„…und was machst du so mit deinen Hunden?“

Ute Rott
Forsthaus Metzelthin

Als Indiana im Januar bei uns einzog, war eine der ersten Fragen des einen oder anderen Bekannten: „Und was hast du mit der vor?“ Wenn ich dann verständislos nachfragte, was damit gemeint sei, kam immer eine Antwort in der Richtung „na, irgendwas muß ein Hund doch zu tun haben, du mußt sie doch beschäftigen.“

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Also, wer jemals Zweifel hatte, daß Hunde sich alleine beschäftigen können, der kann gerne mal einen Tag vorbei kommen und meinen Hunden zusehen, was sie so machen den lieben langen Tag: fressen, schlafen, an den unmöglichsten Stellen Löcher buddeln (Indiana), die Ute an Essenszeiten erinnern (Anton), (fast) jeden Pubs in der Umgebung melden (Maxl), Knochen benagen und vor Räubern verstecken (Indiana), Knochenverstecke ausfindig machen und die Dinger benagen (Anton und Maxl), sehr effektiv melden wenn was wirklich wichtiges z.B. an den Türen und Toren vom Gelände vor sich geht (Indiana), mit uns spazieren gehen (alle drei), die Kumpel im Dorf besuchen – mit uns (Indiana und Maxl), alle Hundekissen durchprobieren, welches das beste ist (Anton), der Ute auf Schritt und Tritt folgen (wenn er nicht gerade pennt – Anton), gut verteilt in der Gegend an strategisch wichtigen Stellen rumliegen und alle Ein- und Ausgänge im Blick haben (alle drei), toben, sich irgendwo reinbeißen, Verstecken spielen, sich gegenseitig Spielsachen klauen (Indiana und Maxl), schwimmen gehen (alle drei) ……………… noch Fragen?

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Dann gibts noch ein paar alberne Sachen, die vor allem der Maxl und die Indiana super toll finden, z.B. alte Socken aus dem Schlafzimmer in die Küche transportieren, nach Möglichkeit die vom anderen klauen und dafür Leckerchen kassieren – der Anton trappt immer hinterdrein und blickt nicht durch – nur daß man was zum essen kriegt, das kapiert er! Oder daß sie toll gelobt und belohnt wird, wenn Indiana wieder mal irgend einen Dreck unterwegs einsammelt – Belohnung gibts natürlich fürs Fallenlassen. Oder das Anzeigen von Wild beim Spazierengehen – das hat der Maxl sehr schnell gelernt, daß sich das lohnt.

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Aber abgesehen davon haben unsere Hunde eine enorm wichtige Aufgabe: sie ersetzen Klingeln und Alarmanlagen. Unsere Klingeln funktionieren nur sehr widerwillig, meistens streiken sie, und von Alarmanlagen halten wir nichts, hier bricht sowieso niemand ein. Warum nicht? Weil hier völlig unvermutet zu allen möglichen Tages- und Nachtzeiten Hunde auf dem Gelände unterwegs sind, bzw. sofort Bescheid geben, falls was merkwürdig ist. Besonders Indiana ist dafür sehr talentiert. Sie bekommt alles mit, verbellt sehr eindrucksvoll und nachdrücklich ungewöhnliche Ereignisse, aber eben nicht jeden Pubs, und sie taucht wie aus dem Nichts vor unerwünschten Besuchern auf.

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Ihre zweite wichtige Aufgabe ist: kuscheln. Der alte Anton, der ja leider nicht immer bei uns ist, sondern auch immer wieder in sein altes Zuhause geht, braucht viele, viele Streicheleinheiten, die er selbstverständlich bekommt. Auch das Gute-Nacht-Sagen, wenn er auf seinem Bettchen im Schlafzimmer liegt und wir ihn nochmal streicheln, genießt er sehr. Indiana und Maxl schlafen meistens bei uns im Bett, und es gibt in kalten Nächten nichts besseres als eine weiche Griechin zu Füßen und einen warmen Wackel-Dackel in der Bauchkuhle. Tagsüber muß der Maxl immer mal wieder auf meinen Schoß oder Indiana zeigt per Pfotegeben an, daß sie schon wieder total vernachlässigt wird und nie nie nie überhaupt keiner mit ihr schmust.

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Die dritte Aufgabe ist: mit uns leben. Wir haben das große Glück, daß wir 24 Stunden rund um die Uhr mit unseren Hunden zusammen sein können. Ja, hin und wieder sind sie auch mal ein Stündchen allein, aber sehr selten. Und wir sind einfach eine kleine Familie, in der jeder seine Aufgabe hat, die er auch kennt und ausfüllt. Ansonsten sind wir uns sehr zugetan und es geht uns nur so richtig gut, wenn wir zusammen sind.

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Wenn also jemand wissen möchte, was wir so mit unseren Hunden machen, dann lest doch bitte den Text oben nochmal durch. Ich finde, es hört sich ganz nach einem guten Tagesablauf mit viel Beschäftigung an.

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7 Kommentare zu „…und was machst du so mit deinen Hunden?“

  1. Hallo,

    ich empfinde es aus so, dass es heute viel mehr Hunde mit Aufgaben und im Arbeitsleben gibt. Gerade wenn Socke und ich auf den Seminaren sind, dann sind wir meist die einzigen Teilnehmer, die nur einen Familien- Liebhabhund haben. Socke hat keine Ausbildung, wird nicht als Service – / Begleit- / Therapiehund eingesetzt. Dennoch glaube ich, dass wir ein ausgefülltes Leben haben…..

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

    • Ute Rott sagt:

      Hallo, Sabine und Socke,

      davon bin ich überzeugt. Hunde müssen genauso wenig dauerbeschäftigt und dauerbespaßt werden wie Menschen. Ich bin davon überzeugt, daß ein Großteil der Probleme, die die Menschen mit ihren Hunden haben, aus dieser Dauerbeschäftigung entstehen.

      Viel Sapß mit ihren Familien – Liebhabhund.
      Liebe Grüße
      Ute Rott

  2. Marion Christoph sagt:

    Liebe Ute,
    da wir gerade im Urlaub sind, lese ich Deine „Blogs“ endlich mal in aller Ruhe. Im nächsten Leben komme ich als Hund auf die Welt (aber nur bei Fam.Rott !!!) Schön, dass der Anton nicht mehr ganz allein ist, denn gemeinsames spielen macht doch mehr Spass als im Zwinger zu hocken.
    Wir sind hier in einem Häuschen mit großem Grundstück zum Bodden (kurz vor dem Darß) und Gonzo genießt hier die Freiheit ohne Leine über die Wiesen zu toben !!! Da wird der „alte“kleine Kerl zum Jungspund ausserdem gibts auf den Wiesen so herrliche „Leckerliverstecke“ Wir genießen jedenfalls die gemeinsamen Stunden mit ihm und so zufrieden wie er dann abends kuschelt, scheint er es auch toll zu finden. Lieben Gruß an alle
    Marion,Micha und die Knutschkugel Gonzo

    • Ute Rott sagt:

      Liebe Marion,

      das sind gute Nachrichten.
      Viel Spaß beim Lesen und eine schöne Zeit auf dem Darß.
      Hoffentlich sehen wir uns auch bald mal wieder.

      Liebe Grüße an alle 2- udn 4-Beiner
      Ute

  3. Anke Thoma sagt:

    Schöner Beitrag, Ute. Vorhin war gerade ein Jäger hier- ein ansonsten sehr netter Mensch- und hat mir zu verstehen gegeben, dass ein Jagdhund, der nicht „jagdlich geführt“ wird, überhaupt nicht ausgelastet sein kann und sowieso kein „richtiger“ Hund sei. Ich habe ihm nicht erzählt, dass ich mit meinem Viszla-Rüden 2x die Woche die Hundeschule besuche und mit ihm lange Wanderungen übers Feld oder um den See mache und Fahrrad fahre, mit ihm tolle Verstecke in unserem großen Garten finde und und und… Nein, ich habe ihm erzählt, dass er am Tage bei mir im Büro sitzt (wo er natürlich seine eigene Couch hat) und mir bei der Buchhaltung hilft. Das hat er irgendwie nicht verstanden, obwohl alles stimmt- nur bei der Buchhaltung habe ich ein bißchen geflunkert. 🙂 .Herzlichst, Anke

  4. Sabine sagt:

    Eine Wohltat das alles zu lesen. Und wie Hunde untereinander Spaß haben können, ich sehe und erlebe es auch jeden Tag mit meinem Rudel. Für mich kann es nichts schöneres geben. Und das mit einer Rasse wo doch auch jeder sagt, der muss doch sooooo viel arbeiten. 🙂
    Danke , ich schau sicher wieder hier vorbei.
    Liebe Grüsse
    Sabine und das Berry Patch Mini Aussie Rudel

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