{"id":253,"date":"2013-05-23T13:04:47","date_gmt":"2013-05-23T11:04:47","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=253"},"modified":"2013-05-23T13:13:09","modified_gmt":"2013-05-23T11:13:09","slug":"jetzt-mach-ich-alles-richtig","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=253","title":{"rendered":"Jetzt mach ich alles richtig!"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Kalla-und-Ute-Foto-Dagmar-Fuchs-Ringenwalde.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-258\" title=\"Kalla und Ute, Foto Dagmar Fuchs, Ringenwalde\" src=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Kalla-und-Ute-Foto-Dagmar-Fuchs-Ringenwalde-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Von den Schwierigkeiten, in einer Fehlergesellschaft zu leben<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">von Ute Rott &#8211; Forsthaus Metzelthin<\/p>\n<p>Dieser Artikel handelt nur indirekt von Hunden. Vielmehr geht es hier darum, da\u00df Menschen und Hunde unter einem gesellschaftlichen Ph\u00e4nomen leiden, das uns von der Wiege bis zur Bahre beherrscht: wir d\u00fcrfen nichts falsch machen. Das \u00e4u\u00dfert sich bei Hundehaltern, die mit ihrem Welpen in die Hundeschule kommen, in dem Satz: Bei diesem Hund m\u00f6chte ich alles richtig machen.<\/p>\n<p>Eigentlich ist das ja eine sch\u00f6ne Aussage, aber man sollte sie doch etwas genauer unter die Lupe nehmen. Denn was steckt dahinter? Etwa: bisher habe ich alles (!) falsch gemacht? Oder: ich darf ja nichts falsch machen, denn sonst&#8230;.. ja was passiert denn sonst? Geht dann die Welt unter oder stirbt der Hund oder ist er &#8222;total versaut&#8220;? Oder was?<\/p>\n<p>Die erste Frage, die sich mir bei diesem Satz stellt, ist: Geht das \u00fcberhaupt, alles richtig und nichts falsch machen? Egal worum es sich handelt? Nehmen wir einmal an, jemand hatte eine Vorliebe f\u00fcr eine bestimmte Rasse und holt sich nach dem Tod der geliebten Pelznase wieder einen Vertreter dieser Rasse ins Haus. Auch wenn er fast identisch aussehen sollte wie sein Vorg\u00e4nger, was bei manchen Rassen ja m\u00f6glich ist, hat er mit Sicherheit nicht den gleichen Charakter. Selbst Wurfgeschwister sind sehr unterschiedlich, wie sollten es da nicht Hunde von verschiedenen Eltern sein. Und schon steht man vor dem Problem: was bei Hund Nr. 1 ein Riesenthema war, ist bei Hund Nr. 2 \u00fcberhaupt keins. Aber was bei Hund Nr. 1 nie zur Sprache kam, ist bei Hund Nr. 2 ein Hauptthema, z.B. wenn einem eingeredet wird, man m\u00fcsse unbedingt und unter allen Umst\u00e4nden diesen Hund optimal auslasten, sonst gibts mit Sicherheit ein Problem. Und schon hat man den Salat. Das zufriedene Leben, das man bisher mit seinen Hunden gef\u00fchrt hat, gilt pl\u00f6tzlich als fehlerhaft, weil es einfach nicht zu den Anpr\u00fcchen passt, die heutzutage an Hunde und ihre Menschen von au\u00dfen\u00a0gestellt werden.<\/p>\n<p>Gehen wir mal von Hunden weg und denken an unsere Schulzeit. Wer Kinder hat, erlebt solche Dinge akutell. Ganz einfaches Beispiel: in der Grundschule wird ein Diktat\u00a0von 100 W\u00f6rtern geschrieben und in 10 davon ist irgend ein Fehler, z.B. &#8222;das&#8220; anstatt\u00a0&#8222;dass&#8220;, oder &#8222;siht&#8220; anstelle von &#8222;sieht&#8220;. Sicher, das sollte\u00a0irgendwann klappen, aber: entstellen\u00a0solche Fehler einen Text so sehr, da\u00df er unverst\u00e4ndlich wird? Vor allem:\u00a010% sind fehlerhaft, 90% richtig und trotzdem gibt es vielleicht ein &#8222;befriedigend&#8220;, evtl. sogar nur ein &#8222;ausreichend&#8220;, also eine 3 oder 4. Wie gesagt: der Text ist verst\u00e4ndlich und 90 % sind richtig und 90% sind doch ein Haufen Zeug. Um wieder zu den Hunden zur\u00fcckzukehren: wenn Sie mit Ihrer Pelznase\u00a0den R\u00fcckruf trainieren und bei 90 %\u00a0klappts, dann ist das gro\u00dfartig und wir feiern das als gro\u00dfen Erfolg.<\/p>\n<p>Und jetzt wieder ein Beispiel aus der Schule: Viele Menschen meinen, Notenschwankungen g\u00e4be es nur in\u00a0F\u00e4chern wie Deutsch oder Kunst, da hier sehr viel subjektiv bewertet wird. Bei Mathe ginge das gar nicht.\u00a0Doch, es geht: der eine Lehrer legt gro\u00dfen Wert auf den richtigen Weg, der andere sagt: Hauptsache, das richtige Ergebnis kommt raus. Der n\u00e4chste will alles haargenau so, wie er es machen w\u00fcrde, der n\u00e4chste legt Wert darauf, da\u00df die Sch\u00fcler eigene Wege finden&#8230;&#8230; Das Ende vom Lied ist: wir sind st\u00e4ndig bem\u00fchlt, Fehler zu vermeiden, die von anderen als Fehler definiert wurden, anstatt zu versuchen, die f\u00fcr uns richtigen und einfachen Wege zu gehen. Und das kostet ordentlich Energie, die man ganz woanders brauchen k\u00f6nnte. Das wird in der Schule gr\u00fcndlich konditioniert, in der Berufsausbildung verfestigt und in der Arbeitswelt h\u00e4ufig regelrecht zur Perversion getrieben. Beispiel aus meiner Arbeitswelt: Als Druckingenieur war ich in einer Firma zust\u00e4ndig f\u00fcr die Papierbestellung. Es handelte sich um eine Volumen von ca. 1 Million DM pro Jahr. In 3 Jahren habe ich einmal eine falsche Bestellung vorgenommen, das Papier konnte anderweitig verwendet werden und wir konnten rechtzeitig das richtige nachbestellen. Als ich meinen Chef davon informierte, dachte ich, er rei\u00dft mir den Kopf ab. Wie gesagt: 1 x in 3 Jahren bei einem Volumen von 1 Million DM pro Jahr.\u00a0 Mal ganz ehrlich: da fragt man sich doch, ob im Oberst\u00fcbchen noch wer zu Hause ist, oder?<\/p>\n<p>Und jetzt zur\u00fcck zu den Hunden: Anstatt darauf zu achten, was Hunde richtig machen, suchen wir st\u00e4ndig nach Fehlern und machen ihnen damit das Leben unn\u00f6tig schwer. Das kann sich so \u00e4u\u00dfern:<br \/>\nHund wird abgerufen, wenn er da ist, wird er weder gelobt noch belohnt. Und warum? Er kam nicht schnell genug, er hat unterwegs geschn\u00fcffelt, er sitzt nicht vor&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230; MannMannMann&#8230;. Anstatt nachzudenken, warum er das jetzt so gemacht hat und wie wir das gemeinsam n\u00e4chstes Mal besser hinkriegen, bekommt der Hund den Fehler zugeschoben. Und Mensch wundert sich, warum es einfach immer schlechter wird, bis Bello gar nicht mehr kommt und auch keine Lust auf irgendeine Form von Zusammenarbeit hat. Oder ein ganz extremer Fall: &#8222;Lob deinen Hund, er hat doch alles ganz toll gemacht!&#8220; &#8222;Ja, aber gestern&#8230;. und was, wenn er es morgen nicht macht?&#8220; Glauben Sie ja nicht, da\u00df ich mir das aus den Fingern sauge. Das sind alles Beispiele aus meinem Alltag.<\/p>\n<p>Oder: Hund wird abgerufen, kommt auch freudig, setzt sich aber nicht hin. Schon geht die Diskussion los: &#8222;sitz hab ich gesagt!&#8220;.\u00a0 Und wieder wird er nicht belohnt und schon gar nicht gelobt. Hat sich ja nicht hingesetzt. Das ist wie bei 90% richtig und 10% falsch, wobei falsch auch hier eine Interpretationssache ist, oder? Schlie\u00dflich ist es gar nicht notwendig, da\u00df er sitzt. Die Anweisung lautete: komm zu mir. Und wenn ich einfach beschlie\u00dfe, es reicht, wenn Bello kommt und sich kurz bei mir meldet? Dann mu\u00df er sich gar nicht hinsetzen und pl\u00f6tzlich geht das alles viel einfacher und besser. Und: die Fehlerquelle ist weg. Hat sich einfach in Luft aufgel\u00f6st.<\/p>\n<p>Bei allen Anspr\u00fcchen, die man an seine Hunde stellt, sollte man immer mal \u00fcberlegen, wo sie herkommen, ob sie tats\u00e4chlich sinnvoll sind f\u00fcr mich und meinen Hund, ob wir nicht besser anders klar kommen und ob mein Hund das alles so braucht. Wenn mein Nachbar ein wilder Verfechter des absoluten Gehorsams ist und mich und meine Pelznase permanent kritisiert, weil meiner S\u00fc\u00dfer eben nicht wie eine Maschine beim Spaziergang perfekt &#8222;bei Fu\u00df&#8220; l\u00e4uft, sondern wie jeder normale Hund mal hier mal da schn\u00fcffelt, dann ist das doch nicht unser Fehler sondern sein Problem und leider auch das seines Hundes.<\/p>\n<p>Denn ein wichtiger Punkt bei dieser st\u00e4ndigen Suche nach Fehlern, die man vermeiden mu\u00df, ist: wer legt denn fest, was falsch ist und was richtig? Wenn ich gerne Spaghetti mit Tomatenso\u00dfe esse, ist es dann falsch, wenn mein Nachbar lieber Schnitzel mit Bratkartoffeln mag? Wenn mein Mann zum Fr\u00fchst\u00fcck\u00a0Kaffee trinkt, ist es dann falsch, wenn ich gr\u00fcnen Tee mag? Wenn der eine Hund ein begeisterter Mantrailer ist, ist dann der andere ein Versager, wenn er lieber Couchpotato spielt?<\/p>\n<p>Wir akzeptieren automatisch, da\u00df andere f\u00fcr uns Richtlinien aufstellen und festlegen, was richtig und was falsch ist und halten uns daran. Ohne zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob das f\u00fcr uns &#8211; und unsere Hunde &#8211; stimmt. Einem Hund w\u00fcrde das nie einfallen, da\u00df er uns mit Ma\u00dfst\u00e4ben mi\u00dft, die andere Hunde aufgestellt haben. Es ist einfach unfair, solche Anpr\u00fcche an unsere vierbeinigen Freunden zu stellen: ich m\u00f6chte alles richtig machen und du mu\u00dft da mit, egal ob es f\u00fcr dich gut ist und egal, ob du das kannst oder m\u00f6chtest.<\/p>\n<p>Kleiner Tipp zum Schlu\u00df: man kann wunderbar den aufrechten Gang und freundliches Selbstvertrauen \u00fcben, wenn man sich von &#8222;richtig und falsch&#8220; verabschiedet und f\u00fcr sich und seinen Hund seinen eigenen Weg sucht. Und wenn man dann noch in der Lage ist, irgendwelchen angeblichen Spezialisten und Experten freundlich mitzuteilen &#8222;du hast recht und ich meine Ruhe&#8220;, dann ist man auf dem besten Weg, die Fehlergesellschaft zu verlassen. Deshalb macht man immer noch nicht alles richtig, aber wer kann das schon?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von den Schwierigkeiten, in einer Fehlergesellschaft zu leben von Ute Rott &#8211; Forsthaus Metzelthin Dieser Artikel handelt nur indirekt von Hunden. 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