Soll ich meine Welpen barfen?

Der folgende Artikel wurde mir von Frank Degenhardt und Henry Wollentin von Sammys Futterschüssel in Magdeburg zur Verfügung gestellt. Ich freue mich sehr, daß ich ihn auf meinem Blog veröffentlichen darf, da hier sehr gut erklärt wird, warum man gerade Welpen von Anfang an roh füttern soll.

 

Immer wieder wird uns in unserem Geschäftsalltag diese Frage gestellt. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, dieses Thema hier aufzugreifen.

Soll ich also?

Selbstverständlich!

Damit ist das Thema eigentlich schon geklärt, aber wir wollen Sie natürlich nicht derart auf dem Trockenen sitzen lassen und Ihnen auch sagen, warum und wie.

Denkt man mal in Ruhe über diese Frage nach, dann fällt einem ein, dass alle unsere Haushunde den Wolf zum Vorfahren haben. Einige werden jetzt sicherlich sagen, das sei nicht in jedem Fall so, denn es gibt auch Wildhunde. Richtig, aber auch Wildhunde sind Verwandte von Wölfen und ernähren sich mit wenigen Ausnahmen wie sie. Der Wolf wurde lt. Fachliteratur bereits vor mindestens 16.000 Jahren in die Gemeinschaft des Menschen geholt, manche Quellen gehen sogar von 30.000 Jahren aus. In dieser Zeit hatten die aus dem Wolf gezüchteten Hunde sehr viele Gelegenheiten, den Weg in die Freiheit zurück zu finden. Außerdem haben genetische Untersuchungen die Abstammung aller Hunderassen vom Wolf bestätigt.

Nun mögen Sie auch meinen, der Wolf hatte in diesen 30 Jahrtausenden ebenso viel Zeit sich zu verändern und anzupassen und habe dies auch getan. Die Antwort lautet: hat er nicht. Und wieso?

Dank der modernen Genetik wissen wir, dass der genetische Unterschied zwischen dem Wolf und allen bekannten Hunden nur ca. 0,04 % beträgt, und das ist auch sehr logisch.

Der Mensch begann irgendwann damit, den Wolf nicht nur in seiner natürlichen Form zu züchten, sondern zu verändern, und zwar hinsichtlich bestimmter, für den Menschen nützlicher Eigenschaften. Diese Eigenschaften bezogen sich hauptsächlich auf Arbeiten, die der Hund verrichten sollte. Also hat man Hunde gezüchtet mit besonders langen Beinen für die Treibjagd, mit besonderen intellektuellen Fähigkeiten für die Hüte von Herden, besonders kleine Hunde für die Dachsjagd, Hunde mit besonderen Fellen für extreme Witterungsbedingungen und letztendlich wurde die Züchtung von optisch veränderten Hunden auch Selbstzweck, zum Einen in optischer Hinsicht und zum Anderen, um seine „Genialität“ als Züchter zu offenbaren, oder welchen Sinn hätten sonst Hunde ohne Fell (Nackthunde), wie sie in einigen Ländern sehr beliebt sind?

Den Wolf/Hund hinsichtlich seiner Ernährungsgewohnheiten zu verändern, stand dabei nicht auf dem Plan. Warum auch? Die Zeitbomben aus Tüte, Büchse und Supermarktregal gibt es ja erst seit ca. 50 Jahren, warum also sollte man etwas am Verdauungssystem ändern? Das Barfen war ja bis in die 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein Hunde-Alltag.

Und glauben Sie wirklich, der Mensch könne ein Lebewesen angesichts der ungeheuren Entwicklungszeiträume, die in der Natur vorgehen, in 50 Jahren ein Verdauungssystem umzüchten? Versuchen Sie mal in 50 Jahren die Wellensittiche an ein Steak heran zu bekommen. Die Zeit läuft … ab jetzt ! Viel Spaß!

Wo wir nun also wissen, dass unsere kleinen Welpen eben doch noch kleine Wölfe sind, müsste eigentlich jedem einleuchten, dass die oben gestellte Frage nur mit „ja“ beantwortet werden kann. Da wir aber alle, dank der modernen Medien, so sehr an schlagwortartige Begründungen und Handlungsanweisungen gewöhnt sind, will ich Ihnen diese gern noch liefern.

Da Mutter Natur das frische rohe Fleisch oder auch das Aas, gepaart mit den pflanzlichen Magen- und Darminhalten der Beutetiere, für unsere kleinen Wölfe vorgesehen hat, ist es nur zu klar, dass die Welpen auch nur durch diese Futtermittel alle Nährstoffe bekommen, die sie benötigen und auch nur auf diesem Weg einen optimalen Start ins Leben mitbekommen. Es bedarf keiner halbgöttischen Wissenschaft, um Nährstoffbedarfe bis ins Kleinste zu berechnen und entsprechend zusammenzustellen. Unsere Tiere, und das betrifft nicht nur Hunde und Katzen, haben einen sicheren Instinkt dafür, was sie benötigen, so fressen z. B. Waldtiere, wenn es ihnen unwohl ist, bestimmte heilende Kräuter, die sie sonst nicht anrühren, und alles ohne vorher Veterinärmedizin oder Pharmazeutik studiert zu haben. Sämtliche Nährstoff-Bedarfsangaben auf Futtermitteln und auch auf menschlichen Nahrungsmitteln sind Unfug und dienen nur der Verkaufsförderung, denn der Nährstoffbedarf eines Organismus hängt von derart vielen Umständen ab, dass die Wissenschaft hier noch nicht einmal die Oberfläche angekratzt hat. Aber es gibt jemanden, der den Bedarf kennt: der eigene Körper, und der spricht über den Appetit zu uns.

Hinzu kommt, dass vom Menschen hergestellte Nährstoffe immer eine von der Natur abweichende Struktur haben. Also merke: Vitamin A aus einer Möhre ist nicht identisch mit Vitamin A aus der Pille, und der Körper merkt das, darauf können Sie sich verlassen.

Aber zurück zu den Welpen.

Es ist mittlerweile zur guten Tradition geworden, Welpen mit einem Welpenbrei aus Getreide zu füttern. Wieso das denn? Haben Sie schon einmal eine Wolfmutter mit ihren Jungen auf einem Weizenfeld fressen sehen? Ich nicht. Wölfe/Hunde sind Fleischfresser, nur darauf ist ihr Verdauungssystem ausgelegt. Den notwendigen pflanzlichen Anteil können sie nur dann verarbeiten, wenn er vorverdaut wurde (im Magen der Beutetiere), oder wenn die Zellwände der pflanzlichen Stoffe zerstört sind (püriert). Das Knabbern einer Möhre mag zwar für den Hund eine ganz witzige Geschichte sein, ernährungsphysiologisch ist diese Sache aber völlig unbedeutend. Somit stellt also das Verfüttern von Getreidebrei alles andere als eine artgerechte Ernährung für unsere Welpen dar, mit allen negativen Folgen für den Hund und den positiven für den Tierarzt.

Zu diesen negativen Folgen zählt z. B., dass das Allergie-Risiko der jungen Hunde auf nahezu 100 % ansteigt, dass die Nährstoffversorgung unzureichend ist und die Verdauung schwächelt. Nur durch artgerechte Ernährung kann sich im Verdauungssystem des Hundes eine natürliche Bakterienflora bilden. Diese Bakterien werden von den Hunden über den Kontakt des Welpen mit dem After und dem Vaginalsekret während der Geburt und über das Fressen von Innereien der Futtertiere aufgenommen.

Außerdem kommt es bei naturfremder Ernährung häufig zu Verhaltensstörungen und Schwererziehbarkeit.

Nachdem also das Säugen 3 – 4 Wochen nach der Geburt zu Ende geht, sollte sofort mit der rohen Fleischfütterung begonnen werden! Hierfür eignet sich besonders gewolfter Blättermagen, Pansen und Euter, die alle die notwendigen Bakterien und Enzyme mitbringen. Der Blättermagen sollte in jedem Fall „pur“ gefüttert werden, also ungereinigt und mit allen Inhalten.


Nun werden Sie sich fragen, wie denn der Wolf im Wald an seinen Namensvetter, den Fleischwolf herankommt. Gar nicht, aber das Muttertier frisst das Fleisch selbst und würgt es wieder aus, so dass die Jungtiere dies dann problemlos fressen können. Sie müssen also nicht erschrecken, wenn Ihre Hündin in der Zeit nach dem Werfen öfter erbricht. Sie ist nicht krank, sondern sie will ihre Welpen füttern, was man ihr leider viel zu oft verwehrt, denn in menschlicher Vorstellung ist Kotze ja eklig.

In der Natur frisst die Mutter natürlich auch Knochen, woraus die Jungtiere die notwendigen Mineralstoffe erhalten. Knochen in der Küche zu wolfen ist nun aber schwierig und man möchte sich ja auch nicht jede Woche einen neuen Fleischwolf kaufen müssen. Um aber den Welpen trotzdem alle Mineralstoffe zukommen zu lassen, hat die Firma „ProCaLu“ ihre „Basis-Nährstoffe“ entwickelt, das Sie dem gewolften Futter beimischen können und das ich Ihnen ans Herz legen möchte. Die „Basis-Nährstoffe“ sollten Sie Ihrem Hund ohnehin ein Leben lang dem Futter beimischen. Welpen können in der Wachstumsphase das 3-fache der angegebenen Menge erhalten.

Etwa in der 6 – 7 Woche sollten Sie Ihren Welpen mal ein großes Stück Pansen hinlegen, mit dem sie spielen können, das sie zerreißen können und das sie auch fressen können, wenn sie möchten. Für Sie als Züchter und Hundeliebhaber wird das viel zu Lachen geben und Sie haben bei diesem Spiel die Möglichkeit, ggf. auch gleich Rückschlüsse auf das Wesen der einzelnen Welpen zu ziehen. Und ärgern Sie sich nicht, wenn die Kleinen den Pansen nicht auffressen – die Mutter-Hündin wird sich freuen.

Ab etwa der 9. Lebenswoche brauchen Sie das Fleisch nicht mehr zu wolfen, sondern können es je nach Größe der Hunderasse in Stückchen schneiden, ähnlich unserem Gulasch. Außerdem sollten Sie dem Fleisch nun ein hochwertiges kaltgepresstes pflanzliches Öl beigeben, z. B. Leinöl von ProCaLu.

Auf dem Fleisch-Speiseplan stehen nun: Rindfleisch (Muskelfleisch), Pansen, Blättermagen, Euter, Därme (voll).

Ein kleiner Anteil an pflanzlichen Nahrungsmitteln ist ebenfalls eine wichtige Nahrungskomponente, die Sie aber bitte erst ab ca. dem 3. – 4. Monat reichen sollten, da sich bei den Welpen erst eine stabile Magen- und Darmflora bilden sollte. Vor Mangelerscheinungen brauchen Sie sich nicht zu fürchten, denn in den o. g. Fleischsorten und dem Öl ist alles Notwendige enthalten, und deshalb lege ich auch so viel Wert darauf, Mägen und Därme mit vollem Inhalt zu verfüttern, der pflanzlich ist und in der vorverdauten Form für die Welpen verwertbar. Als Ergänzung können Sie hierbei z. B. das „ProCaLu Kräuter-Agil“ verwenden

Bei großen Hunderassen mit einer Schulterhöhe über 50 cm kommt es oft zu Problemen bei der Knochen und Gelenkentwicklung, da diese Rassen oft aus wesentlich kleineren Rassen gezüchtet wurden. Ein Beispiel hierfür ist der amerikanische Collie, der mit Schulterhöhen zwischen 60 und 84 cm daher kommt und dessen Vorfahren wesentlich kleiner waren. Wenn Sie solch große Rassen züchten, empfehle ich Ihnen eine Kur mit gelenksunterstützenden Nahrungsergänzungen, die Sie auch auf der Website der Firma „ProCaLu“ finden.

Außerdem sollten Sie bei den Welpen der großen Rassen kein Getreide und ähnliche pflanzliche Kohlenhydrate füttern, da diese das Wachstum der Gelenke negativ beeinflussen können.

Im Übrigen gilt, entgegen vielfacher andersartiger Aussagen, dass Sie das Futter Ihrer Welpen bis zu einem Alter von 9 – 12 Monaten der Menge nach nicht begrenzen sollten. Welpen, die natürlich ernährt werden, laufen keinerlei Gefahr, übergewichtig zu werden.

Und? Haben Sie sich entschieden, wie Sie Ihre Welpen künftig ernähren?

Glauben Sie mir, natürlich ist für gesunde Welpen das Beste. Wer meint, die Inhalte seiner Tüten und Büchsen besser machen zu können als es die Natur tut, der begeht einen bedauerlichen Irrtum. Dieser Irrtum wird sich aber nicht negativ auf das Bankkonto der Hersteller auswirken – ganz im Gegenteil – sondern eher negativ auf Ihres, und natürlich auf die Lebensqualität Ihrer Welpen. Schauen Sie auf das Vorbild der Natur, vertrauen Sie der Natur! Ihre Welpen werden es Ihnen danken, mit größerer Vitalität, einer stabilen Gesundheit, einem entspannten und ausgeglichenen Wesen, einer höheren Lebenserwartung und vor allem mit geringeren Tierarzt- und Medikamentenkosten.

Nur am Rande möchte ich bemerken, dass viele Hersteller industrieller Hundefutter für die Entwicklung ihrer Futtermittel Versuchslabore betreiben oder beauftragen, in denen Tierversuche durchgeführt werden. Wie Versuchstiere in derartigen Laboren oft leben und leiden müssen, haben Sie sicherlich bereits im Fernsehen gesehen. Und selbst wenn die Versuchstiere in den Laboren vergleichsweise gut behandelt werden, müssen sie von irgendwo her bezogen werden. Bezugsquellen, weil billig, sind oft andere Länder, in denen die Tiere unter grausamen Bedingungen aufwachsen müssen und die, bevor sie in den Laboren ankommen, endlose und qualvolle Transportwege über sich ergehen lassen müssen. Schauen Sie bitte einmal im Internet auf Seiten großer Tierschutzorganisationen nach, dort werden Sie Filmaufnahmen sehen, die Ihnen den Atem stocken lassen.

Viele Menschen achten bereits beim Kauf von z. B. Kosmetika darauf, dass diese ohne Tierversuche hergestellt werden. Bei industriellen Futtermitteln ist die Situation aber nicht viel anders.
Um einen Hund zu barfen, bedarf es keiner Tierversuche, denn die Natur hat diese Art der Ernährung schon Millionen Jahre vor der ersten Futtertüte erprobt.

Wenn Ihnen Tierschutz etwas bedeutet, dann barfen Sie Ihre Welpen!

Und wir wünschen Ihnen viel Spaß mit Ihren gesunden Welpen!

Frank Degenhardt und Henry Wollentin (Originaltext)

Die Fotos entstanden im Frühjahr 2012 in der Collie-Zuchtstätte „Tiamo“ in Delbrück während der Aufzucht des W-Wurfs. Die gefütterte Fleischmischung war unsere Welpen-Haus-Mischung, von der Henry 40 kg mit nach Delbrück genommen hatte.

Fotos copyright by Henry und Bianca Wollentin

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu Soll ich meine Welpen barfen?

  1. Hallo an alle,
    ein super gut geschriebener Artikel, wenn ihn denn nur einige mehr, vor allem die sogenannten „Barf-Gegner“ lesen und verinnerlichen würden. Es kann gar nicht deutlich genug sein, an das Artgerechte zu appellieren, in ähnlicher Form sind dies auch immer wieder meine Worte. Viele Menschen, vor allem Tierbesitzer müssen wach werden, denn sie haben mit dem Tier eine Verantwortung übernommen, der sie unbedingt gerecht werden sollen! Mein Kompliment an die Verfasser…
    Conny von Wolfsmenue

    • Ute Rott sagt:

      Liebe Conny,
      vielen Dank für die Zustimmung.
      Gott sei Dank wird es tatsächlich immer besser, langsam aber sicher. Während die Rohfütterer vor ca. 10 Jahren noch die einsamen Rufer in der Wüste waren, kommen mittlerweile viele Menschen in meine Hundeschule, die sofort für ihren Welpen eine Ernährungsberatung haben möchten oder sich bereits informiert haben und entsrpechend füttern.
      Liebe Grüße
      Ute Rott

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.