XIII animal-learn Symposium 14.- 16.11.2014 3. Teil

Ute RottForsthaus Metzelthin

Es sind noch 3 Referenten übrig, die ich noch nicht besprochen habe. Das sind Adam Miklosi, Claudia Fugazza und Tony Shelbourne.

Adam Miklosi ist vielen bekannt, er ist einer der führenden Ethologen, die sich mit Hundeverhalten befassen, er forscht an der Universität in Budapest. In seinem Vortrag ging es um Ähnlichkeiten der menschlichen und hündischen akustischen Kommunikation. Es ist bekannt, daß Hunde deutlich mehr bellen als Wölfe, Hunde sind offenbar wesentlich gesprächiger als wildlebende Caniden. Die Ursache dafür könnte sein, daß Menschen eben auch sehr gesprächig sind, mit ihren Hunde sprechen, dies auch immer schon getan haben und die Hunde sich im Laufe der Jahrtausende angepasst und ihr akustisches Repertoire entsprechend erweitert haben. Das ist natürlich jedem bekannt, der selber einen Hund hat. Interessant an diesem Vortrag war: sowohl Menschen können Hunde verstehen, als auch Hunde Menschen, und zwar ohne große Übung oder Vorkenntnis. Das heißt, daß auch Menschen, die keine Hunde haben, mit großer Wahrscheinlichkeit Lautäußerungen von Hunden richtig interpretieren. Das allein ist bestimmt für viele Menschen überraschend, aber was wirklich von großer Bedeutung ist, ist die Tatsache, daß bei akustischer Kommunikation im Gehirn von Hunden die gleichen Regionen angesprochen werden wir bei Menschen.  Der Lehrstuhl hat zwei Fragebögen zur Empathie- und Vokalisationsfähigkeit von Hunden entwickelt. Wer sich beteiligen möchte: hier sind die Links dazu.

Empathiefähigkeit:  http://goo.gl/forms/zpyJI6fXzm

Vokalisationsfähigkeit: http://goo.gl/forms/sfJbaOHhzv

Das ist sicher ein sehr interessantes Thema und man darf gespannt sein, was bei seiner Forschung und der Auswertung der Fragebögen herauskommt. Wichtig sind diese Untersuchungen in der Diskussion mit Leuten, die immer noch der Meinung sind, daß Hunde nur mit Pelz bezogene Befehlsempfangsautomaten sind.

Seine Mitarbeiterin Claudia Fugazza sprach über das Thema „Soziales Lernen und Nachahmung durch Hunde“.  So interessant dieses Thema sein mag, während des ganzen Vortrags dachte ich mir, daß ich in der Praxis – und mit mir ungezählte KollegInnen – tagtäglich mit Hunden arbeite, indem ich ihnen zeige und vormache, was sie tun sollen, z.B. über einen Baumstamm springen, indem ich zuerst darüberhüpfe. Um den vorbeifahrenden Radfahrer einen Bogen machen und ihn eben nicht anfallen. Selber in schwierigen Situationen erstmal hinschauen und ruhig bleiben und nicht in Panik verfallen. Wenn man das den Hunden entsprechend zeigt, dann machen die das einfach nach. Und zwar jeder. Was Frau Fugazza gemacht hat, war ein Laborversuch, wie man Hunden beibringen kann, durch ein Kommando nachzumachen, was man ihnen vorgemacht hat. Das Kommando dazu heißt: do as I do – machs mir nach. Sie zeigt Menschen, die ihre Hunde in einem abgeschirmten Raum zusehen lassen, wie sie etwas berühren, dann gehen sie zu dem Hund, geben das Kommando, der Hund machts nach. Oder jemand hopst in die Luft, „do as I do“ – Hund hopst auch. Sie hat auch bewiesen, daß Hunde sich noch nach langer Zeit, also über 24 Stunden später an die Situtation erinnern können. Ebenso hat sie bewiesen, daß diese Methode nachhaltiger und schneller funktioniert als beispielsweise Clickern.

Allerdings frage ich mich, was diese Laborversuche sollen. Wenn man die gleiche Zeit aufwenden würde, um z.B.  –  wie es Rupert Sheldrake in „Der 7. Sinn der Tiere“ gemacht hat – Anekdoten zu sammeln, die mit dem Nachahmungs- und Erinnerungsvermögen von Hunden zu tun haben, bzw. Menschen mit Hunden suchen würde, die einem zeigen, wie sie ganz praktische Sachen ihren Hunden beibringen, indem sie ihnen das Gewünschte vormachen, dann kämen meiner Meinung nach sehr viel interessanter und spannendere Ergebnisse heraus. Wem es zu mühsam ist, sich diese Menschen zu suchen, der sollte einfach in Hundeschulen nachfragen, die gewaltfrei arbeiten. Das einzige, was mich an dem Vortrag tatsächlich überzeugt hat ist, daß man jetzt sagen kann: es ist wissenschaftlich erwiesen, daß Hunde durch Nachahmung lernen und daß sie sich das, was sie tun sollen, tatsächlich über einen längeren Zeitraum merken können.

Tony Shelboure hat zwei Vorträge gehalten, einmal über TTouch und den zweiten über ihre Arbeit mit Gehegewölfen. Sie ist eine sehr sympathische und lustige Referentin, das hat über einige Mankos ihrer Referate hinweggeholfen. Der Beitrag über TTouch war ein bißchen sehr voller Wunder, was man mit einigen wenigen Touches zur richtigen Zeit angewendet erreichen kann. Ich glaube, niemand der sich mit TTouch befasst, kann das so nachvollziehen. Trotzdem war der Vortrag insofern interessant, weil sie seit ca. 20 Jahren mit TTouch arbeitet und aus ihrer Praxis viele nützliche Tipps geben konnte. Wenn man von ihren „Wundern“ absieht, war für mich der Vortrag ein kleiner Hinweis darauf, daß man TTouch nicht vergessen sollte. Gerade gestörte Bewegungsabläufe lassen sich damit sehr gut behandeln, da sie häufig durch Verspannungen entstehen. TTouch kann diese gut lösen und man kann seinen Kunden relativ einfach zeigen, wie sie damit arbeiten können. Da ich selber keine TTouch-Practitionerin bin, habe ich im Hinterkopf behalten, interessierte Kunden auf die Bücher, bzw. entsprechende Workshops aufmerksam zu machen.

Der Vortrag über Wölfe hat nicht wirklich etwas neues gebracht, es war mir persönlich auch ein bißchen viel Werbung für ihr neues Buch, das sicher sehr interessant ist, aber leider nur auf Englisch erscheint. Dankeswerterweise hat sie sehr vernünftige Sachen über Domianz und Hierarchie im Wolfsrudel gesagt, über die Beziehungen der Tiere untereinander und daß auch bei Gehegewölfen eine bemerkenswerte Tatsache ist, daß sie sehr freundlich miteinander umgehen. Das sind Tatsachen, die man gar nicht oft genug sagen kann, und ich denke, daß vermutlich immer jemand im Publikum sitzt, der es dann endlich mal versteht.

Insgesamt war dieses Symposium wieder eine wunderbare Möglichkeit, interessante Referenten zu hören, nette Kollegen zu treffen und neue Kontakte zu knüpfen. Es gibt ja mittlerweile mehr Veranstaltungen, die ähnliche Intentionen haben, und auch sehr interessant sind. Aber nach meiner Einschätzung gibt es nichts, was sich mit dem animal-learn-Symposium vergleichen läßt und ich freue mich schon auf 2015! Vielleicht treffe ich ja den einen oder die andere, die sich durch meine Berichte animiert fühlen und sich auch mal die Teilnahme gönnen!

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