Wenn Welpen beissen….

Welpen haben unglaublich spitze Zähne, die sind wie eine Mischung aus Nadeln und Dolchen, einfach nur gruselig. Und mit denen machen sie Löcher und Risse in menschliche Haut. Das tut weh, richtig weh. Warum machen sie das? Sie sehen so niedlich aus und wir lieben sie heißt, trotzdem hacken sie zu wie Piranhas.

Es gibt viele Gründe, warum Welpen zubeißen. Sehen wir uns ein paar an.

  1. Die Beisshemmung
    Die Beisshemmung muß ein Hund lernen, so wie Menschenkinder lernen müssen, dass sie ihre Hände sanft und freundlich einsetzen können. Die Beisshemmung wird zwischen der 7. und 10. Woche erlernt, bei einem guten Züchter lernen das die Welpen mit ihren Geschwistern, denen das wesentlich weniger weh tut, weil sie einen Pelz haben. Damit sie lernen, dass menschliche Haut empfindlicher ist, muß sich der Zücher bemühen und in der Regel klappt das ganz gut.
    Blöd ist nur, dass die meisten Hunde mit 8 Wochen in ihre neue Heimat abgegeben werden. Also müssen die neuen Hundeeltern das mit ihrem Hundekind üben.‘
  2. Hunger!!!
    Es kommen immer mehr Welpen in die Hundeschule, die max. 3 Mal täglich gefüttert werden, ein Industriefutter bekommen, das sie nicht mögen und die einfach den ganzen Tag Hunger haben. Also schnappen sie nach allem und jedem in der trügerischen Hoffnung, dass es was zum essen ist. Diese Welpen sind viel zu dünn, man fühlt die Rippen nicht nur, man sieht sie auch. Das darf bei Welpen nicht sein.
    Welpen muß man bis zu 6 Mal (sechs Mal) am Tag füttern und das Futter muß so sein, dass es dem Hund schmeckt, und er muß genug davon bekommen, so dass er nach der Mahlzeit satt ist. Industriefutter ist nie geeignet. Oder ziehen Sie Ihre Kinder mit Fertigpizza, Döner und BigMacs auf?
  3. Überforderung
    Ein Welpe schläft locker bis zu 20 Stunden täglich. Auch wenn er das kann, die Menschen aber in den übrigen 4 Stunden Action, Action, Action machen, also viel zu lange und zu oft mit ihm spazieren gehen oder ständig mit ihm spielen, Bälle und Stöcke werfen, mit Quietschis und Zotteln zerren, kommt er nicht mehr zur Ruhe. Er ist gestresst und das äußerst sich z.B. darin, dass er „schnappig“ wird.
  4. Kinder
    Kinder im Haushalt, die den Kleinen permanent rumschleppen, zwangsbekuscheln und zwangsbespielen, keine Rücksicht auf seine Bedürfnisse nehmen, ins Hundekörbchen kriechen und was dergleichen Scherze noch mehr sind, nerven den Welpen und er lernt nur allzuoft, dass Beissen die einzige Möglichkeit ist, dass er in Ruhe gelassen wird.
  5. Party
    Jeder will den Neuzugang kennenlernen und der Kleine ist komplett genervt von den vielen Menschen, die mit „Ach ist der süüüßßßß“ auf ihn losstürmen, hochheben, abknutschen….. Irgendwann reichts, niemand sieht seine Versuche wegzukommen und er hackt zu.
  6. Allein bleiben
    Viele Menschen vergessen vollkommen, dass Babys und Kleinkinder nicht gerne alleine bleiben. Wenn Menschen klar im Kopf sind, dann machen sie das mit ihren Kindern auch nicht. Welpen müssen oft sehr schnell allein die Nacht verbringen und / oder tagsüber irgendwas zwischen 4 und 10 Stunden alleine bleiben. Und: nein, es zählen nicht die Stunden, in denen Sie ins Bett gehen oder ihre Arbeit beginnen und beenden, sondern die Zeit des Alleinbleibens beginnt exakt in dem Moment, in dem Sie Ihr Hundekind in die Küche, Zwinger, Flur – wo auch immer – einsperren und nicht mehr anwesend sind.
    Auch wenn das Hundekind nicht schreit und weint: es ist allein und fürchtet sich. Das ist sehr stressig und führt ganz schnell dazu, dass es vor lauter Aufregung – Gott sei Dank bist du wieder da!! – bei der Begrüßung zubeißt.

Ein Welpe braucht:
Ruhe – Ruhe – Ruhe
geduldige Menschen, die die Bedürfnisse des Hundekindes kennen  und darauf Rücksicht nehmen
Menschen, die begreifen, dass Erziehung permanent stattfindet, nicht nur, wenn man „sitz, platz, Fuß“ übt  und dass der Erziehungsberechtigte vor allem ein gutes Vorbild zu sein.
Schutz vor allem, was den kleinen Hund erschreckt oder verunsichert
langsames Heranführen an Neues

……

und noch viel mehr – vor allem Liebe, Zuneigung und Verständnis.

Ist Ihr Welpe auch als Piranha unterwegs? Dann überlegen Sie einfach, was in der Liste oben passt. Die Liste ist übrigens nicht vollständig, aber die Ursache sind immer wir Menschen.

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