{"id":1611,"date":"2017-06-27T12:09:08","date_gmt":"2017-06-27T10:09:08","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=1611"},"modified":"2017-06-27T12:09:08","modified_gmt":"2017-06-27T10:09:08","slug":"mantrailing-als-therapiemoeglichkeit-3-teil-verhaltenstherapie-fuer-hunde","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=1611","title":{"rendered":"Mantrailing als Therapiem\u00f6glichkeit? &#8211; 3. Teil Verhaltenstherapie f\u00fcr Hunde"},"content":{"rendered":"<p>Wenn Hunde gerne jagen, dann denken viele Menschen, dass man sie mit einem Ersatz, also z.B. Mantrailing davon abhalten, bzw. ihnen eine gewisse Ersatzbefriedigung verschaffen kann. Wie wir im 1. und 2. Teil gesehen haben, kann das klappen oder auch nicht. Jetzt gibt es aber immer wieder TrainerInnen, die behaupten, dass man auch Verhaltensprobleme mit Trailen bearbeiten k\u00f6nne und das wollen wir uns im 3. Teil genauer ansehen. Nach meiner Erfahrung ist eine Verbesserung von problematischem Verhalten in Grenzen m\u00f6glich, wenn man bestimmte Punkte beachtet.<\/p>\n<p>1. F\u00fcr wen ist das Verhalten ein Problem? F\u00fcr den Hund? F\u00fcr den Menschen? F\u00fcr die Umwelt?<br \/>\n2. Warum macht der Hund das, was wir als &#8222;Problemverhalten&#8220; bezeichnen?<br \/>\n3. Wer hat es ihm beigebracht?<\/p>\n<p>Diese 3 Punkte sehen wir uns etwas genauer an.<\/p>\n<ol>\n<li>Wenn das Problem &#8222;Jagen&#8220; hei\u00dft, dann ist es f\u00fcr den Hund eigentlich keins. Denn f\u00fcr Hunde ist es normales Verhalten, das zu ihrem genetisch fixierten Repertoire geh\u00f6rt. F\u00fcr Menschen ist es dann ein Problem, wenn ihnen nicht klar ist, dass das so ist und wenn sie in einer Gegend leben, in der ihr Hund damit Anstoss erregt. W\u00fcrde ich beispielsweise meine beiden Lieblinge im Wald so agieren lassen, wie sie das gerne m\u00f6chten, h\u00e4tte ich massiv \u00c4rger mit dem Revierj\u00e4ger, au\u00dferdem ist in Brandenburg im Wald Leinenpflicht. Im schlimmsten Fall k\u00f6nnte er sie erschie\u00dfen oder sie w\u00fcrden einen Unfall bei der Verfolgung eines Wildtieres \u00fcber die Stra\u00dfe verursachen. Es kann also ein Rundumproblem werden, da ist nicht mehr in unsere moderne Welt passt, nur verstehen die Hunde das leider nicht.<a href=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/DSCN1366.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1619\" src=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/DSCN1366-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/DSCN1366-300x225.jpg 300w, http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/DSCN1366-768x576.jpg 768w, http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/DSCN1366.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Bei einer meiner Kundinnen hie\u00df das Problem: die H\u00fcndin springt jeden Menschen vor lauter Begeisterung an. Warum sie das gemacht hat, schauen wir uns in den Punkten 2 \/ 3 an. Bei einem Hund, der einem 2-Meter-Mann ins Gesicht springt, ist das nicht witzig, besonders wenn es sich um einen Minibully handelt. Neben verschiedenen anderen Trainings hat sich das Trailen hier als sehr n\u00fctzlich erwiesen. Meine Art der Anzeige &#8211; au\u00dfer der Hund bietet freiwillig etwas anderes an &#8211; ist: wenn du sicher bist, dass das die richtige Person ist, dann stups oder schau den kurz an und geh zu deinem Menschen. Das klappt deshalb sehr gut, weil sich der Mensch riesig freut, sowie der Hund die Versteckperson gefunden hat und die Hunde sich darauf hin automatisch umdrehen. In diesem Fall war es wichtig, dass wir sofort angefangen haben zu jubeln und vor Begeisterung am Rad zu drehen, damit die H\u00fcndin gar nicht erst anf\u00e4ngt zu springen. Sehr interessant wurde es, als Verleitpersonen eingef\u00fchrt wurden. Bis auf wenige Ausnahmen wurden diese nur kontrolliert und nicht (!) angesprungen.<br \/>\nWichtig war dabei, dass auch sonst Menschenbegegnungen ge\u00fcbt wurden. Am besten hat sie das nicht von uns gelernt, sondern von ihrem Freund, einem Gro\u00dfen Wei\u00dfen Sch\u00e4ferhund, der null Bock auf Menschen hat und einfach vorbei geht. Sie hat sich an ihm orientiert und gemerkt: aha, so gehts auch. Wenn wir nicht auch im Alltag daran gearbeitet h\u00e4tten, h\u00e4tte passieren k\u00f6nnen, dass sie die Situation nicht auf den Alltag \u00fcbertr\u00e4gt.<br \/>\nIn einem anderen Fall war es nicht so einfach. Eine H\u00fcndin hatte gro\u00dfe Angst vor Menschen, die einfach vor ihr auftauchen. Ich lernte sie bei einem Workshop bei einer Kollegin kennen. Ihre Halterin war eine sehr nette, aber leider sehr inaktive Frau. Sie dachte, es k\u00f6nnte ausreichen, wenn wir oft genug die H\u00fcndin loben und belohnen, wenn sie die Versteckperson findet. Aber so einfach ist es nicht. Im Vorfeld und als begleitendes Training h\u00e4tte sie sehr viel aktiver ihrer H\u00fcndin zeigen m\u00fcssen, dass Menschen harmlos sind. Sie hat leider nicht verstanden, dass das ein echtes Problem f\u00fcr ihre Maus ist und f\u00fcr sie selber eins werden kann.<a href=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_0597.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1615\" src=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_0597-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_0597-300x200.jpg 300w, http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_0597-768x512.jpg 768w, http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_0597.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/li>\n<li>Warum machen Hunde Sachen, die wir als problematisch empfinden, z.B. unbekannte Menschen anspringen oder verbellen? Warum zicken sie mit anderen Hunden rum oder attackieren sie sogar? Warum ziehen sie an der Leine? Warum fallen ihnen mehr und mehr Dinge ein, die uns nerven und st\u00f6ren?<br \/>\nEiner der Hauptgr\u00fcnde ist, dass wir als Menschen in einer auch f\u00fcr uns sehr stressigen Welt leben, f\u00fcr die Hunde ist der Stress aber h\u00e4ufig kaum zu bew\u00e4ltigen. Damit meine ich, dass wir in einer f\u00fcr Hunde oft unertr\u00e4glich lauten und stinkenden Umgebung leben. Sie sind oft stundenlang allein eingesperrt &#8211; nein, nicht in Zwingern, sondern in ganz normalen Wohnungen, bis ihre Menschen wieder von der Arbeit kommen. Sie sind oft Mittel zum Zweck sind, z.B. um Sport &#8211; oder Ausstellungspokale zu gewinnen, ohne Ende werden Forderungen an sie gestellt&#8230;.. da kann man schon mal vor Verzweiflung Problemverhalten entwickeln.<br \/>\nBei der Minibullyh\u00fcndin im Punkt 1 war es so: ihr Frauchen hatte vorher eine sehr unvertr\u00e4gliche H\u00fcndin, die weder mit Menschen noch Hunden klar kam. Das wollte sie bei diesem Hund \u00e4ndern und lie\u00df sie als Welpen an jeden (!) Menschen und Hund, zu dem sie wollte. Die Maus konnte also gar keine Impulskontrolle lernen, sie war fest davon \u00fcberzeugt, dass sie jeden begr\u00fc\u00dfen mu\u00df und auch darf. Die Idee dahinter war nat\u00fcrlich nett, aber leider ging das v\u00f6llig in die Hosen.<\/li>\n<li>Damit sind wir beim letzten Punkt: wir selber sind schuld daran und wir bringen ihnen das bei, was uns anschlie\u00dfend nervt.<br \/>\nEigentlich wei\u00df jeder Hundehalter heute sehr wohl, dass Hunde sehr viel Ruhephasen brauchen. Was machen viele Menschen? Sie z\u00e4hlen einfach zusammen: so und so viele Stunden hat der Hund ja die M\u00f6glichkeit sich zur Ruhe zu begeben, alles gut. Schaut man genauer hin, stellt man fest, dass den ganzen Tag irgendwie Programm l\u00e4uft, so dass der Hund ganz sicher nicht zur Ruhe kommt. Sehr beliebt ist die Variante, alle 2-3 Stunden f\u00fcr eine halbe Stunde mit ihm das Haus \/ die Wohnung zu verlassen. Dadurch kommt Bello zwar theoretisch auf 16 &#8211; 18 Stunden Ruhephasen. Defacto ist es aber so, dass er von einer zur n\u00e4chsten Aktivit\u00e4t \u00fcberhaupt nicht runterkommt.<br \/>\nDas Thema &#8222;Dauerbespa\u00dfung&#8220; hatten wir hier im Blog schon und es wurde auch schon von sehr vielen Bloggern angesprochen.<br \/>\nWas allerdings immer noch \u00fcbersehen wird, ist die vom Menschen aufgebaute Unselbst\u00e4ndigkeit der Hunde, die permanent mit Kommandos und Anweisungen \u00fcbersch\u00fcttet werden. Dabei spielt es gar nicht mal sooo eine gro\u00dfe Rolle, ob das alles freundlich und gewaltfrei oder mit Druck und Strafe aufgebaut wurde. Der Punkt ist: alles, was der Hund macht, l\u00e4uft \u00fcber Kommando. Und auch ein noch so nett geclickertes Signal, das dem Hund keine oder zu wenig M\u00f6glichkeit gibt, selbst\u00e4ndig zu agieren, macht Hunde auf Dauer irre. Wer alles und jedes unter Signal stellt, der sollte sich nicht wundern, wenn sein Bello irgendwann anf\u00e4ngt, merkw\u00fcrdiges Verhalten zu zeigen.<br \/>\nUm nochmal auf die Minibullyh\u00fcndin zu kommen: ganz klar hatte ihr Frauchen ihr das beigebracht. Und dann wurde es zu einem echten Problem. Denn als zunehmend die Menschen nicht mehr begr\u00fc\u00dft werden wollten, entwickelte sie dieses extreme Anspringen. Terrier haben eingebaute Sprungfedern in den Beinen &#8211; k\u00f6nnte man jedenfalls meinen &#8211; und sie springen sehr gerne. Dazu kommt, dass dieses Verhalten zur sog. Aktiven Unterwerfung geh\u00f6rt, es ist ein sehr &#8222;kindisches&#8220; Benehmen, das dem Gegen\u00fcber zeigen soll: ich bin ganz nett und harmlos. Leider kam in diesem Fall die Botschaft nie an und die H\u00fcndin galt vielen Leuten als unerzogen, was sie definitiv nicht war.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/August.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-750\" src=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/August-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/August-300x225.jpg 300w, http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/August-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p>Solche Dinge bekommt man teilweise in den Griff, wenn der Mensch einsieht, dass das Problem nicht beim Hund sondern bei ihm selber liegt. Unselbst\u00e4ndige Hunde lernen bei gutem aufgebautem Trailen selbst\u00e4ndig zu arbeiten und daf\u00fcr auch noch belohnt zu werden. Manche Situationen kann man zus\u00e4tzlich zum Alltagstraining so in den Trail einbauen, dass der Hund ein anderes Verhalten lernen kann, bzw. sein erlerntes Alternativverhalten austesten kann. ABER: Trailen allein ist keine Therapie, sondern kann eine Therapie nur begleiten und im besten Fall g\u00fcnstig beeinflussen.<\/p>\n<p>Im letzten Teil werden wir uns damit befassen, wie Mantrailing als Therapie f\u00fcr Menschen eingesetzt werden. Ihr d\u00fcrft gespannt sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn Hunde gerne jagen, dann denken viele Menschen, dass man sie mit einem Ersatz, also z.B. Mantrailing davon abhalten, bzw. ihnen eine gewisse Ersatzbefriedigung verschaffen kann. Wie wir im 1. und 2. 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