{"id":237,"date":"2013-04-29T11:11:04","date_gmt":"2013-04-29T09:11:04","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=237"},"modified":"2013-05-09T20:20:06","modified_gmt":"2013-05-09T18:20:06","slug":"warum-strafe-nix-bringt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=237","title":{"rendered":"Warum Strafe nix bringt!"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/IMG_12941.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-245\" title=\"IMG_1294\" src=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/IMG_12941-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Es gibt jede Menge Hunde, wahrscheinlich die \u00fcberwiegende Mehrheit, die mit Strafe erzogen werden. Das Ergebnis ist ein mehr oder weniger gehorsamer Hund, mehr wenn der Besitzer oder der Trainer in der Lage ist, die Strafe richtig einzusetzen, weniger, wenn er das eben nicht kann. Bei Strafeinwirkung ist die richtige Dosierung, der richtige Moment und die richtige Strafe noch viel entscheidender, als bei Erziehung \u00fcber positive Motivation. Positive Motivation bedeutet aber garantiert nicht: ich f\u00fcge meinem Hund etwas unangenehmes zu und wenn er das unerw\u00fcnschte Verhalten dadurch unterl\u00e4sst, gebe ich ihm ein Leckerli. Einen Hund positiv zu motivieren hei\u00dft: f\u00fcr erw\u00fcnschtes Verhalten wird eine Belohnung in Aussicht gestellt, die der Hund bekommt, wenn er das richtige macht. Die h\u00f6chste Motivation ist das, was der Hund jetzt gerade am liebsten m\u00f6chte, und wenn das nicht geht, etwas anderes sehr begehrtes. Und positive Motivation hei\u00dft auch und vor allem: die gestellte Aufgabe ist sinnvoll und interessant, ist f\u00fcr den Hund leicht zu erlernen, wird ihm gut und richtig erkl\u00e4rt und <strong>das<\/strong> motiviert ihn enorm zur Zusammen- und Mtarbeit. Denn Hunde sind per se an Zusammenarbeit mit uns interessiert.<\/p>\n<p>Was bedeutet es nun tats\u00e4chlich, wenn man \u00fcber Strafe arbeitet?<br \/>\n&#8222;Strafe wird als negative Erfahrung beschrieben, welche die H\u00e4ufigkeit des Auftretens eines Verhaltens vermindert.&#8220; (Doroth\u00e9e Schneider, Die Welt in seinem Kopf)<\/p>\n<p>Eine negative Erfahrung kann individuell sehr unterschiedlich sein. Ein sensibler Hund kann schon durch den schiefen Blick seines Menschen durcheinander geraten, aber es gibt beispielsweise extrem\u00a0jagdtriebige Hunde, die trotz Einsatz eines Stromreizger\u00e4tes (Teletackt) auf h\u00f6chster Stufe mit Feuereifer hinter einem Reh oder Hasen herjagen. Wie Ihr Hund auf eine Strafe reagiert, wissen Sie erst, wenn Sie ihn bestraft haben.<\/p>\n<p>Folgende M\u00f6glichkeiten haben Sie, wenn Sie Ihren Hund mit Strafe erziehen wollen:<br \/>\n&#8211; Leinenruck<br \/>\n&#8211; Nackensch\u00fctteln<br \/>\n&#8211; schlagen, treten, w\u00fcrgen<br \/>\n&#8211; Einsatz von Ketten- und Stachelw\u00fcrgern<br \/>\n&#8211; Spr\u00fchhalsband<br \/>\n&#8211; Teletackt<br \/>\n&#8211; Isolierung, Vereinsamung<br \/>\n&#8211; psychische Verunsicherung&#8230;&#8230;<\/p>\n<p>Wie das alles funktioniert, soll hier nicht erkl\u00e4rt werden. Sie sollen nicht lernen, Ihren Hund zu bestrafen, sondern verstehen, warum ich Strafe im Umgang mit lebenden Wesen ablehne. Allerdings m\u00f6chte ich auf die Punkte richtige Dosierung, richtiger Moment und richtige Strafe n\u00e4her eingehen und die Nebenwirkungen f\u00fcr Ihren Hund und Sie besprechen.<\/p>\n<p>Beispiel: Ihr Hund ist ein \u00fcberschwenglicher Menschenfreund. Immer wenn er jemanden sieht, egal ob er ihn kennt oder nicht, freut er sich ein Bein ab und zieht hin wie verr\u00fcckt. Das ist aber nicht jedermanns Sache, denn manche Menschen m\u00f6gen keine Hundehaare auf den Kleidern oder sie m\u00f6gen auch keine Hunde. Und das ist ihr gutes Recht. Also nehmen Sie z.B. einen Kettenw\u00fcrger, an dem Sie jedesmal rucken, wenn Sie mit Ihrem Bello in eine derartige Situation kommen. Dazu sagen Sie immer laut und unfreundlich: pfui ist das! Ihr Hund kann das jetzt so interpretieren: Immer wenn ein Mensch, den ich eigentlich nett finde, entgegenkommt, wird mein Mensch unfreundlich (pfui ist das) und tut mir au\u00dferdem weh. Je nachdem, was Sie f\u00fcr einen Hund haben, kann sich das auf Dauer auswirken wie folgt:<\/p>\n<p>1. Bello bekommt Angst vor entgegenkommenden Menschen und will auf gar keinen Fall vorbeigehen.<br \/>\n2. Bello blickt zwar nicht durch und ist auch verunsichert, aber er merkt, da\u00df Sie nicht wollen, da\u00df er da hingeht.<br \/>\n3. Bello gibt dem entgegenkommenden Menschen die Schuld, da\u00df Sie so unfreundlich werden oder denkt, \u00a0Sie haben Angst vor ihm und will ihn verjagen, also f\u00e4ngt er an in die Leine zu springen und zu bellen: hau ab da!<br \/>\n4. Bello ignoriert das alles und Sie greifen solange zu h\u00e4rteren Ma\u00dfnahmen, bis es endlich funktioniert.<\/p>\n<p>Im ersten Fall bekommen Sie einen \u00e4ngstlichen, unsicheren Hund, der sich nichts mehr zutraut, im zweiten einen verunsicherten, der aus Angst folgt, im dritten einen angstaggressiven und im vierten k\u00f6nnen Sie sich \u00fcberraschen lassen, wie er Ihre Strafaktionen irgendwann beantwortet. Sicher nicht mit wachsender Menschenliebe.<\/p>\n<p>Erinnern Sie sich bitte an die Definition, die am Anfang steht. Sie m\u00f6chten Ihren Hund dazu bringen, da\u00df er etwas nicht mehr tut, wenn er es trotzdem tut, bestrafen Sie ihn. Strafe, wenn sie wirksam ist, hat aber den biologischen Sinn, da\u00df der Hund entweder aus dieser Situation flieht oder sie in Zukunft meidet. Ein wirkliches Alternativverhalten lernt er dadurch nicht. Denn ein alternatives Verhalten w\u00e4re in unserem Beispiel, das was Sie sich w\u00fcnschen: er geht an Menschen ruhig vorbei.<\/p>\n<p>Im zweiten Fall k\u00f6nnen Sie davon ausgehen, da\u00df Sie im richtigen Moment die richtige Dosierung angewendet haben und auch die Art der Strafe war richtig. Was aber passiert, wenn Sie beim n\u00e4chsten Menschen vorbei gehen, einen Moment nicht aufpassen und Bello hechtet wieder hin, ohne da\u00df Sie an der Leine geruckt haben? Dann hatten Sie ein Problem mit dem Timing und Bello Erfolg. Wenn das mehrfach hin und her geht, haben Sie bei einem Hund, der hart im Nehmen ist, ein echtes Problem, Sie haben ihn dann n\u00e4mlich variabel best\u00e4rkt und das ist die beste Belohnung, die es geben kann. Sonst w\u00fcrden nicht so viele Menschen Lotto spielen. Ihr Hund lernt evtl. sogar zu erkennen, wann Sie aufpassen und wann nicht. Unabsichtlich haben Sie somit seine Intelligenz geschult, aber das was Sie ihm beibringen wollten, hat er nicht gelernt.<\/p>\n<p>Wenn Sie einen eher feinf\u00fchligen Hund haben, dann wird der sehr verunsichert sein und nach dem System suchen,\u00a0das diesen schmerzhaften Leinenruck und den unfreundlichen Ton ausl\u00f6st. Und schon haben Sie die sch\u00f6nsten Fehlverkn\u00fcpfungen, die bei manchen Hunden bereits nach der ersten Anwendung einer Strafe auftreten k\u00f6nnen: z.B. ist im gleichen Moment ein Kind vorbei geradelt, eine Mutter hat ihr Baby, das gerade schreit, vorbei geschoben, ein Flugzeug erschien am Himmel&#8230;.. Und aus Gr\u00fcnden, die Sie \u00fcberhaupt nicht nachvollziehen k\u00f6nnen, ist Ihr Hund in Zukunft beim Anblick eines Kindes auf dem Fahrrad, einer Frau mit Kinderwagen, wenn ein Kind schreit oder bei jedem Brummger\u00e4usch je nach dem \u00e4ngstlich oder aggressiv oder beides. Es kann Ihnen passieren, da\u00df er, vor lauter Angst wieder bestraft zu werden, in solchen F\u00e4llen alle T\u00e4tigkeiten einstellt. Vielleicht wird er aber auch richtig aggressiv gegen\u00fcber jedem, der von vorn kommt. Denn in seinen Augen ist der von vorn kommende derjenige, der den Ganzen Stress ausl\u00f6st.<\/p>\n<p>Sie wollten aber einen Hund, der ruhig an Passanten vorbeigeht.<\/p>\n<p>Wenn Sie sich \u00fcberlegen, da\u00df meine freundlichen Methoden nicht so toll funktionieren und ja viel zu lange dauern und Sie doch einmal Strafen austesten m\u00f6chten, dann sollten Sie sich vorher folgende Fragen stellen:<br \/>\nBin ich in der Lage, immer sofort zu Beginn des unerw\u00fcnschten Verhaltens strafend einzuwirken, also genau in dem Moment, in dem mein Hund auch nur daran denkt, jetzt sofort etwas Unerw\u00fcnschtes zu tun?<br \/>\nBin ich in der Lage, ungewollte Fehlverkn\u00fcpfungen der Strafe mit allen vorhandenen Umweltreizen auszuschlie\u00dfen und ihnen auch k\u00fcnftig auszuweichen?<br \/>\nBin ich in der Lage, meinen Hund zuk\u00fcnftig l\u00fcckenlos zu \u00fcberwachen und jedes unerw\u00fcnschte Verhalten immer im richtigen Moment und in der richtigen Dosierung zu bestrafen?<\/p>\n<p>Ich kann f\u00fcr mich diese Fragen im besten Fall mit &#8222;zu 50%&#8220; beantworten, und vermutlich bin ich genauso wenig wie Sie in der Lage meinen Hund l\u00fcckenlos zu \u00fcberwachen. Wenn Sie aber mit Strafe arbeiten wollen, dann m\u00fcssen alle Voraussetzungen erf\u00fcllt sein, nicht nur eine oder zwei, sondern ALLE!<\/p>\n<p>Strafe erzeugt Stress, und Stress mindert die Denk- und Leistungsf\u00e4higkeit. Die Energie, die Ihr Hund braucht, um sich auf die Vermeidung der Strafe zu konzentrieren, fehlt ihm bei der Bew\u00e4ltigung der gestellten Aufgabe. Und Stress im Hundetraining f\u00f6rdert mit Sicherheit auch nicht die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Hund.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem sollten Sie sich \u00fcberlegen, ob es ethisch vertretbar ist, ein anvertrautes Lebewesen so zu behandeln, da\u00df Negativfolgen eigentlich unabwendbar sind. Wenn Sie ein unerw\u00fcnschtes Verhalten \u00e4ndern wollen, dann Sie m\u00fcssen genauso auf Ihren Hund aufpassen und auf zu erwartende Reaktionen gefa\u00dft sein, aber Sie gehen freundlich mit ihm um, Sie\u00a0achten auf das, was er richtig macht und suchen nicht nach Fehlern, Sie zeigen ihm gegebenenfalls\u00a0einen Ausweg und zum Schlu\u00df k\u00f6nnen Sie ihn belohnen. Sie k\u00f6nnen sicher sein, da\u00df Sie sich dann selber wesentlich besser und gl\u00fccklicher f\u00fchlen, wenn Bello und Sie z.B. oben beschriebene Situation positiv gemeistert haben.<\/p>\n<p>Leider leben wir in einer Welt, in der wir immer bevorzugt die Fehler beachten und diese dann korrigieren. Zumindest versuchen wir es. Das wird Thema eines anderen Artikels sein. Aber \u00fcberlegen Sie doch mal: k\u00f6nnte es nicht einfacher &#8211; und angenehmer &#8211; sein, mehr auf das achten, was Ihr Hund richtig macht? Als nur darauf zu achten, was er falsch macht und ihn dann daf\u00fcr zu bestrafen?<\/p>\n<p>von Ute Rott &#8211; Forsthaus Metzelthin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt jede Menge Hunde, wahrscheinlich die \u00fcberwiegende Mehrheit, die mit Strafe erzogen werden. 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