{"id":1737,"date":"2018-03-16T15:44:52","date_gmt":"2018-03-16T14:44:52","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=1737"},"modified":"2018-03-16T15:44:52","modified_gmt":"2018-03-16T14:44:52","slug":"was-ist-bindung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=1737","title":{"rendered":"Was ist Bindung?"},"content":{"rendered":"<p>Gute Frage, oder? Was ist Bindung?<br \/>\nUnd die n\u00e4chste gute Frage lautet: wie kriege ich das hin, dass mein Hund eine gute Bindung zu mir aufbaut?<br \/>\nUnd: Machen Sie auch Bindungsarbeit?<br \/>\nDas sind so Fragen, die bekomme ich bei Erstgespr\u00e4chen sehr oft zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Wenn wir diese Fragen jemandem stellen, der auf Dominanz und Hierarchie und Dinge wie &#8222;ich bin der Boss&#8220; steht, dann sind die Antworten klar: wenn der Hund mich als seinen Lebensmittelpunkt betrachtet, wenn er nur auf mich achtet, wenn er prompt und zuverl\u00e4ssig gehorcht, dann hat er eine gute Bindung. So weit, so absurd. Sollte das stimmen, h\u00e4tte in den vergangen 38 Jahren kein einziger meiner Hunde eine gute Bindung zu mir gehabt.<\/p>\n<p>Wo bin eigentlich ich Mensch in diesen Fragen? Was ist mit meiner Bindung zu meinem Hund? Wie baue ich eine gute Bindung zu ihm auf? Welche Bindungsarbeit mu\u00df ich denn leisten? Und: warum stellen meine Kunden diese Fragen nie?<\/p>\n<p>Weil Theorie gerade bei diesem Thema sehr verschwommen ist, m\u00f6chte ich das mal mit einer Episode aus einem Erstgespr\u00e4ch erkl\u00e4ren, was es mit &#8222;Bindung&#8220; auf sich hat. Eine Freundin von mir bat mich, mit ihrer Tochter, dem Schwiegersohn und dem neuen Hund ein Beratungsgespr\u00e4ch zu f\u00fchren. Es ist der erste Hund der beiden, ein ca. 2 Jahre alter Labradorr\u00fcde, Scheidungswaise. Wir verbrachten fast zwei Stunden zusammen bei einem sehr positiven Gespr\u00e4ch. Sie fragten viel, ich antwortete so gr\u00fcndlich und ausf\u00fchrlich wie nur m\u00f6glich. Die ganze Zeit hatte ich den Eindruck: hier ist mal der richtige Hund bei den richtigen Menschen gelandet. Klar gibt es noch das eine oder andere, das sich noch richten mu\u00df, aber das wird schon klappen.<\/p>\n<p>Bindung spielte nat\u00fcrlich auch eine Rolle. Mir fiel auf, dass ein Unbeteiligter vermutlich nie auf die Idee gekommen w\u00e4re, dass der Hund erst seit ein paar Wochen bei den beiden war. Er lie\u00df sich ganz unkompliziert abrufen, war immer in der N\u00e4he, war sehr aufmerksam ohne gestresst zu wirken, alles in allem eine sehr erfreuliche, runde Sache. Und jetzt kommts: Bindung &#8211; wie baue ich die auf?<\/p>\n<p>Die Tochter erz\u00e4hlte mir mit strahlenden Augen von ihrem Morgenspaziergang. Meine Freundin wohnt in einem kleinen uckerm\u00e4rkischen Dorf am Ortsrand und von ihrem Haus kann man wunderbare Spazierg\u00e4nge \u00fcber die zur Zeit kahlen Felder unternehmen. Die Wege und Felder sind durchsetzt mit gro\u00dfen und tiefen Pf\u00fctzen &#8211; ein Paradies f\u00fcr Labradore.\u00a0 Das beste an diesem Morgenspaziergang waren nat\u00fcrlich diese Pf\u00fctzen, in die der S\u00fc\u00dfe sich mit wahrer Wonne hineinst\u00fcrzte, durch die er tobte und darin plantschte. Und sein Frauchen &#8211; eine stinknormale Berliner Rechtsanw\u00e4ltin ohne jede Hundeerfahrung &#8211; stand am Rand, wurde von Kopf bis Fu\u00df mit Dreck bespritzt und freute sich ein Loch in den Bauch. Die helle Begeisterung stand ihr immer noch ins Gesicht geschrieben.<\/p>\n<p>Ich sehe schon die Fragezeichen \u00fcber manchen K\u00f6pfen: was hat denn das mit Bindung zu tun?<\/p>\n<p>Eine ganze Menge w\u00fcrde ich sagen. Da ist ein Hund abgegeben worden und mit gro\u00dfer Sorgfalt, weil man ihn ja liebt und nicht gerne hergibt, sucht man ihm einen guten Platz und findet ihn auch. F\u00fcr den Hund ist das trotzdem eine schwere traumatische Erfahrung, und zwar um so mehr, wenn er sich vorher wirklich geliebt gef\u00fchlt hat. Unser kleiner Freund wurde mit offenen Armen und warmen Herzen empfangen. Die beiden beobachten ihn ganz genau, was er m\u00f6chte, wie man es ihm erm\u00f6glicht, wann und wo er sich wohlf\u00fchlt&#8230;.. sie tun alles, um ihm das neue Zuhause und seine neuen Menschen so angenehm wie nur gerade m\u00f6glich zu machen. SIE f\u00fchlen sich verantwortlich daf\u00fcr, dass er sich wohlf\u00fchlt, sie erwarten NICHT, dass er sich sofort zu 100% anpasst. Und dazu geh\u00f6rt, dass man sich mit seinem Freund freut, wenn er sich freut. Auch wenn man voller Dreck und Speck vom Spaziergang zur\u00fcckkommt.<\/p>\n<p>Das, liebe HundefreundInnen, das hat sehr viel mit Bindung zu tun. Mit dem bedingungslosen Annehmen eines Hundes, der sein Zuhause verloren hat, der neue Orientierung, viel Liebe und Verst\u00e4ndnis braucht &#8211; und das bekommt er auch. Und daf\u00fcr sind WIR zust\u00e4ndig, wir Menschen.<\/p>\n<p>Mir geht das Herz auf, wenn ich solche Dinge erlebe. Wenn ich sehe, dass Menschen nicht einfach mit Begriffen um sich werfen, wenn\u00a0 sie alles ihnen M\u00f6gliche tun, um einem Hund das Ankommen zu erleichtern, wenn sie mit ihm leben und an seinem Leben teilhaben, aktiv und mit Freude. Und dann mu\u00df man sich keine Gedanken mehr \u00fcber Bindung und die schwere Arbeit zu einer guten Bindung zu machen. Dann hat man den Samen in gute und nahrhafte Erde gelegt und es kann eine sch\u00f6ne Pflanze daraus werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gute Frage, oder? Was ist Bindung? Und die n\u00e4chste gute Frage lautet: wie kriege ich das hin, dass mein Hund eine gute Bindung zu mir aufbaut? Und: Machen Sie auch Bindungsarbeit? 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