{"id":75,"date":"2012-11-27T11:13:45","date_gmt":"2012-11-27T10:13:45","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=75"},"modified":"2012-11-27T11:20:43","modified_gmt":"2012-11-27T10:20:43","slug":"gute-ratschlage-und-ihre-folgen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=75","title":{"rendered":"Gute Ratschl\u00e4ge und ihre Folgen"},"content":{"rendered":"<p>Frau Maier ist eine zierliche, kleine Dame von ca. 45 Jahren. Sie h\u00f6chstens 1,60 Meter gro\u00df und wiegt ca. 55 Kilogramm. Entsprechend hat sie zarte Gliedma\u00dfen und kleine, schmale H\u00e4nde. Als sie zu Besuch bei einer Freundin war, verliebte sie sich in einen Leonbergerwelpen. Die H\u00fcndin der Freundin hatte gerade Welpen. Frau Maier ist eine sehr emotionale Frau, sie wollte schon immer einen Hund und dieses kuschelige Fellb\u00fcndel hatte es ihr einfach angetan. So ganz blau\u00e4uig wollte sie aber nicht Hundebesitzerin werden, also besorgte sie sich erstmal ein paar Hundeb\u00fccher, z.B. \u00fcber die Rasse oder was eben so als gute Erziehungsb\u00fccher angeboten wird und recherchierte im Internet. Nachdem sie immer wieder gelesen hatte &#8211; und ihre Freundin hatte das ja auch gesagt -, da\u00df Leonberger gro\u00dfartige Familienhunde und sehr leicht zu erziehen sind, und sie au\u00dferdem mit ihrer Familie auf einem recht einsam gelegenen Geh\u00f6ft in Brandenburg lebt, wo ein gro\u00dfer Hund auch von Vorteil sein kann, holte sie kurzentschlossen den kleinen Kerl ab. Sie nannte ihn Pedro.<\/p>\n<p>Die ersten Tage waren relativ unkompliziert. Aber so ganz allm\u00e4hlich stellte sich heraus, da\u00df Pedro keine Ahnung davon hatte, da\u00df er leicht zu erziehen war. Er wollte nicht spazierengehen, also zog sie ihn an der Leine weiter. Da sie ihm ein abwechslungsreiches und interessantes Leben bieten wollte, spielte die ganze Familie sehr viel mit ihm, Ballwerfen, mit dem Zottel zerren, k\u00e4mpfen&#8230;. es ging richtig rund. Weil Pedro ja mal sehr gro\u00df werden sollte und au\u00dferdem ein R\u00fcde war, durfte er nicht ins Haus, sondern bekam einen wunderbaren Zwinger mit einer sehr sch\u00f6nen, gem\u00fctlichen Hundeh\u00fctte und schlief von Anfang an drau\u00dfen. Da er nachts nicht Zeter und Mordio schrie, war die ganze Familie der Meinung, das sei gut so.<\/p>\n<p>Komischerweise enwickelte sich Pedro zu einem regelrechten Zombie. Man hatte ihm ein Brustgeschirr besorgt, das wollte er sich nicht umlegen lassen. Bei den Spazierg\u00e4ngen biss er st\u00e4ndig in die Leine und attackierte auch irgendwann den Leinenhalter &#8211; oft genug die zarte Frau Maier. Das Spielen war offenbar nicht reichhaltig genug, denn schon nach ca. 20 Minuten wurde er immer wilder und verbiss sich nicht nur im angebotenen Zottel sondern auch in Frau Maiers kleine H\u00e4nde. Das mit der gem\u00fctlichen Hundh\u00fctte und dem tollen Zwinger war wohl auch nicht so das Wahre, da man ihn immer hinein locken mu\u00dfte und er bei jeder sich bietenden Gelegenheit wieder rausrannte. Wenn man ihn fr\u00fch aus dem Zwinger holte, war eine seiner ersten Aktionen: irgendwo reinbei\u00dfen, z.B. in Frau Maiers Beine.<\/p>\n<p>Da sie sowieso zum Tierarzt mu\u00dfte, fragte sie ihn um Rat. Der mu\u00dfte nicht lange \u00fcberlegen, sondern diagnostizierte haarscharf, da\u00df es sich hier wohl um einen eher dominanten R\u00fcden handelt. Nur zur Erinnerung: Pedro war mittlerweile 14 Wochen alt. Die L\u00f6sung des Problems wurde auch gleich serviert: Alphawurf. So richtig gut fand Frau Maier das nicht, aber Pedro war ihr erster Hund, der Tierarzt der Spezialist und wenn er das sagte, w\u00fcrde es wohl stimmen. Etwas betr\u00fcbt fuhr sie nach Hause. Solche rabiaten Methoden lagen ihr \u00fcberhaupt nicht und das Zusammenleben mit einem Hund hatte sie sich ganz anders vorgestellt. Sie versuchte es noch ca. eine Woche mit Ganz-besonders-lieb-sein und viel spielen, aber Pedros Attacken wurde immer schlimmer. Also wagte sie es doch einmal und versuchte sich am Alphawurf.<\/p>\n<p>Man stelle sich bitte folgende Szene vor: ein junger und gesunder Leonberger von 15 Wochen, Gewicht ca. 20 Kilo, und eine zarte, eher zur\u00fcckhaltende Frau, die versucht, dieses Kraftpaket auf den R\u00fccken zu werfen und an der Kehle zu fixieren. Wenn Sie jetzt vermuten, da\u00df das schief ging, haben Sie recht. Pedro wehrte sich nach Leibeskr\u00e4ften, Frau Maier versuchte verzweifelt ihm klar zu machen, da\u00df sie hier der Boss sei. \u00dcberzeugen konnte sie ihn nicht. Wie ihre H\u00e4nde und Beine, ihre Hosen und Jacken\u00e4rmel hinterher aussahen, kann man sich gut vorstellen.<\/p>\n<p>Und dann kam Frau Maier mit Pedro zu mir.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte jetzt nicht n\u00e4her drauf eingehen, da\u00df der sog. Alphawurf ein Hirngespinst von Leuten ist, die sich einfach nicht vorstellen k\u00f6nnen, da\u00df man einen Hund auch mit freundlichen Methoden gut erziehen kann. Ebenso will ich nur mal Rande erw\u00e4hnen, da\u00df es diesen Alphawurf nach wie vor nur in der Phantasie von Dominanzaposteln gibt. Es existiert kein noch so winziger Hinweis darauf, da\u00df es diese Handlung unter Caniden gibt: der &#8222;Rangh\u00f6here&#8220; schmei\u00dft den &#8222;Rangniederen&#8220; gewaltsam um, packt ihn an der Kehle und h\u00e4lt ihn dort fest. Falls die beiden weiterhin friedlich zusammenleben m\u00f6chten, werden sie den Teufel tun und sich derma\u00dfen bedrohlich verhalten. Auch die gesundheitlichen Folgen eines gewaltsamen und unerwarteten Auf-den-R\u00fccken-Werfens, z.B. Sch\u00e4den an der Wirbels\u00e4ule, lassen wir mal beiseite. Das alles sei nur am Rande und der Vollst\u00e4ndigkeit halber erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Nein, ich m\u00f6chte hier vor allem darauf eingehen, wie praxisnah dieser hei\u00dfe Tipp doch war. Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen: eine kleine, zarte Frau soll einen Leonbergerr\u00fcden, der ausgewachsen auf irgendwas um die 70 Kilogramm kommt, zur Raison bringen, indem sie ihn gewaltsam auf dem R\u00fccken wirft und dort fixiert. Frau Maier hat niemals Kampfsport betrieben, das liegt ihr auch weiterhin vollkommen fern. Sie ist eine kleine, zarte Frau, die nicht mit \u00fcberm\u00e4\u00dfigen k\u00f6rperlichen Kr\u00e4ften gesegnet ist, und trotzdem gibt ihr der Tierarzt einen Rat, der aus rein physikalischen Gr\u00fcnden schlicht und ergreifend undurchf\u00fchrbar ist. Also nur mal so nebenbei: als Tierarzt hat man ja das Abitur machen m\u00fcssen und dazu hat man irgendwas von Mechanik, Hebelgesetze und so, geh\u00f6rt. Und wie man das anwendet. Wenn man diese sonderbare Aktion also unter rein physikalischen Gesichtspunkten betrachtet, dann ist dieser hei\u00dfe Tipp \u00e4hnlich einzuordnen, als w\u00fcrde der Automechaniker Frau Maier bitten, doch mal kurz ihr Auto aufzuheben, damit er drunter schauen kann!<\/p>\n<p>Und jetzt wollen wir uns mal die deutlich schwerwiegenderen Folgen ansehen, die eine solche Tat in den K\u00f6pfen von Frau Maier und Pedro anrichtet. Frau Maier wei\u00df von Anfang an, da\u00df sie diese Schlacht verliert. Pedro merkt das und lernt blitzschnell, da\u00df sein Frauchen unberechenbar ist und schreckliche Dinge mit ihm macht, ihm Schmerzen bereitet und ihn an Leib und Leben bedroht. Aber wenn er sich nur genug wehrt, dann bleibt er erster Sieger. Und ebenso wird er schnell lernen, da\u00df er nur ein bi\u00dfchen knurren oder die Nase r\u00fcmpfen mu\u00df, um Frau Maier zuk\u00fcnftig davon abzuhalten, ihn unfreundlich zu behandeln. Da er au\u00dferdem durch die extremen Spiele und &#8222;Zerr&#8220;spazierg\u00e4nge schon gelernt hat, da\u00df seine freundlichen Signale (&#8222;es reicht mir jetzt, k\u00f6nnt ihr bitte mal aufh\u00f6ren?&#8220;) ignoriert werden und nur Bei\u00dfen Erleichterung bringt, sollte der Weg bis zum ersten ernsthaften Zubei\u00dfen recht kurz werden. Und wer kriegt dann Schuld, wenn Frau Maier im Krankenhaus landet? Der Tierarzt? Oder nicht doch eher dieser g\u00e4nzlich unberechenbare Hund, der ja so schrecklich dominant ist, da\u00df nicht mal der Alphawurf was fruchtet?<\/p>\n<p>Lange Rede, kurzer Sinn: wer so derma\u00dfen qualifizierte Ratschl\u00e4ge erteilt, sollte sie doch bitte am lebenden Objekt vorf\u00fchren, und zwar nicht an einem Welpen, sondern z.B. an einem ausgewachsenen Rottweilerr\u00fcden. Wenn er dann im Krankenhaus landet, bekommt er die gerechte Strafe f\u00fcr seine Dummheit und nicht die anderen m\u00fcssen darunter leiden. Die, die solche Ratschl\u00e4ge annehmen, sollten mehr auf ihr Gef\u00fchl h\u00f6ren und bedenken, da\u00df im Wort &#8222;Ratschlag&#8220; auch das Wort &#8222;schlagen&#8220; steckt. Ja, man kann andere mit Rat schlagen. Besser also, man nimmt nicht jeden Rat an.<\/p>\n<p>Die Geschichte mit Frau Maier und Pedro ist gut ausgegangen. Pedro ist jetzt ein dreiviertel Jahr alt, er geht gerne spazieren, l\u00e4\u00dft sich ohne Probleme das Brustgeschirr anlegen und bei\u00dft nur noch selten in die Leine, z.B. wenn er sich \u00fcberfordert f\u00fchlt. Wenn er sehr aufgeregt ist, f\u00e4llt ihm ab und zu nochmal ein, da\u00df man ja auch mal an Frauchen knabbern kann, aber das wird nicht nur weniger, es wird auch sanfter. Frau Maier erkennt die Zeichen rechtzeitig und wei\u00df, was sie im Vorfeld tun mu\u00df, so da\u00df es gar nicht so weit kommt. Das wilde und lange Spielen wurde durch ruhige Suchspiele und Kletter\u00fcbungen ersetzt. Und Pedro kommt zwar immer noch nicht abends ins Haus, aber er bleibt bis sp\u00e4tabends bei Herrchen im B\u00fcro und schl\u00e4ft dort auch.<\/p>\n<p>Frau Maier hei\u00dft nat\u00fcrlich nicht Frau Maier und Pedro nicht Pedro, er ist auch kein Leonberger. Aber diese Geschichte hat sich &#8211; leider &#8211; genauso erst k\u00fcrzlich zugetragen. Zudem h\u00f6re ich in verschiedenen Variationen von allen m\u00f6glichen Kunden, mit allen m\u00f6glichen Rassen \u00e4hnlich qualifizierte Tipps, die sie von \u00e4hnlich gut instruierten Hundeexperten bekommen. Hier handelt es sich dann nicht nur um Tier\u00e4rzte, sondern um Leute, die z.B. schon lange und seeeehr gut die jeweilige Rasse kennen, oder die regelm\u00e4\u00dfig alle Hundeexpertensendungen ansehen, oder die jahrelange Erfahrung im Hundesport, bevorzugt im Schutzdienst haben, oder solche netten Zeitgenossen, die sich einfach bem\u00fc\u00dfigt f\u00fchlen, \u00fcberall ihren Senf dazu zugeben, Hauptsache jemand h\u00f6rt zu. Experten eben.<\/p>\n<p>Vermutlich werde ich solche Geschichten noch oft h\u00f6ren und noch oft Gelegenheit haben, hier Erste Hilfe zu leisten. Denn der gr\u00f6\u00dfte Schwachsinn h\u00e4lt sich leider am hartn\u00e4ckigsten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frau Maier ist eine zierliche, kleine Dame von ca. 45 Jahren. 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