{"id":358,"date":"2013-09-02T18:34:20","date_gmt":"2013-09-02T16:34:20","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=358"},"modified":"2013-09-02T20:23:26","modified_gmt":"2013-09-02T18:23:26","slug":"die-leine-ein-stuck-freiheit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=358","title":{"rendered":"Die Leine = ein St\u00fcck Freiheit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\">von Ute Rott &#8211; Forsthaus Metzelthin<\/p>\n<p>Wenn fr\u00fcher ein Hund Probleme mit der Leine hatte, dachte man zuerst daran, dass er damit geschlagen worden war. Nachdem das heute wirklich nur noch sehr wenige Menschen tun, weil eigentlich (fast) jeder wei\u00df, dass man Hunde nicht schl\u00e4gt und schon gar nicht mit der Leine, f\u00e4llt das eigentlich weg. Aber sehr viele Hunde haben Probleme mit der Leine. Sie lassen sich nicht gerne anleinen, sie ziehen wie nix Gutes, sie wollen gar nicht erst herankommen, wenn sie merken, dass sie angeleint werden sollen&#8230;.. Das muss doch Ursachen haben.<\/p>\n<p>Und es gibt jede Menge Ursachen. \u00a0Eine davon m\u00f6chte ich hier mal ein bi\u00dfchen genauer ansehen: die angebliche Freiheitsberaubung durch die Leine.<\/p>\n<p>Vor einigen Jahren hatte ich einmal eine sehr nette Familie mit einem sehr freundlichen Labradorr\u00fcden zum Grundgehorsamstraining bei mir. Eigentlich lief alles sehr gut &#8211; bis auf die Leinenf\u00fchrigkeit. Wir f\u00fchrten endlose Diskussionen, warum und wann und ob \u00fcberhaupt ein Hund an der Leine laufen m\u00fcsse. \u00a0Denn &#8211; so war vor allem die Argumentation des Vaters &#8211; man wolle dem Hund doch jede nur erdenkliche Freiheit gew\u00e4hren. Nachdem ich ihm einmal die m\u00f6glichen Gefahren erl\u00e4utert hatte, die einem freilaufenden Hund in manchen Gegenden drohen k\u00f6nnen, kam er beim n\u00e4chsten Mal wieder und fragte nach, ob ich einen direkten Draht zum lieben Gott h\u00e4tte. Passiert war folgendes: nach dem Training gingen sie unterwegs noch eine halbe Stunde im Wald spazieren und der Hund sprang wie \u00fcblich immer mal wieder ein paar Meter in den Wald. Und irgendwann passierte es: unmittelbar vor ihm sprang ein Reh auf. Zum Gl\u00fcck war er so verdattert, dass er stehen blieb. Am n\u00e4chsten Morgen lie\u00df der Vater den Hund wie jeden Fr\u00fch raus in den Garten. Es war Januar und fr\u00fch um halb sieben noch dunkel. Was er nicht sehen konnte: der Besuch hatte am Abend vorher das Gartentor nicht richtig zu gemacht und der Labi lief fr\u00f6hlich auf die Stra\u00dfe, um die Gegend zu erkunden, so wie er es schon oft getan hatte. Der Vater lief hinterher und sah seinen Hund nur noch als Silhouette im Scheinwerferlicht des Schneepflugs. Auch jetzt hatte er wieder Gl\u00fcck, denn der Schneepflug fuhr langsam und blieb stehen und der Hund kam sofort auf Zuruf zu ihm und ging mit ihm zur\u00fcck auf den Hof.<\/p>\n<p>Keine Frage &#8211; dieser Hund lernte ab sofort, dass es Momente gibt ihm Leben, da bleibt man an der Leine, bzw. das Gartentor wurde abends immer kontrolliert und es gab \u00a0keine unkontrollierten Alleing\u00e4nge im Wohngebiet mehr.<\/p>\n<p>Ja, es stimmt. Wenn Hunde einfach so frei und unbeschwert ohne Leine rumlaufen k\u00f6nnten, h\u00e4tten sie ein freieres und sch\u00f6neres Leben. Dar\u00fcber m\u00fcssen wir nicht diskutieren. Aber solche Freiheiten sind in unserer modernen Welt nur noch in wenigen Gegenden m\u00f6glich. Viele Gemeinde und St\u00e4dte schreiben uns ganz genau vor, wo die Hunde frei laufen d\u00fcrfen und wo eben nicht. Aber es gibt auch viele Situationen, in denen man schon aus R\u00fccksicht auf die Umwelt und auf den eigenen Hund die Leine einhakt. \u00dcberall im Stra\u00dfenverkehr geh\u00f6ren Hunde angeh\u00e4ngt, denn sollte etwas passieren &#8211; dem eigenen Hund, anderen Tieren oder Menschen &#8211; , macht man sich nicht nur lebenslang Vorw\u00fcrfe, sondern der verletzte und \/ oder tote Hund ist derma\u00dfen freiheitsberaubt, wie es schlimmer nicht geht. Und &#8211; nicht zu vergessen &#8211; wenn ein unangeleinter Hund die Ursache f\u00fcr einen Unfall ist, zahlt keine Haftpflichtversicherung.<\/p>\n<p>Wer es vers\u00e4umt, seinem jungen Hund die Leine als angenehmes Zubeh\u00f6r zu vermitteln, denkt nicht wirklich \u00fcber die Folgen nach. Klar rennt einem der Welpe erstmal \u00fcberallhin nach und traut sich ohne Mama und Papa nicht in den Wald und auf den Acker. Er wird sich bei Erkundungen auch immer r\u00fcckversichern, ob mensch noch da ist. Aber je \u00e4lter und selbstsicherer er wird, um so weiter geht er weg, um so mehr m\u00f6chte er selbst\u00e4ndig erkunden, umso weniger schaut er auf uns. Und sp\u00e4testens dann f\u00e4ngt man mit dem Leinentraining an oder &#8211; und das ist \u00a0keine gute Alternative &#8211; man versucht eine richtiges oder modifiziertes Bei-Fu\u00df-Gehen zu trainieren. Das bedeutet aber, dass die Leine zur Strafe wird, bzw. dass mit viel Druck der Hund gezwungen wird, ohne Leine in unserer N\u00e4he zu bleiben.<\/p>\n<p>Warum Druck, wenn er doch &#8222;frei&#8220; l\u00e4uft? Und noch dazu kann man das doch positiv best\u00e4tigen? Ja, kann man. Aber auch das netteste Training baut Druck auf, wenn man permanent \u00fcber die Einhaltung eines Kommandos wachen muss, z.B. bleib in meinem unmittelbaren Umkreis. Denn f\u00fcr Hunde ist das etwas vollkommen unnormales. Eine Leine auch, stimmt. Aber wenn ich einen Hund an der Leine habe, f\u00fchle ich mich sicherer, bin nicht gezwungen, ihn st\u00e4ndig zu \u00fcberwachen, er ist ja automatisch in meiner N\u00e4he. Und ich kann ihm ganz einfach und unkompliziert beibringen, da\u00df die Leine eine gewisse Reichweite hat, innerhalb derer er pinkeln, kacken, schn\u00fcffeln und auch Hundekontakt haben kann.<\/p>\n<p>Die Leine sch\u00fctzt aber in vielen Bereichen auch andere vor meinem Hund. Denn wenn ich einen sehr netten und kommunikativen Hund habe, der mit allen Hunden spielen m\u00f6chte, dann st\u00f6\u00dft das beim Gegen\u00fcber nicht immer auf Gegenliebe. Ganz im Gegenteil. Der andere kann krank sein, er kann alt sein oder hat einfach so keine Lust auf Hunde, er kann schlechte Erfahrungen gemacht haben und m\u00f6chte Hunden ausweichen, reagiert vielleicht sogar auf Ann\u00e4herungen unfreundlich bis aggressiv, darauf sollten wir R\u00fccksicht nehmen. Oder umgekehrt: wenn mein Hunde andere Hunde nicht so toll findet und vielleicht unfreundlich auf sie reagiert, muss ich ebenfalls daf\u00fcr sorgen, dass er nicht einfach auf jeden losgehen kann. Solange ich das noch nicht im Griff habe, ist Leinenpflicht angesagt und auch wenn gelernt hat auszuweichen, sind wir auf der sicheren Seite, wenn er in der entsprechenden Umgebung angeleint ist. Und das bedeutet: hin und wieder muss unser Bello an die Leine. Wenn wir das richtig ein\u00fcben, hat er damit kein Problem.<\/p>\n<p>Mein M\u00e4xchen l\u00e4uft sehr viel an der Leine, weil er jagt wie die Seuche. Falls ein Hase, Reh, Damhirsch oder was \u00e4hnliches in seiner N\u00e4he auftaucht &#8211; selbst wenn er so ein Tier nur riecht -, w\u00fcrde er ohne Leine sofort abzischen. Ohne Leine k\u00f6nnten wir nicht spazierengehen und auch nicht an diesem Thema arbeiten. Das tun wir aber seit einiger Zeit sehr erfolgreich mit dem Ergebnis, da\u00df die leinenlosen Abschnitte auf den Spazierg\u00e4ngen allm\u00e4hlich zunehmen. Die Leine ist also nicht nur das Symbol f\u00fcr einen netten Spaziergang mit Frauchen, die Leine ist auch ein St\u00fcck Freiheit und Sicherheit, Sicherheit f\u00fcr den Hund und f\u00fcr seine Umgebung. Es geht heute nicht mehr anders.<\/p>\n<p>Zum Schluss m\u00f6chte ich nochmal auf meine Familie mit ihrem Labi zur\u00fcckkommen. Mir war sehr schnell klar, warum der Vater seinem Hund soviel Freiheit wie m\u00f6glich zugestehen wollte, denn er selber hatte einen extrem anstrengenden Beruf mit langen Arbeitszeiten. Sein Hund sollte deshalb so wenig Einschr\u00e4nkungen wie m\u00f6glich erfahren. Eigentlich ein sch\u00f6nes Motiv. Nur leider nicht wirklich durchf\u00fchrbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Ute Rott &#8211; Forsthaus Metzelthin Wenn fr\u00fcher ein Hund Probleme mit der Leine hatte, dachte man zuerst daran, dass er damit geschlagen worden war. 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