgendes aus: juhu – abenteuer, fressen, spielen. ob ich dann noch da bin oder nicht, ist ihm schlicht wurst. diese künstliche aufregung und vermenschlichung von hunden nervt.

  20. Stefan Allibelli sagt:

    Geschmacklos, einen Passage mit Trauern hier aufzunehmen, wo Frau Strodtbeck erst vor wenigen Wochen Ihren Lebengefährten verloren hat. Oder Absicht?

  21. Kerstin S. sagt:

    Ich habe mir jetzt nicht alle Kommentare durchgelesen und möchte auf Ihre teilweise ziemlich persönlich formulierten Angriffe auf Frau Strodtbeck nicht weiter eingehen, aber : Glauben Sie ernsthaft, dass Menschen, die ihre Hunde wie überflüssig gewordene Spielzeuge abschieben, die WUFF lesen?

    Ich habe selbst einen Hund aus dritter Hand (sechs Jahre Vorbesitzerin, sechs Wochen Pflegestelle). Dieser Hund hat sich die ersten drei Tage immer wieder umgeschaut, ob die Pflegestelle nicht doch wieder auftaucht um sie zu holen. Danach konnten wir sie problemlos ableinen und sie war angekommen. Dennoch ist sie bis heute sehr aufgeregt, wenn sie merkt, dass wir Reisetaschen packen o.ä.

    Ich glaube jedoch, dass die Fälle, in denen ein Hund so sehr um sein verlorenes Zuhause trauert, dass er damit nicht zurechtkommt, so selten sind, dass sie in den Medien Beachtung finden („Hund wartet auf totes Herrchen“ etc.).

    Unsere andere Hündin, die ich im Alter von neun Wochen zu mir holte, bräuchte jedenfalls wahrscheinlich nicht mal einen ganzen Tag, um sich in einer neuen Umgebung einzuleben. Klingt wenig romantisch, ist aber realistisch ;).

    Für viele Hunde, die leichtfertig angeschafft wurden und sobald die ersten Problemchen auftauchen, wieder abgeschoben werden, ist es häufig eine echte Verbesserung, wenn sie in ein neues Zuhause kommen.

    Und was bringt es einem, Menschen Vorwürfe zu machen, wenn sie den Hund im Falle einer Schwangerschaft oder weil sie nicht gleich bei der ersten Wohnung eine Zusage bekommen, abgeben wollen? Die Entscheidung ist doch eh gefallen und so wichtig kann der Hund den Leuten nicht gewesen sein, wenn er so schnell hergegeben wird. Dann ist es doch viel schöner, wenn er ein Zuhause findet, in dem er geliebt und umsorgt wird.

    Ich persönlich kann mir heute keinen Grund vorstellen, aus dem ich meine Hunde hergeben würde. Meine Zweithündin hätte wieder gehen müssen, wenn die Reibereien mit der Ersthündin nicht verschwunden wären, aber nachdem sich dieses Problem erledigt hat, wüsste ich nicht, weswegen ich mich trennen sollte. Wohnung? Arbeit? Privates Umfeld? Das sind alles Faktoren, die ich den Hunden unterordne. Ist vielleicht nicht ganz modern, aber nun mal meine Einstellung.

  22. Bärbel sagt:

    Also ich muss sagen, ich bin entsetzt über die meisten Kommentare.

    Natürlich macht ein Hund in einer neuen Umgebung häufig keine großen Probleme, sondern backt erstmal kleine Brötchen und checkt die Lage. Da aber zu behaupten, das sei keine grosse Sache, er lebe sich in ein paar oder gar einem Tag ein oder es reiche sogar ein Gassigang, da bleibt mir echt die Spucke weg. Ganz ehrlich? Wer sowas behauptet: Fachwissen (auch was seine Einschätzung des Gemütszustandes des betreffenden Hundes angeht), naja… Entsprechende Kritik: Tja, durchaus nachvollziehbar.
    Ich würde jemandem, der sowas behauptet, meine Hunde jedenfalls nicht anvertrauen.

    Es geht doch vor allem darum, eine vertrauensvolle Bindung aufzubauen und das dauert Monate, wenn nicht sogar Jahre, oft je nachdem ob der Hund vorher schon ein oder gar mehrere Zuhause hatte oder nicht. Vor diesem Hintergrund kann ich die Empörung von Frau Rott schon nachvollziehen. Und gerade die Kommentare zeigen noch einmal eindrücklich, wie wenig eigentlich verstanden wird.

    Im Übrigen bin ich der Meinung, dass man die Abgabe eines Hundes gar nicht schwer genug machen kann. In dem WUFF-Artikel sehe ich das so nicht wirklich (ohne jetzt mindestens entsprechend schwerwiegende Fälle aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis aufzufahren, bei denen kein Hund abgegeben wurde).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.