{"id":879,"date":"2015-03-27T17:31:06","date_gmt":"2015-03-27T16:31:06","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=879"},"modified":"2015-03-27T17:31:06","modified_gmt":"2015-03-27T16:31:06","slug":"vertrauen-und-zuversicht-denn-angst-macht-hunde-und-menschen-schwach-und-hilflos","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=879","title":{"rendered":"Vertrauen und Zuversicht &#8211; denn Angst macht Hunde und Menschen schwach und hilflos &#8211;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\">von Ute Rott<br \/>\nForsthaus Metzelthin<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es gibt eine neue Studie von der Uni Magdeburg, in der nachgewiesen wurde, da\u00df Lernen unter Angst sehr schlecht funktioniert. Das ist eigentlich eine altbekannte Tatsache, aber leider erlebe ich immer wieder, da\u00df Menschen mit ihren Hunden zu mir kommen, deren ganzer Umgang mit dem Hund von Angst bestimmt ist. Und\u00a0 &#8211; \u00dcberraschung &#8211; beide, Mensch und Hund, haben jede Menge Probleme: miteinander und mit der Umwelt. Wovor haben diese Menschen eigentlich Angst und warum? Und warum ist es so schwer, dagegen anzugehen?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Als ich meine erste H\u00fcndin vor 35 Jahren bekam, rief ich sofort bei der Gemeinde an, um sie anzumelden. Der Sachbearbeiter reagierte vollkommen verst\u00e4ndnislos, ich w\u00fc\u00dfte doch gar nicht, ob dieser Hund \u00fcberlebt. Der Grund f\u00fcr sein Unverst\u00e4ndnis: alle Hunde liefen frei herum und junge Hunde wurden dann eben \u00f6fter mal \u00fcberfahren. Das war so. Kein Mensch machte sich deshalb Gedanken, das Risiko lag allein bei den Hunden und ihren Haltern. Selbstverst\u00e4ndlich hat meine H\u00fcndin das \u00fcberlebt und ich war auch damals schon der festen \u00dcberzeugung, da\u00df Hunde an der Stra\u00dfe an der Leine laufen m\u00fcssen, zu ihrem eigenen Schutz und zum Schutz aller anderen. Einmal hatte ich ausgetestet, wie es ist, mit unangeleintem Hund an der Stra\u00dfe zu gehen. Da sie ganz ausf\u00fchrlich jeden Grashalm beschn\u00fcffeln mu\u00dfte, war ich nat\u00fcrlich immer vor ihr, und vor lauter Angst (!), ihr k\u00f6nnte etwas passieren, lief ich mehr r\u00fcckw\u00e4rts als vorw\u00e4rts. Nicht sehr bequem, und ganz sicher nicht ungef\u00e4hrlich. Also kam sie k\u00fcnftig f\u00fcr das kurze St\u00fcck an der Stra\u00dfe an die Leine, im Wald und am Weg hinten am See entlang lief sie frei. Problem erkannt, L\u00f6sung gefunden, Problem beseitigt und alle sind zufrieden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Angst kann also ganz n\u00fctzlich sein, solange man eine vern\u00fcnftige L\u00f6sung f\u00fcr die angstmachende Situation findet. Dann l\u00f6st sie sich n\u00e4mlich in Nichts auf. Die Studie der Uni Magdeburg hat gezeigt, da\u00df Menschen, die sich von ihrer Angst sehr stark bestimmen lassen, wesentlich schlechter in der Lage sind, in unbekannten und \/ oder stressigen Situationen L\u00f6sungen zu finden oder sich anzupassen. Um auf meine H\u00fcndin zur\u00fcckzukommen: so lange sie an der Stra\u00dfe ohne Leine lief, tr\u00f6delte sie ganz f\u00fcrchterlich hinter mir her. Sobald sie angeleint war, ging sie locker mit mir mit, ich blieb immer stehen, wenn sie schn\u00fcffeln wollte, aber wir kamen trotzdem flotter voran. Schon mal was von Beschwichtigungssignalen geh\u00f6rt? Da\u00df &#8222;langsamer werden&#8220; und eine gewisse Art von Schn\u00fcffeln dazugeh\u00f6rt? Ich glaube, wenn ich das heute als Film sehen k\u00f6nnte, h\u00e4tten wir ein wunderbares Beispiel f\u00fcr ein Hundem\u00e4dchen, das seinem verunsicherten und \u00e4ngstlichen Frauchen mitteilen m\u00f6chte: hab dich doch nicht so, was regst du dich auf? Ist doch alles in Ordnung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wovor haben jetzt so viele Hundehalter Angst? Schauen wir uns einige Punkte mal ein bi\u00dfchen n\u00e4her an.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">1. Wenn ein Hund einmal, ein einziges Mal in seinem Leben irgend einen Unsinn gemacht hat, z.B. hat er unvermutet einen Passanten angesprungen, wird er dies lebensl\u00e4nglich und immer wieder tun, und man bekommt das nur mittels kurzer Leine, Leinenruck und scharfem Kommando &#8222;Fu\u00df!!!&#8220; den Hund &#8222;in den Griff&#8220;.<br \/>\n2. Wenn ein Hund auch nur irgendetwas selbst bestimmt, z.B. wann und wo er schn\u00fcffelt, oder wo er spazierengehen m\u00f6chte oder auf welcher Seite seines Menschen er laufen m\u00f6chte, dann bedeutet das, da\u00df er den Menschen kontrollieren und in beherrschen will. Und das mu\u00df man unterbinden, sonst passieren schreckliche Dinge.<br \/>\n3. Wenn man Hunden nicht permanent Grenzen setzt, werden sie unkontrollierbar.<br \/>\n4. Was sagen denn die Leute, wenn mein Hund einfach macht, was er will? Wenn sie denken, ich habe ihn nicht &#8222;im Griff&#8220;?<br \/>\n5. Wenn jetzt einer von vorne kommt, dann denkt er sicher&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die letzten beiden Punkte sind die mit der schlimmsten Wirkung, denn sie bewirken, da\u00df Menschen den Unfug von der st\u00e4ndigen Kontrolle und dem 100%igen Gehorsam glauben und den Hunden aufzwingen. Um nochmal auf die Magdeburger Studie zur\u00fcckzukommen: eine der Fragen, die den Probanden gestellt wurden, war: machen Sie sich h\u00e4ufig Sorgen wegen Dingen, die Sie nicht beeinflussen k\u00f6nnen? Frage: wie kann ich das Denken anderer Menschen beeinflussen, wenn ich gar nicht wissen kann, was sie denken und ob sie das, von dem ich vermute, da\u00df sie es denken, vielleicht nicht oder ganz anders denken &#8211; vielleicht ist es ihnen auch egal und sie denken an etwas ganz anderes. Falls Ihnen der letzte Satz etwas kompliziert vorkommt, evtl. sogar unlesbar oder unverst\u00e4ndlich, so ist das reine Absicht. Damit m\u00f6chte ich einfach verdeutlichen, wie verdreht diese Art von &#8222;Denken&#8220; ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Leben und Risiko sind eins und beide sind miteinander vereinbar. Sowie Sie einen Fu\u00df vor die T\u00fcr setzen, gehen Sie unendlich viele Risiken ein. Sagt Ihnen der Name \u00d6d\u00f6n von Horvath etwas? Das war ein Schriftsteller, der Anfang des 20. Jhdts. lebte. Er wurde von einem Ast erschlagen: mitten in Paris. Wenn mir das im uckerm\u00e4rkischen Wald passiert bei Sturm, sagt jeder: was geht sie auch in den Wald bei dem Wetter! Aber der lief in einer Gro\u00dfstadt auf der Stra\u00dfe spazieren und wurde von einem Ast erschlagen. Das ist das Leben. Wir gehen trotzdem raus und wir besichtigen St\u00e4dte und wir laufen im Wald und wenn jemand sagt: &#8222;spinnst du, du kannst doch nicht!!! Denk doch an \u00d6d\u00f6n von Horvath!&#8220; Dann fassen wir uns &#8211; zu Recht &#8211; an den Kopf.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wenn Sie sich einen Hund ins Haus holen, dann haben Sie einen Lebenspartner, der wunderbar zu uns Menschen passt. Seit vielen tausenden von Jahren leben wir zusammen und es ging mal besser, mal schlechter. Aber wenns schlechter ging, lag es nie an den Hunden. F\u00fcr die Hunde wie f\u00fcr alle Tiere in menschlicher Obhut war und ist das Risiko viel gr\u00f6\u00dfer als f\u00fcr uns. Denn wenn sie irgendetwas tun, das uns nicht passt, m\u00fcssen sie es ausbaden und wenn sie hundertmal Recht h\u00e4tten. Mit unserer Angst vor der Meinung anderer, vor den angeblichen Gefahren, die in der Hundehaltung zu lauern scheinen, vor der Unkontrollierbarkeit der Hunde, wenn wir nicht&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;. machen wir uns und unsere vierbeinigen Freunde schwach und hilflos.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Meine Freundin hat einmal ein Gespr\u00e4ch zwischen einer besorgten Mutter und einem Heilpraktiker angeh\u00f6rt. Die Mutter meinte, es w\u00e4re doch normal, da\u00df man sich wegen seiner Kinder sorgen macht. Seine Antwort war: &#8222;Nein, das ist es nicht. Normal ist Vertrauen und Zuversicht. Das macht uns und unsere Kinder stark und gibt uns und ihnen Kraft im Leben.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wollen wir das nicht f\u00fcr uns und unsere Hunde \u00fcbernehmen? Wollen wir nicht lieber Schw\u00e4che und Angst weglegen und daf\u00fcr Vertrauen und Zuversicht hegen und pflegen, damit wir und unsere Hunde stark werden und Kraft f\u00fcrs Leben haben? Ich denke, das sollten wir tun. Wir sollten uns daran erinnern, wie viele Jahre sie uns schon begleiten und uns liebevolle Partner und Freunde sind. Es gibt keinen Grund f\u00fcr uns Angst zu haben. Dann kriegen wir auch unsere Alltagsprobleme in den Griff.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Ute Rott Forsthaus Metzelthin Es gibt eine neue Studie von der Uni Magdeburg, in der nachgewiesen wurde, da\u00df Lernen unter Angst sehr schlecht funktioniert. 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