{"id":19,"date":"2012-10-16T16:07:47","date_gmt":"2012-10-16T16:07:47","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=19"},"modified":"2012-10-16T16:07:47","modified_gmt":"2012-10-16T16:07:47","slug":"abbruchsignale-notwenig-oder-uberflussig","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=19","title":{"rendered":"Abbruchsignale &#8211; notwenig oder \u00fcberfl\u00fcssig?"},"content":{"rendered":"<p>In vielen Hundeb\u00fcchern lesen Sie, da\u00df jeder Hund, sobald er Mitglied der menschlichen Gemeinschaft wird, sofort und unverz\u00fcglich ein Abbruchsignal lernen mu\u00df. Auch viele Hundetrainer behaupten das. Die Argumentation h\u00f6rt sich an, als ginge die Welt unter, wenn Ihr Hund das nicht schon als Welpe beherrscht. Die Frage ist allerdings: wozu ist ein Abbruchsignal gut , wann braucht man es und wie baut man es auf? Und: ist es wirklich das Wichtigste, was ein Hund lernen mu\u00df?<\/p>\n<p>F\u00fcr Welpen ist ein Abbruchsignal ganz sicher nicht erste Priorit\u00e4t. Ein Welpe mu\u00df die Welt erkunden und es ist wahrlich eine Tods\u00fcnde, wenn ich ihm alles verbiete, was ihn interessiert. Das bewirkt u.U. folgendes:<br \/>\nEr traut sich nichts mehr, wird unsicher und \u00e4ngstlich<br \/>\noder<br \/>\ner denkt sich: wenn sowieso schon alles verboten ist, ist es auch egal. Und macht was er will.<br \/>\nF\u00fcr Welpen sollte man sich also etwas anderes ausdenken. Man sollte einen Welpen z.B. nicht ohne Aufsicht lassen, damit man sofort eingreifen kann, wenn der Kleine gef\u00e4hrliche Ideen hat, etwa an der B\u00fcgeleisenschnur zu zupfen. Dann ist es aber besser, ihn nicht in die N\u00e4he des B\u00fcgeleisens zu bringen, als &#8222;pfui ist das&#8220; zu br\u00fcllen. Sie m\u00fcssen also Ihre Wohnung welpensicher machen: Kabel verr\u00e4umen, Blument\u00f6pfe h\u00f6her stellen, Kissen in unerreichbaren Regionen verstauen und aufpassen, aufpassen, aufpassen. Und schon sind Abbruchsignale bei Welpen \u00fcberfl\u00fcssig.<\/p>\n<p>Trotzdem sollte ein Hund Signale kennen, die ihm verdeutlichen: h\u00f6r auf mit dem, was du gerade machst, und zwar sofort. Wenn Sie jetzt immer nur ein Wort f\u00fcr alles ben\u00fctzen, z.B. &#8222;pfui&#8220;, &#8222;nein&#8220;, &#8222;aus&#8220;, dann m\u00fcssen Sie versuchen, jedesmal, wenn Ihr Hund &#8211; nach Ihrer Meinung &#8211; etwas falsch macht, entsprechend sch\u00e4rfer oder weniger scharf zu klingen. Denn es kann ja nicht sein, da\u00df Sie ihn wegen der geringsten Kleinigkeit immer gleich andonnern. Das d\u00fcrfte aber nicht so einfach sein, denn einsilbige W\u00f6rter wie &#8222;aus&#8220; oder &#8222;pfui&#8220;, die noch dazu f\u00fcr uns negativ belegt sind, wird man immer eher scharf und laut sagen. Egal, was Ihr Hund also macht, er wird immer in Grund und Boden gedonnert.<\/p>\n<p>Dazu kommt, da\u00df es f\u00fcr Ihren Hund teilweise schwer ist zu verstehen, was Sie wollen. Sanftere Gem\u00fcter entscheiden sich beim Abbruchsignal oft f\u00fcr das Wort &#8222;nein&#8220;, eben weil es nicht so hart ist. Aber \u00fcberlegen Sie doch mal. Bei jeder Gelegenheit ist alles &#8222;nein&#8220;: nein, zieh nicht an der Leine, nein, nimm nicht den Dreck auf, nein, bell jetz nicht&#8230;.. Dazu wird es richtig weich gezogen &#8222;neeeiiiin&#8220;, so da\u00df es sich eher wie ein Lob anh\u00f6rt: das hast du feeeiiin gemacht. Und das soll er verstehen? Zum einen w\u00e4re es wesentlich besser, wenn Sie ihm ein Verhalten nicht einfach verbieten, sondern ihm eine Alternative anbieten: also: geh locker an der Leine, geh an dem Dreck vorbei, mach dich leise bemerkbar. Dadurch warten Sie nicht, bis er einen Fehler macht, sondern zeigen ihm, wie es f\u00fcr alle Beteiligten gut ist. Zum anderen sagen Sie 1.000mal am Tag &#8222;nein&#8220;: nein, was soll das denn wieder! Nein danke, ich habe keinen Hunger&#8230;.. Und Ihr Hund soll jedes Mal wissen, ob er gemeint ist?<\/p>\n<p>Man braucht aber manchmal eine Ansage, aus der ein Hund schlie\u00dfen kann, da\u00df er jetzt sofort und auf der Stelle sein Tun beenden soll. Jetzt, nicht erst in einer halben Stunde. Dazu sollten Sie 4-5 Ansagen ausdenken, die Ihnen leicht von den Lippen gehen und bei denen Sie ein bestimmtes Bild im Kopf haben. Allerdings sollten auch dann nicht st\u00e4ndig alles verbieten. Wenn Ihr Hund an den Hinterlassenschaften eines anderen Hundes schnuppert, finden Sie das vielleicht eklig, Ihr Hund aber nicht. Deshalb wird er gar nicht verstehen, warum das &#8222;pfui&#8220; sein soll. Aber wenn er gerade einen Kumpel aus der Hundegruppe nervt, und Sie sagen laut und unfreundlich, in angemessener Lautst\u00e4rke: &#8222;La\u00df das!&#8220; oder &#8222;Benimm dich&#8220; dann ist ihm schon klar, was Sie meinen. Und er wird damit aufh\u00f6ren. Wenn er allerdings erst dr\u00fcber nachdenkt und Sie ihn mit einem &#8222;denk erst nach&#8220; dazu bringen, gar nicht erst anzufangen mit diesem Unfug, ist es nat\u00fcrlich noch besser.<\/p>\n<p>Ein Hund, der gar nicht aufh\u00f6rt zu nerven, reagiert auf &#8222;aus&#8220; evtl. mit noch mehr Generve, denn da\u00df er nervt hat einen Grund, z.B. Sie \u00fcbersehen ihn immer, wenn er sich ruhig n\u00e4hert oder er ist aufgrund Ihrer \u00fcberzogenen Aktivit\u00e4ten \u00fcberdreht. Wenn Sie das ausschlie\u00dfen k\u00f6nnen, dann sollte ein unfreundliches &#8222;es reicht jetzt&#8220; ausreichend sein. In Hundegruppen kann es manchmal zu etwas derben Situationen kommen, bei denen es einfach ein bi\u00dfchen zu heftig zur Sache geht. Da kann es sinnvoll sein, mit einem lauten Schrei &#8222;hey!!&#8220; dazwischen zu funken, damit die Sache nicht eskaliert. Allerdings sollten Sie auch hier \u00fcberlegen, ob es nicht besser gewesen w\u00e4re, die Hunde rechtzeitig anzuleinen.<\/p>\n<p>Wenn Ihr Hund gerne mal an den Zaun startet und nur durch eine scharfes &#8222;ab&#8220; dazu zu bringen ist, sich zu entfernen, ist das im Moment sicher eine gute L\u00f6sung. Zumindest ist es besser als eine Diskussion mit dem Brieftr\u00e4ger wegen zerrissener Hosen. Aber die noch bessere L\u00f6sung ist es, wenn Ihre Pelznase gelernt hat, den Brieftr\u00e4ger zu melden, sich bei Ihrem N\u00e4herkommen auf einen Platz zur\u00fcckzuziehen, von dem aus er beobachten kann, da\u00df alles in Ordnung ist. Dann hat er nicht nur eine Aufgabe erf\u00fcllt, die sinnvoll ist, sondern auch verstanden, was er tun soll.<\/p>\n<p>Sollen Sie Ihren Hund also besser keine Abbruchsignale beibringen? Geht alles auch anders? Nein, so einfach ist es nicht. Es kann sehr sinnvoll sein, wenn Sie die Aktionen Ihres Hundes nachhaltig und sofort unterbrechen k\u00f6nnen. Aber wenn Sie in erster Linie versuchen, freundliche L\u00f6sungen zu finden, vorausschauend zu arbeiten, also ihn gar nicht erst in schwierige Situationen kommen lassen, weil Sie ihn vorher umlenken, anleinen oder klare Vorgaben geben, dann begrenzen Sie die Anzahl der Abbruchsignale auf ein absolutes Minimum und Sie werden erkennen, da\u00df es \u00fcberhaupt nicht notwendig ist, den Hund Fehler machen zu lassen. Das ist f\u00f6rderlich f\u00fcr Ihre Beziehung und l\u00e4\u00dft in Ihrer Pelznase das Vertrauen zu Ihnen wachsen, da\u00df Sie sich gut um ihn k\u00fcmmern.<\/p>\n<p>Und wie baut man ein vern\u00fcnftiges Abbruchsignal auf? Viele Trainer arbeiten hier \u00fcber Frustration. Wenn das sauber gemacht wird und der Hund nicht in der Frustration h\u00e4ngen bleibt, ist das in Ordnung. Allerdings m\u00f6chte ich das hier nicht erkl\u00e4ren, lassen Sie sich das bitte zeigen, sonst geht leicht etwas schief. Die andere Variante ist: learning by doing. Das hei\u00dft: wenn sich die Situation ergibt, z.B. macht sich Ihr Liebling gerade auf den Weg um die Leberwurst auf dem Tisch zu klauen, dann k\u00f6nnen Sie ihn mit einem &#8222;benimm dich&#8220; mit leicht erhobener Stimme darauf aufmerksam machen, da\u00df Sie das durchaus im Blick haben und nicht w\u00fcnschen. Sobald er sich von der Leberwurst entfernt, die bitte sch\u00f6n sicher auf dem Tisch liegt und nicht in unmittelbarer N\u00e4he vor seiner Nase, dann loben Sie ihn. Geben Sie ihm daf\u00fcr aber kein Leckerchen. Sonst treten Sie ein Handlungskette los, die nicht erw\u00fcnscht ist: ich mache was Verbotenes, werde ermahnt, dann lasse ich das sein und bekomme ein Leckerchen. Ein kurzes, freundliches Lob reicht. Allerdings finde ich es nur begrenzt vertretbar, solche Situationen zu provozieren. Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund, Wurst und K\u00e4se unbeaufsichtigt herumliegen zu lassen.<\/p>\n<p>Bedenken Sie bei Ihren unterschiedlichen Signalen, da\u00df Sie steigerungsf\u00e4hig bleiben m\u00fcssen: sowohl die Lautst\u00e4rke, als auch die Deutlichkeit der Ansage sollten Sie variieren k\u00f6nnen. Damit machen Sie Ihrem Freund viel besser klar, wie dramatisch &#8211; oder auch nicht &#8211; die jeweilige Situation gerade ist.<\/p>\n<p>Alles in allem sollten Sie schon darauf achten, ihn nicht st\u00e4ndig zu reglementieren, auch mal f\u00fcnf gerade sein zu lassen und nicht \u00fcberall Gefahren und Fallen zu sehen. Nicht jedes St\u00fcck Hundekacke macht ihn krank, nicht jedes Leberwurstbr\u00f6tchen, das er findet, ist vergiftet, nicht alles, was er tut, ist gef\u00e4hrlich. Entspannter Umgang macht es auch leichter m\u00f6glich zu entscheiden, wann ein Abbruchsignal angesagt ist und wann nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In vielen Hundeb\u00fcchern lesen Sie, da\u00df jeder Hund, sobald er Mitglied der menschlichen Gemeinschaft wird, sofort und unverz\u00fcglich ein Abbruchsignal lernen mu\u00df. Auch viele Hundetrainer behaupten das. 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