{"id":790,"date":"2014-11-23T14:14:09","date_gmt":"2014-11-23T13:14:09","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=790"},"modified":"2014-11-25T17:26:41","modified_gmt":"2014-11-25T16:26:41","slug":"xiii-animal-learn-symposium-14-11-16-11-2014-1-teil","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=790","title":{"rendered":"XIII. animal-learn-Symposium 14.11. &#8211; 16.11.2014 &#8211; 1. Teil"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\">von Ute Rott<br \/>\nForsthaus Metzelthin<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nachdem ich versprochen hatte, vom Symposium ausf\u00fchrlich Bericht zu erstatten, habe ich lange hin und her \u00fcberlegt, mit welchem Referenten ich anfangen soll. Zuerst die, die mir nicht so gut gefallen, oder zu erst die Highlights? Und dann habe ich mich f\u00fcr die Highlights entschieden, was aber auch nicht so einfach war, weil ich mich n\u00e4mlich zwischen den \u00fcberwiegend wirklichen tollen Vortr\u00e4gen entscheiden mu\u00dfte. Das war nicht einfach. Denn dieses Symposium war wirklich mit Abstand das sch\u00f6nste und beste, das ich bislang mitgemacht habe. Es hat einfach alles gestimmt: die Themen, die Referenten, die Athmosph\u00e4re, alles war einfach gro\u00dfartig. Was ich bislang noch nie erlebt hatte, ist diesmal wirklich sehr gut gelungen: die Themen haben sehr gut zusammen gepasst und die Referenten haben sich wirklich gut erg\u00e4nzt. Aufgefallen ist, da\u00df immer wieder in den Vortr\u00e4gen etwas kam wie: &#8222;das haben wir ja schon in anderer Variation vorhin geh\u00f6rt&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mein absoluter Favorit war aber Nadja Maurer aus der Schweiz. Sie ist nicht nur eine sehr gute und kompetente Referentin, sondern sie hat dar\u00fcber hinaus eine so warme und freundliche Ausstrahlung, da\u00df es nicht verwundert, da\u00df viele der Anwesenden anschlie\u00dfend mit ihren Tieren zu ihr in Behandlung kommen m\u00f6chten und Termine vereinbart haben. Nadja Mauerer ist Tierheilpraktikerin und z\u00fcchtet Pferde. Ihr erster Vortrag ging \u00fcber &#8222;Trauma&#8220;. Sehr kompetent und schl\u00fcssig hat sie erkl\u00e4rt, was ein Trauma ist und wie es entsteht. Dabei hat sie sich auf physische Traumata konzentriert. Die Schwierigkeit dabei ist, zu beurteilen, wann ein Hund traumatisiert ist oder nicht. Denn es gibt durchaus F\u00e4lle, die wir alle kennen, da geschieht dem Hund etwas wahrhaft schreckliches, er sch\u00fcttelt sich und alles ist gut. Und in anderen F\u00e4llen dreht er v\u00f6llig am Rad und wir k\u00f6nnen uns nicht vorstellen, da\u00df das von dieser &#8222;Lappalie&#8220; kommt. Der springende Punkt ist, da\u00df ein Ereignis &#8222;zu fr\u00fch, zu schnell, zu bald&#8220; wahrgenommen wird und der Organismus damit nicht klar kommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wir alle kennen Hunde, die unter einem Knalltrauma leiden, und wir wissen, wie schwer das zu behandeln ist und wie sehr Hund und Hundehalter darunter leiden, aber auch durch andere Katastrophen, nicht nur durch Silvesterb\u00f6ller, kann ein Hund schwer traumatisiert werden. F\u00fcr mich war dabei erneut die Erkenntnis wichtig, wie schnell eine unangenehme Situation f\u00fcr einen Hund traumatisch werden kann, da viele unserer Hunde regelrecht zur Hilflosigkeit erzogen werden. Wir alle kennen den Terminus &#8222;erlernte Hilflosigkeit&#8220;. Ein Hund, der so erzogen wurde, wird sehr viel eher durch relativ harmlose Ereignisse traumatisiert werden, da er nicht gelernt hat oder sogar aktiv daran gehindert wird, selbst\u00e4ndig L\u00f6sungen in schwierigen Situationen zu erarbeiten, mit denen er das Trauma \u00fcberwinden k\u00f6nnte. Sie beruft sich auf Peter Levine, der an Wildtieren erforscht hat, wie diese mit traumatischen Situationen umgehen. Die Bew\u00e4ltigung erfolgt immer durch Erstarren, Fliehen oder K\u00e4mpfen. Erstarren ist nur dann von Erfolg, wenn das Tier im Anschlu\u00df fliehen oder k\u00e4mpfen kann. Geht das nicht, bleibt die Erstarrung und das Trauma wird nicht mehr selbst\u00e4ndig bew\u00e4ltigt. Diese Ereignisse manifestieren sich im K\u00f6rper und k\u00f6nnen erhebliche Beschwerden verursachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Da\u00df das funktioniert, habe ich selber vor Jahren erlebt, als ich eine Traumatherapie wegen extremer R\u00fcckenschmerzen machte. Ich bin selber keine Therapeutin, sondern Nutznniesserin und Fan dieser Therapie, deshalb m\u00f6chte ich nur ganz kurz erkl\u00e4ren, wie das funktioniert. Wer mehr wissen m\u00f6chte, sollte sich bei Fachleuten genaue Informationen holen. Im Gegensatz zu Konfrontationstherapien mu\u00df man das traumatisierende Erlebnis weder kennen noch wiederholen. Der Therapeut bringt einen durch K\u00f6rperarbeit dazu, selbst aktiv zu werden und dadurch werden die Beschwerden meist sehr schnell gemildert und im Idealfall beseitigt. Wer mehr dazu wissen m\u00f6chte, sollte sich das Buch von Peter Levine &#8222;Traumatherapie&#8220; besorgen oder Fachleute dazu befragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein besonders beindruckendes Beispiel war ein Whippet, der ungew\u00f6hnlich gut erzogen und praktisch vollkommen erstarrt war. Er hatte einen starren und sehr ungl\u00fccklichen Gesichtsausdruck. Im Bereich des Kreuzbeines war er so blockiert, da\u00df er einen ganz steifen Gang und auch erhebliche Schmerzen hatte. Einen entscheidenen Anteil an dieser Erstarrung hatte der extreme Grundgehorsam, \u00fcber den der Besitzer sich immer so gefreut hatte. Nachdem er aufgekl\u00e4rt worden war, war ihm klar, da\u00df er damit seinen Hund in eine extreme Form der erlernten Hilflosigkeit gebracht hatte. Und zum Gl\u00fcck f\u00fcr den Hund war er einsichtig.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nadja Maurer arbeitet wie damals meine Feldenkraislehrerin mit einer von ihr f\u00fcr Tiere entwickelten Craniosakraltherapie (Kreuzbein). Da wir aufrecht gehen, sieht diese Arbeit nat\u00fcrlich bei Tieren anders aus. Sie ist aber nicht minder erfolgreich, da Tiere ohne Vorurteile mitmachen, wenn sie merken, da\u00df ihnen geholfen wird. Bei Menschen ist da ja nicht immer so einfach.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der zweite Vortrag von Nadja Maurer hie\u00df &#8222;Zucht &#8211; Was der heutige Pr\u00e4ventionswahn bedeutet&#8220;. Das war wahrhaftig Wasser auf meine M\u00fchlen. Denn was in der Zucht passiert, ist nach meiner Auffassung nicht nur str\u00e4flicher Leichtsinn, sondern sch\u00e4digt die betroffenen Tiere h\u00e4ufig so stark, da\u00df es schlicht kriminell &#8211; aber leider nicht strafbar ist. Viele dieser Probleme, die z.B. durch \u00fcbertriebene Hygienema\u00dfnahmen, Impfungen, Untersuchungen per Ultraschall oder &#8211; immer noch &#8211; R\u00f6ntgen vor, w\u00e4hrend oder nach der Tr\u00e4chtigkeit entstehen, wirken sich ganz massiv auf die Gesundheit von Mutter und Welpen aus und bringen auch erhebliche Folgeerscheinungen mit sich. F\u00fcr mich ist das gr\u00f6\u00dfte Problem dabei, da\u00df nichts von dem wirklich wissenschaftlich untersucht ist, sondern die Gefahren und negativen Folgen einfach durch Beobachtungen von Menschen erfasst werden, die in irgendeiner Form mit Tieren zu tun haben, wie Heilpraktiker, Tier\u00e4rzte und Hundetrainer. Z\u00fcchter kommen nur ganz langsam dahinter, da\u00df sie mit dem, was mittlerweile \u00fcblich ist an Pr\u00e4vention, ihren Hunde mehr schaden als n\u00fctzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wie kompliziert dieses Thema ist und wie kontrovers es diskutiert wird, hat man an den Debatten \u00fcber diesen Vortrag gemerkt. W\u00e4hrend der erste \u00fcberwiegend positiv aufgenommen wurde, war vielen beim zweiten \u00fcberhaupt nicht klar, was tats\u00e4chlich gemeint ist. Viele Menschen wenden dann ein, da\u00df es doch nicht geht, alles &#8222;der Natur&#8220; zu \u00fcberlassen. Das ist auch \u00fcberhaupt nicht gemeint. Ein gutes Beispiel ist die neueste Impfung von Zuchth\u00fcndinnen gegen Herpes, angeblich um die Welpensterblichkeitsrate zu senken. Najda Maurer berichtet, da\u00df bei den H\u00fcndinnen, die ihr bekannt sind, im Gegenteil die Welpensterblichkeit zunimmt. Sie selber hat dagegen in ihrer eigenen Pferdezucht festgestellt, da\u00df je weniger sie an konventioneller Prophylaxe eingesetzt hat, die Muttertiere bei jeder Geburt ges\u00fcnder waren und auch die Fohlen waren ges\u00fcnder und vitaler. Als Quintessenz k\u00f6nnte man sagen: wenn diese ganze &#8211; wohlgemerkt \u00fcbertriebene &#8211; Vorsorge tats\u00e4chlich notwendig w\u00e4re, sollte man sich fragen, wie sich dann Leben entwickeln und erhalten konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Zum Abschlu\u00df m\u00f6chte ich noch ein paar Worte zu dem phantastischen Vortrag von Dorrit Franze &#8222;Die W\u00fcrde des Hundes ist unantastbar &#8211; auch im Training?&#8220; Wie man einen Vortrag zu dem eigentlich extrem trockenen, juristischen Thema &#8222;Rechte der Hunde&#8220; einen so spannenden Vortrag halten kann, da\u00df \u00fcber ca 130 Menschen aktiv mitdiskutieren und von Anfang bis Ende voller Spannung dabei sind, h\u00e4tte ich vorher nie im Leben geglaubt. Ich dachte, ich sitze das mal aus, und dann war ich hellauf begeistert. Sie hat einige Fragen gekl\u00e4rt, die vielen im Saal nicht klar waren, z.B. haben Hunde, bzw. Tiere in Deutschland tats\u00e4chlich nach wie vor keine Rechte, sondern sie genie\u00dfen gesetzlichen Schutz. Das macht es schwierig, da Tiere nach wie vor vor dem Gesetz wie eine Sache behandelt werden. Zwar ist diese Sache sch\u00fctzenswert und hat auch bestimmte sch\u00fctzenswerte Bed\u00fcrfnisse, aber eine Sache ist eben kein eigenst\u00e4ndiges Lebewesen, dem auch eine W\u00fcrde, also ein Wert, der aus diesem Wesen selbst entsteht &#8211; so wie man das bei Menschen voraussetzt &#8211; zugesprochen werden kann. Das bedeutet letztendlich, da\u00df nach wie vor Tiere nach ihrem Nutzen gewertet und behandelt werden, z.B. ist das Schlachten von Hunden zum Verzehr verboten, das von Schweinen und Rindern nicht. Ebenso ist Zoophilie, also der sexuelle Missbrauch von Tieren entgegen der herrschenden Meinung in Deutschland nach wie vor erlaubt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Da ich nicht alles bringen kann &#8211; und auch gar nicht mehr so im Detail wei\u00df &#8211; m\u00f6chte ich auf einen Punkt eingehen, der f\u00fcr Tiersch\u00fctzer und Tierrechtler in der Praxis wichtig ist. So ist sie der Meinung, da\u00df man unbedingt Tierqu\u00e4lerei zur Anzeige bringen sollte, wenn man Zeuge wird, auch wenn nichts dabei heraus kommt. Ich habe sie um Rat gefragt, weil ich Anzeige gegen den Vorsitzenden eines Hundezuchtvereins gestellt hatte. Die Hunde, die auf der Titelseite der Vereinszeitung abgebildet waren, hatten jeder ein Stromreizger\u00e4t um. Die Anzeige wurde niedergeschlagen und im Bescheid stand, ich k\u00f6nne ja nicht beweisen, da\u00df die Ger\u00e4te benutzt worden w\u00e4ren, au\u00dferdem l\u00e4ge kein \u00f6ffentliches Interesse vor. H\u00e4tten Tiere eine im Gesetz verankterte W\u00fcrde, s\u00e4he das anders aus. Lt. Dorrit Franze kann man nicht mehr machen, was schade ist. Aber es ist wichtig, so etwas zu tun, damit eben irgendwann gen\u00fcgend Druck entsteht, da\u00df der Gesetzgeber nicht mehr anders kann als etwas zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was ihr auch wichtig war: genereller Leinenzwang in Gemeinden. Sie sucht dringend nach Bu\u00dfgeldbescheiden, da sie sich f\u00fcr dieses Thema sehr interessiert. Keine Gemeinde kann generellen Leinenzwang wom\u00f6glich noch mit vorgeschriebener Leinenl\u00e4ngen erlassen, ohne ein gen\u00fcgendes Freilaufgebiet zur Verf\u00fcgung zu stellen. Das Problem ist: die Hundehalter wehren sich nicht. Also: wer sich f\u00fcr das Thema interessiert, weil er direkt davon betroffen ist, sollte sich wirklich schlau machen und ruhig mit der Gemeinde- oder Stadtverwaltung streiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So, das war jetzt mal mein subjektiver Eindruck, von drei Vortr\u00e4gen, die f\u00fcr mich herausragend waren. Das bedeutet aber nicht, da\u00df die anderen schlecht oder uninteressant waren. Ich hoffe, da\u00df ich im Laufe der Woche noch dazu komme, den 2. Teil zu schreiben. Wer die Vortr\u00e4ge nachlesen m\u00f6chte: es gibt im animal-learn-Verlag die Skripte zu kaufen, \u20ac 9.00 + Versandkosten. Ich kann nur sagen: es lohnt sich!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Ute Rott Forsthaus Metzelthin Nachdem ich versprochen hatte, vom Symposium ausf\u00fchrlich Bericht zu erstatten, habe ich lange hin und her \u00fcberlegt, mit welchem Referenten ich anfangen soll. 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