{"id":304,"date":"2013-06-02T11:38:54","date_gmt":"2013-06-02T09:38:54","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=304"},"modified":"2013-06-02T19:00:43","modified_gmt":"2013-06-02T17:00:43","slug":"anleitung-fur-alle-die-mit-hunden-flustern-und-tanzen-mochten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=304","title":{"rendered":"Anleitung f\u00fcr alle, die mit Hunden fl\u00fcstern und tanzen m\u00f6chten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\">von Ute Rott \u2013 Forsthaus Metzelthin<\/p>\n<p>Einfach mit Hunden zu leben ist nicht mehr angesagt. Man mu\u00df sich schon irgendwie aus der Masse hervorheben und richtig gut ist es, wenn man andere dann mit seinen Ideen begl\u00fccken kann. Das geht relativ einfach. Hier k\u00f6nnen Sie nachlesen, wie Sie das ganz locker hinkriegen.<\/p>\n<p>Man nehme die eigene Biografie, konstruiere aus &#8211; eigentlich &#8211; ganz gew\u00f6hnlichen Hundebeziehungen eine f\u00fcr andere ausgefallene Beziehung und daraus die einmalig supertolle und nur bei mir erh\u00e4ltliche Methode im Umgang mit Hunden. Das kann etwa die eigene Herkunft aus einem Land sein, in dem mit Hunden eher kernig umgegangen, also nicht viel Federlesens gemacht wird, das kann aber auch die Aussteigerkarriere sein, die einen in irgendeinem abgelegenen, weltfremden Dorf mit Hunden zusammengebracht hat, deren Leben mit dem Hundeleben z.B. in einer deutschen Gro\u00dfstadt nicht viel zu tun hat. Irgendwelche Grundkenntnisse allgemeinerer Art wie z.B. \u00fcber Ausdrucks-, Sozial- oder Aggressionsverhalten oder gar Beschwichtigungssignale sind nicht zwingend erforderlich. Ebenso mu\u00df man nicht mal ansatzweise genauere Kenntnisse von rassetypischen Eigenschaften vorweisen k\u00f6nnen, denn man selber ist so supergut und offen um Umgang mit Hunden, da\u00df die einem eh alles erz\u00e4hlen. Wozu mu\u00df ich da den Unterschied zwischen einem Jagd- und einem H\u00fctehund kennen?<\/p>\n<p>Ganz gut ist auch noch, wenn man pauschal behauptet, man h\u00e4tte &#8222;Hundepsychologie&#8220; studiert. Die zugeh\u00f6rige Uni mu\u00df man nicht angeben. D\u00fcrfte vermutlich schwer fallen, da es die meiner bescheidenen Kenntnis nach auch nicht gibt. Fortbildungen sind sowieso \u00fcberfl\u00fcssig, selber ist man so \u00fcberragend, da\u00df der Rest der Welt zu mir kommen mu\u00df, nicht ich anderen &#8211; angeblichen &#8211; Fachleuten nachlaufen mu\u00df.<\/p>\n<p>Dann ist von gro\u00dfem Vorteil, wenn man omin\u00f6se Promis zitiert, die man aber nicht beim Namen nennen m\u00f6chte, da die das nicht wollen. Versteht jeder, schlie\u00dflich wollen die auch mal Privatleben. Wichtig ist: man hat ihnen endlich geholfen, mit ihren Vierbeinern klar zu kommen, und erh\u00e4lt daf\u00fcr ungeheure Summen Geldes, die gew\u00f6hnlichen Trainern die Augen tropfen lassen. Das mu\u00df man nat\u00fcrlich erw\u00e4hnen, sonst bringt es nix.<\/p>\n<p>Falls man keine Promis zur Verf\u00fcgung hat, nennt man eine gewaltige Zahl an Hunden, mindestens vierstellig, mit Hinweis auf bald f\u00fcnfstellig, die man alle nachhaltig und gro\u00dfartig therapiert hat. Dabei mu\u00df man sich nicht davon irritieren lassen, da\u00df rein rechnerisch diese Zahl nicht realisierbar ist, z.B. 6.000 Hunde in 12 Jahren h\u00f6rt sich super an. Rechnet eh keiner nach.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich hebt man sich aus der Masse der anderen Hundetrainer noch hervor, indem man mit den Hunden tanzt oder fl\u00fcstert oder beides. Dies untermauert man mit dekorativen Fotos &#8211; so man selber fotogen ist -, in denen man anmutig mit seinen Wauwis durchs Wasser hopst oder auf denen eindrucksvoll demonstriert wird, wie man 20 und mehr Hunde durch die Lande jagt, und die trauen sich nicht, einen zu \u00fcberholen. Sehr beeindruckend sind auch Bilder, bei denen Hunde sich vor einem auf den R\u00fccken legen, angeblich einfach so, weil man selber das jetzt m\u00f6chte. Der Vorteil an Fotos ist n\u00e4mlich, da\u00df man nicht riechen kann, wenn der Hund sich vor lauter Angst vollpi\u00dft.<\/p>\n<p>Wenn man jetzt noch einen Gleichgesinnten findet, der auch fl\u00fcstert und \/ oder tanzt, und sagen kann: der \/ die macht das auch ganz toll, dann nehme ich mir den als Vorbild, dann spart man sich den Hinweis darauf, da\u00df die anderen Nulpen sind. Das ist hiermit klar.<\/p>\n<p>Sehr hilfreich sind gute Kontakte zu den Medien. Dabei kann einem n\u00fctzen, da\u00df man die eigenen Hunde so derma\u00dfen unter Kontrolle hat &#8211; die also schon f\u00fcrs Atmen einen Antrag stellen -, da\u00df die Medienkumpels, die nicht soo viel Ahnung haben, einfach nur beeindruckt sind und sofort einen Riesenwirbel um einen machen.<\/p>\n<p>In seinen Ver\u00f6ffentlichungen mu\u00df man nicht allzu zimperlich sein. Man kann sich etwa seitenlang dr\u00fcber auslassen, da\u00df alles das, was man Hunden so antun kann, gar nicht soo schlimm ist, man mu\u00df es nur richtig anwenden. Dann werden Stromreizger\u00e4te und W\u00fcrgeketten auf einmal zum lieblichen Dekor. Auch die Erw\u00e4hnung irgendwelcher Fachausdr\u00fccke machen sich gut. Selbst wenn man selber keine Ahnung hat, da\u00df Konditionierung von Kondition (= Bedingung) kommt, kann man einfach so tun, als h\u00e4tte das mit Konditorei zu tun. Und damit arbeitet man nun wirklich nicht, wenns um Hunde geht.<\/p>\n<p>Einer wichtigsten Begriffe ist das Wort &#8222;E N E R G I E&#8220;. Weils so wichtig ist, habe ich es gro\u00df geschrieben, damit es keiner \u00fcberliest. Selbst wenn man eine Ausstrahlung wie ein Henker kurz vorm Zuschlagen mit dem Hackebeil oder wie eine Domina beim Straffziehen der Fesseln hat, ist die Energie, die man auf den Hund ausstrahlt so derma\u00dfen positiv, da\u00df der Hund gar nicht anders kann, als alles zu tun, was man m\u00f6chte. Ein gleichbleibend k\u00fchles L\u00e4cheln hat sich als sehr \u00fcberzeugend erwiesen. Energie ist einfach \u00fcberhaupt gut, per se gewisserma\u00dfen. Das erkl\u00e4rt dann auch wieder, warum sich die Hunde in der N\u00e4he genau dieser Supertrainer &#8211; Entschuldigung, Fl\u00fcsterer und T\u00e4nzer so besonders wohl f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Ein weiterer wichtiger Begriff, den man wirklich nie vergessen darf, ist &#8222;Kontrolle&#8220;. Kontrolle ist ganz was schreckliches, vor allem wenn Hunde kontrollieren. Menschen d\u00fcrfen das. Menschen d\u00fcrfen Hunde kontrollieren von der Wiege bis zur Bahre, das ist erlaubt. Wenn Hunde das auch m\u00f6chten. dann haben sie leider den falschen Lebensweg gew\u00e4hlt. W\u00e4ren sie doch einfach Menschen geworden, aber vermutlich sind sie einfach noch nicht auf dem richtigen Level. Also: Hunde d\u00fcrfen uns nie und nimmer kontrollieren, ganz egal, was wir mit ihnen machen, ganz egal, was sie hinter sich haben, ganz egal, ob das ein Grundbed\u00fcrfnis ist oder nicht. Hunde haben die Kontrolle abzugeben, und zwar zuerst z.B. an die T\u00e4nzerin und dann an den zugeh\u00f6rigen Menschen. Das hei\u00dft dann: &#8222;ich \u00fcbernehme jetzt die Verantwortung&#8220;. Da freut er sich aber, der Bello und kann sich endlich mal richtig entsapnnen.<\/p>\n<p>Nicht vergessen: es gibt viele Menschen, denen es ziemlich egal ist, was ein Hund so zum Leben braucht. Die einfach ein Leben gem\u00e4\u00df der herrschenden Regel &#8222;fit for fun 24 hours a day&#8220; leben m\u00f6chten, und da geh\u00f6rt eben ein Hund dazu, Macht nix, wenn das f\u00fcr den nicht so toll ist, holt man sich eben die T\u00e4nzer und Fl\u00fcsterer ins Haus. Die kriegen das dann prima hin, und noch dazu artgerecht, fachlich korrekt und garantiert gewaltfrei. Genau: gewaltfrei sind wir alle, das ist ja logisch, sonst w\u00fcrden die Hunde ja leiden, oder? Wer so eine Einstellung hat, ist der ideale Kunde f\u00fcr alle T\u00e4nzer und Fl\u00fcsterer.<\/p>\n<p>Sie glauben nicht, da\u00df das klappt? Dann sehen Sie sich mal um und \u00fcberpr\u00fcfen Sie sich doch mal selber. Wie oft haben Sie in der letzten Zeit eine Sendung \u00fcber so einen Superprofi gesehen und waren schwer beeindruckt? Wie oft haben Sie hinterfragt, warum dessen Methoden eigentlich funktionieren? Wie oft haben Sie \u00fcberpr\u00fcft &#8211; oder \u00fcberp\u00fcfen k\u00f6nnen &#8211; wie nachhaltig das alles ist?<\/p>\n<p>Und jetzt noch eine Kleinigkeit zum Nachdenken: warum ist es ausgerechnet bei Hundetrainern so, da\u00df man laut verk\u00fcnden darf, keine Ausbildung zu haben, sich alles aus den Fingern zu saugen, da\u00df man lauthals seine Unkenntnis des kleinen Einmaleins rausposaunen darf, und das gilt dann als Kompetenz?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Ute Rott \u2013 Forsthaus Metzelthin Einfach mit Hunden zu leben ist nicht mehr angesagt. Man mu\u00df sich schon irgendwie aus der Masse hervorheben und richtig gut ist es, wenn man andere dann mit seinen Ideen begl\u00fccken kann. 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