Ein qualvoller Tod – Die saure Magendrehung

von Ute Rott
Forsthaus Metzelthin

Abends, als sie zu Bett gehen, ist noch alles in Ordnung. Bello kuschelt sich in sein Körbchen, Herrchen macht das Licht aus und alle schlafen friedlich ein. Kurz nach Mitternacht geht es los. Bello wird unruhig, fängt an zu hecheln, steht auf, wandert umher, fiept und jammert – alles deutet darauf hin, daß er Schmerzen hat. Sein Herrchen geht mit ihm hinaus und den Rest der Nacht verbringen sie auf Wanderschaft. Bello versucht immer mal wieder zu trinken und erbricht sich gleich wieder, die Unruhe nimmt zu, auch das Gejammere. Irgendwann fällt seinem Herrchen auf, daß der Bauch geschwollen ist. Gegen sieben Uhr ruft er in der Tierklink an: er soll sofort kommen. Aber als er mit seinem Hund dort aussteigen möchte, ist Bello schon tot: Magendrehung.

Vermutlich können wir nicht ansatzweise erahnen, was dieser arme Kerl durchgemacht hat, denn Magendrehung gehört zu den qualvollsten Todesarten, die ein Hund erleiden kann. Es gibt zwei Arten: die mechanische und die saure. Die mechanische Magendrehung ist die bekanntere. Jeder weiß, daß Hunde bis zu zwei Stunden nach einer Mahlzeit nicht toben sollen. Dann ist der Speisebrei durch den Magen und es kann nicht mehr viel passieren. – Denkt man. Die saure Magendrehung kann viele Stunden nach einer Mahlzeit auftreten, in der Regel läuft es wie in dem oben geschilderten Beispiel. Abends gegen 18-19.00 Uhr frißt er seine Abendmahlzeit, begibt sich zur Ruhe und plötzlich geht es los. Wie kommt das?

Wer „saure Magendrehung“ im Internet sucht, wird sich ein wenig wundern. Auf vielen Seiten wird einfach pauschal von „Magendrehung“ gesprochen und nicht weiter darauf eingegangen, worin der Unterschied besteht. Dabei kann das überlebenswichtig für einen betroffenen Hund sein, ob sein Mensch weiß, daß die saure eben einige Stunden nach dem Fressen in Ruhe auftritt. Der Mageninhalt fängt an zu gären, es bilden sich Gase, die den Magen in Bewegung setzen. Der Magen eines Hundes liegt relativ locker im unteren Bereich des Brustkastens und er ist kann sich entsprechend der Menge, die ein Hund gefressen hat, sehr stark ausdehnen, aber auch wieder zusammenziehen. Dazu braucht er Platz. Wenn jetzt der Magen durch die Ausgasungen anfängt zu pendeln, kann es passieren, daß er sich dreht. Und damit sind alle Gefäße, die zum Magen hin und von ihm wegführen, die Speiseröhre und der Darm abgedreht. Was allein das an Schmerzen bedeutet, wollen wir gar nicht wissen.

Das große Problem ist: so etwas passiert in der Regel mehrere Stunden nach einer Mahlzeit, weil nämlich die Mahlzeit viel zu lange im Magen bleibt. Es muß also etwas schwer verdauliches sein und es muß etwas sein, das in der Lage ist zu gären. Wer roh füttert, ist vor der sauren Magendrehung so gut wie sicher, da hier die normale Verdauungszeit von ca. acht Stunden abläuft und der Magen des Hundes nach zwei Stunden leer ist: das ist der Grund, warum Hunde ca. zwei Stunden nach dem Fressen nicht toben sollen. Trockenfutter ist allerdings schwer verdaulich und enthält auch Kohlehydrate, die anfangen können zu gären, wenn das Milieu stimmt, und es ist defintiv so, daß die meisten Magendrehungen nach einer Trockenfuttermahlzeit erfolgen. Mir ist eine Zahl von über 80% bekannt. Leider ist sehr schwer, im Internet an entsprechende Studien zu kommen, falls es überhaupt welche gibt.

Wie das abläuft, kann man sich relativ einfach vorstellen. Entweder der Mensch weicht das Futter ein um den Feuchtigkeitsverlust auszugleichen, dann fängt das Futter evtl. schon im Napf an zu gären, so es nur lange genug rumsteht. Oder das trockene Futter liegt im Magen des Hundes, der entweder anschließend viel trinkt, weil er auf das trockene Zeug einfach Durst bekommt. Oder der Futterbrei liegt im feuchten Magen und kann nicht wirklich weiter, weil er einfach zu trocken ist und ganz schlecht verdaut werden kann, und der Organismus versucht mit der körpereigenen Flüssigkeit den Mangel auszugleichen und das dauert eben. Vielleicht gibt es noch ein paar Varianten, aber darauf kommt es mir nicht an.

Liebe Hundefreunde. Es geht hier nicht darum, ob ihr mehr oder weniger Gemüse, Kartoffeln, Flocken, Getreide, was auch immer eurem Freund in den Napf schütten oder ob ihr puritanisch genaue Vorschriften von Extrembarfern befolgen sollt. Es geht auch nicht darum, eure TrainerInnen damit zufrieden zu stellen, wenn ihr irgendwann endlich umstellt auf Rohfütterung, um euch dann bei einem anderern Trainer vom Gegenteil überzeugen zu lassen, weil es ist ja alles drin, was der Hund so braucht und es ist doch so praktisch und er verträgt es doch so gut………….

Es geht einfach darum eurem Hund neben vielen anderen Probleme, die Industriefutter und vor allem Trockfutter mit sich bringen, u.U. einen äußerst qualvollen Tod zu ersparen. Denn selbst wenn jemand merkt, daß es sich hier um einen extremen Notfall handelt, und sofort etwas unternimmt, könnt ihr euren Hund vielleicht (!) retten, wenn ihr
– sofort den Tierarzt alamiert
– brandeilig hindüst, denn es handelt sich um Minuten
– und der Tierarzt oder die Tierklinik in relativ kurzer Zeit zu erreichen und sofort zur OP bereit sind, denn das mit den Minuten dürft ihr ruhig wörtlich nehmen.
Ein Hund, der allein schläft, also nicht neben seinen Menschen, ist sowieso zum Tod verurteilt, da es keiner merken wird. Es kann jeden Hund treffen, auch wenn die üblichen Rassen wie Dogge, Riesenschnauzer und Rottweiler besonders betroffen sind  und – selbst wenn die Notoperation gelingt – sterben viele Hunde an den Spätfolgen, da sie sich schlicht und ergreifend selber vergiften.

Alle Hunde, die ich kenne und die entweder sofort oder an den Spätfolgen einer Magendrehung gestorben sind, wurden mit Trockenfutter gefüttert. Was ich dabei überhaupt nicht verstehe ist, daß viele – Gott sei Dank nicht alle – Tierärzte so tun, als gäbe es da keinen Zusammenhang. Dabei sollte es gerade ihnen auffallen, wenn Hund Nr. XY, der Trockenfutter gefressen hat, mit saurer Magendrehung auf dem OP-Tisch liegt.

Wer bei mir eine Ernährungsberatung macht, erfährt immer von diesen Gefahren. Wer trotzdem Trockenfutter füttert, handelt in meinen Augen grob fahrlässig. Deshalb meine große Bitte an alle: hört auf dieses Zeug an eure Hunde zu verfüttern. Ja, es macht mehr Arbeit, roh zu füttern als den Sack zu öffnen, den Portionsbecher zu füllen und das ganze in den Napf zu kippen. Aber es ist eben auch besser für ihn und letztendlich auch für euch selber.

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8 Kommentare zu Ein qualvoller Tod – Die saure Magendrehung

  1. Ute Spielmann sagt:

    Ich stelle jetzt auch um auf Rohfütterung,habe aber einen Hund,der keine Knochen mehr fressen kann

    • Ute Rott sagt:

      Das ist kein Problem, dann gibt man eben Eierschalenkalk dazu. Es gibt immer wieder Hunde, die keine Knochen vertragen. Außerdem fängt man mit der Knochenfütterung sowieso erst nach ca. 6 Monaten an.
      Liebe Grüße
      Ute Rott

  2. marie-Luise Sturm sagt:

    Bravo, kann ich so nur bestätigen. Ich hatte im laufe der Jahre 4 Magendrehungen, alle ausschließlich nach dem die Hunde bei Freunden/Bekannten TF gefressen hatten, ich selbst füttere roh ohne irgendwelches Brimborium, alles was sie meine zusätzlich haben zu müssen holen sie sich im Garten und unterwegs – dies seit über 40 Jahren

    Danke für den Artikel, denn genau das sind meine Erfahrungen- sage ich das irgenwo wird man als Spinner abgetan

    lieben gruss Malu

  3. marie-Luise Sturm sagt:

    Nachtrag überstanden hat die MD nur unsere damals 14 Jahre alte Doggenoma , 3 Hunde starben , davon einer nach der OP die beiden anderen weil wir nicht zu Hause waren

  4. S. W. sagt:

    Mein Rüde verstarb letzte Woche an den Spätfolgen einer Magendrehung. 11 jährig und zeitlebens roh/frisch gefüttert. Also die Fütterung alleine ist noch keine Garantie!
    Sicher ein Aspekt aber nicht der Alleinige

  5. Sabine Speckmann sagt:

    Ich hatte auch schon 1 Magendreher mit Rohfütterung und das war wie oben beschrieben Stunden nach der Fütterung, bin auch sofort in die Klinik, sie ist
    nach der OP leider nie wieder aufgewacht. Hatte aber auch 2 Magendreher die
    erfolgreich operiert wurden und die beiden Hunde sind auch an anderen Sachen
    Jahre später gestorben. Ich denke auch das es da auch erbliche Faktoren gib und
    ich halte Deutsche Doggen.

  6. H. Witte sagt:

    Mein damaliger Rüde starb damals nach Blättermagenfütterung nachts im Zwinger. Seine Mutter entwickelte sehr schnell zur Mittagszeit eine MD. Sie lag auf ihrem Bettchen und schlief. Plötzlich stand sie auf, stellte sich sonderbar hin (erinnerte an einen Esel), begann zu würgen, aber es kam nur wenig weisser Schaum. Sie wurde mit ein paar Schritten an die frische Luft befördert, währenddessen hatte sie schon aufgegast. Innerhalb von weniger als 5 Minuten waren wir beim TA, der bereits eine Milzdrehung tasten konnte. Es gelang ihm aber schnell noch einen Magenschlauch zu legen. Vom Bettchen bis zum Schnitt waren ca. 15 – 20 Min. vergangen. Der Magen war absolut leer stellte sich bei der OP heraus. Zunächst schien es gut zu laufen, aber am 3. Tag wurde sie wieder dick. Sofort zum TA. Der legte einen Magenschlauch und es liefen 8 l Flüssigkeit ab. Der TA tippte auf Magenwandnekrose und wollte operieren. Die Besitzerin lehnte die OP ab und liess das Tier einschläfern um ihm weitere Leiden zu ersparen.

  7. H. Witte sagt:

    Die Hündin war auch gebarft worden. Ich habe im Laufe der Jahre beobachtet, daß viele MD nachts erfolgen, wenn niemand an was Böses denkt.Viele Hunde sind nüchtern, andere hatten frisch gefressen. In Doggenkreisen sagt man, es könne vorkommen, wenn die Hunde krank würden oder psychischer Belastung ausgesetzt seien. Ich habe aber die Überzeugung, daß eine Bindegewebsschwäche vorliegt, denn manche Linien sind besonders belastet. M.W. ist wissenschaftlich noch nicht bekannt, was wirklich die Ursache ist.Ältere Tiere scheinen auch öfter betroffen zu sein.

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