{"id":516,"date":"2014-04-14T13:04:07","date_gmt":"2014-04-14T11:04:07","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=516"},"modified":"2017-07-04T10:14:16","modified_gmt":"2017-07-04T08:14:16","slug":"offener-brief-an-sophie-strodtbeck-in-zweifel-fur-den-hund-mensch-hund-beziehung-lebenslanglich-artikel-von-sophie-strodtbeck-wuff-052014","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=516","title":{"rendered":"Offener Brief an Sophie Strodtbeck: &#8222;In Zweifel f\u00fcr den Hund &#8211; Mensch-Hund-Beziehung Lebensl\u00e4nglich?&#8220; Artikel von Sophie Strodtbeck WUFF 05\/2014"},"content":{"rendered":"<p>Artikel von Sophie Strodtbeck WUFF 05\/2014<\/p>\n<p>Sehr geehrte Frau Strodtbeck,<\/p>\n<p>in Ihrem Artikel &#8222;In Zweifel f\u00fcr den Hund &#8211; Mensch-Hund-Beziehung Lebensl\u00e4nglich?&#8220; in der Ausgabe 05\/2014 der Zeitschrift WUFF erkl\u00e4ren Sie sehr nachvollziehbar, da\u00df es durchaus Situationen im Leben eines Menschen gibt, in denen er sich f\u00fcr die Abgabe eines Hundes entscheiden mu\u00df. Diese Entscheidung f\u00e4llt einem nat\u00fcrlich extrem schwer, so man seinen Hund liebt und an ihm h\u00e4ngt, trotzdem kann sie durchaus im Sinne des Hundes sein. Soweit stimme ich mit Ihnen vollkommen \u00fcberein.<\/p>\n<p>W\u00e4re da nicht diese Aussage im letzten Absatz des Artikels, die alles andere, was Sie vorab zu dem Thema schreiben, nicht nur entwertet, sondern auch dar\u00fcber hinaus denen, die Hunde mal so eben abschieben, wunderbare Argumente in die Hand gibt. Die Kernstelle lautet: &#8220; Hunde sind Opportunisten. Solange auch anderswo das Entertainmentprogramm stimmt, der Napf gef\u00fcllt ist und sich ein Mensch um die Bed\u00fcrfnisse k\u00fcmmert, leben sich die meisten Hunde sehr schnell ein &#8230;&#8230;&#8230;.. Die gr\u00f6\u00dferen Probleme hat in der Regel der Mensch.&#8220; Ach, wirklich?<\/p>\n<p>Wenn das so ist, dann ist das ja wirklich praktisch. Dann m\u00fcssen wir uns ja keine Sorgen mehr machen, wenn so ein Fall eintritt. Ja, wir alle k\u00f6nnen in diese Situation kommen und nicht immer ist es m\u00f6glich, so vorzusorgen, da\u00df f\u00fcr den Hund alles so optimal wie nur m\u00f6glich weiterl\u00e4uft. Aber diese Aussage best\u00e4tigt vor allem: entweder haben Sie keine Ahnung, wovon Sie sprechen &#8211; und wozu Sie sich ausf\u00fchrlich in einer Hundezeitschrift als &#8222;Expertin&#8220; \u00e4u\u00dfern &#8211; oder es ist Ihnen vollkommen egal. Denn wenn das wahr ist, was Sie behaupten, dann erkl\u00e4ren Sie doch einmal, warum man folgende Ma\u00dfnahmen beachten mu\u00df, so man einen Hund aus 2. Hand \u00fcbernimmt: die ersten Wochen sollte man den Hund nicht von der Leine lassen, man sollte gut darauf achten, da\u00df er gen\u00fcgend Zeit bekommt, sich in Ruhe an sein neues Zuhause und (!) die neuen Menschen zu gew\u00f6hnen, bei vielen Hunden trifft man sogar die Vorsichtsma\u00dfnahme, da\u00df sie permanent die ersten Wochen eine Leine am Brustgeschirr \/ Halsband befestigt haben, damit man sie gar nicht erst anfassen mu\u00df. Warum h\u00f6rt man dann so h\u00e4ufig von Hunden, die nicht fressen wollen, vor allem Angst haben, obwohl sie bislang definitiv nicht \u00e4ngstlich waren? Warum fangen gerade solche Hunde sehr h\u00e4ufig an, ihre neue Bezugsperson extrem zu bewachen? Weil das Entertainmentprogramm nicht stimmt? Oder vielleicht eher, weil sie Angst davor haben, da\u00df sich die Sache wiederholt? Warum ist es nicht ratsam, die &#8222;alten&#8220; Besitzer auf Besuch kommen zu lassen? Schon mal was davon geh\u00f6rt, da\u00df das f\u00fcr die Hunde ein gro\u00dfes Problem werden kann? Wenn das alles so easy ist, warum leiden dann gerade Hunde aus 2. Hand so h\u00e4ufig an Trennungsangst? Weil der Napf nicht voll genug ist?<\/p>\n<p>Meine Freundin bekam vor einigen Jahren eine kleine H\u00fcndin von einer alten Dame, die ihren Liebling aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden abgab. Ich kann Ihnen versichern, da\u00df sich die \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nde dieser H\u00fcndin extrem verbesserten. Aus einer 2-Zimmer-Wohnung im 3. Stock in der Gro\u00dfstadt kam sie auf ein ca. 2 Hektar (20.000 Quadratmeter) gro\u00dfes Grundst\u00fcck mit Wald und Wiese, mit Buddelgelegenheiten und einer T\u00fcr, die den ganzen Tag nach drau\u00dfen offenstand. Aus 3 kleinen Runden um den Block wurden zwei: eine kleine Morgenrunde und eine ausf\u00fchrliche von mindestens einer Stunde. Aus Fertigfutter aus dem Sack wurde Frischfleisch. Aus hundlichen Zufallsbekanntschaften an der Leine wurden freundliche Hundegef\u00e4hrten im Haus&#8230;.. Trotzdem war diese kleine Maus \u00fcber Monate hinweg sehr ungl\u00fccklich. \u00dcber drei Monate lang kam sie jeden Abend ins Bett und wickelte sich mit affenartiger Geschwindigkeit in die Bettdecke ein, egal wie warm es drau\u00dfen war, so da\u00df meine Freundin dachte, sie m\u00fc\u00dfte da eigentlich mal ersticken. So niedlich das ausgesehen haben mag: es war eine reine Verzweiflungstat, die kleine H\u00fcndin wollte nichts mehr h\u00f6ren und sehen. Noch wochenlang sah sie immer wieder an der Stelle nach, wo ihr Frauchen verschwunden war, in ihrer Verzweiflung begann sie Holz zu fressen, wenn Frauchen wieder nicht kam, um sie abzuholen. Vielleicht verdeutlicht folgende Rechnung, was hier vor sich ging: das panische Einwickeln in die Decke dauerte 3 Monate. Geht man davon aus, da\u00df ein Hund ca. 12, ein Mensch aber 84 Jahre alt wird, bedeutet das hochgerechnet auf die Lebenserwartungeines Menschen, da\u00df ein Mensch 1 Jahr und 9 Monate extrem trauern m\u00fc\u00dfte. Was meinen Sie, Frau Strodtbeck? Ist das realistisch, da\u00df Menschen so lange und so intensiv um einen geliebten Partner trauern? Jeder von uns hat schon mal so einen Verlust erlebt, aber ich kenne niemanden &#8211; mich eingeschlossen -, der zu einer so extremen Trauer in der Lage war.<\/p>\n<p>Solche Geschichten kann ich Ihnen im Dutzend erz\u00e4hlen, denn ich arbeite seit \u00fcber zehn Jahren als Trainerin und erlebe solche Dinge immer und immer wieder. Was bitte sch\u00f6n sollen denn Hunde Ihrer Ansicht nach machen, damit Blinde wie Sie erkennen k\u00f6nnen, da\u00df sie leiden? Einen Antrag auf Psychotherapie stellen? Oder tun sie das nur nicht, weil sie ja Opportunisten sind? Was soll so ein Hund denn machen, er wird ja gar nicht gefragt, ob er mit der Entscheidung einverstanden ist. Oder kennen Sie ein Beispiel, wo ein Hund gefragt und dann nach seinen Vorstellungen entschieden wurde? Was bedeutet das denn, da\u00df Hunde &#8222;Opportunisten&#8220; sind? Da\u00df ihnen sowieso alles egal ist, Hauptsache der Napf ist voll? Strecken Sie sich nicht nach der Decke, wenn Umst\u00e4nde eintreten, die Sie definitiv nicht beeinflussen k\u00f6nnen? Ja, tun Sie das? Dann sind Sie eine Opportunistin und das ist nicht gerade ein Kompliment f\u00fcr Sie. Schon mal von der Seite betrachtet?<\/p>\n<p>F\u00fcr den Fall, da\u00df Sie mir nicht glauben, da\u00df es so einfach auch wieder nicht ist, sollten Sie sich mal mit neuen, neurophysiologischen Erkenntnissen befassen, die schlicht und ergreifend beweisen, da\u00df Hunde &#8211; und nicht nur sie &#8211; die gleichen Gef\u00fchle wie Menschen haben. Sonst w\u00e4re es auch kaum m\u00f6glich, mit Hunden in so inniger Gemeinschaft zusammen zu leben, wie wir das tun. Dann k\u00f6nnten wir nicht erwarten, da\u00df Hunde eine Bindung aufbauen, da\u00df sie uns lieben und uns treu sind, da\u00df sie mit uns f\u00fchlen, wenn es uns schlecht geht, und mit uns gl\u00fccklich sind in guten Zeiten. Einen entscheidenden Unterschied zwischen Hunden und Menschen gibt es allerdings: Hunde denken nicht, sie seien die Krone der Sch\u00f6pfung und h\u00e4tten die Rechte an Gef\u00fchlen gepachtet, die sie anderen nicht zugestehen.<\/p>\n<p>Ihre Aussage kommt mir vor, wie das, was man von strafenden Eltern gerne h\u00f6rt: mir tut das viel mehr wert wie dir, und wenn ich dich jetzt schlagen mu\u00df, ist das f\u00fcr mich viel schlimmer. Nee, iss klar, die Schmerzen, die ich nicht sp\u00fcre, k\u00f6nnen nicht vorhanden sein. Total logisch. Und mit Gef\u00fchlen ist das ganz genauso.<\/p>\n<p>Wenn Sie, Frau Strodtbeck, Ihre derzeit unerfreuliche Situation \u00f6ffentlich in der WUFF bew\u00e4ltigen m\u00fcssen, ist das Ihre Sache. Man mu\u00df das nicht lesen, wenn man das nicht m\u00f6chte. Aber wenn Sie das tun, entbindet Sie das nicht von der Verantwortung, daran zu denken, welche Folgen Ihre Aussagen haben k\u00f6nnen. Was meinen Sie, wieviele Menschen Ihren Artikel dazu ben\u00fctzen werden, um Hunde abzuschieben? Schlie\u00dflich sagen Sie ja ganz klar, da\u00df das den Hunden in der Regel gar nicht so viel ausmacht. Wie war das doch gleich mit den Allergien gegen Hundehaare, die erstaunlicherweise immer dann auftauchen, wenn es Probleme mit den pubertierenden Hunden gibt? Ebenso kann jetzt jemand auch rechtfertigen, da\u00df er seinen Hund in Zwingerhaltung abgibt, es mu\u00df eben nur gew\u00e4hrleistet sein, was Sie in Ihrem Artikel so sch\u00f6n ausgef\u00fchrt haben, oder?<\/p>\n<p>Ich habe lange hin und her \u00fcberlegt, ob ich diesen Brief schreiben soll. Aber da ich aktuell wieder viel mit Hunden zu tun habe, die abgeben wurden, wollte ich diese Aussage nicht einfach unwidersprochen hinnehmen.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<br \/>\nUte Rott<\/p>\n<p>Hundetrainerin \/ Verhaltenstherapeutin<br \/>\nMitglied im Fachkreis Gewaltfreies Hundetraining<br \/>\nHundeschule Forsthaus Metzelthin<br \/>\nMetzelthin 22<br \/>\n17268 Templin<br \/>\nwww.forsthaus-metzelthin.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Artikel von Sophie Strodtbeck WUFF 05\/2014 Sehr geehrte Frau Strodtbeck, in Ihrem Artikel &#8222;In Zweifel f\u00fcr den Hund &#8211; Mensch-Hund-Beziehung Lebensl\u00e4nglich?&#8220; in der Ausgabe 05\/2014 der Zeitschrift WUFF erkl\u00e4ren Sie sehr nachvollziehbar, da\u00df es durchaus Situationen im Leben eines Menschen &hellip; <a href=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=516\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[61,161,229,333,82,371],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/516"}],"collection":[{"href":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=516"}],"version-history":[{"count":7,"href":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/516\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1640,"href":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/516\/revisions\/1640"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=516"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=516"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=516"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}