{"id":462,"date":"2014-01-23T16:49:11","date_gmt":"2014-01-23T15:49:11","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=462"},"modified":"2014-01-23T16:49:11","modified_gmt":"2014-01-23T15:49:11","slug":"warum-hunde-probleme-kriegen-wenn-menschen-keine-zeit-haben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=462","title":{"rendered":"Warum Hunde Probleme kriegen, wenn Menschen keine Zeit haben"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\">Ute Rott<br \/>\nForsthaus Metzelthin<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/a88e65b92bfe5f097214a437c93cea1e.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-477\" title=\"M\u00e4xchen 019\" src=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/a88e65b92bfe5f097214a437c93cea1e-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/a88e65b92bfe5f097214a437c93cea1e-300x225.jpg 300w, http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/a88e65b92bfe5f097214a437c93cea1e-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Hin und wieder unternehmen M\u00e4xchen und ich Spazierg\u00e4nge in Templin. \u00a0Er hat ein Problem mit Autoverkehr, besonders Engstellen wie Tordurchfahrten oder Br\u00fccken findet er schwierig. Also verbinden wir irgendwelche Besorgungen und Trainings mit Stadttraining f\u00fcr M\u00e4xchen. Er macht schon gute Fortschritte und Strecken, f\u00fcr die wir am Anfang mindestens 45 Minuten ben\u00f6tigten, weil eben z.B. die \u00dcberquerung der Schleusenbr\u00fccke allein schon 10 Minuten dauerte, gehen wir jetzt locker in einer halben Stunde. Zudem war jede Hundebegegnung in der Stadt f\u00fcr ihn eine gro\u00dfe Herausforderung. Aber auch das ist schon richtig gut. Alles was ihn beunruhigt &#8211; egal ob LKW oder Hund oder Mensch im Rollstuhl &#8211; er gibt mir sofort Bescheid, wir bleiben in angemessener Entfernung stehen, so da\u00df er sich in aller Ruhe versichern kann, da\u00df alles ungef\u00e4hrlich ist. Er wird ausf\u00fchrlich f\u00fcr ruhiges Hinsehen gelobt und belohnt und wird immer sicherer. Wir lassen uns viel Zeit und kriegen das gut hin.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Beim letzten Spaziergang hatten wir eine unangenehme Begegnung, eigentlich nur ich, denn M\u00e4xchen war&#8217;s egal. Wir hatten gerade die Schleusenbr\u00fccke erfolgreich hinter uns gebracht, als auf der anderen Stra\u00dfenseite eine Frau mit einem Beagle entgegen kam. Der Hund hatte ein schwarzes Halsband um und daran war eine Leine befestigt. Er ging mit hoch erhobenem Kopf exakt neben ihr her, sah nicht rechts und nicht links, immer nur geradeaus. Er schn\u00fcffelte nirgends, weder an Ecken, noch M\u00fclleimern oder den B\u00e4umen, die dort standen, er lief wie ein kleiner Roboter. Diesen Hund und sein Frauchen kenne ich. Ich bog ab, um das nicht l\u00e4nger mit ansehen zu m\u00fcssen, denn ich wei\u00df, was da abl\u00e4uft.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Frau war mit ihm bei mir, als er noch ein Welpe war. Ich bin bekennender Beaglefan, denn diese Hunde sind so nett und freundlich, so lustig und kreativ, da\u00df es eine wahre Freude ist, mit ihnen zu arbeiten. Wenn ein Beaglechen bei uns aufschlagen w\u00fcrde, h\u00e4tte ich nix dagegen. Nur landen sie oft bei den falschen Menschen, wahrscheinlich weil sie so niedlich aussehen. Diese Frau wollte, da\u00df ihr Hund alles immer ganz genau so macht, wie sie es sich jetzt sofort vorstellt. Auch sekundenweise waren keine Verz\u00f6gerungen erlaubt. Au\u00dferdem war alles, was sie sich einbildete, ganz sicher immer und \u00fcberall das Beste f\u00fcr ihren Hund. Das leiseste Abschweifen an der Leine nach links oder rechts war ein Schwerverbrechen, ebenso die minimalste Verz\u00f6gerung beim Abrufen&#8230;&#8230; Ich mu\u00df das hier nicht l\u00e4nger ausf\u00fchren: nach 5 Stunden war das Training zu Ende, denn so wie ich mir das vorstelle, das war nix f\u00fcr sie. Und dann ging sie zum \u00f6rtlichen Hundeverein.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das n\u00e4chste Mal traf ich die beiden ca. ein Jahr sp\u00e4ter. Er trug das besagte schwarze Halsband, das innen Stacheln hat, mit Halsband sieht&#8217;s halt netter aus als ein &#8222;echter&#8220; Stachelw\u00fcrger. F\u00fcr den Hund bleibts gleich, ob er mit oder ohne Tarnung gew\u00fcrgt wird. Aus einem netten, freundlichen Welpen war ein unsicherer und sozial vollkommen unvertr\u00e4glicher Jungr\u00fcde geworden. Stolz wurde mir demonstriert, wie er locker mittels Leinenruck daran gehindert wurde, vorbeigehende Hunde anzup\u00f6beln. Ich habe damals zugesehen, diese unerfreuliche Begegnung zu beenden, denn ich mu\u00df mir das nicht antun und dem Hund konnte ich leider nicht helfen, die Frau ist vollkommen beratungsrestistent. Ihr Hauptproblem zu der Zeit war: er ist einfach zu dominant, im Verein sagen sie das auch. Was der Hund f\u00fcr Probleme hatte, war nicht mal am Rande von Bedeutung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Dominanzproblem hatte sie jetzt wohl ein f\u00fcr alle Mal gel\u00f6st, denn dieser Hund bewegte sich nicht mehr wie ein normaler Hund sondern wie eine gut ge\u00f6lte Maschine. Und alles nur, weil Frauchen keine Zeit und keine Lust hat, mal kurz stehen zu bleiben. Und weil sie keine Zeit und keine Lust hat, sich mit den Bed\u00fcrfnissen von Hunden zu befassen. Und weil sie keine Zeit und keine Lust hat, hin und wieder ihre Bed\u00fcrfnisse hintanzustellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Versetzen Sie sich mal in seine Lage. Stellen Sie sich vor, Sie werden bei allem, was Sie gerne tun m\u00f6chten oder auch tun m\u00fcssen (!), z.B. pinkeln und kacken, per schmerzhaftem Ruck am Hals gehindert, denn das ist nur erlaubt, wo ihr &#8222;Menschenf\u00fchrer&#8220; es gestattet. Sozialkontakte sind so gut wie unm\u00f6glich, da auch hier immer der Schmerz am Hals ins Spiel kommt, Sie werden also unleidlich gegen\u00fcber allen Menschen, die sich Ihnen n\u00e4hern. Jede Abschweifung vom Weg, z.B. um mal ein Plakat zu lesen oder ein Schaufenster n\u00e4her zu begutachten, wird ebenfalls durch schmerzhaftes Rucken verhindert. Das Einzige, was Sie d\u00fcrfen und was auch dadurch &#8222;belohnt&#8220; wird, da\u00df es nicht wehtut, ist geradeaus laufen in exakt definiertem Abstand von dem, der Sie f\u00fchrt. Glauben Sie ernsthaft, da\u00df das Lebensfreude, Selbstvertrauen und Selbstst\u00e4ndigkeit f\u00f6rdert? Vermutlich eher nicht. K\u00f6nnen Sie sich vorstellen, da\u00df Sie als depressives Schattenwesen durch die Welt schleichen? Vielleicht neigen Sie pers\u00f6nlich ja auch dazu, eher unfreundlich und aggressiv zu werden, aber Beagle, das kann ich Ihnen versichern, nicht. Die werden immer stiller und trauriger, deren Augen sind nur noch tr\u00fcbe Kn\u00f6pfe im Kopf, das ist kein Leben mehr in diesen Hunden, nur noch der Gedanke: alles geht vor\u00fcber &#8211; hoffentlich bald.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was glauben Sie, warum z.B. so viele Goldies durchs Leben wie eine wandelnde Schlaftablette taumeln? Genau aus diesem Grund: sie sind depressiv. Wenn einem alles verboten wird, warum sollte man dann Spa\u00df am Leben haben? Freude am Leben kann man nur empfinden, wenn man auch mal selber aktiv werden kann und darf. Das eigentliche Problem dieser Hunde ist, da\u00df viele Menschen sie aber als ganz besonders angenehm empfinden. Der entsprechende Satz dazu lautet: dieser Hund ist so brav, man merkt gar nicht da\u00df er da ist. Ja, um Himmelswillen, wozu brauche ich einen Hund, wenn ich ihn nicht bemerke? Ich heirate doch auch nicht den Mann, der mir am wenigsten auff\u00e4llt? Oder vielleicht doch eher den, der am wenigsten Dreck macht? Oder nach welchen Kriterien w\u00e4hlen Sie sich Ihre Lebenspartner und Freunde aus?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Jetzt gibt es viele Zeitgenossen, die leugnen, da\u00df Hunde psychische Probleme bekommen k\u00f6nnen. Depressionen bei Hunde, was soll das denn! Viele Menschen sind auch fest davon \u00fcberzeugt, da\u00df ein Hund sich einfach wohlf\u00fchlt, weil er bei einem Menschen ist. Es wird nicht hinterfragt, ob er das tats\u00e4chlich m\u00f6chte und gut findet, nur die Tatsache, da\u00df er bei einem Menschen lebt, reicht. Reicht Ihnen zum Gl\u00fccklichsein die Anwesenheit irgendeines beliebigen Menschen? Auch wenn Sie ihn sich nicht ausgesucht haben? Und noch dazu, wenn dieser Mensch nicht besonders nett mit Ihnen umgeht? Mir nicht und ich kenne niemanden, der das bejahen w\u00fcrde. Und bei Hunden soll das anders sein?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wer meint, Hunde seien einfach so per se gl\u00fccklich und zufrieden, nur weil sie &#8211; welch gro\u00dfartige Leistung &#8211; 2x t\u00e4glich gef\u00fcttert und regelm\u00e4\u00dfig spazieren gef\u00fchrt werden und weil man ihnen schlie\u00dflich exakten Gehorsam beigebracht hat, hat sich nicht mit folgender Tatsache auseinandergesetzt: Viele psychische Probleme und die entsprechenden Psychopharmaka wurden an Hunden getestet, immer mit dem Ziel, z.B. depressiven Menschen helfen zu k\u00f6nnen. Die Hunde wurden, z.B. durch die Anwendung von Stromschl\u00e4gen in Zust\u00e4nde versetzt, die man als depressiv definiert und dann mit entsprechenden Medikamentengaben wieder &#8222;geheilt&#8220; hat. Ich m\u00f6chte hier nicht auf die Widersinnigkeit und Unmenschlichkeit solcher Versuche eingehen, aber offensichtlich waren sie erfolgreich. Es gibt jedenfalls Antidepressiva, die auf Grundlage solcher Versuche getestet wurden. Wenn man aber nach grausamen Laborversuchen Hunde als depressiv bezeichnen kann, warum dann nicht, wenn sie mit grausamen Methoden erfolgreich zum Roboterdasein reduziert wurden?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a0Hunde suchen sich das Leben bei uns nicht aus. Sie betteln nicht darum, von uns aufgenommen zu werden, aber sie k\u00f6nnen bei uns ein gutes und gl\u00fcckliches Leben f\u00fchren, \u00a0wenn wir uns f\u00fcr sie Zeit nehmen:<br \/>\nZeit, sie zu verstehen<br \/>\nZeit, uns gut zu \u00fcberlegen, was sie wirklich f\u00fcr das Leben mit uns brauchen<br \/>\nZeit, ihnen das freundlich nahe zu bringen<br \/>\nZeit, die wir ihnen lassen, um das verstehen und umsetzen zu k\u00f6nnen<br \/>\nund schlie\u00dflich Zeit, mit ihnen ruhig und gelassen durchs Leben zu gehen und ihnen wahre Freunde und Partner zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/1089bd3816eb91af3aa5e00b3d23405a.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" title=\"M\u00e4xchen 001\" src=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/1089bd3816eb91af3aa5e00b3d23405a-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ute Rott Forsthaus Metzelthin Hin und wieder unternehmen M\u00e4xchen und ich Spazierg\u00e4nge in Templin. \u00a0Er hat ein Problem mit Autoverkehr, besonders Engstellen wie Tordurchfahrten oder Br\u00fccken findet er schwierig. 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