{"id":2284,"date":"2022-10-23T19:22:26","date_gmt":"2022-10-23T17:22:26","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=2284"},"modified":"2022-10-23T19:37:02","modified_gmt":"2022-10-23T17:37:02","slug":"das-war-keine-katze","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=2284","title":{"rendered":"&#8230;. das war keine Katze&#8230;"},"content":{"rendered":"\n<p>&#8230;. das war eine Frau mit Kinderwagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin mit einer Kundin unterwegs, habe ihren Hund an der Leine, um der Kundin zu zeigen, wie wir mit ihrem netten und sehr sozialen R\u00fcden f\u00fcr ihn schwierige Situationen meistern. Dabei geht es vor allem darum, dass wir ihm in aller Ruhe und mit viel Zeit und Geduld erkl\u00e4ren, wie wir die Situation einsch\u00e4tzen. Er ist ein sehr aufmerksamer und kluger Hund, seit einem knappen halben Jahr in Deutschland, ca. 3 Jahre alt. Wir wollen ihn der Einfachheit halber Bello nennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht alles sehr gut, wir \u00fcberqueren eine viel befahrene Stra\u00dfe, passieren einen bellenden Hund hinterm Zaun in f\u00fcr Bello guter Entfernung, bew\u00e4ltigen die Versuchung, die ein Loch im Zaun darstellt, durch das er sehr gerne auf Erkundung gehen w\u00fcrde, alles ist im gr\u00fcnen Bereich. Von vorne kommt eine junge Frau mit Kinderwagen. M\u00fctter mit kleinen Kindern, besonders mit Babys im Kinderwagen sind ein eigenes Thema. Die legen in der Regel keinen gesteigerten Wert auf Hundenasen im Kinderwagen und das haben wir zu respektieren. Da Bello sehr freundlich und neugierig ist, bitte ich ihn auf die abgewandte Seite zu gehen, das macht er vorbildlich mit. Die junge Frau tr\u00e4gt ein Kopftuch, sie ist vermutlich Muslima. Da macht die Situation noch etwas brisanter, da ich annehmen muss, dass sie aufgrund ihres Glaubens Hunde nicht so toll findet, also haben wir gleich zwei Gr\u00fcnde besonders r\u00fccksichtsvoll zu sein. Ich bin \u00fcberzeugt, dass Bello mich versteht, denn er geht sehr lieb und aufmerksam neben mir vorbei, ich sage ihm, dass er gro\u00dfartig ist und bedanke mich sehr mit vielen guten Worten und vielen Leckerchen f\u00fcr seine Kooperation.<\/p>\n\n\n\n<p>Als wir vorbei sind, bleibt Bello stehen, dreht sich um und sieht der Frau und dem Kinderwagen hinterher. Meine Kundin wird sofort total nerv\u00f6s und versucht ihn mit &#8222;Bello, wir gehen hier weiter&#8220; aus der Situation zu holen. Ziemlich irritiert frage ich sie, was das soll. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Antwort irritiert mich noch mehr als die Aktion selber: &#8222;ja, aber wenn da eine Katze l\u00e4uft, dann muss ich ihn doch abrufen k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Erstmal tief Luft holen, bis zehn z\u00e4hlen, dann antworten. Bello kuckt in der Zwischenzeit sehr ruhig und gelassen immer noch nach der Frau, die sich ebenfalls ruhig und entspannt entfernt.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Das war keine Katze, das war eine Frau mit Kinderwagen.&#8220;<br>&#8222;Ja, aber wenn da eine Katze&#8230;&#8220;<br>&#8222;Das war keine Katze, das war eine Frau mit Kinderwagen.&#8220;<br>&#8222;Ja, aber&#8230;.&#8220;<br>&#8222;Das war keine Katze, das war eine Frau mit Kinderwagen. Es gibt \u00fcberhaupt keinen Grund, warum er da nicht hinschauen darf.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Im weiteren Gespr\u00e4ch kl\u00e4ren wir, dass vorbeihuschende Katzen, die ihn ganz sicher zum Hinterherrennen animieren, etwas ganz anderes sind als Frauen, die schlicht ihren Kinderwagen unbel\u00e4stigt an uns vorbeischieben m\u00f6chten, und die er so interessant findet, dass er einfach ein bisschen hinterher kucken m\u00f6chte. Das eine hat mit dem anderen soviel zu tun, wie Autoverkehr mit Gartenanlagen. <\/p>\n\n\n\n<p>Aber das Thema ist f\u00fcr mich nicht durch nach diesem Termin, im Gegenteil. Denn das ist eine Situation, die ich sehr oft erlebe. Und ich bin mir sicher, dass viele meiner KollegInnen das ebenfalls oft in ihren Trainingsstunden haben: es wird einfach in jeder Situation die passende Interpretation gesucht und dann eine vermeintlich gute L\u00f6sung dr\u00fcbergest\u00fclpt. Es ist aber ein gewaltiger Unterschied, ob ein Hund hinter was auch immer herrennen oder es einfach ruhig beobachten m\u00f6chte. Vielleicht kann ich ihn ja dazu \u00fcberreden, sofort mit mir mitzukommen, weil die Frau mit dem Kinderwagen doch nicht so interessant ist. Vielleicht mache ich sie durch den Druck, den ich automatisch aus\u00fcbe, aber auch unglaublich wichtig und spannend. Dann k\u00f6nnte es durchaus sein, dass er bei der n\u00e4chsten \u00e4hnlichen Begegnung eben nicht mehr locker vorbeigeht, sondern dringend untersuchen muss, was denn so Besonderes mit diesem Kinderwagen ist, wenn ich solche Probleme damit habe. Denn wenn ich keine Probleme damit h\u00e4tte, k\u00f6nnte er sich das Ding doch wirklich in Ruhe aus der Ferne betrachten. Oder?<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann ist es mehr als fraglich, dass ich ihn, selbst wenn Frauen mit Kinderwagen grunds\u00e4tzlich so uninteressant sind, dass er sich immer davon abrufen l\u00e4\u00dft, sich auch von einer Katze, die mal eben f\u00fcnf Meter vor ihm aus dem Geb\u00fcsch hopst, ebenfalls abrufen kann. Frauen mit Kinderwagen  &#8211; oder \u00e4hnliche Objekte &#8211; geh\u00f6ren nicht ins Beuteschema unserer Hunde, Katzen schon. Hunde wissen das, Menschen offenbar nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich vermute, es gibt zwei Hauptgr\u00fcnde, warum Menschen so reagieren und Frauen mit Kinderwagen mit Katzen gleichsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der eine Grund ist: mein Hund muss sich immer und \u00fcberall von allem sofort abrufen lassen und unverz\u00fcglich mit mir weitergehen, wenn ich das m\u00f6chte.<br>Klare Anwort: nein, muss er nicht. Ganz im Gegenteil. Hunde lernen am besten, dass eine Situation unkompliziert und ganz normaler Alltag ist, wenn wir sie ruhig heranf\u00fchren, ihnen Ausweichm\u00f6glichkeiten anbieten, z.B. auf die Seite gehen und abwarten oder an meiner Seite ruhig vorbeigehen, und wenn wir ihnen die M\u00f6glichkeit geben, in ihrem eigenen Tempo zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob meine Sicht der Dinge (Frauen mit Kinderwagen sind uninteressant) auch stimmt. Und dazu muss ein Hund einfach mal hinterherkucken d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Grund ist: viele Trainingsans\u00e4tze laufen darauf hinaus, dass man st\u00e4ndig und \u00fcberall Signale ein\u00fcben muss, indem man die Ablenkung langsam steigert, so dass sich Bello irgendwann nicht nur von Frauen mit Kinderwagen sondern auch vor davoneilenden Katzen abrufen l\u00e4\u00dft.<br>Dazu kann ich nur sagen: tr\u00e4umt weiter. Gerade Hunde aus dem Auslandstierschutz sehen h\u00e4ufig Katzen als willkommende Abwechslung auf dem Speiseplan. Ich wei\u00df, wovon ich spreche, denn ich habe bei meiner Indiana einige Jahre gebraucht, bis sie davon \u00fcberzeugen konnte, beim Anblick von Katzen, die mindestens 20 Meter weg sind, ruhig zu bleiben. Wenn eine Katze unmittelbar vor uns auftauchen sollte, hoffe ich schlicht und ergreifend, dass ich die Leine fest genug in der Hand habe und richtig reagiere. Und Indiana ist mittlerweile 8 Jahre alt und seit 7,5 Jahren bei uns. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind nicht st\u00e4ndig immer und \u00fcberall im Abruftraining f\u00fcr einen 100%ig sicheren R\u00fcckruf, den es so \u00fcberhaupt nicht gibt, ausser ich mache meinen Hund zu einer willenlosen Marionette. Wenn wir Katzen treffen, freue ich mir ein Loch in den Bauch, weil mir die Hunde diese tolle Katze gezeigt haben und bedanke mich mit vielen, vielen Keksen f\u00fcr die gro\u00dfartige Nachricht. Frauen mit Kinderwagen gehen meinen Hunden dagegen am Allerwertesten vorbei. Sie sind uns nicht mal einen Kommentar wert.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht gibt es auch noch einen dritten Grund, warum Menschen so widersinnig reagieren: sie wollen die Kontrolle behalten, immer und unter allen Umst\u00e4nden. Und sp\u00e4testens jetzt wirds richtig schwierig. Denn unsere Hunde werden ja irgendwann erwachsen oder sie kommen schon erwachsen zu uns. Erwachsen sein bedeutet aber unter anderem, dass man selber die Kontrolle \u00fcber sein Leben hat und nicht st\u00e4ndig und \u00fcberall geg\u00e4ngelt und rumkommandiert wird. Das bedeutet auch, dass ein Hund eigene Entscheidungen trifft, die vielleicht nicht immer ganz in unserem Sinn sind. So wie meine Indiana Katzen eben killen und fressen w\u00fcrde, wenn ich nicht aufpassen w\u00fcrde. Allein die Tatsache, dass sie nicht mehr auf jede Katze in egel welcher Entfernung mit Mordgel\u00fcste reagiert, finde ich ein unglaubliches Zeichen von Kooperationsbereitschaft und Verst\u00e4ndnis ihrerseits. Mit absurdem Abruftraining w\u00e4ren wir niemals dahin gekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man also einen Hund hat, der mit meiner Lebenssituation noch nicht vertraut ist, dann ist der wichtigste Punkt bei allem, was wir unternehmen, dass ich ihm in aller Ruhe zeige, wie ich mit f\u00fcr ihn neuen, unbekannten und vielleicht auch schwierigen Situationen umgehe, und ihm gen\u00fcgend Gelegenheit gebe, sich davon zu \u00fcberzeugen, dass das jetzt einfach eine normale Alltagssituation ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn das war jetzt ein Frau mit Kinderwagen, das war keine Katze. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230;. das war eine Frau mit Kinderwagen. Ich bin mit einer Kundin unterwegs, habe ihren Hund an der Leine, um der Kundin zu zeigen, wie wir mit ihrem netten und sehr sozialen R\u00fcden f\u00fcr ihn schwierige Situationen meistern. 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