{"id":217,"date":"2013-04-15T12:02:32","date_gmt":"2013-04-15T10:02:32","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=217"},"modified":"2013-05-09T20:22:00","modified_gmt":"2013-05-09T18:22:00","slug":"wer-passt-zu-wem-oder-warum-auch-nicht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=217","title":{"rendered":"Wer passt zu wem? Oder warum auch nicht?"},"content":{"rendered":"<p>von Ute Rott &#8211; Forsthaus Metzelthin<\/p>\n<p>Sich einen Hund ins Haus zu holen, kann verschiedene Gr\u00fcnde haben. Einige sind sehr nachvollziehbar, wenn auch nicht unbedingt logisch. Wem an Hunden nichts liegt, wird nicht verstehen, warum andere ohne Hund einfach unvollst\u00e4ndig sind, so als w\u00fcrde ihnen ein Arm oder Bein fehlen. Eine Kollegin, die immer mindestens acht, neun Hunde aus dem Tierschutz hat, beklagte sich, das Haus sei so leer, als einmal nur f\u00fcnf bei ihr lebten. Nachvollziehbar? Nur f\u00fcr Menschen, die das eben auch so sehen. Aber im gro\u00dfen und ganzen kann jeder verstehen, da\u00df man mit Hunden leben m\u00f6chte, weil man diese Tiere eben sehr liebt und sich wohler f\u00fchlt, wenn mindestens einer um einen herumspringt. So weit, so gut. Aber neben einer gro\u00dfen Zuneigung zu canis lupus familiaris, unserem Haushund, gibt es eben noch viel mehr Gr\u00fcnde und nicht alle sind wirklich gut.<\/p>\n<p>Einer, mit dem ich hier in der Uckermark sehr oft konfrontiert bin, hei\u00dft: ein Hund geh\u00f6rt auf den Hof und wir hatten immer einen und werden immer einen haben. Das kann gut sein, kann aber auch nicht. Wenn etwa \u00e4ltere Menschen, die immer gro\u00dfe Hunde hatten, mit diesen gut klar kamen und auch einen guten Umgang mit ihnen pflegten, irgendwann k\u00f6rperlich nicht mehr in der Lage sind, einem jungen, lebhaften Hund einer wom\u00f6glich gro\u00dfen und aktiven Rassen gerecht zu werden, dann wird es schwierig. Deshalb sollte man sich rechtzeitig, also zu einem Zeitpunkt, zu dem man noch fit ist, \u00fcberlegen, ob man in zehn oder mehr Jahren, wenn der kleine Welpe ein evtl. pflegebed\u00fcrftiger, alter Hund geworden ist, ihn auch mal tragen oder aufheben kann, z.B. weil er nicht mehr alleine Treppenbew\u00e4ltigt. Was mit Anfang 50 noch kein Thema ist, kann mit Mitte 60 ein wichtiges sein. Es kann bedeuten, da\u00df man seinen Hund abgeben mu\u00df, weil er wegen dem k\u00f6rperlichen Zustand des Menschen\u00a0nicht mehr bei einem leben kann.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit Welpen und alten Menschen. Ich bin keine absolute Gegnerin dieser Kombination. Es gibt \u00fcber 70j\u00e4hrige, die geistig und k\u00f6rperlich beweglicher und belastbarer sind als manch ein 30j\u00e4hriger. Aber es mu\u00df gekl\u00e4rt sein, was mit dem Hund passiert, wenn sein Mensch krank wird, l\u00e4ngere Aufenthalte im Krankenhaus anstehen oder aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden der Hund eben nicht mehr bei seinem Menschen bleiben kann. Kann dann ein Verwandter oder guter Bekannter den Hund auf Dauer nehmen? Oder kann man sich einen Platz in einem Altersheim oder einer Senioren-WG suchen, wo Hunde erlaubt sind? Wenn man das nicht sicher l\u00f6sen kann, sollte man entweder &#8211; aus Liebe zu den Hunden &#8211; auf einen Hund verzichten oder sich einen alten Hund holen, dessen Lebenserwartung \u00fcberschaubar ist. Das hat den gro\u00dfen Vorteil, da\u00df alte Menschen die Probleme eines greisen Hundes viel besser verstehen und nachvollziehen k\u00f6nnen, als junge, der alte Kerl bekommt noch eine sch\u00f6ne Zeit und beiden ist geholfen. Wenn das nicht geht, kann man\u00a0auch Gassig\u00e4nger im Tierheim werden oder sich z.B. als Hundesitter f\u00fcr Hunde in der Nachbarschaft zur Verf\u00fcgung stellen.<\/p>\n<p>Allerdings absolut tabu sein sollte allerdings, einem alten Menschen einen wom\u00f6glich jungen Hund zu schenken, damit die Oma oder der Opa nicht so allein ist. Zum einen trauen sich alte Leute oft nicht, Geschenke abzulehnen, zum anderen sollte man sowieso niemanden ein Lebewesen &#8222;schenken&#8220;, au\u00dfer man hat vorher alles abgesprochen und gekl\u00e4rt. Wenn dann so ein alter Mensch mit dem jungen Hund \u00fcberfordert ist, und das ist sehr h\u00e4ufig der Fall, was passiert dann? Nimmt dann der Schenkende sein Geschenk zur\u00fcck, ohne beleidigt zu sein? Ohne das &#8222;Geschenk&#8220; auf dem schnellsten Weg ins Tierheim zu verfrachten?<\/p>\n<p>Doch es gibt noch mehr &#8222;gute&#8220; Gr\u00fcnde f\u00fcr die Anschaffung eines Hundes, die man sich genauer ansehen sollte. Einer davon hei\u00dft: ich brauche einen Hund, der mich fordert. Aha. Der Hund soll mich fordern, wie sch\u00f6n. Da gibt es auch meistens ganz genaue Vorstellungen, wie diese Forderungen aussehen sollen: stundenlange Rad- oder Wandertouren, Hundesport wie Agility oder Obidience, H\u00fcteseminare, Nasenarbeit und Apportieren&#8230;.. und das soll der Hund von seinem Menschen einfordern, einfach so, z.B. weil er ein Border Collie, ein Altdeutscher H\u00fctehund oder ein Labrador ist. Und was ist, wenn die Forderungen des Hundes ganz andere sind? Wenn der Border Collie lieber als Couchpotatoe sein Dasein fristet? Oder wenn sich die Lebensumst\u00e4nde \u00e4ndern, und man das alles nicht mehr machen kann? Dann erscheinen z.B. Leute bei mir, die fest davon \u00fcberzeugt sind, da\u00df der 3-j\u00e4hrige, unkastrierte unterforderte Labradorr\u00fcde, mit dem\u00a0 &#8211; eigentlich &#8211;\u00a0ganz viel apportiert werden sollte, durch mich ein wunderbares, neues Heim findet, nat\u00fcrlich innerhalb weniger Tage. Und obwohl ja Labis bekannterma\u00dfen genetisch fixiert mit allen Hunden auf der Welt gut klar kommen, kann dieser hier nur mit einem scharfen Leinenruck und kurzer Leine und nur wenn sein Herrchen ihn f\u00fchrt, an anderen Hunden ohne gr\u00f6\u00dferen Aufwand vorbeigef\u00fchrt werden. Leider kann er auch keine Treppen steigen, weil das doch so sch\u00e4dlich ist f\u00fcr Hunde, deshalb hat man das nie gemacht. Abrufen klappt auch nicht immer oder vielleicht doch eher gar nicht, mu\u00df ja nicht, man geht ja immer an der Leine, aber nicht so viel und nicht so oft, weil er so zieht. Und das mit dem Apportieren hat leider auch nicht geklappt, da war der Aufwand an Zeit und Geld dann doch zu gro\u00df. Wer glaubt eigentlich, da\u00df die Leute nach solchen Hunden Schlange stehen? Auch wenn dieser hier noch so liebenswert ist?<\/p>\n<p>Anzeige f\u00fcr solche Hunde sehen dann ungef\u00e4hr so aus:<br \/>\n&#8222;Wir suchen ein neues Zuhause f\u00fcr unser Bella, der wir leider seit einiger Zeit nicht mehr gerecht werden k\u00f6nnen, da sich durch die Geburt unseres Kindes unser Leben sehr ver\u00e4ndert hat. Sie ist eine drei Jahre alte, reinrassiege Schafspudel, die viel Zeit und Aufmerksamkeit braucht.&#8220;<br \/>\nEine andere Variante ist:<br \/>\n&#8222;Mein Name ist Roxy, ein reinrassiger Strobel, also ein Altdeutscher H\u00fctehund. Ich arbeite sehr gerne, nur leider hat mein jetziges Frauchen durch ver\u00e4nderte Lebensumst\u00e4nde keine Zeit mehr f\u00fcr mich und ich mu\u00df viel alleine bleiben. Wenn ich gro\u00df bin, habe ich eine Schulterh\u00f6he von ca. 60-65 cm und wiege ca. 25-30 Kilo. Eigentlich folge ich sehr gut, bin aber zur Zeit in der Pubert\u00e4t und da klappt es nicht immer so toll. Meine neuen Besitzer sollten unbedingt mit mir in eine gute Hundeschule gehen&#8230;..&#8220;<br \/>\nAltdeutsche H\u00fctehunde sind wie alle anderen &#8222;aktiven&#8220; Hunderassen oft Opfer dieser Forderung an den Hund, da\u00df er seinen Menschen fordern soll. Nur fragt man sich, warum man beim Kauf der H\u00fcndin noch nicht wu\u00dfte, da\u00df man bald ein Baby haben m\u00f6chte. Und so eine \u00dcberraschung ist es jetzt auch wieder nicht, da\u00df Babys viel Zeit brauchen. Die Anspr\u00fcche des Hundes \u00e4ndern sich aber dadurch nicht, da\u00df jetzt ein neuer Mensch im Haus ist. Und wer f\u00fcr einen Hund, der jetzt in der Pubert\u00e4t, also vermutlich nicht \u00e4lter als neun oder zehn Monate ist, keine Zeit mehr hat, der hat nicht wirklich \u00dcbersicht in seinem Leben. Wei\u00df man das ca. sechs bis sieben Monate vorher nicht, was auf einen zukommt? Und wenn mein Leben so unsicher ist, was ja keine Schande ist, wie kann ich dann die Verantwortung f\u00fcr einen Hund \u00fcbernehmen? Noch dazu f\u00fcr einen, der mich fordern soll?<\/p>\n<p>Ein weiterer Grund ist: ich habe mich sofort in diese Rasse verliebt. Kann passieren. Mu\u00df auch nicht immer schlecht enden. Als ich das Buch &#8222;Herdenschutzhunde&#8220; von Thomas Schoke las, ratterte es immerzu in meinem Kopf: wie bekomme ich so einen Hund in meinem Leben unter? Zu meinem und vermutlich auch zum Gl\u00fcck des Hundes habe ich einen vern\u00fcnftigen Ehemann. Schon bei der ersten vorsichtigen Anfrage war die klare Antwort: gar nicht. Ja, ich kann mit solchen Hunden und ich finde sie gro\u00dfartig. Ohne meinen Mann w\u00e4re sicher schon einer eingezogen. Aber am Anfang h\u00e4tte dieser Hund \u00fcberhaupt nicht in unser Leben gepasst und jetzt h\u00e4tte ich Bedenken, was in zehn Jahren ist&#8230;. siehe oben.<\/p>\n<p>Schief geht es oft deshalb, weil die Menschen nicht wirklich eine realistische Vorstellung davon haben, welche Bed\u00fcrfnisse sehr aktive Rassen wie H\u00fcte- oder Jagdhunde tats\u00e4chlich haben. Oder weil sie die Aussagen der Z\u00fcchter nicht richtig einsch\u00e4tzen, da ihnen die Hintergrundinformationen fehlen. Eine Vermehrerin in unserer Nachbarschaft, die behauptet als Catahoula-&#8222;Z\u00fcchterin&#8220; genau \u00fcber die Rasse Bescheid zu wissen, vermarktet die Hunde im Internet als &#8222;Sport-, Jagd- und Gebrauchshunde mit hohem Energielevel&#8220;, an unwissende Kunden verkauft sie sie als &#8222;H\u00fctehunde&#8220;. Ja, kann man so sehen beim Catahoula, sollte aber nicht mit der Arbeit verwechselt werden, die H\u00fctehunde in Europa leisten. Und schon gar nicht sollten die Anspr\u00fcche solcher Hunde untersch\u00e4tzt werden. So ein Exote kann selbst sehr aktiven Menschen und guten Hundekennern\u00a0schnell \u00fcber den Kopf wachsen. Zudem kann eine Eigenschaft, die der Z\u00fcchter gro\u00dfartig findet, f\u00fcr einen selber zum absoluten Problem werden. Ein Spaniel, der automatisch jeder interessanten Spur folgt und sich f\u00fcr nichts mehr hinter ihm interessiert, ist f\u00fcr einen J\u00e4ger ein gro\u00dfartiger Helfer. F\u00fcr Menschen, die einfach mal im Wald spazieren gehen m\u00f6chten, ist so ein Hund eine Katastrophe, denn er zerrt ihnen die Schultern kaputt und hat entschieden andere Vorstellungen von am\u00fcsanten Waldspazierg\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Eine M\u00f6glichkeit solche Fehlentscheidungen zu verhindern ist nat\u00fcrlich: ich gehe vor der Anschaffung des Hundes in eine Hundeschule und lasse mich informieren. Dazu sollte die Trainerin selber m\u00f6glichst nicht z\u00fcchten und \u00fcber gute Fachkenntnis der verschiedenen Hunderassen verf\u00fcgen. Aber wenn man eine Fehlentscheidung getroffen hat und der Hund schon da ist, dann gibt es eigentlich nur zwei M\u00f6glichkeiten: ich suche einen guten Platz f\u00fcr meinen Hund, das ist die zweitbeste. Die zweitbeste deshalb, weil das oft nicht klappt und man sich viel Zeit lassen mu\u00df.<\/p>\n<p>Die beste L\u00f6sung ist: ich gestehe mir ein, da\u00df ich einen Fehler gemacht habe. Der Fehler besteht darin, da\u00df ich falsche Vorstellungen hatte. Der Hund selber macht nichts falsch und ist auch kein Fehler. Und weil ich ihn liebe, ordne ich mein Leben so, da\u00df er bei mir bleiben kann. Trotz Baby, trotz Umzug, trotz neuem Partner oder was auch immer der Grund daf\u00fcr ist, da\u00df es schwierig wird. Und das lohnt sich immer!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Ute Rott &#8211; Forsthaus Metzelthin Sich einen Hund ins Haus zu holen, kann verschiedene Gr\u00fcnde haben. Einige sind sehr nachvollziehbar, wenn auch nicht unbedingt logisch. 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