….und bist du nicht willig…………….

von Ute Rott
Forsthaus Metzelthin

Gewalt hat viele Seiten und ein Großteil ist so geartet, daß man bei oberflächlicher Betrachtung gar nicht merkt, was da abläuft. Gewalt gegenüber Tieren ist in unserem Leben etwas vollkommen normales, so normal, daß jeder, der dagegen nur ein wenig protestiert, sofort von der Mehrheit der Bevölkerung zumindest für etwas sonderbar erklärt wird. Wenn man beim Essen auf Fleisch verzichtet, sogar wenn man darauf achtet, aus welcher Quelle das Fleisch kommt, das man isst, finden das viele vollkommen abwegig. Man kann doch eh nichts machen, oder? Also kommt eben weiterhin Fleisch von Tieren auf den Tisch, für die der Tod eher eine Erlösung war. Aber was hat das mit Hunden zu tun?

Gewalt im Umgang mit Hunden ist mittlerweile wieder Gott sei Dank ein großes Thema und wird nicht mehr unter den Tisch gekehrt. Leute wie Cesar Millan, Michael Grewe und aktuell Maja Nowak haben dafür gesorgt, daß sich Hundebesitzer wieder Gedanken machen, wie sie mit ihren Hunden umgehen oder eben besser nicht. Schlagen, treten, anschreien, am Würgehalsbändern rumzerren….. das alles ist bei vielen Hundebesitzer nicht mehr im Programm, es wird abgelehnt und die meisten wollen mit solchen Methoden nichts mehr zu tun haben. Cesar Millan, der Würgehalsbänder und Strom ganz ok findet, – für ihn ist die Frage nur, wie man das einsetzt – , oder Michael Grewe, der meint, man könnte Hunden ruhig irgendwelche Näpfe um die Ohren hauen, sind für viele nicht mehr akzeptabel.

Aber was ist mit Leuten wie Maja Nowak, die kluge Sachen von sich geben, die zwar fachlich nicht immer korrekt sind. die aber mit schwer nachprüfbaren Begriffen aus der Humanpsychologie kommen, behaupten, „Hundesprache“ zu sprechen, Hunde- oder Tierpsychologen zu sein? Die behaupten, gewaltfrei zu arbeiten, weil sie den Hunden keine Näpfe um die Ohren hauen und sie auch nicht treten oder anschreien? Denn das Erkennen psychischer Gewalt ist für Laien ungeheuer schwierig. Und so sollte man sich doch mal ernsthafte Gedanken machen, ob nur physische Gewalt schlimm und schädlich, ob es nicht noch mehr Formen von Gewalt gibt, die man sich bewußt machen muß.

Zunächst möchte ich den Begriff „strukturelle Gewalt“ untersuchen. Struktureller Gewalt ist fast jeder ausgesetzt, die Frage ist, wie stark sie in unser Leben eingreift und wie massiv man dadurch an der Durchsetzung seiner Interessen gehindert, bzw. schlicht und ergreifend unterdrückt wird. Man versteht drunter alles, was uns durch gesellschaftliche Strukturen in unserem Leben einschränkt. Darunter sind nicht nur vernünftige Ordnungsmechanismen zu verstehen, also Gesetze und Regeln, die unser Leben ordnen und uns auch schützen, sondern alles was darüber hinausgeht und z.B. zur Unterdrückung und Überwachung dient. Das kann eine Ansammlung von Daten Totalüberwachung sein, die gesetzlich abgesichert ist, das können Regeln sein, die uns an einer freien Bewegung in unserem Land und / oder auf der Welt hindern, das können Bestimmungen sein, die mich an der Ausübung eines Berufes oder einer Arbeit hindern, z.B. für Asylanten oder Ausländer….. In Diktaturen ist einem klar, daß das so abläuft, aber in Demokratien?

Und wie sieht das für Hunde aus? Da fallen einem als erstes die Listenhunde ein, die angeblich gefährlich sind, nur weil sie einer bestimmten Rasse angehören. Doch was ist mit der 40/20-Regelung, nach der Hunde meldepflichtig sind, wenn sie mehr wiegen als 20 Kilo und / oder deren Widerristhöhe mehr als 40 Zentimeter beträgt? 1 Kilo oder 1 Zentimeter weniger und alles ist easy? Die Hunde direkt betreffen diese Regeln nicht unbedingt, sondern mehr ihre Menschen. Aber wenn ein Hund aufgrund seiner Rasse Maulkorb- und Leinenpflicht hat, ohne jemals auffällig geworden zu sein, dann sieht das schon anders aus. Auch die Tatsache, daß Hunde in manchen Gegenden frei laufen dürfen und in anderen nicht, fällt darunter. Ja, an einer Straße gehören Hunde an die Leine. Und es ist auch nachvollziehbar, daß nicht jeder Park zugesch……. werden muß. Aber es gibt Gemeinden, die generell Leinenpflicht verordnen und auch noch die Leinenlänge vorschreiben, z.B. einen (!) Meter. Bisschen kurz für Spaziergänge finde ich.

Das wären jetzt mal ein paar Beispiele behördlicherseits. Aber wie sieht das in unserem Alltag aus? Was kann der Hund tatsächlich selber bestimmen? Wo er sein Leben verbringt? Was er wann zu fressen bekommt und wieviel davon? Darf er sich auch mal eine Mahlzeit selber besorgen, z.B. in Nachbars Hühnerhof oder in wildreichen Gegenden auch mal aus dem Wald? Darf er sich einen Partner suchen und mit ihm – oder ihr – eine Familie gründen? Wann geht er spazieren, wohin und wie lange? Muß er in die Hundeschule gehen? Möchte er das auch? Wenn er weitermachen möchte, wird dann in seinem Sinn entschieden? Wenn sein Mensch ihn als „Problemhund“ empfindet, wird der Hund dann gefragt, ob er eine Therapie machen möchte und wenn, ja, welche? Ganz sicher nicht, das bestimmen alles wir.

Viele dieser Regeln sind mit Sicherheit vernünftig, ich möchte auch nicht, daß meine Hunde sich ihre Mahlzeit aus dem Wald holen und ich möchte auch keine ungebremste Hundevermehrung. Aber wenn ich z.B. an die Probleme mancher Menschen mit ihren Hunde denke, die sie gelöst haben möchten und das dann noch ganz schnell und ohne Rücksicht darauf, was für den Hund gut ist oder auch nicht…. Dann wirds schon schwierig, wenn normales Verhalten, wie z.B. Erkundungs- und Markierverhalten zum Problem erklärt wird.

Und damit wären wir beim nächsten Punkt. Nach wie vor reicht es vielen Menschen vollkommen aus, wenn ihr Hund zur Belohnung für richtiges Verhalten ein Leckerchen bekommt und gelobt wird. Das ist dann doch gewaltfrei, oder? Das kommt ganz darauf an. Nehmen wir mal an, jemand möchte mit seinem Hund Gerätetraining machen, der Hund möchte das aber nicht. Er könnte Schmerzen haben, von denen sein Mensch nichts weiß,oder es interessiert ihn nicht, da er lieber was mit der Nase machen möchte, oder er will einfach seine Ruhe haben, weil das alles nicht sein Ding ist…. Ich denke, wir können Hunden ruhig alle Gründe zur Ablehnung zugestehen, die wir uns auch zugestehen würden. Jetzt meint der Mensch aber, das genau dieses Training – das kann auch Apportieren oder Mantrailing oder was auch immer sein – genau das ist, was für genau diesen Hund gut ist. Er fängt also an seinen Hund zu motivieren was das Zeug hält. Ich möchte hier nicht über Sinn und Unsinn mancher Motivationsmarathons schreiben, sondern darüber, daß viele Menschen denken: ich muß meinen Hund nur entsprechend positiv (!) motivieren, dann gefällt ihm schon, was wir hier gemeinsam machen. Und genau das halte ich für ein Gerücht. Denn auch das ist in meinen Augen ein Form von struktureller Gewalt, die die Interessen des Menschen vollkommen über die des Hundes stellt und mit dem Mäntelchen der positiven Motivation wird alles schöngeredet.

Nehmen wir als Beispiel einen „Sport“, der in meinen Augen pure Tierquälerei ist: Schutzdienst oder VPG, wie es seit einigen Jahren heißt: Vielseitigkeitsprüfung für Gebrauchshunde. Schutzdienst, Gebrauchshunde…. das sind ja schon mal interessante Begriffe. Wer wird hier geschützt, wer schützt hier wen und warum? Welche Hunde gebraucht man hier für was? Die allermeisten Hunde, mit denen man diesen „Sport“ anfängt, versuchen, aus der Trainingsituation heraus zu kommen. Der Hund wird körperlich bedrängt, indem der Figurant ihm mit einer Beißwrlst ziemlich aggressiv auf den Leib rückt. Der Hund ist angeleint und kann nicht weg, wenn er das möchte. Auch verbellen: „hau ab da!“ und drohen (Zähne fletschen und knurren) nützt nichts. Da das ja „spielerisch“ aufgebaut wird und der Hund nur verstehen muß, daß wir jetzt gerade spielen, wird solange weitergemacht, bis dem Hund nichts anderes übrig bleibt, als sich in der Beißwurst zu verbeissen. Dann wird er gelobt und das Bedrängen hört auf. Nach einiger Zeit ersetzt man die Beißwurst durch einen sog. Schutzdienstärmel und irgendwann ist dieser Ärmel am Arm des Figuranten. Und der Hund soll sich da verbeißen, und zwar richtig, so daß er richtig hängenbleibt, auch wenn er rumgeschleudert wird, alles ganz spielerisch. Komisches Spiel, oder? Wer solche Überlegungen gerne macht, der kann sich gerne mal in diesem Zusammenhang mit Begriffen wie „positive / negative Strafe“ und „positive / negative Verstärkung“ beschäftigen. Denn mit „positiver Motivation“ hat das ja wohl eher nichts zu tun.

Zur Erinnerung: es handelt sich um einen Hund, dem als Welpen und Junghund beigebracht wurde, ja nie in einen Menschen zu beißen. Und jetzt ist das auf einmal ein Spiel. Und wie macht man das „spielerisch“, einem Hund die Beisshemmung abzugewöhnen? Und wie gehts weiter? Wenn der Hund im Ärmel hängt, muß er Schläge – ganz sanfte natürlich – mit einem sog. Softstock aushalten. Der Softstock ist ein flexibler Stock aus Kunststoff, der meist mit Filz oder Leder ummantelt ist. Wer meint, daß das nicht weh tut, wenn jemand damit rumdrischt, kann ja mal einen Menschenversuch starten. Manche der Stöcke sind auch aus Rohr, evtl. sogar mit 2-3 Rohren, ganz harmlos, wie gesagt. Kann mir mal einer sagen, was das hier für ein besonders nettes Spiel ist, bei dem Hund Schläge aushalten muß? Und das machen die Hunde echt freiwillig? Warum werden sie dann im Training aufgeschirrt wie sonst was? Kettenwürger, Stachelwürger, Knie in die Brust vom Figuranten, Peitschengeknall, nur gebrüllte Kommandos…. also das reinste Friedenscamp so eine Schutzdienstausbildung.

 Das hier eingefügte Foto wurde im März 2009 im Nordkurier mit der Unterschrift „Motivation beste Basis der Ausbildung“ veröffentlicht. Der abgebildete Hund ist kupiert, das ist schon mal verboten. Der Figurant hebt sein Knie, in das der Hund mit dem Brustkorb förmlich hineinfliegt. Er hat einen Ketten- und einen Stachelwürger, an dem eine Schleppleine befestigt ist, diese Leine hat sich um das Hinterbein des Hundes gewickelt. Wenn’s richtig „gut“ läuft, wird der Hund nicht nur erwürgt oder handelt sich heftige Verletzungen am Hals ein, er bricht sich auch noch das Bein. Dazu kommt: der Dobermann ist in Brandenburg ein sog. „Liste-2-Hund“, mit dem lt. Hundeverordnung kein Training gemacht werden darf, das aggressiv macht. Und wenn jetzt – wie das in entsprechenden Auseinandersetzungen der Fall ist – jemand behauptet, solche Sachen wären die Ausnahme und würden nur von Leuten gemacht, die keine Ahnung haben und eben alles falsch und gar nicht „positiv“ machen: es handelt sich um einen Bericht mit einem bekannten SchH-Trainer, der ein Seminar zum „richtigen, positiv aufgebauten Schutzdienst“ gehalten hat. Das kann man zumindest dem entsprechenden Artikel entnehmen. Sieht man auch an dem Foto sehr gut, daß das alles rein spielerisch ist, das Training erfolgt ja auch über Motivation.

Ja, sicher, die Frage ist nur welche. Man kann getrost davon ausgehen, daß dem Hund sehr unerfreuliche Dinge drohen, wenn er bei diesem Spiel nicht mitmacht, z.B. ein ordentlicher Ruck am Stachel. Um das zu vermeiden, geht er eben nach vorne. Außerdem ist der Druck, der schon während des Trainings permanent herrscht so groß, daß er irgendwann wie auf Knopfdruck reagiert und keine andere Lösungsmöglichkeit für unerfreuliche Situationen kennt, außer: nach vorne gehen und zubeissen. Die Motivation, die hier die Hauptrolle spielt, nennt man „Meidemotivation“. Der Hund vermeidet das Unangenehme und versucht dem Druck auszuweichen. Ein richtig schönes Spiel und ganz sicher völlig gewaltfrei.

Wäre es da nicht ehrlicher, als Motto für solche Trainings und „Ausbildungen“ zu sagen: Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt? Und wäre es nicht längst an der Zeit, klar zu machen, daß Gewalt nur wieder Gewalt erzeugt, Druck wieder Druck…. daß man hier eine Spirale in Gang setzt, die mit Sport und freundlichem Umgang mit Hunden nichts, aber auch gar nichts zu tun hat?

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10 Kommentare zu ….und bist du nicht willig…………….

  1. Svenja sagt:

    Frau Rott,

    der Beitrag fing recht gut an und verlief dann leider sehr wirr (Fleischgenuss – Demokratie/Diktatur – Schutzhundesport?) ins inhaltlose, oder sagen wir: in die immer gleichen Worthülsen.

    „Und so sollte man sich doch mal ernsthafte Gedanken machen, ob nur physische Gewalt schlimm und schädlich, ob es nicht noch mehr Formen von Gewalt gibt, die man sich bewußt machen muß.“
    Denn dies ist eigentlich ein wahnsinnig wichtiger Hinweis (!), den man ganz ohne methodische Vorlieben mal beleuchten sollte.
    Und da braucht man gar nicht zum Ihnen so verhassten VPG tapern, sondern man könnte auch (wenn man dies wollte) vor der eigenen Haustüre kehren und sich fragen, ob alles mit dem Stempel „nur positive Verstärkung“ denn auch wirklich immer positiv für den Hund ist.

    Gerade weil Sie dies hier in ihrem Beitrag angeschnitten haben, wäre doch die Frage angebracht, in wie weit man einen Hund durch pos. Verstärkung handlungsunfähig machen kann. In wie weit es angemessen ist, Hunden Emotionen quasi „wegzuclickern“. Oder sie derart zu konditionieren, dass sie gar keine andere Wahl mehr haben….?

    Bitte richtig verstehen: dies sind Dinge, die genauso auf „auch aversives Training“ zutreffen (können). Dort lässt man dem Hund in bestimmten Situationen auch keine Wahl zu Handeln(!). Aber ist es nicht – der Fragestellung ihres Blogbeitrages entsprechend – angebracht sich zu fragen, wie viel Wahl man ihm teils im „rein positiven Training“ lässt zu EMPFINDEN?

    Wie viel Wahl hat ein Hund bei Ihnen (und anderen) seine Emotionen voll auszuleben? Und die bestehen ja nicht nur aus positiven, sondern beinhalten eine ganz natürliche Palette an unterschiedlichsten Emotionen, so auch negative.

    Darf der den Nachbarshund – pardon – „scheiße“ finden? Oder wird versucht den Nachbarshund positiv zu clickern, der Hund also im grunde gezwungen diese negative Emotion nicht mehr zu empfinden, sondern statt dessen eine uns gewünschte? Wie viel „Gewalt“ (laut Ihrer hier getroffenen „Definition“) könnte das am Hund sein?

    (zitat) „…Denn auch das ist in meinen Augen ein Form von struktureller Gewalt, die die Interessen des Menschen vollkommen über die des Hundes stellt und mit dem Mäntelchen der positiven Motivation wird alles schöngeredet.“
    Könnte man diesen Satz von Ihnen nicht auch auf andere Beispiele übertragen? Und nicht nur auf solche, die Ihnen zuwider sind, sondern eben auch auf jene der rein pos. Verstärkung?
    Wie viel Zwang übt man auf einen Hund aus (oder nennen wir es mit ihren Worten: wie viel „strukturelle Gewalt“), wenn man ihn mittels konditionierter Entspannung und co, von allen anderen Emotionen wegbringt, weil es vor allem im Interesse des Menschen ist?
    (Ist es in diesem Zusammenhang korrekt anzunehmen, jeder Hund zeige aggressives Verhalten aus Angst heraus und müsse deshalb therapiert werden?)

    Ich bin übrigens nicht gegen konditionierte Entspannung, Marker und co. Das sind sehr Hilfreiche „Werkzeuge“ bei den unterschiedlichsten Problemstellungen. Ich bin nur dafür, dass man alle Methoden/Kniffe/Hilfsmittel kritisch beleuchtet und den Einsatz hinterfragt, selbst wenn ein „Blaschke-Berthold-Stempel“ drauf klebt.

    Genauso wie man dies bei aversiven Mitteln immer macht, finde ich das im Fall der pos. Vestärkung ebenso notwendig. Von daher war ich über den Anfang ihres Blogbeitrages erfreut…. auch wenn sich die Freude leider beim Weiterlesen in engen Grenzen hielt (so wie Ihre Argumentation).

    Herzlich,
    Svenja

    • Ute Rott sagt:

      Hallo, Svenja,

      mir ist nicht ganz klar, warum „positives“ Training dem Hund keine Wahl läßt? Ganz im Gegenteil. Wenn ich mit auch nur ein bißchen in Hundesprache auskenne, und das sollte eigentlich jeder können, der bei animal learn seine Ausbildung gemacht hat, weiß ich, welche Dinge ein Hund tatäschlich möchte und welche nicht. Die Frage ist dann immer, was kann ich ihn tun lassen, da es ungefährlich für ihn und die Umwelt ist und was eben nicht.
      Und welche Emotionen sollte ein Hund haben, die er nur dadurch ausleben kann, indem er jemanden beißt und mit ihm kämpft? Und sich von seinem vollkommen überlegenen Gegner auch noch schlagen und maßregeln lassen muß? Also meine Hunde und die in meiner Hundeschule werden nicht so behandelt, daß sie ihren Frust und ihre Aggressionen nur noch über Kampf und Beissen abreagieren wollen und können. Ganz im Gegenteil. Ich habe hier viel zu viele Hunde, die nur gelernt haben, nach vorne zu gehen,z.B. durch Schutzdienst, und denen ich höchst aufwendig beibringe, daß es auch anders geht.
      Interessant finde ich, welche Art von Training Sie mir unterstellen, obwohl Sie keine Ahnung haben, wie ich arbeite.
      Warum man auf einen Hund Zwang ausübt, wenn man ihm hilft, sich in einer für ihn angespannten Lage zu entspannen, ist mir schleierhaft.
      Und: ja, zu jeder Form der Aggression gehört eine gehörige Portion Angst. Angst ist ein Schutzmechanismus, der ein Lebewesen daran hindert, ungebremst in eine Situation zu geraten, aus der man nicht mehr unbeschädigt heraus kommt. Im Schutzdienst sieht das so aus, daß nur der Hund beschädigt wird, der Helfer hat jede Menge von Schutzkleidung um sich rum, der Hund wird beim Training mit allen Möglichkeiten von Würger bis zum Teletackt „abgesichert“…… eine sehr unfaire und einseitige Angelegenheit. Wenn ein Hund in einer solchen Situation nur noch die Möglichkeit hat, nach vorne zu gehen, was soll er denn dann tun? Wenn er versucht abzuhauen, was passiert denn dann mit ihm? Großes Verständnis bekommt er von Leuten, die diese Art von „Sport“ betreiben sicher nicht. „Lusche“ ist noch das netteste, was er dann zu hören kriegt.
      Sie sollen sich einfach mal mit agonistischem Verhalten beschäftigen, mit Körpersprache von Hunden und mit der Tatsache, daß für alle Lebewesen Angriff immer das Mittel der letzten Wahl sein sollte. Vielleicht verstehen Sie dann, was ich meine.

      Mit freundlichen Grüßen
      Ute Rott

      • Svenja sagt:

        Frau Rott,
        auf alles mag ich nun nicht eingehen. Aber ein paar Punkte:

        (1) Meine Feststellung: Sie haben – das ist natürlich nur meine Interpretation Ihrer Worte – einen sehr eingeschränkten Blick auf Hunde. Das ist bedauerlich, aber wohl nicht zu ändern.

        (2) Jeder der sich mal (selbst wenn dies nur oberflächlich geschieht) mit dem Thema Schutzhundesport beschäftigt hat – und auch Hunde kennt, die dementsprechend veranlagt sind – weiß, dass Ihre Worte dazu nicht viel mehr beinhalten als das Klischee von diesem Sport- und Arbeitsbereich, welches in Blöd-Zeitung und co kreiert wird. Ich sagte ja: Worthülsen. Mehr nicht.

        Völlig richtig ist, dass in früheren Zeiten (und mit Sicherheit auch heute noch in einigen Teilen!) vor allem über die Wehrveranlagung des Hundes gearbeitet wurde. Sprich: den Hund solange reizen, bis er die Flucht im kräftigen Anbeißen findet und diesen Weg darüber fixiert.

        Nun anzunehmen, das sei die einzige Möglichkeit, wieso ein Hund energisch in den Hetzarm geht, ist gerade zu lächerlich.
        Dass ein Hund Spaß am Spiel mit der Beute hat (und nichts anderes ist eine sauber konditionierte Schutzhundearbeit im sportlichen (Hobby-) Bereich), kommt Ihnen offenbar nicht in den Sinn.
        Sehr eingeschränkte Sicht auf die Dinge, die man nur dadurch durchbrechen könnte, indem man sich mal ernsthaft mit den Menschen und Hunden, die diesen „Sport“ betreiben, beschäftigt. Für manche offenbar zu viel verlangt.

        (3) „Und: ja, zu jeder Form der Aggression gehört eine gehörige Portion Angst.“
        Der Satz ist so falsch, dass einem glatt die Spucke wegbleibt. Aggression ist als erstes Mal eine Kraftkomponente, eine Motivation.
        Dass ein Hund, welcher Angst verspürt u.U. zu aggressiven Verhaltensweisen neigt, heißt im Umkehrschluss nicht zwangsläufig, dass jede Form der Aggression angstbasiert wäre.

        Ich fange aber an zu verstehen, wieso mir Ihre Texte auf vielfache Weise aufstoßen. Mit diesem „Fachwissen“ im Hintergrund, kann man ja nur zu dem Schluss kommen, dass Hunde in VPG und co arme gequälte Seelen sind, die nur aus existenziellen Ängsten heraus nach vorne gehen.

        Die Welt ist nicht nur schwarz und weiß. Das ist bei Hundeverhalten nicht anders.
        Glücklich sind die, welche im Stande sind, die Grautöne dazwischen wahrzunehmen.

        In diesem Sinne,
        danke fürs Gespräch.
        Svenja

        • Ute Rott sagt:

          Hallo, Svenja,

          dies ist der letzte Kommentar, den ich von Ihnen genehmige. Ich habe nicht wirklich Lust auf einen dermaßen aggressiven Ton in meinem Blog. Um das deutlich zu machen, antworte ich Ihnen überhaupt.
          Ich kenne keinen einzigen SchHler, aber dafür viele aus anderen Hundesportarten, die auch nur ansatzweise darüber nachdenken, ob das, was sie mit Hunden machen, für die Hunde wirklich gut ist. Da wird alles schön geredet, Beschwichtigungssignale geleugnet oder einfach umgedeutet, Erkenntnisse aus der Verhaltensforschung einfach ignoriert, z.B. gibt es den Beute- und Spieltrieb nicht, ebenso keinen Aggressionstrieb oder Wehrtrieb, aber das interessiert Leute wie Sie nicht.
          Immer machen nur alle anderen alles falsch, selber macht man alles richtig, andere Argumente sind konform mit der Blöd-Zeitung… es ist wirklich sinnlos.
          Wenn meine Artikel Sie so dermaßen nerven, dann lesen Sie sie doch einfach nicht. Ganz einfach und sehr beruhigend für die Nerven.

          In diesem Sinne wünsche ich Ihnen für die Zukunft mehr Einsicht und Verständnis für andere – besonders Hunde, Sie haben es dringend nötig.

          Ute Rott

  2. juergen mueller sagt:

    Ich möchte mich ausführlich nicht weiter zu dem Thema „Gewalt gegenüber Tieren“ äussern, da dieser Begriff und dessen Verstehen immer mehr aus dem Zusammenhang gerissen wird. Die Endlosdiskussionen und Wortmeldungen bringen rein garnichts, wenn man nicht bereit ist, Konsequenzen und deren Folgen in der Form zu ziehen, dass man, ist man der Ansicht, dass eine Form von Gewalt gegenüber einem Tier vorliegt, sofort und unmissverständlich „Strafanzeige/Strafantrag“ erstattet. Das bringt Kosten und viel Ärger mit sich, ist aber eines der fundiertesten und zweckmäßigsten Mittel, um Menschen, die das Wort Gewalt nach ihrem Gutdünken ausleben, zu „bestrafen“ und evtl. zu einem Umdenken zu bewegen.
    Auch an GREWE/FASS wird die ganze Geschichte nicht spurlos vorübergehen, auch wenn Konsequenzen nicht so eintreten, wie sich das viele von uns wünschen.
    Zur Info: Von meiner Seite aus laufen momentan ausser gegen GREWE/FASS noch diverse Strafanzeigen/Anträge, die mittlerweile 3 Ordner füllen. In meiner über 40jährigen „Hunde-Praxis“ war ich mir nie zu schade, meinen Namen und Ruf aufs Spiel zu setzen.
    Endlosdiskussionen bringen garnichts, sind überflüssig und dienen meist doch nur dem eigenen Ego.
    Gruß – JM

  3. juergen mueller sagt:

    Ergänzend zu dem von Frau Rott angesprochenen Vorfall von 2009 ist noch zu sagen, dass mich viel mehr interessiert, WER der „Figurant“ auf dem Foto ist, WO und FÜR WEN er arbeitet und ob der Artikel zu Konsequenzen geführt hat.
    Danke.
    Gruß – JM

    • Ute Rott sagt:

      Um beide Kommentar in einem zu beantworten:
      Der Figurant auf dem Foto heißt Edgar Scherkl und ist eine ziemliche Nummer in SchH-Kreisen. Und: nein, er wurde nicht angzeigt. Es stimmt, daß ich das vielleicht hätte tun sollen. Ich hatte einen Leserbrief geschrieben, der nicht veröffentlicht wurde, dafür werde ich seither von der Zeitung möglichst vermieden und verschwiegen.
      Ob eine Diskussion über dieses Thema sinnvoll ist oder nicht, sehe ich anders. Es gibt nach wie vor viel zu viele Menschen, die keine Ahnung haben, was hier abgeht. Im Gegenteil. Die meisten glauben, es handle sich um eine Sportart, die man eben nett oder nicht so nett betreiben könne, so wie jede andere Sportart eben auch. Deshalb halte ich es durchaus für sinnvoll, hier öffentlich Aufklärung zu betreiben.
      Strafanzeigen finde ich ok und richtig, ich unterstütze solche Aktionen auch.
      Und was das eigene Ego betrifft: ich finde es ziemlich überflüssig und kontraproduktiv, wenn Menschen, die im Prinzip das gleiche wollen, die Aktionen des jeweils anderen runtermachen. Wer profitiert davon? Ganz sicher nicht die Hunde.

      In diesem Sinne sollte jeder einfach da weitermachen, wo er meint, daß er was gut kann und richtig macht. Oder?

      Mit freundlichen Grüßen
      Ute Rott

  4. juergen mueller sagt:

    Hallo Frau Rott,
    da haben Sie aber vorschnell etwas auf sich bezogen. Und von runtermachen kann auch keine Rede sein. Jedem das seine. Ist auch meine Devise. Es wird aber erlaubt sein, und das meinte ich damit, dass solche Diskussionen, die den Zweck einer allgemeinen Aufklärung verfolgen, auch sehr oft einen Müll nach sich ziehen, auf den man gerne verzichten kann. Beabsichtigte Aufklärung an die breite Masse, auch wenn sie nicht den gewünschten Erfolg bringt, geschieht doch auch deshalb, um selbst eine Art der Befriedigung zu erlangen (was nicht falsch ist), auf etwas aufmerksam gemacht zu haben, dass einen Großteil eh nicht interessiert. Was Ernst gemeint ist, kommt doch bei den Meisten garnicht so rüber und ist beim nächsten Klick vergessen.
    Was „Edgar Scherkl“ betrifft, danke ich Ihnen für die Info und Sie werden weiteres hierzu von mir hören.
    MfG – Jürgen Müller

    • Ute Rott sagt:

      Hallo, Herr Müller,

      das gebe ich gerne zu, daß ich in diesem Punkt etwas empfindlich bin, aber ich denke, im Grunde sind wir uns einig. Ich habe immer eine Aversion gegen Argumente wie: das macht jemand nur aus egoistischen Gründen. Ich habe überhaupt kein Problem, wenn jemand aus egoistischen Gründen irgendwas macht und damit für die Hunde etwas Gutes erreicht. Allerdings habe ich schon oft erlebt, daß mit diesem Argument verhindert wird, daß sich Leute trauen was zu unternehmen, solange sie nicht sicher sind, daß ihre Motive nicht (!) eigennützig sind. Als ob das nicht egal wäre.
      Wichtig ist mir, daß man miteinander reden kann und jeder was im Sinne der Hunde tut, und zwar, wie Sie sehr richtig bemerkt haben: jedem das Seine – jeder muß eben tun, was er kann und für richtig befindet.

      Mag sein, daß viele beim nächsten „Klick“ vergessen haben, was sie gerade gelesen haben. Aber ich denke, auch hier machts die Quanität: je mehr Menschen laut und deutlich gegen diese Art von Umgang mit Hunden protestieren und aufklären, umso mehr machen dauerhaft diesen Unsinn nicht mit. Es ist eben auch eine Frage der Zeit.

      Ich bin schon gespannt, was Sie ich von Ihnen hören werde.

      Mit freundlichen Grüßen
      Ute Rott

  5. karin schonvogel sagt:

    Habe jetzt erst den Blog gelesen und ich bin auch der Meinung, dass es nicht sein darf einen Hund so zu behandeln. Der sogenannte Schutzdienst, wozu braucht ein normaler Schäferhundbesitzer einen Schutzhund?, ist für die Hunde unglaublicher Stress. Für mich reine Tierquälerei. Hab selbst mal bei uns in der Nachbarschaft zu gesehen, hab nach einer Hundeschule gesucht, wie die Hunde im DSH-verein behandelt werden. Allein die Erziehung zur Unterordnung geht da nur mit Rumgebrülle und Leinenruck und einigem mehr. Lob kriegen die Tiere nicht.Es wird nur gemaßregelt. Wenn der Hund nicht spurt wird er vom Trainer herum gerissen und auf den Rücken gedreht. Das Rückruftraining hat sich dann so gestaltet, dass der Hund am Halsband (Kette) eine Schleppleine hatte, die der Besitzer hielt, der Trainer rief ihn zu sich und jedesmal, wenn der Hund an ihm vorbei lief wurde er zurück gerissen. Das eine mal hat das Tier sich mehrfach überschlagen. Ich hab dann von einem Training in diesem Verein abgesehen.

    Mit freundlichem Gruß
    karin schonvogel

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