{"id":56,"date":"2012-11-11T12:38:23","date_gmt":"2012-11-11T11:38:23","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=56"},"modified":"2012-11-11T12:38:23","modified_gmt":"2012-11-11T11:38:23","slug":"was-aber-ist-bei-fehlverhalten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=56","title":{"rendered":"Was aber ist bei Fehlverhalten?\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Der folgende Artikel wurde mir freundlicherweise von Marion Elstrod\u00a0\u00a0<a href=\"http:\/\/www.hundepartner-remscheid.de\/\">http:\/\/www.hundepartner-remscheid.de\/<\/a> zur Verf\u00fcgung gestellt. Es lohnt sich, \u00fcber Marions \u00dcberlegungen nachzudenken und auch in die Tat umzusetzen.<\/p>\n<p>Vor einigen Tagen f\u00fchrte ich eine Korrespondenz zum Thema Leinenf\u00fchrigkeit. Ich vertrat die These, dass man auch Leinenf\u00fchrigkeit \u00fcber positive Verst\u00e4rkung beibringen sollte und nicht mit Leinenrucken (auch nicht mit leichten Leinenrucken). Ich bekam eine Mail zur\u00fcck, in der stand: \u201eEs sieht sicherlich ,netter\u2018 aus, wenn man den Hund nur positiv belohnt. Was aber ist bei Fehlverhalten? Um einen Hund etwas lernen zu lassen, bringt der Trainer ihn in eine entsprechende Situation und wartet seine Reaktion ab. Wenn das erw\u00fcnschte Verhalten nicht auftritt, muss der Mensch dem Hund eine Information \u00fcber den Fehler geben.\u201c Diese Information k\u00f6nne auch ein Leinenruck oder ein f\u00fcr den Hund unangenehmer Reiz sein.<\/p>\n<p>Der Satz \u201eWas aber ist bei Fehlverhalten?\u201c setzte mein Gehirn in Gang. Verschiedene Gedanken dazu m\u00f6chte ich in diesem Text niederlegen.<\/p>\n<p>1) Was ist \u00fcberhaupt \u201eFehlverhalten\u201c? In den allermeisten F\u00e4llen glaube ich, der Hund zeigt gar kein Fehlverhalten. Er wei\u00df schlicht noch gar nicht, was er lernen soll. Gerade beim Thema Leinenf\u00fchrigkeit wird immer wieder davon ausgegangen, dass der Hund korrigiert werden muss, wenn er das \u201eFehlverhalten\u201c zeigt, an der Leine zu ziehen. Keiner hat dem Hund aber vorher beigebracht, was er eigentlich machen soll: n\u00e4mlich in einem bestimmten Radius um seinen Menschen herum zu sein. Nehmen wir ein anderes Kommando als Beispiel, das Kommando \u201eSitz\u201c. Die meisten Menschen w\u00fcrden mit mir \u00fcbereinstimmen, wenn ich sage: Ein Hund, der das Kommando \u201eSitz\u201c noch nicht gelernt hat, zeigt kein Fehlverhalten, wenn er steht oder liegt. Ich muss ihm erst einmal beibringen, was \u201eSitz\u201c \u00fcberhaupt bedeutet. Und ich pers\u00f6nlich bringe dem Hund nicht \u201eSitz\u201c bei, indem ich, wenn er steht, sage \u201eNein, Sitz!\u201c und sein Hinterteil herunterdr\u00fccke. Stattdessen lotse ich ihn freundlich in die richtige Position (entweder nur per K\u00f6rpersprache oder, falls n\u00f6tig, auch mit Leckerchen) und belohne ihn f\u00fcr das Sitzen. Warum sollte das bei der Leinenf\u00fchrigkeit nicht m\u00f6glich sein? Dem Hund beibringen, was er tun soll, und ihn nicht daf\u00fcr strafen oder korrigieren, was er nicht tun soll \u2013 das ist f\u00fcr mich ein entscheidender Bestandteil von fairem Hundetraining.<\/p>\n<p>2) Deshalb arbeite ich auch nicht, wie in der Mail an mich beschrieben wurde: Ich als Trainer bringe den Hund nicht in eine Situation, in der es recht wahrscheinlich ist, dass er nicht die gew\u00fcnschte Reaktion zeigt. Ich bringe den Hund nicht in eine Situation, in der er einen Fehler macht, um diesen Fehler dann (beispielsweise mit Leinenruck) zu bestrafen. Im Gegenteil: Ich gestalte die Trainingssituation so, dass der Hund m\u00f6glichst viele Erfolge hat, die ich belohnen kann. Hat der Hund nicht innerhalb von wenigen Minuten mehrere Erfolge, so liegt das nicht daran, dass der Hund \u201eschlecht\u201c oder widerwillig ist, sondern daran, dass ich die Trainingssituationen f\u00fcr diesen Hund zu schwer gestaltet habe. Es liegt an mir, die Situation so zu ver\u00e4ndern, dass der Hund schnell Erfolge haben kann.<\/p>\n<p>Erkl\u00e4rt am Beispiel der Leinenf\u00fchrigkeit: Ich bringe dem Hund ein Signal (bespielsweise ein Schnalzger\u00e4usch) bei, welches bedeuten soll: \u201eBleib in meiner N\u00e4he, und zwar in dem Radius, den die Leine hergibt.\u201c Dieses Ger\u00e4usch bringe ich dem Hund zun\u00e4chst \u00fcber klassische Konditionierung bei (Schnalzger\u00e4usch = Leckerchen). Wenn die Konditionierung erfolgreich war, bringe ich dem Hund bei, auf das Schnalzger\u00e4usch hin in meiner N\u00e4he zu bleiben, erst f\u00fcr 2 Schritte, dann f\u00fcr 3 Schritte und so weiter. Der Hund wird daf\u00fcr belohnt, auf das Ger\u00e4usch hin in meiner N\u00e4he zu bleiben. Man kann es sich vorstellen wie eine ganz lasche Form von \u201ebei Fu\u00df\u201c: Der Hund muss nicht genau neben mir gehen, er darf vorne, hinten, rechts oder links gehen, die Leine soll nur locker sein. Ebenso wie beim \u201ebei Fu\u00df\u201c \u00fcbe ich zun\u00e4chst ganz kurze Strecken und baue dann die Dauer des Gehens an lockerer Leine nach und nach aus.<\/p>\n<p>Ich achte darauf, den Hund nicht zu \u00fcberfordern, ich \u00fcbe in kleinen Einheiten, ich pausiere, wenn der Hund m\u00fcde wird, ich lasse ihn zwischendurch flitzen, ausruhen, trinken, je nachdem, was er gerade braucht. Ich warte nicht absichtlich darauf, dass er zieht, um ihn dann zu korrigieren \u2013 wenn er zieht, habe ich einfach zu sp\u00e4t gemerkt, dass er nicht mehr kann.<\/p>\n<p>3) Nehmen wir an, der Hund beherrscht eine Aufgabe eigentlich schon sehr gut, f\u00fchrt sie in einer bestimmten Situation aber nicht aus. Fehlverhalten? Vielleicht. Aber enth\u00e4lt der Ausdruck \u201eFehlverhalten\u201c nicht auch eine Wertung und Anma\u00dfung des Menschen, die einem vertrauensvollen Zusammenarbeiten von Mensch und Hund eher entgegensteht? Es gibt viele Gr\u00fcnde, aus denen der Hund eine Aufgabe nicht ausf\u00fchrt, obwohl er sie eigentlich beherrscht. Der Hund kann beispielsweise eigentlich gut \u201ePlatz\u201c, will sich aber im Winter nicht auf die vereiste Wiese legen. Er kann gut \u201eSitz\u201c, hat aber derzeit Schmerzen im Bewegungsapparat und das Absetzen tut ihm einfach weh. Bei solcherlei Gr\u00fcnden bestehe ich nicht auf dem Kommando, dass ich gegeben habe, sondern \u00e4rgere mich \u00fcber mich selbst, dass es mir passiert ist, meinen Hund in eine solche Lage gebracht zu haben.<\/p>\n<p>Ja, es gibt auch F\u00e4lle, in denen der Hund einfach mehr Lust hat, etwas anderes zu tun, als das, was ich gerade von ihm verlange. Er ist st\u00e4rker motiviert, beispielsweise mit einem anderen Hund zu spielen, als mit mir den Spaziergang fortzusetzen. Das bedeutet wieder eine Herausforderung f\u00fcr mich, mein Training gut zu gestalten: Ich muss eine Motivation finden, die f\u00fcr den Hund so hoch ist, dass er mit mir mitkommt. Das Spielen mit anderen Hunden ist kein Fehlverhalten:) Und es liegt an mir, dem Hund sowohl das Spiel mit anderen Hunden zu erm\u00f6glichen, als auch zu vermitteln, dass manchmal Weitergehen statt Spielen angesagt ist \u2013 und zwar mit positiver Motivation, so, dass es sich f\u00fcr den Hund gut anf\u00fchlt.<\/p>\n<p>4) Es gibt auch Handlungen, die Hunde gerne ausf\u00fchren m\u00f6chten, die wir aber aus verschiedenen Gr\u00fcnden nicht erlauben k\u00f6nnen oder wollen. Ja, wir m\u00fcssen daf\u00fcr sorgen, dass unsere Hunde diese Handlungen nicht ausf\u00fchren. Aber auch hier gibt es nicht nur die M\u00f6glichkeit, das f\u00fcr uns unakzeptable Verhalten zu korrigieren, zu verbieten, zu schimpfen oder zu bestrafen. Mein Leitsatz ist hier \u201eAlternativverhalten anbieten statt Verbot aussprechen.\u201c Ein Beispiel: Wenn mein Hund an einer Stelle buddelt, an der ich es nicht erlauben kann oder will, rufe ich nicht \u201eNein!\u201c oder rucke ihn an der Leine weg, sondern ich fordere ihn freundlich auf, mit mir weiterzugehen. Dieses Weitergehen kann ich dann wiederum belohnen \u2013 ein Verbot kann ich nie belohnen. F\u00fcr ein faires, vertrauensvolles Training halte ich es f\u00fcr zwingend notwendig, dass der Hund immer wieder etwas richtig machen kann und daf\u00fcr auch belohnt wird. Daher ist das Alternativverhalten so wichtig: Ich kann den Hund loben und belohnen, wenn er zu mir kommt oder neben mir herl\u00e4uft, anstatt ein Loch zu buddeln oder ein Reh zu jagen. Ich kann ihn nur schwer f\u00fcr etwas belohnen, was er nicht tut. Die meisten Besitzer und Trainer sind schon allein damit \u00fcberfordert, \u00fcberhaupt zu bemerken, dass der Hund gerade etwas nicht tut, weil es verboten ist! Das \u201ebrave\u201c Verhalten des Hundes wird oft weder registriert noch belohnt. Wenn der Hund dann aber wieder etwas \u201efalsch\u201c macht, wird er korrigiert. In meinem Training ist es genau anders herum: Ich setze meinen Fokus stark darauf, was der Hund richtig macht, und lobe und belohne die richtigen Handlungen immer wieder, so dass sie immer h\u00e4ufiger werden und die unerw\u00fcnschten Handlungen immer seltener.<\/p>\n<p>5) Diese Art des Trainings bedeutet genauso viel Arbeit wie Training, das auf Korrekturen setzt! Dass der Hund angebotenes Alternativverhalten befolgt, setzt voraus, dass die Kommandos, die als Alternativverhalten angeboten werden sollen, vorher ausf\u00fchrlich und unter allm\u00e4hlich steigender, schlie\u00dflich auch sehr starker Ablenkung einge\u00fcbt und gefestigt wurden. Jedes Training erfordert Genauigkeit, Zeit und ein individuelles Abstimmen auf den Hund. Training, das auf positiver Motivation basiert, bildet hier keine Ausnahme. Das Besondere ist aber, dass eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Hund und Besitzer\/Trainer aufgebaut und gefestigt wird, dass der Hund gerne und mit vielen Erfolgen mitarbeitet und dass er Vertrauen darin hat, die ihm gestellten Aufgaben meistern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Marion Elstrodt<br \/>\nHundeschule Hundepartner<br \/>\nHiermit erlaube ich ausdr\u00fccklich, diesen Aufsatz, allerdings nur ungek\u00fcrzt, vollst\u00e4ndig und unter Nennung der Quelle, zu verbreiten, auf anderen Webseiten zu ver\u00f6ffentlichen, auszudrucken oder zu verteilen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der folgende Artikel wurde mir freundlicherweise von Marion Elstrod\u00a0\u00a0http:\/\/www.hundepartner-remscheid.de\/ zur Verf\u00fcgung gestellt. 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