Mensch, mach langsam! – Wenn Hunde an der Leine ziehen, weil Menschen keine Zeit haben. – 2. Leseprobe

aus: 2. Die Zeit, sie eilt im Sauseschritt

und wir, wir sausen alle mit!

….Probleme, z.B. mit der Leinenführigkeit, bekommen wir erst, wenn die Bedürfnisse Ihrer Pelznase zu kurz kommen. Das durchdenken wir jetzt mal am Beispiel eines Welpen vom Züchter, der in seine neue Familie kommt.

Es kommt immer wieder vor, dass Welpenkäufer den Züchter und damit den Welpen danach aussuchen, ob der Welpe zu einer bestimmten Zeit abgegeben wird, nämlich dann, wenn sie ihren Urlaub planen. Alles wird genau und fürsorglich eingeteilt: wer ist wann wie lange den ganzen Tag zu Hause, damit der Kleine die ersten Wochen und Monate ganz sicher nicht allein ist, bzw. langsam an längeres Alleinsein gewöhnt werden kann. Bei Züchter A, der eine sehr freundliche und kinderliebe Hündin hat, da im Haushalt nette und tierliebe Kinder leben, kann man keinen Welpen holen, da der Wurf unpassend kommt. Bei Züchter B ist die Hündin den Kindern gegenüber eher etwas scheu. Es gibt hier auch keine Kinder, aber man geht davon aus, dass die eigenen Kinder ja lieb sind mit dem Hund, eine gute Hundeschule am Ort ist und man das schon hinkriegen wird. Denn die Zeit der Welpenabgabe passt perfekt. Das bedeutet jetzt nicht automatisch, dass es Probleme mit dem Hund und den Kindern geben muss, aber die Startbedingungen sind einfach nicht so günstig.

Gehen wir jetzt mal davon aus, dass mit den Kindern alles gut klappt. Die erste Woche verbringt die Familie mit dem Neuzugang zu Hause. Der Kleine wird nicht überfordert, da man vorab in der Hundeschule angerufen, sich angemeldet und wichtige Details für die ersten Tage geklärt hat. Alles verläuft ruhig und ordentlich und er kann sich gut eingewöhnen. Nach einer Woche ist dann der erste Besuch in der Hundeschule angesagt. Die ganze Familie ist schon total aufgeregt, die Kinder freuen sich und auch die Eltern sind gespannt, was sie erwartet. Das Laufen an der Leine hat man schon ein bisschen im Garten geübt, und zwar mit dem Halsband und der Meterleine, die man vom Züchter mitbekommen hat.

Dies ist jetzt der erste Tag, der für den Kleinen ganz anders abläuft wie bisher. Es ist Samstag, also wird ein wenig länger geschlafen und gemeinsam ausgiebig gefrühstückt. Bisher hat der Kleine einfach die Morgenhektik verpennt, jetzt ist auf einmal alles neu. Das findet er sehr aufregend. Nach dem Frühstück packt die ganze Familie zusammen, was sie so brauchen, die Nervosität steigt, da man ein bisschen spät dran ist. Man will auf gar keinen Fall zu spät kommen. Der Kleine findet das so aufregend, dass er vergisst sein Pipi anzumelden, was er schon mehrfach gemeistert hat, und pinkelt auf den Teppich. Jetzt wird die Aufregung noch größer, da man das Malheur erst beseitigen muss und dadurch wieder Zeit verliert.

Aber schließlich kriegt man alles in den Griff. Kinder und Hund sind im Auto verstaut und es geht los. Unser Freund hat mit dem Autofahren eigentlich kein Problem, aber heute ist er nervös, jammert rum und fühlt

sich nicht wohl. Nachdem man gelesen hat, dass man so etwas einfach ignorieren soll, kümmert sich keiner um ihn. Die Fahrt dauert ja auch nur wenige Minuten. Schließlich ist man angekommen. Man hat sich im

Vorfeld für eine Hundeschule entschieden, die für Welpen Einzelstunden anbietet, damit man individueller betreut wird. Die Trainerin ist schon auf dem Hundeplatz, als man auf den Parkplatz fährt und die Nervosität im Auto nimmt zu. Eilig steigen alle aus, der kleine Hund wird angeleint und dann hat man es noch eiliger, zur Trainerin zu kommen, die schon am Tor wartet. Wenn sie weiß, was sie tut, lässt sie es nicht so weit kommen, sondern geht Hund und Menschen entgegen, und zwar ruhig und gelassen, und sorgt dafür, dass der Kleine abgeleint wird. Warum?

Weil sonst dieser kleine Hund von seinen netten, eifrigen Menschen am Halsband mit einer viel zu kurzen Leine in den Hundeplatz hineingezerrt wird und die ersten Grundlagen für einen an der Leine ziehenden Hund gelegt werden. Und warum tun sie das? Damit sie keine Sekunde der kostbaren Stunde versäumen und weil es unhöflich ist, jemanden warten zu lassen, und weil sie wenige Minuten zu spät dran sind. Lauter Gründe, die nichts mit Hundeerziehung, aber sehr viel mit unserem Umgang mit Zeit zu tun haben. Ein paar Minuten, und das ist jetzt kein Witz, sondern bitterer Ernst, entscheiden also unter Umständen darüber, ob Ihr Hund einmal leinenführig wird oder nicht. Denn diese wenigen Minuten, wenn die Trainerin nicht dafür sorgt, dass Sie richtig instruiert werden, wiederholen sich jeden Tag. Mehrfach…..

…weiter geht’s im Buch auf Seite 17

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