Müssen Wattebauschwerfer auf alles eingehen, um ihrem Ruf gerecht zu werden?

Lange habe ich darüber nachgedacht, ob ich das hier veröffentlichen möchte und habe mich aus verschiedenen Gründen dafür entschlossen.  Menschen, die ihre Hunde mit Gewalt erziehen, haben in der Regel nicht das allergeringste Problem damit, einem Hans Schlegel, Cesar Millan oder eben Michael Grewe jede Menge Geld ins Haus zu tragen. Dagegen wird von den sog. Wattebauschwerfern – in meinen Augen ein Kompliment –  erwartet, daß sie einfach so und aus purer Tierliebe und weil sie sehr oft weiblich und damit wohl sowieso beschränkt sind, grundsätzlich kostenlos wertvolle Tipps von sich zu geben und womöglich für lau zu trainieren. Hundetrainerin ist ja auch sehr schöner und erfüllender Beruf, gerade für eine Frau, so wie Krankenschwester oder Erzieherin. Wenn man schon als tolle Fachfrau anerkannt wird, dann hat man gefälligst auch die Hand zu zu machen und nicht aufzuhalten.

Diese Mail erreichte mich als erste und eigentlich bin ich seitdem am Überlegen, ob man Michael Grewe aufgrund dieses Textes nicht wegen Tierquälerei anzeigen kann, da er lt.  Schreiber Techniken (!) wie Teletackt gutheißt, sprich anwendet? Aber vielleicht ist das doch zu kompliziert.  Wer übrigens den ganzen Summs nicht lesen möchte, sollte trotzdem ganz unten lesen, warum ich mich letztendlich für die Veröffentlichung entschieden habe.

„Sehr geehrte Damen und Herren,
auch wenn der Thread schon „etwas“ älter ist, ich ihn aber erst heute entdeckt habe, würde ich gerne Kritisches anmerken: was mir bei den  vielen Einlassungen, auch Ihrer, auffällt, ist die Tatsache, dass mit den Postings noch Werbung betrieben wird für die eigene gewaltfreie Hundeschule. Sie nutzen die Situation, um auf sich aufmerksam zu
machen. Das ist in meinen Augen genau so verwerflich wie die Postings der shitstormer. Wieso HINTERFRAGT niemand der Hundetrainer/innen kollegial die Situation, oder schreibt statements nach vorheriger Befragung von M. G.? Somit kann nur angenommen werden, dass der eigentliche Hintergrund von einem Mitbewerber/Konkurrent initiiert  wurde, und alle in dieses Horn tutenden Trittbrettfahrer sind.
Ich kenne M. G. durch unseren Hund „Lucky“, ein Raufbold und Leinenzieher. Ich fand den (einmaligen) Umgang von M. G. mit Lucky auch nicht so überzeugend, und ich weiß, dass er auch Technik wie Teletack und Stachelhalsbänder zur Hundeerziehung gutheißt, manchmal, aber die Schüsselmethode als einmalige SOFORTINTERVENTION nicht zu seinem regulären Repertoire gehört, und auch allgemein für Hundebesitzer nicht gehören sollte! Aus lernpsychologischer Sicht, und so wird es auch an den tierärztlichen Hochschulen gelehrt, muss eine Intervention auf ein unerwünschtes Verhalten innerhalb von zwei Sekunden erfolgen, um ein Lernziel zu erreichen. Bei einem Angstbeißer  ist die ohnehin kurze Zeit noch kürzer, und der Hund darf nie den Hundeführer selbst als Disziplinierenden wahrnehmen, wenn das Verhältnis nicht unrettbar zerstört werden soll. Also darf der Besitzer nicht selbst zu solchen Maßnahmen greifen, dafür gibt es den Hundetrainer, es muss eine einmalige Aktion bleiben, und was völlig übersehen wurde ist, der Hund hatte einen Maulkorb auf, der den Schlag dämpfte – die Wirkung aber nicht! Sicher wird dieser Trainer kein Freund des Hundes sein, aber für das Leben des Hundes, der ja eingeschläfert werden sollte, und die  Besitzerin war diese Maßnahme heilsam. Diese, wie viele andere auch, Hintergründe werden nie erwähnt, und somit ist dieses aus dem Kontext herausgenommene Video wie so oft eine Falschdarstellung.

Aber wie würden Sie als erfahrene Hundetrainerin diesen Hund in adäquater Manier den Kosten und der Zeit ggü. umtrainieren?“

Weil ich zwar weiblich und Hundetrainerin, aber doch nicht ganz bescheuert bin, habe ich so geantwortet:

Sehr geehrter Herr XXX,

wie Sie richtig bemerkt haben, betreibe ich eine Hundeschule und arbeite dort gewaltfrei. Auch gewaltfrei arbeitende Hundetrainer müssen leben und brauchen dazu Geld. Dieses verdienen sie nicht wie Herr Grewe damit, daß sie Hunde mit purer Gewalt zu vermeintlichem Gehorsam zwingen, sondern mit vernünftigem Training. Falls Sie ein Problem damit haben, daß ich mit meiner Arbeit in meinem Blog „Werbung“ mache, dann ist das Ihr Problem.

Unseriös, unprofessionell und vollkommen kontraproduktiv was meinen Geldbeutel und meinen Kontostand angeht wäre es, wenn ich Ihnen per Mail kostenlose Ratschläge geben würde. Unseriös und unprofessionell deshalb, weil ich weder Sie noch Ihren Hund kenne. Das mit dem Geldbeutel sollte jedem vernünftigen Menschen klar sein.

Falls Sie Interesse haben, ein ernsthaftes Training bei mir zu absolvieren, bin ich gerne dazu bereit.

Mit freundlichen Grüßen

Ute Rott

…. und daraufhin folgende, ganz offenbar enttäuschte Antwort erhalten.

„Hallo Frau Rott,
die Patzigkeit Ihrer Antwort, die lediglich IHRE Affektsituation spiegelt zu dem Thema, Ihr geringes Eingehen auf den Inhalt meiner Frage zeigt mir, mit welcher tatsächlichen Voreingenommenheit „die Szene“ auch noch drei Jahre danach reagiert. Ich hatte nie vor, bei Ihnen ein Hunde Training zu buchen, sondern wollte lediglich eine fachlich kompetente Einschätzung einer Fachfrau. Ihre Antwort zeigt deutlich, wie Hootchy Coochy Konkurrenz auf eine stringentere Trainingsmethode reagiert. Das aufzuzeigen ist mir gelungen.
Viel Erfolg wünscht Ihnen XXX“

Natürlich habe ich den Namen entfernt, denn es geht nicht um die Person. Es geht mir um die KollegInnen, und da sind leider die Frauen in der Überzahl, die auf so einen Unfug eingehen und denken, sie müßten jetzt mit Fachkompetenz und guten Argumenten punkten.

Liebe Mädels, die Antwort wird immer irgendwie so ausfallen wie bei diesem Herrn, der eben nunmal „stringentere Trainingsmethoden“ besser findet als euer Unterhosenbüglergetue. Er zieht ja diese Methoden nicht mal im Ansatz in Zweifel, sondern untermauert diese ganze üble Tierquälerei auch noch mit angeblich fundierten „wissenschaftlichen“ Erkenntnissen und logisch muß ein Hund vor dem unvermeidlichen Einschläfern gerettet werden. Unter dem tut so einer es nicht. Und weil ich finde, ihr solltet eure Zeit nicht mit sowas vergeuden, habe ich jetzt ein bißchen Zeit investiert, damit ihr seht, es geht auch anders. Kümmert euch um die, die eure Zeit wert sind und die es euch auch danken  – nicht nur mit gutem Training mit ihren Hunden, sondern auch mit der für uns allen notwendigen finanziellen Zuwendung. Schämt euch nicht, für euch Werbung zu machen, weder ein Schlegel noch ein Millan noch ein Grewe noch sonst ein Gewalttäter – oder eine Gewalttäterin – haben damit ein Problem.

In diesem Sinn: gute Arbeit muß auch bezahlt werden.

Übrigens: Hootchy Cootchy Konkurrenz finde ich auch ein sehr nette Kompliment! 😉

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Gewaltfreies Hundetraining abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu Müssen Wattebauschwerfer auf alles eingehen, um ihrem Ruf gerecht zu werden?

  1. Karin Immler sagt:

    Liebe Ute Rott,
    danke für den gelungenen Artikel. Ja – so ist es! Qualität braucht sich nicht zu verstecken und wenn wir Wissen, Engagement, Zeit etc. verschenken, dann mit frohem Herzen und weil wir es möchten – und nicht weil man uns dazu nötigt.
    Herzliche Grüße aus Salzburg
    Karin Immler

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.