Wohldosierte Tritte gegen Pinkeln im Haus?

Ute Rott
Forsthaus Metzelthin

Als Hundetrainerin muß man allerhand aushalten, als Hund leider noch viel mehr. Heute erreichte mich der folgende Text per Mail:

„kurze Erfolgsmeldung: die Stubenunreinheit meines 8 Jahre alten über 40kg-Hundes ist vorbei. Es war ein Unterordnungsproblem, er glaubte seinen Herrschaftsbereich markieren zu müssen. Seitdem ich die Rangordnung (draußen) klargemacht habe, ist alles gut.
Es geschah Folgendes: er zog mich durch die Landschaft und tat so als hätte er alle Manieren des ordentlichen Gehens wieder mal „vergessen“. Da Befehle nichts brachten, zog ich ihn zurück, schimpfte und gab ihm gleichzeitig während des Zurückziehens einen nicht spontanen, sondern wohlüberlegten und wohldosierten Tritt vor die Brust. Hört sich brutal an, war aber natürlich nicht mit voller Kraft und nicht schmerzhaft, wohl aber durchaus ein Tritt und bei ihm einen Heidenschreck auslösend. Sein total erstaunter und geschockter Blick sagte mir: er hat es kapiert. Diese „Übung“ mußte ich noch etwa 2-3x wiederholen. Das reicht nun, denn es inflationär zu machen wäre abstumpfend, und es bringt auch KEINEN Spaß. GottseiDank sah es niemand. Ich dachte bei meiner Aktion an die sehr groben Zurechtweisungen, die er früher von meiner verstorbenen Dobermann-Schäferhunddame öfter mal kassiert hatte und nahm mir an ihr ein beherztes Beispiel. Jetzt reicht Stimme. Ganz sicher ist es draußen noch nicht, denn er ist ein „Jäger“ mit dem Hobby Mäuse aufzugraben, und die ziehen ihn magisch an. Aber stubenrein ist er schon mal.
Hunde sind merkwürdige Wesen.
Dies mußte ich Ihnen einfach mitteilen.“

Die Dame hatte mich mal kontaktiert, weil sie ihren Hund nicht stubenrein brachte. Per Mail oder Telefon ist so ein Problem natürlich nicht zu lösen, aber wie man sieht, reichen ja ein paar wohldosierte und natürlich überhaupt nicht schmerzhafte Tritte vor die Brust. Ich wünsche der Lady aus vollem Herzen, daß sie von ihren Mitmenschen ganz genau so behandelt wird, falls mal irgendwer mit ihr ein Problem haben sollte. Und natürlich habe ich ihr das auch mitgeteilt und daß ich mit ihr nichts mehr zu tun haben möchte.

Nein, liebe Dame, nicht Hunde sind merkwürdige Wesen, sondern Menschen, die brutal und uneinsichtig mit Hunden umgehen, denen das Wohlergehen ihres Hundes schlicht am A…. vorbeigeht, die sich durchsetzen auf Teufel komm raus und die anscheinend nur deshalb einen Kopf auf den Schultern tragen, damit es nicht in den Hals reinregnet. Mangelnde Stubenreinheit und Leineziehen ein Rangordnungsproblem? Wie lange muß man sich diesen Quark eigentlich noch anhören?

Wie mittlerweile bekannt ist, kommen zu mir Menschen, die nicht nur Ferien in der schönen Uckermark machen, sondern auch meine Hundeschule besuchen und dort Probleme ihres Hunde bereinigt haben möchten, z.B. schlechte Leinenführigkeit. Manchmal, das ist leider so, ist mein Training nicht besonders erfolgreich, weil die Leinenhalter doch lieber zu ihren unfreundlichen Methoden zurückkehren oder nicht einsehen wollen, daß sie hin und wieder ihre egoistischen Ansprüche ein wenig zurücknehmen müssen. Dann läuft sowas unter „wir haben Umsatz gemacht – mehr nicht“. Das tut mir immer sehr leid, besonders um den Hund. Aber wie wir alle wissen, kann man eben nicht jedem Hund helfen.

In diesem Fall blieb mir auch der Umsatz erspart – Gott sei Dank! Geld können wir alle immer brauchen, aber wenn ich mir vorstelle, diese Dame wäre hier aufgeschlagen, ich hätte mich – wie üblich – reingekniet in das Problem, eine Lösung gefunden und dann wäre vielleicht trotzdem soetwas rausgekommen, das wäre noch hundertmal schlimmer gewesen. Denn dann hätte ich den Hund gekannt, ein Lebewesen mit allen seinen Seiten, netten und nicht so netten, ein einzigartiger Erdbewohner, mit seinen Erfahrungen und Gefühlen, seinen Vorlieben und Abneigungen, wir hätten uns kennen und womöglich auch schätzen gelernt, hätten schöne Spaziergänge gemacht, vielleicht hätte er mit meinen Hunden gespielt….. ein schöne Begegnung weniger im Leben, aber das ist in dem Fall gut so. Für die arme Pelznase ist es nicht so einfach. Der muß sich die wohldosierten, nicht spontanen, aber gar nicht schmerzhaften Tritte weiter gefallen lassen.

Lieber 40kg-Hund, den ich leider nicht mal mit Namen kenne,
ich wünsche dir alles Gute, daß deine Hundesteuerzahlerin vielleicht doch irgendwann einen Rest Gefühl und Verstand in einer versteckten Ecke ihres Körpers findet und vielleicht mit diesem Rest in der Lage ist zu verstehen, was sie dir antut. Und glaub mir, auch wenn wir uns nicht kennen, ich denke an dich und schicke dir viel Kraft, damit du dieses Unwesen von Mensch aushältst. Und ich wünsche dir, daß möglichst bald jemand dieses merkwürdige Wesen, das deine Leine hält, bei den Mißhandlungen, die du erdulden mußt, beobachtet und etwas unternimmt, um dir zu helfen. Ich kann es leider nicht.

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4 Kommentare zu Wohldosierte Tritte gegen Pinkeln im Haus?

  1. Alexander J. Probst sagt:

    BRAVO!!!!!!!! (Man müsse die ganze Antwort-Seite mit Ausrufezeichen füllen) 😉
    Es ist noch eine Maßnahme, wenn die Mail-Adresse der Dame bekannt ist, den zuständigen Amtstierarzt vorbeizuschicken, bzw. sie anzuzeigen.

    • Ute Rott sagt:

      Lieber Alexander Probst,
      die Adresse und den Namen bekannt zu geben: das mache ich sicher nicht. Aber Anzeige habe ich mir auch schon überlegt.
      Mit freundlichen Grüßen
      Ute Rott

  2. Das ist garnicht Lustig. Das sind die selben Menschen die sich später darüber wundern das Ihr Hund so aggressiv ist.

  3. Vanessa sagt:

    Das ist bestimmt noch so eine aus der alten Garde, die denke mit Schlägen auf die Finger oder Hinterkopf kann man alle Probleme lösen und Gehorsam erarbeiten. Unfassbar, dass es echt noch solche Menschen gibt.

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