{"id":1770,"date":"2018-04-08T18:07:32","date_gmt":"2018-04-08T16:07:32","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=1770"},"modified":"2022-12-21T15:34:16","modified_gmt":"2022-12-21T14:34:16","slug":"meiner-ergibt-sich-nie-das-ist-doch-ein-problem-oder","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=1770","title":{"rendered":"Meiner ergibt sich nie, das ist doch ein Problem? Oder?"},"content":{"rendered":"<p>Aussagen in dieser Art h\u00f6rt man immer wieder: Hund &#8222;weigert&#8220; sich, sich auf den R\u00fccken zu legen, um dem anderen Hund seine Unterlegenheit anzuzeigen. Das Verh\u00e4ltnis ist nicht ausgewogen, beim Spielen liegt der eine immer, der andere nie auf dem R\u00fccken, der rennt lieber weg. Es ist doch nicht normal, wenn sich ein Hund nie ergibt&#8230;.<\/p>\n<p>Ja, was daran ist eigentlich nicht normal? Stellt euch einfach mal vor, ihr bringt euer Kind in die Kita und als ihr es abends abholt, nimmt euch die Erzieherin mit von Sorge zerfurchter Stirn auf die Seite und sagt: &#8222;So ganz normal ist Ihr Kleiner aber nicht. Er hat sich heute nicht ein einziges Mal ergeben. Normalerweise m\u00fc\u00dfte er sich immer mal wieder auf den Boden hocken, den Kopf zwischen die Beine nehmen und seine Unterlegenheit bekunden. Das hat er nicht einmal gemacht. Wenn er sich wenigstens mal in die Ecke gestellt h\u00e4tte! Aber nicht mal das!&#8220; Wenn ihr daraufhin dieser p\u00e4dagogischen Fachperson die Hand sch\u00fcttelt und sagt: &#8222;Danke f\u00fcrs Gespr\u00e4ch, war nett Sie kennengelernt zu haben.&#8220; euer Kind einpackt und auf Nimmerwiedersehen verschwindet, dann habt ihr mein vollstes Verst\u00e4ndnis. Jeder halbwegs im Kopf klare Mensch w\u00fcrde sich fragen, wozu das gut sein soll.<\/p>\n<p>Aber ein Hund mu\u00df das k\u00f6nnen? Der mu\u00df sich vor anderen kleinmachen und dem\u00fctig sein und um Gutwetter bitten, oder wie? Einfach so?<\/p>\n<p>Es gibt zwei Hauptarten der Unterwerfung: die aktive und die passive. Aktiv bedeutet: der Unterlegene, z.B. ein unsicherer Junghund, der sich bei einem souver\u00e4nen Althund f\u00fcr etwas entschuldigen oder ihn milde stimmen m\u00f6chte, benimmt sich wie ein Welpe. Er legt die Ohren an, kriegt ein Welpigrinsegesicht, knickt in den Knieen ein, schwarenzelt um den Alten rum, schleckt ihm das Maul und ist \u00fcberhaupt sehr aufdringlich und anh\u00e4nglich. Passiv bedeutet: die H\u00fctte brennt und der Jungspund mu\u00df sehr deutlich zeigen, dass er die Waffen streicht. Also schleicht er zum Gro\u00dfen hin, macht sich ganz klein, legt sich vor ihm dem\u00fctig und vorsichtig auf den R\u00fccken und zeigt die Bauch- und Halsunterseite.<\/p>\n<p>Und der Gro\u00dfe? Der schaut weg. Der nimmt die Entschuldigung an, ob aktiv oder passiv ist egal und verh\u00e4lt sich ganz ruhig. Er vermeidet jeden Blickkontakt, um eine Eskalation der Situation zu vermeiden und zieht sich sobald es geht zur\u00fcck, damit der Kleine sich wieder beruhigt, bzw. aufstehen kann. Nur bei einem sehr aufm\u00fcpfigen Jundspund, der mal eine klare Lektion braucht, wird sich erstmal die Zeit nehmen ihn abzuschn\u00fcffeln. Aber auch das dauert nicht lange, dann geht er weg, damit der aufstehen kann.<\/p>\n<p>Und das soll euer Hund einfach so zwischendurch mal machen? Merkw\u00fcrdige Vorstellung, finde ich. Aber das Dumme ist, dass es leider immer noch einige KollegInnen gibt, die behaupten, das sei notwendig f\u00fcr eine gutes Sozialverhalten. Dabei gibt es viele Varianten, einen Konflikt zu l\u00f6sen. So zu tun, als sei man grunds\u00e4tzlich so eine Art Fussabtreter, zeugt vermutlich einerseits von wenig sozialer Flexibilit\u00e4t. Der Hund hat anscheinend nur das gelernt und es kann leicht mal passieren, dass er an den Falschen ger\u00e4t, dem es Spa\u00df macht, ihm dauernd eine drauf zu geben. Andererseits ist das auch ein starker Hinweis auf mangelndes Selbstvertrauen und erlernte Hilflosigkeit. Ich w\u00fc\u00dfte auch nicht, was daran besonders sozial ist, wenn der St\u00e4rkere im Spiel vom Schw\u00e4cheren verlangt, dass er sich mittendrin einfach so hinschmei\u00dft. Das erinnert dann doch stark an Sadomaso-Spielchen. Wenn Menschen daran ihren Spa\u00df haben und im Einverst\u00e4ndnis handeln, ist das ok. Aber das von Hunden zu fordern?<\/p>\n<p>Und was ist von einem vermeintlich souver\u00e4nen Hund zu halten, der das von anderen einfordert? Bei mir wird das in Gruppen garantiert nicht geduldet, dass ein Hund anf\u00e4ngt, die anderen zu tyrannisieren. Wenn ein neuer, junger Hund in die Gruppe kommt, der nat\u00fcrlich masslos aufgeregt ist und deshalb vor lauter Lass-mich-auch-mit nix wie Bl\u00f6dsinn macht, die anderen anrempelt oder einfach nur nervt mit seinem Gehampel, dann kann es zu so einer Situation schon mal kommen. ABER: die \u00e4lteren Hunden d\u00fcrfen ihn z.B. ruhig mal in der R\u00fcckenlage abschn\u00fcffeln, doch dann mu\u00df der wieder aufstehen d\u00fcrfen. Es gibt definitiv keinen Grund zu jubeln, wenn ein Hund in der Gruppenstunde permanent auf dem R\u00fccken liegt und die anderen ihren Spa\u00df damit haben.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Mai-2013-361.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-596\" src=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Mai-2013-361-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Mai-2013-361-225x300.jpg 225w, http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Mai-2013-361.jpg 360w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Mobbingopfer werden die besten Mobber und zu erwarten, dass ein Hund permanent anderen Hunden gegen\u00fcber dem\u00fctig ist, ist der beste Garant daf\u00fcr, dass es auch dem sanftm\u00fctigsten Hund irgendwann reicht. In einer meiner Gruppen ist eine sehr nette Labradorh\u00fcndin, die ihre Welpen- und Junghundzeit in einer anderen Hundeschule erlebt hat. Diese Trainerin war der Meinung, dass ihr R\u00fcde sofort erkennt, welcher Welpe eine &#8222;harte Hand&#8220; braucht. Unser Labim\u00e4dchen wurde von ihm so eingesch\u00e4tzt und hat wohl w\u00e4hrend der Trainingsstunden mehr Zeit auf dem R\u00fccken als auf den F\u00fc\u00dfen verbracht. Dazu kam, dass sie sehr fr\u00fch einen Kreuzbrandriss und damit Schmerzen beim Toben und Spielen hatte. Jedenfalls wunderte mich sehr, dass sie im Freilauf auch \u00fcber l\u00e4ngere Zeit immer eine B\u00fcrste machte. Sowie die Leine dran war, konnte sie sich entspannen. Ihre Halter erz\u00e4hlten, dass sie manchmal &#8222;ohne jeden Anlass&#8220; andere Hunde attackierte, sie konnten nicht erkl\u00e4ren warum. In meiner Gruppe ging es lange Zeit gut, bis sie von zwei R\u00fcden genervt war. Sie war l\u00e4ufig gewesen, die R\u00fcden fanden sie immer noch sehr interessant. Das Generve war sicher nicht angenehm, aber auch nicht extrem. Jedenfalls ging sie pl\u00f6tzlich ohne jede Vorwarnung auf einen der beiden los. Es endete mit einem blutenden Ohr und damit, dass die beiden nat\u00fcrlich nicht mehr in einer Gruppe sein k\u00f6nnen, weil der R\u00fcde verst\u00e4ndlicherweise jetzt Angst vor ihr hat. Dabei waren die beiden mal richtig befreundet.<\/p>\n<p>Nach langen Gespr\u00e4chen und \u00dcberlegungen kamen wir wieder auf die Gruppentrainings in der anderen Hundeschule zu sprechen und ich bin \u00fcberzeugt, dass hier die Ursache liegt: die Halter hatten nie gelernt, dass man seinem Hund helfen darf, wenn sie der Meinung sind, irgendwas reicht jetzt. Das Verhalten des Trainerhundes, der vermutlich einfach genervt von dem Welpen- und Junghundgewusel war und keinen Bock auf die Blagen anderer hatte, fanden sie zwar beide \u00fcberzogen, aber sie dachten eben, das mu\u00df so sein. Und was hat die H\u00fcndin gelernt? Wenn&#8217;s reicht, dann werd ich zum Monster und danach habe ich meine Ruhe.<\/p>\n<p>Wenn gerade junge H\u00fcndinnen von R\u00fcden genervt werden, mu\u00df man ihnen helfen und es ist erlaubt, dass die H\u00fcndin bei mir Sicherheit sucht und ich den l\u00e4stigen Verehrer in die Schranken weise, wenn sein Halter das nicht tut. Sie darf auch mal eine Ansage machen, wenn er nicht von ihrem Hinterteil wegzubringen ist, und die Ansage darf so sein, dass die Botschaft ankommt. Ebenso darf ein Jungund, den ein vermeintlich souver\u00e4ner Althund st\u00e4ndig umlegt, durchaus mal sagen, dass es reicht, wenn schon seine Halter nicht auf die Idee kommen, ihm zu helfen.<\/p>\n<p>Oder, um es auf einen ganz kurzen Nenner zu bringen: was du nicht willst, das man dir tu, das f\u00fcg auch keinem anderen zu.<\/p>\n<p>Hunde m\u00fcssen sich nicht einfach so ergeben, nur weil ein anderer Hund oder irgend ein &#8222;Experte&#8220; denken, das w\u00e4re angebracht. Wenn ein Konflikt entstehen k\u00f6nnte, z.B. beim Spielen, ist es eine wunderbare L\u00f6sung, zur Deeskalation zu buddeln, ein Rennspiel einzuleiten oder einfach rumalbern&#8230;. egal, der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Sich auf den R\u00fccken zu legen, ist eine L\u00f6sung, die nur dann passend ist, wenn wirklich Feuer am Dach ist UND der andere Hund gut und souver\u00e4n damit umgehen kann. Es ist keine Besch\u00e4ftigungstherapie, um das Selbstvertrauen des einen klein zu halten und dem anderen die M\u00f6glichkeit zum Mobben zu geben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aussagen in dieser Art h\u00f6rt man immer wieder: Hund &#8222;weigert&#8220; sich, sich auf den R\u00fccken zu legen, um dem anderen Hund seine Unterlegenheit anzuzeigen. 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