Auf, auf zum fröhlichen Jagen!

Kann man Hunden das Jagen abgewöhnen?

von Ute Rott
Forsthaus Metzelthin

 

Alle Hunde jagen, absolut alle vom Chihuahua bis zur Dogge. Wenn das nicht so wäre, könnten Sie mit Ihrem Hund keine Jagdspiele machen. Behaupten Sie bloß nicht, daß Sie das nicht tun. Wenn Sie gerne mit Ihrem Hund an Stöcken oder Baumwollkordeln zerren oder ihm Bälle oder Frisbee werfen, wenn Sie ihn Leckerchen suchen lassen oder auch richtige Apportierspiele mit ihm einüben: das alles sind Jagdspiele. In der Regel haben nicht nur die Hunde Spaß daran, sondern auch die Menschen, denn auch wir sind Raubtiere und haben an der Jagd Spaß. Viele unserer Sportarten gehören dazu: Fussball, Tennis, Handball, Speerwerfen…. die Liste läßt sich fortsetzen. Ganz zu schweigen vom „Hobby“ Jagen, dem ca. 350.000 Deutsche nachgehen, denen es anscheinend Spaß macht, auf Tiere zu schießen und sie zu töten.

Menschen jagen also auch und sie freuen sich an entsprechenden Spielen mit ihren Hunden, aber in dem Moment, wenn ihre Pelznase sich vom Acker macht, um einem Häschen hinterher zu hetzen, wird’s schwierig, das darf er nämlich eigentlich nicht. In den letzten Jahren hat das Problem der unerwünscht jagenden Hunde zugenommen, da leider viele Hundebesitzer erst zu spät erkennen, daß sie ihrem Liebling das Jagen regelrecht beigebracht, bzw. seine Fähigkeiten in dieser Hinsicht komplett unterschätzt haben. Antijagdtraining gehört in meiner Hundeschule deshalb um Standardprogramm.

D
azu muß man sich zuerst über verschiedene Dinge klar werden:
1. Daß Hunde jagen ist normal, es gehört zum hundeüblichen Verhaltensrepertoire.
2. Manche Hunde interessieren sich mehr, andere weniger dafür.
3. Wie ein Hund jagt, ist rassetypisch und individuell unterschiedlich.
4. Und um die Frage im Titel zu beantworten: nein, man kann jagdinteressierten Hunden das Jagen nicht abgewöhnen, aber man kann lernen, es zu unterbinden.
5. Aus 4. folgt: unter Umständen ist das also eine Sache, an der man arbeitet, solange der Hund lebt.

Unser Forsthaus, bzw. die uckermärkischen Wälder und Wiesen rundherum eignen sich hervorragend für jede Form von Antijagdtraining, da es bei uns so ungefähr alles gibt, was für Hunde interessant ist: Vögel, Katzen, Rehe, Füchse, Dam- und Rothirsche, Waschbären, Marderhunde, Wildschweine, Eichhörnchen, Marder, Dachse…. also alles, was das jagdfreudige Hundeherz begehrt. Und das beste ist: man muß weder weit laufen, noch die Sparringpartner suchen. Da liegt schon mal der Rehbock einen Meter neben dem Weg, die Füchsin sitzt am Waldrand und schaut beim Training auf dem Hundeplatz zu oder ein kontaktfreudiger Storch landet wenige Meter neben dem Vierbeiner. Da kommt Freude auf.

Wie läuft das jetzt ab? Wenn ein Mensch mit seinem Hund zu mir kommt, dessen Jagdleidenschaft dem Menschen – nicht dem Hund – Probleme bereitet, schaue ich mir erstmal auf einem kurzen Spaziergang an, an was der Hund interessiert ist, bzw. wie gut der Mensch die Körpersprache seines Hundes kennt. Denn Jagen fängt nicht erst an, wenn Bello das Reh bereits hetzt, das geht schon viel früher los: an welchen Spuren riecht er besonders intensiv, zieht er in Wildwechsel hinein, wie reagiert er auf Laute im Wald und: wie interpretiert der Besitzer das. Viele Menschen glauben, daß das wichtigste beim Antijagdtraining ein 100%iger Rückruf ist. Das ist nicht ganz falsch, setzt aber viel zu spät an. Viel wichtiger ist es, die ganz subtilen Signale zu erkennen, die der Hund zeigt, sobald sich das Wild in irgendeiner Form bemerkbar macht: durch Gerüche oder Geräusche. Die nimmt der Mensch nämlich meistens viel zu spät war. Seine einzige Chance ist es, seinen Hund richtig zu lesen.

Wir fangen also erstmal mit der Körpersprache an und (!) mit der Kenntnis, wo welches Wild sich wie bemerkbar macht. Denn auch daran hapert es bei den meisten gewaltig – bei den Zweibeinern, nicht bei den Hunden. Der angeblich perfekte Rückruf nützt mir nämlich nicht das geringste, wenn ich nicht in der Lage bin, meinen Hund rechtzeitig zu stoppen, weil ich gesehen, gehört oder gerochen – ja, auch das ist möglich -, daß Gefahr im Verzug ist. Zudem arbeiten wir selbstverständlich an einem guten Rückruf, z.B. in Form eines Superkommandos mit Pfeife, wir trainieren Ruhekommandos wie „platz“ auf Entfernung und – ganz wichtig – an einer guten Leinenführigkeit an einer langen Leine. Ebenso arbeiten wir an der Impulskontrolle, und zwar am liebsten am lebenden Objekt, sprich an einem unserer vierbeinigen Nachbarn, wenn sie sich vom Acker machen – Bello ist dabei natürlich angeleint.

Die Leine ist jetzt einer der wichtigsten Bestandteile des Trainings überhaupt, denn jagdfreudige Hunde müssen sehr viel an der Leine laufen. Ich bevorzuge 5-Meter-Leinen, da die auch im Wald gut zu handhaben sind. Längere Leine machen leicht Probleme, indem sie sich verheddern und oft ist es auch leichter, gerade größere Hunde an einer 5-Meter- als an einer 10-Meter- Leine zu halten.

Dann kommt noch dazu, daß man selbstverständlich nur noch Jagdspiele im Programm hat, die nicht die Hetzfreude, sondern eher das Suchen, also die Nasen- und Kopfarbeit fördern. Verlorensuche ist also erlaubt, Frisbee oder Reizangel nicht. Alle Arten von Apportierspielen, die man beim Spaziergang oder auch auf dem eigenen Grundstück ausüben kann, sind immer gut, da viele Hunde sich tatsächlich auf Dauer damit zufrieden geben. Auch Mantrailing ist eine feine Sache. Aber man soll sich nicht täuschen. Selbst wenn ich am Samstag einen supertollen Trail mit meinem Hund gelaufen bin und wir beide müde, glücklich und zufrieden sind, am Sonntag stehen die Häschen und Rehlein wieder auf dem Programm.

Eine wichtige Erkenntnis heißt also: wer einen jagdfreudigen Hund hat, kann sich auf lebenslanges Training gefasst machen, wenn’s nicht so lange dauert, umso besser.

So, und wer jetzt Lust bekommen hat, der darf gerne mal unser Antijagdtraining ausprobieren. Denn es macht auch richtig Spaß.

 

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