Mantrailing – der ideale Weg für Mensch und Hund zu einem besseren Verständnis

vom Ute Rott, Forsthaus Metzelthin

Mantrailing ist eine Art Modesport geworden. Dem sollte man ja immer etwas kritisch gegenüber stehen, aber ich gebe ehrlich zu: das freut mich ungemein, denn für mich ist Mantrailing der ideale und oft überraschende Weg zu einer besseren Beziehung und einem wesentlich besseren Verständnis für einander – oder sollte ich nicht lieber sagen: zu einem besseren Verständnis für unsere Hunde.

Nasenarbeit ist generell etwas ausgesprochen faszinierendes. Wer bei komplexen Apportieraufgaben wie Feinreviersuche einen Hund beobachtet, wie er das Feld in einem für uns unbegreiflichen Tempo absucht, zurückkommt und entweder das Apportel im Maul hat oder zuverlässig anzeigt, daß nichts im Feld liegt, wer bei der Verlorensuche (Rückwärtssuche) die Hunde im Eiltempo sicher und genau den Weg absuchen sieht, durch nichts ablenkbar und voll konzentriert, der kann nur begeistert sein.  Wenn meine Kunden ihre Schlüssel nicht mehr fanden und wir den Verdacht hatten, er könnte am Parkplatz liegen, mußte ich nur meinen alten Fritzi reinschicken. Wenn er sagte, hier ist nix, war da auch nix. Wenn da ein Schlüssel oder irgendein Gegenstand lag, der da nicht hingehörte, brachte er ihn 100% sicher zu mir. Wenn das nicht beeindruckend ist. Und selbstverständlich ist jeder einfach nur stolz auf seinen Hund, der so was tolles kann. Der Hund merkt das und ist natürlich auch glücklich und stolz.

Mantrailing aber setzt dem Ganzen die Krone auf. Ich möchte das an einem Beispiel aus einer meiner Gruppen erläutern. Die Kundin hat eine Terrierhündin, die recht kernig ist. Sie ist sehr interessiert an ihrer Umwelt, hat auch einen gewissen Jagdtrieb, ist sehr gut im Gehorsam, tendiert aber zur Aggression gegen andere Hündinnen und sie ist temperamentvoll, reaktionsschnell und entschlussfreudlig, was niemanden überrascht, der Terrier kennt. Meine Kundin kommt mit der Hündin prima klar, aber sie ist immer wieder unsicher, wenn die Hündin irgendwas fixiert. Sie hat einfach Angst, daß dann etwas Unerfreuliches passiert, sei es nur, sie fängt an Kühe oder Pferde zu verbellen, Menschen vor lauter Begeisterung anzuspringen, Artgenossinnen anzugehen…. ihr Repertoire ist da recht beträchtlich.

Beim Trailen haben wir folgendes festgestellt: Die Hündin hat Stehohren und nach meiner Erfahrung tun sich Hunde mit Stehohren beim Trailen schwerer als Hunde mit Schlappohren, einfach weil sie besser hören und dadurch leichter ablenkbar sind. Sie blieb auf dem Trail häufig stehen und fixierte irgendwas im Wald oder in der Ferne, und sie ließ sich auch nicht so leicht rausholen. Meine Kundin versuchte immer wieder, sie mit „such weiter“ dazu zu bringen, weiterzuarbeiten, aber das war vergebliche Liebesmüh. Im Gegenteil, sie arbeitete dann schlecht und schlampig, zerfahren und lustlos. Alles hatte sehr gut beim Mantrailer-Seminar angefangen, um so bedauerlicher ist es, wenn beim Gruppentraining irgendwie nichts vorwärts geht. Irgendwann im Winter konnten wir das Training filmen und die Auswertung des Videos brachte uns interessante Erkenntnisse. Zum einen war deutlich zu sehen, daß die Hündin irgendwas für sie sehr beunruhigendes abklären mußte und viel zu abgelenkt war. Erst wenn sie sich abgesichert hatte und selbständig die Entscheidung getroffen hatte, machte sie von sich aus weiter. Zum anderen stellten wir fest, daß sie viel Aufmerksamkeit beim Arbeiten benötigt, da sie viel auffälliges unterwegs bemerkt. Sowie meine Kundin das registrierte, war es für die Hündin auch einfacher, das Objekt als harmlos einzustufen und sich wieder dem Trail zuzuwenden.  Bei den nächsten Trainings zuhause oder in der Gruppe legten wir unser Augenmerk verstärkt darauf, ihr die Möglichkeit zum kontrollieren und absichern zu geben und ihr klar zu signalisieren, daß wir ihr Bedürfnis nach Kontrolle erkannt haben und akzeptieren. Und plötzlich lief alles schneller, leichter und besser.

Und jetzt kommt’s. Meine Kundin hat diese Erkenntnis auf ihren Alltag, sprich ihre Spaziergänge übertragen und siehe da, die Hündin will gar nicht mehr überall hin, sie kann einfach mal ein Pferd in aller Ruhe betrachten und dann locker weiterlaufen.  Ohne die Erfahrung beim Trailen hätte sich meine Kundin das nie getraut. Jetzt dachte sie einfach, sie läßts mal drauf ankommen. Und es hat funktioniert. Ich bezweifle, daß ich das im normalen Gruppentraining je so schnell und gründlich hinbekommen hätte. Nicht weil ich schlechte Argumente oder kein durchdachtes Training habe, sondern weil learning by doing, bzw. Lernen am Erfolg einfach die besten Ergebnisse bringt. Manchmal verstellt im Training einem das Ziel den Blick fürs Wesentliche. Hier war die Lösung einfach die: wenn wir sie machen lassen, arbeitet sie gut weiter, wenn nicht, gehts schief. Es gab keine Hintergedanken wie: gleich fängt sie an zu spinnen. Die Hintergedanken waren im Gegenteil sehr positiv: kuck ruhig hin und wenn du fertig bist, trailen wir weiter.

Das Training fand natürlich auch in einer sicheren Umgebung statt, denn hier auf den Wiesen und in den Wäldern rund ums Forsthaus hat man ja nicht permanent Spaziergänger, Reiter oder Hunde. Wer da rumläuft, ist erstmal weit weg, die Gefahr einer nahen Begegnung ist also sehr gering. Weil alles so gut und locker lief, konnte meine Kundin dann entspannt das Ganze auf engere Situationen umsetzen. Und das begeistert mich einfach! Mantrailing als Schützenhilfe für entspannte Begegnungen. Besser kann’s gar nicht gehen. Das bedeutet aber, daß nicht nur das Trailen besser läuft und alle möglichen Begegnungen im Alltag lockerer gemeistert werden, sondern Mensch und Hund sich besser kennen, sich besser verstehen und einschätzen können.

Wenn das kein Grund ist, vom Trailen begeistert zu sein!

 

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