{"id":1426,"date":"2016-11-25T19:12:43","date_gmt":"2016-11-25T18:12:43","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=1426"},"modified":"2016-11-25T19:26:39","modified_gmt":"2016-11-25T18:26:39","slug":"nebelspaziergang-mit-indiana","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=1426","title":{"rendered":"Nebelspaziergang mit Indiana"},"content":{"rendered":"<p>Drei Tage Symposium, ein Tag Kollegenkreistreffen, zwei Tage je ca. zehn Stunden im Zug &#8211; ich brauch einfach ein bi\u00dfchen Erholung. Unsere M\u00e4nner sind zum Einkaufen gefahren und Indiana und ich beschlie\u00dfen, eine ausgedehnte Runde durch den Nebel zu machen. Meine Prinzessin und ich haben n\u00e4mlich eine wichtige Gemeinsamkeit &#8211; wir haben mehrere, aber die ist schon besonders: wir m\u00f6gen die Hitze nicht so, au\u00dfer an der Badestelle, und wir lieben Nebel und k\u00fchles Novemberwetter. \u00dcber dem ganzen Land liegt dieser wunderbare, weiche Nebel, der alles in Watte h\u00fcllt, die Landschaft, das Dorf und die Ger\u00e4usche.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/2016-01-15-14.21.31.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" alt=\"2016-01-15 14.21.31\" src=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/2016-01-15-14.21.31-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><\/p>\n<p>Vor dem Hundeplatztor bleibe ich erstmal stehen und schaue Indiana hinterher, die voller Begeisterung sofort in das Gestr\u00fcpp bei den Nachbarn st\u00fcrmt &#8211; vielleicht sitzt da ja irgendwo dieser rotzfreche, rote Kater. Zum Gl\u00fcck nicht. Dann pest sie raus auf die Wiese, ich pfeife und mein M\u00e4dchen kommt sofort zur\u00fcck. Wie sch\u00f6n! Jetzt kommt zu diesem wunderbaren Tag auch noch das Gl\u00fcck, da\u00df ich sie zumindest an einigen Stellen frei laufen lassen kann.<\/p>\n<p>Es ist eine reine Freude, ihr beim Rennen \u00fcber die Wiese zuzusehen. Gro\u00dfe Kreise zieht sie um mich, kommt immer wieder her, rennt weg, mit diesem gro\u00dfen Lachen und dieser \u00fcbersch\u00e4umenden Freude von der Nasen- bis zur Schwanzspitze. Freilauf! Das hat mein M\u00e4uschen viel zu selten, weil sie die Freunde des Waldes einfach zum Fressen gern hat. Aber heute h\u00f6re ich jedes Knacken, jedes Rascheln, die Wiese ist leer und die begehrte Beute ist gut versteckt. Langsam gehe ich hinterher und genie\u00dfe die Stille und die wunderbare Stimmung. Am Bruch kommt Indiana zu mir, ich lobe sie sehr und leine sie an. Wir beschlie\u00dfen, heute nur das zu &#8222;trainieren&#8220; was sich \u00fcberhaupt nicht vermeiden l\u00e4\u00dft, also am besten gar nichts, und unseren Lieblingsweg zu gehen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/2016-01-17-14.16.06.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1431\" alt=\"2016-01-17 14.16.06\" src=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/2016-01-17-14.16.06-225x300.jpg\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/2016-01-17-14.16.06-225x300.jpg 225w, http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/2016-01-17-14.16.06.jpg 576w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Auch am Bruch ist heute mit Wild nicht viel los, nicht mal auf der Wiese Richtung Netzower Weg oder oben am Weg zeigt sie mir interessante Stellen. Das ist fein, denn das bedeutet, da\u00df auch im Wald nicht besonders viel los ist. Ihre Freude ist gro\u00df, als wir an der entscheidenden Stelle in den Wald einbiegen und zu dem gro\u00dfen Feld hin\u00fcberlaufen. Ganz hingerissen versucht sie, mich f\u00fcr den einen oder anderen Abstecher in den Wald herumzukriegen. Ich erinnere sie an unserer Abmachung und sie versucht eisern, sich daran zu halten. Das ist nicht einfach f\u00fcr eine junge, jagdbegeisterte H\u00fcndin und deshalb gibt es auch einige Leckerchen f\u00fcr besondere Zur\u00fcckhaltung.<\/p>\n<p>Am Feld angekommen bleiben wir erstmal stehen. Die Luft ist ganz ruhig, nichts bewegt sich, ab und zu h\u00f6ren wir eine Kr\u00e4he, ansonsten &#8211; Stille. Wir laufen ganz am Rand in Richtung einer unserer Lieblingswiesen, n\u00e4mlich zu unserem Lieblingsh\u00fcgel. Da kommt man nicht einfach so hin, da mu\u00df man schon wissen, wo der ist. Deshalb treffen wir da nie jemanden und das finden wir gut. Auf der Wiese vergi\u00dft Indiana vollkommen, da\u00df da auch oft Hirsche und Rehe sind, weil n\u00e4mlich zahlreiche Rehk\u00f6ttel rumliegen, die sie sehr liebt. Ich schau halt weg.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen einen regelrechten Anstieg bewerkstelligen, gar nicht so einfach bei dem nassen, schweren Boden. Ganz allm\u00e4hlich verlieren sich meine Gedanken und schweifen ab. Ich denke \u00fcber viele Dinge nach, die mich zur Zeit besch\u00e4ftigen, das Seminar am Sonntag, eine Buchbesprechung, die Korrekturen f\u00fcr mein n\u00e4chstes Buch&#8230;. da f\u00e4llt mir auf, da\u00df Indiana sich immer wieder nach mir umdreht und mich anschaut. Ohoh, schlechtes Gewissen meldet sich. Sie ist immer mit einem Teil ihres Wesens bei mir und ich? Ich entschuldige mich und verspreche Besserung. Zufrieden gehen wir weiter.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/2016-01-18-12.56.14.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1432\" alt=\"2016-01-18 12.56.14\" src=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/2016-01-18-12.56.14-225x300.jpg\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/2016-01-18-12.56.14-225x300.jpg 225w, http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/2016-01-18-12.56.14.jpg 576w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Unser Lieblingsh\u00fcgel ist ein H\u00fcgel auf vielen H\u00fcgeln. Ganz sanft schwingen sich die Wiesen unterbrochen von einem Bruch und mehreren Haagbepflanzungen in weichen Wellen immer h\u00f6her und ganz oben ist ein H\u00fcgelchen, das eigentlich aus vier B\u00e4umen, einem toten Baumstumpf, einem Ansitz und vielen Steinen und Felsbrocken besteht. Vermutlich wurden hier die Steine abgelagert, die beim Pfl\u00fcgen und Bearbeiten des Feldes auftauchten und st\u00f6rten und daraus wurde dann dieser wundersch\u00f6ne Platz. Eine Eiche, zwei Birken und eine Kiefer beschatten ihn im Sommer, jetzt stehen die Laubb\u00e4ume kahl da. Wir k\u00f6nnen weit ins Land sehen, heute nat\u00fcrlich nicht, aber an sonnigen Tagen verliert sich der Blick \u00fcber Wiesen und W\u00e4lder.<\/p>\n<p>Ist es hier noch stiller? Irgendwie schon. Es ist ein verwunschener Platz und manchmal w\u00fcnsche ich mir, wir h\u00e4tten den selben Glauben an Elfen und Trolle wie die Isl\u00e4nder, dann w\u00e4re das sicher ein gesch\u00fctzter Ort, an dem Elfen leben. Indiana mu\u00df alles genau erkunden, weil wir schon lange nicht mehr hier waren. Also gehen wir um den Ansitz gemeinsam immer wieder rund herum, sie schn\u00fcffelt und buddelt ein bi\u00dfchen, ich genie\u00dfe den Rundblick und stelle mir vor, da\u00df uns die Elfen zusehen und sich am\u00fcsieren, weil wir sie nicht sehen. Also ich sehe sie nicht, Indiana vielleicht schon.<\/p>\n<p>Irgendwann wollen wir weitergehen. Ich schlage ihr vor, da\u00df sie die Richtung aussuchen soll. Und &#8211; gro\u00dfe \u00dcberraschung &#8211; sie sucht sich den gleichen Weg wie die Hirsche und Rehe. Das ist ein bi\u00dfchen doof, weil sie vor lauter Aufregung zieht, aber es ist auch gut, weil wir einen sehr breiten Wildwechsel zum Weg finden und nicht durchs Gestr\u00fcpp m\u00fcssen. Auf dem wundersch\u00f6nen Weg mit den vielen bunten, einplanierten Steinen ist sie sehr aufgeregt, hier waren wir schon lange nicht mehr und es g\u00e4be so viele interessante Abzweigungen&#8230;.. Aber sie h\u00e4lt sich an unsere Abmachung und kommt ohne gro\u00dfe Anstrengungen meinerseits mit.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/2016-01-17-14.15.21.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1433\" alt=\"2016-01-17 14.15.21\" src=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/2016-01-17-14.15.21-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/2016-01-17-14.15.21-300x225.jpg 300w, http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/2016-01-17-14.15.21.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Weg zur\u00fcck geht eine ganze Weile \u00fcber den Bahndamm, der zum Fahradweg ausgebaut wurde. Asphaltierte Wege gibt es bei uns nicht viel, deshalb ist das nicht schlimm. Im Gegenteil hat dieser Weg seinen eigenen Reiz. Man kann sehr weit nach vorne und hinten sehen und er f\u00fchrt durch einen wundersch\u00f6nen Wald mit vielen sch\u00f6nen Abwechslungen: Wege hinaus aufs Feld, ein Erlenbruch, ein Graben, Kuschelkiefern, in denen vielleicht Wildschweine den Tag verschlafen&#8230;. Ich stelle mir vor, wie sch\u00f6n es war, hier mit einem gem\u00fctlichen Bummelb\u00e4hnchen zu fahren und aus dem Fenster zu sehen. Es ist total spannend, Indiana zu beobachten. Auf dem Weg liegen braune und gelbe Bl\u00e4tter, Bucheckern und dann sind da noch irgendwelche grauen oder gelben Flecken, die f\u00fcr mich genauso aussehen wie alles andere, was hier rumliegt. Aber sie schn\u00fcffelt voller Begeisterung dran rum, schleckt, schn\u00fcffelt &#8211; keine Ahnung, was hier so toll ist, aber sie findet die Flecken super. An einigen Stellen sind regelrechte Wildautobahnen links und rechts und sie fragt mal an, ob ich nicht doch&#8230;. nein, immer noch nicht. Schade. Dann gehen wir eben weiter.<\/p>\n<p>Beim M\u00e4rchenland kommen wir wieder auf die Wiese und die Leine kann wieder abgemacht werden. Wie der Blitz rennt sie los &#8211; Himmel! Ist das sch\u00f6n, einfach so zu rennen. Ich juble mit ihr, freue mich \u00fcber\u00a0 ihre Begeisterung, sie kommt schnell her, rennt wieder weg, zieht ihre Kreise. Dann kommt sie wieder und l\u00e4uft bei mir, mal schaut sie rechts und links nach den beliebten Rehk\u00f6tteln. Ute, schau einfach nicht hin! Seufz.<\/p>\n<p>Mir f\u00e4llt auf, da\u00df ich ihr sehr oft Leckerchen gebe, warum eigentlich? Nat\u00fcrlich weil sie einfach lieb und brav ist und sich so sehr anstrengt, unsere Abmachung einzuhalten. Aber eigentlich belohne ich mich selber, weil es so sch\u00f6n ist, ihr weiches, liebes M\u00e4ulchen an meiner Hand zu sp\u00fcren. Sie nimmt die Leckerchen ganz vorsichtig und sanft, hin und wieder knabbert sie z\u00e4rtlich an meinen Fingern, wie eine sanfte Liebkosung f\u00fchlt sich das an. Ein wunderbarer Grund, ihr immer wieder was ins M\u00e4ulchen zu schieben.<\/p>\n<p>An unserem Bruch ist jetzt wesentlich mehr los als vorhin und Indiana l\u00e4uft wieder an der Leine. Ganz aufgeregt zeigt sie mir, wer aller da war. Zu ihrem Pech interessiert es mich nicht wirklich. Ich glaube, in solchen Momenten bedauert sie, da\u00df der Maxl nicht da ist, der w\u00fcrde sie verstehen, aber Menschen sind da einfach sehr beschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Feb-o8-002.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1434\" alt=\"Feb o8 002\" src=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Feb-o8-002-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Feb-o8-002-300x225.jpg 300w, http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Feb-o8-002.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Im Dorf gehen die ersten Lichter an, obwohl es noch nicht mal vier Uhr ist, um halb f\u00fcnf ist es im November schon fast dunkel und bei dem Nebel wirds noch fr\u00fcher finster. Es ist so sch\u00f6n, mit ihr langsam \u00fcber die Wiese in Richtung Forsthaus zu laufen, unsere Nachbarn haben schon angeheizt und der Rauch steigt langsam aus den Schornsteinen. Wir freuen uns auf unseren warmen Kaminofen und das warme Wohnzimmer. Ich lasse sie lieber nicht mehr von der Leine, weil sie sehr, sehr aufgeregt ist. Anscheinend war der verr\u00fcckte Rehbock schon herau\u00dfen, der zur Zeit in unserer Nachbarschaft wohnt. Und am Hintereingang war auch jemand! Oho, die hat Gl\u00fcck, sagt Indiana, da\u00df sie jetzt erst heimkommt. Der rotzfreche, rote Kater? Eher nicht. Schon eher die l\u00e4ufige H\u00fcndin, die sich seit ein paar Tagen hier rumtreibt.<\/p>\n<p>Unsere M\u00e4nner sind noch nicht zur\u00fcck. Wir gehen ins Haus, machen die Lichter an, putzen unsere Schuhe ab, respektive die Hundef\u00fc\u00dfchen und genehmigen uns erstmal ein P\u00e4uschen am warmen Ofen. Die Prinzessin hat eigentlich Hunger, aber ein bi\u00dfchen mu\u00df sie noch warten, bis der Maxl da ist.<\/p>\n<p>Das war ein sch\u00f6ner Spaziergang, den wir ganz bald wiederholen m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drei Tage Symposium, ein Tag Kollegenkreistreffen, zwei Tage je ca. zehn Stunden im Zug &#8211; ich brauch einfach ein bi\u00dfchen Erholung. 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