{"id":1014,"date":"2015-07-19T14:20:28","date_gmt":"2015-07-19T12:20:28","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=1014"},"modified":"2015-07-19T15:13:28","modified_gmt":"2015-07-19T13:13:28","slug":"kastration-als-therapie-bei-problemverhalten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.forsthaus-metzelthin.de\/?p=1014","title":{"rendered":"Kastration als Therapie bei &#8222;Problem&#8220;verhalten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\">von Ute Rott<br \/>\nForsthaus Metzelthin<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Er ist nicht auszurotten, dieser merkw\u00fcrdige Rat vom &#8222;Experten&#8220; und momentan h\u00e4uft es sich wieder. Und weil ich die Hoffnung nicht aufgebe, da\u00df Wiederholungen, Wiederholungen, Wiederholungen irgendwann bewirken, da\u00df sich gewisse Erkenntnisse tats\u00e4chlich mal durchsetzen, schreibe ich diesen Artikel, denn Kastration ist im Gegensatz zu dem, was so manch ein Trainer und Tierarzt von sich gibt, nicht unbedingt die L\u00f6sung f\u00fcr problematisches Hundeverhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Stellen Sie sich vor, Sie haben einen gro\u00dfen, freundlichen, an anderen Hunden sehr interessierten R\u00fcden. Leider landen Sie in einer Hundeschule mit einer sehr netten, nur leider etwas unerfahrenen Trainerin, die ihren lustigen L\u00fcmmel bis fast zu einem Jahr bei allen Hundespazierg\u00e4ngen im Freilauf mitlaufen l\u00e4\u00dft. Er hat schon lange eine Freundin gefunden, die ihm k\u00f6rperlich und mental gleichwertig ist, und mit der mischt er alle anderen auf. Das macht so richtig Spa\u00df, zumindest den beiden. Jedenfalls stellt die Trainerin dann irgendwann fest, da\u00df das doch nicht so gut ist &#8211; ab sofort Leinenzwang und \u00fcberraschenderweise gibt es auf einmal Probleme mit anderen Hunden, denn das hat er einfach nicht gelernt. Sie suchen andere Trainer auf, weil Sie merken, da\u00df hier was schief l\u00e4uft und irgend einer r\u00e4t Ihnen schlie\u00dflich: Kastration &#8211; dein Hund hat ein Problem mit Artgenossen, da hilft nur &#8222;Eier ab&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Oder Sie haben einen kleinen Hund einer sehr schnellen Rasse, also Terrier oder Dackel, ein Hund eben, der mehr so unter der Hemmschwelle lebt. Diese Hunde wurden nicht nur daf\u00fcr gez\u00fcchtet, da\u00df sie z.B. sofort melden, wenn sich jemand dem Geh\u00f6ft n\u00e4hert, sondern auch daf\u00fcr, sofort und ohne nachzufragen, jede Art von Ratten und M\u00e4usen zu vernichten &#8211; also schnell zuzubei\u00dfen. Selbstverst\u00e4ndlich lernen auch diese Hunde eine Beisshemmung, aber gerade dadurch, da\u00df sie klein und sooo s\u00fc\u00fc\u00fc\u00df sind, sind sie h\u00e4ufig gen\u00f6tigt, sich etwas deutlicher als beispielsweise Rottweiler oder Pitbulls aufdringliche Menschen vom Leib zu halten. Wenn dann noch dazu kommt, da\u00df das Training in der Hundeschule sehr \u00fcbergriffig l\u00e4uft und stark kommandoorientiert ist, dann lernen diese Hunde ganz schnell, zu ihren eigenen Menschen nett zu sein &#8211; wenn man Gl\u00fcck hat &#8211;\u00a0 und anderes Zweibeinervolk auf Distanz zu halten. Und auch hier h\u00f6rt man dann von nicht so schrecklich kompetenten Kollegen, die schmerzhafte Erfahrungen mit dem Esszimmer des s\u00fc\u00dfen, kleinen Wichtes machen mu\u00dften: kastrieren und das Problem ist erledigt. Ja, wenns so einfach w\u00e4re. Das Problem ist nur: &#8222;Eier ab&#8220; hat nix mit &#8222;bleib mir vom Leib&#8220; zu tun.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein letztes Beispiel, denn alle guten Dinge sind ja drei.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sie haben einen jungen, sehr temperamentvollen R\u00fcden, der sehr flott an der Leine unterwegs ist und jeden Tag tausend gute Ideen hat, wie er Ihren Alltag etwas bunter gestalten kann. Das kann zugegebenerma\u00dfen sehr anstrengend sein. Aber es ist auch lustig, wenn man nicht alles so tierisch ernst nimmt und augedr\u00f6selte Socken im Bett, die neuen, schicken Pumps auf dem Komposthaufen oder zerlegte Blument\u00f6pfe im Garten nicht unbedingt ein Drama darstellen. Das Ziehen an der Leine ist allerdings nicht lustig. Ich frage mich nur: in welchem Zusammenhang stehen zerlegte Blument\u00f6pfe, L\u00f6cher im Garten oder ein an der Leine ziehender Hund mit Kastration? Sie verstehen das auch nicht? Gut, dann sind wir schon zwei. Trotzdem h\u00f6rt man immer wieder von KollegInnen und Tier\u00e4rzten: kastrieren, dann wird er ruhiger. Ja, vielleicht so in 6,7 Jahren, aber die Kastration nimmt ihm garantiert nichts von seinen tollen Ideen und Leinenf\u00fchrigkeit bekommt man nicht mit der Narkose eingespritzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich bin wahrhaftig nicht gegen Kastration. Gerade bei R\u00fcden, die in Gegenden mit unkastrierten H\u00fcndinnen in der Nachbarschaft leben, hat das viel f\u00fcr sich, um einem R\u00fcden eine vern\u00fcnftige Lebensqualit\u00e4t zu verschaffen. Aber selbst da mu\u00df man immer sehen, ob es bei diesem speziellen Hund tats\u00e4chlich notwendig ist. Um ein sog. Problemverhalten zu beseitigen, braucht es allerdings schon ein bi\u00dfchen mehr. Da sollte man vielleicht ein wenig genauer hinsehen, wo die Ursache liegt und wie man sie beseitigen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nachdem wir Hundetrainer jetzt mittlerweile alle gefordert sind, uns fachlich ein bi\u00dfchen auf dem Laufenden zu halten, da wir alle eine Genehmigung ben\u00f6tigen, um unseren Beruf aus\u00fcben zu k\u00f6nnen, w\u00e4re es doch sch\u00f6n, wenn dieser Quatsch endlich aus den K\u00f6pfen der KollegInnen verschwinden w\u00fcrde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Ute Rott Forsthaus Metzelthin Er ist nicht auszurotten, dieser merkw\u00fcrdige Rat vom &#8222;Experten&#8220; und momentan h\u00e4uft es sich wieder. 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